Weil du meine Schwester bist

von MJ594
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Iruka Umino Itachi Uchiha Kakashi Hatake OC (Own Character)
28.08.2017
28.10.2019
58
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60
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Hey, ihr lieben. Ich wage mich nun einen Schritt weiter. Nach dem Lesen vieler toller Kapitel und FFs hier kam mir der Gedanke, es mit dem Schreiben doch auch noch einmal zu probieren.  Vielleicht kommt es ja gut an. Seit gnädig mit meiner ersten FF, aber dennoch ehrlich. Und ich schaue mal, was sich daraus entwickelt. Eine Idee, ein Konzept und auch weitere Kapitel sind schon niedergeschrieben :)

Dann mal: Los gehts!

*****


"Akina, pass auf", rief er noch, aber es war zu spät. Ich schaffte es noch mich umzudrehen, aber der Ball erwischte mich voll am Kopf. Wie ein Kegel kippte ich zur Seite und landete unsanft auf dem Boden. Ich musste aber dazu sagen, dass das bei einem sechsjährigen Mädchen nun einmal schnell ging.
Sofort kam Kono auf mich zugelaufen.
"Hast du dir wehgetan?", fragte er mich. Ich rappelte mich auf und klopfte den Staub von meinen Klamotten. Es war mitten im Sommer und es hatte schon seit Wochen nicht mehr richtig in Konoha geregnet. Auf dem Spielplatz war es staubtrocken.
"Nein, geht schon", antwortete ich. Ich wollte nicht zugeben, dass sich bereits Kopfschmerzen ausbreiteten. Kono musste den Ball ziemlich feste geschossen haben. Ich fasste mir kurz an die Stirn und spürte, dass sie feucht war. Als ich meine Hand wieder hinunter zog, waren meine Fingerspitzen rot.
"Akina, du blutest", stellt Kono fest, als er endlich bei mir angekommen war.
"Das wollte ich nicht."
"Schon gut, ich hab nicht aufgepasst", brummte ich. Es war wirklich nicht Konos Schuld. Ich habe mal wieder gebannt auf das Akademiegelände geschaut und den neuen Genins beim Training zugesehen. Das tat ich immer, wenn ich hier war. Eigentlich kam ich doch nur auf den Spielplatz, um den anderen beim Training zuzuschauen. Ich wollte auch endlich auf die Akademie und mit der Shinobilehre beginnen.

"Akina, lass uns zu mir nach Hause gehen. Meine Mama wird sich deine Stirn anschauen. Das sieht schlimm aus."
Kono riss mich aus meiner Gedankenwelt zurück in die Wirklichkeit.
"Lass es gut sein, Kono", meinte ich.
"So schlimm wird es schon nicht sein."
"Es ist immer dasselbe mit dir. Du bist einfach nur stur", meinte Kono daraufhin nur, nahm sich den Ball und drehte sich um. Als ich merkte, dass er den Ausgang des Spielplatzes anvisierte, lief ich ihm hinterher.
"Warte. Wo willst du hin?", fragte ich ihn, als ich ihn eingeholt hatte.
"Ich dachte wir spielen Fußball?"
"Ja, ich habe Fußball gespielt, aber du warst mal wieder abgelenkt. Das ist immer dasselbe mit dir, Akina. Langsam macht es keinen Spaß mehr. Du siehst ja, was du davon hast", meinte Kono nur und ging weiter.
Nun war mein bester Freund auch noch verärgert.
"Es tut mir leid", sagte ich und ging neben ihm her.
Er wusste über meinen großen Traum Bescheid. Ich wollte ein Shinobi werden. Eine Konoichi von Konoha. Viele hatten diesen Traum und Shinobis wurden immer gebraucht. Aber für viele war der Weg dahin leichter als für mich. Ich hatte einen Bruder, dem diese Idee überhaupt nicht gefiel.
"Ich lasse Mayai draufschauen, wenn es dich glücklich macht. Aber es sieht bestimmt schlimmer aus als es ist", versuchte ich Kono ein wenig zu besänftigen.
Es schien zu wirken, denn er entspannte sich ein wenig und nickte.
"Gut."
Wir gingen gemeinsam zu Kono. Er wohnte in einem Einfamilienhaus mitten in Konoha nicht weit vom großen Marktplatz entfernt. Auf dem Weg dorthin wischte ich mir provisorisch mit dem Ärmel über die Stirn. Es hörte nicht wirklich auf zu bluten. Es war nicht viel, aber es tat mittlerweile auch ein wenig weh. Kombiniert mit den Kopfschmerzen war es nicht sehr angenehm. Aber ich wollte nicht jammern, schließlich wollte ich ein Shinobi werden. Und die größeren Kinder auf dem Spielplatz sagten immer, dass ein Shinobi nicht jammert. Also tat ich das auch nicht.

