Scarlett Standish - Ein Leben beim RFDS - Kapitel 1-17

GeschichteAllgemein / P12
28.08.2017
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28.08.2017 5.291
 
Nach drei Wochen hatte Scarlett sich komplett eingelebt. Sie hatte Ricks kleines Haus bezogen und auch bereits eingerichtet. Die meisten Bewohner von Charleville waren ihr schon vertraut und sie kannte schon viele mit Namen. Scarlett fühlte sich schon richtig heimisch.

Sue kam gegen Dienstende zu ihr in den Funkraum, als Scarlett dort aufräumte.

„Deine Disziplin ist bewundernswert.“

Scarlett sah auf: „Wie meinst du das?“

Sue sank müde auf den Stuhl und klopfte auf den Schreibtisch. „Egal, wie der Tag war, am Abend sieht dein Platz immer perfekt aus.“

„Dafür sieht es bei mir zu Hause nie so aus!“ lachte Scarlett und tauchte unter den Schreibtisch, um einen Zettel aufzuheben. Als sie wieder hervorkam schmunzelte sie Sue zu. „Unordnung am Arbeitsplatz kann ich nicht gebrauchen.“ Dann löste sie ihren im Nacken gebundenen Zopf und schüttelte ihre blonden Haare über die Schultern.

„Hat Rick dir eigentlich mal etwas von den Schultreffen erzählt?“ fragte Sue sie plötzlich.

„Nein, ich glaube nicht.“

„Einmal im Jahr treffen sich die Kinder der Funkschule zum gemeinsamen Campen. Carol, die Lehrerin, stellt für die drei Tage ein Programm zusammen. Rick war immer ein fester Bestandteil. Er hat den Kindern etwas über Technik oder Funk erzählt.“

„Wirklich? Rick zwischen einer Horde Kinder? Kann ich mir gar nicht vorstellen.“

„Doch, er war bei den Kindern sehr beliebt.“

„Wann ist das nächste Camp? Ich kann mir ja mal etwas überlegen.“ bot Scarlett spontan an.

Sue grinste. „Am nächsten Montag. Carol hat ganz vergessen bei dir anzufragen.“

„Meinst du, sie hat das Programm schon fertig?“

„Ich bin sicher, sie freut sich über jede Unterstützung!“

Scarlett zögerte: „Aber ich kann hier doch nicht einfach so weg!“

„Das ist das kleinste Problem. Wenn du Lust hast, dich einzubringen, wird sich schon eine Lösung finden. Notfalls wechseln wir uns hier einfach ab.“

„Das würde mich schon reizen. Ich habe so was noch nie gemacht!“ antwortete Scarlett begeistert. Sue gab ihr Carols Telefonnummer und Scarlett rief noch im Beisein von Sue dort an. Carol Miller war schon seit einigen Jahren Funklehrerin. Sie freute sich über Scarletts Angebot, zu helfen. Von Carol erfuhr sie, dass 13 Kinder im Alter von 9 – 11 teilnehmen würden. Drei Tage würden sie campen und gemeinsame Aktionen durchführen. Nach kurzem Überlegen bot Scarlett an, mit ihnen ein einfaches Morsetelefon zu bauen und ihnen Fragen zum Funk zu beantworten. Erfreut stimmte Carol zu und schlug vor: „Am Montag kommen Ben und Patrick zu einer kleinen Erste-Hilfe-Stunde. Vielleicht nehmen sie dich mit und können dich am Abend wieder abholen.“

„Danke, für den Tipp. Ich werde mich mal erkundigen und melde mich dann bei dir! Bye!“

„Ich habe zu danken. Bye, Scarlett!“ Scarlett legte das Telefon zur Seite und Sue reckte sich mit zufriedenem Lächeln. „Komm, die anderen warten bestimmt schon im Pub. Sie werden sich für diese Neuigkeit auch interessieren.“



Als sie später mit ihren Kollegen im Pub zusammensaßen, sprach Scarlett das Thema an.

„Sicher nehmen wir dich mit.“ sagte Patrick sofort.

„Und verlangen dafür auch nur eine ganz kleine Gegenleistung.“ ergänzte Ben grinsend.

