Herbstnebel

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.09.2017
05.10.2017
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Ich habe die Geschichte etwas umgeschrieben, Sie war bereits einmal hier hochgeladen.
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Pairing: Mystrade
ACHTUNG! Hierbei handelt es sich um eine Schwulengeschichte. Ich habe keinerlei Rechte an Charakteren, Orten und Namen. Ich verdiene mit der Geschichte nichts und so weiter.

Geplant sind 3 Kapitel

Kapitel 1
Schon seit Tagen grübelte er vor sich hin, ohne zu einer Entscheidung gekommen zu sein. Langsam zermürbte ihn diese ganze Sache und raubte dem Ermittler noch den letzten Schlaf, von dem Detective Inspector Greg Lestrade ohnehin schon zu wenig bekam. Warum passierte das ausgerechnet ihm? Und das nach all diesen Jahren, wo er doch mit einer Frau verheiratet gewesen war. Oder war es gerade deswegen? Langsam aber sicher hatte er sich neu verliebt. Doch nicht in eine Frau, ganz im Gegenteil. Sein Herz schlug neuerdings bei einem Mann schneller, mit dem er ab und an beruflich zu schaffen hatte. Ob er es nun wahrhaben wollte oder nicht, daran ändern konnte er jetzt sowieso nichts mehr. Doch wollte er es ihm gestehen? Es weiter für sich behalten?

Greg wusste es einfach noch nicht. Seufzend kratzte er sich am Hinterkopf und sah seinen Leuten dabei zu, wie diese die letzten Absperrungen beiseite räumten. Wieder ein Fall abgeschlossen, wieder ein Krimineller überführt, doch es stimmte Greg nicht so zufrieden wie es sollte. Der Ermittler konnte sich einfach nicht konzentrieren, dieser Kerl spukte in seinem Unterbewusstsein herum und verlangte penetrant nach Aufmerksamkeit! So bemerkte er auch Sherlock nicht, welcher leise neben ihn getreten war. "Stehen Sie nicht so nutzlos herum, kommen Sie mit." Unweigerlich wurde Lestrade aus seinen Gedanken gerissen und zuckte zusammen, was Sherlock mit einem zufriedenen schmunzeln zur Kenntnis nahm. Dieser Kerl verlangte eben so viel Aufmerksamkeit, stellte Greg kopfschüttelnd fest und ging hinter dem Jüngeren her, was blieb ihm auch schon übrig?

Die Holmes Brüder hatten Greg schon immer viel abverlangt, doch umso länger er darüber nachdachte umso milder wurde Greg auch gestimmt. Er wusste um ihre Brillianz und brauchte Sherlocks Hilfe bei Fällen. Und um Sherlocks Hilfe zu bekommen brauchte er Mycrofts Wohlwollen, denn am Ende bestimmte dieser über alles was seinen kleinen Bruder betraf. "Wohin denn?" Eine Frage, welche den Jüngeren die Augen verdrehen ließ, als ob die Antwort so offensichtlich sei. "Nachhause natürlich!"

"Was? Ich bin nicht ihr Chauffeur, Sherlock!" Wieder verdrehte der Jüngere die Augen. "Dieser Fall war langweilig und Sie haben mich dafür extra aus dem Haus gezerrt, also bringen sie mich auch zurück.“ Er atmete kurz durch und sprach dann etwas leiser weiter, untypisch für ihn. „Außerdem müssen Sie etwas für mich tun."
Oho, Lestrade würde hellhörig. Das war mal etwas neues, denn bisher nervte ihn der jüngere Holmes Bruder nur mit seiner Anwesenheit an Tatorten, seltsamen Theorien und gelegentlichen Anrufen oder SMS, aber um etwas gebeten hatte er bisher noch nie. Greg kannte Sherlock jetzt schon lange genug, um zu wissen, dass diese Anmaßung einer Bitte wohl am nächsten kam und er nicht mehr zu erwarten hatte. So willigte er ein und spielte Taxi für den selbst ernannten Consulting Detective. War ja nicht das erste Mal...

