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Das Amulett der Königin

von Nane1307
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Ahkmenrah OC (Own Character)
09.09.2017
14.05.2022
40
233.829
35
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Dieses Kapitel
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09.09.2017 5.130
 
Schwer atmend riss Nita den Kopf aus ihren Armen und schaute sich um: Sie saß in ihrer Wohnung an dem kleinen Schreibtisch. Ihre Uniunterlagen lagen um sie herum verteilt, während der alte Fernseher in der Ecke vor sich hin quäkte. Ihre Wangen waren nass und sie wischte mit dem Handrücken erschöpft die Tränenspuren weg. Schon wieder so ein Traum. Man sollte meinen, dass die Medikamente, die sie nach dem Krankenhausaufenthalt verschrieben bekommen hatte, dagegen halfen. Aber retrograde Amnesie in Verbindung mit Schlafstörungen war wohl einfach nicht wichtig genug, um die starken Pharmaka zu verschreiben.
„… die letztes Jahr in einer unentdeckten Kammer im Grab von Pharao Ahkmenrah gefunden wurden, werden nun seine Ausstellung im Naturkundemuseum hier in New York ergänzen. Heute Abend bei mir ist Rashad Malik, der Mann, der die ‚Kleine Grabkammer‘ damals geöffnet hat. Guten Abend, Rashad“, riss Nita der Fernseher aus ihren Gedanken. Die Uhr in der oberen rechten Bildecke zeigte 15:07 Uhr an. Sie hatte tatsächlich zwei Stunden geschlafen! Die Kamera schwenkte in diesem Moment um und statt der blondierten Talkshowmoderatorin, erschien ein schwarzhaariger Mann mit dunklem Teint und Bart auf dem Monitor.
Hallo, Heather.“ Der Mann spielte ununterbrochen mit seinen Händen und Nita konnte sehen, wie sich in dem Schweiß auf seiner Stirn die Studioscheinwerfer spiegelten.
„Die wichtigste Frage zuerst: Haben Sie eine Vermutung, warum keine Mumie im Sarkophag lag?“, las sie von einer riesigen Pappkarte ab, die das Logo der Sendung auf dem Rücken trug und beachtete die Nervosität ihres Gastes nicht weiter. Er schluckte.
„Es gibt einige Theorien: So könnte sie zum Beispiel von Anfang an an einem anderen Ort begraben worden sein, oder man hat die Königin später umgebettet.“
„Und Grabräuber können Sie ausschließen?“
„Ja“, verkündete er mit hohler Stimme. „Die Kammer war gut versteckt und die Grabbeigraben waren unberührt. Abgesehen davon war ja Ahkmenrahs Grab an sich auch ungeöffnet.“
„Um was handelt es sich denn bei d-“ Nita griff nach der Fernbedienung und verbannte die beiden von ihrem Bildschirm. So gern sie die Arbeit, die sie in provinzialrömischer Archäologie für die Uni schreiben musste, auch weiter aufschieben und dafür fernsehen würde, sie hatte nur noch bis Montag Zeit, um zwanzig Seiten zu schreiben. Heute war Samstag. Zwei Tage also. Das wäre nicht schlimm, wenn sie neues Referenzmaterial finden würde, aber ihre Quellen waren erschöpft.

Die Bibliothek war anfangs neben dem Internet ihre größte Hilfe gewesen, aber langsam gingen ihr die Informationen aus, die sie in ihrer Ausarbeitung noch nicht verwendet hatte. Noch etwa zehn Seiten, dann würde sie vor einem riesigen Problem stehen. Ein bisschen bereute sie in solchen Momenten, sich an der Universität eingeschrieben zu haben. Aber diese kleinen Jobs, mit denen sie sich über Wasser gehalten hatte, hatten auf lange Sicht nirgendwo hingeführt. Obwohl ihr das Arbeiten als Babysitterin immer großen Spaß gemacht hatte. Besonders gerne hatte sie den kleinen Nicky gehabt. Er war-
Ihre Gedanken stockten; Nick. Nick Daley. Sein Dad, Larry, arbeitete doch im Naturhistorischen Museum, oder? Dieses Museum hatte doch ein Archiv, oder? Hektisch sprang Nita auf, riss dabei fast ihre Teetasse vom Tisch und suchte nach ihrem Handy. Sie fand es schließlich zwischen einem zwei Wochen überfälligen Büchereibuch und einem noch halbvollen Pizzakarton. Angespannt scrollte sie durch ihre Kontakte in der Hoffnung, einen ganz bestimmten Namen zu finden. Da, ein Glück, sie hatte ihn noch nicht gelöscht! Auf den grünen Telefonhörer drückend schickte das Mädchen ein Stoßgebet zum Himmel, dass Larry inzwischen keine neue Nummer hatte. Ah, es tutete, gut. Einmal. Zweimal. Dreimal. Vierm-
„Hallo?“
„Larry?“, fragte sie hoffnungsvoll.
„Ja…“, die Stimme des Mannes klang misstrauisch. „Wer ist da?“
„Ich bin’s, Nita.“
Nita? Nita Seshen?“
„Ja.“
„Hey, wie geht’s dir? Ich hab ja ewig nichts von dir gehört“, rief er enthusiastisch.
„Äh, mir geht’s gut, danke. Hör mal, arbeitest du noch im Museum?“
„Ja.“
„Hat dieses Museum auch ein Archiv?“
„Ja … warum fragst du?“
„Du musst mir einen Gefallen tun ...“