„Dieses Grinsen kenne ich bereits, das bedeutet nichts Gutes!“ meinte Scarlett skeptisch. „Was müsste ich also tun?“

„Wir brauchen noch einen Patienten zu Demonstrationszwecken.“

Scarlett schüttelte sofort den Kopf. „Ich muss meine Geräte aufbauen!“

„Du wärst eine ideale Patientin.“ schmeichelte Ben ihr.

„Das denke ich nicht! Aber was fehlt eurem Patienten denn?“

„Ach, nur Kleinigkeiten, vielleicht einen Verband anlegen oder Blutdruck messen oder so.“ antwortete Ben mit einer wischenden Handbewegung.

„Wer hat denn sonst den Patienten gemiemt?“

„Rick war an diesen Tagen immer sehr engagiert.“ erklärte Mark, der bisher nur ruhig zugehört hatte.

„Dieser Mann ist unglaublich! Wie hat er das denn nur alles geschafft?“ fragte Scarlett.

„Manchmal blieb er sogar die vollen drei Tage dort und half Carol.“

„Aber er war immer ein sehr schwieriger Patient!“ ergänzte Patrick und Ben sah Scarlett bittend an. „Bei dir wäre das bestimmt ganz anders.“

Scarlett blickte einen nach dem anderen an. „Also gut, aber ihr helft mir dann hinterher noch mit den Geräten!“ willigte sie schließlich ein. Ben und Patrick strahlten und schlugen sich gegenseitig triumphierend auf den Rücken. Mark erkundigte sich bei Scarlett, ob sie schon mit Carol gesprochen hätte.

„Ja, wir haben uns schon darauf geeinigt, ein Morsetelefon zu bauen. Allerdings ist das alles ja sehr kurzfristig und ich habe noch keine Vertretung für hier.“

„Oh, das ist kein Problem, wir wechseln uns ab. Das klappt schon.“

Scarlett strahlte ihn an und dankte von ganzem Herzen. „Das wird eine ganz neue Erfahrung für mich.“

„Hättest du Interesse die volle Zeit im Camp zu bleiben?“

„Nein, nein, ohne Vertretung geht das auf gar keinen Fall.“

„Carol würde es nicht sagen, aber ich bin weiß, sie kann die Hilfe gebrauchen. Und wegen der Vertretung, wie gesagt, das lösen wir schon.“

„Also, wenn mein Chef mir so ein Angebot macht...!“ lächelte Scarlett und überlegte halblaut weiter. „Hm, die Idee gefällt mir eigentlich sehr gut. Aber am Dienstag wollen meine Eltern mal kommen... mit Carol habe ich mich eben ganz gut verstanden... Ma und Dad werden zwar enttäuscht sein, aber...“ Sie sah entschlossen auf. „Okay, ich mache es, wenn Carol wirklich nichts dagegen hat.“

„Das wird sie nicht, im Gegenteil.“ versicherte Mark ihr.

„Auf unsere liebenswerte Patientin!“ rief Ben und sie stießen mit ihren Gläsern an.



„Scarlett, ist das dein Ernst? Ich habe extra meinen Dienst mit der Nachtschicht getauscht.“ beschwerte sich Geoff, als Scarlett ihn über die neuste Planung am gleichen Abend noch beim Telefongespräch in Kenntnis setzte.

„Sorry, Dad. Aber das ist wirklich eine Chance für mich. Ihr könnt mich doch immer mal besuchen! Das Camp ist nur einmal im Jahr.“

„Du ziehst es also vor, dass eine Horde Kids dir Löcher in den Bauch fragen, anstatt mit deinem alten Daddy einen Tag zu verbringen?“

Scarlett lachte. „Das ist ja ein toller Vergleich! Wenn man dich bitten würde, diesen Kindern etwas über Medizin zu erzählen, würdest du auch nicht ablehnen.“

„Ja, wahrscheinlich.“ gab er gutmütig zu. „Wir hatten uns nur schon so darauf gefreut. Du weißt wie schwer es ist, einen Termin zu finden. Kate hat auch extra ein Meeting verschoben.“

„Bring es ihr schonend bei.“

„Ich werde sie mit einem Essen überraschen. Sie ist noch bei einem Treffen des Stadtrats wegen der Neubebauung des Spielplatzes.“

