~Rebels ~

KurzgeschichteAbenteuer, Romanze / P16
OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
01.09.2017
03.11.2017
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Und gleich das erste richtige Kapitel hinterher! Danke an Yukichan666 für's Drüberlesen <3 Und nun viel Spaß. :)
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Ich bin eine Fee. Man könnte mich in die Gattung der Sommerfeen einordnen, doch ich bevorzuge den Wilden Wald als mein zu Hause. Es ist nicht so, dass mir eine Verbannung auferlegt wurde. Ich könnte durchaus jederzeit an den Lichten Hof zurückkehren, doch das ist für mich im Moment ausgeschlossen. Ich bin mit der Natur magisch verbunden, gebiete über Erde und Pflanzen. Mein Name ist Samyra.

Ich saß auf einem Baum und beobachtete ein paar trottelige Zwerge, die versuchten, ein Kaninchen zu fangen. Dabei murrten sie sich etwas mit spartanischen Lauten zu. Ich machte mir einen Spaß daraus, dabei zuzusehen, wie sie „aus Versehen“ über  ein paar Wurzeln stolperten. Dann wurde mir langweilig. Es war mal wieder  Zeit für ein richtiges Abenteuer! Bestimmt konnte ich in der alten Schenke auf meiner Suche nach neuen Mythen fündig werden. Sie befand sich in der Menschenwelt, genauer gesagt in Newark, einem Vorort von New York. Nicht weit von hier befand sich ein Steig in einer hohlen alten Eiche. Moos wuchs auf ihr und sie war größtenteils von Ranken eingenommen. Sie war bereits mehrere hundert Jahre alt und einst hatte in ihr eine weise Dryade gelebt. Als diese nicht mehr war, entstand der neue Steig in die Menschenwelt an ihrer Stelle. Ich schritt hindurch, verließ die Feenwelt und machte mich auf zu meinem Ziel.

Damit ich kein Aufsehen erregen würde, nutzte ich meinen Schein, um mich für Normalsterbliche unsichtbar zu machen. Denn ein körperlich 17-jähriges Mädchen, das mit einem mit Leder  armierten grünen Bustier samt Schulterrüstung und gepanzertem Beinzeug über der dunkelbraunen Hose durch die Straßen marschiert und die dazu noch Ranken als modisches Accessoire am Körper trägt, fällt zwischen den Menschen mit ihren überwiegend langweiligen und eintönigen Klamotten ziemlich auf.
Die Schenke befand sich in einer Sackgasse, wurde meist von Feen und anderen magischen Bewohnern des Nimmernie besucht, denn für alle anderen erschien sie, geschützt durch Schein, wie ein altes marodes baufälliges Haus.
Als ich eintrat, kam mir ein trockener warmer Luftschwall entgegen, der nach Alkohol gemischt mit altem Holz roch. Hinter der Theke stand ein junges Mädchen, wahrscheinlich eine Aushilfe, denn ich hatte sie hier noch nicht gesehen. Als ich näher trat, bemerkte ich, dass sie Hufe anstatt Füße hatte. Sie war ein Satyr, und noch dazu ein sehr gelangweilter, wie es aussah. Es saßen nicht viele in der Schenke, nur ein paar angetrunkene Trolle und Kobolde. In der Ecke stand ein Junge mit rot-orangenen Haaren und leuchtend grünen Augen. Er hielt ein Glas mit einer goldgelben Flüssigkeit darin in der Hand, während er lässig an der Wand lehnte. Ihm gegenüber stand eine quirlige Halb-Elfe, welche nach seiner Aufmerksamkeit rang. Unsere Blicke trafen sich für einen Moment, ein neugieriger Ausdruck lag in seinen Augen, außerdem besaß er eine kräftige Aura. Ich beachtete ihn nicht weiter und ging hinüber zur Aushilfe. Auf ihrem Namensschild stand in Druckschrift „Amaja“.