oOo

20 Minuten und eine Busfahrt (mit einer viel zu gesprächigen alten Dame als Sitznachbarin) später stand Nita mit ihrer Notebooktasche in der Hand vor dem Museum of Natural History. Die riesige Statue von Teddy Roosevelt thronte auf seinem Pferd und hieß die Museumsgänger willkommen. Schnell huschte sie hinein, Larry hatte ihr am Telefon ausdrücklich klar gemacht, dass er sie nur bis Museumsschluss ins Archiv schleusen konnte und der war nicht mehr allzu lang entfernt. Nur noch wenige Besucher säumten die Eingangshalle, es war offensichtlich einer der Tage, an dem das Museum nicht so lange geöffnet hatte.
Hinter dem imposanten T-Rex-Skelett konnte sie Larry ausmachen, der sie am Informationstisch bereits erwartete. Er unterhielt sich angeregt mit einer braunhaarigen Frau, die am Tresen saß und hin und wieder etwas in den Computer tippte. Nicky saß ebenfalls bei ihnen, ein Grinsen auf dem Gesicht, das dieses beinahe auseinanderbrechen ließ.
„Nita!“ Der Junge riss seine Hand vom Tisch und winkte überschwänglich, kaum dass er sie erkannt hatte.
„Hey. Wow, Nicky. Bist du groß geworden. Jetzt fühle ich mich alt“, lachte sie, als sie vor ihm stand und zog ihn in eine herzliche Umarmung.
„Du fühlst dich alt? Was soll ich denn dann erst sagen?“, fragte Larry, der das Schauspiel schmunzelnd betrachtet hatte. Nita grinste ihn an.
„Schön dich zu sehen, Larry. Tut mir leid, dass ich dich so überfalle“, erklärte sie verlegen, und schüttelte seine Hand.
„Kein Problem, wirklich. Wenn man bedenkt, wie oft du damals mit Nick eingesprungen bist … Da helfe ich gerne, wo ich kann. Oh, das hier ist Rebecca Hutman, eine Museumsführerin. Rebecca, das ist Nita, Nickys alte Babysitterin“, stellte er die beiden Frauen vor, nachdem er Nita wieder losgelassen hatte.
„Freut mich.“ Rebecca streckte ihr die Hand entgegen.
„Mich auch“, lächelte das Mädchen und schüttelte diese.
„Nicky, bringst du sie ins Archiv? Ich muss die Scheren verstecken und den Kühlschrank abschließen.“
Das Mädchen hatte kaum Zeit, sich über diese eigenartige Aussage zu wundern, da schloss sich schon eine Hand um ihren Unterarm und zog sie mit sich.
„Klar. Du wirst das Archiv lieben, Nita. Da unten gibt es jede Menge cooles Zeug“, erklärte der kleine Junge aufgeregt und verfiel in einen Laufschritt, der es ihr schwer machte, nicht zu stolpern.
„Vergesst nicht: Eine Stunde“, erklang Larrys Stimme hinter ihnen. Nita hob die Hand, die sich gerade nicht in der Gewalt des übereifrigen Kindes befand und gab ihm einen Daumen hoch.
Die beiden kamen an einem Bronze-Columbus vorbei, der, eine Karte in der Hand haltend, mit entschlossenem Gesichtsausdruck nach rechts zeigte, hinein ins Abenteuer. Seinem Fingerzeig folgend, passierten sie ein Büro mit der Aufschrift ‚Dr. L. McPhee – Museumsdirektion‘.
„Rose hat schon Feierabend gemacht. Ich hab gesehen, wie sie gegangen ist“, sagte der 12-Jährige.
„Rose?“
„Die Archivtante.“
Nita stieß einen beeindruckten Pfiff aus.
„Du kennst dich hier echt gut aus.“
„Dad nimmt mich oft mit. Er hat den coolsten Job in der Geschichte. Buchstäblich.“
Dem Mädchen erschloss sich zwar nicht, was an einem Job als Nachtwächter so dermaßen cool sein sollte, aber sie freute sich für Larry, dass sein Sohn ihn so sehr idolisierte. Trotzdem entging ihr das verschwörerische Grinsen nicht, dass das Kind ihr über die Schulter zuwarf.