Als wir bei Kono vor dem Haus angekommen waren, drehte sich dieser zu mir um und meinte: "Ich hoffe, dass meine Mama überhaupt zu Hause ist. Sie wollte noch einkaufen gehen, bevor sie für das Abendessen kocht."  
"Na klasse. Wenn nicht bin ich den ganzen Weg also umsonst gegangen!", meinte ich leicht genervt.
"Akina, lass uns doch erst einmal nachschauen. Und wenn meine Mama doch einkaufen ist, kannst du trotzdem die Wunde wenigstens auswaschen und säubern. Vom Spielplatz ist der Weg hierher kürzer als zu dir nach Hause", meinte Kono nur.
Da hatte er Recht. Im Gegensatz zu Kono wohnte ich am Rande des Dorfes.

Kono öffnete die Tür und trat ein. Ich folgte ihm. Drinnen zogen wir uns die Schuhe aus und gingen in den Wohnbereich hinein.
"Mama, bist du zu Hause?", rief Kono einmal laut.
"Ich bin hier, Kono", kam die Stimme von Konos Mutter Mayai aus der Küche. Kono packte mich am Arm und zog mich mit sich. Als wir um die Ecke bogen, stand Mayai an der Spüle und schien Gemüse zu waschen.
"Kannst du dir einmal Akinas Stirn ansehen? Wir haben Fußball gespielt und ich habe Akina aus Versehen am Kopf erwischt. Sie ist daraufhin gestürzt und hat sich an der Stirn wehgetan", plapperte Kono drauf los.
Mayai drehte sich zu uns um und legte die Karotten zur Seite.
"Lass mal sehen, Akina", meinte sie höflich.
Ich setzte mich auf einen Stuhl und ließ Mayai meine Stirn begutachten. Vorsichtig tastete sie die Wunde ab. Konos Mutter half oft in Konohas Krankenhaus aus, wenn es regnete oder es draußen kühler wurde.
Ansonsten galt ihre Aufmerksamkeit dem Haguna-Stand auf Konohas Markt. Diesen leitete sie zusammen mit Konos Vater Ricoo Haguna. Ab und zu half auch Konos Schwester aus, wenn diese nicht gerade auf der Akademie war. Ich beneidete Felya. Sie war vor einem Monat sieben geworden und durfte die Akademie besuchen. Auch ihr Bruder Kono würde nach dem Sommer in der ersten Klasse starten. Nur ich blieb mal wieder auf der Strecke.
"Akina, Liebes. Die Wunde ist nicht groß aber tief. Wenn du nichts dagegen hast, säubere ich sie dir und nähe es mit einem kleinen Stich", erklärte Mayai mir und holte mich abermals zurück in die Realität. Ich nickte.
Mayai stand auf und holte die nötigen Sachen. Während sie die Wunde reinigte, bat sie Kono das Gemüse weiter zu waschen. Schließlich wollte sie das Abendessen fertig haben, bevor ihr Mann nach Hause kam. Bei Kono zu Hause lief alles so gesittet und perfekt ab. Ich spürte einen Stich in der Brust. Diesem folgte unmittelbar der Stich an meiner Stirn. Ich zuckte kurz zusammen.
"So, das war es auch schon. Es hat auch aufgehört zu bluten. Ich klebe dir noch ein Pflaster darüber, dann sollte das kein Problem mehr sein. Möchtest du nicht mit uns zu Abend essen?", fragte Mayai mich.
Eigentlich wollte ich dankend ablehnen, aber mein Magen verriet mich. Seit dem Frühstück war ich draußen unterwegs und hatte nichts mehr gegessen. Das war nichts Ungewöhnliches bei mir. Anders als Kono hatte ich keine Eltern, die dafür sorgten.
Ich konnte mich nicht mal mehr an sie erinnern. Meine Mutter wurde mir durch einen Unfall genommen, als ich gerade einige Sekunden alt war, mein Vater brauchte sich ein Jahr später um. Nur mein Bruder war mir geblieben.
Kakashi.
Er und ich waren die letzten beiden Hatake. Aber von meinem Bruder hatte ich nicht viel.
Er war zwölf und stand kurz vor seiner Jonin-Beförderung. Es standen täglich Missionen an und manche auch über mehrere Tage. In dieser Zeit war ich auf mich gestellt oder wurde von Jummi, wie ich sie nannte, betreut. Jummi, mit richtigem Namen Jomery, war eine ältere Dame aus unserer Nachbarschaft. Sie war eine gute Freundin meiner Mutter gewesen.
"Es scheint, dass da jemand hungrig ist. Bleib zum Essen und anschließend bringt dich Ricoo nach Hause", sagte Mayai.
"Danke, aber das ist nicht nötig. Es ist noch lange hell", meinte ich noch, aber ich wusste, dass das bereits eine beschlossene Sache war. Ich war öfters bei der Familie Haguna und Mayai ließ mich nie alleine nach Hause gehen. Gut, der Weg war weit, aber nach etwa vierzig Minuten hätte ich ihn hinter mir.

