Das Erbe der Clans

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
30.08.2017
18.02.2018
11
35798
2
Alle
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
Äh.. hallo, kennt ihr mich noch?
Ja genau, ich bin die, die noch immer mit ihrem Studium leicht überfordert ist, und mit dem Lernen nicht ganz hinterherkommt... Doch ich habe mich aufgerafft, die Uni zur Seite geschoben und mich ENDLICH diesem längst überfälligen Kapitel gewidmet! Keine Sorge, in zwei Wochen gehöre ich für kurze Zeit wieder ganz dem FanFiction-Universum.
Jetzt füttere ich euch aber mit ein paar Informationen. Zwar gibt es weniger Action, dennoch hoffe ich, die Story damit etwas in Schwung zu setzen. Viel Spaß! :3




Mit einem Klicken rastete Peters Fahrradschloss ein, das er vor der Schule abgestellt hatte. Er schwitzte, weil er praktisch jede zweite Kreuzung in Höchstgeschwindigkeit überqueren musste, um es noch vor 8 Uhr zur Schule zu schaffen. Die halbe Nacht hatte er das Buch aus der Bibliothek studiert – wie schon in der Nacht zuvor. Übermüdet war zwar nicht unbedingt der Zustand, in dem sich Mathematik am leichtesten ertragen ließ, doch diese Informationen hatte Peter geradezu aus dem Wälzer aufgesogen. Es war, als hätte er auf einmal Justus‘ Hobby angenommen, jedes kleinste Detail aus einer Quelle zu sammeln, was den zweiten Detektiv ja selbst verwunderte. Und je mehr er erfuhr, desto sicherer war er sich, Justus auf keinen Fall von dem Buch und dem Vorfall in Los Angeles zu erzählen, obwohl es ihm auf der Zunge lag.
Er wusste Dinge, die allen anderen vorbehalten blieb – ein seltsames Gefühl von Macht breitete sich in ihm aus, das Justus wohl auch immer hatte, wenn er ihn und Bob bei der Aufklärung eines Falles lange auf die Folter spannte. Er freute sich auf das bevorstehende Wochenende, an dem er endlich Zeit haben würde, Schlaf nachzuholen.
„Guten Morgen, Peter“, begrüßte Sam ihn, als sie vor dem Haupteingang aufeinandertrafen.
„Geht es dir besser? Du warst gestern nicht in der Schule, und hast auch nicht gesagt, du wärst krank. Besonders gut siehst du auch nicht aus, wenn du mich fragst.“
Sam deutete auf Peters Augenringe und sah ihn mitleidig an.
„Ach, weißt du, ich hab mich einfach nicht gesund gefühlt. Lieber lasse ich einen Tag Schule ausfallen, als mich krank hierher zu schleppen“, improvisierte Peter in fast perfekter Detektiv-Manier. Sams Augenbraue hob sich skeptisch, und Peter begann, etwas mehr zu schwitzen. Eigentlich hätte er sich denken können, dass man ihn immer noch gut durchschauen konnte. Offenbar hatte seine neu gewonnene Freundin nicht vor, ihn weiter darauf anzusprechen, denn sie setzten ihren Weg zum Klassenzimmer schweigend gemeinsam fort.
„Hast du heute schon was vor?“, hörte Peter sich selbst sagen. Woher diese Worte kamen, war ihm selbst ein Rätsel. Vielleicht war es das schöne Wetter, denn Kalifornien zeigte sich heute von seiner besten Seite. Oder es war dieses seltsame Gefühl, das Peter bekam, wenn er daran dachte, selbst und ohne Justus Ermittlungen anzustellen. Dieser würde ihm sowieso nie glauben, mal davon abgesehen, dass ihm die Hieroglyphen in dem Buch nichts nützen würden. Vielleicht war es aber auch das Mädchen neben ihm – ihr angenehmer Geruch, ihr Haar, das ihr etwas blasses Gesicht umspielte…
