Das Amulett der Königin

von Nane1307
GeschichteDrama, Romanze / P18
Ahkmenrah OC (Own Character)
09.09.2017
05.09.2020
33
189.368
26
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Dieses Kapitel
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09.09.2017 1.348
 
Hallo liebe Freunde von Museumsartefakten und herzlich willkommen zu meiner ersten Fanfiction :) Ich möchte das kurze Vorwort nutzen und mich ganz herzlich bei denen bedanken, die mir dabei geholfen haben, diese Geschichte in die Tat umzusetzen und dem hässlichen „Selbstzweifeltroll“ den Kampf anzusagen. Ihr seid spitze ;)

Ein paar Dinge vorweg: Ich gebe mir große Mühe, das Ganze so historisch korrekt wie möglich zu halten, aber wahrscheinlich werde ich den einen oder anderen geschichtlichen Fakt so zurechtbiegen müssen, dass er zur Story passt. Bitte geht nicht mit Fackeln und Mistgabeln auf mich los :D Ich besitze (unglücklicherweise) natürlich auch keinerlei Rechte an den Filmen oder ihren Charakteren. Sooo, hab ich was vergessen? Ach ja: Falls ihr Lust dazu habt, eine Review dazulassen, würde ich mich darüber natürlich wahnsinnig freuen.

Alles klar, genug geschwafelt. Viel Spaß beim Lesen :)

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Wie hoch standen die Chancen, dass man in seinem Leben ein Pharaonengrab entdeckte? Eins zu einer Milliarde? Eins zu zehn Milliarden? Verschwindend gering, das war offensichtlich. Wie hoch waren sie dann erst, ein unentdecktes Grab in einem bereits erforschten Grab zu finden? Ganz einfach: nahezu unmöglich. Genau das Gleiche hatte auch Rashad Malik gedacht, als er mit seinem Team die letzte Ruhestätte von Pharao Ahkmenrah untersuchte. An einem sengend heißen Dienstag beschloss das Schicksal, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Unter der Erde war es stickig, die Luft trocken wie in einem Staubsaugerbeutel. Sie wollten so viel Informationen über den vergessenen König sammeln, wie sie konnten. Vielleicht sogar neue Erkenntnisse publizieren. Immerhin hatte man jetzt Techniken zur Verfügung, von denen man bei der Entdeckung des Grabes im Jahr 1938 nicht mal zu träumen gewagt hätte. Rashads Plan an diesem Schicksalsdienstag war es, die Kammer neu zu vermessen.

Jimmy, der Praktikant, baute gerade den Entfernungsmesser auf und stieß mit dem Stativfuß in einem Moment der Unachtsamkeit gegen eine Wand. Es kam, wie es kommen musste: Der bunt bemalte Putz in der unteren Ecke platzte sofort ab und zerbrach in kleine Platten. Zwischen Jimmys gehaspelten Entschuldigungen und dem einschnürenden Gedanken, dass er seine Karriere wohl getrost an den Nagel hängen konnte, bemerkte der Ägyptologe etwas Seltsames: Hinter dem abgeschlagenen Putz schichteten sich kantige Sandsteine aufeinander, die von fahrig aufgetragenem Mörtel zusammengehalten wurden. Mit schweißfeuchten Fingern untersuchte er die Stelle des Missgeschickes. Diese Wand war ohne jeden Zweifel gemauert und nicht wie die restlichen in den Stein gehauen. Er versuchte, sein inzwischen bis zum Hals schlagendes Herz zu beruhigen, doch es gelang ihm nicht. Warum hätten die Arbeiter damals eine Mauer im Grab hochziehen sollen? Das ergab keinen Sinn, die einzig gemauerten Wände hier unten waren…

Durchgänge!

Mit einem Blick in die Gesichter seiner Kollegen erkannte er, dass sie zu demselben Schluss gekommen sein mussten. Die Forscher starrten sich ein paar Minuten mit offenen Mündern an, außerstande zu begreifen, was Jimmys Achtlosigkeit da zu Tage gefördert hatte. Die darauffolgenden Wochen verschmolzen zu einem rasend schnell dahinziehenden Potpourri aus Telefonaten, Meetings und Pressekonferenzen. Unzählige Diskussionen wurden geführt. Sollte man die Blockade aufstemmen und die detailreichen Malereien für immer vernichten oder war es besser, die Sache auf sich beruhen zu lassen und die Aussicht auf die vielleicht größte archäologische Entdeckung der Neuzeit zu ignorieren? Rashads Team war es schließlich, das einen Mittelweg vorschlug: Die dem Stativfuß zum Opfer gefallene Stelle war ja bereits freigelegt. Mit etwas Mühe konnte sich auch ein ausgewachsener Mann hindurchquetschen, ohne dass noch mehr der Verkleidung entfernt werden musste. Und so war die Entscheidung auf einmal unendlich einfach.

