Eine ganz schön schlimme Woche

OneshotDrama, Humor / P12 Slash
13.09.2017
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Es war ein wunderschöner Tag im Leben des Ivan Goncharov. Er war genauso schön wie die Tage zuvor. Warum, möchte man sich fragen, da er offenbar eine Art Geisel der Detective Agency war. Aber das störte Ivan nicht. Er dachte überhaupt nicht darüber nach. Sie waren alle so interessiert und stellten ihm ganz viele Fragen. Ivan war glücklich. Sie waren interessiert an seiner Person und wollten ihn gerne kennen lernen! Er würde endlich neue Freunde finden. Nicht, dass er nicht glücklich war mit seinen bisherigen, aber er wollte am liebsten hinaus in die Welt gehen. Fröhlich gab er ihnen Auskunft zu allen ihren Fragen und sparte nur die Dinge aus, bei denen Fyodor nicht möchte, dass er sie weiter sagte. Geheimnisse behalten, das konnte er gut.
„Nochmal zurück zu Dostoyevsky“, wandte sich schließlich wieder dieser sehr nette junge Mann an ihn, „können Sie nicht doch etwas mehr über seine momentane Beschäftigung verraten?“ während die anderen etwas unzufrieden schienen. Ivan konnte sich gar nicht vorstellen, warum, deswegen beschloss er, besonders nett zu sein.
„Dostoyevsky-sama ist wahrscheinlich zuhause und vielleicht spielt er Cello. Ich weiß es nicht, ich habe ihn ja seit ein paar Tagen nicht gesehen. Er versucht, sich seinen Tee alleine zu machen und denkt viel nach. Es könnte sein, wenn er bemerkt, dass ich fort bin, dass er mich sucht und mich abholen kommt. Ich weiß es nicht, aber er ist eigentlich wirklich nett“, erwiderte Ivan und erntete dafür verständnislose Blicke von allen Seiten.
„Er wird Sie nicht abholen kommen“, erwiderte ein anderer Mann mit Brille und längeren Haaren sichtlich genervt. Offenbar strengte den armen Mann das Gespräch sehr an. Vielleicht redete er nicht gerne mit Fremden. Ivan konnte das trotzdem nicht nachvollziehen, deswegen musste er sie alle davon überzeugen, wie nett Fyodor war und er selbst auch.
„Das macht ja nichts. Ich kann auch hier bleiben. Ich kann Ihnen allen etwas backen“, bot er an, um die Stimmung aufzulockern. Einige Blicke leuchteten plötzlich auf, was Ivan auch ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Wenige Minuten später stand Ivan in der Küche und begann seiner Leidenschaft nachzugehen. Er backte nicht nur Kuchen, sondern kochte auch Tee und richtete alles schön an. Für so viele Leute hatte er noch nie gebacken, deswegen war das gerade besonders aufregend. Er hatte nicht vorher einkaufen können, was schade war. Die Bedienstenen in der Agency wollten sicher nicht so lange auf den Kuchen warten und hatten es ihm deswegen nicht erlaubt. Er hätte zwar auch etwas richtig Aufwendiges machen können, aber so musste er sich damit begnügen mit den Sachen die hier wachen. Letztendlich wurde es nur ein einfacher Schokorührkuchen, aber auch den konnte er perfekt. Als er schließlich fertig wurde, duftete es überall schon ganz herrlich nach Kuchen und er wusste einfach, dass er sich bestimmt gleich besser mit den anderen verstehen würde. Beim gemütlichen Zusammensitzen könnte man sich auch viel besser unterhalten. Und so servierte er ihnen den Kuchen und setzte sich zu ihnen.
„Ich hoffe sehr, dass mein Kuchen Ihnen schmeckt“, sagte er lächelnd, bevor er sich selbst ein Stück davon nahm, „wenn ja, dann können Sie mich und Fyodor immer besuchen und es gibt dann sogar noch besseren Kuchen“, bot er ihnen an, auch wenn er sich im Moment nicht sicher war, ob Fyodor gerne Gäste hätte. Vielleicht würde er dann aber nicht immer so missgestimmt und traurig sein, wenn er neue Freunde kennenlernen würde. Deswegen beschloss Ivan, dass seine neuen Freunde auch Fyodors Freunde sein könnten. Sie schienen ja immerhin interessiert und wollten ganz viel über Fyodor wissen. Trotzdem waren sie irgendwie distanziert und ablehnend. Vielleicht waren sie aber auch nur schüchtern, dabei hatte er das ehrlich gemeint.
