Home Is Where The Heart Is (Sequel zu 'From Vengeance To Forgiveness')

von MonaGirl
GeschichteDrama, Romanze / P12
08.09.2017
09.05.2019
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Strandhaus, Hamptons

Lieber Daniel,

ich schreibe dir, weil es mir so leichter fällt, dir die Wahrheit zu sagen. Und außerdem musst du mir zuhören und kannst mir nicht ins Wort fallen. Zu allererst... Keine Lügen mehr! Wenn du diesen Brief zuende gelesen hast, weißt du alles über mich. Es gibt dann keine Geheimnisse mehr.

Wie fange ich an? Am besten ganz am Anfang. Weißt du noch, wie wir uns kennengelernt haben? Ich habe den Drink auf deinem Jacket verschüttet, und so sind wir dann ins Gespräch gekommen. Aber es war kein Missgeschick. Es war geplant. Ich habe es bewusst darauf angelegt, dir näher zu kommen, weil ich einen Fuß im Hause der Graysons haben wollte. Wieso das ganze? Nun, da du nun weißt, dass ich in Wirklichkeit Amanda Clarke bin, wirst du die Antwort schon erraten haben. Um Rache zu nehmen. Rache zu nehmen an den Menschen, die meinen Vater damals ins Gefängnis gebracht haben. Ich hatte mir eine Liste gemacht mit den Leuten, die dafür verantwortlich waren. Ganz oben auf der Liste standen deine Eltern. Weißt du, wie es ist, wenn man den einzigen Menschen verliert, den man geliebt und vertraut hat? Deine Eltern und noch einige andere, die ich hier nicht nennen will, waren dafür verantwortlich, dass ich früh Waise wurde, von Heim zu Heim wandern musste, Pflegeeltern hatte, die mich nur ausgenutzt haben und dann letztendlich kriminell wurde und im Jugendknast landete. Aber die Sache hatte auch ihr Gutes. Denn dort lernte ich Emily Thorne kennen, und der Entschluss, mich an denen zu rächen, die mir meinen Vater und meine Kindheit gestohlen hatten, war schnell gefasst. Ich konnte nicht als Amanda zurückkehren, also tauschten Emily und ich die Identitäten, und ich wurde zu Emily Thorne. Mit neuer Identität kehrte ich an den Ort meiner Kindheit zurück und begann meinen Rachefeldzug. Deine Mutter hatte also die ganze Zeit über Recht gehabt. Ich habe dich nur benutzt, um mir Eintritt in deine Familie zu verschaffen. Erstaunlich, wie schnell sie mich durchschaut hat. Doch ich denke, es liegt daran, dass wir uns sehr ähnlich sind. Um nicht zu ausschweifend zu werden, werde ich die Ereignisse, die danach stattfanden, zusammenfassen.

Mein Ziel war es, deine Familie zu vernichten, ihnen alles zu nehmen, was sie mir genommen hatten. Ich hatte auf Rebun Island eine gute Ausbildung erhalten und war für alles gerüstet. Dort lernte ich übrigens auch Aiden kennen. Aber dazu später. Es war nicht schwer, die neue Besitzerin des Strandhauses zu werden. Von dort aus hatte ich einen guten Überblick und konnte alles lenken. Der Plan war so perfekt. Doch dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich verliebte mich wirklich in dich. Als du mir den Antrag machtest, musste ich meine Begeisterung nicht faken. Ich wollte dich wirklich heiraten. Ich war damals noch so naiv zu glauben, dass ich beides könnte, meinen Rachefeldzug fortführen und an deiner Seite glücklich werden. Doch du warst ein Grayson, auch wenn du nie einer sein wolltest. Ich erkannte das erst, als du dich auf die Seite deines Vaters schlugst. Ich beschloss, das ganze zu beenden, auch wenn es mir nicht leicht fiel. Ich weiß, du glaubtest, dass es wegen Jack war und dem Kuss, den wir damals ausgetauscht hatten. Doch wir waren nie ein Liebespaar. Es war nur die Erinnerung an die Vergangenheit an die wir beide festhalten wollten. Ich glaube, dass er Emily wirklich geliebt hat, als sie als Amanda in den Hamptons auftauchte. Wenn sie nicht gestorben wäre, wären sie wohl immer noch zusammen. Aber vielleicht war es auch Schicksal, sonst wäre er heute nicht mit Ava zusammen. Aber ich schweife ab...

