Die Theorie der ungenutzten Chancen

von Knusta
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Amy Fowler Leonard Hofstadter Penny Sheldon Cooper
13.09.2017
23.03.2018
20
77.410
5
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
13.09.2017 1.844
 
[ ~ TBBT und die Charaktere gehören mir nicht  ~ Ich habe die Geschichte bereits vor einigen Jahren unter dem Namen ‚Lieben oder nicht Lieben‘ gepostet, mich nun aber entschieden, sie komplett zu überarbeiten. Damals war die fünfte Staffel noch brandneu und die Beziehung zwischen Sheldon und Amy grade erst entfacht. Heute wissen wir alle, dass Sheldon und Amy ein tolles Paar sind und Penny mit Leonard glücklich ist … ABER … was wäre das Leben ohne ein paar kleine Tagträume? Alles beginnt mit Staffel 5, Folge 10 …  ]

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

(…)

Sheldon: Ich wollte dich fragen, ob du mit mir ausgehen willst.

Penny: Was?

Sheldon: Ein Date. Du und ich. Wir gehen essen, tanzen und können uns einen Preiskampf ansehen.
Penny: Oh Gott, willst du etwa Amy eifersüchtig machen?

Sheldon: Nein! Warum redet alle Welt über Amy, die eventuell heute Abend mit Stuart ausgeht und möglicherweise in sexuelle Aktivitäten verstrickt werden wird? Nein, es geht nicht um Amy!

Penny: Hör mal Sheldon, du wirst Amy nicht zurückbekommen, indem du Spielchen mit ihr spielst.

Sheldon: Ich versuche doch gar nicht, sie zurück zubekommen! Aber …aus reiner Neugierde, wie könnte man das anstellen?

Penny: Ok Schätzchen, ich werde dir eine Geschichte erzählen. Es gab da einen Typen, den ich sehr mochte, aber ich habe es ihm nie gesagt. Dann ist er mit einer anderen ausgegangen und ich bereue es bis heute, ihm nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Verstehst du, was ich dir sagen will?

Sheldon: Ich denke ja. Ich bin der Typ.

Penny: Nein, bist du nicht.

Sheldon: Bist du sicher? Es würde nämlich vieles erklären. Deine ständige Anwesenheit in meiner Wohnung und diese unglückliche Geschichte mit Leonard, nur um in meiner Nähe sein zu können und die Art, wie zu mich Schätzchen nennst…

Penny: Sheldon, ich nenne fast jeden Schätzchen.

Sheldon: Du Luder!

Penny: Ok, alles was ich dir damit sagen wollte, ist, dass du auf dem schnellsten Wege zu Amy gehen und mit ihr sprechen solltest. Bevor es zu spät ist und du es für immer bereuen wirst, es nicht getan zu haben…


[S5E10 - The Flaming Spittoon Acquisition]

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

1. Kapitel – Ein Vertrag, eine Beziehung


Was für ein Tag! Penny legte ihre Füße vorsichtig auf dem Wohnzimmertisch ab und ließ sich in die Kissen sinken, während sie eine Schale mit Käsenudeln auf ihren Oberschenkeln balancierte. Sie griff zur Fernbedienung, entschied sich dann aber um. Selbst die stumpfsinnigste Sendung würde ihr heute keine Zerstreuung bringen. Stattdessen ließ sie die letzten Stunden nochmals Revue passieren.  Sheldons Besuch und sein Anliegen hatten sie unvorbereitet getroffen. Ihr Nachbar schaffte es nach Jahren immer noch, sie zu überraschen und zu irritieren.

Ein Date mit Sheldon?

Absurd.

So gern sie Sheldon auch hatte, er war ganz sicher nicht der Typ aus ihrer Geschichte. Wie er auf die Idee gekommen war, er selbst könnte gemeint sein, war ihr ein Rätsel. Sie hatte Sheldon tatsächlich eine wahre Geschichte erzählt, auch wenn er nicht in der Lage gewesen war, die Wahrheit darin zu erkennen. Es ging natürlich um Leonard und die gescheiterte Beziehung.

Penny gab es nicht gerne zu, aber sie trauerte dieser Beziehung tatsächlich ein wenig hinterher. Leonard war anders gewesen, als alle Freunde vor ihm. Die Beziehung zu ihm war ernsthafter und ehrlicher gewesen, als alles davor, aber es hatte nicht gereicht. Sie hatte sich von seiner Zuneigung erdrückt und überfordert gefühlt und Leonard hatte sich so viel Mühe gegeben, dass es nicht mehr echt gewirkt hatte. Penny schniefte und wandte ihr Gedanken wieder dem aktuellen Thema zu.
Sheldon und Amy. Konnte das funktionieren?

