Erbe der Falcones

von MsRitchie
GeschichteDrama, Familie / P16 Slash
31.08.2017
29.12.2018
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Schwer seufzend betritt Commissioner James Gordon sein vollgestopftes Büro im GCPD und schaltet das Licht ein.
Die Lampe an der Decke flackert auf und erhellt den stockfinsteren Raum mit dem großen Schreibtisch, auf dem sich Akten und Papiere stapeln und eine leere Kaffeetasse thront sowie das Regal dahinter, in dem noch weitere Ordner stehen.
Er streift seinen grauen Trenchcoat ab und hängt ihn an den Kleiderständer in der Ecke, ebenso wie seinen Hut.

Danach lässt er sich auf den Drehstuhl sinken, greift in die Brusttasche seines Hemdes und zieht eine Schachtel mit selbstgedrehten Zigaretten heraus.
Er steckt sich einen der Glimmstengel zwischen die Lippen und zündet ihn an, wobei sein Blick auf die sanft tickende Uhr an der Wand ihm gegenüber fällt.
Fast 3 Uhr morgens.
Der Zugriff hatte länger gedauert, als er vermutet hatte, aber war dafür auch glimpflicher abgelaufen.
Nur wenige Tote und Schwerverletzte und auf Seiten der Polizei überhaupt keine.
Das ist eine gute Bilanz, aber er weiß, dass er sie größtenteils auch dem Dunklen Ritter zu verdanken hat, der mal wieder rechtzeitig vor Ort war und dem Spuk ein Ende gemacht hat, bevor er eskalieren konnte.
Und nun ist es vorbei.
Der Krieg, der wochenlang in Gotham tobte, die Bürger verunsicherte und den Politikern graue Haare wachsen ließ, ist beendet, die Verantwortlichen fast alle gefasst und hinter Gittern.
Der Bürgermeister wird morgen freudestrahlend vor die Pressemeute treten und es verkünden und die Kollegen können endlich damit beginnen, ihre Überstunden abzubauen.
Alles gut, er sollte zufrieden sein.
Aber etwas beschäftigt ihn…

Es klopft an der Tür und er sieht auf
„Ja?“
Ein jüngerer Beamter kommt herein und hält ihm einen schmalen Schnellhefter hin
„Commissioner? Verzeihen Sie die Störung, aber hier ist die Akte, die Sie wollten. Ergänzt mit den neuesten Informationen.“
Gordon lächelt und nimmt sie entgegen
„Danke, Forrester.“
Der junge Mann nickt ihm zu und zieht sich wieder zurück.

Der Commissioner schlägt den Schnellhefter auf und vertieft sich in die Aufzeichnungen, die jedoch nicht wirklich aufschlussreich sind.
Alles kratzt mehr an der Oberfläche und gibt ihm nicht über das Auskunft, was ihn umtreibt.
Nur Vermutungen, Andeutungen, Spekulationen.
Ein Fischen im Trüben.
Nicht sehr hilfreich.
So bleibt sein Blick an dem kleinen Passbild hängen, das oben rechts in der Ecke mithilfe einer Büroklammer befestigt worden ist.
Es zeigt einen schmalen, blassen jungen Mann, dessen schwarzes Haar zu einem lockeren Seitenscheitel gekämmt ist.
Um seine braunen Augen, die einen wachen, aufgeweckten Eindruck machen, liegen leichte Schatten.
Selbst die teure Kleidung, die nur teilweise auf dem Bild zu erkennen ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er einen beinahe kränklichen Eindruck macht.
Eine unauffällige, nichtssagende Erscheinung.
Niemand, an den man sich erinnert, wenn man ihm begegnet.
Kein Charisma, keine Stärke, keine Ausstrahlung.
Nichts.
Und die soll ein entscheidender Faktor in diesem Krieg gewesen sein?
Kaum zu glauben!

„So nachdenklich, Jim?“
Der Commissioner zuckt leicht zusammen und schaut hoch.
Wie erwartet, ragt vor seinem Schreibtisch eine großgewachsene, schwarze Gestalt auf.
Das Cape wogt um die breiten Schultern und das Gesicht ist wie immer hinter der schwarzen Maske mit den spitzen Ohren verborgen.
„Ja“, erwidert Gordon und lehnt sich zurück
„Es ist zwar alles gut gegangen und die Straßen dürften nun endlich für eine Weile wieder halbwegs sicher sein. Aber ein paar Dinge wollen sich mir noch immer nicht erschließen.“
„Welche Dinge?“
„Nun ja, alles sieht auf den ersten Blick nach einem gewöhnlichen Bandenkrieg aus. Zwei Organisationen ringen in Gotham City um die Macht. Eine alteingesessene, der Falcone-Clan, und eine neue, aufstrebende, die Gruppe um Roman Sionis, alias Black Mask. Es geht um Einfluss im Drogen- und Waffenhandel, der Hehlerei und Geldwäsche, und weiß der Teufel was noch alles. Doch einige Teile des Puzzles scheinen nicht zu passen. Und dieser hier ist einer davon.“

