Die unstillbare Gier

GeschichteParodie, Übernatürlich / P16
Florian David Fitz OC (Own Character)
01.09.2017
15.05.2018
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01.09.2017 1.950
 
Es war ein ungemütlicher Gang. Lang, weiß, kahl, Linoleumfußboden, viele einfache Holztüren. Wer glaubte, dass das Film-und Fernsehgeschäft nur aus Glitzer, Glamour und roten Teppichen bestand, der war entweder ein Träumer oder ein Spinner. Beides musste man jedoch zu gleichen Teilen in diesem Geschäft sein, um es überhaupt zu überleben. Doch genau diese Vorstellung des immer strahlenden Geschäfts, des alles überstrahlenden Ruhms zog jährlich tausende Narren an. Genug Beschäftigung gab es einerseits. Doch nur ein kleiner Teil dieser Tollkühnen andererseits besann sich auf die bodenständigen Arbeiten, damit ein Film überhaupt als solcher existierte. Die meisten sehnten sich nach Ruhm; diesem süßen, giftigen Duft, der sie alle aus den Löchern kriechen ließ und an dem die allermeisten kleben blieben wie Ameisen im Honig und nicht mehr entkommen konnten. Eine wahre Fundgrube für Gaukler, Verbrecher, Unmenschen und... Den Teufel.

Aus einer solchen schlichten Holztür trat Florian Fitz, 26. Viel Erfahrung hatte er bisher nicht. Talent vielleicht. Aber das sagte noch nicht viel aus. Er schloss die Holztür hinter sich, bemühte sich noch um ein dünnes Lächeln, das ihm sofort verloren ging, als die Tür geschlossen war. Es war sein drittes Casting für eine Fernsehserie. Doch es waren noch immer acht Mitbewerber. Jünger, aber deutlich attraktiver. Muskulöser, klischeebehaftet, mit diesem Sunnyboy-Surfer-Lächeln. Und Florian? Der hatte diese Narbe auf der Nase. Die müsste man überschminken. Machte die Nase aber auch nicht unbedingt schöner oder das Gesicht männlicher, sodass es nicht wie des eines Milchbubis aussah. Das Publikum stand zwar bedingt auf diesen Typ 'Mann', aber bei ihm hatten die Produzenten Zweifel. Nicht zuletzt, weil er schrecklich tollpatschig und unbedarft war. Der einzige Pluspunkt war bisher, dass er sich nicht genierte, auch mal blank zu ziehen. Doch bei Männern war das auch nochmal eine andere Sache als bei Frauen, denn bei Männern gab es weniger, was Aufregung erregen könnte.
Florian stolperte den Gang entlang und ließ sich schließlich in einem kleinen, schummrigen Seitengang an der Wand entlang nach unten auf den kalten Boden gleiten. Er kämpfte mit den Tränen. Er musste sich nichts vormachen: Es würde verdammt schwer werden, diese Rolle zu bekommen. Im Grunde konnte er sie bereits abschreiben. Aber es war so bitter nötig, dass er sie bekam. Er brauchte ganz dringend die praktische Schauspiel-Erfahrung einer Hauptrolle vor der Kamera. Er benötigte Geld, sonst wusste er nicht, wie er im nächsten Monat die Rechnungen bezahlen sollte. Und er sehnte sich nach etwas Anerkennung, nach etwas Wiedererkennung. Nur weil er der Cousin von Lisa Fitz war, bekam er nichts geschenkt, im Gegenteil. Deutschland war ein genauso hartes Pflaster wie Amerika, vielleicht sogar härter, weil der Markt begrenzter war.

„Ich kann dir geben, was du dir ersehnst."
Florian zuckte zusammen und sah neben sich. Einen halben Meter neben ihm saß ein Mann mit pechschwarzen Haaren, nicht übermäßig gebräunt, geschwungenen Lippen, einem schicken, schwarzen Anzug und polierten schwarzen Lackschuhen. Seine langen Beine waren ausgestreckt, die Füße locker übereinander geschlagen. „Wer sind Sie?", fragte Florian irritiert. Er hatte ihn weder hören noch kommen sehen. Der Mann neben ihm seufzte und legte den Kopf schräg. „'Woher kommen Sie? Wieso sprechen Sie mich an?'... Alles schon zu oft gehört, als dass ich noch irgendein Interesse daran hätte, diese nichtigen Fragen zu beantworten. Was zählt ist diese Antwort: Ich bin der, der dir geben kann, was du dir erträumst. Zu einem lächerlich niedrigen Preis." Florian runzelte die Stirn. „Danke nein. Ich habe nicht vor, meine Karriere übers Bett zu machen." Der Mann neben ihm kicherte. „Wenn ich für diese Aussage eine Mark bekommen würde, dann wäre meine Hölle voll mit Münzen. Münzen, die so wertlos sind wie Sand am Meer." Eine leise Stimme in Florian warnte ihn: Dieser Mann war ihm nicht geheuer. Daher erhob er sich schnell. „Wie auch immer. Schönen Tag noch.“ Doch als er wieder auf den Flur trat, stand der Mann dort bereits - locker mit beiden Händen in den Hosentaschen vergraben. Der Brünette zuckte erschrocken auf. „Wie kommen Sie..." „Meine leichteste Übung."