Sie stiegen eine breite Treppe hinunter und standen gleich darauf vor einer großen Doppeltür, die Nicky ohne viel Drumherum aufstieß. Dahinter kam eine unschätzbar wertvolle Sammlung geballten Wissens zum Vorschein: Vor ihnen reihten sich Regal um Regal, Schrank um Schrank bis unter die Decke. Zahllose Reihen von Büchern, Karten, Schriftrollen, Tafeln und anderen Speichermedien frühgeschichtlicher Literatur, so weit das Auge reichte.
„Nick, das ist… Wow!“ Der Studentin hatte es die Sprache verschlagen und sie war sehr, sehr dankbar, dass sich ihr diese sagenhafte Möglichkeit eröffnet hatte, sich hier Wissen anzueignen.
„Ich weiß, und man kann hier super Verstecken spielen. Ich bin hier oft mit Ah – Ähm… Dad“, haspelte er und betrat den Raum, ohne die junge Frau anzusehen.
Kopfschüttelnd folgte sie ihm zum Computer neben der Tür. Mit schnellen Fingern öffnete er eine Suchleiste. Es überraschte sie, dass er sich damit so gut auskannte, aber andererseits benutzte er das Archiv wahrscheinlich auch für seine Hausaufgaben.
„Du kannst hier Schlagworte eingeben und das Programm sagt dir, an welcher Stelle du das Schriftstück findest.“
„Alles klar, danke Nicky.“ Sie setzte sich auf den Drehstuhl und wandte sich zu dem Jungen um. „Was machst du jetzt?“
„Dad hat… mir … auf dem Weg hierher einen neuen Comic gekauft“, erzählte er aufgeregt und zog besagtes Heft aus seinem Rucksack.
„Dann viel Spaß beim Lesen.“, lächelte sie, als sie ihre Notebooktasche öffnete und das kleine Laptop neben den Computer stellte. Am Rande nahm sie wahr, dass Nick sich an einen Tisch hinter sie setzte und seinen Comic aufschlug. Den Kopf in die Hände gestützt und mit einem freudigen Funkeln in den Augen begann er zu lesen.
Die Zeit flog nur so dahin, als die Studentin nach Begriffen suchte, zwischen den Regalen hin und her lief und schließlich ein Schriftstück nach dem anderen an ihren Arbeitsplatz brachte, um die Informationen in ihren Aufsatz integrieren zu können. Es war eine hervorragende Idee gewesen, Larry um Hilfe zu bitten; hier hatte sie Zugang zu mehr Wissen als in Fachbüchern, Internet und Bibliotheken zusammen.
Eigentlich war es unfair, dachte sie, dass dieses Wissen hier unter Verschluss gehalten wurde, aber dann erinnerte sie sich an all die zerfledderten Büchereibücher, die sie in ihrem Leben schon gesehen hatte. Viele der Schriftstücke im Archiv waren zu wertvoll, als dass man die Öffentlichkeit darauf loslassen konnte. Sie fühlte sich geehrt, dass sie eine der Wenigen war, die die Schriften zu Gesicht bekam, auch wenn es ihr von niemandem erlaubt worden war, der die Befugnis dazu besaß.

Von Nicky hörte sie nur hin und wieder ein erschrockenes Luftholen oder einen freudigen Ausruf und das Umblättern der Seiten. Das liebte sie an dem Jungen: Er war so begeisterungsfähig und versank vollkommen in dem, was er tat. Ihr kamen die vielen Festungen in den Sinn, die sie mit ihm auf der Couch der Daleys gebaut hatte, als er noch kleiner gewesen war und Erica und Larry noch zusammengelebt hatten. Unzählige Male hatten sie gemeinsam den furchteinflößenden Drachen (besser bekannt als ‚Staubsauger‘) besiegt.
Das Mädchen drehte sich lächelnd um und betrachtete das Kind: Er saß, das Kinn immer noch in den Händen abgestützt, und ließ die Beine baumeln. Zwischen seinen Augen hatte sich eine Falte gebildet, die von höchster Konzentration zeugte, während seine Lippen tonlos das wiedergaben, was er las. Nita schüttelte gutmütig den Kopf und wandte sich wieder dem Aktenschrank zu, in dem laut Computer eine Abhandlung über die Ausgrabung einer Römerstadt in Deutschland lagern sollte. Das Programm hatte sich bis jetzt nie geirrt, aber in der Schublade, die der PC anzeigte, war nicht die Spur besagter Abhandlung zu finden. Hm. Vielleicht eine Schublade weiter unten? Das Mädchen ging in die Hocke und zog das tiefergelegenere Fach auf. Ihr Finger ratterte über die verschiedenen Reiter, die dessen Inhalt voneinander trennten. Irgendwo hier musste es doch sein! In diesem Augenblick zerriss über ihnen ein markerschütternder Schrei die Stille, gefolgt von dem Trompeten eines Elefanten, dass die Wände erzittern ließ. Nein, nicht das Trompeten ließ die Wände erzittern, sondern Fußstapfen. Und sie hörten sich an, als kämen sie näher.
Erschrocken richtete Nita sich auf und vergaß dabei das noch offene Schubfach über ihr. Ihr Kopf knallte dagegen und ein stechender Schmerz war die Belohnung dafür.
„Au! So ein verdammter Mist!“ Sie fuhr mit der Hand über die betroffene Stelle.
„Oh-oh“, kam es von Nicky, der von dem Stuhl aufgesprungen war und sich offenbar nicht entscheiden konnte, ob er seine Aufmerksamkeit auf seine alte Babysitterin oder auf die Holztür richten sollte.
„Was war das?“ Beunruhigt ging Nita auf die Türen zu.
„Äh…“
Die Lautsprecher auf dem Flur knackten und fingen an zu rauschen, dann drang eine aufgeregte Stimme zu ihnen hinein: „Ähm… Gigantos wird gebet‘n sich im Planetarium zu melden … Durch Umstände die vielleicht oder vielleicht auch nich‘ mit dem äh… Industrietacker und 27 Gummibändern zu tun haben, hängt Octavius jetz‘ kopfüber am Saturnmodel fest. Beeil‘ dich Partner, bevor er ‘n Schwan macht.“

