Snitcher - After All This Time.

GeschichteThriller, Freundschaft / P16
07.09.2017
15.05.2019
92
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Kapitel 92.


Als Florence wieder klar denken konnte, gewahrte sie Hände -vier starke und nicht gerade sanfte Hände- die sie fest umklammert hielten und durch den Wald zogen. Ihr Körper brannte vor Schmerz, sie fühlte sich als sei jeder Knochen in ihrem Körper gebrochen und schief zusammengesetzt worden. Mühsam öffnete sie die Augen, nur um sofort zusammenzuzucken. Die Bellatrix, die sie als erstes erblickte, sah stur geradeaus. Ihre dichten, schwarzen Locken waren zerzaust und voller Blätter und ihr bleiches Gesicht schmutzig. Dennoch war sie Florence so vertraut, dass Gefühle, die sie längst verdrängt zu haben glaubte, in ihr aufwallten: Hass, Furcht, Vertrauen. Und Liebe. Seltsamerweise war es letzteres Gefühl, das sie am heftigsten wahrnahm. Sofort krümmte sie sich zusammen und versuchte gegen den starken Druck anzukämpfen. Dann traf ihr Blick den der zweiten Bellatrix - nein, korrigierte sie sich trotz der Schmerzen selbst, der zweiten Replikantin - und sie erstarrte. Diese hatte den Kopf nicht abgewandt, sondern erwiderte Florence’ Blick aus kalten, dunklen Augen. Sie verstärkte den Griff um Florence’ Arme, wie um dieser zu zeigen, dass sie sie Macht hatte und erstickte ihr Aufbäumen so im Keim. Auf ihren Lippen hatte sich ein grausames Lächeln gebildet.
Schließlich hielten die beiden Replikanten an und als Florence den Kopf etwas hob um den Grund für den Stob zu erfahren, da konnte sie nicht verhindern, dass ein Schrei ihre Lippen verließ. Im selben Augenblick wurde sie fallen gelassen und landete genau neben einem leblosen Logan Mulciber im Gras.
Noch im gleichen Augenblick, indem die Hände von ihr abließen, trafen sie mehrere bunte Fluchstrahlen. Sie hatte keine Zeit, zu Logan zu kriechen, sich an ihn zu klammern und auf seinen Herzschlag zu hören. Ihr Körper begann unkontrolliert zu zittern und sie fühlte flüssiges Feuer in ihren Adern brennen. Sie öffnete den Mund, doch selbst zum Schreien fehlte ihr die Kraft. Bellatrix Lestrange hatte seit jeher den Cruciatus-Fluch meisterhaft beherrscht. Und Florence war gegen diese Schmerzen nicht gefeit.
Im gleichen Augenblick drangen die vier Replikanten mit vereinten Kräften auf ihren Geist ein und allein die Mauer aus Trauer - vornehmlich Trauer um Logan an ihrer Seite und der Blick in seine starren Augen -, die ihre gewöhnliche Abwehr noch verstärkte, verhinderte, dass der Schmerz sie zur Nachlässigkeit brachte- dass sie alle Schutzhüllen fallen ließ und ihren Geist dem Menschen offenbarte, dem sie dies am meisten missgönnte.

Schließlich endete  die Folter von jetzt auf gleich. Florence krümmte sich zusammen, doch das Zittern wollte nicht verebben. Jeden Augenblick rechnete sie damit, dass ein zweiter Fluch sie treffen würde, dass neuer Schmerz aufflammen und die Mauer um ihr Unterbewusstsein schließlich brechen würde. Doch die Replikanten hatten wohl entschieden, dass sie mit dieser Methode nicht weiterkamen. Und nicht ein einziger Laut des Schmerzes war über Florence’ Lippen gekommen. Sie wand sich am Boden wie ein getretenes Kniesel, ja sicher. Doch sie schrie nicht.
Nicht mehr.
Während der Schmerz langsam aber sicher verebbten rufe sie wieder des Atem des Todes in ihrer unmittelbaren Umgebung gewahr.