Ich half Kono beim Tisch decken, während Mayai weiter das Abendessen zubereitete. Immer wieder fasste ich mir dabei an die Stirn.
"Tut es doch weh?", fragte Kono mich.
Ich konnte ihm nichts vormachen und nickte.
"Es sind aber nur Kopfschmerzen", setzte ich nach.
Ich wollte keine Schwäche zeigen. Die Kopfschmerzen waren mittlerweile kaum noch auszuhalten. Kono drehte sich zu Mayai um und bat die um ein Schmerzmittel dagegen. Als sie wiederkam, hatte sie ein kleines Fläschchen dabei. Sie ließ drei Tropfen der Medizin in ein Glas tropfen und gab etwas Wasser darauf.
"Hier. Das sollte dir rasch helfen, Akina."
Ich nahm es dankend an und trank das Glas in einem Schluck aus. In diesem Moment hörte ich Schritte am Eingangsbereich.
"Kono, Schatz, wir sind wieder daheim. Felya ist auch mitgekommen", drang die Stimme von Ricoo in die Küche.

Kaum beendet stürmte schon ein blonder Wirbelwind auf Mayai zu und umarmte sie fest. Felya hatte ihre blonden langen Haare von ihrer Mutter, wohingegen Kono das schwarze, dicke Haar seines Vaters geerbt hatte.
"Na, wie war die Mission in Sunagakure?", fragte Mayai ihre Tochter.
"Wie immer erfolgreich. Asuma, Gai und ich haben zusammen mit Taya-Sensei Geleitschutz gegeben. In Sunagakure sind wir dann auf Team 11 gestoßen. Auch sie haben ihre Mission erfolgreich beendet. Wir sind zusammen etwa vor einer Stunde wieder in Konoha angekommen", berichtete Felya stolz.
Ich horchte auf. Team 11 - das war Kakashis Team. Er war also wieder zurück. Seit über einer Woche hatte ich ihn nun schon nicht mehr gesehen.
Ich stand auf.
"Ich sollte dann lieber nach Hause gehen, ehe Kakashi mich sucht. Er weiß nicht, wo ich bin", fing ich an. Aber Ricoo, der inzwischen ebenfalls in die Küche getreten war und von Kono umarmt wurde, meinte:
"Er wird sich schon denken können, wo du steckst, so oft wie du hier bist. Mach dir keine Sorgen. Was hast du an deiner Stirn geschafft?"
"Das war meine Schuld", gab Kono kleinlaut von sich.
Er wollte gerade damit beginnen, es zu erklären, als Mayai, welche sich wieder dem Essen zugewandt hatte, rief:
"Das kannst du auch während dem Essen erzählen. Hopp, alle an den Tisch. Du auch, Akina."
Da es jetzt eh keinen Unterschied mehr machte, ob ich blieb oder ging, setzte ich mich mit an den Tisch. Mayai stellte das Essen darauf und während jeder zu langte, erzählte Kono seinem Vater die Story mit meiner Verletzung.
Anschließend erzählte Felya mehr von ihrer Mission. Ich saß still dabei und lauschte den Erzählungen. Und war neidisch, dass ich nicht auch mit Kono nach dem Sommer auf die Akademie gehen durfte.