„Tut mir ehrlich Leid, aber es ist eine Chance mal zu zeigen, dass ich meine Position hier auch über die Grenzen der Zentrale hinaus gut ausfüllen kann und nicht nur die unerfahrene Neue bin.“

Geoff horchte auf: „Hat das jemand gesagt?“

Scarlett seufzte. „Du weißt ja wie das ist, es wird geredet. Ein paar Leute denken das schon und wünschen sich wieder einen gestandenen, belastbaren Mann an den Funk.“

„Redest du dir das auch nicht nur ein?“

„Dad, zu mir sind alle nett. Mark, Sue, Patrick und Ben sind auf meiner Seite, aber manchmal höre ich aus anderen Gesprächen so was heraus.“

„Warum hast du denn bisher nichts davon erzählt?“ fragte er besorgt.

„Weil ich sie schon überzeugen werde. Ich möchte nicht, dass ihr euch irgendwie einmischt, Dad.“

„Und ich möchte dir nur helfen.“

„Ich muss da allein durch.“

„Du kannst uns jeder Zeit anrufen, Scarlett.“

„Ich weiß, danke.“

„Also, dann viel Spaß beim Campen und lass dich nicht unterkriegen.“

„Ich doch nicht! Bye, Daddy!“

„Bye, meine große Kleine!“ Geoff legte nachdenklich auf.



Am Abend erzählte er Kate von dem Gespräch.

„Ich dachte, es läuft so gut.“ meinte sie seufzend.

„Einen George Baxter gibt es überall.“

„Meinst du wirklich, es ist so schlimm?“

„Ich weiß es nicht und das macht mich wahnsinnig!“

„Die Kinder werden sie ablenken.“

Geoff sah sie an. „Bekommen wir es irgendwie hin, am Wochenende darauf hinzufahren?“

Kate überlegte und holte schnell ihren Kalender. „Bei mir würde es passen.“

„Und ich versuche noch einmal zu Tauschen.“ antwortete Geoff optimistisch.



*



Scarlett hatte sich am Montag in aller Frühe mit Ben und Patrick an der Zentrale getroffen und sämtliche Kisten und Taschen in Patricks Wagen geladen. Dann waren sie gemeinsam zum Flugplatz gefahren. Stöhnend luden sie das schwere Gepäck ein.

„Also wenn ich nicht genau wüsste, was wir hier schleppen, würde ich ja sagen, dass das mal wieder typisch ist: 3 Tage und Gepäck für 10!“ grinste Patrick.

„Du weißt es aber!“ gab Scarlett zurück und warf dann einen kritischen Blick auf das Flugzeug.

„Was ist? Willst du nicht einsteigen?“ fragte Ben.

„Doch, doch, aber ich habe in den vier Wochen noch nie unsere Maschine gesehen.“

„Ich dachte schon, du hast Flugangst.“

„Niemals! Der Blick von oben auf die Landschaft ist doch einer der schönsten Ausblicke, die man haben kann!“ meinte Scarlett und stieg dann ein.



Ben saß vorne bei Patrick, um mit ihm noch einmal den Ablauf des Tages durchzugehen. Schließlich kletterte er nach hinten und sah Scarlett ernst und nachdenklich aus dem Fenster schauen. Sie schien mit ihren Gedanken ganz weit entfernt zu sein. Ben musterte sie einen Moment, ohne dass sie es merkte.

„Hast du Sorgen?“ fragte er schließlich

Scarlett blickte verlegen auf. „Sieht man mir das an?“

„Sonst nicht, aber jetzt habe ich das Gefühl. Möchtest du darüber reden?“ Ben setzte sich auf den Platz links neben ihr und schaute sie erwartungsvoll an.

Scarlett zögerte ehe sie gestand, was sie bedrückte. „Letzte Woche habe ich zufällig mitangehört, wie Mark mich vor diesem Harold Barns verteidigte. Der Kerl sägt an meinem Stuhl. Das bekomme ich einfach nicht aus dem Kopf.“ gestand sie seufzend.

„Mach dir nicht so viele Gedanken darüber. Wir geben dich nicht so schnell her!“

„Ach, leicht gesagt! Ich hätte auch nicht gedacht, dass es mir so viel ausmacht. Ich weiß doch, wie es in einer Kleinstadt ist. Die einzigen Argumente, die er hat, sind doch nur, dass ich jung und eine Frau bin. Und wahrscheinlich, dass ich keine hässliche Warze im Gesicht habe!“ erzählte sie ärgerlich.