***

In der Baker Street angekommen folgte der DI langsam Sherlock in dessen Wohnung, welche im üblichen Chaos versank. Im unteren Schlafzimmer angekommen riss der Jüngere seinen Schrank auf und begann darin herum zu kramen. Neugierig beobachtete der Ermittler das Schauspiel bis Sherlock ihm triumphierend eine schwarze Reitgerte unter die Nase hielt. Greg blinzelte kurz und sah den Jüngeren genau in die hellen, blauen Augen. Fast so hübsch wie seine.. "Und was soll ich damit? Um Sie schlagen zu wollen brauche ich das Ding nicht." Sherlock drückte Greg die Reitgerte trotzdem in die Hand. „Das ist nicht meine.“ Als ob diese Worte alles erklären würde ging er an dem Ermittler vorbei um sich in dem Chaos von Wohnzimmer in seinen Sessel fallen zu lassen. „Sie sollen das Ding seinem Besitzer zurückgeben.“ Greg der dem Jüngeren gefolgt war sah ihn einen Moment lang schweigend an. Er saß einfach da, die Beine angezogen und den Blick aufs Chaos gerichtet. „Warum machen Sie das nicht selbst?“

„Weil ich keine Lust habe ihn zu sehen.“ Mit diesen Worten tippte er etwas auf seinem Smartphone herum und machte deutlich dass dies alles gewesen wäre. Noch bevor Greg ein weiteres Wort an ihn richten konnte, meldete sich auch schon sein eigenes Smartphone zu Wort und er sah die Nachricht, die Sherlock ihm geschrieben hatte, es war einfach nur eine Adresse. Na Danke auch. Wie sah das denn bitte aus? Er klingelte da und überreichte das Teil einfach? Doch eine Diskussion mit diesem Starrkopf hatte eh keinen Sinn, so verließ Greg das Haus ohne noch etwas zu sagen und stieg in seinen Wagen. Doch was jetzt? Sollte er einfach aufs Revier fahren und den Berg Papiere abarbeiten oder doch lieber erst diese Fahrt hinter sich bringen? Sicherlich würde der Papierkram noch Stunden dauern, danach wäre es dunkel und er müsste dieses Teil noch bis morgen mit sich herumschleppen. Im Dunkeln solch einen Botengang zu machen sähe noch viel abstrakter aus als so schon.

Er besah sich das Corpus Delicti etwas genauer. Die Gerte war mit schwarzem Leder überzogen und gut 1 m lang. Der Griff war fest und glatt. Das Innere war anscheinend kein Fieberglasstab, dafür war sie zu dünn, wohl eher Weide oder Nussholz. Sie war abgegriffen aber noch immer gut in Schuss. Günstig konnte sie nicht gewesen ein, es handelte sich um hochwertiges Leder, etwas das man heute nur noch in Fachgeschäften kaufen konnte. Nicht dass Greg ein persönliches Interesse an solchen Dingen hatte, NEIN. Das diente der Arbeit, zumindest hatte er sich das mal eingeredet. In seiner Ehe war an solche Spielchen eh nicht zu denken gewesen, auch wenn er es gerne mal getestet hätte.

Wozu brauchte Sherlock eigentlich solch ein Ding und warum kaufte er sich keine eigene? Vielleicht ein Fetisch... aber hatte Sherlock überhaupt so etwas wie ein Sexualleben? Fragen auf die er wohl nie eine Antwort bekommen würde. Es sei denn...

Vielleicht sollte er mal den neuen Mitbewohner des jüngeren Holmes fragen. John Watson schien ein netter Kerl zu sein mit dem man auch mal ein Bier trinken konnte. Greg notierte sich das schon mal im Hinterstübchen. So startete Greg seinen Wagen und machte sich auf den Weg. Es half ja alles nichts. Zumindest hatte er so für einen kurzen Moment den Kopf frei und dachte nicht an Ihn... Na toll, wie lange war das? 5 Sekunden!

***

Ein kühler Wind wehte durch die Straßen Londons, trug hier und da ein paar bunte Blätter mit sich. Der Hebst hatte endlich Einzug gehalten. Normal liebte Greg diese Jahreszeit. Es ging gerne in den Parks der Stadt joggen, doch Momentan hatte er einfach nicht die Zeit oder die Nerven dazu. Sein Leben war noch einmal recht hektisch und turbulent geworden. Erst die verrückten Holmes Brüder, dann seine längst überfällige Scheidung, dann eine Reihe neuer Fälle. Er kam einfach nicht zur Ruhe, dabei wünschte sich Greg doch einfach nur etwas Rückhalt und Sicherheit in seinem Leben. Dachte er deswegen so oft an Ihn?

