Hüte Dich vor dem gelangweilten Vala!

GeschichteAllgemein / P12
Celeborn Erestor Glorfindel Legolas Namo von Mandos Thranduil
30.08.2017
30.08.2017
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So für zwischendurch habe ich gestern Nachmittag diese kleine Kurzgeschichte von ERESTOR für Euch übersetzt. Ich habe mich bei der Auseinandersetzung mit dem Text köstlich amüsiert, für die Betroffenen war es allerdings - sprichwörtlich - ein echter Alptraum, und zwar wirklich von der fiesesten Sorte!

Das englische Original könnt Ihr hier finden:

http://www.wozupdoc.net/erestor/standalone.html

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Hüte Dich vor dem gelangweilten Vala!

„Mir ist langweilig,“ stellte Lórien fest, pflückte die Blätter einer Rose ab, die er in den Hand hielt und murmelte: „Ich langweile mich, ich langweile mich nicht,“ immer und immer wieder. Und das tat er nun schon seit annähernd zwei Stunden, begleitet wurde diese Aktion von Seufzen und Gähnen, und mittlerweile war sogar Námos Geduld am Versiegen.

„Du bist der Herr der Träume – irgendwie fällt es mir schwer, zu verstehen, wie Du gelangweilt sein kannst.“

„Hört! Hört! Du siehst immer wieder Schlachten und Dramen. Und ich? Errötende Elfchen, die von dummen Elfen träumen. Zugegeben, als Celeborn noch jung und nicht verheiratet war, war das etwas anderes. Fast in jeder Nacht gab es einen Skandal in Lothlórien, aber jetzt? Seit er sich niedergelassen hat, ist Lothlórien so aufregend wie eine von Meister Erestors Reden. Langweilig. Lang-wei-lig.“

Námo liess seine Augen rollen.

„Also bitte, ja, so schlimm kann es doch auch nicht sein. Tu etwas Nützliches. Mach einen Spaziergang. Kümmere Dich um Dein Reich. Oder beschere jemandem einen süssen Traum. Wenn Du nur aus meinem Studierzimmer und aus meinen Zöpfen verschwindest, ich habe viel zu tun.“

Lórien schmollte, stand auf und warf die ruinierte Rose zur Seite.

„Na schön. Wunderbar. Ich bin überhaupt nicht verletzt, weil Du, mein liebster Freund, durch meine Anwesenheit verärgert bist. Ich werde Dich Deiner wichtigen Arbeit überlassen, was vermutlich das Beobachten dieses langweiligen Halb-Elfen sein wird, wenn er nackt im Bruinen badet. Kein Problem, ich werde gehen. Nicht nötig, mich zur Tür zu bringen.“

Damit verliess er den Raum, gefolgt von Námos trockenem Lachen, denn der Vala des Todes war nicht im Geringsten vom melodramatischen Abgang seines Freundes beeindruckt.

Ausserhalb von Námos Schreibzimmer begann Lórien zu maulen und wütend zu werden.

„Kümmere Dich um Dein Reich!“ äffte er nach. „Tu etwas Nützliches! Beschere jemandem einen süssen Traum!“

Dann hielt er jedoch in seinem Schritt inne und überdachte die Situation für einen Moment.

„Süsse Träume sind langweilig. Aber eine Jungfrau mit einem unangemessenen Traum zum Erröten bringen – das könnte Spass machen. Oder . . . .“

Plötzlich erschien ein grosses Grinsen auf dem Gesicht des Vala. Dann rieb er sich die Hände und machte sich schnell auf den Weg in seine eigenen Räume.

Er hatte viel zu tun heute Nacht . . . .

**********

„Stimmt etwas nicht, meine Dame?“ Celeborn fragte, ohne von der Nachricht aufzusehen, die er gerade erhalten hatte. Sein Gesicht trug einen sehr missmutigen Ausdruck, denn der Herr des Goldenen Waldes mochte es überhaupt nicht, gestört zu werden, während er seine Morgenpost durchsah. Und Galadriel hatte ihn mit dem Trommeln ihrer Fingerspitzen auf seinen Tisch unterbrochen.

„Nein, ganz im Gegenteil, geliebter Ehemann.“

Galadriel beugte sich nach vorne, und ihre Morgenrobe öffnete sich an der Front etwas, enthüllte damit ein Dreieck aus perfekter, milchweisser Haut. Sie fuhr mit ihrem Zeigefinger über den Rand ihres Glases, der mit süssem Wein gefüllt war und schlug ihre Wimpern nieder.