Ben sah sie aufmunternd an. „Genau deshalb wird er auch keinen Erfolg haben. Wenn Mark dich verteidigt hat, hast du den besten Fürsprecher des ganzen Bezirks.“

Sie brummte etwas und Ben fügte noch hinzu: „Hey, jetzt lass’ den Kopf nicht hängen!“

„Mich ärgert am meisten, dass Barns behauptete, mein Dad hätte mir diesen Job besorgt.“ platzte sie wütend heraus.

„Du hast ihn bekommen, weil du gut bist. Mark weiß das und wir wissen es auch. Rick wusste es sogar schon am ersten Tag. Lass Barns reden, was er will, Scarlett!“ sagte er eindringlich und sah sie mit seinen blauen Augen auffordernd an.

Scarlett nickte dankbar lächelnd. „In den nächsten Tagen habe ich ja genug anderes zu tun. Also, worauf soll ich gleich achten?“ Damit schob sie die Gedanken beiseite.

Ben schmunzelte: „Meine liebenswerte Patientin wird mit Geduld und Zuversicht demonstrieren, dass man vor Ärzten und den Untersuchungen keine Angst haben muss.“

„Geht es vielleicht etwas genauer?“

„Ich zeige den Kids die Instrumente und was man mit ihnen macht, dann können sie diese anfassen und auch ausprobieren.“

„Und warum machst du das nicht mit Patrick?“

„Warte, das war ja erst der Anfang. Nach dieser allgemeinen Annäherung wirst du entlassen. Patrick ist in Sichtweite mit irgendwas beschäftigt. Du gehst zu ihm, ihr geratet in einen Streit und bei einer Rangelei fällst du hin und tust, als könntest du nicht aufstehen, weil dein Knöchel ganz furchtbar schmerzt.“

Scarletts Augen wurden immer ungläubiger und dann brach sie in Gelächter aus. „Wer soll denn das glauben?“

„Es ist eine Situation, in die Kinder immer wieder kommen können!“ verteidigte er sich.

„Ist das deine Idee?“ fragte sie noch immer lachend.

„So kommen wir dann jedenfalls zur Ersten Hilfe. Du wirst in den Schatten getragen, dein Knöchel versorgt und dann üben wir Verbände anlegen. Das können die Kids gegenseitig machen.“

„Und du willst mir erzählen, dass Rick so einen Quatsch mitgemacht hat?“ wollte Scarlett wissen und versuchte ihren Lachkrampf unter Kontrolle zu bekommen.

„Nun nicht direkt. Er hat immer selbst einen Unfall inszeniert, von dem nicht einmal wir viel wussten. Er war der Ansicht, es wirkt besser, wenn nicht alles geplant ist.“

Scarlett kicherte noch immer. „Ich kann dir nicht versprechen, dass ich authentisch sein werde.“

„Es wird schon klappen.“ meinte Ben zuversichtlich, aber mit wenig Überzeugung.

„Ansonsten kannst du meinen Lachanfall auf den erlittenen Schock schieben.“ meinte sie und brach wieder in lautes Lachen aus.

Ben zuckte ratlos mit den Schultern. „Wenn du eine bessere Idee hast, heraus damit!“



Nachdem sie auf der Landebahn der Sheldon-Station gelandet waren, luden sie alle Dinge, die sie brauchen würden auf die Ladefläche eines kleinen Transporters um, der für sie dort bereitstand. Bis zum Camp mussten sie noch ca. 10 Minuten durch eine hügelige Landschaft fahren. Mit Carl Sheldon hatten sie vereinbart, wo sie den Schlüssel finden würden, weil er sie nicht begleiten konnte. Auf dem Beifahrersitz lag eine Karte, auf dem er ihnen den Weg markiert hatte. Ben setzte sich ans Lenkrad, Scarlett in die Mitte und Patrick studierte die Karte und wies den Weg vom Beifahrersitz aus an.