„Logan“, wimmerte Florence und schaffte es mit aller Kraft zu ihm hinüber zu robben. Schluchzend und kraftlos klammerte sich an den leblosen Körper, „Logan, tu mir das nicht an!“
„Das kannst du dir sparen“, meinte einer der Hexen abfällig. Florence konnte sie nicht auseinander halten, konnte nicht unterscheiden ob es jene gewesen war, die für dieses schreckliche Schicksal ihres letzten verbliebenen Freundes verantwortlich war oder eine gänzlich andere.
Sie wollte nach ihrem Zauberstab tasten, doch noch ehe sie einen Versuch wagen konnte, erkannte sie, dass es vergebens war. Eine der Hexen ließ ihn zwischen ihren Fingern kreisen. Und eine anderen den Zauberstab Logans.
Und dennoch schien etwas magisches das platt gedrückte Gras zu umgeben, auf das man sie gebettet hatte. Dennoch schien etwas sie anzuziehen, wie eine Quelle der Magie.

„Wie ist das möglich?“, hauchte sie matt und bemerkte, dass ihr wunder Körper noch immer zitterte, „Wie könnt ihr…?“
„Nun“, sagte die Hexe, die auch das erste Mal gesprochen hatte, genüsslich, „Ich habe mich damals der verbliebenen Unterlagen aus dem Haus in Camden Town bemächtigt. Gleich am Tage, nachdem wir es zerstört haben, Flo.“ Sie trat einen Schritt näher und ging neben Florence und Logan auf die Knie. Beinahe zärtlich legte sie ihre bleiche Hand an die Wange der mageren Hexe. „Du magst dich für brillant halten, doch ich war stets um ein Vielfaches brillanter. Es war ein leichtes für mich, die Formel anzuwenden, die Longbottom damals benutzt hat. Und da ich es war, die ihn seines Verstandes beraubt hat, war nicht nur dies ein leichtes. Ich konnte die Formel zudem noch weiter entwickeln. Verbessern. Und hinter der mysteriösen Tür in Malfoy Manor begann ich an dem größten Projekt meines Lebens zu arbeiten.“
„Du… du redest von ihr als…“
Bellatrix?“ Selbstgefälliger Spott verzerrte das Gesicht der einst so schönen Hexe zu einer grausamen Grimasse. „Ich sagte doch weiter entwickeln. Wir übernahmen nicht nur die ursprüngliche DNA. Wir übernahmen auch Gedanken, Gefühle. Liebe und Hass, Flo.“
„Liebe und Hass.“ Ihr Kopf war so voller Wirren, dass sie noch immer kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Ihre Finger, die fahrig über das feuchte Gras tasteten, schlossen sich um etwas kleines und so perfekt rundes, dass es kaum natürlicher Herkunft sein konnte und sie spürte wie eine Quelle der Magie sie durchströmte, die sie nicht zuordnen konnte.
Jene Magie, die sie schon zuvor gespürt hatte.
Dieser magische Impuls wirkte sich wie ein Stromschlag der Muggel auf ihren Körper aus. Mit einem Mal konnte sie wieder klar denken.

Das erste, was sie fühlte, war die Trauer um Logan und als sie ihren Blick dem reglosen Körper zuwandte, der erstarrt neben ihr lag, ihrem Freund, den sie nur so kurze Zeit wieder gewonnen hatte, da erfasste ein eisiges Zittern ihren Körper.
Ich habe nur noch dich, hatte sie zu Kingsley gesagt und doch war das Gegenteil eingetreten. Und nun schien es erneut nur noch Kingsley in ihrem Leben zu geben.
Sie hatte so viele verloren -Aurora, Zach, Sev und Logan. Zweimal schon hatte sie in ihrem Leben eine Art Liebe gefunden, das konnte sie nun mit Klarheit sehen. Das erste Mal in einem äußerst arroganten und selbstgefälligen Gryffindor, dem einzigen Menschen, der ihr Leben hätte wandeln können. Das zweite Mal in der Frau, deren Abbild nun vor ihr stand und den Zauberstab zum Foltern erhoben hatte. Bellatrix Lestrange hatte die dunkelsten Seiten in ihr zum Vorschein gebracht, doch es war eine Ära des Glücks gewesen und diese Glück war eine Wahrheit, die sich nicht leugnen ließ.
Und nun hatte sie zum dritten Mal die Liebe gefunden. Die wahre Liebe in Kingsley Shacklebolt, in John, in dem Auror, der sie über Meere hinweg gejagt hatte.
Und sie wusste mit einer Bestimmtheit, dass sie es nicht überleben würde, ihn zu verlieren.
Was also, wenn der Tod gar nicht so schlimm war? Was, wenn es ein Ausweg war, der sie endgültig von all dem Leid befreien konnte?