Kurz nach unserer Entlobung tauchte Aiden auf. Wir hatten eine Affäre auf Rebun Island gehabt, und er wollte mich zurück. Er half mir, meinen Weg der Rache fortzusetzen, und ich half ihm bei seinen Angelegenheiten. Der gemeinsame Wunsch, Rache zu nehmen an denen, die uns Unrecht getan hatten, schweißte uns zusammen. Rückblickend frage ich mich, ob ich ihn wirklich geliebt habe. Zumindest habe ich es damals geglaubt, weshalb ich auch bereit war, mit ihm fortzugehen. Einen letzten Plan hatten wir noch, bevor wir unser gemeinsames Leben auf den Malediven beginnen konnten. Victoria Grayson sollte vernichtet werden. Dazu musste ich dir wieder näher kommen, um an sie heranzukommen. Also spielten dir Aiden und ich eine Trennung vor, und du warst mehr als bereit, mir eine zweite Chance zu geben. Ein neues Eheversprechen, ein neuer Plan. Doch dann tauchte Sara auf der Bildfläche auf, und ich konnte förmlich mit ansehen, wie mir alles aus den Händen glitt. Du wolltest mich plötzlich nicht mehr heiraten, und ich beschloss zu drastischeren Mitteln zu greifen, um dich zu halten. Also behauptete ich, schwanger zu sein. Ich wusste, du würdest es niemals übers Herz bringen, dein eigen Fleisch und Blut im Stich zu lassen. Ich habe mich später immer gefragt, ob alles anders gekommen wäre, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich wirklich schwanger war. Doch damals hatte ich keine Ahnung davon und fuhr mit meinem Plan fort. Ich wollte nach der Hochzeit meinen Tod faken und ihn dann deiner Mutter anhängen. Sie wäre für immer ins Gefängnis gekommen. Mein Rache wäre beendet gewesen, und ich hätte mit Aiden ein neues Leben beginnen können, unter einer neuen Identität auf den Malediven.

Doch der Plan ging gründlich daneben, wie du ja selber am besten weißt. Ich kann bis heute nicht verstehen, was bei meiner Amnesie damals passiert ist. Ich weiß nur, dass mir ein neues Leben geschenkt wurde. Und dafür bin ich wirklich dankbar. Denn ich erhielt eine neue Chance, das Unrecht, das ich begangen hatte, wieder gut zu machen, eine neue Chance auf Liebe und Glück. Ich weiß, du glaubst mir nicht, wenn ich dir sage, dass ich mich zum zweiten Mal in dich verliebt habe, schon bevor ich mein Gedächtnis wiedererlangt hatte. Ich habe wirklich geglaubt, dass wir es diesmal schaffen würden. Ich hatte für mich mit allem, was die Vergangenheit betraf, abgeschlossen. Ich wollte als Emily Grayson ein neues Leben an deiner und Julian's Seite beginnen. Ich hatte keine Ahnung, dass mein Vater noch lebt. Es war für mich ein Schock, als er in den Hamptons auftauchte. Doch die Vergangenheit holt einen irgendwann immer ein. Das weiß ich jetzt. Deshalb habe ich beschlossen, fortzugehen und irgendwoanders ein neues Leben zu beginnen, weit von den Hamptons entfernt und mit neuer Identität.

Es tut mir leid, dass ich so lange geschwiegen habe und dich belügen musste. Ich habe allerdings nie gelogen, was uns anging. Ich liebe dich, Daniel, auch wenn du mich hasst! Dich zu verlassen war das Schwerste, was ich jemals in meinem Leben getan habe. Und das ist etwas, womit ich für den Rest meines Lebens leben muss. Leb wohl!

Emily

P.S. Ich gebe dir die Ringe zurück, weil sie keine Bedeutung für mich haben, dort wo ich jetzt hingehe. Sie gehören jetzt dir. Du kannst sie behalten oder sie ins Meer werfen.  

Er ließ den Brief sinken und starrte wie betäubt ins Leere. Obwohl er ihre Worte gelesen hatte, begriff er ihren Sinn nicht. Seine Hände zitterten leicht, als er die Ringe aus dem Umschlag zog und sie stirnrunzelnd betrachtete. Was hatte das alles zu bedeuten? So schnell es sein betrunkener Zustand zuließ, erhob er sich und ging mit leicht schwankenden Schritten die Treppe nach unten. Entsetzt hielt er auf dem untersten Treppenabsatz inne, als er das Chaos vor sich sah. Doch sein benebelter Geist war zu verwirrt, um zu begreifen, was hier geschehen war. Als er schließlich über den mit Scherben bedeckten Boden ging und in einer Ecke einen Baseballschläger liegen sah, hielt er reflexartig die Luft an. Es war sein Schläger, der inmitten von demolierten Möbelteilen und Glascherben lag, erkannte er. Sein Schädel begann schmerzhaft zu pochen, als er versuchte, sich zu erinnern. Hatte er das getan? Er beugte sich herab und nahm einen Bilderrahmen hoch, der komplett zerstört war. Es war das Hochzeitsbild, dass auf dem Kamin gestanden hatte. Während er es anstarrte, versuchte er noch einmal in Gedanken den Inhalt des Briefes durchzugehen. Doch er war noch nicht nüchtern genug, um alles zu begreifen. Nur ein Satz war hängengeblieben.   'Ich habe nie gelogen, was uns anging. Ich liebe dich, Daniel, auch wenn du mich hasst.'