Stirnrunzelnd suchte Peter einen Grund für seine Gedanken, die seit kurzem von einem Thema zum anderen sprangen.
Aber noch komischer war mehr die Art und Weise, wie Peter dachte. Wann immer seine Gedanken zu Sam wanderten, sah er nicht ihr Gesicht vor sich, oder stellte sich ihre Stimme vor, wie es bei Kelly vor vielen Jahren gewesen war. Viel eher war es das warme Gefühl, das sie ihm gab, wenn sie bei ihm war. Er fühlte sich wohl in ihrer Nähe, sicher, und endlich auch geachtet. Sein Vater, Kelly, Justus… für sie alle war er eben meistens ein Nichts, eine Person im Hintergrund. Ernst genommen zu werden, kam da nicht oft vor. Für seinen Vater musste er der perfekte Sohn sein, der auf die beste Elite-Universität der USA gehen würde. Für Kelly war er der Vorzeigefreund gewesen, der einfach nur gut auszusehen hatte. Und in ihrem Detektiv-Team wurde Peter meistens vorgeschickt, um die Aufgaben zu bewältigen, die nicht so viel Grips, sondern mehr Muskelkraft erforderte – bei manchen Fällen fragte Peter sich entweder, ob seine Existenz überhaupt ausschlaggebend für den Ausgang derselben war, und manchmal auch, ob Justus ihn absichtlich ins Messer lieferte, um nicht selbst den Schwerverbrechern über den Weg zu laufen, um Beweise zu sammeln.
Normalerweise wurde Peter nie gefragt, ob es ihm gut ging, oder wurde darauf angesprochen, dass er unangekündigt gefehlt hatte; Sam hatte es damit geschafft, seine Laune für den heutigen Tag deutlich zu heben. Ihre Persönlichkeit unterschied sich von denen seiner bisherigen Bekanntschaften. Vermutlich lag das daran, dass sie nicht die typische kalifornische Mentalität hatte, die fast alle in diesem Staat zu gleichgültigen Menschen heranerzog – vielleicht lag das ja an der Sonne oder den Temperaturen.
„Eigentlich nein, ich habe nichts vor. Willst du wohl etwas unternehmen? Obwohl du so krank bist?“
Peter verdrehte die Augen. Ja, sie hatte ihn durchschaut, das war eindeutig.
„Ich bin eigentlich nicht krank.“
„Ach so?“
Peter warf ihr einen strengen Blick zu, doch Sam hatte den Kopf nach vorn gerichtet. Ein belustigtes Lächeln umspielte ihre Lippen; anlügen konnte man sie nie im Leben.
„Ich weiß selbst, dass Schwänzen scheiße ist. Aber… sagen wir’s mal so, ich war beschäftigt mit… unserem neuen Fall. Justus will bis zum Wochenende Ergebnisse von unseren Recherchen sehen, und da hab ich gedacht-“
Sie hatten das Klassenzimmer fast erreicht, als Sam neben ihm stehenblieb.
„Dir ist klar, dass ich weiß, wenn du lügst, oder?“
Ihre blauen Augen sahen Peter skeptisch an und schickten einen kalten Schauer über seinen Rücken.
„Ich… Gut, das ist nicht die ganze Wahrheit. Ich erzähl es dir nachher, okay? Um 4 bei mir zuhause?“
Sam schmunzelte und nickte schließlich, bevor sie das Klassenzimmer endlich betraten, keine Sekunde zu früh; die Schulglocke ertönte in dem Moment, in dem Peter sich setzte. Nur hatte er sich damit wieder ein neues Problem eingehandelt: Wenn er schon seinen Freunden nichts von dem Buch erzählen konnte, wie sollte er es dann Sam verschweigen? Sie konnte Lügen ja offenbar zehn Meter gegen den Wind riechen. Irgendwie gruselig.