Ehe Nita auch nur einen klaren Gedanken zu dieser mehr als merkwürdigen Durchsage fassen konnte, brach die Hölle los: Von außen rammte etwas mit großer Wucht immer wieder gegen die Archivtür. Dazu waren außerdem panisches Trompeten verbunden mit tiefen dröhnenden Lauten und in etwas weiterer Entfernung eindeutig menschliche Rufe zu hören.
„Nicky, was ist hier los?“ Erschrocken schob die junge Frau das Kind hinter sich und trat einen Schritt zurück, ohne den Zugang zum Archiv aus den Augen zu lassen. Die Türen knarzten bedrohlich und fingen durch die ungeheure Krafteinwirkung an zu splittern.
„Ich… ähm… also…“ Nicky sah Nita mit dem gleichen Gesichtsausdruck an wie damals, als er ihr Tee in die Schuhe gekippt hatte, damit sie warme Füße bekam.
„Nick!“
„… Äh …“
„Nicholas! Sag mir, was hier los ist. Jetzt!“ Die Angst in ihrer Stimme überlagerte die beabsichtigte Strenge bei Weitem. Nicky zögerte noch genau zweieinhalb Sekunden lang, dann platzte es aus ihm heraus.
„Nachtswirddasmuseumlebendig!“
Was?“
Das Holz der Tür konnte der Belastung nicht länger standhalten und gab unter lautem Ächzen nach. Zum Vorschein kam ein panisches Mammut, dem der Weg ins Archiv jetzt frei stand.
„Lauf!“

Der Junge packte sie am Ärmel und und riss sie mit sich. Nitas natürliche Fluchtinstinkte setzten ein und die beiden hechteten zum gegenüberliegenden Ausgang. Sie hörte, wie das Tier ihnen folgte und eine Spur der Verwüstung hinterließ. Die Türen aufstoßend und das Archiv hinter sich lassend, rasten sie einen Flur entlang und Treppen hinauf, bis sie wieder in der Lobby ankamen. Jetzt sah sie aus, als wäre dort eine Kostümparty in vollem Gange: Ein afrikanischer Krieger mit riesiger Strohmaske sprach wild gestikulierend auf eine Gruppe amerikanischer Siedler ein. Auf der anderen Seite des Raumes lief ein gewaltiger Elch vorbei, in dessen Geweih sich ein Äffchen herumhangelte. In den Schubladen des Informationstisches, an dem Rebecca vor Kurzem noch gesessen hatte, kramte ein Inuit nebst Hundeschlitten, der zusammenzuckte, als ein Adler kreischend über ihn hinwegflog. Es war ein absurdes Bild, aber die Studentin befand es für besser, sich um diese grenzdebilen Halluzinationen Sorgen zu machen, wenn sie sich nicht in unmittelbarer Lebensgefahr schwebte. Alle hielten in ihrer Tätigkeit inne, als sie Nita und Nicky – und noch viel wichtiger, das acht Tonnen schwere Rüsseltier hinter ihnen - angerast kommen sahen. Die Siedler und der Krieger, die zwischen den Doppeltreppen standen, hechteten zur Seite, bevor die junge Frau in sie hinein schepperte. Nickys Griff an ihrem Pullover löste sich, offensichtlich damit er selbst schneller laufen konnte.  Das Mammut war ihr so dicht auf den Fersen, dass sein dröhnendes Grollen und panisches Trompeten ihr beinahe die Trommelfelle platzen ließen und damit nicht genug: Es wurde seinerseits offenbar von Höhlenmenschen gejagt.
Nita spurtete die rechte der Treppen hinauf, in der Hoffnung das Tier abzuhängen, das offenkundig nicht den Anstand besaß, ausgestorben zu sein. Sie nahm zwei Stufen auf einmal, was ihr zwei-, dreimal fast das Genick brach und auch nicht weiterhalf: Mit einer Leichtigkeit, die bei der Körpermasse schwer zu glauben war, erreichte es kurz nach ihr den ersten Stock. Das Museum war groß, warum folgte dieses Viech auf seiner Flucht ausgerechnet ihr? Ihr psychotisches Hirn, das in den letzten Minuten zu höheren Gedanken als ‚Einatmen, ausatmen, lauf, lauf, lauf‘ nicht fähig gewesen war, überraschte sie in dem Moment.
Mammuts sind Herdentiere, du Genie. Es folgt dir, weil es davon ausgeht, dass du den Weg mit den wenigsten Hindernissen wählst.
Großartig.
Seine gewaltigen Stoßzähne in gefährlicher Nähe zu ihrem Rücken, bog sie vor einem Osterinselkopf links ab, der ihr etwas zurief und wich um Haaresbreite einem chinesischen Jadelöwen aus. Bevor sie mit der Fahrstuhltür vor ihr kollidierte, sprintete sie in einen Flur auf ihrer rechten Seite.

