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Little Warden

GeschichteFamilie / P12 / Gen
Hyakushiki Momoko Samon Gokuu
07.09.2017
17.10.2017
2
3.288
7
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07.09.2017 1.665
 
Kapitel 1

Es war sicherlich nicht einfach ein Gefängnis voller Irrer zu leiten – nein ganz und gar nicht einfach – aber Momoko Hykakushiki wusste bestens mit den frei herum laufenden Deppen in Form ihrer Wärter umzugehen. Allein schon ihre pure Anwesenheit verströmte eine Gefährliche Aura und lies alle Anwesenden um sie herum in Ehrfurcht erstarren. Mit ihrem stechenden Blick aus den roten Augen vermochte sie sogar den Früheren Oberchefwärter des Disziplinierten Trakt Fünf, Enki Gokuu, in Angst und Schrecken zu versetzen. Und Enki war an sich selbst schon ein Monster in Menschengestalt – und in Übergrößte Wohlbemerkt.

Ja, Momoko Hyakushiki war schon eine sehr sehr furchteinflößende Frau mit ihren gerade mal 29 Jahren und ihre Ausstrahlung hatte sie auf der Karriereleiter steil nach Oben befördert, weswegen sie im Hochsicherheitsgefängnis Nanba auch ein gewisses Ansehen inne hatte. Dieses Ansehen würde wohl vermutlich wie eine Seifenblase zerplatzen, wenn man ihre andere Seite kennen lernte.

„Hajime Sugoroku!“, quietschte sie freudig und kugelte sich auf ihrem Luxuriösen Himmelbett herum, eine Miniatur Plüschausgabe des genannten Wärters dabei fest an ihre Üppige Brust drückend. „Heute kommt er endlich wieder zu mir, um seine Berichte abzugeben! YAY!“, sie kicherte wie ein Verliebtes Schuldmädchen – was sie im Grunde auch war … nur war sie kein Schulmädchen mehr sondern eine Frau die Menschen mit ihren Blicken in der Luft zerreißen konnte. Während sie so wild kichernd auf ihrem Bett lümmelte, hatte der zweite Bewohner ihres Reisigen Apartments ein ganz anderes Problem, das es zu lösen galt: nämlich das Schuhe zu Binden.
„Mama!“, rief das kleine Mädchen und saß Hilflos im Flur. Ihr Zug würde noch Ohne sie zum Bildungstrakt abfahren, indem sich die Schule des Gefängnisses befand. Entgegen aller Erwartungen lebten auch Familien auf Nanba – nach einer Ausgiebigen Genehmigung, die nicht jedem zu Teil wurde. Nur wenigen Wärtern wurde es gestattet, ihre Angehörigen mitzunehmen. Meist nur den Höher gestellten, wie Oberchefwärtern und ihren Vizechefwärtern.

Da die Aktuellen Wärter in diesen Positionen allerdings nicht wirklich Kinder hatten, war die Schule sehr knapp besucht. Um genau zu sein, befanden sich außer der Tochter der Direktorin noch 3 andere Mädchen dort – alle älter als Momokos Sprössling. Akiko Hyakushiki war erst 7 Jahre alt, wohingegen ihre Klassenkameradinnen 12, 13 und noch mal 13 waren. Das kleine Mädchen mit den blauen Haaren war dementsprechend sehr einsam, da ihre Mutter viel Arbeitete. Vorausgesetzt sie konnte sich mal von ihrem Hajime Sugoroku Plüschtier lösen, das sie ja förmlich anbetete.
„Mama!“, rief Akiko noch einmal und endlich ging die Tür zum Schlafzimmer ihrer Mutter auf. Akiko zeigte auf ihre Schuhe und schmollte ihre Mutter an. „Kannst du sie Binden?“
„Natürlich, mein Schatz.“, Momoko herzte ihre Tochter erst einmal ausgiebig, bevor sie sich endlich dazu bequemte Akikos Wunsch nachzukommen. Das Mädchen konnte der noch ausgiebigeren Verabschiedung nicht entfliehen und so sah sie nur wenig Später am Bahnsteig Hilflos dabei zu, wie ihr Zug ohne sie davon fuhr.  
„He, halt! Warte!“, auch wenn es sinnlos war, flitzte sie dem Abfahrenden Gefährt so lange nach, bis der Bahnsteig zu Ende war. Beinahe wäre Akiko gestolpert und runter gefallen, wenn sich nicht etwas um ihre Mitte geschlungen und sie festgehalten hätte.