Gordon reicht seinem Verbündeten den aufgeschlagenen Schnellhefter und dieser studiert ihn aufmerksam.
„Das ist der Mann, den ich heute in dem Lager überwältigt habe“, sagt Batman mit seiner ruhigen, tiefen Stimme
„Er hatte eine Waffe in der Hand und war kurz davor, den anderen Mann, der dort gefesselt auf dem Stuhl saß, zu erschießen.“
„Das ist Alberto Falcone, jüngster Sohn von Carmine Falcone, verlobt mit Valentina Damfino, der Tochter eines engen Vertrauten seines Vaters“, antwortet Gordon und drückt seine Zigarette in dem Aschenbecher aus, der neben dem Telefon auf seinem Schreibtisch steht.
„Bisher ist er nie in Erscheinung getreten. Es gibt keinen einzigen Vermerk in der Polizeiakte über ihn, nur Aussagen von anderen Leuten, die sich in der Unterwelt bewegen und der Falcone-Familie nahe stehen.“
„Und was sagen sie?“

Gordon seufzt, nimmt seine Brille ab und massiert sich mit einer Hand die geschlossenen Augen
„Offenbar ist die Beziehung zwischen ihm und seinem Vater, dem ehemaligen Paten, eher schlecht, und auch das Verhältnis zu seinem Bruder  wird als – gelinde gesagt – angespannt beschrieben. Er gilt als das schwarze Schaf der Familie, hat sein Studium in Oxford nach nur wenigen Semestern abgebrochen und seit seiner Rückkehr auf Vatis Kosten gelebt. Und die sollen nicht gering gewesen sein. Zeugen sagen, Alberto führe ein recht verschwenderisches Leben und gebe das Geld gern mit vollen Händen aus, vor allem in diversen Clubs und Bars. Er ist im puren Luxus aufgewachsen, wird als arrogant und überheblich charakterisiert, ist also ein eher unangenehmer Zeitgenosse, der sich meistens mit einem Schwarm von Bewunderern und Speichelleckern umgibt, die ihm, als Sohn seines Vaters, huldigen. Allerdings soll er nicht auf den Kopf gefallen sein. Gerüchte besagen sogar, er habe sich ohne das Wissen seiner Familie innerhalb der Organisation ein eigenes Netzwerk aufgebaut, um daraus Gewinn für sich zu ziehen. Also ist er auch noch ziemlich intrigant und undankbar, selbst seinen eigenen Angehörigen gegenüber.“

Batmans blaue Augen huschen während Gordons Erzählungen über die Zeilen auf den Seiten des Schnellhefters und halten plötzlich inne.
„Was ist das?“
„Was ist was?“
„Hier ist ein Eintrag in seiner Krankenakte. Ein Aufenthalt in Arkham Asylum, der erst wenige Wochen zurückliegt. Angeblich wegen Depressionen und Alkoholproblemen. Sogar ein Selbstmordversuch ist vermerkt. Offenbar hat er versucht, sich zu erhängen.“
Batman fixiert den Commissioner
„Ein leichter Widerspruch zu dem Bild des verwöhnten, verschwenderischen jungen Mannes, der das Nachtleben in vollen Zügen genießt, findest du nicht?“
Gordon nickt müde
„Und das ist nicht der einzige.“
„Wovon redest du?“

Gordons blaue Augen bohren sich in die des Dunklen Ritters
„Der Mann, auf den er die Waffe gerichtet hatte und den er vielleicht sogar erschossen hätte, wenn du nicht rechtzeitig aufgetaucht wärst, ist sein älterer Bruder: Mario Falcone.“
Batman rührt sich nicht.
Dann hakt er nach
„Willst du damit sagen, er hat in diesem Kampf gegen seine eigene Familie intrigiert? Sich mit dem Feind verbündet? Aber wo ist da der Sinn, wenn er doch bequem auf ihre Kosten lebt? Damit vernichtet er doch seine eigene Lebensgrundlage.“
„Vielleicht hat ihm das, was seine Familie ihm gab, nicht mehr gereicht?“
„Oder er wollte sich an ihnen rächen, weil sie ihn nach Arkham schickten.“
„Oder weil sein Bruder vor Kurzem zum neuen Paten berufen wurde und nicht er.“

Der Commissioner setzt seine Brille wieder auf
„Ich glaube, mein Freund, wir werden noch ein paar wichtige Details herausfinden müssen, bevor wir diesen Fall abschließen können. Zurzeit liegt Alberto aufgrund eines Kreislaufzusammenbruchs auf der Krankenstation in Blackgate und kann nicht befragt werden. Aber ich werde gleich morgen dort anrufen, um so schnell wie möglich einen Gesprächstermin mit ihm zu vereinbaren. Vielleicht verstehen wir dann, was wirklich hinter dieser ganzen Geschichte steckt.“
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