Irony Fey- Puck entdeckt Fanfiktion

KurzgeschichteHumor, Parodie / P16
07.09.2017
14.09.2017
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„Hey, Puck!“, rief ich nach dem wahrscheinlich größten Trickster des Feenreiches.

Besagter fläzte sich gerade auf mein gemütliches Sofa zwischen den zahlreichen weißen Kissen.
Wie kam gerade dieser in mein gemütlich menschliches Zimmer, fragt ihr euch? Hatte er nichts Besseres zu tun? Wahrscheinlich nicht, aber lasst mich einmal von vorn beginnen.

Ich hatte ihn erwischt, als er in unserer Welt jemandem mit Hilfe von Magie einen üblen Streich gespielt hat. Zuerst war ich arg perplex, denn ich hatte jeglichen Zauber vor diesem Ereignis verleugnet und als Humbug abgetan, mit dem unschuldige gutgläubige Menschen hinters Licht geführt wurden. Doch da Puck bemerkt hat, dass ich sehr wohl beobachtet habe, was er da veranstaltet hatte, wollte er mir bereitwillig einiges erklären. Natürlich nachdem ich ihn anbetteln musste, dies zu tun. Ich vermute mal, dass er es nur begrüßte, vor jemandem mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten angeben zu können und so sein beachtliches Ego zu pushen. Doch ich tat mich nicht als ein albernes affirmatives Groupie des „Helden“ eines Shakespeare-Werkes hervor. Viel eher entwickelte sich ein durchaus interessantes Gespräch über die zwei Welten und das Universum, woraus sich für uns beide Vorteile ergaben. Und als Bonus natürlich eine coole Freundschaft.
Goodfellow meinte einmal zu mir, wenn ich tatsächlich nur ein einfaches Fangirl gewesen wäre, dann hätte er seinerzeit mit Sicherheit meine Erinnerungen an diesen Vorfall ausradiert. Umso froher war ich, dass ich noch genau wusste, wer er war.

So starrte der Puck höchst persönlich gespannt auf mein Skript des „Sommernachtstraumes“, welches wir für unser Schultheater in eine moderne Fassung umgestaltet hatten. In zwei Wochen würde es in unserer Schule aufgeführt werden – in frischer Form und mit halbwegs normaler Sprache, zumindest für die heutige Zeit. Puck hingegen hielt diese Veränderung „seines“ geliebten Stückes für – sehr interessant.

„Hm“, brummte er deshalb nur resigniert, während er auf einem meiner Bleistifte herumkaute. „So ein Schwachsinn, als ob Titania sich irgendwelche Magic Mushrooms, vor allem, wenn sie von Oberon kommen, reinziehen oder Helena Demetrius mit ‘nem Haufen SMS bombardieren würde.“ Um ihn aus seiner Geistesabwesenheit zu holen, griff ich kurzerhand nach dem Radiergummi auf meinem Tisch und schleuderte ihn sogleich auf den Rothaarigen. Tatsächlich traf ich ihn an der Brust, die er sich nun gespielt theatralisch hielt, als hätte er dort eine Schusswunde. Ich quittierte das Ganze nur mit einem Lächeln, denn nun hatte ich seine Aufmerksamkeit.

„Hast du jemals von Fanfiktion gehört?“, fragte ich ihn gänzlich unverblümt. Er zog skeptisch eine Augenbraue in die Höhe. „Sollte ich?“
Ich überlegte: „Kommt darauf an.“
„Aha“, nun legte er langsam das Skript zu Seite. „Und worauf bitte?“

Ein diabolischer Ausdruck schlich sich auf mein Gesicht. „Darauf, ob du wissen willst, wie andere Leute dich einschätzen und was sie von dir halten.“ Gespielt nebensächlich betrachtete ich meine Fingernägel, während ich eine Schnute zog. Jetzt hatte ich ihn, das wusste ich. Wenn es nämlich um sein Ego ging (oder generell um ihn), dann war er kaum zu halten.