Auch wenn Sheldon es gerne kaschierte, war er doch nur ein Mensch und Penny konnte sich nicht vorstellen, dass er nie davon geträumt hatte, eine Freundin zu haben. Wenn er jetzt nicht ins kalte Wasser sprang und es mit Amy versuchte, würde es vielleicht keine weitere Möglichkeit geben und er würde wieder in seiner Arbeit versinken. Wenn er sich wieder daneben benahm und Amy endgültig in die Flucht schlug, würde Penny ihm das sehr übel nehmen. Sie hatte Gefallen an der spleenigen Neurobiologin gefunden und es gefiel ihr ebenfalls, dass Amy es schaffte das menschliche in Sheldon zu betonen. Sie hatte einen guten Einfluss auf Sheldon und machte den Umgang mit ihm ein wenig leichter.

Neugierig warf Penny einen Blick auf ihr Handy. Sie war sich sicher, dass Amy sie sofort anrufen würde, wenn sie eine Entscheidung gefällt hatte. Aber bis dahin hieß es warten.

Eine Weile tippte Penny sich durch ihre WhatsApp Chats und versuchte zu erfahren, ob jemand ihr beim Warten Gesellschaft leisten wollte, doch niemand hatte Zeit oder Lust und so saß sie allein auf ihrem Sofa und wusste nichts mit sich anzufangen.

„Ach, was soll‘s“, murmelte sie frustriert und erhob sich, um eine Weinflasche zu öffnen.


---


Penny griff mit der freien Hand nach ihrem Handy.

‚ Es gibt gute Neuigkeiten! Sheldon hat endlich die Frage der Fragen gestellt. Anschließend hat er in meiner Wohnung gewartet, bis ich mein Date mit Stuart beendet hatte. Ich habe den Beziehungsrahmenvertrag bereits unterschrieben. Weitere Informationen folgen. ‘

Kaum hatte sie die Nachricht gelesen, begann das Telefon zu klingeln.

„Hallo Penny! Sicher hast du grade meine Nachricht gelesen, aber ich hatte das Gefühl, mit dir persönlich darüber reden zu müssen“, meldete sich eine gut gelaunte Amy.

„Ich freu mich so für dich, Ames. Du hast schließlich lange genug darauf gewartet. Ist er noch bei dir?“

„Du meinst sicher Sheldon. Er ist schon vor Stunden nach Hause gegangen, um seinen Schlafzyklus nicht durcheinander zu bringen.“ Es entstand eine kurze Pause. „Ist das nicht aufregend? Noch vor kurzem hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass sich das andere Geschlecht für mich interessieren könnte und jetzt hatte ich sogar die Wahl. Aber wem erzähle ich das… Du weißt ja selbst wie es ist, wenn man von allen Seiten umworben wird. Mit deiner Porzellanhaut und deinem wunderschönen honigblonden Haar….“  

Penny rümpfte irritiert die Nase. „Lass uns doch lieber über dich und Sheldon reden. Was steht denn in eurem Vertrag?“

„Gut das du fragst, ich hab ihn dir schon per Mail geschickt, allerbeste Freundin.“

Penny zögerte und machte ein gequältes Gesicht. „Nein… das muss nicht sein. Ich will es lieber in deinen Worten hören.“

„Der Vertrag legt fest, in welchem Rahmen sich unsere  Beziehung als Freund und Freundin bewegen wird. Ich gebe zu, dass mich einige Abschnitte, insbesondere Paragraph 3, Absatz 5: Händehalten und Absatz 6: Umarmungen und andere körperliche Zuwendungen etwas enttäuscht haben. Aber hey, ich habe einen Freund “, sang Amy ins Telefon.

„Was meinst du damit? Ihr habt vorab festgelegt, wie weit ihr gehen werdet?“

„Ja, darauf läuft es hinaus, aber ich habe die Hoffnung, dass Sheldon seine Meinung dazu bald ändern wird “, sagte Amy und machte ein Geräusch, dass Penny an ein sterbendes Eichhörnchen erinnerte. „Sicher weißt du, worauf ich hinaus will… “

Penny lauschte Amys aufgeregtem Monolog und nippte an ihrem Wein. Wie konnte es sein, dass selbst Amy es schaffte, einen Mann an sich zu binden und sie war immer noch allein? Allein mit ihrer Flasche Wein und einem Berg an Fehlentscheidungen und Problemen.


---


Ein paar Monate später:


Nachdem sich die erste Aufregung um Sheldons Beziehungsstatus zu Amy gelegt hatte und alle mehr oder weniger akzeptiert hatten, das die beiden ab jetzt gedachten eine romantische Beziehung zu führen, kamen die Freunde langsam wieder zur Ruhe. Schließlich hatte sich nichts verändert, davon abgesehen, dass sie nun eine weitere Person in der Sitzgruppe um Sheldons und Leonards Wohnzimmertisch unterbringen mussten. Trotzdem meinte Penny bemerkt zu haben, dass die Gruppendynamik eine andere war.

