Ein Herz voll Hass

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
10.09.2017
12.02.2018
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Es ist nun genau Mitternacht.
Das Läuten des Big Bens hat Clive aus seinen Gedanken gerissen. Wenn er Nachts nicht schlafen konnte, vertrieb er sich meistens seine Zeit mit nächtlichen Spaziergängen  in London, doch oft saß er sich einfach auf die Bank direkt vor dem Big Ben.
Es war nur ein kleiner Platz mit einer alten Parkbank, doch gerne hatte er sich hier immer seine Zeit an der frischen Luft vertrieben. Obwohl "gerne" man das nicht nennen kann.
Unfreiwillig besser gesagt.

"Es ist nun bereits 3 Jahre her, dass ihr weg seid..." Clive wischte sich mit seinem Ärmel von seiner Jacke über die Augen. "Mum...Dad. Wie geht es euch?"
Constance, Clives Adoptivmutter, wusste nichts von Clives nächtlichen Spaziergängen, er wollte nicht, dass sie sich um ihn unnötige Sorgen machte. Er war schon dankbar genug, dass sie sich so herzlich um ihn kümmert.
Er war auch eigentlich sehr glücklich bei ihr. Sie behandelt ihn schließlich wie ihr eigener Sohn. Leider konnte sie selbst nie Kinder bekommen, also beschloss sie obwohl sie schon recht älter war, einem Kind ein besseres Zuhause zu schenken. Und als sie dann damals vor 2 Jahren und 6 Monaten Clive im Kinderheim gesehen hatte, wusste sie, dass sie ihm helfen muss. Seit dem wohnte er glücklich mit ihr und den Bediensteten in einem großen Anwesen, da sie sehr reich war.
Aber Clive war es egal, ob er in einem teuren exklusiven Haus wohnte, oder in einem kleinen normalen Haus.
Ihm war es nur wichtig jemanden gefunden zu haben, mit dem er glücklich zusammen war.
Aber die Wunden von früher waren noch lange nicht verheilt. Denn gleichzeitig hatte er auch einen großen Hass auf die Person oder Personen die dafür verantwortlich waren. Jedoch hatte er bis heute keine Ahnung wer daran wirklich beteiligt war an sein Unglück. Ein Gedanke, denn ihn unglaublich wütend gemacht hatte.

Es schlug ein weiteres mal der Big Ben.
Wie lange ist er bisher schon draußen?
Zwei oder mehrere Stunden?
Oder waren es nur gefühlt so lange Stunden?  
Langsam bekam er Kopfschmerzen.
Er hatte in weniger als 8 Stunden bereits wieder Schule, aber ein wirklichen Kopf dafür hatte er nicht wirklich. Er konnte einfach nicht schlafen. Die Schuldgefühle hätten ihn aufgehalten.
Was wenn er damals nicht das Haus verlassen hätte?
Wäre er dann mit ihnen zusammen gestorben?
Wäre er dann vielleicht glücklich gewesen?
Fragen über der er sich vielleicht viel zu oft Gedanken machte aber er würde auch in Zukunft immer noch sich darüber Gedanken machen, die ihm vom Schlaf abhalten würden.
Hauptsächlich aber sowieso nur "Was wäre gewesen, wenn...?" Gedanken.


Er war fokussiert auf die Themse. Nur ein beleuchtetes Handelschiff fuhr um diese Uhrzeit noch auf dem Fluss. Clive beschloss kurzerhand, dass er diese Nacht sowieso kein Auge mehr zumachen würde, und das Grab seiner Eltern aufzusuchen. Zwar war es sicherlich ein ordentlicher Fußmarsch bis dorthin, doch das war ihm in seiner Situation außerordentlich egal. Mit dem Bus wollte er schließlich um die Uhrzeit nicht mehr fahren. Er hoffte nur, auf dem Weg dorthin bloß keiner suspekten Person zu begegnen, den auf einer Auseinandersetzung hätte er getrost verzichten können.


Als er nach einer knappen Stunde endlich dort ankommt, ist er doch ein wenig schockiert, wie kalt es Ende Juni in der Nacht doch noch ist. Vielleicht hatte es gerade mal 6° gehabt. Er knöpfte sich kurzerhand seine Jacke zu, aber trotzdem frierte er noch.
Selbst wenn es stockdunkel war, wusste er wo sich das Grab seiner Eltern befand.
Wie oft war er schließlich in diesen drei Jahren nun hier her gekommen? Mehrere Male definitiv.
Als er an dem Grab angekommen kniete er sich wortlos davor.
Wenigstens so konnte er ihnen noch ein bisschen nah sein.
Selbst wenn er mit Constance sehr glücklich zusammen war, konnte er die Erinnerungen an seine Eltern nicht loslassen. Er vergrubt seine Hände in sein Gesicht. "Verdammt...W-Warum seit ihr nicht h-hier?" Er bemerkte, dass ihm das viele Laufen müde gemacht hat, doch er hatte nicht mehr die nötige Energie, um nach Hause zu laufen. Nach einer Weile schlief er langsam ohne es zu bemerken auf den kalten erdigen Boden ein.

Constance schlief währenddessen schon tief und fest und bemerkte Clives Verschwinden nicht. Jedoch waren Hora und Tickley in dieser Nacht auch noch bei Constance anwesend, da es an diesem Abend spät geworden war mit der Arbeit und sie ihnen angeboten hatte, einfach hier zu übernachten, schließlich hatte das Anwesen von Constance viele Zimmer noch frei.
Als Hora kurz vor dem Schlafen gehen nachschauen wollte, ob Clive auch in seinem Zimmer ist, bemerkte sie sein Verschwinden sofort. Sie beschloss aber Constance deswegen nicht aufzuwecken und sagte es nur Tickley. Beide hatten nach sofort einen Verdacht, wo er sich hätte aufhalten können.
Es war nun schließlich 3 Jahre her.
Sie zogen sich binnen wenigen Minuten ihre Schuhe und Jacken an und gingen hastig Richtung Friedhof.


Als beide angekommen sind, endeckten sie auch schon gleich den Jungen an dem Grab von seinem Eltern. Er schien fast schon friedlich zu schlafen, obwohl der Boden unbequem schien.
"Müssen wir ihn denn wirklich nun wecken?"
"Leider ja Hora. Der junge Herr hat nun wirklich kein leichtes Leben."



Heyyy
Es ist meine erste Fanfiktion die ich geschrieben habe ^_^
Ich nehme deswegen auch sehr gerne Kritik und Verbesserungsvorschläge an. :D
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