„Es ist so ein schöner Tag – ich habe mich gefragt, ob nicht Du und ich einen kleinen Spaziergang im Wald machen könnten?“

Der einzige Teil in Celeborns Gesicht, der sich bewegte, war seine linke Augenbraue, die sich nun in Richtung seines Haaransatzes wölbte.

„Ein Sapziergang im Wald? Aber meine liebe Dame – es gibt so viel zu tun. Wann könnte ich denn für so etwas Zeit finden? Ausserdem – ich weiss, wie meine Bäume aussehen, also gibt es keine Notwendigkeit für einen Spaziergang. Wenn man einen Baum gesehen hat, hat man alle gesehen.“

„Aber Celeborn, wir verbringen gar keine gemeinsame Zeit mehr miteinander. Kannst Du die Arbeit nicht einmal für einen einzigen Tag ruhen lassen?“

„Mein liebes Eheweib – Du kannst mich jetzt unmöglich dazu auffordern, wegen einer so trivialen Angelegenheit meine Pflichten gegenüber diesem Reich und seinen Bewohnern zu vernachlässigen! Ich muss sagen, ich bin sehr überrascht!“

Galadriel schmollte, dann versuchte sie noch einmal, die Aufmerksamkeit ihres Gatten zu erregen, dessen Augen bereits wieder auf die Schriftrolle geheftet waren, die er in der Hand hielt.

„Wir könnten ja auch drinnen bleiben,“ schnurrte sie und streckte ihr Bein aus, um dann mit ihrem Fuss Celeborns Knöchel zu streicheln. „Du wirst dann vielleicht noch überraschter sein . . . .“

Celeborn schob seinen Stuhl vom Tisch weg und sah angewidert seine Frau an.

„Jetzt ist es aber genug, Galadriel! Ich kann einfach nicht glauben, was Du hier gerade vorschlägst!“

„Aber Liebling – wir haben jetzt seit über 5000 Jahren keine körperlichen Freuden mehr miteinander geteilt!“

„Natürlich nicht! Wir sind verheiratet! Wir haben eine Tochter! Du weisst sehr gut, dass Elfen ihre Körper nur miteinander teilen, um für Nachwuchs zu sorgen! Nun hör endlich damit auf, Dich wie ein Elfling zu benehmen und iss Dein Frühstück!“

Damit kehrte er zu seiner Schriftrolle zurück, und Galadriel weinte leise in ihren Porridge.

**********

Erestor las die Schriftrolle vor sich auf dem Tisch durch, fügte am Schluss einige Kommentare hinzu und legte dann das Dokument an die Seite, damit die Tinte trocknen konnte. Dann nahm er eine weitere Rolle zur Hand, studierte sie, kommentierte sie und legte sie anschliessend zu der letzten Rolle. Und so weiter. Schriftrolle auf Schriftrolle. Tagein, tagaus. So hatte er es von morgens bis abends getan, seit mehr Jahrhunderten, als er sich eingestehen wollte. Nun streckte er seine Arme aus, um die Muskeln zu entspannen, die vom Arbeiten völlig verspannt waren, wo er über seinem Schreibtisch zusammengesunken da gesessen hatte. Auch seine Augen taten ihm weh – so viele Nächte, die er mit Lesen bei flackerndem Kerzenlicht zugebracht hatte, taten ihm auch nicht gerade gut. Als er auf seine Finger hinunter sah, sah er ärgerlich die vielen Tintenflecken daran.

Die Tür öffnete sich, und eine ernst dreinblickende Dame kam herein. Ihr dunkelbraunes Haar wurde sicher von einer hölzernen Spange vom Gesicht ferngehalten und sie hielt ein Baby in ihrem Arm. Zwei kleine Kinder, ein Junge und ein Mädchen, klammerten sich an ihre Roben.

„Du arbeitest immer noch? Hast Du vergessen, dass heute Loriels Zeugungstag ist? Das wollten wir eigentlich feiern!“

Erestor zuckte bei dem scharfen Ton zusammen, beugte jedoch entschuldigend seinen Kopf.