Nach einer Weile deutete Scarlett voraus. „Dort.“ Die Kinder hatten scheinbar als erste Aktion eine Fahne gehisst, die durch eine lichte Baumgruppe zu sehen war. Sie steuerten auf den Punkt zu und ein paar Minuten später bogen sie um die Baumgruppe herum und sofort kamen ihnen schon die ersten Kinder winkend entgegen. „Also, dann, auf ins Getümmel.“ grinste Patrick und Scarlett sah ihn zweifelnd an. Den Kindern folgte eine große Frau, das musste Carol sein. Sie begrüße Ben und Patrick und schließlich wandte sie sich Scarlett zu. „Dann bist du also Scarlett. Schön, dass du mir mit der Rasselbande helfen möchtest.“

„Ich hoffe, dass ich eine Hilfe sein werde.“

„Sicher, so können wir uns immer um eine kleinere Gruppe kümmern. Ich habe hier einen groben Ablaufplan für dich mitgebracht.“ Sie gab ihr den Zettel und meinte zu Ben: „Dort drüben bei den Bäumen wäre doch ein guter Platz, oder? Die Kinder werden euch beim Aufbauen helfen. Ich zeige Scarlett nur eben ihr Zelt.“

„Okay, bis gleich.“ stimmte Ben zu und nahm sofort zwei der größeren Jungen beiseite, die beim tragen helfen sollten.

Scarlett sah sich um. Es war ein wirklich wunderschöner Platz, den sie hier gefunden hatten. Die Bäume spendeten genug Schatten, vor ihnen war eine große freie und ebene Fläche. Die etwas abseits stehenden Zelte waren ein paar Meter vor einer schützenden Felswand in zwei gegenüber liegenden, etwas versetzten Reihen aufgebaut. Die Eingänge zeigten jeweils zur Mitte.

„Wir nehmen sie in die Zange. Du oben rechts und ich unten links.“ meinte Carol und Scarlett begann zu zweifeln, ob das so eine gute Idee gewesen war, hier zu bleiben. Die Gruppe bestand aus 6 Jungen und 7 Mädchen. „Dann auf in den Kampf!“ murmelte Scarlett, verstaute ihre Tasche mit persönlichen Sachen schnell in dem Zelt und ging mit Carol zurück.

„Keine Angst, sie beißen nicht.“ grinste Carol. „Im einen Moment nerven sie dich und im nächsten imponieren sie dir mit ihren Einfällen. Die Fahne war ihr erstes Projekt, das überhaupt nicht geplant war. Jeder hat ein Kleidungsstück geopfert und Dick hatte eine Drachenschnur dabei. Ehe ich mich versah hing sie schon dort oben.“

„Wir haben sie schon von Weiten durch die Bäume gesehen.“ antwortete Scarlett nickend, als sie auf die Gruppe zugingen, die sich unter den Bäumen versammelt hatte.

„So, dann stelle ich dich erst einmal vor.“ Carol nahm sie mit in die Mitte des Kreises, den die Kinder um einen Tisch und zwei Stühle gebildet hatten. Ben lehnte am Baum und Patrick lud Scarletts Kisten vom Wagen ab. Mehr oder weniger aufmerksam sahen die Kinder, die auf dem Boden hockten, zu ihnen auf. „Also, dies ist Scarlett Standish, die neue Funkerin von Charleville. Sie wird mit uns die drei Tage hier verbringen. Sie wird uns einiges über Technik berichten können.“

Scarlett schaute in die Runde und lächelte die Kinder freundlich an. „Hallo, also, wie gesagt, ich bin Scarlett. Eure Namen lerne ich bestimmt auch schnell.“

Ein blondes kleines Mädchen fiel ihr ins Wort. „Meine Ma hat schon über Funk mit dir gesprochen. Sie findet es toll, dass du mit uns campst.“

Scarlett lächelte die Kleine an. „Wie heißt du?“

„Mary Greyson.“

„Ja, ich erinnere mich. Deine Ma heißt Donna, nicht wahr?“

Mary nickte begeistert.

„Mein Dad sagt, Sie sind zu jung und eine Frau hält das nicht lange durch.“ mischte sich ein älterer, stämmiger Junge ein und musterte sie herausfordernd.

