Ein Herz voll Hass

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Clive
10.09.2017
12.02.2018
2
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Clive blickte vom seinem Arbeitszimmer, dem höchsten Zimmer des Pagoden Turms, auf China Town. Es war mittlerweile finstere Nacht im gefälschten London der Zukunft und nur noch ein paar rote Laternen und Häuser erhellten den Abschnitt des Untergrund Londons.
Die Stadt war endlich komplett fertig.
Er hatte fast sein gesamtes Erbe in den Bau dieser Stadt gesteckt. Und sehr viel Zeit.
Wofür?
Um Rache zu nehmen.
An Bill Hawks. An Dimitri Allen.
Ja eigentlich an die gesamte Menschheit. Sie hatten ihm alles genommen. Seine Eltern. Sein Zuhause. Ein glückliches und normales Leben.



(Clive's Sicht)
Ich setzte mich an den Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer. Er stand direkt neben dem mächtigen Fenster mit dem Blick über China Town. Das gedämpfte Licht erhellte teilweise den nicht allzu großen Raum. Es standen nicht sehr viele Möbel in diesem Raum, lediglich ein Schreibtisch mit einem drehbaren roten Ledersessel, ein dunkles Bücherregal, eine Lampe aus den 50er Jahren und ein Haufen Papier das überall zerstreut war. Niemand außer mir hatte Zutritt in diesen Raum.

Wir hatten mittlerweile bereits fast Mitternacht, jedoch musste ich an meinen Planen für den Stahlkoloss weiterarbeiten. Er war schon fast vollendet… Jedoch fehlten mir noch kleine Details an meinem Projekt. Der ganze Fußboden war bereits voll mit zerknüllten Papier über den Stahlkoloss. Das wichtigste an diesem Projekt war aber, er sollte Zerstörung anrichten. Große Zerstörung.
Er sollte ganz London zerstören!
Ich hatte nur ein Ziel, und das war Rache nehmen.
Rache an alle, jeder sollte wissen, welche Gefühle und Schmerzen ich seit so vielen Jahren durchmachen musste.

Besonders Bill Hawks und Dimitri Allen.

Sie waren an allem Schuld was passiert ist. Einzig und allein diese zwei Personen.
Und Hawks hatte durch dieses Unglück auch noch Profit daraus gemacht!
Ich schlage mit meiner Faust auf den Schreibtisch, während ich meinen Tee verschüttete, doch dies war mir egal, er hatte zum Glück keine wichtigen Dokumente die auf meinem Schreibtisch verstreut waren erwischt.

Mein größter Wunsch ist es, diese Personen leiden zu sehen. Das lustigste an dieser Sache ist jedoch, dass Dimitri Allen eine Witzfigur ist.
Es stimmt, ich arbeite mit ihm zusammen, aber das liegt daran, dass er eine perfekte Marionette ist.
Das einzige was unsere Gemeinsamkeit hier ist das er, wie ich, Bill Hawks hasst aber das wars dann auch schon wieder.
Er versucht eine Zeitmaschine zu bauen, um seine Geliebte Claire zu retten, da sie genauso wie… meine Eltern, an dem Tag der Explosion starb. Deswegen auch dieses gefälschte London der Zukunft. Er entführte Wissenschaftler vom richtigen London ins gefälschte, damit sie ihm bei dem Bau seiner Zeitmaschine, dank einer dummen Lüge, helfen.
Schließlich konnte er nicht auf ihre Unterstützung im richtigen London zählen und hier würden sie ja selber zurück in ihren normalen Alltag wollen.
Es ist einfach nur komplett lächerlich.
Und er denkt auch noch, ich würde ihn unterstützen und wäre sein Verbündeter… Bei diesem Gedanken muss ich immer anfangen zu lachen.
Er denkt, dass die Wissenschaftler für ihn arbeiten…doch ich habe natürlich schon längst dafür gesorgt, dass sie an einem wichtigeren Projekt arbeiten. An dem Bau einer mobilen Stahlfestung!
Wie viele Menschen sind mittlerweile beteiligt daran? Weniger als man erwarten würde auf jeden Fall. Es dürften bis jetzt ungefähr 50 gewesen sein, jedoch ist das Ergebnis bisher… Fantastisch.
Natürlich wissen die Wissenschaftler, Physiker und Arbeiter genau nicht, an was sie da arbeiten. Ich habe zu ihnen gesagt, es würde ihnen helfen wieder in ihre Zeit zurück zu kommen. Und sie glauben es, ohne mit der Wimper zu zucken.
Wer würde den schließlich nicht glauben, wenn er diese Stadt sieht, dass es sich lediglich um eine Kulisse handelt?
Die größte Kulisse die je gebaut wurde… Für Dimitri wäre es sicherlich unmöglich gewesen diese Stadt alleine zu bauen, doch für mich war dies kein Problem. Ich hatte das Geld dazu und habe selbst jetzt immer noch eine unglaublich hohe Summe übrig. Den Rest stecke ich noch in den Bau des Stahlkoloss, von dem die Vollendung in naher Zukunft eintrifft!
Wenn ich ehrlich bin, muss ich mich für meinen Plan wirklich loben.
Er ist einfach zu genial.