Nach dem Essen half ich beim Abräumen und schaute auf die Uhr. Es war mittlerweile nach acht. Wo war die Zeit nur hin? Auch Mayai und Ricoo schienen zu bemerken, dass es spät wurde.
"Ich bringe dich nun nach Hause, Akina", meinte Ricoo darauf hin. Ich nickte und drehte mich zu Kono um.
"War trotzdem schön heute. Und noch mal Entschuldigung für das verpatzte Fußballspiel. Vielleicht können wir es ja morgen nachholen?" fragte ich ihn.
Kono antwortete leicht grinsend:
"Als ob du morgen aufpassen würdest wenn wir wieder auf den Spielplatz gehen! Aber morgen kann ich leider nicht. Morgen ist das erste Zusammentreffen der neuen Klassen an der Akademie und da gehen wir hin. Aber du kannst gerne mitkommen, wenn du magst."
"Oh, ist das schon morgen? Nein, schon okay. Dann sehen wir uns halt übermorgen", erwiderte ich zu schnell.
Kono sah mich entschuldigend an. Er wusste, wie sensibel das Thema für mich war und an die Akademie zu gehen, ohne selbst teilnehmen zu dürfen, ließ mich jetzt schon einen Stich in der Brust verspüren. Warum musste Kakashi auch so gemein sein?

Etwas traurig wandte ich mich ab und begann meine Schuhe anzuziehen.
"Ja, übermorgen klingt doch gut. Wir könnten mal wieder an den See runter", versuchte Kono mich aufzuheitern, aber es gelang ihm nicht wirklich. Ich spürte, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte.
"Kakashi möchte dich nur beschützen und dich in Sicherheit wissen, wenn er nicht da ist. Er hat schon so vieles durchgemacht und als Shinobi kommt da bestimmt noch einiges mehr hinzu. Er möchte es dir ersparen. Du bist die Einzige, die er noch hat", sagte Ricoo sanft. Er kannte Kakashi.
Ich nickte nur. Ich wollte das Thema einfach nur fallen lassen. Den ganzen Abend drehte es sich schon um die Akademie und die Shinobilehre. Ich hatte langsam keine Lust mehr!
Demonstrativ stand ich auf, öffnete die Tür und meinte am Mayai gewandt:
"Danke für das Essen. Ich sollte jetzt los."
"Immer gerne. Ricoo, bring sie gut nach Hause."
Ricoo lachte und gab seiner Frau schnell einen Kuss.
"Immer doch, Liebling."
Dann wandte er sich ebenfalls der Tür zu und wir gingen los.