Sein Weg führte den Ermittler nach Holland Park und langsam fragte er sich wer bitte einem irren wie Sherlock Holmes so etwas wie eine Reitgerte lieh. Doch erst als er den Wagen vor einem recht schönen, gepflegten Haus hielt, dämmerte es ihm langsam. Er stieg aus dem Wagen, das Präsent hatte er in die Innentasche seines Mantels gesteckt. Konnte es sein das er die private Adresse des älteren Holmes Bruders bekommen hatte? Augenblicklich schlug Gregs Herz schneller. Nein, das konnte nicht sein, selbst in den 5 Jahren die er beide Männer nun kannte, hatte er nicht heraus bekommen können wo Mycroft wohnte oder was dieser wirklich beruflich machte. Und wahrlich, Greg hatte es versucht, doch alles scheiterte. Noch schlimmer, Mycroft wusste davon und hatte ihm bei einem Treffen vor einigen Monaten nahegelegt es doch endlich aufzugeben, er würde so oder so keinen Erfolg damit haben.

Greg hatte sich an diesem Tag schrecklich gefühlt, es war so als ob dieser Mann ihm einfach so, mit ein paar Worten, das Herz herausgerissen hatte. Zumal diese eiskalten Blicke wirklich schneidend waren. Warum hatte er sich eigentlich ausgerechnet in diesen Kerl verschossen?
Endlich stand er vor der Haustür und besah sich die Schelle, kein Name war zu sehen, verdächtig. Doch es half alles nichts, so klingelte er und trat einen Schritt zurück. Es dauerte einen Moment bis sich die Tür öffnete. Greg hatte einen Bediensteten erwartet, wenn man sich die Größe des Hauses betrachtete, doch da irrte er sich.

Greg blieb fast das Herz stehen als er ihn so dort, an den Türrahmen gelehnt, stehen sah. Mycroft Holmes, den Greg bisher nur in diesen Dreiteilern gesehen hatte, trug eine einfache beige Stoffhose, ein weißes Hemd dessen drei oberste Köpfe offenstanden und dessen Ärmel hochgekrempelt waren. An den Seiten hingen Hosenträger herunter. An den Füßen trug er Hausschuhe, alles in allem wirkte Mycroft fast schon normal auf ihn, wäre da nicht dieser Blick gewesen!

Dieser arrogante, versnobte Ausdruck mit dem falschen Lächeln, welches das Gesicht des Politikers so oft zierte. „Lestrade, was führt Sie hier her!“ Keine Frage, Mycroft war überrascht, das konnte Greg hören. Immerhin hatte er fast 5 Jahre lang versucht etwas über diesen Mann zu erfahren und nun stand er einfach so vor dessen Haustür. Er musste ehrlich sein, sonst würde man seine Überreste niemals finden. „Eine Bitte Ihres Bruders. Er gab mir diese Adresse, ich wusste nicht dass Sie hier wohnen.“  Mycrofts Blick war streng und vorsehend, doch dann nickte er und ging einfach rein. Greg zögerte, doch er folgte seinem unfreiwilligen Gastgeber dann ins Haus. Es war geräumig, großzügig geschnitten und hell. Greg folgte Mycroft durch den Flur sowie dem Wohnzimmer.

Die Einrichtung war elegant, edel und überschaubar. Nirgends standen Fotos oder etwas Persönliches. War das überhaupt die Wohnung dieses Mannes oder irgendein Haus das er ab und an benutzte? Alles war ordentlich und sehr sauber, kein Staub, kein Krümel oder Haar. Keine Flecken, keine benutzten Dinge. Greg hatte ein Auge für solche Details, er war nicht umsonst Ermittler. Es war unpersönlich, hatte er es sich nicht genauso vorgestellt?

***

Hinter dem Wohnzimmer lag ein gemütlicher Wintergarten von dem aus man in einen kleinen Garten sehen konnte. Zwei Sessel und ein Zweisitzer standen dort um einen kleinen Tisch herum angeordnet. Greg nahm sofort den Duft von Äpfeln war, die in einer schönen Glasschale auf dem Tisch standen. Sie stammten aus dem Garten wo ein großer Apfelbaum im seichten Herbstwind seine Blätter schwenkte. Mycroft nahm ein Buch von seinem Sessel, legte es auf dem Tisch und ließ sich dann nieder, schlug die langen Beine elegant übereinander. Er deutete Greg an sich ebenfalls zu setzen.

