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Und jetzt bist du hier

von Isaria
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Agron Naevia Nasir
07.09.2017
07.09.2017
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07.09.2017 646
 
Es war kurz nach drei Uhr morgens, als sich ein junger Mann mit letzter Kraft in die Notaufnahme schleppte. Immer wieder drohten ihm die Augen zuzufallen, seine langen rabenschwarzen Haare hingen lose bis über seine Schultern und sein ganzes Gesicht war schmerzverzerrt. Seine rechte Hand presste er so stark,wie er es vermochte auf seine linke Körperseite. Zwischen den Fingern tropfte unaufhaltsam das Blut auf den Boden.


In dieser Nacht hatte Agron zusammen mit Naevia die Nachtschicht in der Notaufnahme des alten Krankenhauses. Die letzten Stunden waren recht hektisch gewesen, irgendwann hatte Agron aufgehört die Patienten zu zählen und jetzt war gerade eine Viertelstunde soweit ruhig gewesen, dass er für sich und Naevia einen Becher Kaffee aus der Maschine ziehen konnte. Langsam ging Agron den kurzen Weg zurück in die Notaufnahme, wo er seiner Kollegin einen der gefüllten Becher reichte. Er selbst hatte erst einen Schluck von seinem Kaffee genommen, als er Naevia entsetzt aufschreien hörte. Er wirbelte sofort herum und ließ augenblicklich seinen Becher fallen.


Vor ihm stand ein junger Mann, den er schon mehrmals auf dem Weg ins Krankenhaus im Bus gesehen hatte. Oft streiften sich dann ihre Blicke und sie nickten einander grüßend zu aber zu mehr fehlte Agron stets der Mut. Der Junge war einfach zu hübsch, nein er war geradezu atemberaubend und immer wenn Agron seine Augen auf sich ruhen spürte, fühlte er einen Kloß im Hals und er hatte Mühe zu atmen. Und auch jetzt brachte er weder ein klares Wort noch einen klaren Gedanken zuwege, denn ihre Augen trafen sich und für den Bruchteil einer Sekunde konnte er im Gesicht des anderen lesen, erkannt worden zu sein.


Doch da brach der junge Mann zusammen und Agron schaffte es nur noch ihn aufzufangen,damit er nicht auf den Boden aufschlug. Ganz langsam legte er ihn erst einmal hin und presste seine beiden Hände auf die klaffende Wunde, während das Blut unter dem Körper des anderen bereits eine Blutlache bildete.


„Eine Trage, schnell! Und Kompressionsbinden auch! Er muss sofort zum Röntgen und danach in den OP! Naevia, steh nicht da wie angewurzelt sondern beeile dich lieber! Der Mann verblutet uns sonst hier!“ Agron atmete tief durch und tat einfach, was jetzt von ihm erwartet wurde. Seine ganzen Bewegungen waren schlagartig sicher und überaus schnell legte er mit Naevias Hilfe eine Drainage an das linke Handgelenk des jungen Mannes, entnahm eine kleine Blutprobe zur Ermittlung der Blutgruppe und brachte dann den Infusionsbeutel an. Danach verbanden sie die tiefe Wunde und schoben den Mann zum Röntgen und anschließend in den OP.


Zwei Stunden später war die Operation beendet und Agron hatte inzwischen Dienstschluss und fragte auf dem Weg in die Umkleide eine der Schwestern, wohin man den jungen Mann nach der OP gebracht hatte. Die Antwort gefiel ihm nicht sonderlich und auf dem Weg nach draußen stieß er mit Naevia zusammen. „Er liegt im Zimmer 218.“ Naevia lächelte wissend, da Agron in den letzten Tagen immer von dem unbekannten Mann im Bus gesprochen hatte. Ihre Augen blitzten herausfordernd. „Du weißt doch, Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Agron hob seinen linken Zeigefinger und wies leicht verärgert auf sie. „Das ist nicht witzig. Ich finde das nicht im mindesten komisch.“


Naevia lachte kurz und sah Agron die Tür hinter sich zuwerfen, als er das Krankenhaus verließ. „Hoffentlich kommt er jetzt endlich mal in die Gänge. Jetzt, wo er weiß, wer im Bett neben seiner heimlichen Liebe liegt.“





Am nächsten Morgen öffnete der junge Mann langsam seine Augen und hatte erst einmal Mühe sich zu orientieren. Das Letzte, an das er sich erinnern konnte, war der entsetzte Gesichtsausdruck des jungen Arztes in der Notaufnahme, als er in seinen Armen die Besinnung verlor.


Eine Berührung an der Schulter riss ihn aus seinen Gedanken. „Guten Morgen, unbekannte Schönheit. Ich bin Castus und wer bist du?“ Der Angesprochene schluckte und ein scheues Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Ich bin Nasir.“
 
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