„Bitte vergib mir, mein liebes Weib. Ich würde natürlich niemals den Tag vergessen, an dem unser ältester Sohn empfangen worden ist. Ich werde in ein paar Minuten bei Euch sein. Ich muss nur noch diese eine Rolle für Lord Elrond fertigstellen.“

„Lord Elrond, Lord Elrond . . . . Du wirst Dich für Deinen Lord Elrond eines Tages noch zu Tode arbeiten. Ist er dankbar? Nein. Hat er auch nur einmal in den letzten beiden Jahrhunderten Dein Gehalt erhöht? Nein. Also wirklich, Erestor, ich wünschte, Du würdest endlich einmal mit ihm reden.“

Erestor rieb sich die Augen und zwickte sich in den Nasenrücken. Es war nicht das erste Mal, dass er mit seiner Frau diese Diskussion führte, und er wusste bereits, wie sie ausgehen würde. Ohne Zweifel würde sie jeden Moment auf Lord Glorfindel zu sprechen kommen. Und in der Tat . . . .

„Ich verstehe das wirklich nicht. Du machst die ganze Arbeit, und andere ernten die Früchte. Sieh Dir nur mal Lord Glorfindel an – ich meine, wissen wir denn wirklich genau, dass er ein Balrog-Schlächter ist? Jeder könnte hier auftauchen und behaupten, er sei ein wiedergeborener Held des Ersten Zeitalters! Wenn Du mich fragst, dann ist er nur ein schlauer junger Elf, der vom guten Willen und der Naivität der Leute hier lebt, und wenn es nach mir ginge, dann würde er . . . .“

„Wie ich schon sagte, meine liebe Frau, ich muss meine Arbeit hier zu Ende bringen, dann komme ich zu Euch.“

Seine Frau schnaubte, dann scheuchte sie die beiden Kinder aus der Tür und justierte das Baby neu, das in ihren Armen zu weinen begonnen hatte. Der Kopf des Jungen erschien im Türrahmen. Er zeigte dem Vater seine Zunge und zog eine Grimasse.

„Ah ja – ich verstehe, der grossartige Ratgeber weiss es besser als seine arme, dumme Frau. Nun gut, mach, was Du willst. Komm nur nicht nachher zu mir und beschwere Dich darüber, dass Du so viel arbeiten musst.“

Damit rauschte sie aus dem Raum, und einmal mehr seufzte Erestor, dann wandte er sich erneut seiner Schriftrolle zu. Bevor er jedoch die Feder mit dem Papier in Berührung bringen konnte, klopfte es an der Tür. Verärgert sah er auf und bellte: „Nun komm schon rein!“

Herein kam der zuvor bereits erwähnte Lord Glorfindel, an einem Apfel kauend. Ohne viel Aufhebens setzte er sich auf Erestors Schreibtisch, verschmierte die Tinte auf den Schriftrollen, die dort zum Trocknen lagen und schob ein Buch über den Rand, sodass es mit einem lauten „Plumps“ auf den Boden fiel.

„Glorfindel! Wie oft habe ich Euch schon gesagt . . . .“ begann er, aber der andere Elf unterbrach ihn und drohte ihm mit dem Zeigefinger.

„Ah, ah,ah, Meister Erestor – das heisst Lord Glorfindel für Euch, habt Ihr das schon vergessen? Ich bin der berühmte Balrog-Schlächter und verdiene angemessenen Respekt.“

Im Stillen dachte Erestor, das, was dieser Elfling verdiente, war einmal ordentlich den Hintern versohlt zu bekommen, aber er hielt seine Zunge in Zaum.

„Also gut, Lord Glorfindel. Was kann ich für Euch tun?“

„Oh, viel, hoffe ich. Lord Elrond ist mit mir einer Meinung, dass ein elfischer Edelmann von meinem Ruf einen persönlichen Assistenten benötigt. Auch wenn Ihr sicherlich nicht gerade der glänzendste Elf in Bruchtal seid und so unterhaltsam wie eine vertrocknete Zitrone, so habt Ihr dennoch eine annehmbare Handschrift, also werdet Ihr erfreut sein, zu hören, dass die Ehre, meine Biografie zu schreiben, die Eure sein wird.“

Er klatschte in die Hände, rieb sie und wackelte vor dem schockierten Berater mit seinen Augenbrauen.

„Ich sehe es, Ihr seid überwältigt vor Freude. Nicht, dass mich das überrascht. Also gut dann – lasst uns direkt beginnen! Bitte schreibt: 'Die Erzählung eines Helden – die Memoiren von Glorfindel von Gondolin.' Das ist der Titel. Er ist sehr fesselnd, oder?“

„Sehr,“ stotterte Erestor, als die Spitze seiner Feder über das Pergament kratzte.