„Ist Moana zu sprechen?“, fragte ich sie. „Wer will das wissen?“. Ihre Antwort wirkte genervt. Gut, wenn sie es so haben wollte. „Ich wüsste nicht, warum es wichtig wäre, dir meinen Namen zu verraten. Ich kenne Moana schon eine lange Zeit, also würdest du mich freundlicherweise zu ihr bringen? Es sei denn, du möchtest gern eine Schweinenase bekommen.“
Moana war die richtige Person, wenn es um Mythen und Sagen ging, denn sie wusste über viele Schätze und Verstecke Bescheid. Immerhin hatte sie schon ein beträchtliches Alter erreicht. Von ihr ließ ich mir oft von den neuesten Geheimnissen erzählen.
„Na gut, wenn es denn sein muss“, zischte sie trotzig. Für mich stand fest, dass ich sie nicht mochte mit ihrer hochnäsigen Art und Mangel an Respekt gegenüber Älteren. Und ich hatte definitiv schon einige Zeit im Nimmernie hinter mir. Da kam es nicht selten vor, dass Personen wie sie den ein oder anderen Streich meinerseits abfangen mussten.
Amaja ging zu einer Tür im hinteren Bereich der Theke. Just als ich ihr folgen wollte, stellten sich mir jedoch zwei  korpulente Trolle in den Weg. Einer von ihnen hatte ein seltsam deformiertes Gesicht, selbst für einen Troll ungewöhnlich, er musste wohl einmal nicht gerade glimpflich aus einem Kampf herausgegangen sein. Sein rechtes Auge hing herunter und war blind, er hatte tiefe Kerben in der Haut und zu allem Übel sabberte er auch noch unkontrolliert. Bevor ich ihn noch weiter angewidert anstarren konnte, begann der andere zu sprechen.

„Gib uns die Glitzerdinger und die Kette!“ Er meinte wahrscheinlich meine kurzen Zwillingsschwerter, die an meinen Seiten in entsprechenden Halterungen ruhten.
„Nein. Und nun geht mir aus dem Weg.“ Bei dieser Spezies musste man klare Worte verwenden, denn ihr Horizont war nicht gerade in der Lage, wahnsinnig viel zu erfassen. Doch anscheinend waren sie nicht friedlich zu stimmen, denn der Geschändete griff nach meiner Waffe. Schnell wich ich aus und verdrehte seinen Arm, woraufhin er wütend anfing zu brüllen. Nun waren sicherlich alle Augen im Saal auf uns gerichtet. Der zweite Troll schaffte es, mir die Kette vom Hals zu reißen, während ich noch mit dem Anderen beschäftigt war. Das ging zu weit. Diese Kette war für mich nicht nur ein modisches Accessoire, sie war mir heilig. Ich hatte sie von meiner Mutter bekommen. Bevor sie bei einem Kampf starb, war sie eine hoch angesehene Frau, die am Sommerhof lebte. Sie hatte mir die Kette mit den Worten geschenkt, immer gut auf sie Acht zu geben, sodass sie mich beschützen konnte. Es handelte sich um einen Smaragd. Die beiden Diebe raubten mir langsam ziemlich meine Nerven. Ich langte nach einem meiner Kurzschwerter und stieß es in seine Magengegend, es war kein tödliches Manöver. Als der andere auf mich zu rannte, sprang ich so gut, wie ich konnte über ihn hinweg, drehte mich und verpasste ihm einen heftigen Tritt, sodass er mit voller Wucht gegen die Wand prallte. Daraufhin sammelte ich den Schein um mich und kräftige Ranken brachen aus dem Boden hervor, packten die beiden Trolle und stemmten sie an der Wand hoch, wo sie nun feststeckten. Das hatten sie nun davon, wenigstens war es spaßig. Ich hob die Kette vom Boden auf und legte sie mir wieder an. Als ich mich umdrehte, schaute ich in erstaunte Gesichter. Nicht jeder war in der Lage Pflanzen in solch einem Ausmaß  zu kontrollieren. Ich hatte diese Kräfte teilweise vererbt bekommen und sie mir über Jahre zu Nutze gemacht. Zugegeben, ich hatte vielleicht etwas überreagiert, aber es ging immerhin um etwas Persönliches. Wieder fing ich den Blick des Jungen auf, der nun einen interessierten Eindruck machte.

Amaja stand immer noch an der Tür, während sie versuchte so gelangweilt wie möglich auszusehen, konnte man an ihrem flüchtigen Blick jedoch erkennen, dass sie nun zumindest etwas mehr Respekt hatte.


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Mein Gott, da hat sie ja nen ordentlichen Auftritt hingelegt, nicht wahr? Wer weiß, wie lange das gut gehen wird ;) bis zum nächsten Mal!
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