„Ich habe eine vollständige Funkausbildung und wie lange ich mich halten werde, weiß ich nicht, aber dein Vater ebenso wenig. Wie heißt du?“

„Julian Barns, mein Vater ist Harold Barns.“

Scarlett schluckte schnell. „Ja, den Namen habe ich auch schon gehört.“

Ben kam ihr zu Hilfe. „Scarlett hat sich bereit erklärt, für uns Patientin zu spielen.“

„Rick hat immer einen Unfall gehabt!“ murrte Julian und holte sein Handy aus der Tasche.

„Julian, steck dein Handy bitte weg.“ bat Carol. „Ihr habt jetzt die Gelegenheit, Doktor Ben Fragen zu stellen und er zeigt euch auch gern die Instrumente.“

„Kenne ich schon.“ maulte Julian weiter.

„Dann störe die anderen bitte nicht.“ wies Carol ihn zurecht.

Unbeirrt drückte er auf den piependen Tasten seines Handys herum.

„Wenn ich noch ein Ton von deinem Handy höre, kassiere ich es ein, Julian!“ drohte Carol und missmutig steckte er es wieder weg.

Scarlett setzte sich mit Ben in die Mitte auf die Stühle und auf einem kleinen Tisch neben ihnen lagen einige Instrumente.

„Das Stethoskop, darf ich das mal ausprobieren?“ fragte ein kleines Mädchen sofort und sah ihn mit begeistert glänzenden Augen aus ihrem unschuldigen Gesicht an.

„Du kennst dich ja schon gut aus.“ lobte Ben und griff zum Stethoskop.

„Wenn ich groß bin, werde ich fliegende Ärztin.“ erklärte sie mit großem Eifer.

„Dann komm, mal her.“ Ben erklärte zunächst die Funktion und dann setzte er es ihr auf und führte ihre Hand über ihre Brust.

„Ich will es an ihr ausprobieren!“ forderte die Kleine und zeigte auf Scarlett, die bis gerade gedacht hatte, wie süß das Mädchen doch mit ihren hellblonden, welligen Haaren und dieser kindlichen Begeisterung war.

Innerlich seufzend lächelte Scarlett brav und fragte sie nach ihrem Namen. Dann durfte Sherly sie mit Bens Hilfe „untersuchen“. Daran fanden besonders auch die anderen Mädchen und die kleineren Jungs anschließend großen Gefallen und gingen nacheinander mit Scarlett auf Tuchfühlung, die mal mehr oder weniger rabiat ausfiel.

Schließlich meldete sich Julian, der sich bisher mit 3 älteren Jungen zurückgehalten hatte. „Was ist mit Blut abnehmen?“

Scarlett verfluchte stumm die Familie Barns, denn die Kinder waren von dem Vorschlag natürlich sofort alle begeistert.

Aber Ben schüttelte den Kopf. „Das geht nicht.“

„Du kannst das doch machen und wir gucken zu!“ schlug Sherly dann augenblicklich vor.

Scarlett bemühte sich, weiter zu lächeln: „Ich denke, so langsam reicht es auch.“

„Ich wette, sie hat Angst!“ meinte Dick, ein großer Junge mit tausend Sommersprossen in Gesicht, breit grinsend, der neben seinem Freund Julian stand.

„Wie du bestimmt weißt, tut es nicht weh. Also ist Angst völlig unnötig!“ antwortete sie jetzt etwas gereizt und hielt Ben auffordernd ihren linken Arm hin.

„Gut, danach bist du dann entlassen.“ versprach er.

Scarlett schenkte ihm dafür lediglich ein ironisches Lächeln. Während Ben ihr dann etwas Blut abnahm, reckten alle die Köpfe.



Anschließend flüchtete Scarlett zu Patrick, der beim Wagen wartete. „Hast du gewusst, dass es so ablaufen wird? Das sind keine Kinder, das sind kleine Monster.“

„Jetzt übertreibst du aber. Ich gebe zu, dass es dich ziemlich hart erwischt hat, aber du hast es ja fast hinter dir.“

„Dafür schuldet ihr mir aber mehr als nur etwas beim Aufbauen helfen! Na, mach schon, wir müssen uns streiten.“

„Scarlett, vergiss es!“ rief Patrick etwas lauter.