Jede Bewegung des Ermittlers wurde genau beobachtet, sorgte dafür das sich Gregs Herzschlag nicht beruhigen wollte. „Nun, was wollte er?“ Mycroft klang wie immer, distanziert und lauernd.
„Ich sollte nur seinen Boten spielen.“ Dabei griff er in die Innentasche seines Mantels, den er noch immer trug. Sofort verengten sich Mycrofts Augen. Greg konnte sehen wie sich die Muskeln des Politikers anspannten. Dachte er etwa Greg wolle ihn umbringen? Nein, dafür kannten sie sich zu lange. Vielleicht war es eine generelle Reaktion auf Überraschungen seines Bruders. Die beiden mussten eine sehr gestörte Kindheit miteinander verbracht haben.
Langsam zog er die Reitgerte aus seiner Manteltasche und legte diese auf den Tisch. „Er meinte, das hier gehört ihnen.“ Dann lehnte er sich zurück und betrachtete Mycrofts Reaktion.

Wann hatte er schon einmal solch eine Gelegenheit? Mycroft besah sich die Reitgerte und nahm diese dann in die Hand, seine langen Finger schlossen sich um das abgenutzte Leder und er betrachtete sie genau. „Hm, die muss erst mal desinfiziert werden“, stellte er dann fest und sah Greg nun genau in die braunen Augen. Dieser wich dem Blick nicht aus, ihn hatten die dunklen, blauen Augen des älteren Holmes schon immer fasziniert.

„Ich hätte fast erwartet das sie mir ein Angebot diesbezüglich machen, Lestrade!“ Dabei schlug er die Gerte etwas fester auf seine Handfläche. Es dauerte einen Moment bis Greg die Tragweite dieser Aussage verstanden hatte, sofort wurde er rot im Gesicht und ihm wurde heiß. „Oh bitte, sie folgen mir seit Jahren, da ist solch ein Angebot doch naheliegend, vor allem jetzt wo sie meine heiß ersehnte Adresse endlich haben.“
Greg spürte wie sich eine Spannung in ihm aufbaute, sein Puls rauschte in seinen Ohren und sein Verstand überschlug sich fast. Sollte er sich rausreden? Sollte er einfach gehen? Immerhin hatte er den Auftrag ausgeführt. Doch was dann? Das hier war vielleicht seine einzige Chance diesem Mann etwas näher zu kommen.

Und Greg musste zugeben, ihn da so sitzen zu sehen, die Reitgerte in der Hand, es hatte etwas sehr erhabenes und Sadistisches an sich. Es gefiel ihm, vielleicht entdeckte er da gerade ganz neue Neigungen an sich, das würde er jetzt sicher nicht aufgeben. Vielleicht nicht beim ersten Mal, doch er hatte Lust das Gefühl näher zu erkunden. Greg war kein feiger Mensch, er war Polizist und hatte viel mitgemacht. Das kam ihm jetzt auch zugute. So räusperte er sich kurz, lehnte sich etwas nach vorne und sah Mycroft genau in die Augen. „Und wenn es ein Angebot war? Was dann, Mister Holmes?“ Sie sahen sich einen Moment lang nur an, betrachteten einander bis ein seltsames Lächeln Mycrofs schmale Lippen zierte. „Sehr interessant.“ Er lehnte sich recht entspannt zurück, betrachtete Greg einen Moment lang und legte die Reitgerte auf den Tisch.

„Sie überraschen mich Lestrade. Nun, ich habe gute Laune, deswegen nehme ich ihr Angebot gerne an.“ Mit einer fließenden Bewegung erhob er sich. „Möchten sie etwas trinken?“
Greg schnürte sich der Hals zu, hatte Mycroft gerade >ja< gesagt? Auf die Frage hin brachte er nur ein Nicken zustande, zu mehr war er nicht in der Lage, die Situation machte ihm zu schaffen, so sah er seinem Gastgeber nur hinterher als dieser kurz den Wintergarten verließ. Ein Moment Zeit für Greg zu überlegen was er nun tun sollte.

