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Die Nacht, in der sich alles änderte

OneshotDrama, Tragödie / P12 / Gen
Maxim de Winter OC (Own Character)
31.08.2017
31.08.2017
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Dieses Kapitel
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31.08.2017 1.076
 
Ich weiß nicht, ob auf diesem Gebiet noch jemand aktiv ist, aber ich lade trotzdem mal diesen Oneshot hoch,.würde mich freuen, wenn ihr ihn lest:)
Disclaimer: Die beiden handelnden Figuren und Manderley und das Bootshaus gehören Daphne du Maurier, den vereinigten Bühnen Wien oder wer immer die Rechte gekauft hat, jedenfalls nicht mir(leider). Aber die Idee ist von mir:) Und: ich verdiene hiermit kein Geld.  So, jetzt aber viel Spaß beim Lesen:3
     
Der Mann schaute aus dem Fenster seines großen und imposanten Hauses. Draußen prasselte der Regen. Durch die Unmengen an Wasser, die an der Glasscheibe hinunterflossen, sah er ein Auto die Auffahrt hochfahren. Sein Auto. Gesteuert von seiner Frau. Ein verächtlicher Ausdruck huschte über sein Gesicht, verschwand aber genauso rasch wieder, wie er gekommen war. Der Rolls Royce parkte, und eine schlanke Frau, in einen Regenmantel gehüllt, stieg aus. Sie schlug die Tür des Wagens hinter sich zu, und lief rasch den steinigen Pfad zum Meer hinunter. Maxim seufzte. Natürlich wusste er, dass sie nicht zu ihm ins Haus kommen würde. Aber trotzdem hatte etwas, wenn auch nur ein winziger Teil von ihm, geglaubt, dass sie das beheizte Manderley ihrem kühlen Bootshaus, welches eher einem Cottage ähnelte, vorzog. Aber hier oben hatte sie ja nur ihn. Bei der Vorstellung, was sich dort unten in den nächsten paar Minuten(oder gar Stunden) wahrscheinlich abspielen würde, wurde ihm übel. Aber das hatte er sich schließlich selbst zuzuschreiben. Was für ein verdammter Feigling er doch war! Zornentbrannt sah er wieder aus dem Fenster, zum Bootshaus. `Ein Bootshaus ist zum Aufbewahren von Booten da, und nicht für Liebesnächte!` dachte er bei sich. `Aber…wer sagt denn, dass ich sie dort unten einfach machen lasse, was sie möchte? Schließlich ist alles hier immer noch mein Besitz!` Von diesem Gedanken geleitet, stürmte er die Treppe seines Anwesens hinunter. Geräuschvoll klaubte er seinen Regenmantel von dem Ständer auf. Er warf sie sich über und lief, so schnell, wie er es sich auf dem nassen Boden erlauben konnte, ebenfalls in Richtung Bootshaus. Der Pfad war vom Regen überschwemmt, und der Boden aufgeweicht. Maxim fluchte, als ein nasser Zweig seinen Kopf streifte. Er hätte eine Laterne mitnehmen sollen! Doch jetzt war es bereits zu spät, er wollte sein Haus vorläufig nicht mehr betreten. Nicht, so lange seine Frau dort unten was-auch-immer tat. Seine Frau. Bei diesem Gedanken schnaubte er verächtlich. Sie war nicht seine Frau.
Natürlich hatte er sie geehelicht, aus freiem Willen, doch wenn er damit nicht den Namen seiner Familie beschmutzen würde, würde er diese Entscheidung sofort wieder rückgängig machen. Inzwischen war er unten, am Strand. Das Licht im Bootshaus flackerte kurz, strahlte aber direkt wieder wie vorher. Entschlossenen Schrittes trat er durch die Tür. Eigentlich war es hier unten wirklich gemütlich eingerichtet: Ein abgewetztes Schlafsofa mit dunkelbraunem Bezug; Regalbretter, auf denen sich dicht an dicht kleine Boote säumten. Er entdeckte auch eine Flaschenpost. Durch das blaue Glas schimmerte