Silly girl - Eine Geschichte über Vertrauen

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Aberforth Dumbledore Harry Potter Hermine Granger Minerva McGonagall Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
14.09.2017
08.12.2019
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Ganze acht Tage habe ich Euch warten lassen.
Aber nun geht es weiter in unserem Krankenhaus am Rande der Stadt... (alle, die jetzt etwas wehmütig lächeln, dürften deutlich vor 1985 geboren sein :-) )

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Es wurde auch nicht seine Woche.

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, arrangierte er sich damit, für die nächsten Tage im Mungos zu bleiben. Größtenteils schweigend ertrug er die umfangreichen Beobachtungen und Diagnosen zu jeder Tages- und Nachtzeit, deren Sinn er durchaus einsah. Hatte er auf eine ruhige Minute gehofft, in der er die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Hermine gehabt hätte, wurde dies - natürlich - vom Schicksal in Form von Molly Weasley durchkreuzt, die ihr fehlendes Kücken mit Vehemenz den Heilerhänden entriss, nachdem keinerlei Infektion mehr festzustellen war.

Andererseits war es vielleicht auch ganz gut, so konnte er sich noch ein wenig darauf einstellen, wie er ihr zukünftig begegnen wollte.
Er schnaubte.
Nicht einmal in seinem inneren Dialog mit sich selbst konnte er es verhindern, krampfhaft von jeder Auseinandersetzung mit einer irgendwie gearteten Gefühlswelt durch den Gebrauch verschwurbelter Worthülsen abzulenken. 'Wie er ihr zukünftig begegnen wollte' - was für ein Schwachsinn.
So wie immer würde er mit ihr umgehen.
Und ganz sicher würde er sich nichts anmerken lassen, damit sie nicht irgendwann mit peinlich berührtem Gesicht den Rückzug in die Distanz suchen müsste.

Mitten in diese Gedanken am zweiten Tag seiner Quarantäne klopfte es an der Tür und ohne weitere Aufforderung stürmte seine Stellvertreterin herein. Minervas erkennbare Besorgnis berührte Severus. Ohne ein tiefergehendes Gespräch über seine Vergangenheit zu suchen hatte sie schon während der Arrestzeit immer dafür gesorgt, dass seine Gedanken sich nicht zu sehr um sich selbst drehen konnten; hatte ihn immer wieder mit organisatorischen Nichtigkeiten rund um Hogwarts abgelenkt und beschäftigt gehalten. Sie wusste, dass das genau das war, was er in jener Zeit brauchte und er war ihr wortlos dankbar.

Es gab keine Machtspielchen, keine verzwickten Ränkeschmiedereien; auch nicht als er zurückkam und sie eher erleichtert die Aufgaben wieder an ihn übergab. Er wusste, wie sehr sie an Albus gehangen hatte und ihre grundehrliche Vergebung war fast mehr, als er aushalten konnte.
Zu der Achtung vor ihr war über die letzten Monate daher auch eine vorsichtige Freundschaft gekommen und es war angenehm für ihn, dass Minerva ihm die Zeit dafür ließ, damit umzugehen zu lernen.