Offenbar hatte ihre Flucht sie in die ägyptische Ausstellung verschlagen: In den Vitrinen um sie herum glänzte unbezahlbarer Schmuck im schwachen Licht der Wandlampen. Die gegenüberliegende Hälfte des Raumes war mit Planen verhangen und mit Band abgesperrt, dort schienen Umbauarbeiten im Gange zu sein.  Das Mädchen stürmte weiter, in das Grab hinein, denn der kleine Teil ihres Verstandes der noch richtig funktionierte, versicherte ihr, dass ihr tierischer Verfolger mit seinen breiten Stoßzähnen nicht hineingelangen konnte. Sie kam mit quietschenden Sohlen zum Stehen und schnappte verzweifelt nach Luft. Ihre Lungen brannten sich in diesem Moment ohne Frage durch ihre Rippen. Von dem gigantischen Koloss über zwei Stockwerke gejagt zu werden, hatte ihr einiges abverlangt. Dabei sie war schon nicht allzu agil, wenn keine achtzigprozentige Chance bestand, dass sie zu Brei zertrampelt wurde. Es war angenehm zu wissen, dass sie offenbar einen Überlebensinstinkt hatte, auf den sie sich verlassen konnte, wenn es eng wurde.
Ach ja, da sie gerade beim Thema war:

Was. Zur. Hölle?!

Was ging hier vor sich? Die Ausstellungsstücke haben sich bewegt. Die Ausstellungsstücke haben geredet. Und was man auf jeden Fall besonders hervorheben sollte: Die Ausstellungsstücke haben versucht, sie umzubringen! War das ein verzweifelter Hilferuf ihres überarbeiteten und unter Schlafentzug leidenden Hirns? Mit diesen eigenartigen Träumen musste es ja irgendwann dazu kommen. War sie eingeschlafen und träumte womöglich? Nein, das schmerzhafte Pochen in ihrer Stirn bestätigte ihr überdeutlich, dass sie wach war. Hatte sie diese Dinge gesehen, weil sie sich den Kopf gestoßen hatte? Was hatte Nicky gesagt, bevor das Mammut das halbe Archiv dem Erdboden gleich gemacht hatte?
Halt, Moment! Wo steckte Nicky?!
Sie unterbrach ihre Hyperventilation und drehte sich einmal um die eigene Achse. Ihre unmittelbare Umgebung war erschreckend nickylos. Oh nein, sie war definitiv der schlechteste Babysitter in der Geschichte der schlechten Babysitter! Schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen und hielten sie davon ab, nach dem Jungen zu suchen. Plötzlich musste sie sich an einem Pfeiler abstützen, um nicht umzufallen.

