Schlechtes Gewissen?- Ach was

von Reitejoh
KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
Kikumaru Eiji Oishi Syuichirou
03.09.2017
03.09.2017
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Schlechtes Gewissen?- Ach was

Für was würde er jemals wieder Differenzialfunktionen brauchen. Oder statische Berechnungen für einen Druckkessel. Mal ganz abgesehen davon, dass er später auf keinen Fall irgendeinen Beruf in die technische Richtung einschlagen wollte. Das ging ihm gerade durch den Kopf, als er das Mathematikbuch des dritten Jahrganges aufschlug um die Seite aufzublättern, wie es der Professor verlangt hatte. „Herr Trauner, bitte kommen sie doch zur Tafel und rechnen sie das Beispiel Nummer 174 vor.“: erklang die Stimme des Mathematiklehrers, welcher sich etwas gelangweilt an das Lehrerpult gelehnt hatte und nun ziellos im Klassenbuch stöberte, als gäbe es darin etwas unheimlich interessantes zu entdecken. Eijis Klassenkamerad, in der Position als Leistungsbester des letzten abgeschlossenen Jahrgangs, schrieb genauso gelangweilt wie der Professor zu sein schien die Lösungen des, durchaus komplizierten Beispiels an die gerade geputzte Tafel. Der Rest der Klasse, der genauso desinteressiert wie er selbst zu sein schienen, kopierte das Geschriebene ohne weiteren Nachdenkens einfach in ihre Hefte. Als der werte Klassenstreber, wie es Eiji zu sagen pflegte, sein Werk vollbracht hatte, winkte der Lehrer nur ab, dass er wieder platz nehmen dürfe, um danach aufzustehen und ihn vor der Klasse als das Ass der Schule zu präsentieren und die restlichen als regelrechte Versager darzustellen. Der Rothaarige ignorierte die Gesten des Lehrers gekonnt und zeichnete einige wirre Linien auf das Löschblatt seines Mathematikheftes. Wie lange musste er diese Qualen noch ertragen, bis ihn das Klingeln der Schulglocke für diesen Tag davon erlöste? Er kramte in seiner Hosentasche nach seinem Handy, welches er nach einigen Momenten auch zu greifen bekam und herausfischte. Es zeigte vierzehn Uhr fünfzehn an. Bei dem eben gesehenen Bild der Zeitanzeige seines Mobiltelefons ließen die Muskeln seiner Schultern, Mundwinkeln und seines Halses nach und er sackte auf seinem Tisch zusammen. Er hatte doch vor ca einer halben Stunde das letzte mal auf die Uhr geschaut, und es sind erst lächerliche fünfzehn Minuten vergangen? Lief die Zeit jetzt etwa rückwärts? Hatte er da irgendwie etwas verpasst? Kikumarus Gedanken legten sich schlafen. Er wollte nur, dass diese Stunden von elender Langeweile und Erniedrigung verging. Mehr verlangter er wirklich nicht. Als der Lehrer seine herablassenden Ansprache beendet hatte, begann er damit von anderen, genauso langweiligen Themen der Mathematik zu sprechen.
Mit einem bewegenden Gefühl im Bauch blickte der Rothaarige der untergehenden Sonne entgegen, die den Horizont in ein dezentes Orangegold färbte. Ein paar leichte Schleierwolken zogen langsam über den malerischen Himmel. Hier und da konnte man die Flugbahnen der Möwen bewundern. Über ihm ließ eine würzige Meeresbrise die Blätter des Baumes rascheln unter dem er, im Schoß seines Doppelpartner Oishi, saß und die Minuten der Zweisamkeit genoss. Er kuschelte sich enger an seinen Partner um mehr von seiner beruhigenden Wärme einzufangen. Eiji konnte gerade keinen klaren Gedanken fassen. Aber das brauchte er auch nicht. Er war glücklich und das war die Hauptsache. Er wollte für immer an diesen friedlichen Ort verweilen, für immer glücklich sein, vereint mit der Person die er vertrauen und lieben gelernt hatte. Niemals würde er es zulassen, dass sich jemand zwischen ihn und Oishi stellte. Er brauchte ihn, er wollte ihn und das für immer. Immer und Ewig in seinen Armen liegen und ihm zeigen wie gerne er ihn hatte.
Doch plötzlich verschwamm alles um den Rothaarigen. Die Idylle verdunkelte sich. Die Geräusche und Gerüche die er vorher vernommen hatte schwollen ab. Bis er sich nur mehr in einem unendlichen Schwarz befand.