Nur ein paar Kameraleute besaßen die Erlaubnis, das Öffnen der Wand zu filmen. Zu viel Rummel hätte das Grabmal unnötig gefährdet. Die Welt hielt den Atem an, als Rashad sich mit einem Meißel so vorsichtig wie möglich durch den Stein arbeitete. Es dauerte Stunden, aber eine Maschine hätte mit ihren Vibrationen am Ende die gesamte Grabanlage in Schutt und Asche gelegt. Als er unter seinem Werkzeug endlich keinen Widerstand mehr spürte und in das Loch leuchtete, wurde ihm schwindlig. Von überallher blitzte es ihm entgegen. Unglaubliche Schätze türmten sich hinter dem kalten, nachgiebigen Wächter aus Stein. Es war alles noch da: Möbel, Gebrauchsgegenstände, Kleider, Schmuck. Die Zeit in der Kammer war stehengeblieben. Nichts hätte ihn jedoch auf das vorbereiten können, was er dort am hintersten Ende des Raumes sah. In diesem Augenblick wusste er, dass er einer der besagten Wenigen war. Er, Rashad Malik, war jeder Chancenberechnung zum Trotz auf ein unentdecktes Grab in einem bereits entdeckten Grab gestoßen:

Hinter einem Stuhl und einer Truhe erkannte er einen Goldsarkophag, getragen von einer löwenköpfigen Bahre. Mit größter Vorsicht, aber von Neugier beflügelt, hämmerte er weiter, bis das Loch groß genug zum Hindurchzwängen war. Er nickte seinem Team zu, rückte die Schutzmaske vor Mund und Nase zurecht und kroch auf dem Bauch in den anderen Raum. Große Aufregung machte sich auch unter denen breit, die ihm folgten. Staub und Steine knirschten unter ihren Sohlen, aber die Geräusche verloren sich in der jahrtausendealten Stille. Seine Kollegen und die Kameraleute wagten nur zu flüstern, als sie sich umsahen und aufgeregt mal hierhin, mal dorthin zeigten. Der führende Ägyptologe erreichte den Sarg zuerst. Sein zitternder Taschenlampenstrahl tastete über die Hieroglyphen, die in das wertvolle Metall hineingearbeitet waren. Sie bildeten einen Namen:

Neferet-Meritaset.

Ein Rauschen sauste durch seine Ohren, sein Kopf war einen Moment lang federleicht. Dann traf es ihn wie eine Kanonenkugel.

Neferet-Meritaset. Neferet-Meritaset, Nebet-Taui.

Königin Neferet-Meritaset!

Sie hatten die Grabkammer von Ahkmenrahs geheimnisumwitterter Königin gefunden! Rashad fiel die Lampe aus der Hand.

Das Durchgangsloch allerdings mussten sie doch noch ein bisschen vergrößern, damit das Equipment in die zweite Kammer transportiert werden konnte. Ein paar Tage später stand alles bereit, um den Sarkophag zu öffnen. Langsam setzte sich die Seilwinde in Aktion, die sie am Deckel befestigt hatten. Zentimeter für Zentimeter wurde die schwere Last angehoben, die sich dann endlich aus ihrer Fassung schieben und auf dem Boden absetzen ließ. Ein zweiter, kleinerer, aber nicht weniger goldener Sarkophag kam zum Vorschein. Vorwurfsvolle Alabasteraugen starrten ihnen entgegen und beobachteten genau, wie sie den Sarg untersuchten. Er war kunstvoll bearbeitet, genau wie der Erste. Die kräftigen Farben hatten die Millennien ihrer Abgeschiedenheit unbeschadet überstanden. Ein weiteres Mal hievte die Maschine das enorme Gewicht des Deckels, Rashads Nerven spannten sich zum Zerreißen. Er spähte ins Innere und sah…

Nichts.

oOo


In totenstiller Dunkelheit schwammen Gesichter um das Mädchen herum. Sie war zwischen ihnen gefangen, konnte sich nirgendwo hindrehen, ohne dass die Augen ihr folgten. Wie ein Fischschwarm schwebten sie in der Leere und wie ein Fischschwarm zischten sie jedes Mal zurück ins Nichts, wenn sie ihre Finger nach ihnen ausstreckte. Sie konnte sie nur betrachten, verdammt zur Untätigkeit. Da war ein junger Mann mit schwarzen kurzen Haaren, ein kleines Kind mit Locken, eine alte Frau, deren zerfurchte Züge früher sicher einmal vor Schönheit gestrahlt hatten. Jedes einzelne Gesicht rief ein Gefühl der Vertrautheit in ihr hervor und ihr Kopf platzte beinahe, weil sie sich einfach nicht daran erinnern konnte, warum.

Die umherschwirrenden Wesen lösten sich langsam in Wohlgefallen auf, ohne je eine Antwort gegeben zu haben. Alles was sie zurückließen, war ein brennender Schmerz. Das Mädchen hatte das Gefühl, dass ihr Herz in zwei Teile gerissen wurde, während es gleichzeitig so schnell schlug, dass es kaum noch Luft bekam. Inmitten ihrer inneren Qualen spürte sie plötzlich einen Blick, der auf ihr haftete wie der Kleber einer Fliegenfalle. Er war so traurig, dass sie drohte, daran zu ersticken.

„Warum?“, flüsterte eine heisere Stimme, die aus der Finsternis wie in einer Schlucht widerhallte.

Voll Panik kämpfte sie darum, ihre Füße vom Boden zu lösen und vor dem Leid zu fliehen, das dieses sphärische Wesen ihr zufügte, aber sie lief wie in Zeitlupe. Mit jeder Sekunde, die sie sich vorwärts rang, wurde der Blick intensiver. Mit jedem Schritt, den sie erwirkte, wurde die Stimme lauter.

„Warum?“

So sehr sie auch antworten wollte, es gelang ihr nicht. Die Zunge klebte an ihrem Gaumen fest. Die Tränen, die ihr in die Augen schossen, konnten nicht fallen und drohten, sie zu ertränken. Das Echo der Stimme hatte sich zu einer unerträglichen Lautstärke gesteigert, die die Kraft hatte, Trommelfelle zum Platzen zu bringen.

„Warum?“
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