Eine Packung Kekse

von Reitejoh
KurzgeschichteAllgemein / P12
Kikumaru Eiji Oishi Syuichirou
03.09.2017
03.09.2017
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Eine Packung Kekse:

„An die Passagiere, gebucht auf den Flug 8813 nach Tokyo. Wegen Unwetter verschiebt sich der Abflug der Maschine von 16.35 Uhr auf 19.45 Uhr. Wir bitten um ihr Verständnis“ Nach dieser Lautsprecherdurchsage legte sich eine allgemeine Nörgelei über den Bereich des Gate B35. Drei Stunden Verspätung. Kikumaru, welcher ebenfalls von der Durchsage betroffen war seufzte und strich sich mit einer Hand über die Stirn. Eiji war eine Woche lang bei seiner Oma in China zu besuch und jetzt war er wieder auf der Heimreise. Er saß auf einer Bank, unmittelbar vor dem Gate auf dessen Tafel gerade die verschobene Flugzeit eingeblendet wurde, und wartete. Entmutigt stützte er seine Ellenbogen auf die Knie und legte sein Kinn in die Handflächen. Vor ihm auf dem Boden lagen seine Umhängetasche und eine Sportzeitschrift, welche er schon fast auswendig zitieren konnte, da er diese schon dutzendfach durchgeblättert hatte, um die Zeit zu überbrücken. Er griff in seine Hosentasche und nach einigen Momenten des Kramens zog er sein Mobiltelefon daraus hervor. Er tippte rasch eine SMS an seine Eltern. ‚Mein Flugzeug hat Verspätung. Komme voraussichtlich 3 h später an. Mit freundlichen Grüßen Kikumaru’

Nun saß er wieder da, ohne jegliche Beschäftigung. . Mit seinem Fuß auf dem Boden tippend beobachtete der rothaarige die anderen wartenden Leute. Der Großteil waren Geschäftsleute, welche er an der Kleidung, Anzug, Krawatte, erkannte. Eiji schüttelte leicht den Kopf. So saßen die meisten von ihnen da. Alle mit ihren Notebooks auf dem Schoß und dem Handy am Ohr. Er wusste jetzt schon, dass er niemals einen Job haben wollte, wo er viel Reisen musste. Für ihn waren diese drei Stunden schon zu Viel. Unruhig legte er abwechselnd ein Bein auf das andere und umgekehrt. Er brauchte sofort eine Beschäftigung, sonst würde er gleich anfangen durch das Flughafengebäude zu joggen. Verzweiflung machte sich in ihm breit. Was sollte er nur mit der gezwungen vorhandenen Zeit anfangen? Als er anfing zu grübeln, meldete sich plötzlich sein Magen.

Anstatt sich darüber zu beklagen, dass er nun Hunger hatte, freute er sich viel mehr darüber. Essen hieß Beschäftigung. Und Beschäftigung hieß, dass die Zeit schneller verging. Instinktiv griff er zu seiner Tasche, stellte sie sich auf den Schoß und wühlte darin herum. Als er das Objekt der Begierde ergriffen hatte holte er es hervor. Ein zufriedenes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. „Genau das brauche ich jetzt.“ Murmelte er leise, mit dem Blick auf die Packung Kekse gerichtet, welche er in den Händen hielt. Nachdem er die Tasche wieder auf dem Boden gelegt hatte, öffnete er den schon angebrochenen Pappkarton. Seine Züge nahmen bei dem Anblick, der sich ihm in den Moment bot, wieder verzweifelte und traurige Formen an. Der Karton war leer. Er lehnte sich auf der gemütlichen Bank zurück und seufzte. Obwohl es nichts gerade Neues war, dass Eijis Keks- und Schokoladensucht ein solches Resultat hervor brachte. Aber Eiji wäre nicht Eiji wenn er sich unendlich lange von so etwas seine Laune verderben lassen würde.

Er blickte sich in den weitläufigen Räumen des Flughafengebäudes um. Er konnte einige Café´s und Bars ausmachen. Von einem Lebensmittelladen, war in dem Teil des Gebäudes nichts zu sehen. Er erhob sich von der schwarzen Ledercouch, hängte sich seine Tasche um die Schulter, griff nach seiner Sportzeitschrift und ging den langen Flur entlang, auf der Suche nach einem TravelValue-Geschäft. ‚Sowas muss es hier doch geben’ sagte er sich in Gedanken. ‚Auf jeden Flughafen, auf dem ich bis jetzt war, hat es mindestens ein solches Geschäft gegeben’. Der Flur machte eine langgezogene Kurve. Der rothaarige ging auf dem glänzend polierten Mamorboden, vorbei an Uhrengeschäften, Trafiken, dem Raucherkämmerlein, Lederwarenverkaufsständen, und und und. Langsam wurde der Akrobat sauer. Auf wen oder was, das wusste er nicht. Er ballte seine Hände zu Fäusten. Heute war wirklich nicht sein Tag, sagte er sich. „Aih... das darf doch nicht wa…“ kaum wollte er sich verbal über diese Situation aufregen, da fiel ihm auch schon das allzu bekannte Schild der Travel Value Ladenkette ins Auge. Seine Mundwinkel zogen sich zu einem breiten Lächeln nach oben und er schlenderte fröhlich auf das Geschäft zu. Drinnen freute er sich über die bunt glitzernde Dekoration und hüpfte munter zwischen den Regalen herum. Als er in der Süßigkeitenabteilung stand, machte sein Herz einen kleinen Sprung. Hier war er genau richtig, hier fühlte er sich fast wie Zuhause. Ein leiser Laut der Zufriedenheit war von Kikumarus Seite zu vernehmen. Doch er fackelte nicht lange herum, griff zielsicher, so wie man es eigentlich nicht von ihm erwartete, in eines der Regale, nahm sich eine Packung Schokokekse heraus und trabte mit der süßen Ware zur Kasse. Dort zahlte er und lächelte der Kassiererin freundlich ins Gesicht bevor er sich wieder auf den Rückweg zu seinem vorigen Platz auf der tiefschwarzen Ledercouch machte, um auf das Boarding zu warten.
Dort angekommen setzte er sich, schon auf die schokoladige Bescherung freuend, nieder. Seine Tasche deponierte er wieder am Boden zwischen seinen Füßen und holte aus einem Seitenfach seinen MP3-Player heraus. Nach ein paar Sekunden hatte er es geschafft das Kabel der Kopfhörer zu entwirren und steckte sich die Stöpsel in die Ohren. Er drehte eine Ruhige Musik auf.