Früher hatte sie eine engere Bindung zu Bernadette gehabt, doch nun steckte diese gerne den Kopf mit Amy zusammen, um über die Eigenarten und Macken ihrer Freunde zu lamentieren. Wann immer sich die drei  Frauen trafen, schwenkte das Gesprächsthema schnell zu Howard, Sheldon oder zu Beziehungsproblemen im Allgemeinen und Penny fühlte sich wie das fünfe Rad am Wagen. Aber Selbstmitleid und negative Gedanken brachten sie nicht weiter. Zum Glück hatte sie genügend Männer in ihrem Leben gehabt, um trotzdem mitreden zu können und mehr über Howards und Sheldons Vorlieben und Schwächen zu erfahren konnte ihr vielleicht irgendwann von Nutzen sein.

Doch nicht nur ihre Freundinnen hatten sich verändert. Auch Sheldon begann, sie mit Beziehungsfragen zu belästigen und ihre Zusammentreffen waren bei weitem nicht mehr so unbeschwert wie früher. Wie oft hatte Penny in den letzten Jahren das Bedürfnis gehabt, ihn zu lynchen, wenn er ihre Grammatik verbesserte oder ihr ihren unterlegenen IQ vor Augen führte, doch jetzt vermisste sie die guten alten Zeiten ein wenig. Damals hatte es keine Themen wie ‚Dating‘, ‚das richtige Geschenk für meine Freundin‘ und ‚wie mache ich Komplimente‘ gegeben. Es gab nur sie und Sheldon. Zugegeben, ein bizarrer Gedanke, aber Sheldon war über die Jahre zu einem treuen Freund geworden, den sie kindischerweise nur ungern mit einer anderen Frau  wollte. Obwohl sie ebenfalls mit Amy befreundet war, nagte da ein Gefühl in Pennys Magengegend, dass sich gut und gerne mit dem Begriff ‚minimale Eifersucht‘ zusammenfassen ließ.

Penny seufzte leise und betrachtete die kleine Gruppe, die sich um den Wohnzimmertisch versammelt hatte und das asiatische Take-Away verspeiste, dass sie zusammen mit Leonard organisiert hatte. Alles war wie immer und doch störte sie etwas an diesem Bild.

Amy hatte ihren Platz neben Sheldon eingenommen und die beiden saßen kerzengrade nebeneinander, ohne sich zu berühren. Überhaupt war es wohl für einen außenstehenden Betrachter schier unmöglich zu erkennen, dass die beiden eine Beziehung führten. Es gab keine Umarmungen und Küsse, keine verliebten Blicke oder Kosenamen. Nichts, was in Pennys Augen eine romantische Beziehung ausmachte. Konnte das wirklich auf Dauer funktionieren?

Sie hatte Amy danach gefragt, doch die zuckte nur mit den Schultern und erklärte ihr, dass sie durchaus zufrieden mit der derzeitigen Situation war. Doch Penny war sich sicher, in den dunklen Augen ihrer Freundin ein wachsendes Fünkchen Frustration entdeckt zu haben. Sie hatte im letzten Jahr eine ziemlich genaue Vorstellung davon bekommen, wer Amy war und was sie sein wollte. Amy hatte nie bestritten, dass Emotionen zu ihrem Leben gehörten und dass sie an zwischenmenschlichen Interaktionen jeglicher Form interessiert war. Sie hatte lediglich nie jemanden gehabt, mit dem sie diese hätte teilen oder ausführen können.

Das war ein großer Unterschied zu Sheldon, der seine Verdrängungstaktik fast zu Perfektion ausgebaut hatte. Er war miserabel, wenn es darum ging, andere Menschen und deren Verhalten zu lesen und das kaschierte er gerne mit Unnahbarkeit. Amy hatte bereits kleine Wunder bewirkt, aber es würde sicher bald der Punkt erreicht sein, an dem Sheldon einlenken musste. Ansonsten konnte es womöglich passieren, dass die beiden an diesen feinen aber doch vorhandenen Differenzen scheitern würden. Und wer würde dann den sprichwörtlichen Scherbenhaufen wegkehren müssen?

Penny erhob sich und ging zum Kühlschrank, um sich eine Flasche Wasser zu holen.  Bernadette war ihr gefolgt und musterte die ernste Miene ihrer Freundin.

„Ist alles ok mit dir?“

„Sieh sie dir an“, flüsterte Penny und nickte dezent in Richtung Amy und Sheldon, die sich in eine ‚Konversation‘ vertieft hatten.

Bernadette verzog unschlüssig das Gesicht. „Jeder liebt auf seine Art und Weise, Penny“, antwortete sie und schenkte ihrer Freundin ein  unsicheres Lächeln. „Aber sie sind schon ein wenig schräg.“

--
Review schreiben