Beschwichtigend hob er die Hände und setzte sich auf. „Okay, schieß los. Du wirst es mir eh sagen.“
Ich hatte mein Ziel erreicht und konnte meinen Plan nun genüsslich ausspielen. „Du erinnerst dich an diese Buchreihe, die in der Menschenwelt aufgetaucht ist? Diese Geschichte, in der du auch eine Rolle spielst neben Ash, Grim, Meghan und so?“

Vor einiger Zeit hatte ich sie entdeckt und nach ein wenig Recherche (und Robins Hilfe) fand ich heraus, dass die Autorin ursprünglich aus dem Feenreich stammte. Sie hatte einige Legenden und Gerüchte niedergeschrieben, welche sie dann in unserer Welt verbreitet hatte. Es war zwar etwas gruselig, wie nah es den wirklichen Geschehnissen zu kommen vermochte, aber immerhin hatten beide Parteien etwas davon. Die Autorin konnte ihr Werk veröffentlichen und den darin beschriebenen Personen wurde eine längere Existenz im Nimmernie zugeschrieben. Die Menschen taten es als eine weitere Geschichte des Genre „Fantasy“ ab. Zugegebenermaßen wäre ich eine von ihnen gewesen, hätte ich nicht ein gewisses Feenwesen höchst persönlich kennengelernt. Dieses nickte auf meine zuvor gestellte Frage hin. Ich konnte also mit meinen Erklärungen fortfahren.

„Es gibt anscheinend Leute da draußen, die es erfüllt, wenn sie eigene Werke angelehnt an diese Bücher schreiben. Dabei könnten echt die verrücktesten Sachen herauskommen. Bei einer zum Beispiel veranstaltest du ein Rap-Battle mit dem lieben Ash.“ Dabei deutete ich auf den aufgeklappten Bildschirm meines Laptops. Puck starrte mich für einige Sekunden unbeholfen an, dann prustete er plötzlich los. Zurückgelehnt auf meinem Sofa hielt er sich den Bauch, bis sein Lachanfall abebbte. Er richtete sich wieder auf und holte tief Luft.

„Wer kommt denn bitte auf so eine…abwegige Idee? Ich meine, keine Frage, ich würde dieses Battle sowas von gewinnen“, setzte er an und streckte die Zunge heraus, während ich die Augen verdrehte, „…aber wenn ich Ash das vorschlage, dann verlangt er wahrscheinlich, dass ich auf ewig in einen Eisblock eingefroren werde. Er würde denken, nun hätte ich vollkommen den Verstand verloren.“ Im Stillen gab ich ihm Recht, jedoch brauchte er das nicht zu wissen. Ich wandte mich wieder dem Laptop zu und überflog die Website.

„Gibt es davon noch mehr?“, fragte ein gewisser Jemand hinter mir nun hörbar interessiert.

„Natürlich, davon gibt es haufenweise! Der Klassiker ist oft, dass es einen OC gibt, der dann in der Geschichte mitmischt und meistens mit einem von den Personen aus dem Buck zusammenkommt.“ Bewusst ließ ich die Variante aus, die tatsächlich am häufigsten vorkam – nämlich Meghan und Puck als Liebespaar. Darüber hatte er nur sehr wenig erzählt, lieber zog er es vor, darüber zu schweigen.

„OC?“, fragte Goodfellow nun und holte mich aus meinen Gedanken. Inzwischen war er an meinen Stuhl getreten.
„Das heißt ‚Original Character‘, also eine eigene Person, die sich der Verfasser ausdenkt“, beantwortete ich seine Frage und klickte mich weiter durch die zahlreichen Seiten.
„Woher weißt du eigentlich so gut darüber Bescheid?“  Anhand seiner Betonung hörte ich eindeutig eine Unterstellung heraus. Ich überlegte, wie ich mich da herausreden konnte.
„Naja, wenn man mit dem Internet vertrauter ist, dann weiß man sowas. Außerdem bin ich gut im Recherchieren, das weißt du doch. Schwerer zu begreifen ist es, warum du so überhaupt keinen Plan von Technik hast, obwohl du mehrere Jahre in der Menschenwelt gelebt hast.“ Damit würde ich ihm sicher eine unschuldige Absicht meinerseits eintrichtern. Doch ich meinte ein leises Brummen zu vernehmen, das so klang wie: „Gut gerettet.“

Betreten schaute ich zur Seite. Robin hatte sich inzwischen vorgelehnt, um selbst die verschiedenen Titel und Beschreibungen zu den Geschichten zu lesen. Mehr und mehr zog er dabei eine Augenbraue in die Höhe, um einem verblüfften Ausdruck auf seinem Gesicht Platz zu machen.

„Was ist denn dieses ‚Slash‘?“

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So, das ist erst einmal das erste Kapitel. Welche Ideen habt ihr denn, worauf Puck  noch so stoßen könnte? Würde mich freuen, das zu hören.  Ursprünglich ist ein TwoShot geplant, aber wer weiß :D Danke für's Lesen!
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