Ein anstrengender Schultag ging zu Ende, und die Sonne Kaliforniens legte eine drückende Hitze über Rocky Beach, als Sam an Peters Haustür klingelte. Selten war der Detektiv so aufgeregt gewesen, und er dankte sämtlichen höheren Mächten dafür, dass er eben nicht mit einem Reizdarm gesegnet worden war – jede von Justus angeordnete Überwachungsaktion wäre buchstäblich in die Hose gegangen. Nervös schüttete er die Drinks in die Gläser. Es war einfach zu viel für sein kleines amerikanisches Gehirn, mit dem er klarkommen musste. Da war das Buch, dann die Tatsache, dass er sich mit keiner Person auf der Welt mehr verstand, außer mit der neuen aus seiner Klasse, und die ständigen Träume, die er hatte.

„Die Tür ist offen!“, rief er aus der Küche Richtung Flur, und er hörte, wie Sam hereinkam.
Mit einem Lächeln erschien die im Türrahmen zur Küche und begrüßte ihn.
„Mein Vater ist wie immer nicht Zuhause. Wollen wir zu mir nach oben gehen?“
„Klar, gerne. Ich hab meine Aufzeichnungen von gestern dabei, falls du sie abschreiben willst. Es sei denn, du willst nicht nachholen, was du versäumt hast?“
Kurz wog Peter ab, ob er überhaupt wissen wollte, was in den geschwänzten Stunden abgegangen war, aber wahrscheinlich war er einfach zu brav, um zu ignorieren, dass er in einigen Fächern wirklich auf der Kippe stand.
„Danke, Sam. Geh doch schon mal hoch, ich hol noch etwas zu Knabbern. Die zweite Tür auf der rechten Seite.“
Sie nickte und nahm dankbar die Cola an, die Peter ihr reichte, bevor sie aus der Küche verschwand und die Treppe nach oben lief.

Bevor Peter ihr folgte, nahm er noch eine Packung Kekse auf dem Naschschrank. Es war seltsam, wieder Besuch im Haus zu haben; Bob und Justus waren die einzigen, die ab und an mal hier waren, und Kelly hatte sich hier schon sehr lange nicht mehr blicken lassen. Keiner kannte diese Residenz besser, als Peter – er zweifelte sogar daran, dass sein Vater wusste, wo sich zum Beispiel der Sicherungskasten befand. Seine Mutter war die typische Hausfrau gewesen, während sein Dad kaum Zeit hier verbracht hatte. Peter konnte im Schlaf sagen, dass die vierte Stufe von unten knarzte, weil das Holz am Rand etwas locker saß. Er wusste, dass unter dem Dach hin und wieder Fledermäuse nisteten und die Marder fernhielten. Und er wusste von dem Loch in der Hecke im Garten hinter dem Haus, das auf einen Pfad führte, der alle Grundstücke der Straße und die der Parallelstraße miteinander verband. Aber trotzdem war sein Elternhaus nie das Zuhause, das er sich erträumen würde, auch wenn er es eigentlich ganz gut hier hatte. Irgendetwas tief in seinem Inneren zog ihn weit weg von hier, in die große weite Welt…
Doch vorher musste er sich mit Albernheiten wie Schule und Pubertät herumschlagen.

Er knabberte an seinem Schokokeks, als Peter die Tür zu seinem Zimmer öffnete und eintrat, doch noch bevor er den Bissen kauen und schlucken konnte, erstarrte er mitten in seiner Bewegung. Sam stand vor ihm. Sie hob den Blick, als sie ihn bemerkte, und ihre Miene war so ernst wie noch nie. Schon fast streng. Nicht das Lehrerinnen-Nachsitzen-streng… sondern das ‚was-in-aller-Welt-hast-du-getan‘ -streng.
In ihren Händen hielt sie das große schwere Buch mit dem schwarzen Einband, aufgeschlagen auf einer beliebigen Seite in der Mitte.

Ein Schokokrümel bröselte lautlos von seinem Mundwinkel auf den Boden.

Es war wohl doch nicht ganz so schlau gewesen, den Wälzer auf seinem Bett herumliegen zu lassen, bevor er das Haus heute Morgen verlassen hatte.
Deutlich hörbar schluckte er seinen Keks, der auf einmal nicht mehr so schokoladig schmecken wollte, wie zuvor…

„Wo zur Hölle hast du das her?“
Sams Stimme war nicht mehr als ein bedrohliches Flüstern. Ihre blauen Augen waren eisig, fixierten den zweiten Detektiv, und ließen keine Ausreden zu. Sein Blick wanderte zwischen den vergilbten Seiten und ihrem Gesicht hin und her, wagte es nicht, sich zu rühren.
„Du… du weißt, was das ist?“
Mehrere Herzschläge lang starrten sich die beiden einfach nur an, die Luft zwischen ihnen schien zu knistern. Sams Augenbraue zuckte angespannt, die Wut stand ihr ins Gesicht geschrieben. Sie schlug das Buch zu und warf es auf Peters Bett, verschränkte die Arme und kam ihm immer näher.
„Woher, Peter?!“
Sein Name klang aus ihrem Mund auf einmal wie eine Beleidigung, und Peter kam nicht umhin, sich zu fragen, was er dem Universum nun wieder getan hatte, um den Hass eines Mädchens auf sich zu ziehen, das er gerade erst kennen gelernt hatte.
Sam stand nun genau vor ihm, das Kinn mutig erhoben – sie war etwas kleiner als er – und langsam kroch die Angst unter Peters Haut.

