Missratenes Prinzesschen

von Tatjana
OneshotDrama, Angst / P16
Zelda
30.08.2017
30.08.2017
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Hallöchen!

Dieser kleine One-Shot spielt nach Erinnerung 12: Vater und Tochter, wobei ich sowohl den ersten Absatz als auch Zeldas Tagebucheintrag aus dem Spiel übernommen habe. Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße,
Tatjana

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Missratenes Prinzesschen

Weißt du, wie man am Hof über dich redet? Wie man dich hinter vorgehaltener Hand nennt? „Missratenes Prinzesschen“ heißt du da … Oder „Prinzessin Machtlos“. Ich will, dass du ihnen das Gegenteil beweist … Ist das klar?

Ich schluckte und ballte die Hände zu Fäusten. Selbst jetzt noch konnte ich den Geruch meines Vaters nach altem Pergament riechen, selbst jetzt noch konnte ich seine Worte deutlich hören. Ich selbst hatte immer von mir als die missratene Tochter von Hyrule gedacht, doch zu erfahren, dass mein Vater ebenfalls so dachte, anstatt mich zu ermutigen, verletzte mich.

Wusste er nicht, wie ich mich fühlte? Wie verzweifelt ich war, weil sich meine Siegelkraft nie gezeigt hatte? Zwar hatte ich bisher nur die Quelle des Mutes besucht und mich in ihr gereinigt, sodass die anderen beiden Quellen meine Kraft vielleicht noch wecken konnten, doch insgeheim fürchtete ich, dass das nicht geschehen würde.

Dass ich als einzige Tochter von Hyrule gar keine Kräfte besaß.

Der Gedanke schmerzte mich fast körperlich. Was, wenn ich tatsächlich keine Kräfte besitze?, fragte ich mich. Was, wenn …?

Wie oft hatte ich mich das schon gefragt? Wie oft es befürchtet? Spätestens seit dem Tod meiner Mutter hatte ich jeden Tag daran gedacht, mich jeden Tag verflucht, weil ich es einfach nicht geschafft hatte, meine verborgene Kraft zu wecken, sie nie gespürt, sie nie gefühlt hatte.

Niemals.

Die ersten Tränen rannen mir über die Wangen, ich hielt sie nicht zurück. Hier, alleine in meinem Zimmer, würde sie niemand sehen. Hier konnte ich mich meiner Trauer ganz hingeben, ohne befürchten zu müssen, dass jemand meine Schwäche sah. Link nicht – und mein Vater nicht. Vor allem mein Vater nicht.

Ich schluckte und beschloss, ein wenig in meinem Tagebuch zu schreiben, um mich von meinen düsteren Gedanken abzulenken.

Mein Vater hat mir die Forschung an den Relikten verboten. Ich soll mich ganz auf meine Siegelkräfte konzentrieren. Ich war so verletzt, dass ich nicht antworten konnte. Seit ich ein Kind bin, bemühe ich mich ununterbrochen …

Meine Mutter verstarb im Jahr, bevor meine Unterweisung beginnen sollte … Ich verlor zugleich Mutter und Mentorin. Meine Mutter sagte mir lächelnd: „Sorge dich nicht, Zelda. Du wirst deine Kräfte in kürzester Zeit erweckt haben.“

Doch es ist mir nicht gelungen … Wie viel Zeit auch vergeht, wie oft ich es auch versuche … Besitze ich sie überhaupt?

Morgen werde ich mit Link zur Quelle der Kraft aufbrechen. Doch auch dies wird vergebens sein … Ich weiß es jetzt schon.


Hiermit beendete ich meinen Tagebucheintrag, meine Gedanken widmeten sich nun meiner verstorbenen Mutter. Ich fragte mich, was sie mir jetzt wohl geraten hätte. Sie hätte – im Gegensatz zu meinem Vater – Worte des Trosts gefunden, hätte mich wieder aufgebaut, mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert …

Doch sie war tot. Ich würde ihre tröstenden Worte nie wieder hören, ihren vertrauten Duft nach Lilien nie mehr riechen, nie mehr ihren sanften Blick auf mir spüren.

Ein Schluchzer entrang sich meiner Kehle. Ich vermisste sie, vermisste sie so sehr, dass es unerträglich war. Sie wäre mir die Stütze gewesen, die ich brauchte, sie hätte mir helfen können. Mit ihr hätte ich über meine Zweifel reden können, anstatt sie in ein Tagebuch zu schreiben, das mir nie antworten würde. Ohne sie fühlte ich mich leer und allein und nutzlos.

Nutzlos.

Nicht umsonst hatte ich damit angefangen, die antike Technologie zu erforschen; denn bei diesem Thema machte ich die Fortschritte, die mir bei der Erweckung meiner Kräfte fehlten. Doch nun hatte mein Vater mir jede weitere Beschäftigung mit den Relikten verboten und mich damit jeder Möglichkeit beraubt, mich nützlich zu machen.

Jetzt wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte; Gebete hatten mir mein Leben lang nichts gebracht, obwohl angeblich sie es sein sollten, die meine Siegelkraft weckten. Doch vielleicht …

Zögernd faltete ich meine Hände.

Göttin Hylia, unser aller Mutter, sprach ich sie gedanklich an, mögest du mir die Kraft gewähren, die mir fehlt und mich beschützen, wo immer ich gehe und stehe. Mögest du meine Taten mit einem Lächeln loben und deine beschützende Hand über mich halten. Mögest du deine Liebe verbreiten und alle Gefahren von mir abwenden …

Ich schluckte. Selbst in Gedanken sprach ich die Worte ohne Überzeugung.

Das bringt doch nichts, dachte ich. Gebete haben mir noch nie geholfen, warum sollten sie dann jetzt etwas bewirken?

Trotzdem war ich traurig, dass die Göttin mir kein Zeichen gesandt hatte, um mich zu ermutigen. War ich ihr egal? War ich es nicht wert, eine Bitte erfüllt zu bekommen? War ich überhaupt etwas wert?

Meine Gedanken nahmen eine düstere Wendung.

Vielleicht … bin ich tatsächlich nichts wert …

Schließlich nannte mein Volk mich nicht umsonst „missratenes Prinzesschen“ – denn genau das war ich auch: Missraten, misslungen, missglückt.

Missverstanden.

Warum?, dachte ich verzweifelt, während mir wieder Tränen über die Wangen rannen. Warum nur ist es mir nicht bestimmt, mein Schicksal zu erfüllen? Was fehlt mir? Was mache ich falsch?

Doch natürlich erklang keine Antwort, weder eine göttliche noch eine menschliche.

Und meine Verzweiflung wuchs – beständig und unaufhörlich. Sie wuchs und wuchs, mit jeder schmerzvollen Sekunde, die an mir vorüberzog, mit jedem Blinzeln, mit jedem Atemzug, bis ich das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen.

Schließlich hielt ich es nicht mehr aus. Es gab nur einen Weg, meine Qualen zu beenden.

Und ich war entschlossen, ihn zu ergreifen.

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Vielen Dank fürs Lesen!

Ich wollte am Ende absichtlich offen lassen, was Zelda tun wird, von daher könnt ihr euch ruhig eure eigenen Gedanken dazu machen. Ich hoffe, dass der One-Shot euch trotz seiner Kürze gefallen hat! :-)

Liebe Grüße,
Tatjana
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