Seelenverwandt

von Silvana
KurzgeschichteRomanze, Familie / P12 Slash
13.09.2017
17.09.2017
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Hallo ihr Lieben! Ich versuche mich mal wieder an einer Wrestling-Geschichte und hoffe, sie gefällt euch. Über Reviews freue ich mich immer. :)

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Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairings: Kevin Owens / Karina (seine Ehefrau), Kevin Owens / Sami Zayn angedeutet
Timeline: Ende August 2017
Warnung: Slash (aber diesmal nur leicht angedeutet)

Anmerkung:
Ich verwende die Gimmicknamen der Jungs anstatt ihrer realen Namen, weil ich es in Fanfictions so lieber mag.


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Es war ein wunderschöner Spätsommertag am Crystal Lake mitten in Kansas. Die Sonne stand hoch am Himmel und Sami saß entspannt unter zwei Palmen am Tisch eines kleinen Eiscafés oberhalb des Strandes. Von hier aus konnte er den gesamten See überschauen und während er seinen Blick über die malerische Landschaft schweifen ließ, seufzte er zufrieden. Er fühlte sich wohl. Die frische Luft tat ihm gut, sie war warm, aber nicht schwül und es wehte eine leichte Brise. Am Strand lagen nicht einmal viele Leute, denn die meisten Kinder waren vermutlich in der Schule und deren Eltern auf Arbeit. Er dagegen hatte ein paar Tage frei und so ergab sich dieser Kurzurlaub, den er in vollen Zügen genoss. Er hatte auch das Gefühl, ihn zu brauchen um die Batterien wieder aufzuladen. Die letzten Monate waren stressig.

Er hing seinen Gedanken nach und hörte plötzlich, wie sich jemand dem Tisch näherte. Er dachte zunächst, es sei die Bedienung, aber als er sich umdrehte, sah er seinen besten Freund. „Na du, keine Lust mehr auf Schwimmen?“, fragte Sami.

Kevin setzte sich auf den Stuhl neben ihm. „Vorerst nicht. Karina hat mir verraten, dass du Eis testen gehen wolltest.“

Sami grinste. „Oh ja. Und da kommt mein Testobjekt auch schon.“ Der Kellner brachte einen großen Erdbeereisbecher und stellte ihn vor dem Wrestler aus Montreal ab. „Bitte sehr. Darf ich Ihnen auch etwas bringen?“, fragte er an Kevin gewandt.

„Ja. Ein Wasser mit Zitrone.“

„Gerne“, der junge Mann verschwand im Innenbereich des Cafés und eine Minute später hatte Kevin sein Wasser erhalten. Amüsiert beobachtete er, mit welcher Verzückung sich Sami das Eis schmecken ließ.

„Was?“, fragte sein Kumpel auf einmal.

„Nichts, nichts“, winkte Kevin ab. „Ich staune nur über die riesige Portion.“

„Denkst du, ich schaff das nicht? Ich hätte auch den Nussbecher nehmen können, der ist fast doppelt so groß“, er deutete mit dem Kopf zu einem der Nachbartische, wo sich ein Pärchen den besagten Nussbecher teilte.

„Wenn ich ein größerer Eisfan wäre, würde ich jetzt neidisch auf dich werden.“

Sami schmunzelte. „Ich liebe Eis, du kannst es nicht ausstehen, wir vervollständigen uns.“

„Klar. Du ziehst dir diesen monströsen Eisbecher rein und ich habe morgen ein halbes Pfund zugenommen. Das versteht sich dann unter vervollständigen.“

Leise lachend nahm Sami eine Erdbeere und etwas Sahne auf den Löffel und hielt ihn seinem Freund hin. „Probier mal!“

Kevin tat es und machte ein anerkennendes Gesicht. „Gar nicht schlecht.“

„Soll ich drinnen einen zweiten Löffel holen?“

„Nein, lass nur, ich will wirklich nicht“, lehnte der Ältere das Angebot ab und wechselte unvermittelt das Thema. „Sami, ich bin hier, weil wir beide uns über etwas unterhalten müssen.“

Der Angesprochene horchte auf. „Was ist los?“, fragte er beunruhigt und fing unbewusst an, schneller zu essen. Gespräche, die mit diesem Satz begannen, nahmen meist kein gutes Ende.