„Niemand würde Fyodor freiwillig besuchen“, hörte er von dem einen Herrn, den er zunächst noch als nett befunden hatte und schaute doch etwas überrascht.
„Ja, das stimmt. Woher wissen Sie das? Denn Fyodor hat nicht viele Freunde. Dabei ist er wirklich sehr freundlich, er geht nur nicht gerne raus. Wenn Sie Interesse haben, mit ihm befreundet zu sein, kann ich Ihnen gerne mehr über ihn erzählen“, sagte er und war etwas überrascht, dass ihn alle so erschrocken ansahen. Was war denn daran schlimm? Manche Menschen gingen eben nicht gerne raus und hatten nicht viele Freunde. Aber Ivan hielt sich zurück, immerhin schien einer von ihnen wirklich interessiert. Ein Mann mit schwarzen Haaren und Brille schob die beiden anderen weg und sagte lächelnd:
„Ja, wir hätten Interesse, also, erzählen Sie doch bitte mehr.“
Die anderen schienen nun anhand seiner Reaktion auch nicht mehr so abgeneigt und Ivan war sich sicher, dann nun das Eis gebrochen war. Also könnte er ruhig mehr über Fyodor erzählen.

„...achja, und wenn er Tee trinkt, tut er meistens nur ein Stück Zucker rein. Es sei denn, es geht ihm schlecht. Dann mindestens drei. Und ich habe noch nicht erzählt, dass er einmal ein Lied nur für mich komponiert hat. Es hatte einen seltsamen Klang trotz allem, aber ich habe es geliebt. Wenn er nachdenkt, schläft er manchmal einfach ein. Ich decke ihn dann immer zu, aber ich glaube, er merkt das nicht. An Bad Hair Days trägt er eine Mütze. Also eigentlich immer. Gut, das macht keinen Sinn. Jedenfalls geht er ohne sie nicht aus dem Haus. Ich bin überzeugt, dass er viel zu viel nachdenkt, aber er braucht das, denn sonst wäre er nicht er selbst. Er ist nachts auch immer viel länger wach und ich bin noch nie später als er ins Bett gegangen. Aber bis Fyodor aufsteht, habe ich immer sein Frühstück für ihn schon gemacht. Hmm...“, plötzlich wurde Ivan still, weil ihm etwas auffiel, und sprach für einen Moment nicht weiter. Keine Sekunde später warf der Blonde mit der Brille ein genervtes „Das reicht!“ ein.
„Stimmt. Das reicht. Ihr solltet ihn wirklich selbst kennenlernen!“, erwiderte Ivan euphorisch, trotzdem war ihm aufgefallen, dass Fyodor mehrere Tage ohne ihn gefrühstückt hatte. Das würde ihm möglicherweise nicht gefallen. Er hatte das Bedürfnis, sich bei ihm zu melden. Die Mitglieder der Agency berieten sich und er aß den Rest von seinem Kuchen auf, während er überlegte, wie er ihnen diesen Vorschlag machen sollte. Nicht weit von ihm lag auf einem Tisch ein Telefon, dass er einfach in die Hand nahm und unauffällig Fyodors Nummer eintippte, da die anderen offenbar beschäftigt waren. Er könnte ja beide Parteien überraschen, wenn sie zu schüchtern waren, sich anzufreunden.

#

Es war ein abgrundtief furchtbarer Tag im Leben des Fyodor Dostoyevsky. Und er war noch schlimmer als die Tage davor. Denn inzwischen war die Küche schon halb abgefackelt, die saubere Wäsche beinahe komplett aufgebraucht und Fyodor konnte die Bedienungsanleitung dieser Waschmaschine nicht finden, obwohl er dafür die komplette Wohnung auf den Kopf gestellt hatte, wodurch ein ziemlich extremes Chaos herrschte. Seine Ratten waren auch noch entkommen und Fyodor wusste nicht, wo sie sich verkrochen hatten. Zu allem Elend war der Vodka auch noch leer. Daran war mit Sicherheit dieser elende Pushkin schuld. Unzufrieden aß Fyodor eine Dosensuppe, aus Ermangelung anderer Lebensmittel. Er würde allerdings nicht aus dem Haus gehen, weil er seine Ushanka-Mütze nicht finden konnte. Ungern wollte er sich eingestehen, dass diese ganzen misslichen Umstände mit dem Verschwinden eines gewissen Goncharov zu tun hatten. Er brauchte ihn nicht. Manchmal wünschte er sich, er hätte es sein gelassen, an ihm ein Experiment durchzuführen, um einen fröhlichen Menschen zu erschaffen. Denn das machte alles nur noch schwerer. Und jetzt war Ivan Goncharov fort. Da er nie freiwillig gehen würde, gab es nur einen logischen Grund. Ivan war entführt worden. Und das stellte ihn nur vor weitere Probleme. Fyodor wollte nachdenken, wie er jetzt weiter vorgehen sollte, aber wie sollte er das bitte tun, wenn er nicht mal anständiges Essen bekam und hier in dieser Unordnung verrotten musste!??