„Ich sehe, Ihr habt mehr Geschmack, als ich dachte. Nun zum ersten Satz – der Anfang ist immer der schwierigste Teil eines Buches, müsst Ihr wissen. Nun schreibt: ' Mein bemerkenswertester Charakterzug war von jeher meine Bescheidenheit . . . .“

**********

„Legolas! Legolas! Euer Vater wünscht, Euch zu sehen, kommt mit, sofort!“

Von Thranduil herbei zitiert zu werden war ein Befehl, der keinen Widerspruch duldete, nicht einmal in den grauen Stunden eines frühen Morgens nach einer sehr wilden Nacht. Legolas sprang aus dem Bett, schlüpfte in seine Kleidung und eilte aus der Tür, ohne einen Blick zurück auf seine Bettpartnerin zu werfen, die noch immer schlief.

Er folgte dem Bediensteten durch lange Korridore, bis er endlich an der Tür zu Thranduils Grosser Höhle stand. Sein Vater wartete bereits auf ihn, er trug eine Morgenrobe und ein paar riesige Slipper aus Wargfell. Er wurde umringt von seinen Wachen und seinen Beratern.

„Legolas! Wärest Du wohl so höflich, mir das hier zu erklären?“

Der Sohn von Thranduil sah geistig abwesend aus, als er auf den riesigen Gegenstand starrte, der den Hauptweg zur Grossen Höhle blockierte. Er sah sich das Ding von unten an, von oben an, dann kratzte er sich am Kopf und zuckte mit den Schultern. Er balancierte auf seinen Fusszehen, um die Karte lesen zu können, die mit einer grossen roten Schleife an dem Gegenstand angebracht worden war.

„Für Legolas,“ las er laut vor, „von einem stillen Verehrer.“

„Legolas!“ schrie Thranduil erneut, die Arme über seiner Brust gekreuzt und sein Fuss ungeduldig auf den Boden tappend. „Was ist das?“

„Nun, von da, wo ich stehe, sieht es wie ein Pferd aus.“

„Schlauer Junge. Und könntest Du mir bitte als Nächstes erklären, warum ein gigantisch grosses hölzernes Pferd den Eingang zu meinem Zuhause blockiert?“

Erneut zuckte Legolas mit den Schultern.

„Vielleicht ist es ein Geschenk von Èomer?“

In der Zwischenzeit kam, von Legolas unbemerkt,eine schmale Gestalt durch die Haupttür der Grossen Höhle herein geschlurft, gähnte und klammerte sich an ein Leinenlaken, das ihren sonst nackten Körper bedeckte und hinter ihr auf dem Boden schleifte, wo es verwelkte Blätter mit sich nahm. Die Frau war sehr hübsch, ihr blondes Haar fiel wie ein Wasserfall über ihre nackten Schultern, und nun blieb sie hinter Legolas stehen und legte ihre Hände über seine Augen, wobei sie das Laken loslassen musste.

„Juhu – Liebling – rate mal, wer es ist!“ kicherte sie. Legolas machte einen Sprung, als sei er gerade auf einen Skorpion getreten, wirbelte herum und starrte die Frau an, die eine grosse Schau daraus machte, das Laken wieder aufzuheben und um ihren Körper zu wickeln. Dann zeigte sie auf Thranduil, der inzwischen dunkelrot geworden war und mit in die Seiten gestemmten Armen vor seinem Sohn stand wie ein rachsüchtiger Gott aus alten Zeiten.

„Oh, noch ein süsser kleiner Elf! Möchtest Du mich nicht vorstellen, mein Schatz?“

„Sire,“ flüsterte Thranduils oberster Berater ihm zu, „ich habe die Befürchtung, dass wir hier ohnehin eine etwas prekäre Situation haben . . . .“

Thranduil sah das Pferd an, seinen Sohn, die Frau, und dann wieder das Pferd.

„Ich erwäge, Euch zuzustimmen,“ maulte er.

„Sire,“ begann der Ratgeber, aber Thranduil schnitt ihm das Wort ab.

„Bevor wir irgendetwas anderes tun, schafft dieses Ding hier weg!“

„Selbstverständlich, Sire, aber . . . .“

„Unterbrecht mich nicht! Tut, was man Euch gesagt hat!“ bellte der König.

„Sollen wir es in die Grosse Halle bringen?“

„Ist denn inzwischen jeder hier verrückt geworden?“ Thranduil heulte und warf seinem Ratgeber einen bösen Blick zu. „Schickt Elrond dieses hässliche Ding. Nächste Woche ist sein Zeugungstag, so spare ich mir das Gold für ein Geschenk.“

Die Wachmänner vom Düsterwald begannen damit, das riesige Pferd wegzuschieben, und der Berater machte einen letzten Versuch, die Aufmerksamkeit seines Herrn zu erregen.