ein Brief, sorgsam zusammengerollt. Vermutlich hatte ein Kind die Botschaft ins Meer geworfen, in der Hoffnung, dass die Flasche zu einem anderen seiner Art treiben würde. Für den Bruchteil einer Sekunde wollte er nach ihr greifen, die Nachricht lesen, seine Hand zuckte schon, als er aus den Augenwinkeln eine spöttisch lächelnde Frau sah, welche an einem Schreibtisch saß. Sofort fuhr seine Hand zu seinem Haar, als ob dies der eigentliche Grund für die Bewegung gewesen wäre. Doch Rebecca hatte ihn durchschaut. Jeden durchschaute sie. Oft genügte ihr nur ein Blick, und schon wusste sie, was ihr Gegenüber dachte, fühlte oder tun wollte.
>>Schaust du auch mal, was deine Ehefrau so in deiner Abwesenheit treibt?<< Für jeden anderen hätte dieses Lächeln überzeugend, aufrichtig und ehrlich gewirkt, doch Maxim wusste es besser. All dies war nur Fassade. Und was sich dahinter verbarg, hatte er oft genug am eigenen Leib erfahren müssen. >>Warum bist du allein? Hatte niemand deiner…Verabredungen Zeit für dich?<< fragte er barsch. In seiner Stimme lag der Spott.
>>Ach weißt du… manchmal bin ich auch gerne alleine. Das kannst du sicher gut verstehen, nicht wahr?<< Sie legte den Kopf schief. >>Ich brauchte mal etwas Zeit für mich.<< Sie sah so schön aus mit ihren glatten schwarzen Haaren, den langen, übereinandergeschlagenen Beinen und ihrem hellen, beinahe durchsichtigen Nachthemd. So verdammt schön. Plötzlich konnte er sich wieder verstehen, er wusste wieder, warum er sie zur Frau genommen hatte. Er schüttelte sich einmal kurz, und der Gedanke verschwand wieder.
>>Nun… ich habe ein wenig nachgedacht.<< Sie erhob sich. >>Und, Max, du bist in einer Zwickmühle.<< Wie sehr er es hasste, wenn sie ihn so rief. Vielleicht war dies einer der Gründe, warum sie es tat. >>Was willst du, Rebecca?<< Er sprach in einem eisigem Tonfall. Statt ihm zu antworten, lächelte sie nur resigniert, blickte an sich hinunter und legte die Hand auf ihren Bauch. Maxim öffnete entgeistert den Mund, er wollte sie anschreien, ob sie denn nicht hatte aufpassen können, aber als was er herausbrachte, war: >>Wer?<< Offensichtlich stolz darauf, ihn aus der Fassung gebracht zu haben, antwortete sie:>>Ich denke, es ist von Jack. Er war die letzten paar Monate öfters hier. Du könntest dich auch für mich freuen. Für uns. Ich bekomme ein Kind, und du darfst es dann gemeinsam mit mir großziehen.<< Er dachte nicht auch nur im Geringsten daran, sich zu freuen! Sein angeheirateter Cousin hatte seine Frau geschwängert, und jetzt sollte er den Vater spielen? Nichts da! Für einen kurzen Moment verlor er die Beherrschung. Er stieß Rebecca weg. Eigentlich hätte sie diese Bewegung mit Leichtigkeit abfangen können. Doch das tat sie nicht. Sie fiel. Ihr Kopf knallte auf den Anker ihres Segelbootes, der Je reviens.Es gab ein fürchterliches Geräusch, und  sofort war er wieder der Alte; er eilte zu ihr und wollte ihre Hand nehmen, um ihr aufzuhelfen. Er verfluchte sich selber. Er, der, der es zu den schlimmsten Verbrechen zählte, eine Frau zu schlagen, hatte eben dies getan. Doch sie bewegte sich nicht. Vorsichtig nahm er ihren Kopf in seine Hände. Sie atmete nicht; ihr Herz stand still. Rebecca war gestorben. Durch seine Hand. Doch selbst im Tod war sie noch immer so schön wie zuvor. Und ihr Lächeln jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken.
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