„Was wollen Sie von mir?!", lenkte Florian mit dieser Frage ab, um seine Unsicherheit nicht offen zu zeigen. Er hatte selten Angst, vor allem hatte er keine Angst vor anderen Menschen, doch dieser Mann flößte ihm Angst ein. Denn seine ganze dunkle Erscheinung wurde komplettiert von schwarzen Augen. Sie schienen keine Pupillen zu haben. Nur eine weiße Sclera und schwarze Augen. Natürlich konnte er auch extrem dunkle, braune Augen haben. Doch in diesem schummrigen Licht wirkten sie einheitlich schwarz. Einheitlich bedrohlich. „Ich möchte dir ein Angebot machen.", antwortete er entspannt. „Und wieso ausgerechnet mir? Hier gibt es bestimmt mehr, die auf Ihr Gefasel reinfallen.“ „Gut möglich. Aber keiner hier ist so verzweifelt und verbissen auf diese Rolle wie du." „Woher wollen Sie das wissen?!" Der Mann zuckte harmlos mit den Achseln. „Nenn es Menschenkenntnis." Florian schnaubte. Er fühlte sich Zunehmens unwohl. Sein Gegenüber versperrte ihm jeglichen Ausweg, der kleine Gang hinter ihm war eine Sackgasse. Vielleicht ließ er ihn gehen, wenn er sein Angebot anhörte und dann ablehnte. Daher versuchte er es mit dieser Frage: „Wie lautet denn ihr Angebot?" „Du bekommst Ruhm, Erfolg, Geld und ein sorgenfreies Leben. Zum lächerlichen Preis deiner Seele." Florian musste amüsiert den Mund verziehen. „Aha. Meine Seele. Selbst wenn ich daran glauben würde, danke nein, dieses biblische Gefasel zieht bei mir nicht." Der Mann hob ebenfalls einen Mundwinkel, dadurch verzog sich sein Gesicht zu einer Fratze, die Florian so noch nie gesehen hatte. „Hm, ich weiß schon. Ihr Menschen seid alle so schrecklich aufgeklärt. Und ungläubig. Aber das kann mir egal sein, ich will nur meine Hütte vollkriegen, sonst macht das alles keinen Spaß." „Sie brauchen echt Hilfe." Florian atmete unbewusst tief ein und drängte sich am dunklen Mann vorbei.

Seine Schritte wurden schneller und er erreichte das Ende des Ganges, öffnete eine schwere Glastür und erstarrte erneut: Der Mann lehnte lässig an der Wand gegenüber.
„'Wie kommen Sie hierher? Sie waren doch gerade hinter mir...' Erspar mir dieses verstörte Gebrabbel. Sag mir, ob wir ins Geschäft kommen." Florian atmete nun doch hörbar aus. Eine Gänsehaut überzog seinen Körper. Irgendetwas war hier verdammt faul. Und angsteinflößend. Vielleicht war das alles auch nur ein Albtraum und er würde gleich von seinem Wecker aufgeschreckt werden und das Casting läge noch vor ihm. „Nein, das ist kein böser Traum. Das hier ist die Realität, genauso wie das hier..."
Mit einem Mal fiel Florian. Immer tiefer und tiefer in eine dunkle Leere. Er schrie, bekam jedoch keine Luft und der Schrei blieb ihm im Hals stecken. Wie war das möglich?! Er war doch gerade noch im Flur der Castingagentur gestanden?! „'Wer ist der Kerl? Was macht er mit mir? Wie kann ich dem entkommen?'“ Plötzlich stand Florian wieder vor dem Mann, der noch immer locker an der Wand lehnte, die sich hinter ihm veränderte.
Kreischende Mädchen, übervolle Kinosäle, überdimensionale Poster, auf denen er zu sehen war - in deutlich attraktiverer Form. Unter dem Poster stand: „Der neue Film von Multitalent und Filmliebling Florian David Fitz!" „Das kannst du sein.", sprach der schwarze Mann, schnipste kurz und die Szenerie verschwand wieder. Florian, der davon förmlich angesaugt worden war, starrte schlagartig wieder an die weiße Raufasertapete. Unbewusst schüttelte er den Kopf. Tief durchatmen. Für all das musste es eine logische, rationale Erklärung geben. Aber... Wer war dieser Kerl?!