„Gnatok!“, hörte sie eine genervte Stimme aus dem Grabmal rufen. „Erinnert ihr euch an das Gespräch, das wir mit Larry über das Rennen in diesem Flur geführt haben? Noch so einen Zusammenstoß wie vorgestern wird die Vitrine garantiert nicht überleben. Und das Mamm-“
Die Worte brachen ab, dafür trat ein junger Mann mit goldener Krone, buntem Kragen und weitem Umhang aus der inneren Grabkammer heraus, der niemand anderes als ein Pharao sein konnte. Vermutlich hatte er realisiert, dass es sich bei dem Mädchen nicht um Gnatok handelte. Er starrte sie ungläubig an, seine Augen weiteten sich kontinuierlich, bis sich ein entsetzter Ausdruck über seine Züge gelegt hatte.
„Das Museum …“, keuchte sie, von der Realität eingeholt, „erwacht zum Leben. Alles erwacht zum Leben.“ Selbst in ihren eigenen Ohren klang das, als ob sie nicht alle Frösche im Teich hätte. Sie hörte sich an, als ob sie gerade aus der Psychiatrie ausgebrochen war. Aber was war schon ein bisschen Wahnsinn nach dieser Nahtoderfahrung? Außerdem brachte ihr Kopf sie um! Es fühlte sich an, als stocherte jemand mit einem glühenden Eisen in ihrem Hirn herum.
Das Mädchen fasste sich an die Stirn, aber schwafelte weiter.
„Wirklich alles! Ich meine, das Mammut und die Neandertaler… Und dieser Inuit… Und du… Und Nick hat gesagt…“ Sie sog scharf Luft ein und fuhr mit einem hysterischen Lachen fort. „Ich dachte, ich hätte mir nur den Kopf gestoßen. Na ja, ich hab mir den Kopf gestoßen, ziemlich doll sogar, aber – “
Der junge Mann überbrückte die Distanz zwischen ihnen in einer schnellen Bewegung und ergriff ihre wild gestikulierenden Hände. Seine Finger schlossen sich wie Schraubstöcke um ihre Handgelenke. Perplex starrte sie ihn an. Was tat er da? Wenn er diesen Druck beibehielt, dauerte es nicht mehr lange, bis er ein paar Knochen brach. Er presste ein paar Worte in einer harschen Sprache durch seine Zähne, die in der hintersten Ecke ihrer Erinnerungen nagte.
„Was?!“
„Wie bist du hierher gekommen? Reicht es dir nicht, mich in meinen Träumen heimzusuchen?!“, schob er hinterher. Auf Englisch klang er noch bedrohlicher.
„Hast du sie noch alle? - Au! - Lass mich los!“
Mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, versuchte sie, ihre Arme aus seinem Griff zu ziehen. Sie trat einige Schritte zurück, aber er ließ sie nicht los. Langsam bekam sie es mit der Angst zu tun. Ihre Finger zuckten in einem bedauernswerten Versuch, ihm das Gesicht zu zerkratzen, solange, bis sich ihr neuer Freund, der Selbsterhaltungstrieb, einschaltete. Er schrie sie an, mit diesem Kinderkram aufzuhören und die schweren Geschütze aufzufahren. Lange ließ sie sich nicht bitten. Sie riss verzweifelt ihr Knie nach vorne, aber er sah den Angriff kommen. Mit einer Schnelligkeit, die Nita eher einer attackierenden Kobra als einem Menschen zugerechnet hätte, drehte er seine Mitte aus der Gefahrenzone und nutzte den Schwung aus, um sie gegen eine der Säulen zu drücken. Ihr Rücken protestierte und der Zusammenstoß trieb ihr die Luft aus den Lungen. Die Haarsträhne, die ihr dabei ins Gesicht gefallen war, flatterte leicht in ihren unregelmäßigen Atemstößen.
„Wie kannst du es wagen deine Taten zu leugnen, nach allem, was passiert ist?!“
Seine Stimme zitterte vor Anspannung und seine Augen waren wild auf ihrer Suche nach Antworten. Sie war gefangen zwischen ihm, der ihr die eigenen Hände gegen die Brust drückte und dem unnachgiebigen Stein hinter ihr, der sich vehement weigerte, sie zu verschlucken. Kurzgesagt: Die Umstände könnten besser sein.
„Du hast doch den Schuss nicht gehört! Lass mich los!“

Der Pharao stand inzwischen zu nah, als dass sie den Trick mit ihrem Knie noch einmal hätte wiederholen können. Und er ließ sich in etwa genau so gut wegschieben, wie eine massive Betonwand. Weder ihre Worte, noch ihr Gezappel beeindruckten ihn sonderlich. Er stand einfach da und starrte sie an. Dass er sie um gut einen halben Kopf überragte, machte das alles noch beängstigender. Sein Abstand zu ihr war so gering, dass sie zwischen seinen Augen hin und her wechseln musste, was für ihre Kopfschmerzen alles andere als förderlich war.
„Ich habe dich geliebt“, murmelte er und holte tief Luft. „Ich habe dich so sehr geliebt.“ Die Wut in seinem Blick ebbte ab und ließ pure Verzweiflung zurück. Heiserkeit schlich sich in seine Stimme und er sah aus, als ob er mit sich selbst rang, bevor er die nächsten Worte aussprach. „Doch ich … ich kann deine Tat weder vergeben, noch vergessen.“
Sie spürte erleichtert, wie er eines ihrer Handgelenke losließ und erkannte dann in einem Anflug von Panik, dass sich seine nun freien Finger auf ihre Wange zubewegten. Das Mädchen drehte den Kopf zur Seite, um den Kontakt so lange wie möglich hinauszuzögern. Krampfhaft drückte sie gegen die glatten Perlen seines Kragens, um ihn von sich fernzuhalten. Kurz bevor er ihr Gesicht berührte blinzelte er, als ob ihm etwas einfiel. Seine Finger krümmten sich und er zog sie weg.
„Sag mir wenigstens, warum du es getan hast“, verlangte er, während er sie vollkommen losließ und einen Schritt zurücktrat. Die Luft, die seine Nähe ihr geraubt hatte, strömte wieder frei in ihre Lungen und die seltsame Schwere, die auf ihr gelegen hatte, schmolz dahin.
„Okay, ähm...“ Sie schluckte. Ihre Augen huschten subtil zum Ausgang hinüber. „Du brauchst ganz dringend professionelle Hilfe und ich habe da einen Termin mit einem Psychiater, der offenbar auch nicht warten kann, also…“
Das Mädchen setzte mit klopfendem Herzen einen Fuß in Richtung des Flures und beobachtete dabei, wie er reagierte. Außer, dass seine Augenbrauen sich zusammenzogen, bewegte er sich nicht. Sie wagte noch einen Schritt. Rückwärts, damit sie diesen Irren im Auge behalten konnte. Er stand noch immer reglos da. Als sie sich ein weiteres Stück entfernte, stieß er ein Wort hervor. Sie verstand es nicht, aber der Klang der fremden Sprache auf seiner Zunge verstärkte ihre Migräne. Es nicht darauf ankommen lassend, dass er wieder in Reichweite kam, machte sie auf dem Hacken kehrt und sprintete auf den Durchgang zu. Nach zwei Schritten prallte sie gegen etwas Hartes, das sie zurücktaumeln ließ. Mit der Hand am Kopf blinzelte sie dem entgegen, das sie da an der Flucht gehindert hatte. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen: Eine lebendige Schakalstatue, mindestens 2,50 m groß, versperrte ihr den Weg, die riesige Spitze ihres Speeres auf Nitas Brust gerichtet. Sie hätte damit rechnen müssen, dass es nach dem amoklaufenden Mammut nur noch bergab ging. Links neben ihr stieg mit donnernden Schritten eine zweite Statue von ihrem Podest, was sie zu dem König herumfahren ließ. Befehligte er diese Ungetüme?!