„Herr Eiji Kikumaru!“ dass war der erste Laut den er wieder vernehmen konnte. Ebenso spürte er ein unsanftes Rütteln an seiner rechten Schulter. Doch vor seinen Augen war immer noch alles in Dunkelheit getaucht. Langsam hoben sich seine Lider und er nahm leicht benebelt seine derzeitige Situation wieder wahr. Sein Mathematikprofessor stand unmittelbar vor ihm und schüttelte ihn immer noch bis der Rothaarige ihn verwirrt in die Augen blickte. „Herr Kikumaru sind sie jetzt endlich wieder bei sich?!“ fuhr er ihn wütend an. Als sich Eiji den Schlaf aus seinen Augen gerieben hatte und ein herzhaftes Gähnen von sich gegeben hatte blickte er dem Lehrer an und meinte „Entschuldigen sie,.. wird nicht wieder vorkommen.“
Im Hintergrund lachten Eijis Schulkameraden lauthals und ließen den Lärmpegel über den Toleranzbereich des Lehrers schnellen. Ein wütender Schrei von Seiten des Lehrers ließ den Krach jedoch wieder verstummen. Aber die Zeitbombe war kurz vor der Detonation. Das spürte der junge Akrobat. Dass er kurz eingenickt war, ist von Seiten des Lehrers noch nicht allzu schlimm. Jedoch in Verbindung mit einem überdurchschnittlich hohem Lärmpegel war es dann doch zu viel.
„Was glauben sie eigentlich wer sie sind Herr Kikumaru!“ und schon ging es los. Eiji zuckte erschrocken zusammen als der Lehrer anfing ihn anzubrüllen. „Das ist eine Frechheit einfach in meinem Unterricht einzuschlafen! Respecktlos! Das gibt es doch nicht!“
Eiji saß einfach nur da. Er sah den Lehrer gar nicht mehr an und überhörte einfach alles was er ihm an den Kopf warf. Er fühlte sich schlecht. Dieser Mensch war kein Lehrer, er war auf jeden Fall nicht dazu in der Lage es zu sein. Wieso sollte er sich das ganze hier eigentlich noch antun? Er hatte sich entschuldigt und doch wurde er hier gerade vor allen bloßgestellt und auf gut deutsch „total zusammengeschissen“. Keiner seiner Kollegen machte auch nur Anstalten ihm zu helfen oder den Professor beschwichtigen zu wollen. Dabei hatte er es ihnen zur Hälfte zu verdanken, was hier gerade mit ihm geschah. So etwas sollen Klassenkameraden und Freunde sein? Eiji seufzte verzweifelt über diese Einsicht. Die Aggressionen des Lehrers schienen nicht nachzulassen zu wollen. In ihm machte sich Gleichgültigkeit breit. Dann sollte sich der Leher doch weiter ärgern. Das war dem Rothaarigen jetzt schon egal. Ebenfalls war es ihm egal, dass es niemanden gab, der ihm half. Er wollte weg von hier. Weg von diesen unmenschlichen Leuten die nur an sich selbst dachten. Er wollte zu Oishi. Zu seinem Doppelpartner. Er wollte sich trösten lassen und wie in seinem Traum in dessen Armen liegen.
Ein Funken von Mut ließ in ihm langsam ein kleines Feuer der Entschlossenheit entfachen. Er würde jetzt einfach gehen. Den Lehrer einfach stehen und sich schwarz ärgern lassen. Die Konsequenzen in Kauf nehmen. Er wollte und musste jetzt einfach nur weg.
Unter den verwirrt wütendem Blick des Professors, welcher immer noch verbal auf ihn einschlug kratzte er seine Schulsachen zusammen und beförderte sie in seinen Rucksack. Dann schob er den Stuhl zurück und stand gemächlich langsam auf. „Herr Kikumaru, was wird das hier jetzt! Setzten sie sich sofort wieder hin, oder ich schicke sie sofort zum Direktor!“ kam es rasend von seinem Professor. Doch Eiji interessierte das jetzt nicht im geringsten. Ihn interessierte nur noch die Freiheit. Weg aus der Schule, weg von diesen Mistkerlen von Lehrern und Kameraden. „Kikumaru! Sofort wieder hinsetzten! Ich werde dafür sorgen, dass du von der Schule fliegst!“ kam es schon etwas verzweifelter vom Mathematikprofessor. Doch der Akrobat ging, als hätte er unendlich viel Zeit, auf die Tür des Klassenzimmers zu und öffnete diese. Er schaute dem Aggressor noch einmal mit einem Blick an, der mit Verachtung, Mitleid und Armseligkeit gegenüber den Lehrer getränkt war an, bevor er aus der Klasse trat und die Tür hinter sich ins Schloss fielen ließ.
Das schlechte Gefühl, was ihn noch erwarten würde, wenn er am nächsten Morgen wieder in die Schule kam, ließ er hinter sich. Es hatte keinen Sinn darüber nachzudenken. Was kommen würde, würde ohnehin kommen. Ob er es wollte oder nicht, spielte dabei gar keine Rolle. Aber jetzt musste er erst einmal weg.
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