***

In der Küche atmete Mycroft erst einmal tief durch. Was hatte er sich bitte dabei gedacht? Normal konnte er sich auf seinen Verstand verlassen, doch bei diesem Kerl setzte einfach alles aus. Seit ihres ersten Treffens fiel es Mycroft schwer die Haltung zu bewahren. Am Anfang ging es noch, Lestrade war verheiratet und hatte ständig zu tun. Doch dann hatte der Ermittler angefangen mit seinem kleinen Bruder zusammen zu arbeiten und ihm nachzustellen, Informationen einzuholen. Erst nur aus Neugierde, wohl eine Berufskrankheit bei Polizisten. Doch Mycroft war die Wendung natürlich nicht entgangen, der DI hatte sich in ihn verschossen! Nach und nach, mit jedem Treffen, egal wie kalt er auch zu dem Mann war. Egal um welche Zeit und in welcher Situation er ihn zu sich bringen ließ. Als es ihm das erste Mal aufgefallen war, hätte er fast einen Krieg mit China ausgelöst, weil sein Verstand ausgesetzt hatte. Diese wunderschönen braunen Augen die ihn immer so trotzig und doch ergeben ansahen.

Nun war er hier, offenbar sogar mutig genug um weiter zu gehen. Er schüttelte den Kopf und öffnete den Kühlschrank. Was sollte er jetzt machen? Er konnte die Anziehungskraft, die dieser Mann auf ihn ausübte, nicht leugnen. Alleine bei dem Gedanken was er alles mit ihm anstellen konnte, alleine, in seinem Schlafzimmer. Doch was dann? Lestrade war nicht irgendein Kerl den er dafür bezahlte, er war ein bodenständiger Kerl der eine Beziehung wollte. Konnte er so etwas überhaupt? Zugegeben, es gab diese Momente in denen er sich sehr alleine fühlte, in denen er nicht gern alleine schlafen wollte. Zwar würde Mycroft dies nie zugeben, doch er wünschte sich ab und an einen Menschen an seiner Seite, jemanden der ihn akzeptierte wie er war. Einen kleinen Goldfisch der nur ihm gehörte, der ihn liebte so wie er war. Und er war sich all seiner Fehler mehr als bewusst. Er hatte irgendwo eine Liste mit allen in seinen Gedanken abgespeichert.

So nahm Mycroft zwei Flaschen Bier und öffnete diese, bevor er einen größeren Schluck nahm.
Warum nicht einfach sehen was passierte? Vielleicht blieb es beim beschnuppern, vielleicht war es auch alles zu viel für den DI und er ging wieder. Doch vielleicht, vielleicht würde auch alles ganz einfach sein und es kam etwas Gutes dabei herum?

***

Erst als ihm eine Flasche Bier vor die Nase gehalten wurde erwachte Greg aus seiner Starre. Wie lange hatte er jetzt so dagesessen? Er wusste es nicht genau. Er nahm das kalte Bier dankend entgegen und gönnte sich einen großen Schluck. Dann erst sah er zu seinem Gastgeber, der sich wieder auf seinem Sessel niederließ. Trank Mycroft Holmes da gerade ebenfalls Bier aus einer Flasche? Greg blinzelte zweimal, dann erst glaubte er es. Er dachte immer dass dieser Mann nur Tee und Whisky zu sich nehmen würde. Vielleicht auch mal einen teuren Brand oder Schnaps, doch ein normales Bier? Er drehte die Flasche und sah auf das Etikett, genau seine Lieblingsmarke.
Woher wusste er das? Oder war es Zufall, dass sie beide einfach gerne dasselbe Bier tranken?
„Was verstört sie so sehr?“

Mycrofts Stimme riss Greg aus den Gedanken. „Ich habe nicht angenommen, dass Sie Bier trinken würden.“ In diesem Moment sah er das erste Mal ein ehrliches Lächeln auf den Lippen des sonst so kalten Politikers. „Sie werden feststellen, da gibt es diverse Dinge, die sie nicht über mich wissen, Greg.“ Keine Arroganz, kein Spot klang in den Worten mit, zumindest soweit Greg es beurteilen konnte. Öffnete sich dieser Mann ihm wirklich gerade oder war er einfach nur eingeschlafen und träumte das alles? „Nun, was wollen sie denn schönes mit mir anstellen? Nun wo sie diese einmalige Gelegenheit ergriffen haben.“ Wieder legte Mycroft die langen Beine elegant übereinander, nahm einen Schluck von seinem Bier und ließ den Blick auf Greg ruhen, der nun wieder sichtlich nervös wurde.