„Es ist nur deine Schuld.“ entgegnete Scarlett mit kräftiger Stimme. Einige Kinder sahen auf. Patrick und Scarlett steigerten sich in einen Streit und schließlich griff Patrick sie am Arm, zwinkerte ihr einmal zu und zog ihr die Beine weg. Im nächsten Augenblick fand sich Scarlett auf dem Boden wieder. Dann hielt er ihr die Hand hin, um ihr aufzuhelfen.

„Ich weiß wirklich nicht, wie ihr das wieder gut machen wollt!“ raunte Scarlett und schüttelte den Kopf. Sie umklammerte ihr Fußgelenk mit beiden Händen.

„Wie wäre es mit einer Einladung zum Essen?“ fragte Patrick leise und winkte Ben zu. Sofort setzte sich die Gruppe mit ihm in Bewegung.

„Mindestens eins!“ sagte sie schnell und versuchte eine Leidensmiene aufzusetzen.

Als Ben mit den Kindern bei ihnen ankam, erkundigte er sich was passiert sei.

„Ich kann nicht aufstehen.“ antwortete Scarlett mit leidvoller Stimme.

Umringt von den Kindern, prüfte Ben die Beweglichkeit des Knöchels und hin und wieder gab Scarlett ein „Aua“ von sich.

„Patrick, hol bitte die Trage, dann bringen wir sie erst einmal zurück zu den Bäumen in den Schatten.“

Scarlett ließ sich zurücktragen und blieb auch noch brav sitzen, als Ben erklärte, wie sich die Kinder in einer ähnlichen Situation verhalten sollten. Ein paar Kinder brachten ihr sogar mitfühlend Wasser und auch ein paar Kekse, die sie von zu Hause mitgebracht hatten. Schließlich demonstrierte Ben an ihr dann noch das Anlegen eines Verbands. Danach übten die Kinder es gegenseitig.

Ben hockte sich zu Scarlett. „Danke, du warst wie erwartet eine wirklich liebenswerte Patientin.“

„So kommst du mir aber nicht davon!“

„Ich lasse mir noch etwas einfallen, okay?“

„Okay, kann ich jetzt wieder aufstehen?“

„Na, klar.“ Er zog sie hoch und einige Kinder grinsten bei der überraschend schnellen Genesung zu ihnen hinüber.

„Holt ihr mich eigentlich wieder ab?“ erkundigte sie sich noch.

„Ja, aber es kann sein, dass du eine Weile bei den Sheldons warten musst. Es sei denn, du möchtest mit Mr Barns fliegen, er holt Julian bestimmt persönlich ab.“

„Ich denke ich werde warten. Zwei ganze Tage mit seinem Sohn reichen mir vermutlich.“ meinte sie zweifelnd und blickte zu Julian, der Dick den Kopf bandagiert hatte und sich jetzt mit seinen Freunden darüber lustig machte.

„Bereust du es schon?“

„Da bin ich mir eben nicht sicher.“

„Du wirst doch wohl mit diesen halben Portionen fertig!“

„Sicher, aber vielleicht bin ich danach so gestresst, dass ich zwei Bedienstete brauche, die mich wieder aufpäppeln müssen. Ich hätte da schon ein zwei Kandidaten für diesen Job im Auge.“

Ben lachte. „Ich kontrolliere mal besser die Verbände hier. Danach helfe ich dir noch beim Aufbauen. Patrick wartet, glaube ich, schon.“



Carol bereitete das Mittagessen mit den Kindern vor und Scarlett leitete Ben und Patrick noch an, die Geräte aufzustellen. „Nein, nein, nicht so!“ ging sie dazwischen und riss Ben ein Kabel aus der Hand, das er gerade anschließen wollte. „Das mache ich doch lieber selbst.“

Ben sah sie amüsiert an. „Das ist nur ein Kabel, Scarlett.“

„Jedes Kabel ist wichtig. Ich sage ja auch nicht, das ist nur eine Ader.“ Sie schob die beiden zur Seite und legte erst einmal alle Kabel genau zurecht, ehe sie diese anschloss.

„Du brauchst uns wohl nicht mehr.“ stellte Patrick schmunzelnd fest.

Scarlett grinste ebenfalls: „Nein, ich mache das jetzt wirklich lieber selbst, danke.“

„Lass dich nicht unterkriegen!“ rieten sie ihr zum Abschied wie aus einem Mund

„Schlimmer kann es wohl kaum werden.“ antwortete sie mit gespielter Verzweiflung.