„PUSHKIN!“, schrie er durch die Wohnung. Normalerweise war Fyodor stets ruhig und durchdacht, aber inzwischen war der Notstand eingetreten.
Wenig später kam ein immer noch essender Pushkin schließlich in die Stube und wagte sich ein klägliches „Ja?“ da er wusste, dass es alles an ihm hängen bleiben würde, wo es doch nicht mal sein Aufgabenbereich war.
„Pushkin, ich befehle dir, dass du sofort die Beschreibung der Waschmaschine suchst und dass du Pizza bestellst und dass du Vodka kaufen gehst“, forderte er ihn auf und rieb sich genervt die Schläfen. Er spürte die Stresskopfschmerzen bereits. Dennoch wollte er sich keine Schwäche in dieser unangenehmen Situation eingestehen und Pushkin auch nicht.
„Ja, Dostoyevsky-sama!“, antwortete Pushkin zu seiner Zufriedenheit wenigstens und verschwand. Er würde selbstverständlich zuerst den Vodka kaufen gehen und dort erstmal lange verweilen. Dieser erschreckenden Wahrheit wurde sich Fyodor erst bewusst, als er nach einer Weile bemerkte, dass er allein war. Das machte ihn nervös, weswegen er anfing, an den Nägeln zu kauen, was seine schlechte Angewohnheit war. Missmutig starrte er vor sich hin und blieb regungslos da sitzen, während er versuchte, nachzudenken. Doch es wollte nicht funktionieren, da er die ganze Nacht kaum geschlafen hatte. Oder weil er seine Ushanka nicht aufhatte, das konnte auch sein. Erwollte sie suchen, aber er fühlte sich furchtbar elend. Hoffentlich würde er nicht krank. Das wäre es noch. Wie sollte er das bitte überleben? Als ein armer, von allen alleingelassener Mann würde es ihm sicherlich sehr schlecht ergehen. Doch dann fiel ihm ein, dass Pushkin ja sicherlich zurückkommen würde. Und plötzlich klingelte das Telefon.

Das laute Klingeln ließ Fyodor erstmal zusammenzucken. Er hatte schon diesen Klang völlig vergessen, denn normalerweise rief ihn so gut wie nie jemand an. Das war durchaus befremdlich. Langsam näherte er sich dem Telefon, als wäre es ein gefährliches Tier. Als er die Nummer darauf lesen konnte, zuckte er zurück. Er kannte diese Nummer nicht und war auch nicht gewillt, den Anruf anzunehmen. Es könnte aber sein, dass es Pushkin war. Oder Schlimmeres. Es hörte einfach nicht auf zu klingeln. Verdammt, er hätte einen Anrufbeantworter einbauen sollen. Wenn es nicht aufhörte, dann schien es wichtig zu sein, jedenfalls terrorisierte es ihn ungemein. Und so tat er das anscheinend Unvermeidbare. Er nahm den Hörer ab und sagte erstmal... nichts.

#

Ivan beobachtete die anderen weiterhin verstohlen während er erkennen konnte, dass jemand abgenommen haben musste, denn die Anzeige auf dem Display veränderte sich und zeigte nun die Dauer des laufenden Anrufes an. Schnell ließ er das Telefon möglichst unbemerkt unter seinen langen Haaren verschwinden bevor er ein leises „Meister“ hineinflüsterte. Anscheinend freute Fyodor sich, ihn zu hören. Zumindest drückte er keine Missstimmung aus.