Er kam, die Schultern gestrafft, auf sie zu. Sein Blick, der eben noch so flüssig gewirkt hatte, gefror zu Eis. Im Gegensatz dazu war seine Stimme neutral, fast teilnahmslos, als er sprach.
„Du hast ein abscheuliches Verbrechen begangen. Nicht nur gegen mich und meine Familie, sogar gegen die Götter. Deine Worte bieten keinerlei Rechtfertigung. Nicht einmal deine Schuld gestehst du ein. Ich, Osiris, Vierter König des Vierten Königs, Herrscher über das Land seiner Väter,  Der seine Feinde zerschlägt und Frieden macht,  Der die Götter ehrt und von ihrem Segen ist,  Existierender Ra, Herr des Landes, Ahkmenrah, verurteile dich deshalb zum Tode.“
Nita schoss es eiskalt den Rücken herunter. Hinter sich hörte sie das Kratzen von Stein auf Stein. Sie riss ihren Kopf herum, sah, dass die Wächter ihre Speere hoch erhoben hatten und schaute von Panik gepackt zurück zu dem jungen Mann. Das konnte nicht sein Ernst sein! Er war nicht nur verrückt, er war total wahnsinnig!
„Hör zu.“ Sie hob beschwichtigend die zitternden Hände und gab sich alle Mühe, ihre Stimme ruhig zu halten. „Es tut mir leid, dass ich hier so reingeplatzt bin …  Eure Pharao ... heit. Ich werde gehen und nie wieder kommen. Versprochen. Kein Grund für ein Kapitalverbrechen!“
„Ich kann dich nicht gehen lassen!“, entgegnete er gedrückt.
Sie wich vor den Statuen zurück, die offenbar auf ein endgültiges Kommando warteten, wollte aber auch dem geisteskranken Pharao nicht zu nahe kommen und war deshalb gezwungen, sich wieder auf die Säule zuzubewegen. Von was auch immer er da sprach, er meinte es ernst. Sie stand kurz davor, von zwei überdimensionierten Schaschlikspießen durchbohrt zu werden.
„Bitte“, appellierte sie, während sie fieberhaft nach dem Ausweg suchte, den es nicht zu geben schien, „das ist nicht ... Ich ... Ich habe nicht ... Ich kenne dich überhaupt nicht.“
Nita sah, wie der Mann blinzelnd die Augen schloss und sich auf die Unterlippe biss. Dann, als er sie wieder öffnete, glaubte sie, den Glanz von Tränen darin zu erkennen. Er fing ihren Blick auf und hielt ihn fest. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals. Sein Mund zuckte zweimal, aber erst beim dritten Mal drückte er auch tatsächlich Worte hervor. Als könne er es nicht ertragen, ihr noch länger ins Gesicht zu sehen, schaute er schließlich auf ihre Füße. Im nächsten Moment wurde die erdrückende Luft im Grab von den Speeren der Statuen durchstoßen, die diese auf die junge Frau niederfahren ließen. Mit einem lauten Schrei riss sie die Arme über den Kopf und kniff die Augen zu.
„Warte!“ Die nickyähnliche Stimme, die begleitet von einem Gummisohlengeräusch auf Stein vom Ausgang her erklang, überschlug sich. Das Mädchen fühlte den Luftzug einer Bewegung vor sich und senke die Arme, um zu sehen, worum es sich handelte. Es war tatsächlich Nicky, der sich den Anubisstatuen mit ausgesteckten Händen in den Weg gestellt hatte. Die Speerspitzen waren ihm so nah, dass sie gegen die aufsteigende Übelkeit ankämpfen musste. Aus den Augenwinkeln nahm sie erleichtert wahr, wie der König die Steinklötze mit einer hastigen Handbewegung daran hinderte, das Kind zu verletzen.