Auf dem Weg zu mir nach Hause verfielen wir in ein Schweigen, was mir sehr gelegen kam. Ich hatte für heute genug gehört. Felyas Erzählungen und Konos Freude auf die Akademie. Der Stolz der Eltern und wie sie so unterstützend dabei waren. Es war einfach nicht fair. Abermals an diesem Abend wurde ich traurig. Wieso hatten immer andere so ein Glück? Ich wollte auch so eine glückliche Familie, so ein glückliches Zusammenleben. Ich hatte zwar noch meinen Bruder und ich liebte ihn auch über alles, aber dadurch, dass er ständig unterwegs war, fühlte es sich einsam an. Ja, ich fühlte mich oft einsam in letzter Zeit.
"So, da wären wir", hörte ich Ricoo zu mir sagen. Ich blinzelte einmal und schob meine Gedanken beiseite.
"Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast", setzte ich gerade an, als sich unsere Haustür öffnete und Kakashi darin erschien. Er sah fertig aus - nach solch einer langen Mission kein Wunder. Er nickte Ricoo einmal zu, dieser verabschiedete sich von uns und begab sich auf den Rückweg.
Nun standen wir da - Kakashi in der Tür und ich im Vorgarten. Wie so oft wusste ich nicht, wie ich reagieren sollte. Ich war froh ihn zu sehen und dass es ihm gut ging, aber immer noch wütend, dass er mir die Akademie verweigerte und nie zu Hause war.
Als er vor einer Woche aufbrach, war er gerade einmal einen Tag in Konoha gewesen. Er war momentan sehr gefragt und zählte zu den besten Shinobis seines Jahrganges. An diesem Tag hatten wir uns darüber gestritten, warum ich nicht zur Akademie durfte. Es war der letzte Anmeldetag gewesen und als mein Vormund brauchte ich Kakashis Einverständnis. Und diese bekam ich nicht.

"Hey Kleines", versuchte Kakashi das Schweigen zu brechen.
"Wie geht’s dir?"
Ich schaute auf und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich war traurig. Dieser Abend war einfach in die falsche Richtung gelaufen. Aber wie immer ließ ich das niemanden merken.
"Gut", brachte ich hervor und ging auf die Haustür und Kakashi zu.
Als ich Eintreten wollte, hielt mich Kakashi am Arm fest und drehte mich zu sich um.
Er hatte noch seine Maske auf. Eigentlich nahm er sie zu Hause ab, aber da er auf mich gewartet zu haben schien und wusste, dass mich eigentlich immer einer brachte, hatte er sie wohl aufgelassen. Da er deutlich größer als ich war, ging er in die Hocke und betrachtete mein Gesicht. Er strich mir mit der anderen Hand einige Haarsträhnen fort.  
Wie immer trug ich meine Haare in einem Zopf, aber im Laufe des Abends hatten sich mehrere Strähnen daraus gelöst. Ich hatte das gleiche graue Haar wie mein Bruder. Es war jedoch lang und glatt und stand nicht so wild ab wie das von Kakashi. Das hätte ich von unserer Mutter, hatte Kakashi einmal gesagt. Die Haarfarbe hatten wir von unserem Vater Sakumo.
Als er das Pflaster auf meiner Stirn entdeckte, konnte ich erkennen, wie sich seine Gesichtszüge verhärteten. Ich war mittlerweile gut darin, dies trotz seiner Maske hinzubekommen.
"Du bist verletzt, Kleines. Was ist passiert?", fragte er mich besorgt.
Ich spürte auch, wie er sich verkrampfte. Sein Griff an meinem Arm wurde fester.
Vor zwei Jahren wurde ich mal von einem Jungen verprügelt, weil er es als cool erachtete, kleine vierjährige Mädchen zu schlagen. Daraufhin war mein Bruder ausgerastet und hatte dem Jungen gezeigt, wie man das richtig machte. Seit diesem Vorfall war Kakashis Sorge um mich nur größer geworden. Immer wenn ich verletzt nach Hause kam und Kakashi daheim war, musste ich beinahe eine Predigt davon halten, was passiert war, nur um ihn zu beruhigen.
Heute hatte ich aber keine Lust auf eine solche Erklärung.
"Es war ein Unfall beim Spielen mit Kono. Frag seine Eltern, wenn du genaueres wissen willst", sagte ich kühler als beabsichtigt.
Kakashi legte den Kopf schief und sah mich an. Er versuchte den Grund meiner schlechten Laune herauszufinden. Ja, mittlerweile war ich traurig und auch schlecht gelaunt. Ich war nicht nur stur, sondern auch sehr launisch, impulsiv und emotional.