„Ah. Goncharov“, war das einzige, was Fyodor sagte. Er wäre am liebsten durchs Telefonkabel gekrabbelt und hätte den Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen. Aber das konnte er nicht. Er wusste nicht von wo und warum Ivan anrief. Vielleicht war es überhaupt ein Fehler, zu sprechen.
„Ich habe neue Freunde gefunden!“, erzählte Ivan begeistert und lachte leicht. Er musste es ihm einfach erzählen. Auch wenn er jetzt die stechenden Blicke der Mitglieder der Agency auf sich spürte.
Fyodor hingegen spürte einen Stich woanders. Was sollte das heißen? Sagte Goncharov ihm jetzt etwa damit, dass er fortgegangen war und nicht wieder zurückkommen wollte? War das wirklich ernst? Oder war es nur eine Falle? Möglicherweise wollte irgendjemand wieder gegen ihn vorgehen. Er knabberte nervös an seinen Fingernägeln und ließ sich zu einem leisen „Ach, ist das so?“, herab. Den kalten Unterton darin konnte er nicht verbergen. Falls ihr Gespräch abgehört wurde, würde ihm das sicher zum Nachteil gereichen. Er fragte sich, ob er auflegen sollte und gleichgültig dem gegenüber sein sollte, aber er brauchte Ivan und er brauchte ihn hier. Dringend.
„Oh, glaubt Ihr mir das nicht? Ja, es ist wirklich so und sie sind sehr nett“, flötete dieser weiterhin ins Telefon und es brachte Fyodor um den Verstand. Einerseits freute er sich, aber andererseits war er stinksauer.
„Ist mir egal. Ich will meinen Tee“, sagte Fyodor trotzig, weil es ihm inzwischen wirklich reichte.
Ivan war derweil darauf bedacht, den Mitgliedern der Agency auszuweichen, damit er ihnen das Telefon nicht geben musste. Er lächelte allerdings glücklich über die Worte seines Meisters.
„Ich glaube, er möchte Sie alle gerade nicht sprechen“, sagte er zu den Leuten und lachte leicht.
„Ivan...“, sagte Fyodor inzwischen mit einem gefährlicheren Unterton.
Inzwischen war Chaos um ihn herum und Ivan wusste gar nicht warum. Er hatte es doch nur gut gemeint. Aber er war sich sicher, dass Fyodor eigentlich wollte, dass er nach Hause kam und das freute ihn irgendwie auch. Die Mitglieder der Agency hielten ihn fest und griffen nach dem Telefon. Fyodor hatte inzwischen allerdings schon aufgelegt. Eine gewisse Panik machte sich breit. Ivan konnte dies jedoch nicht nachvollziehen. Auf seinem Gesicht lag ein breites Lächeln. Fyodor würde ihn DOCH abholen kommen. Vielleicht aber auch nicht, denn plötzlich kam jemand auf ihn zu.
„Würdest du deinen neuen Freunden einen Gefallen tun?“, fragte der junge Mann der zuerst mit ihm geredet hatte ihn. Ivan legte verwirrt den Kopf schief und ihm fielen plötzlich genauer die Verbände ins Auge, die der andere trug. JETZT wusste er, warum er ihm gleich so sympathisch gewesen war.
„Ja, kann ich gerne tun!“, sagte er und lächelte zurück.
„Als Bedingung, dass du öfter mit uns Kuchen essen darfst, und wir das nächste Mal für dich backen, möchten wir, dass du erstmal nichts weitererzählst, was hier geschehen ist. Einverstanden?“, stellte er seine Forderung und Ivan starrte ihn mit großen Augen an. Ebenfalls waren seine Kollegen überrascht.
„Sie würden... für mich...backen!??“, fragte er erstaunt und war wirklich überwältigt. Das hatte ihm noch nie jemand angeboten, dass er für ihn backen würde! Ivan weinte Freundentränen, weil er es überhaupt gar nicht fassen konnte. Wie nett war das denn? Er brauchte einen ganzen Moment, bis er sich wieder gefasst hatte und er alle umarmt hatte, bis er wieder in der Lage war, zu sprechen.
„Das ist so nett. Und ich verspreche es. Ich werde absolut gar nichts erzählen“, versprach er und blinzelte.
„Gut, dann kannst du jetzt nach Hause, zu deinem Meister – er wartet auf seinen Tee“, sagte der Detective und zwinkerte ihm zu.
„Ja, das tut er sicher“, sagte Ivan leise, immer noch ganz von der Rolle und stand schließlich auf.