„Ich habe letzte Nacht mit Karina geredet, über ein Thema, über das ich seit langer Zeit mit ihr reden wollte“, sagte er und musterte betreten die Naht seines T-Shirts. Er machte eine kurze Pause, dann schaute er Sami fest in die Augen. „Ich habe ihr von unserer Vergangenheit erzählt. Ich habe ihr alles erzählt.“

Sami wurde kreidebleich im Gesicht und er musste seinen Löffel ins Eis stecken, um ihn nicht versehentlich fallen zu lassen. Er wusste sofort worum es ging, Kevin brauchte nichts weiter sagen. „Oh mein Gott... wie... wie hat sie das aufgenommen?“, seine Gedanken rasten und er versuchte krampfhaft, den heutigen Morgen zu rekonstruieren. Hatte sich Karina ihm gegenüber anders verhalten? Ihm war keine Veränderung aufgefallen, aber er hatte in seiner Ahnungslosigkeit auch nicht darauf geachtet. Nun versuchte er, sich jedes kleine Detail ins Gedächtnis zu rufen.

„Hey, hey, hey, keine Panik, sieh mich an!“, Kevin merkte, was in Sami vorging und zwang ihn zum Blickkontakt „Es ist alles gut, okay! Sie hat es gut aufgenommen!“, beschwor er ihn.

Der Stein, der dem Jüngeren vom Herzen fiel, schien regelrecht greifbar. Er legte den Kopf in den Nacken und atmete durch. „Ehrlich? Sie war nicht enttäuscht... oder entsetzt... oder wütend?“

„Nein, war sie nicht, im Gegenteil“, beruhigte Kevin ihn „Wenn ich gewusst hätte, dass gestern der Moment ist, in dem ich es ihr sage, hätte ich vorher mit dir geredet, aber ich wusste es doch nicht. Die Stimmung gestern Abend ergab es. Die Situation...“, erklärte er und dann fing er an, die ganze Geschichte von Beginn an zu erzählen...

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„Sag mal Schatz, hast du die Quittung von dem Restaurant noch, in dem wir gestern essen waren?“, rief Karina zum Badezimmer rüber. „Katie macht nächsten Monat auch hier in der Gegend Urlaub und ich wollte ihr das Restaurant empfehlen.“

„Ja, die ist in meinem Portemonnaie. Schau ins Bargeldfach, irgendwo dazwischen muss sie sein!“, rief ihr Ehemann zurück.

„Okay!“ Karina zog Kevins Geldbörse aus der Tasche seiner abgelegten Jeans, die über dem Stuhl hing und öffnete sie. Hinter einigen Scheinen fiel ihr die gesuchte Rechnung entgegen und der jungen Frau lief das Wasser im Mund zusammen, als sie an das großartige Putenragout zurückdachte, das sie dort gegessen hatte. Sie überlegte, dem Restaurant einen weiteren Besuch abzustatten und den herrlichen Abend, den sie mit ihrem Mann, Deeja und Sami gehabt hatte, zu wiederholen. Es war seit längerer Zeit ihr erster gemeinsamer Kurzurlaub ohne Kinder, denn die Kleinen verbrachten eine Woche bei ihren Großeltern.

Karina nahm die Rechnung aus dem Portemonnaie und wollte es gerade zuklappen, als ihr Blick auf die Fotos in den Seitentaschen fiel. Das erste zeigte sie und die Kinder, das zweite zeigte eine gefaltete Passbildserie von Kevin und Sami, die die beiden an irgendeinem Automaten gemacht haben mussten. Auf dem ersten von vier Fotos schnitten sie Grimassen, auf dem zweiten machten sie Faxen mit Samis Mütze, auf dem dritten nahm Kevin seinen besten Freund in den Schwitzkasten und auf dem vierten umarmten sich die beiden. Karina lächelte gutmütig. Manchmal vermisste sie Sami unheimlich. Er war wie ein Bruder für sie. Früher hatten sie sehr viel zu dritt unternommen, aber seit der WWE und seit Samis Hochzeit sahen sie sich entschieden seltener. Ein Wunder war das nicht, die WWE gestattete kaum Freizeit und das bisschen das man bekam, wollte man natürlich mit seiner eigenen Familie verbringen. Kevin ging es nicht anders und da er und Sami stets im gleichen Roster waren, konnten sie zusammen reisen und hatten immer noch genügend Zeit füreinander. Aber das half Karina nicht, schließlich war sie on the road nicht dabei. Trotzdem hatte sie vollstes Verständnis für Samis Situation, nur tat es ihr manchmal einfach leid, ihn nicht öfter um sich haben zu können.