Er stand auf und verschränkte die Arme vor der Brust, als er sie begrüßte.
„Minerva. Was genau denkst Du, dass das Wort Quarantäne bedeuten soll?“
Snape konnte ein kurzes Lächeln nicht unterdrücken, als er hinter ihr die verstörten Gesichter der jungen Heilerassistenten sah, die mit einem solchen Überfall nicht gerechnet hatten und sich nun zum Rückzug entschlossen.
„Papperlapapp. Das hier ist ein magieloser Raum und Du bist sowieso nicht ansteckend. Was soll da schon passieren.“
Offenbar hatte sich McGonagall in kürzester Zeit gut informiert.
„Severus, wie geht es Dir? Wann kannst Du hier wieder raus?“
„Die Phase des Einnistens ist, so muss ich selbst einräumen, mir auch noch nicht ganz klar. Es ist besser, ich halte mich jetzt noch etwas von allem fern. Vielleicht könntest Du mir die Unterlagen von meinem Schreibtisch herüberbringen lassen.
Ist denn sonst noch jemand infiziert?“
„Narzissa Malfoy, aber sie hat gut auf die Behandlung angesprochen. Bei Potter und den Weasleys war nichts festzustellen; offenbar verfügen sie alle über eine so stabile Psyche, dass sie für dieses Gewürm uninteressant waren.“ Sie grinste. „Die junge Miss Weasley hat sich allerdings wohl intensiver mit Hermine unterhalten und anschließend sämtliche Schokoladenvorräte des Hauses verputzt. Molly war schon ganz aufgeregt, weil sie dahinter eher eine anstehende Familienvergrößerung vermutete, aber es war wohl doch nur der schwarzmagische Effekt.“
„Oh bitte, Minerva, verschone mich mit Details.“ sagte Severus, vor dessen inneren Auge eine Horde rothaariger Miniaturausgaben von James Potter marodierend durch Hogwarts zog.

„Wie geht es Miss Granger?“ fragte er, um von dem Bild davonzukommen.
„Bestens, Severus. Ich war gestern mehrere Stunden im Fuchsbau und habe mit ihr gesprochen. Sie hatte endlich einmal richtig geschlafen und wird von Molly im Schnellgang aufgepäppelt. Meine Güte, wenn ich doch nur etwas geahnt hätte, als sie damals so davongestürzt war.... das arme Kind.“
Sie legte die Hand auf seinen Arm.
„Ich bin so froh, dass sie zu Dir gekommen ist, Severus. Dementoren... das hätte doch nie jemand geahnt.“
„Ehrlich gesagt, hätte ich das auch nicht. Es war jemand anderes auf der richtigen Spur gewesen, und sie hätte das mit Sicherheit auch herausgefunden, wenn nicht...“ Er verstummte.
Der Ausdruck auf seinem Gesicht verriet Minerva sofort, dass sich hier wieder eine der fürchterlichen Geschichten vernichteter Lebenswege verbarg und sie wartete geduldig ab, ob Severus diese mit ihr teilen wollte. Sie hatte sich geschworen, niemals auf seine Erinnerungen zu drängen, so sehr es sie teilweise juckte - und mit der Zeit meinte sie, dass der sonst so misstrauische Zauberer dies bemerkt hatte und zu schätzen wusste. Wenn er dadurch die Möglichkeit fand, ein wenig von dem Grauen von seiner Seele zu reden, konnte das nur gut für ihn sein, befand sie.

„Es war Charity.“ sagte er leise und nahm sich seine Tasse mit Tee von dem Tisch, weil er auf einmal nicht mehr wusste, wohin mit seinen Händen und etwas zum Festhalten brauchte.
Ohne aus der Betrachtung des miserablen Früchtetees hochzusehen, sprach er langsam und leise weiter, während Minerva ihm schweigend weiter zuhörte, obwohl sie der unvermutete Name tief ins Herz getroffen hatte.
„Sie hatte mir die Unterlagen für ihr Buch gebracht, weil sie mir vertraute und Angst hatte. Ich hatte nicht vermutet, dass Riddle sie im Visier hatte, habe es einfach nicht geahnt. Es war schon zu spät, aber sie hat bis zur letzten Minute gedacht, ich würde sie retten; hat ihn gar nicht angesehen, nur mich. Und dieser Blick, Minerva, dieser Blick als sie erkannte, dass ich...dass ich nichts tun würde...“

Er verstummte wieder und drehte die Tasse in seinen Händen, bis er sie auf einmal in einer einzigen kraftvollen Bewegung an die Wand warf, wo sie klirrend zersprang und der Tee einen dunklen Fleck hinterließ.
Minerva sah ihm dabei zu, wie er sich nach diesem kurzen Ausbruch wieder sammelte und in den gewohnten Snape verwandelte.
„Es ist geschehen, weil er das Monster war. Nicht Du.“ sagte sie nach einer Weile leise. Er lachte kurz und bitter auf. „Wenn Du es sagst. Aber das macht es nicht besser.“