„Bis zum nächsten Mal!“, wurde er fröhlich verabschiedet, bevor der andere Blonde auf den netten Detective losging und ihn beschimpfte und schlug. Aber das war Ivan egal, denn er hatte neue Freunde gefunden und er musste Fyodor unverzüglich seinen Tee bringen. Also verschwand er durch die Tür, während er im Hintergrund noch ein „Hey! Der sagt nichts, der denkt nichts Böses!“, hörte. Ja, das stimmte. Ivan dachte wirklich nichts Böses und so lächelte er immer noch, als er schließlich nach Hause kam.

#

Dort wurde er bereits von Fyodor erwartet. Dieser war durchaus nicht gut auf ihn zu sprechen. Was sollte das mit diesen neuen Freunden? Und er hatte auch Angst, dass es nun möglich war, ihm nachzuweisen, wo er sich befand. Hoffentlich ging es nicht so weit, aber wahrscheinlich nicht. Trotz allem war er paranoid.
„Ivan“, sagte er ungehalten, als dieser das Haus betrat, „bist du alleine?“
„Natürlich, Meister! Ihr wolltet sie ja nicht sprechen. Also mache ich Euch jetzt Euren Tee!“, sagte Goncharov beschissen fröhlich wie immer und Fyodor atmete tief durch, indem er sich langsam einredete, alles sei normal. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und wartete auf den Tee. Skeptisch beobachtete er seinen Untergebenen, als er schließlich mit dem Teeservice eintrat, aber alles schien wie gewöhnlich. Wahrscheinlich war es das auch.
„Ihr Tee, Dostoyevsky-sama! Mit Liebe zubereitet~“, sagte Ivan sanft und stellte das Tablett neben Fyodor auf einen kleinen Ablagetisch.
„Danke, Ivan“, sagte Fyodor knapp, bis ihm jedoch etwas einfiel und er ein „...warte“ anfügte. Goncharov verharrte in der Bewegung und blickte ihn direkt an, während er erwartungsvoll mit „Jaaa?“ antwortete.
„Ich hoffe doch sehr, dass du deinen „neuen Freunden“ nichts über mich erzählt hast“, sagte er mit einer leicht gefährlich klingenden Stimme.
„Äh... naja... ich habe nicht nichts erzählt aber auf keinen Fall etwas schlechtes oder etwas was Euch-“, versuchte Ivan sich herauszureden aber Fyodor platzte der Kragen. Das konnte doch nicht wahr sein. Er stand auf und ging mit in die Seite gestemmten Armen auf Ivan zu und wollte somit eindrucksvoller erscheinen, weil er eigentlich kleiner war als Goncharov. Mit dessen Lächeln im Gesicht wirkte es fast, als würde er ihn auslachen, also rückte Fyodor sich die Mütze zurecht und versuchte, ruhig zu bleiben, während er ihn kalt und ausdruckslos anstarrte.
„Bitte seid nicht wütend Meister, trinkt Euren Tee, er wird kalt“, erwiderte Ivan fröhlich und reichte ihm demonstrativ die Tasse. Fyodor war im ersten Moment so wütend, dass er ihm fast die Tasse aus der Hand geschlagen hätte, aber als er ihn einfach anlächelte, konnte er plötzlich nicht mehr wütend sein. Was war Ivan nur für eine Art Mensch, fragte sich Fyodor manchmal, bis ihm die Angelegenheit mit der Operation wieder einfiel und er sich nicht mehr sicher war, ob er das hätte jemals zulassen sollen. Denn ab und an... machte es ihn fertig. Zerstreut fuhr er sich durchs Haar. Und so nahm er sich sodann ergeben die Tasse und nippte daran. Eigentlich wollte er ja auch nur, dass Goncharov zurückkam und ihm seinen Tee servierte und das Haus wieder in Ordnung brachte. Trotzdem ließ ihn diese eine Frage nicht los. Und Ivan hätte sie ihm vielleicht beantwortet, wenn er ihn nicht eingeschüchtert hätte. Also versuchte er anders an die Angelegenheit heranzugehen.
„Ich bin nicht wütend“, murmelte er schließlich und versuchte sich zu beruhigen. Nach ein paar Schlucken Tee ging es ihm auch schon besser, „aber ich erwarte, dass du mir sagst, was du ihnen erzählt hast, Ivan“, versuchte er es schließlich nochmal.