Was sollte er antworten, er hatte doch keine Ahnung wie das Ganze ablaufen sollte. Ob Mycroft da mehr Erfahrung hatte? War er wie sein Bruder oder hatte er sexuelle Bedürfnisse? So nahm er allen Mut zusammen, immerhin hatte er sonst mit den schlimmsten Kriminellen ganz Londons zu tun. Gut zugegeben, die waren ein Witz gegen diesen Mann.
„Ich dachte wirklich nicht das dieser Tag so laufen würde, ehrlich. Ich habe keine Ahnung. Ich hatte noch nie was mit einem Mann.“ Hilfesuchend sah er in die dunklen, blauen Augen seines Gegenübers. Dieser legte den Kopf leicht schief und lächelte dann milde. „Nun schauen sie doch nicht so, dann zeige ich es ihnen eben, Greg.“

Er drehte die Flasche zwischen seinen langen Fingern, welche Greg so gut gefielen. „Ich werde dich mit nach oben nehmen. Bis dahin steht dir frei zu gehen. Danach betrachte ich dich als mein Eigentum, mit dem ich machen kann was ich will. Ich bin mir sicher du weißt was ich meine.“ Wieder trank er einen Schluck und ließ Greg so etwas Zeit alles genau zu verstehen. „Wie weit wir gehen liegt an deinen Reaktionen, ich bin nicht unerfahren, ich merke, wenn es zu viel wird.“
Er trank sein Bier aus, stellte die Flasche auf den Tisch und erhob sich. „Folge mir.“ Greg tat wie ihm geheißen, das Mycroft gerade aufs Du gewechselt war zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht.

***

Mycroft führte Greg in das obere Stockwerk, wo sich sein Schlafzimmer befand. Es handelte sich dabei um einen großen Raum, gegenüber der Tür ließ ein großes Fenster viel Licht herein. Dominiert wurde alles von einem breiten, massiven Eichenbett, daneben standen zwei Nachttische aus demselben Holz. Zudem stand ein eleganter Holzstuhl neben einem zum Bett passendem Schrank, offensichtlich nicht der Kleiderschrank, dazu war das Möbelstück zu klein. Links und rechts ging je eine Tür ab, Greg vermutete, dass es sich um Bad und Ankleidezimmer handelte, der DI vermutete (schätzte) das Mycroft viele Anzüge besaß, sowie dazu passende Accessoires.

Als er den Raum betreten hatte schloss Mycroft hinter ihm die Tür und befreite seinen Gast von dessen Mantel. Er hängte diesen über den Stuhl und ließ sich dann auf dem breiten Bett nieder. Es war mit weinroten Laken und Bettwäsche überzogen, welche sehr hochwertig wirkte.
Mycrofts Blick war forschend, doch Greg rührte sich nicht, er hatte sich entschlossen zu bleiben, wollte das Risiko eingehen und seinen Gefühlen folgen. Ein süffisantes Lächeln umspielte Mycrofts schmale Lippen als er neben sich auf das Laken klopfte. „Komm her!“, befahl er dem Älteren und sah ihn streng an.

Er konnte in dem DI lesen wie in einem Buch, wusste was er dachte und doch verunsicherte er ihn. Mycrofts Herz schlug schnell, sein Puls raste, er wollte ihn schon lange! Zufrieden sah er nun dabei zu wie sich der Ältere auf ihn zu bewegte, dann aber vor ihm zum Stehen kam, die braunen Augen genau auf ihn gerichtet. Mycroft konnte genau sehen wie sein gegenüber kurz nachdachte, dann aber sanft mit der Hand über Mycrofts Wange strich und das braune, kurze Haar berührte, andächtig und gemächlich, als habe er Angst etwas kaputt zu machen. So etwas war dem Jüngeren neu, doch er musste zugeben, dass es sich schön anfühlte. Ein warmes Gefühl breitete sich in seinem Inneren aus. Sie sahen sich einen Moment lang in die Augen bevor Greg sich zu ihm herunterbeugte und sich ihre Lippen trafen. Erst nur kurz und zögerlich, doch Mycrofts Hand fand ihren Weg in Gregs Nacken und zog ihn zu einem erneuten Kuss näher an sich heran. Greg keuchte erschrocken auf, ergab sich dem Jüngeren jedoch augenblicklich.