Die Tür flog auf und der Leiter der Abteilung kam erschrocken herein, während sich hinter ihm die Traube junger Assistenten neugierig den Hals verrenkte.
„Was ist geschehen?“ fragte er, während er ebenso routiniert wie zwecklos den Zauberstab in der Hand bereit hielt.
„Das von ihrer Küche anmaßenderweise als Tee titulierte Getränk hat beschlossen, seinem Elend ein Ende zu setzen und ich habe es nicht daran gehindert.“ Der Tonfall Snapes war wieder ganz der alte.
„Oh.“ sagte der Heiler diplomatisch, während er die umherliegenden Scherben registrierte und den Verlust ohne weitere Anmerkung hinzunehmen beschloss.
Er räusperte sich und fuhr fort.
„Ich habe mir eben noch einmal die letzten Analysen angesehen, Professor Snape. Es ist keinerlei Aktivität mehr seitens der Larven festzustellen. Offenbar hat die Magiesperre sie an der Einnistung erfolgreich gehindert und die Lebensspanne ist ebenso gering wie es bei den älteren Exemplaren beobachtet wurde. Ich wollte Ihnen daher vorschlagen, dass wir vorsorglich morgen früh noch eine weitere Untersuchung vornehmen; sollte diese ebenso ausfallen, sehe ich für eine weitere Quarantäne keine Veranlassung mehr.“
„Na, das ist doch mal eine gute Nachricht.“ Minerva strahlte.
Severus zog eine Augenbraue hoch. „Das dürften die Dementoren entschieden anders sehen, denke ich.“

„Darf ich dazu noch anmerken, Sir,“ fuhr der Heiler fort, ohne auf Snapes Kommentar einzugehen „wir sind Ihnen über die neuen Erkenntnis mehr als dankbar. Sie haben damit einen Grundstein dafür gelegt, in der Zukunft viel Leid vermeiden zu können. Ich hoffe, Ihnen ist das bewusst.“ Er sah den ebenso berühmten wie berüchtigten Zauberer vor sich etwas unruhig an, ob er sich zu weit auf unsicheres Gelände vorgewagt hatte.
Tatsächlich mahlten Snapes Kiefermuskeln bei dieser ungewohnten Dankesrede.
„Die Erkenntnisse waren nicht nur meine, Mr. Abram. Kommen Sie also bloß nicht auf die Idee, die Mistdinger nach mir zu benennen.“ knurrte er schließlich und der Heiler grinste erleichtert.
„Ich werde das weitergeben, Sir. Bis morgen früh, also.“ Er nickte und verließ den Raum wieder.

„Wie schön, Severus, dann kann ich hoffen, Dich morgen in Hogwarts begrüßen zu können? Wir haben dort Besuch zur Zeit, eine Abordnung von Durmstrang.“
Snape runzelte überrascht die Stirn und sah Minerva fragend an.
„Deshalb war ich eigentlich gekommen, um Dir das zu erzählen. Also, wie gesagt, ich habe mich gestern lange mit Hermine unterhalten, wie sie sich jetzt ihre Zukunft vorstellt und als erstes natürlich den fehlenden Abschluss nachholen kann.“
Snape wurde etwas mulmig. Seine Unterschrift unter ihrem Abschlusszeugnis war nach wie vor wohl keine so gute Idee, falls es jemals herauskommen würde, dass sie beide...
Schnell bemühte er sich, McGonagall weiter zuzuhören.
„Und weißt Du, da ist mir eingefallen, worüber wir uns im letzten halben Jahr öfter unterhalten haben, wie Hogwarts sich zukünftig entwickeln könnte. In Durmstrang funktioniert das mit dem angegliederten vertiefenden Studium sehr gut und nachdem Hermine mir sagte, sie würde sich gern auf den Bereich Zaubersprüche konzentrieren, hatte ich Kontakt mit Schulleiter Davamczy aufgenommen.“
Stolz sah sie ihn jetzt an.
„Sie würden sich freuen, eine so prominente und fähige Schülerin für Durmstrang gewinnen zu können. Hermine könnte dort nach kurzer Nacharbeit den Abschluss machen und gleichzeitig die vertiefende Ausbildung besuchen. Und im nächsten Jahr könnten wir dann wiederum Hermine dazu gewinnen, uns hier beim Aufbau einer solchen vertiefenden Sparte zur Seite zu stehen.“
Severus sah Minerva beeindruckt an. Der Gedanke war gar nicht schlecht und würde gleichzeitig auch das persönliche Problem mit einem Abschluss Hermines bei ihm als Schulleiter dezent lösen. Wie er es drehte und wendete, er fand keinen Haken.
Der Gedanke, dass Hermine in etwas mehr als einem Jahr dann endgültig nach Hogwarts käme, begann sich so verlockend in seinem Kopf hin und her zu drehen, dass er ihn vorsorglich schnell in ein Nebenzimmer seines Bewusstseins abschob.