Aber er war mein Bruder. Ihm etwas vorzumachen war ein Ding der Unmöglichkeit. Kono kannte mich schon gut, aber mein Bruder noch besser - obwohl er weniger Zeit mit mir verbrachte.
Kakashis Züge wurden weicher und er zog mich ins Haus. Als er die Tür hinter uns geschlossen hatte, ließ er mich los und zog sich seine Maske nach unten. Anschließend zog er mich zu sich in seine Arme.
"Es tut mir leid, dass ich so lange nicht hier war. Und auch, wie ich letzte Woche gegangen bin. Aber du musst mich verstehen. Ich bin ein Shinobi Konohas und muss mein Dorf beschützen, dich beschützen. Du bist alles was ich noch an Familie habe. Und wenn du sauer auf mich bist, macht es das nicht gerade leichter", flüsterte er in mein Haar.
Dann sah er mich an und meinte eine Spur ernster:
"Es kommen harte Zeiten auf uns zu, Kleines. Der dritte Ninjakrieg wurde ausgerufen. Der Dritte mobilisiert die Shinobis. Ich werde morgen wieder aufbrechen müssen."
Bei dieser Aussage zog sich mein Herz zusammen. Für einen kleinen Moment in Kakashis Armen hatte ich mich gut gefühlt, geborgen und sicher. Einfach, weil ich nach langer Zeit wieder die Nähe meines Bruders - meiner Familie - spüren konnte. Und nun musste er morgen schon wieder los! Was war das für eine Welt? Was war das für ein Leben?
"Das kannst du nicht machen", fing ich an zu schreien.
Jetzt musste ich doch alles raus lassen. Tränen standen mir in den Augen, die aber durch meine Wut zurückgehalten wurden.
"Nun bist du noch nicht mal mehr einen Tag zu Hause! Und nächstes Mal dann wahrscheinlich überhaupt nicht mehr! Wie lange bist du dieses Mal weg? Ein Krieg! Kommst du dann überhaupt wieder nach Hause? Ich will nicht, dass du schon wieder gehst!", schrie ich mir die Seele aus dem Leib.
Jetzt liefen die Tränen und ich hasste mich dafür. Nur die Schwachen weinten. Aber wie ich schon sagte, ich war emotional und konnte nichts dafür. Augenblicklich sank ich auf die Knie und begann richtig zu weinen. Ich bekam Angst, Angst um meinen Bruder.

Es würde unser erster Krieg sein. Aber ich kannte Geschichten von den ersten beiden Ninjakriegen. Von Jummi. Sie hatte ihren Mann in einem der Kriege verloren und ihre Tochter. Sie hatte es nie verschönert, denn sie hat immer gesagt:
"Akina, wenn du ein Shinobi werden willst, musst du verstehen, warum du es tust und was es mit sich bringt. Zu solch einem Leben gehört Schmerz, Verlust und Tod. Es wird dich prägen."
Zum ersten Mal spürte ich die Bedeutung dieser Worte.
Kakashi nahm mich wieder fest in seine Arme. Für einen Zwölfjährigen waren diese stark und beschützend, einfach nur Kraft spendend.
"Hey, Kleines. Akina. Beruhig dich", versuchte er mich zu beruhigen.
"Du musst keine Angst haben, hörst du? Kleines..."
Er nahm mein Gesicht in seine Hände und strich mit seinem Daumen meine Tränen fort, die immer weiter liefen.
"Ich kann dir nicht sagen, wann ich wieder komme. Aber ich verspreche dir, dass ich wiederkommen werde. Ich möchte, dass du dieses Versprechen niemals vergisst und an mich denkst. Dann werde ich es auch einhalten. Ich werde zurückkommen. Versprochen, kleine Maus."
Kleine Maus - so nannte Kakashi mich nur selten. Aber immer dann, wenn er seine absolute Liebe mir gegenüber ausdrückte. Er meinte es ernst. Er glaubte daran, also versuchte ich es auch.
Mein Schluchzen wurde weniger und ich beruhigte mich. Kakashi hielt mich weiter fest in seinem Armen und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren.
"Versprochen", sagte er noch einmal. Ich würde weiter Angst um ihn haben. Sie verging erst, wenn er wie versprochen wieder zurückgekommen war. Aber ich musste mit der Angst um meinen Bruder klarkommen. Es war ein neues, unbekanntes Gefühl, das mich nun begleiten würde. Aber ich war stark. Ich schaffte das.