Erschüttert starrten die beiden Jungen sich an. Der Ältere war es schließlich, der das Schweigen brach.
„Du solltest jetzt nicht hier sein.“
Er sah plötzlich aus wie ein besorgter großer Bruder, dem der Schreck gehörig in die Knochen gefahren war.
„Warum willst du ihr wehtun? Ahk, sie ist meine Freundin.“ Die Tatsache, dass er sie mit seinem kleineren Körper von dem Pharao abschirmen wollte, versetzte ihrem Herzen einen Stich.
„Das ist sehr kompliziert, Nicky“, antwortete er zögerlich. „Du … Du solltest deinen Vater suchen gehen.“
Er hielt es wohl für besser, den Seelenfrieden des Jungen zu schützen und seine Gründe für dieses Beinahe-Blutbad nicht weiter auszuführen. Schnelle Schritte zogen gleich darauf die Aufmerksamkeit der drei auf den Flur. Hinter den Schakalen kam Larry ins Grab gestürzt, eine Indianerin im Schlepptau und einen Heftklammernentferner in der Hand. Ihr rasender Puls beruhigte sich etwas.
„Hey, was ist denn hier – Woah!“ Strauchelnd kam er zum Stehen, die Augenbrauen bis zum Haaransatz hochgezogen.
„Was ist hier geschehen?“, fragte die amerikanische Ureinwohnerin und schob sich erst an Larry und dann an den Statuen vorbei. Sie schaute misstrauisch zwischen dem antiken Herrscher auf der einen und Nita und Nick auf der anderen Seite hin und her. Ihre Worte lösten den Nachtwächter aus seiner Starre und er stand blitzschnell zwischen den riesigen Skulpturen und seinem Sohn. Der König trat von einem Fuß auf den anderen.
„Das ist eine lange Geschichte, aber-“
„Die Sonne geht erst in ungefähr zehn Stunden auf“, betonte Larry. Das ließ in Nita die Hoffnung aufkeimen, dass sie dieses Museum vielleicht doch noch lebend verlassen konnte. Auch, wenn sie danach wahrscheinlich sofort in eine Nervenklinik eingeliefert werden würde.
„Ich weiß zu schätzen, dass ihr mir helfen wollt.“ Angespannt presste der junge Mann die Lippen aufeinander, „Aber die Erinnerungen … ich … Geht. Lasst mich das zu Ende bringen.“
Der Nachtwächter und die Indianerin wechselten einen beunruhigten Blick, doch blieben, wo sie waren. Auch das Kind rührte sich nicht vom Fleck.
„Wir können das sicher anders lösen, Ahk, aber du musst uns sagen, was dir so an die Nieren geht. Was ist hier los?“
„Diese Frau, sie-“
„Er ist komplett durchgeknallt!“, setzte sich das dunkelhaarige Mädchen zur Wehr, nachdem esendlich seine Sprache wiedergefunden hatte. „Ich habe nichts getan, wirklich! Ich schwöre euch, ich habe ihn noch nie in meinem Leben gesehen.“ Die Worte jedoch kamen ihr nur schwer über die Lippen, ihre Zunge hatte Schwierigkeiten Laute zu bilden.
„Wie kommt es, dass Ammit dein Herz noch nicht verschlungen hat?“, wollte der König mit gekräuselter Nase wissen.
„Kannst du nicht endlich mit diesem Mist aufhören?!“, rief sie mit neu gefasstem Mut und zuckte zusammen, als ihr dabei ein stechender Schmerz durch die Augen fuhr.
Der Pharao warf ihr einen Blick zu, der sie in einer anderen Zeit garantiert zu Asche hätte verbrennen können und verließ das Grab. Auf dem Gang draußen hörte sie das Rascheln einer Plane und das Zersplittern von Glas und das Mädchen sah verschwommen, wie Larry genervt die Augen zukniff. Kurz darauf trat der junge Mann wieder zu ihnen, er hielt etwas in der Hand.
„Du willst mir also tatsächlich weismachen, du weißt nicht, wer ich bin? Du weißt nicht, was das ist?“ Er hob ihr den Gegenstand vor die Nase. Wie durch einen Schleier hindurch erkannte sie ein Amulett mit Skarabäus darauf. Eine Erinnerung meldete sich bei diesem Anblick. Tief in ihrem Gedächtnis versuchte etwas, an die Oberfläche zu brechen, aber sie konnte es nicht greifen.
Sie wollte dem König antworten, doch die Ränder ihres Blickfeldes wurden schwarz, bevor sie einen Ton herausbrachte. Die Kopfschmerzen steigerten sich ins Unerträgliche. Ihre Beine weigerten sich, ihr Gewicht noch länger zu tragen und ihr letzter Gedanke war, dass sie keinesfalls auf Nicky fallen wollte, der noch immer dicht bei ihr stand.
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