„Und was sagt Miss Granger zu diesem ehrgeizigen Plan?“ fragte er ehrlich interessiert.
„Sie war begeistert - und fragte als Erstes, was Du dazu sagen würdest. Deine Meinung bedeutet ihr viel, Severus.“ Sie sah ihn etwas abwartend an und er lächelte über ihre Ahnungslosigkeit, was sich wirklich zwischen ihm und Hermine abgespielt hatte.
„Ich denke, Du hast da eine gute Gelegenheit gesehen, Minerva. Ich hoffe nur, dass es in Durmstrang  jemanden gibt, der Miss Granger überhaupt noch etwas beibringen kann.“
Minerva lächelte „Ja, die Befürchtung über fehlende Auslastung habe ich auch, wenn in Hermine wieder ihre frühere Energie erwacht. Aber ich habe keine Zweifel, dass sie dann ihren Wissendurst schlicht fachübergreifend ausweiten wird. Und das kann für Hogwarts nur von Nutzen sein.“
„Wenn sie sich anschließend für Hogwarts entscheidet.“ fügte Snape an.

„Warum sollte sie das nicht? Die Chance, einen neuen Ausbildungszweig an der besten Schule Englands aufzubauen, bekommt man nicht oft im Leben.“
Minervas Selbstbewusstsein ließ keine Einwände gelten.
Snape nickte und überlegte noch immer, wo in diesem solide klingenden Plan der Haken stecken mochte, der nach seiner Lebenserfahrung immer irgendwo lauerte, als Minerva weitersprach.

„Ich dachte mir, dass Du diese Gelegenheit so wie ich sehen würdest. Ich habe mir daher erlaubt, gestern abend für ein weiterführendes Gespräch eine Einladung an Durmstrang auszusprechen und sie haben sofort mit einer kleinen Delegation zugesagt, so schnell hatte ich da selbst nicht mit gerechnet. Es ist daher ganz großartig, wenn Du morgen mit dabei sein kannst, denn sie sind mit drei Mitarbeitern aus verschiedenen Schulbereichen bereits heute angereist.“
Minerva lehnte sich glücklich über ihren Erfolg mit einem verschwörerischen Glitzern im Auge nach vorn.
„Und wer weiß, was da sonst noch so draus wird, so schnell, wie Krum hier aufgetaucht ist. Die beiden waren so entzückend zusammen, damals beim Trimagischen Turnier, erinnerst Du Dich? Hermine erzählte mir, dass sie und Krum die ganze Schulzeit über in Kontakt geblieben waren.
Bei ihm scheint die Flamme da jedenfalls noch zu brennen.“

Minerva McGonagall lachte vergnügt und würde niemals erfahren, dass sie sich mit diesem Satz dichter am Rand einer Nahtoderfahrung bewegt hatte, als im gesamten Verlauf der Schlacht um Hogwarts.
Krum.
Der Haken hatte einen Namen.
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