„Ich bin Luzifer. Mephisto. Antichrist. Beelzebub. Fürst der Finsternis. Höllenfürst. Satan. Der Teufel. Der gefallene Engel, wobei das nicht stimmt. Ein Engel war ich nie. Ich bin schließlich der Bruder von Gott, da kann ich kein Engel sein. Aber das nur so am Rande, weil mich diese Bezeichnung außerordentlich stört. Zumal mir Flügel nicht stehen würden." Florian schluckte hörbar. Das war, nein, das konnte nicht real sein! „Doch. Es ist real. Die Geschichten sind wahr. Zumindest teilweise." Konnte der Kerl Gedanken lesen?! „Nein, ich kann keine Gedanken lesen. Das gestattet mir Gott, mein vermaledeiter Zwilling, nicht. Aber ich bin gefühlt zu lange in diesem Metier tätig, als dass eure menschlich-eindimensionalen Gedanken beim Aufeinandertreffen mit mir und meinem sensationell verlockendem Angebot große Differenzen hätten." Florian schluckte erneut. Die Bilder, die er gezeigt hatte, waren durchaus erstrebenswert gewesen. „Das, was du gezeigt hast..." „Das bist du, wenn du mein Angebot annimmst." „Und wenn nicht?" Der Teufel schnipste und die Wand hinter ihm projizierte erneut ein Szenario: Florian, nicht wesentlich attraktiver als gerade, eher weniger, mit Geheimratsecken, als Kellner in einem Café. „Mit dem Kellnern bezahlst du deine Rechnungen, weil dein Engagement am Theater mit der Nebenrolle nicht viel abwirft. Zudem musst du deine Schulden abbezahlen, nachdem du meintest, 2007 ein Musical selbst zu produzieren, das aber nur... Nennen wir es mäßig erfolgreich war."

Die Wand nahm wieder ihre normale Gestalt an, Florian biss sich auf die Unterlippe. Nein, dieses Leben wollte er auf gar keinen Fall. Davor ging er wirklich lieber einen Pakt mit dem Teufel ein. „Ich glaube aber nicht an Teufel und Gott und..." „Musst du auch nicht.", zuckte Luzifer mit den Schultern. „Welchen Wert hat meine Seele dann für dich?" „Ob man zu Lebzeiten gläubig war oder nicht spielt nur begrenzt eine Rolle, nämlich in dem Sinn, wie du dein Leben gestaltet hast. Gläubige Menschen kommen statistisch gesehen öfters eine Etage höher mit Aussicht auf Wiedergeburt, wenn sie das wollen. Ungläubige plumpsen häufiger bei mir rein. Heißt aber nicht, dass jemand, der sein Leben lang an nichts geglaubt hat, automatisch bei mir landet. Wenn er sein Leben anständig gelebt hat, ist das Licht am Ende des Tunnels eher weißlich als rötlich. Hängt alles vom Lebensstil ab. Einen Mangel muss ich wahrlich nicht verzeichnen, aber es ist immer grundsolide, einen gewissen Stock zu haben, mit dem man rechnen kann. Und ehrlich: Es ist öde, immer nur die Seelen zugeteilt zu bekommen. Aktiv generieren macht wesentlich mehr Spaß. Vor allem kann man sich das lästige Abfragen in der Vorhölle sparen. Ich will auch Bürokratie abbauen, aber wenn ich nicht weiß, wer da kommt, wie soll ich das dann?"

Florian zog skeptisch die Augenbrauen in die Höhe. Dieser Kerl war wirklich seltsam. Aber er konnte Dinge, die er sich nicht erklären konnte. „Woher weiß ich, dass du mich nicht verarschst?" „Du bekommst mein Wort." „Garantiert mir aber nicht das Leben, das du vorhin gezeigt hast." „Dir wird das auch nicht in den Schoß fallen. Aber hier und da drehe ich etwas an der Fügung. Kleine Schräubchen, die aber den Unterschied machen." „Und wie lange bekomme ich dieses Leben?" „Solange es mir in den Kram passt. Es gibt Leute, die kommen 60 Jahre nach Abschluss zu mir und ich hatte ganz vergessen, dass ich ihre Seele bereits hatte. Dann gibt es Leute, da fällt mir eines Morgens ein, dass mir ihre Seele gehört und hole sie mir, weil mir langweilig ist. In zwei Wochen werde ich dich wieder vergessen haben. Nenne es also eine Laune, wann der Zeitpunkt sein wird. Die Mindestvertragsdauer beläuft sich aber auf sieben Jahre. Daher wirst du die nächsten sieben Jahre keinen Besuch von mir erwarten müssen." „Und wann war das, was du mir gezeigt hast?" Luzifer grinste. „Irgendwann. Das wirst du dann sehen." Florian atmete schwer aus. Sollte er das wirklich tun? Tausende Gedanken schwirrten durch seinen Kopf, doch vorherrschend waren zwei: Er wollte erfolgreich sein. Und wenn er sowieso nicht an sowas glaubte, dann konnte doch nicht so viel Schlimmes passieren. Was war also dabei?
Luzifer streckte ihm die Hand entgegen. „Also? Kommen wir ins Geschäft?" Unschlüssig betrachtete der Brünette die ihm hingestreckte Hand.
Sollte er das wirklich annehmen?
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