„I-Ich hab es aus der Bibliothek in L.A., als Justus uns dort hin geschleift hat… zur Recherche!“
„Und du willst mir erzählen, es lag einfach so herum, ja?“
„Nein – Ja! Ach, ich weiß nicht, es stand einfach so im Regal und-“
„In welchem Regal?!“
„Was?“
„In welchem Regal, Peter?“
Sam hatte seine Arme gepackt und sah ihn mit weit geöffneten Augen gespannt an.
„Das weiß ich doch nicht mehr… und warum ist das so wichtig? Weißt du etwa auch etwas darüber? Über die Clans, meine ich?“
„Keine Gegenfragen, Shaw! Ich flehe dich an, du musst mir erzählen, wie du an das Buch gekommen bist!“

Doch Peter blieb hartnäckig. Wenn sie Informationen hatte, die ihm halfen, dann brauchte er sie um jeden Preis!
„Sam, sag mir bitte, was du darüber weißt! Ich muss wissen, was darin steht, ich will es verstehen!“
Sams Augen wurden schmal. Sie schien zu überlegen, was nun die beste Strategie war, was nun die beste Wortwahl wäre.
„Was willst du wissen?“
Sam war ganz offensichtlich nicht einverstanden damit, ihm Rede und Antwort zu stehen.
„So ziemlich alles, was die Clans betrifft. Ich meine, interessierst du dich auch so dafür, wie Alex?"
Sam schwieg eisern. Und sehr lange...
„Du… Du bist auch eine… von ihnen, oder?“
„‘Eine von ihnen?‘ Falls du fragen willst, ob ich eine Kriegerin bin – ja. Und ich werde dafür sorgen, dass niemand in Rocky Beach mehr erfährt, als er soll…“

---

„Du kennst dich ja aus, Justus. Viel Spaß bei… was auch immer du suchst. Du wirst wissen, was du da tust. Gutes Gelingen wünsche ich.“
„Danke, Kommissar Reynolds.“
Der Polizeichef nickte und nippte an seinem Kaffee – der achten Tasse an diesem betont langweiligen Freitagabend. Die Stadt war ruhig geblieben, was ihm nur recht sein konnte. Er verließ den Raum – sein Büro – um die letzte Streife für diesen Tag zu fahren.
Justus ließ sich in dem ausgesessenen Ledersessel nieder, der unter seinem Gewicht etwas bedrohlich quietschte, und legte sich seine Arbeitsunterlagen zurecht. Stift, Schreibblock, Zwei-Liter-Colaflasche. Natürlich mit Zucker.
Der Kommissar hatte nach seiner Anfrage zugesagt, dem Ersten Detektiv Zugang zu seinem Computer und damit auch dem riesigen Netzwerk aus Personendatenbanken zu geben. Mit etwas Glück musste er hier nicht die halbe Nacht verbringen, doch wenn sein Bauchgefühl ihn nicht täuschte – was es selten tat – dann würde er hier mehrere Stunden sitzen.

Punkt Nummer 1: Eine Karte vom Wald finden. Justus musste unbedingt herausfinden, auf welcher Route die drei im Wald umhergeirrt waren und wo die schließlich jedes Signal und die Orientierung verloren hatten. Der Computer hatte zwar nicht gerade Ausstattungen riesiger NASA-Server, dennoch brachten ihn IKONOS-Aufnahmen viel weiter als billige Google Maps-Karten.
Fast zwei hochkonzentrierte Stunden klebte Justus am Bildschirm, druckte sich die Satellitenbilder hochaufgelöst aus und zog mit rotem Marker ihre Wanderroute so genau wie möglich. Zu seinem Leidwesen war die Anstalt unter dem dichten Blattwerk nicht zu entdecken, und so musste Justus sich voll und ganz auf sein Erinnerungsvermögen verlassen, welches selbstverständlich ausgezeichnet war. Es war schockierend, wie wirr die Linie auf der Karte aussah. Sie waren mehrmals im Kreis, in Schlangenlinien und ohne Ziel umhergelaufen. Nun hatte Justus aber wenigstens einen Plan, wie sie richtig laufen konnten, und das wollte er unbedingt an diesem Wochenende noch hinter sich bringen. Ja, Sport war nicht sein Spezialgebiet, aber dieses Sanatorium zog sein Interesse auf sich, wie schon lange kein leerstehendes Gebäude mehr. Gut, er konnte nicht einmal sicher sein, ob dort wirklich ein Fall auf sie wartete. Aber allein die Vermutung, dass irgendwo in diesem Gebäude mindestens zwei Straftaten begangen wurden, unter anderem schwere Körperverletzung, musste untersucht werden. Kommissar Reynolds hatte von all dem keine Ahnung. Er wusste noch nicht einmal, dass dort ein Sanatorium existierte, selbst als Justus ihn darauf angesprochen hatte.