Sanft wurde Greg von Mycroft nach unten gezogen, ohne dass sich ihre Lippen trennten. Forschend wanderten Gregs Hände über den unbekannten Körper unter sich, berührten jeden Zentimeter intensiv, schoben sich unter den Stoff des Hemdes über die erhitzte Haut. Er drückte Mycroft sanft in die weinroten Laken, seine Zunge leckte herausfordernd über die schmalen Lippen unter sich, bettelte um Einlass welcher ihr gewährt wurde. Ihre Zungen verstrickten sich in einen leidenschaftlichen Kampf den nur ihre Atemnot stoppen konnte. Einen Moment lang sahen sie sich in die Augen, betrachteten den anderen genau, doch keiner wollte aufhören, so grinste Mycroft zufrieden und streichelte dem Älteren durch das langsam ergrauende Haar. „Du hast eindeutig zu viel an!“

***

Ein Kleidungsstück nach dem anderen war achtlos auf dem Boden gelandet, als sich die beiden durch die frischen Laken wälzten. Sie konnten nicht voneinander lassen, küssten einander leidenschaftlich, berührten jeden fremden Zentimeter Haut. Greg hatte sich dem Jüngeren vollkommen ergeben, genoss dessen zärtliche und fordernde Berührungen nur noch und wand sich unter ihm. Noch nie hatte er sich beim Liebesspiel so untergeordnet und zurückgenommen. Es war etwas Neues, das ihm mehr als nur etwas gefiel. Es machte ihn geil und das spürte auch sein Partner. Aus halbgeschlossenen Augen beobachtete Greg wie sich Mycroft über seine Brust und den Bauch küsste, hin und wieder die warme Haut mit den Zähnen reizte oder mit den Lippen daran saugte. Ein heiseres Stöhnen kam über seine Lippen, übertönte sein laut schlagendes Herz. Er wollte mehr, wie auch immer das aussehen mochte. In diesem Moment wünschte er sich nur diesem Kerl näher sein zu können, ihn zu spüren!

Augenblicklich keuchte Greg auf als er die warmen Lippen an seinem bereits erregtem Glied spürte.
Seine Finger gruben sich in die Laken unter ihm, sein Atem ging schneller. Wann hatte er sich das letzte Mal so gefühlt? Gab es diesen Moment überhaupt oder war es das erste Mal? Jeder weitere Gedanke wurde aus seinem Verstand verbannt als sich Mycrofts lange Finger an seinen Hoden zu schaffen machten und damit begannen diese zu massieren. Laut stöhnte er auf, rang nach Luft. „Mycroft... nicht so, bitte!“ Er sah zu seinem Partner herunter, sah in die blauen Augen. „Nimm mich, bitte!“
Warum er das sagte wusste Greg nicht, doch er wusste, dass er genau das nun wollte. Sein Partner hielt nur einen Moment inne, blinzelte kurz bevor er sich erhob. „Bist du dir sicher?“
Mycrofts Stimme klang belegt, dass er überhaupt noch klar denken konnte war wohl seiner hohen Intelligenz geschuldet. Greg fiel jeder einzelne Gedanke schwer, er konnte nur an diesen Mann denken, wollte ihn so dringend spüren, als hinge sein Leben davon ab.

„Ich wünsche mir nichts mehr“, war daher seine knappe, rau dahin gehauchte Antwort. Mycroft lächelte, beugte sich zu einem der Nachttische und kramte kurz darin herum. Sekunden in denen Greg nach Luft rang und seinen Partner genau beobachten konnte. Er sah dessen Sommersprossen auf der hellen Haut, die kleinen, feinen rötlich braunen Haare, die Muskeln die sich perfekt und geschmeidig bewegten. Dieser Mann war es, was er so lange wollte und niemand hätte ihn davon überzeugen können, dass es falsch war!