In dem Augenblick wo er die ersten Takte vernahm, setzte sich ein junger Mann in seinem Alter, einen Platz weiter links neben ihn. Auf dem Stück, welches sich zwischen ihnen befand, legte er seine Tasche ab. Er trug ein Namensschild. Oishi Syuichiroh war sein Name. ‚Er ist bestimmt ein Junges Sporttalent oder ein Musiker, sonst würde der ja kein Namensschild tragen’ so machte sich Eiji seine Gedanken. Als der Fremde bemerkte, dass er von dem Rothaarigen angesehen wurde, lächelte er ihm etwas schüchtern zu. Eiji erwiderte die Geste, sah sich aber dann nach seiner, schon zu oft durchgeblätterten Zeitschrift um. Er fand sie dann auch gleich, nahm sie zur Hand und schlug sie auf. Nebenbei griff er mit der Linken Hand nach einem Keks und begann diesen genüsslich zu essen. Der junge Mann griff auch zur Kekspackung und nahm ebenfalls einen heraus, um ihn dann langsam und bedacht zu verzehren. Der rothaarige stutzte. ‚Nimmt der sich doch glatt, ohne zu fragen, einen von meinen Keksen.’ dachte er sich etwas sauer darüber, doch er blieb stumm. Nach einer Viertelstunde griff er wieder zur Schachtel um sich noch einen Keks zu genehmigen. Und da wurde ebenfalls wieder von seinem Sitznachbarn in die Packung gegriffen. Diese dreiste Geste brachte Eiji Kikumaru in Rage, doch er wollte hier keine Szene liefern. Dieses Spiel wiederholte sich dann beim nächsten Keks erneut und bei den darauffolgenden auch. ‚Oishi.. dieser Name sagt ja schon alles über den Charakter aus...’ der rothaarige hatte Wut im Bauch. Er sah auf die Uhr. Nur noch 10 Minuten bis das Boarding begann, dann müsste er sich nicht mehr in der Anwesenheit dieses Menschen aufhalten. Er erhaschte einen Blick auf die Keksschachtel. Dort lag nur noch ein einziger Keks. Eiji grinste innerlich und dachte ‚Pah… was wirst du jetzt machen du dreister Profiteur’. Den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, handelte der junge Mann auch schon. Er griff nach dem letzten Keks, brach diesen in zwei Teile, reichte Eiji eine Hälfte und lächelte ihn erneut freundlich an. Doch das war zu viel für den jungen Akrobaten. Bis zur Weißglut gereizt und kochend vor Wut stand er auf, schnappte sich seine Tasche und ging zum Schalter, an dem das Boarding gerade begonnen hatte und begab sich, ohne noch einmal einen vernichtenden Blick nach hinten zu werfen, ins Flugzeug.

Als er im Flugzeug seinen Platz eingenommen hatte seufzte er schwer und sank in den gemütlichen Sitz. Nach dem er seine Wut wieder im Griff hatte, zog er die Kopfhörer aus den Ohren und verstaute den MP3-Player wieder in seiner Umhängetasche.
Doch siehe da. Als er das Hauptfach seiner Tasche öffnete, um den Player dort zu verstauen, fiel ihm eine ungeöffnete Packung Kekse ins Auge. Seine Packung Kekse. Er hatte ganz vergessen gehabt, dass er seine Schachtel, nachdem er sie bezahlt hatte, in seiner Tasche hat verschwinden lassen. Ein übler Gedanke machte sich in seinem Kopf breit. Also hatte er sich die ganze Zeit von den Keksen des jungen Mannes bedient. Und dieser hatte seine Kekse mit ihm geteilt. Ohne Groll und Furcht.
In diesem Augenblick fühlte sich der rothaarige mies. Er realisierte wie sehr er sich doch in dem Jungen Mann geirrt hatte. Wie er ihm einfach, ohne etwas zu sagen, die kalte Schulter gezeigt hatte. Nun bestand noch nicht einmal mehr die Gelegenheit es dem Fremden zu erklären oder sich bei ihm zu entschuldigen. Ihm traten Tränen ins Gesicht und erneut machte sich Verzweiflung in ihm breit. Wie konnte er nur so dumm gewesen sein. Er ließ die Tränen einfach laufen. Was konnte er nur tun. Es tat ihm furchtbar Leid. Doch es gab keine Möglichkeit mehr es wieder gut zu machen.
Doch da fiel ihm etwas ein. Er hatte sich den Namen des jungen Mannes gemerkt. Oishi Syuichiroh, so hieß er. Darauf hin verbesserte sich die Gefühlslage des jungen Akrobaten wieder etwas und er nahm sich vor, sofort wenn er wieder daheim war, sich nach der Person zu erkundigen um ihn einen Brief zu schreiben.
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