Überrascht sah Akiko über ihre Schulter und sah einen der Wärter hinter sich stehen, aber nicht irgendeinen, sondern ihren Lieblingswärter Samon Gokuu.
„Na? Mal wieder spät dran?“, zog er sie spielerisch auf und befreite sie von seinem roten Anhängsel, das sie vor ihrem Sturz bewahrt hatte.
Akiko brummelte eine Antwort und trottete an Samons Seite zu den Sitzbänken.
„Und das nur weil ich die doofen Schnürsenkel nicht selber binden kann!“, murrte die Blauhaarige und sah beleidigt auf ihre rosa Turnschuhe. Samon pattete ihr den Kopf.
„Bist du nicht langsam groß genug, das zu lernen?“, Akiko nickte.
„Ja aber keiner bringt es mir bei.“, schniefte sie und ihre Unterlippe bebte Bedrohlich.
„Soll ich es dir beibringen?“, das Gesicht des Mädchens erhellte sich und begeistert nickte sie.
„JAAA!“, sie sprang begeistert auf der Sitzbank herum. „Das wäre toll!“, Samon hielt die kleine lieber fest, dieses herum gehopse war ihm auf der glatten Sitzbank zu Gefährlich.
„Dann ist es abgemacht.“, meinte Samon. „Komm doch nach der Schule zu mir in den Trakt, dann bringe ich es dir bei.“
„Mach ich!“, freute sich die kleine, wurde aber in Freude gebremst, als sie daran dachte das sie ja zu spät kommen würde. „Aber ich werde wohl nachsitzen müssen.“, murmelte Akiko.
„Weil du den Zug verpasst hast?“, Akiko nickte. Innerlich grummelte Samon. Nachsitzen für eine 7 Jährige … leider hielt die Tatsache das sie Momokos Tochter war die Lehrer nicht davon ab, besonders streng zu ihr zu sein.

„Ich habe da eine kleine Idee.“, zwinkerte der Wärter und zog den Handschuh seiner rechten Hand aus, um sich die Finger ein wenig mit Erde zu beschmutzen. Praktischerweise stand ja eine große Topfpflanze neben der Sitzbank, die zur Verschönerung der Haltestelle dienen sollte.
„Und welche?“, um ihre Frage zu beantworten rieb er die Erde an ihren Armen und Beinen ab. „Hey!“, beschwerte sich Akiko, als sie sah wie schmutzig er sie machte.
„So, da fehlt noch etwas.“, aus seiner Uniform Tasche zog Samon eine kleine Packung Kinderpflaster hervor und klebte ihr auf jedes Knie eines, bevor er sie zurück packte. Fragend betrachtete Akiko das Werk ihres großen Freundes. „Ich bringe dich jetzt persönlich zur Schule und sage dem Lehrer, dass du hingefallen bist und dir die Knie aufgeschrammt hast.“
„Aber das ist doch glatt geflunkert!“, Akikor erinnerte sich an etwas, dass ihre Mama ihr mal beigebracht hatte. „Mama sagt immer Flunkern darf man nicht.“, ein freches Grinsen schlich sich ins Gesicht des Wärters.
„Unter diesen Umständen ist das Ausnahmsweise mal Okay. Außerdem Flunkere ich, nicht du. Du musst nur mitspielen.“, er stupste ihre Nase an und verpasste ihr somit noch einen Fleck Erde auf die Nasenspitze.
„Aber kommst du dann nicht auch zu spät?“, den Rest Erde strich Samon an seiner Wange ab, bevor er den Handschuh wieder anzog.
„Ich bin auch hingefallen.“, Akiko kicherte und hatte nun gar keine Angst mehr, was der Lehrer sagen würde. Aber eine Sache wunderte sie dann doch.
„Du Samon?“
„Hm?“
„Warum hast du Kinderpflaster mit Einhörnern in deiner Tasche?“, er zuckte mit den Schultern.
„Manchmal verletzt sich Upa beim Training und ihn wegen jeder kleinen Schramme ins Krankenzimmer zu bringen ist weder für ihn noch für mich besonders angenehm, vor allem weil er sich dagegen sträubt wie eine Katze vor der Badewanne.“, die kleine zog die Pflaster aus seiner Uniformtasche und stellte sich auf seinen Schoß. Bevor Samon hinterfragen konnte, was sie gedachte zu tun klebte auch schon eines der Kunterbunten Pflaster quer auf seinem Nasenrücken.
„Warum hab ich es auf der Nase?“
„Du bist doch hingefallen, oder nicht?“, grinste Akiko und nahm Samon die Wärtermütze ab, um sie ihm total Windschief wieder aufzusetzen. „Jetzt sieht es aus, als würdest du gar nicht Flunkern.“, lachte die 7 Jährige fröhlich.