“Daniel?”

Erschrocken zuckte sein Kopf hoch, und er musste zweimal blinzeln, um klare Sicht zu bekommen. Im Türrahmen stand seine Schwester und sah ihn mit mitleidigem Blick an. “Char?”, krächzte er.

“Wo ist Emily?”, fragte sie und schaute sich stirnrunzelnd um.

“Emily?”, wiederholte er monoton und fasste sich dann an den Kopf. “Wie... wie bin ich hierher... gekommen?”

“Du erinnerst dich nicht mehr?”, fragte sie behutsam nach, während sie sich vorsichtig einen Weg zu ihm bahnte.

Er schüttelte den Kopf und deutete dann zu dem zerstörten Mobiliar. “War... war ich das?”

Sie nickte zögernd. “Du erinnerst dich wirklich an gar nichts mehr”, stellte sie missmutig fest und nahm ihm das Bild aus der Hand. Sie betrachtete es kurz und legte es dann zur Seite. “Ich musste Jack anrufen und ihn bitten, zu kommen”, gestand sie ihm dann leise. “Du hattest soviel Alkohol in dich hineingeschüttest, dass du nicht mehr Herr deiner Sinne warst. Du hast einfach alles kaputtgeschlagen, was in deinem Weg war.”

“Oh Gott...” Entsetzt über sein Handeln sank er auf die Knie. “Ich... ich kann mich wirklich an... an gar nichts mehr erinnern.”

Charlotte ergriff seine Hände. “Du hattest dich verletzt. Deshalb mussten wir dich verbinden.”

Er starrte seinen Hände an und erkannte erst jetzt, dass sie bandagiert waren. Genauso, wie Teile seiner Arme. “Verletzt?”, wiederholte er monoton.

Charlotte griff ihm unter die Arme und half ihm wieder auf die Beine. “Hier liegen überall Scherben herum. Du solltest dich nicht hinknien, sonst verletzt du dich wieder.” Sie sah ihn besorgt an. “Wir gehen jetzt am besten rüber. Ich denke, Emily ist auch schon nach Hause gegangen. Wir können später hier aufräumen, wenn du wieder etwas nüchterner geworden bist.”

Emily war nach Hause gegangen? Er hatte den Gedanken kaum zuende gedacht, als ihm der Brief einfiel, der noch oben im Schlafzimmer lag. “Char, warte!” Er deutete nach oben. “Der Brief...”, stammelte er. “Sie ... sie hat mir einen... Brief geschrieben, und die...die Ringe...” Er griff sich an die Stirn und stöhnte leise. “Oh verdammt! Ich brauche eine... Kopfschmerztablette. Mein Schädel...”

Von einer bösen Vorahnung getrieben, rannte Charlotte nach oben und fand den Brief und die Ringe, von denen Daniel gesprochen hatte. Obwohl nicht an sie gerichtet, überflog sie die Zeilen und seufzte dann resigniert. Emily hatte es tatsächlich durchgezogen. Sie hatte die Hamptons verlassen und war nach Paris gegangen, ohne sich von ihr zu verabschieden. War Daniel's Ausraster letztendlich doch der Auslöser gewesen, weshalb sie das Land verlassen hatte? Sie musste dringend mit Nolan sprechen. Er wusste sicher mehr darüber. Doch zuerst musste sie sich um Daniel kümmern, der offenbar immer noch nicht nüchtern genug war, um die Tragweite seines Handelns zu begreifen. Sie streckte den Brief und die Ringe in ihre Hosentasche und verließ das Schlafzimmer. Sie fand ihn unten, erneut auf dem Boden kniend, weil es nichts mehr gab, auf das er sich hätte setzen können. Alles war zerstört. “Lass uns gehen!” Sie zog ihn nach oben und legte dann ihren Arm um seine Taille, um ihn zu stützen. Ein letzter Blick zurück und sie verließ mit Daniel das Strandhaus und ging hinüber zum Manor.
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