***

Endlich hatte er gefunden wonach er mit zittriger Hand gesucht hatte. Mycroft atmete noch einmal durch und wendete sich dann wider seinem Partner zu. Dessen Wunsch hatte ihn komplett aus dem Konzept gebracht, sorgte jedoch auch für ein enormes Verlangen. Er wollte diesen Mann voll und ganz besitzen, jetzt in diesem Moment. Doch Mycroft wusste, dass er das noch nicht konnte, er musste die Kontrolle behalten, zumindest für einen überschaubaren Moment. So verteilte er etwas Gleitgel auf seinen Fingern, wärmte es etwas an, bevor er sich wieder Gregs Erektion widmete, die nach seiner Aufmerksamkeit verlangte. Mit einer Hand massierte er das Glied vor sich, mit der anderen schob er die Backen seines Partners etwas auseinander, reizte mit seinen Fingern dessen Muskel.

Er spürte genau wie sich sein Partner verkrampfte, doch dauerte dieser Zustand nicht lange an, zu sehr lenkte der Jüngere ihn mit der anderen Hand ab. Vorsichtig schob er seinen ersten Finger in Gregs Öffnung, ließ seinem Partner Zeit sich an ihn zu gewöhnen. Nach und nach folgte auch Nummer zwei und drei. Jede Bewegung ließ Greg leise aufstöhnen, brachte den Mann um den Verstand und Mycroft genoss jeden einzelnen Augenblick, bis auch er es kaum noch aushalten konnte.
So zog er sich komplett von seinem Partner zurück, gab ihm und sich etwas Zeit noch einmal durchzuatmen, es sollte nicht so schnell vorbei sein. Mycroft wollte seinen Spaß haben, wollte diesen Mann besitzen und dass so lange es ging. Vorsichtig riss er die Kondompackung auf, rollte sich das Gummi über. Greg hatte die Augen halbgeöffnet, sah ihm dabei zu und er konnte die Erwartung und Lust in dem Blick des Anderen genau sehen!

Sich ein Kissen schnappend küsste er Greg noch einmal auf die leicht geschwollenen Lippen. „Hebe dein Becken an!“, befahl er mit rauer Stimme, Greg tat was sein Partner verlangte. Mycroft schob ihm das Kissen unter den Steiß, drückte dann sanft Gregs Beine auseinander und ließ sie über seine Oberschenken fallen. Ohne seinen Partner noch weiter vorzuwarnen drückte er sein Glied in die Öffnung des Mannes vor ihm, spürte dessen heiße Enge, wie er sich leicht verkrampfte vor Schmerz und Lust. Sie stöhnten beide auf, genossen den kurzen Moment bevor sich Mycroft begann in seinem Partner zu bewegen. Erst langsam, doch mit jedem Stoß verlor er mehr die Rücksicht und er spürte, dass diese auch nicht mehr nötig war. Greg wollte es, so fanden sie rasch einen gemeinsamen Rhythmus. Mycroft nahm Gregs rechte Hand, führte diese zu seinem Glied. „Mach es dir!“, befahl er zwischen einem Stöhnen, und sein Partner gehorchte!

Mit jedem Stoß kam er seinem Höhepunkt näher. Doch erst als Greg sich eng um ihn zusammenzog, sich seiner Lust voll und ganz hingab war es auch um Mycroft geschehen. Er kam in Greg und vergaß für einen kurzen Augenblick alles um sich herum.

***

Gemeinsam lagen sie nebeneinander unter der weinroten Decke, durch das Fenster wehte die kühle Herbstluft herein, mit ihr trug sie den süßen Duft der reifen Äpfel aus dem Garten unter ihnen. Greg schmiegte sich sanft an die Brust des Jüngeren und spielte mit einer Hand in dessen Brusthaar. „Das war unglaublich“, nuschelte er leise, als ob er Angst hatte die Stille zu zerstören. Doch Mycroft lächelte nur, kraulte den Älteren sanft durchs ergrauende Haar. „Ja, das war es.“

Lange lagen sie still da, genossen die Wärme des anderen bis Greg sich aufrichtete und in die dunklen, blauen Augen seines Gastgebers schaute. Er fand keine Worte, was sollte er sagen, doch sein Blick sagte alles und Mycroft verstand genau. „Bleib heute Nacht bei mir. Alles andere hat Zeit bis zum Frühstück.“

Kapitel 1 Ende
Ich hoffe das erste Kapitel hat dir gefallen.