Punkt Nummer 2 betraf Sam. Nicht, dass Justus es riechen könnte, wenn etwas im Busch war, doch er wollte es einfach nicht glauben. Es passte ihm einfach nicht, dass ein Mädchen Einfluss in das Leben seiner Kollegen hatte, obwohl man sich nicht einmal richtig kannte. Und einige Dinge, die sie behauptet hatte, waren ebenfalls nicht ganz stimmig. Sie meinte, sie käme aus einer schlechten Ecke in London. Dann wäre ein Leben in der Villengegend von Rocky Beach absolut unerschwinglich. Das Haus war angeblich das einer Verwandten gewesen. Einer Verwandten, die ihr und ihrer Familie offenbar nicht finanziell helfen konnte, während Sams Eltern noch am Leben gewesen waren.

Seine Finger flogen über die Suchzeile der weltweiten Datenbank, dann kam die Datenbank der Einwanderer. Jeder der die Vereinigten Staaten legal betreten hatte, jeder Verbrecher, jeder, der einen Führerschein hatte…

-WILLIAMS, Samantha-

Wenn das überhaupt ihr richtiger Name war.
Natürlich war dieser Name keine Seltenheit. Doch Justus erweiterte die Suche: blaue Augen, braunes Haar, Körpergröße. Dann klickte er jedes Ergebnis weg, bei dem das Bild nicht auf Sam zutraf – was sehr viele Klicks bedeutete. Und je weiter die Nacht voranschritt, desto ungeduldiger wurde er. Die Verbrecherkartei ergab keinen Treffer, genauso wenig wie die Einwandererdatenbank oder die der Führerscheine. Also war sie entweder illegal im Land oder hatte – wie er es vermutete – ihren Namen geändert. Das war die einzige Erklärung, es sei denn, die weltweite Suche ergab noch etwas.
Aber welchen Grund gab es für eine junge Erwachsene, ihren Namen und ihre Identität zu verschleiern?
Natürlich dachte Justus sofort an ein Verbrechen, doch dieses Mädchen… sie schien etwas Gutes an sich zu haben, etwas Weises. Vielleicht konnte man nicht alle über einen Kamm scheren. Das Zeugen-Schutz-Programm kam ihm in den Sinn. Auf solche Geheimakten hatten allerdings nur höhere Bundesbehörden Zugriff, dazu müsste Justus sich vermutlich erst einmal selbst ins Pentagon einschleusen – was absolut unmöglich war.
Sicher war, dass sie ein neues Leben beginnen wollte. Trotzdem klang ihr Akzent nicht amerikanisch, also musste sie aus einem anderen Land stammen. Alle Bilder von Einwanderern durchzugehen, was zwar nicht völlig unmöglich, würde Justus allerdings bestimmt mehrere Monate seines jungen Lebens kosten. Nein, die schnellste Möglichkeit, an die Antwort zu kommen, war noch immer die, Sam selbst zu fragen.
Eines musste Justus ihr allerdings lassen: Ihre Tarnung spielte sie außerordentlich gut. Fast so, als wäre die schon lange an die Rolle der Samantha gewöhnt…

Gerade, als Justus mehr oder weniger erfolgreich die Programme schließen und den Computer herunterfahren wollte, poppte ein Fenster auf dem Bildschirm auf. Die Datenbank war von einer Bundesbehörde zur Suche von regierungsgefährdenden Personen ins Leben gerufen worden, und auch hier hatte Justus auf gut Glück sämtliche Attribute der jungen Frau eingegeben. Es stand kein Name auf der Kartei, also wusste selbst Big Brother nicht, wer sie war… doch er hatte die mit einer Überwachungskamera erfasst. Justus‘ Miene hellte sich sichtlich auf; Es war Sam, die da vorbeihuschte, keine Frage!
Ein breites Grinsen schlich sich auf seine Lippen, wohl wissend, dass er nun etwas hatte, um Sam ins Eck zu drängen. Sie war nicht so unschuldig, wie sie tat. Der Erste Detektiv hatte Recht behalten, dass sie etwas verbarg. Zwei Fälle auf einmal waren zwar selten gut, doch es half nichts; Justus‘ Spürsinn war geweckt.
Wer ist sie?
Und was hat sie verbrochen, dass sie bundesweit gesucht wird?
'