Roter Prinzessinnen-Enzian

von Die Hand
OneshotAllgemein / P6
10.09.2017
10.09.2017
1
771
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo Leute!
Diese Geschichte habe ich im Rahmen des Wichtelns "Anfang & Ende 2" geschrieben, bei der die Wichtelkinder vorgeben konnten, mit welchem Satz die Geschichte anfangen und enden wird. Mein Wichtelkind ist Toushin Neko!
Ich hoffe, es gefällt!
~

Er sah auf ein rotes Blümchen, welches zu seinen Füßen sein Köpfchen aus dem Gras streckte und bereits zur Hälfte erblüht war. Es erinnerte ihn irgendwie an den Prinzessinnen-Enzian, den Zelda immer erforscht hatte- vor hundert Jahren…

Er seufzte und setzte sich vor das Blümchen, nur, um es weiter anzusehen. Zwar konnte Link sich nicht an alles erinnern, was damals passiert, aber nachdem er von Impa die Aufgabe bekam, in ganz Hyrule nach den Orten zu suchen, die auf den Bildern seines Shiekah-Steins abgebildet waren, konnte er sich zumindest an Einzelheiten erinnern, auch wenn ihm noch einiges unklar ist.

Link hob seinen Kopf und starrte in den Himmel. Es sah so aus, als ob es bald regnen würde.  Es hatte auch geregnet, als er vor wenigen Tagen das Dorf der Zora betreten hatte. Nachdem er den Titanen von Ganons Fluch befreit hatte, wollte er sich eigentlich zu den Ornis aufmachen, die laut einigen Gerüchten, die er bei den Zoras gehört hatte, auch von einem Titanen heimgesucht wurden. Allerdings fühlte er sich noch nicht bereit, zu gehen. Denn er hatte Angst davor, sich zu erinnern.

Schon damals, als Impa und der alte Mann ihm erzählten, was damals in Hyrule passiert ist, spürte er, dass ein Druck auf ihn lastete. Er war doch nur ein einfacher junger Mann, der mitten in der Wildnis ohne Erinnerungen aufgewacht war, und jetzt sollte er ein Land vor einem Unheil retten, das er schon vor hundert Jahren nicht beseitigen konnte? Schon damals, als der Mann, der sich später als der tote König offenbart hatte, davon redete, dass Link damals dabei war und ihm dann auftrug, in Kakariko mit Impa zu reden, hatte Link schon diesen Druck gefühlt, auch wenn er zuerst dachte, dass das nur ein schlechter Scherz war und er nur nach Kakariko ging, weil er hoffte, dass er sich dort erinnern könnte, was vorher mit ihm passiert ist. Doch als Impa und seine langsam wiederkehrenden Erinnerungen ihm bestätigten, was passiert ist, wusste er, dass es real war.  Und mit der Gewissheit, dass wirklich nur er die einzige Hoffnung Hyrules war, kam auch die Angst.

Die Recken waren damals gestorben, weil sie Hyrule beschützen wollten. Nur bei Zelda war er sich nicht besonders sicher ob sie tatsächlich tot war, da sie ja immer noch gegen Ganon kämpfen soll. Aber wer sagt, dass sie nicht bald im Kampf gegen Ganon fällt? Oder dass ihre Stimme, die er manchmal zu hören glaubte, nicht bereits aus dem Jenseits kam und Ganon nur darauf wartete, dass seine Kräfte stark genug wurden, damit er beim nächsten Blutmond seine Armee aus Dämonen zu sich rufen konnte und dann Hyrule endgültig ins Chaos stürzen konnte? Wer konnte Link schon garantieren, dass er nicht den Recken ins Grab folgen würde?

Genau das waren die Sorgen, die ihn nachts wachhielten. Mipha schien zwar froh darüber zu sein, dass er sie gerächt hatte, aber wer sagte, dass die anderen Recken das auch waren? Er konnte sich daran erinnern, dass dieser Revali ihn nicht wirklich gemocht hatte. Wer sagt, dass er ihn nicht irgendwie für seinen Tod verantwortlich machen wird und versucht, sich an ihm zu rächen?

Insgeheim wusste Link, dass er nichts für den Tod der Recken konnte. Wäre Ganon nicht auferstanden, bevor Zelda ihre Kräfte erweckt hätte, hätten sie vielleicht noch eine Chance gehabt.

Wütend schrie er auf. Sein Schrei war so wütend, dass sogar die Vögel, die in der Nähe waren, Angst vor ihm bekamen und wegflogen. Er hielt inne, dann seufzte er. Es war einfach, die Schuld an den damaligen Ereignissen nur einer Person zu geben. Was passiert ist, kann man nicht rückgängig machen…

In diesem Moment wusste er, dass er nicht wegrennen konnte. Auch, wenn er immer noch den Druck auf seinen Schultern fühlte, hatte er auf einmal das Gefühl, dass alles wieder in Ordnung werden würde, wenn er nur kämpfen würde. Auch wenn er insgeheim nicht wusste, woher auf einmal das Gefühl kam…

Er stand auf und bemerkte, dass es jetzt leicht regnete. Oder nieselte es? Es war mal wieder von diesen Momenten, wo man das eine nicht vom einen unterscheiden konnte.

Bei so einem Wetter konnte Link sich nicht zu den Ornis begeben. Er sah die Klippe hinab und sah, dass die Zoras unten in ihrem Dorf immer noch die Befreiung des Titanen feierten. Eigentlich hatte er keine Lust aufs Feiern, aber wenn er schon nicht von hier weg konnte, könnte er doch auch gleich mitfeiern, oder?

Ein schwerer Tropfen fiel auf die rote Blume zu seinen Füßen, als er sich umdrehte und den Rückweg antrat.