„Sire – es ist wirklich wichtig. Da ist jemand, der Euch zu sehen wünscht. Er sagt, sein Name sei Achilles und es ginge um einen gestohlenen Gegenstand . . . .“

„Achilles? Was für ein lächerlicher Name – ist er ein Zwerg?“

„Nein, Sire. Ein Mensch. Aber erträgt einen Rock.“

Thranduil seufzte. Heute war wieder einer dieser Tage.

**********

„Neeeeeiiiiiiin! Neeeeiiiiiiin!“ schrie Melpomaen, strampelte sich von seinen Bettlaken frei und setzte sich aufrecht, in Schweiss gebadet und mit Augen voller Entsetzen.

„Bist Du verrückt geworden?“ schrie Celeborn, der aus dem Bett geworfen worden war, als Melpomaen damit angefangen hatte, sich im Bett herumzuwälzen. Trotzdem, als er den Horror im Gesicht des jungen Elfen sah, beruhigte er sich sofort wieder und versuchte, ihn zu trösten.

„Hattest Du einen Alptraum, mein Junge?“ fragte er und nahm Melpomaen in die Arme. Der junge Ratgeber antwortete nicht, er versteckte nur sein Gesicht in Celeborns Hals und weinte.

„Ich nehme das mal als ein Ja,“ grummelte der Elfenherr, während er ein wenig tapsig Melpomaens Rücken tätschelte.

„Nun, nun, es war nur ein Traum.“

„Ein Traum? NUR ein Traum?“

Melpomaen tauchte aus den Tiefen von Celeborns Nachthemd auf und klammerte sich an den Kragen, schüttelte den Elfenherrn hin und her.

„Es war ein Alptraum von Mordorischen Ausmassen, Celeborn! Ich habe geträumt, dass Du Dich geweigert hast, mit Deiner Frau zu schlafen!“

„Und das ist alptraumhaft? Weswegen genau?“

„Du hast gesagt, dass Elfen ihre Körper nur miteinander teilen, um für Nachwuchs zu sorgen, und . . . .“

Melpomaen war nicht in der Lage, seinen Satz zu beenden, denn Celeborn brüllte vor Lachen.

„Ich sagte WAS?“ heulte er und ignorierte Melpomaens verletzten Ausdruck. „Bei den Valar, ein trauriges Leben wäre das! Nur, um für Nachwuchs zu sorgen – versuchst Du, mir zu erzählen, dass die Elfen in Deinem Traum nur alle 5000 Jahre miteinander schlafen?“

Melpomaen nickte. Mit seinem Schmollmund sah er so anbetungswürdig aus, dass Celeborn ihn einfach küssen musste.

„Das ist göttliche Gerechtigkeit, mein Lieber,“ sagte er dann und kuschelte den jungen Elfen erneut, „für all die Nächte, in denen Du darauf bestanden hast, dass ich auf der Couch schlafe!“

„Und das könnte wieder passieren, weisst Du?“ antwortete Melpomaen scharfzüngig.

Was, wie erwartet, Celeborn sehr effizient und sehr schnell zum Schweigen brachte.

**********

„Neeeeiiiiiiin! Neeeeeiiiiiin!“ Erestor schrie, strampelte seine Bettdecke weg und setzte sich schliesslich auf, in Schweiss gebadet, die Augen weit vor Schrecken.

„Shhh, shhh, Liebster, alles ist in Ordnung, Du hattest nur einen Alptraum.“ Glorfindel versuchte, seinen verstörten Ehemann zu beruhigen und legte sanft einen Arm um ihn.

„Einen Alptraum? Bist Du sicher?“ Der Ratgeber ächzte, dann klammerte er sich an die kräftige, beruhigende Gestalt seines Ehemannes und schluchzte in dessen Nachthemd.

„Oh Fin, es war so schrecklich. Da . . . . da war diese Dame, mit der ich verheiratet war . . . . und drei Kinder . . . . und Du warst ein Elfling . . . . und Du hast einen Apfel gegessen . . . . und . . . . und . . . . und . . . .“

„Beruhige Dich doch, mein Liebling.“ Fin tröstete Erestor, rieb seinen Rücken und drückte den zitternden Berater noch fester an seinen Körper.

„Es gibt keine Damen hier, und definitiv keine, mit denen Du verheiratet wärest. Das hoffe ich jedenfalls. Shhh, es war wirklich nur ein böser Traum.“

Nach einer Weile kam Erestor endlich wieder zur Ruhe, sein hastiges Atmen normalisierte sich, und er liess einen tiefen Seufzer der Erleichterung hören.