Wie versprochen brachte Samon die kleine Akiko zur Schule und erklärte dem Lehrer glaubhaft warum sie zu spät war. Sein eigener Empfang in Trakt 5 fiel jedoch lachhaft aus – wortwörtlich. Inori Hakkai, sein „treusorgender“ Vizechefwärter prustete gleich drauf los, als er das Pflaster auf der Nase seines Vorgesetzen sah.
„BAHAHAHA! Was ist denn mit dir passiert?!“, Samon kümmerte sich herzlich wenig um das Gelächter seines Arbeitskollegen und setzte sich an seinen Schreibtisch.
„Ich bin gestolpert und mit der Nase auf das Treppengeländer geschlagen.“
„Ja natürlich!“, Inori schnickte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel und versuchte wieder ruhiger zu werden. „Also dann, Chef.“, voller Elan sprang Inori auf. Und das war keineswegs Sarkastisch gemeint. Der Vizechefwärter sprühte gerade so vor Tatendrang und joggte schon halb zur Tür des Büros. „Ich werde dann mal den Rundgang machen.“, Samon streckte noch ungläubig den Kopf aus der Bürotür und sah Inori nach, als er den Gang entlang Joggte.
„Ich glaube mein Stellvertreter wurde von Aliens entführt … das kann nicht der echte sein.“

Tatsächlich war es wirklich der echte Inori, der gut gelaunt mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Gänge entlang Joggte und dabei fröhlich vor sich hinpfiff. Der Grund dafür waren weder ein erhöhter Restalkoholspiegel noch irgendwelche Bewusstseinsberauschenden Mittel. Nein, es war viel Simpler. Der Grund für seinen urplötzlichen Tatendrang und seine Arbeitsmotivation kam in Form einer kleinen untersetzten Frau, die in der Eingangshalle von Trakt 5 von ihm in Empfang genommen wurde. Als Inori sie sah grinste er bis über beide Ohren und breitete freudig die Arme aus.
„Hallo Großmutter, wie schön dass du hier bist!“, anstatt einer liebevollen Begrüßung und schmeichelnden Worten seitens seiner Großmutter, traf Inori höchstens ein Krückstock zwischen die Weichteile.
„Ich mag zwar Alt sein, Inori aber ich bin keineswegs Vergesslich oder Leichtgläubig.“, tadelnd wedelte sie mit ihrem Krückstock vor seinem Gesicht umher. „Und nun hör gefälligst auf, so zu tun als würdest du Motiviert Arbeiten du fauler Sack und trag mir die Koffer hinterher!“
„Jawohl, Großmutter. Zu Befehl, Großmutter.“, Inori hinkte mit schmerzendem Gemächt zum Gepäck seiner Großmutter, das ganz danach aussah als hätte sie ihren gesamten Hausstand aus China mitgebracht, und schulterte es. „Lass mich dich stützen, Großmutter.“
„Pah! Ich kann sehr gut allein laufen.“, mit kleinen tappelnden Schrittchen marschierte seine Großmutter vorn weg und war trotz Krückstock schneller als er.

Der Schultag der kleinen Akiko verlief eigentlich wie immer. Die anderen Mädchen ignorierten sie und tuschelten hinter ihrem Rücken über sie.
„Sie ist bestimmt genauso ein Monster wie ihre Mutter.“
„Pscht! Ihre Mama ist doch die Gefängnisdirektorin! Wenn du das zu laut sagst, wird dein Papa gefeuert!“, Akiko ließ den Kopf hängen und setzte sich Traurig auf eine Bank am Rand des kleinen Schulhofes. Da ohnehin nie viele Kinder zur selben Zeit hier waren, brauchte man auch keinen großartigen Aufwand bei der Gestaltung der Pausenbeschäftigung. Akiko ließ ihre kurzen Beine von der Bank baumeln und biss Lustlos in ihr Pausenbrot. Ihre Mama hatte vor lauter Hajime Sugoroku mal wieder vergessen einzukaufen und so hatte sie seit Tagen immer dasselbe auf dem Brot. Während Akiko so in ihren Gedanken versunken war, bemerkte sie nicht wie sich ihr jemand nährte und die Hand nach ihr Ausstreckte.
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