Als ich mich vollkommen beruhigt hatte, sah Kakashi mich abermals an.
"Ich habe nachgedacht. Während ich fort bin, möchte ich dich in Sicherheit wissen. Und während eines Krieges ist es nicht sicher, wenn ein kleines Mädchen alleine zu Hause ist. Daher möchte ich, dass du unter Menschen bist. Vielleicht freut es dich, mir fällt es immer noch schwer. Aber ich denke es ist die beste Entscheidung. Auch, weil du lernst dich zu verteidigen."
Meine noch feuchten Augen weiteten sich. Ich hatte eine Ahnung was jetzt kam. Freude machte sich in mir breit. Kakashi fuhr fort.
"Ich habe mit dem Hokagen und den Lehrern an der Akademie gesprochen und durfte dich nachträglich noch für das neue Schuljahr an der Akademie einschreiben. Nach dem Sommer darfst du mit Kono zur Akademie."
Für einen Moment vergaß ich alles und umarmte meinen Bruder einfach nur überglücklich.
"Oh, danke Kakashi. Du weißt gar nicht wie ich mich darüber freue", brachte ich hervor. Ich klammerte mich regelrecht an ihn.
"Doch, ich kann es mir vorstellen", meinte Kakashi mit einem Lächeln, aber in seinen Augen lag auch etwas Wehleidiges. Er musste meine unbekümmerte Kindheit opfern, um mich in Sicherheit zu wissen. Wahrscheinlich hatte er vor, mich nach dem Krieg wieder von dieser Idee abzubringen. Aber für den Moment genossen wir beide die Freude in den Augen des anderen.
"Ich muss morgen früh los. Vorher begleite ich dich zur Familie Haguna und werde sie auch fragen, ob du nicht die Zeit über, in der ich fort bin, bei ihnen wohnen kannst. Schließlich bist du doch eh mehr dort als hier. Natürlich nur, wenn du das möchtest. Ich empfinde es als besser. Der Weg zur Akademie ist kürzer und du musst nicht alleine jeden Tag dorthin laufen. Du bist mehr im Dorf als hier am Rande. Es ist einfach... Dir könnte dort weniger zustoßen. Du bist sicherer."
Ich konnte die Verlegenheit und die Sorgen in Kakashis schwarzen Augen sehen. Also war ich nicht die Einzige, die sich Sorgen machte. Meinem Instinkt folgend tippte ich ihm auf die Stirn. Und da ich nicht wollte, dass Kakashi wie ich jeden Tag Angst um mich haben musste, stimmt ich ihm durch ein Nicken zu.
"Ja. Ich werde dort bleiben, wenn sie es mir erlauben."
Insgeheim freute ich mich über die Möglichkeit, nicht jeden Abend alleine sein zu müssen.
"Gut", meinte Kakashi, stand auf und löste sich aus meiner Umarmung.
"Dann lass uns nun schlafen gehen. Morgen wird ein anstrengender Tag und es stehen uns noch schwerere Tage bevor. Vergiss nicht, dass ich zurückkomme. Und sei du fleißig in der Akademie. Schließlich bist du meine kleine Schwester."
Er zwinkerte mir zu, dann zog er mich ebenfalls hoch und brachte mich ins Bett. Ein letztes Mal für eine lange Zeit würden wir uns so nahe sein.
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