„Oh Fin, das war der schlimmste Alptraum, den ich jemals hatte! Bitte, bitte, bitte, versprich mir, dass Du niemals Deine Memoiren schreiben wirst!“

„Ich möchte nicht behaupten, dass ich verstehe, worüber Du redest, aber da Dein Wunsch für mich ein Befehl ist: nein, ich werde nicht meine Memoiren schreiben. Aber Du musst mir auch etwas versprechen.“

Erestor küsste ihn, dann liess er seine Hand liebevoll über Glorfindels Haar gleiten, das vom Schlafen noch etwas zerrauft war.

„Natürlich, Liebes. Was immer Du willst. Was soll ich Dir versprechen?“

Glorfindel, der von Erestors Schreien aus einem wirklich fürchterlichen Alptraum gerissen worden war, sah seinem Mann fest in die Augen.

„Versprich mir, solange Du lebst, niemals eine Peitsche anzurühren.“

„Eine Peitsche?“

Erestor starrte Glorfindel an, als wäre ihm gerade ein zweiter Kopf gewachsen.

„Was, in der Valar Namen, sollte ich wohl mit einer Peitsche anfangen, Fin?“

„Das werde ich Dir nicht sagen,“ antwortete Glorfindel, zog Erestor zu sich hinunter und stellte sicher, dass der Berater eng an seinem Körper lag, sein Kopf gemütlich auf Fins breiter Brust ruhte.

„Warum nicht?“

„Ich möchte Dich nicht auf irgendwelche Gedanken bringen,“ sagte ihm sein Ehemann, „und nun schlafe wieder ein.“

Er blies die Kerze aus, und ein paar Minuten später war das einzige Geräusch, das man hören konnte, das tiefe, gleichmässige Atmen der beiden Elfen.

**********

„Neeeiiiiin! Neeeeiiiin!“ schrie Legolas, strampelte sich von seiner Bettdecke frei und setzte sich schliesslich auf, in Schweiss gebadet und mit vor Schreck geweiteten Augen.

Er nahm ein paar tiefe Atemzüge, dann schob er die schweissnassen Strähnen seiner Haare aus dem Gesicht und liess sich auf die Matratze zurückfallen.

Was für ein Alptraum! Und er konnte sich nicht einmal beschweren, denn sein Vater hatte ihn mehr als einmal davor gewarnt, dass es in Alpträumen enden könnte, wenn er vor dem Zu-Bett-Gehen noch derart hochprozentige Getränke zu sich nähme. Er lag dort für eine Weile, beruhigte seinen Atem, dann stand er auf, ging hinüber zu dem kleinen Seitentisch und nahm eine Flasche heraus. Er marschierte zum Waschbecken und entleerte sie.

„Keine Milch mehr für mich,“ ächzte er, „ab sofort trinke ich nur noch Wasser und Miruvor.“

**********

Námo hatte seine Arbeit beendet. Er ging zu seinem Zimmer und öffnete die Tür. Zu seiner grossen Überraschung war der eigentlich eher spärlich möblierte Raum mit Dutzenden von Kerzen dekoriert, ihr Licht badete den gesamten Raum in einen warmen Schimmer.

Aber trotzdem, noch überraschender, war der Umstand, dass Lord Elronds jüngster Sohn in der Mitte des Bettes auf seinem Bauch lag, mit den Wimpern klimperte und ihn mit einem Finger lockte.

Námo studierte die Szene für einen Moment, dann drehte er sich auf dem Absatz um, schloss die Tür hinter sich, ohne ein Geräusch zu verursachen und ging den Korridor hinunter zu Lóriens Räumen. Ohne zu klopfen, betrat er das Heim des Vala der Träume und fand den Blonden ausgestreckt auf seinem Bett liegend, die Hände hinter seinem Kopf gekreuzt und ein fröhliches Lied pfeifend.

„Du,“ sagte er, „bist ein sehr dummer Vala.“

Dann ging er wieder, und Lórien grinste, noch breiter, als Námos Kopf kurz darauf noch einmal in der Tür erschien.

„Und übrigens – danke.“

Damit war Námo endgültig fort, die Tür schloss sich, und Lórien konnte die Schritte des ernsten, edlen und würdevollen Vala des Todes im Korridor hören.

Und es konnte keinen Zweifel daran geben, dass der ernste, edle und würdevolle Námo rannte.