Wie mein Kater eine Hütte baute

OneshotAbenteuer, Humor / P6
08.09.2017
08.09.2017
1
1015
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Wie mein Kater eine Hütte baute


Liebe LeserInnen,

diese kleine Geschichte musste ich einfach mit euch teilen, auch wenn sie für etwas … Unmut gesorgt hat. Zumindest im ersten Moment, im Eifer des Gefechts, in der hitzigen Diskussion. Genug davon.

Der Titel kündigt es schon an und ich möchte auch nicht lange zögern, zu erklären, um welch seltsame Begebenheit es sich handelte, von der ich erzählen möchte.

Fange ich am besten mal mit der Hintergrundgeschichte an.

Meine Familie besitzt seit jeher Katzen. Kater, um genau zu sein. Aktuell sind es zwei dicke Belästigungsbären, die ihr Dasein in meinem Elternhause fristen und jede Gelegenheit nutzen, um einem menschlichen Wesen auf die Nerven zu gehen.

Der jüngere von beiden (er ist dieses Jahr 10 geworden), ist ein Mischling aus Hauskatze und Karteuser – oder vielleicht doch Russisch Blau, wir wissen es nicht genau – und er hat ein sehr dichtes, graues Fell. Leider ist sein Kopf von innen wohl auch flauschig, das wissen wir wiederum mit Sicherheit.

Dieser Kater heißt Baloo und er ist manchmal sehr anstrengend, manches Mal aber auch sehr, sehr niedlich. Er nuckelt an einem Kissen, das meiner Schwester als Baby gehört hat und er gurrt wie ein Täubchen, wenn er Hunger hat.

Nicht selten kam es zu Dialogen zwischen ihm und meiner Schwester, in denen er laut schrie und sie ihn daraufhin fragte, was es denn heute sein soll. „Gurrii oder gurräh?“ Er will meistens lieber gurräh haben. Oder auch „kjekjau“. Wahlweise auch „prrrrrr“, das ist sein Lieblingsessen.

Wenn er also nicht gerade Geräusche macht, oder irgendetwas zerstört, umwirft oder angreift, dann quasselt er gerne und rennt im Schweinsgalopp durch das Haus, was sich auf dem Fliesenboden sehr lustig anhört. Eben wie ein Galopp.

Bis vor drei Jahren hatten wir sogar noch einen dritten Kater im Bunde, sein Name war Baghira. Er ist leider nur 9 Jahre alt geworden, weil er an einer Nierenkrankheit gelitten hat. Dieser süße Baghira ist zusammen mit unserem anderen Kater, den ich noch nicht erwähnt habe, bei uns eingezogen.

Der dritte Kater ist genau so alt wie Baghira, also ist er jetzt 12, und er heißt Flaps. (Man merkt fast gar nicht, dass das Dschungelbuch als Vorbild für die Namen diente, oder?) Flaps ist jedenfalls eine klassische schwarz-weiße Hauskatze, nur etwas zu groß geraten und sehr scheu. Scheuer als ein Reh im Wald und total neurotisch.

Er hat Angst vor seinem eigenen Schatten und vor allem, was sich anhört oder aussieht wie meine Mutter. Meinen Vater dagegen vergöttert er und er tackert ihn jede Nacht in sein Bett, indem er sich auf ihn drauf legt und sein Kinn mit seiner Stirn malträtiert.

Flaps ist zwar schon recht alt, aber er ist immer noch sehr lebhaft und verspielt. Wenn er nicht gerade auf der Treppe sitzt und so tut, als wäre er größer als sein menschlicher Dosenöffner/Sklave, dann spielt er gerne mit einem Korken oder mit einem Tischtennisball, die wir beide in regelmäßigen Abständen unter der Couch wiederfinden.

Allerdings ist Flaps auch ein alter Spanner. Er setzt sich gerne ins Badezimmer auf den Wäschekorb und begafft sein Opfer in der gläsernen Dusche, bis es hinaustritt. Das ist meistens sein Einsatz, um sich auf das Objekt der Begierde zu stürzen, das nur ein Handtuch besitzt, um sich zu schützen. Häufig wird man dann mit guten Argumenten („Tschikäääuuuuu“ oder „Brrr-äaaauuu“, in Fledermausfrequenz) überredet sich auf den Wäschekorb oder auf den Rand der Badewanne zu setzen, damit er sich königlich streicheln lassen kann.

Wenn er aber nicht gerade wie ein Kitten spielt oder in der Dusche stalkt, dann hat Flaps noch einige andere seltsame Angewohnheiten. Eine soll heute ganz besonders hervorgehoben werden, denn sie hat den Titel dieses Textes inspiriert.

Flaps geht ausnahmslos im Obergeschoss auf sein Katzenklo. Beide Kater sind Freigänger, sind aber zu ängstlich im Wald kacken zu gehen, weshalb die Klos sehr hoch im Kurs stehen. Beide Katzenklos sind mit so einem Platikdach ausgestattet.

Nun ist Flaps nicht nur professioneller Belästigungsbär, sondern auch ein waschechter Minenarbeiter. Wir haben sogar schon überlegt, ihm eine Grubenlampe und einen kleinen Helm aufzusetzen, wenn er auf Klo geht.

Was das heißt? Nun ja, er geht in dieses Klo, erledigt sein Geschäft mit weit aufgerissenen Augen (und ich könnte schwören, er schielt), und beginnt dann leidenschaftlich im Streu zu buddeln. Nicht nur im Streu, sondern auch an der Wand kratzt er dann, so als würde er den Ausgang nicht mehr finden. Wenn er gut drauf ist, dann hält er dieses Spiel auch gut und gerne 15 Minuten durch.

Blöd nur, wenn das mitten in der Nacht geschieht und die Geräusche jemanden wecken. So letztens meinen Vater, der um drei Uhr von einem Heidenlärm wach wurde.

Er erzählte mir am nächsten Morgen mit blutunterlaufenen Augen, dass er die Nacht von Krach geweckt wurde und im ersten Moment der geistigen Umnachtung dachte: „Was für ein Blödmann baut denn da draußen grad eine Hütte? Nachts zu sägen und zu hämmern ist ja wohl das Allerletzte.“

Nach und nach wurde er immer wacher, um dann irritiert die Stirn zu runzeln und sich zu denken: „Moment mal, das ist doch... dieser blöde Kater, der seine Pipi vergräbt, als würde er sich schämen einen Stoffwechsel zu haben.“

Tja, der gute Flaps hatte es doch tatsächlich geschafft, so laut und lange zu graben, dass jemand davon wach wurde. Es war nicht das erste Mal, doch fand ich die ersten Gedanken meines Vaters sehr amüsant, weil ich mir vorstellte, wie bei uns im Kaff (800 Seelen) jemand um diese Uhrzeit eine Hütte zimmert. Besonders, weil bei uns den ganzen Tag die Bürgersteige hochgeklappt sind und nicht erst ab 18 Uhr.

Was ich damit sagen will? Keine Ahnung. Gibt es einen Lerneffekt? Glaube nicht. War es lustig? Das bleibt euch überlassen.

Vielen Dank fürs Lesen.

LG, Erzaehlerstimme
Review schreiben
 
 
'