Dann aber kam ihr ein anderer Gedanke, ein viel zu selbstloser, für die junge Frau, die sie einst gewesen war.
Was würde es mit Kingsley anstellen, wenn sie hier und jetzt einfach aufgab? Wie würde er den Schmerz überleben, den sie selbst mittlerweile gewohnt war?
Vor ihrem inneren Auge tauchte ein gebrochener, am Boden zerstörter Kingsley Shacklebolt auf. Mit diesem Bild kam die Erkenntnis, dass sie - egal wie sehr sie es sich wünschte, egal wie einfach es wäre - nicht kampflos aufgeben konnte.
Nicht für ihn, den Mann, der sie in Malfoy Manor gesucht hatte, den sie schon einmal verlassen hatte, in Muriels Haus.
Sie konnte nicht für den Mann aufgeben, der Rabastan Lestrange für sie ermordet hatte.

Mit einer Entschlossenheit, die sie ihrem geschundenen Körper kaum mehr zutraute, tastete Florence nach ihrer magisch vergrößerten Tasche, die sie seit ihrer Entlassung aus Nurmengard stets bei sich führte und hütete wie ihren Augapfel. Mit einem lauten Ächzen förderte sie das schlichte hölzerne Kästchen zutage, das Logan einst so interessiert hatte und das sie aus diesem Grunde Kingsley zur Aufbewahrung übergeben hatte.
„Was ist das?“ Sobald sie den Deckel des Kästchens geöffnet und die Schutzzauber, die den Inhalt vor neugierigen Blicken schützten, eliminiert hatte, riss eine der Kriegerrinnen es ihr brutal aus den Händen.
Mit gefurchter Stirn förderte diese Bellatrix ein halbes Dutzend feiner Phiolen mit einer durchscheinenden, golden schimmernden Flüssigkeit zutage, öffnete sogar eine und schnupperte daran, nur um sich dann wieder Florence zuzuwenden.
„Was ist das?“, wiederholte sie ihre Frage.
Müde und erschöpft und ja, auch resigniert, schloss Florence die Augen.
„Ich habe dich etwas gefragt, du wertloser Abschaum der Zaubererschaft!“ Als Florence die Augen wieder aufschlug und in den drohenden Stab einer der Hexen blickte, wurde ihr bewusst, dass sie den Imperius-Zauber eingesetzt haben musste. Und mit erschreckender Klarheit erkannte sie, dass in naher Zukunft wohl der letzte der Unverzeihlichen Flüche auf sie wartete.

Eine zweite der Hexen war mittlerweile vor ihr in die Hocke gegangen und die beiden übrigen Ebenbilder taten es ihr gleich, sodass alle vier schließlich in einem viel zu engen Kreis um Florence herum hockten.
„Sag uns, was das ist.“
Als Florence diesmal ihren Mund öffnete, da geschah dies nicht aus eigenem Willen. Es war der unverzeihliche Fluch der Frau, die sie einst so geliebt hatte. Behutsam, wie eine Mutter ihr Kind behandelt, teilte er ihre Lippen und lockerte ihre Zunge.
„Ein Trank“, sagte sie stockend, langsam, „Aus Skandinavien. Er vermag, was wohl nicht einmal der Elderstab tun kann.“
„Was vermag er?“ Misstrauen und Gier stritten in den Augen der Replikanten um die Vorherrschaft.
„Er vermag dem Trinker eine Stärke zu übermitteln, wie sie niemals auf der Welt zuvor erblickt wurde.“ Sie hob mühsam den Blick, blickte direkt in die Augen ihrer vier Widersacherinnen. „Er vermag mir die Macht zu geben über euch zu siegen. Über euch. Und über alle, die nach euch kommen.“

Einen Augenblick lang herrschte andächtige Stille.
Dann lachten alle vier synchron auf, ein hohes, spitzes Lachen, das Florence zum Frösteln brachte.
„Damit“, kicherte die Bellatrix, die den Imperiusfluch hielt, „Hast du die Schöpfung unserer DNA-Spenderin komplettiert. Vollendet. Du hast die perfekten Krieger geschaffen, die die Welt nach dem Bild des Dunkeln Lords formen werden. Und deinem toten kalten Körper werden wir somit gewiss für ewig zu Dank verpflichtet sein.“
Diejenige, die noch immer das hölzerne Kästchen in den Händen hielt, verteilte vier der sechs Phiolen an sich und ihre Ebenbilder. Mit einem misstönenden Klingen ließen sie die Phiolen aneinander stoßen und kippten die Flüssigkeit in einem einzigen Zug die Kehle hinab.
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