„Hast du die Quittung gefunden?“, fragte Kevin, der eben aus dem Bad gekommen war und sich mit einem weißen Handtuch die Haare trocknete.

„Ja und ich habe noch was Lustiges gefunden“, sie hielt die Passfotos hoch.

Der 33-Jährige grinste. „Ach ja, die haben Sami und ich vor ungefähr fünf Monaten am Flughafen in Ontario gemacht. Unser Flug hatte Verspätung und uns war langweilig.“

„Ihr seid zwei Trottel“, konstatierte Karina, doch das warme Lächeln in ihrem Gesicht verriet, dass die Bemerkung lieb gemeint war.

„Zuweilen“, gab Kevin schulterzuckend zu und setzte sich neben sie.

„Auf dem letzten Foto seht ihr aus wie ein altes Ehepaar“, sachte fuhr sie mit dem rechten Zeigefinger am Rand des Bildes entlang.

„Ein altes Ehepaar...“, wiederholte er leise ihre Worte. Zuerst schaute er auf die zarte Hand seiner Frau, während sie auf fast hypnotische Weise über das Bild streichelte. Dann blickte er hoch, in ihr Gesicht, in ihre Augen, er sah die Liebe darin und ihn überkam ein Gefühl völliger Geborgenheit. Er hatte jahrelang nach einem Moment gesucht. Nach dem  Moment. Dem richtigen. Und als er Karina hier und jetzt betrachtete, war ihm klar, dass es nie wieder einen richtigeren Moment als diesen geben konnte. „Weißt du, dass ich verdammt glücklich mit dir bin?“

Sie lehnte sich an seine Schulter und schloss die Augen.

„Du bist die Frau, die ich immer gewollt habe, vom ersten Tag an wusste ich, dass du es bist und ich habe mich nicht geirrt. Unsere Beziehung ist einzigartig, wir denken gleich, wir fühlen gleich und wir konnten uns bisher alles sagen, was uns beschäftigte. Du hast mir dein Vertrauen geschenkt und ich dir meins, deswegen weißt du fast alles über mich.“

„Nur fast  alles?“, sie blinzelte versonnen, etwas überrascht von der Feierlichkeit seiner plötzlichen Ansprache.

„Alles bis auf eine Sache... Und es wird Zeit, dass du von dieser Sache erfährst, denn sie gehört zu meiner Vergangenheit und ich wollte dir schon so lange davon erzählen“, sagte er und gab dem drängenden Wunsch nach, das letzte Geheimnis, das er noch vor seiner Frau hatte, mit ihr zu teilen. All die Jahre hatte er damit gewartet, weil er nicht genau einschätzen konnte, wie sie es aufnehmen würde, aber vor wenigen Augenblicken traf ihn die Erkenntnis wie ein Schlag. Er hatte viel zu viel darüber nachgedacht, wie andere, gewöhnliche  Frauen auf solch ein Geständnis reagieren würden. Karina war aber nicht gewöhnlich, sie war nicht wie andere Frauen, sie war etwas Besonderes.

„Was meinst du, Kevin?“, leicht verunsichert sah sie ihn an. Vergangenheit hatte er gesagt. Welchen Abschnitt seiner Vergangenheit hätte er vor ihr verschweigen sollen? Was konnte er als so schlimm empfinden, dass er sich bisher nicht traute, mit ihr darüber zu reden? Der Gedanke an ein außereheliches Kind kam ihr in den Sinn. Lächerlich! , schalt sie sich selbst. Sie kannte ihn gut genug, um so was ausschließen zu können.

„Du hast gesagt, dass Sami und ich auf dem Foto wie ein altes Ehepaar wirken.“

„Ja?!“, sie faltete den Bilderstreifen und schob ihn in die Geldbörse zurück.

„Als wir zwanzig waren, da waren wir für ein Vierteljahr zusammen“, offenbarte er ohne weitere Umschweife.

Nun war es raus!


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tbc
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