Am Ende wird alles gut

OneshotPoesie, Romanze / P16 Slash
02.09.2017
02.09.2017
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Ein kontinuierliches, dumpfes Dröhnen bringt die Luft zum Vibrieren. Und du liegst vor mir, mit einem breiten Grinsen, deinen hämischen, schrägen Augen und einem leicht leuchtenden Schimmer in deiner giftgrünen Iris. Ist es der Übermut der dich so glücklich macht? Oder doch eher das Spiel mit Leben und Tod, an dem du dich so freudig ergötzt?

Deine Lippen bewegen sich leicht, als du mich leise aber dennoch deutlich fragst, ob ich Angst hätte. Aber natürlich erwartest du keine Antwort, du siehst sie ja bereits in meinen Augen.

Ja, ich habe Angst, je länger ich auf der, von der Wüstensonne erhitzten Gleise liege desto mehr fürchte ich mich vor dem Zug der bereits auf dem Weg ist.

Dein Lächeln wird noch breiter und du küsst mich, lässt mich aus deinen Armen nicht mehr entkommen.
Immer und immer wieder stellst du mir diese eine kleine Frage, nur diese einfachen drei Wörter - Liebst du mich?

Ich ziehe dich bestimmend zu mir heran und bestätige diese Frage mit einem Nicken.
Ich liebe dich so sehr, sage ich dir, ich würde alles für dich tun. Mich dir vollkommen hingeben.

Natürlich schmeicheln dir diese Worte und du schmiegst dich an mich, während du mit einer Hand meinen Schädel hart und mit roher Gewalt fest auf die Gleise drückst. Nie warst du gut zu mir gewesen. Du hattest mir immer gezeigt - einerseits mit körperlicher, aber auch mit verbaler Gewalt - dass ich dir nichts zu sagen habe. Ich weiß -und ich denke du weißt es auch- dass es einiges gibt, was ich dir nie verzeihen kann.
Und dennoch bin ich jetzt hier - bei dir.

Jedoch bist du trotz meines Versprechens misstrauisch und forderst mich dazu auf, dir meine Liebe entgültig zu beweisen.
Auf immer und ewig.
Ich könne ja schließlich im letzten Moment doch kneifen, behauptest du. Und was würdest du bloß tun, mit einem gebrochenen Liebesschwur?

Ich muss trotz meiner Angst lachen. Du lebest in einer kranken Welt, sage ich dir.
Radikal.
Brutal.
Obszön.
Doch ich sei nicht unbedingt besser, erwiderst du. Mir mache es Spaß an deinen Illusionen teilzuhaben. Auch wenn es mich mein Leben koste.

Um sechs würde der Zug kommen. Wir haben noch drei Minuten um uns von dem Leben zu verabschieden. Ein Schwarm an Möven fliegt über uns hinweg, doch du beachtest sie nicht. Sie sind dir komplett egal, aber für mich sind sie ein Zeichen des tierischen Lebens auf dieser Erde. Ich verabschiede mich von ihnen, von den Bäumen.
den Pflanzen, dem Sand.
Dem Wasser, den Wolken und dem Himmel.
Dem Regen, der Sonne, dem Mond.
Den Farben, der Luft und der Musik.
Nur von den Menschen und ihren Gefühlen verabschiede ich mich nicht. Denn auf dieser Welt gibt es nur einen einzigen Menschen für mich und dieser empfindet keine Emotionen.
Dieser Mensch ist komplett narzisstisch und gestört.

Und vielleicht ist das auch gut so.
Die Anderen würde eine solche Persönlichkeit komplett anekeln, sie würden sie verabscheuen und unglaublichen Hass ihr gegenüber empfinden.
Doch ich fühle mich mit ihr ungeheuerlich verbunden, schöpfe aus ihrer Anwesenheit Kraft und Stärke und ich weiß, dass sie das selbe auch für mich empfindet.
Ich lebe und ich sterbe für sie.
Für mich gibt es nur diese eine Persönlichkeit, sonstige Menschen waren für mich immer schon wertlos gewesen. Ich klammere mich an dich, wie ein kleines Baby, schaue in deine kalten, hasserfüllten Augen und fange an zu schwitzen, denn bei deinem Anblick wird mir so heiß, wie es die sandige Wüstenluft ist, die uns beide umgibt. Mein Blut rauscht in meinen Ohren, mein Herz schlägt wie wild und für einen Moment stehe ich vollkommen neben mir. Alles was ich noch sehen kann, sind deine giftdurchtränkten Augen. Und obwohl ich ganz genau weiß, dass dies das Ende ist, fühle ich mich auf einmal lebendig.

Erneut drückst du mich auf den Boden und küsst mich so lange, bis ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten kann. Das ganze Gefühlschaos bricht aus mir aus, ich empfinde Freude vor dem kommenden gemeinsamen Tod, eine unglaubliche Liebe zu dir, Verachtung der Anderen, Wut über die vergangen Jahre und meine damaligen Entscheidungen, Angst vor dem Tod und Hass.
Unglaublichen Hass.
Hass auf das Leben, ein Leben welches ich ohne dich und deine ganzen Phantastereien nicht ausgehalten hätte.
Doch du betrachtest meine Gefühlsregungen nur verständnislos und stellst auf das kleinste Detail sicher, dass ich nicht doch noch in letzter Sekunde verschwinden kann. Und da sehe ich ihn von weitem. Unglaublich langsam und lächerlich kommt er immer näher herangerollt.
Ich schaue dir noch ein letztes Mal in die Augen... doch ich kann sie nicht finden. Du hältst sie geschlossen.
Das Letzte, an das ich mich erinnere war, dass auch ich langsam beschloss in einen ewigen Schlaf zu fallen.
Und so blieb nur mit einem Lächeln auf den Lippen der Gedanke, dass das Leben doch manchmal obskur und grotesk erschien.
 
 
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