Ich überlegte fieberhaft, was ich noch einfügen sollte. Noch mehr Kanone? Aber dann würde ich wiederum noch mehr Sprengstoff benötigen…
In der Fabrik hatte ich bereits ein Haufen Sprengstoff gelagert, es würde sogar reichen, eine ganze Stadt zu zerstören, sollte irgendetwas schief gehen!
Ich habe meinen Plan gut durchgedacht. Zuerst werde ich gewaltigen Schaden im gefälschten London anrichten, dann werde ich ins richtige London vordringen und es zerstören. Das Militär und die Polizei werden keine Chance haben etwas zu unternehmen gegen die Stahlfestung. Es wird unmöglich zu sein, sie zu zerstören.
Und selbst nehmen wir mal an, ich würde tatsächlich von der Polizei festgenommen werden, im unmöglichsten Fall, werde ich glücklich sein und als größter Verbrecher Englands in die Geschichte eingehen.
Wenn es überhaupt noch Menschen geben wird, die es überleben werden, was ich sehr stark bezweifle.
In so einer prekären Lage wie dieser, kann dies sehr kompliziert werden.


Allmählich werde ich langsam müde und dabei bin eigentlich kaum an meiner Skizze weitergekommen, aber der Gedanke, dass ich bereits fast fertig bin, beruhigte mich ein wenig.
Am liebsten würde ich nun direkt an meinem Schreibtisch einschlafen, jedoch scheint der Fakt, dass ich auf einen Haufen zerknüllten Papier einschlafen würde, nicht sehr verlockend aus. Ich müsste also jetzt gleich zu meiner Wohnung laufen müssen in der dunkelsten Nacht.
Darauf hatte ich natürlich jetzt Lust.
Ich entschloss mich also, mein Hut vom Kleiderständer zu nehmen und verließ den Pagodenturm. Dimitri war glücklicherweise bereits schon weg, einzig und allein bewachten ein paar von dem Clan die Pagode von außerhalb.
In Chinatown war eigentlich gar nichts mehr los, die Läden hatten schon bereits alle geschlossen, sogar der 24/7 Stunden Laden.

Ich war komplett in Gedanken versunken, als ich durch Chinatown wanderte, als mir plötzlich ein kleiner Junge entgegen lief und vor mir hinfiel.
Was hatte ein kleiner Junge um die Uhrzeit noch draußen zu suchen?
Was hatte er da eigentlich auf seinem T-Shirt? War das etwa- es war ein Bild von einer Schnecke.
Toll. Großartig.
Kann dieser Abend noch besser werden?
“Warum bist du um diese Uhrzeit noch draußen?” fragte ich ihn einfach drauf los, während er wieder aufgestanden ist. Eigentlich hätte ich ihn am liebsten beleidigt, aber, ich versuche mich zu beherrschen. Ich bermerkte erst jetzt, dass er Tränen in den Augen hatte “I-Ich war mit meinen Eltern bei Verwandten u-und ich war sauer auf sie, also bin ich ein bisschen raus gegangen zum spielen, aber ich finde bereits seit mehreren Stunden nicht mehr zurück…” Nun fing der Junge an zu weinen und klammerte sich an meine Beine. Ich bekam einen Kloß im Hals.
Er suchte seine Eltern…
Ich legte meine Hand auf seine Schulter und kniete mich zu ihm hin. “Wenn du willst, können wir deine Eltern suchen gehen.” sagte ich in einem sanften Ton zu ihm. Der Junge nickte mir weinend zu, aber aus der Ferne hörten wir dann auch schon eine Stimme.
“Justuuuus? Wo bist du? Bitte sag, dass du mich hörst!” Es war eine weibliche Stimme, doch dem Jungen schien die Stimme bekannt vorzukommem, den seine grünen Augen weiteten sich augenblicklich. “Mamaaaaaa!!” der Junge rannte in die Seitenstraße kurz vorm Ausgang von Chinatown, ich rannte ihm reflexartig hinterher. Er stand neben dem Buchladen in den Armen einer weinenden Frau.
“Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht!...”
Ich beobachtete sie eine Weile bis die Frau mich bemerkte. “Ich habe Ihren Sohn gerade dort vorm Eingang von Chinatown gefunden, und-”
Sie lief sofort zu mir und schüttelte meine Hand “Vielen Dank, dass Sie sich, vielleicht auch nur kurz, um unseren Justus gekümmert haben. Ich und sein Vater haben uns gestritten und darauf war er verschwunden. Wir hatten uns solche Sorgen gemacht, aber das wird nun nie wieder vorkommen, es hat uns wirklich die Augen geöffnet.”


Ich unterhielt mich noch kurz mit ihr, bis sie sich verabschiedete und sich noch mehrmals bedankt hat.
Irgendwie stand ich wie verwurzelt stehen. Diese Situation hatte mich gerade irgendwie mitgenommen.
Das war Mutterliebe…
Die Menschen hier lebten glücklich zusammen. Ich habe ihnen gerade geholfen.
Es war nur einer der wenigen Momente wo mich ich mich tatsächlich fragte:

Mache ich hier wirklich das richtige? Ist es wirklich die einzige Lösung, London zu zerstören?
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