„Ähm, Meister... ist das wirklich nötig?“, sagte Ivan schließlich und für einen kurzen Moment spürte Fyodor seine Wut in sich zurückkehren, wollte sie diesmal aber nicht zeigen.
„Ja, ist es. Sag es mir“, befahl er knapp.
„Gut. Ich war mir nur nicht sicher, ob Ihr es wissen wollen würdet“, sagte Ivan etwas kleinlaut während er verlegenheitshalber bereits begann, aufzuräumen. Fyodor beobachtete dies verwirrt aber auch nach wie vor genervt. Manchmal fühlte er sich wirklich so, als ob Goncharov ihn verarschen wollte.
„Ich will es wissen. Würde ich sonst fragen?“, erwiderte er ungeduldig und massierte sich die Schläfe.
„Na gut. Dann verrate ich es Euch“, sagte Ivan zögerlich, während er gerade etwas wegräumte.
Fyodor machte eine ungeduldige Handbewegung und fragte sich inzwischen wirklich, ob Goncharov keine delikaten Informationen weitererzählt hatte, nachdem er sich so verhielt. Doch das was er dann zu Hören bekam, ließ Fyodor sprachlos zurück. Eigentlich hatte er ihn noch fragen wollen, mit wem er gesprochen hatte, doch das hatte er aufgrund der Worte seines Angestellten ganz vergessen: Ivan berichtete, dass er von seinen Trink und Essgewohnheiten gesprochen hätte, von seiner Mütze die er immer trug und dass er mal ein Lied für ihn komponiert hätte. Das war eigentlich gar nicht so, aber Fyodor hatte ihn im Glauben gelassen und wunderte sich jetzt warum sich Ivan noch daran erinnern konnte. Als er davon redete, dass er glaubte, Fyodor würde zu viel nachdenken, runzelte er etwas die Stirn und wurde letztendlich rot, als er am Ende erwähnte, dass er ihn immer zudeckte. Sein Gegenüber war ebenfalls rot geworden. Etwas irritiert blickte er ihn an, unsicher, was er jetzt darauf sagen sollte. Im Endeffekt war er nur erleichtert, dass er keine Informationen ihrer Organisation verraten hatte, aber das hier waren ziemlich private Augenblicke, von einer Person, die ihn tagtäglich mit einem Lächeln beobachtete...
„D-danke, Ivan...“, stammelte Fyodor ziemlich überfordert und wusste gar nicht was er jetzt überhaupt tun sollte, als er plötzlich ein bekanntes und erfreuliches warmes Gefühl auf seinem Kopf spürte, als Ivan ihm plötzlich seine Ushanka-Mütze auf den Kopf setzte und mit einem „Bitteschön, Meister“ und einem Lächeln antwortete.
„Du hast sie gefunden!“, sagte Fyodor und plötzlich war seine ganze schlechte Laune wie verschwunden und ein ehrliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Ivan strahlte mit ihm und für einen ganz seltenen Moment waren sie in gemeinsamer Harmonie.
„Ja. Alles wird gut, Meister“, sagte Ivan und legte leicht seine Hand auf seinen Arm. Fyodor zog seinen Arm zurück, aber bevor Ivan zurückweichen konnte hielt er seine Hand fest.
„Bestimmt wird es das. Wenn du das Chaos in der Küche beseitigt hast, abgestaubt hast, die Ratten eingefangen hast, aufgeräumt hast, die Wäsche gemacht hast, Pushkin und mir Abendessen gekocht hast, dann schon“, erwiderte Fyodor mit einem Grinsen und ließ schließlich Ivans Hand los.
„JA, Meister!“, erwiderte Goncharov mit einer Bestimmtheit, wie sie ihm gefiel und legte sofort los. Fyodor setzte sich zurück in seinen Sessel und sah ihm bei der Arbeit zu. Er lenkte ihn fast vom Ausarbeiten seines neuen Plans ab, so hektisch war er, während er um ihn herum sauber machte. Er hatte ihn noch nie so schnell arbeiten sehen. Erhoffte er sich etwa irgendetwas davon? Fyodor legte nachdenklich den Kopf schief. Wirklich sonderbar, dieser Goncharov. Aber was würde er nur ohne ihn tun? Ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen und er seufzte zufrieden. Zum Glück war er wieder da und seltsamerweise war heute aus diesem wirklich grauenhaften Morgen noch ein wirklich schöner Tag geworden.
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