Nachdem Ben und Patrick aus dem Camp verabschiedet worden waren, gab es von den Kindern ein selbst zubereitetes Mittagessen. Zu Scarletts Verwunderung war es sogar genießbar. Sie unterhielt sich mit Carol und auch den Kindern. Am Nachmittag wurden die Gruppen dann geteilt, so dass ein Teil bei Scarlett blieb und sie ihnen eine kleine Technikeinführung gab, während Carol eine Umgebungswanderung mit den anderen unternahm. Nach einer Stunde wurden die Gruppen getauscht. Scarlett hatte es sich nach ihren Erfahrungen am Vormittag viel stressiger vorgestellt, aber bis auf ein paar Ausnahmen waren sogar alle sehr interessiert.



Nach dem Abendessen setzten sich Carol und Scarlett zusammen unter einen Baum, von dem aus sie den ganzen Platz überblicken konnten. „Und, wie findest du es?“ fragte Carol.

„Meine Befürchtungen haben sich noch nicht erfüllt.“ lachte Scarlett.

„Sie akzeptieren dich, das merkt man schon jetzt. Du hast heute Morgen Punkte gesammelt!“ meinte Carol anerkennend.

Bei dem Gedanken an ihre morgendliche Situation, schüttelte Scarlett lächelnd den Kopf: „Also, hätte ich gewusst, wie es ablaufen wird, hätte ich es nicht gemacht.“

Carol schmunzelte nur, bevor sie aufstand und Peter, Dick und Julian zurechtwies, die lachend mit irgendeinem Tier in der Hand hinter den kreischenden Mädchen herjagten. Als sie sich wieder setzte, raunte Scarlett ihr zu, dass ihr Julian mächtig auf die Nerven ging.

„Einer ist immer dabei.“ antwortete Carol nur.

„Und ständig spielt er mit diesem Handy rum. Warum hat er es überhaupt dabei? Hier kann er doch gar keinen Empfang haben. Wusste er das etwa nicht?“

„Er präsentiert sich. Du vergisst, dass es auch Handyspiele gibt.“

„Du meinst, er ist ein Angeber!“

„Ja.“ Sie lachten und sahen noch eine Weile zu, wie die Kinder zwischen den Zelten hin und her liefen. Sie dann am Abend in die Zelte zu scheuchen und zur Ruhe zu bringen, war ein ganz anderer Akt. Scarlett hatte keine Ahnung, wie oft sie Julian aus einem Zelt der Mädchen geholt hatte, als sie schließlich vor ihrem eigenen Zelt Platz nahm und auf Carol wartete. Als sie auch endlich kam und sich setzte, meinte Scarlett müde: „Das war jetzt so, wie ich es mir vorgestellt hatte.“

„Mal ehrlich, warst du anders?“

„Nein, natürlich nicht, aber von dieser Seite erlebe ich es zum ersten Mal.“

„Es gehört nun einmal dazu. In der nächsten Stunde werden sie es noch versuchen, in ein anderes Zelt zu kommen, aber dann werden die meisten einschlafen.“ Kaum ausgesprochen, hörten sie ein Rascheln. Carol legte warnend einen Finger vor die Lippen und schlich zu dem Zelt, aus dem die das Geräusch kam. Lautlos wartete sie und Scarlett beobachtete amüsiert, dass Dick fast ebenso lautlos aus dem Zelt zu kriechen begann. „Hast du etwas vergessen?“ fragte Carol unvermittelt. Dick schrak zusammen und aus dem Zelt kam Gelächter.

„Zurück in dein Schlafsack, Dick. Der Nächste, den ich erwische, darf in meinem Zelt übernachten.“ sagte sie betont laut und Scarlett schmunzelte. „Diese Drohung ist wohl zeitlos, oder?“

„Zeitlos und erfolgreich! Sie wissen, dass ich damit Ernst mache, Julian hatte vor zwei Jahren mal das Vergnügen.“

„Oh, das wäre nichts für mich.“ schüttelte Scarlett den Kopf.

„Sollten es zwei wagen, bekommst du auch einen Gast!“

„Bitte nicht!“ flehte Scarlett leise mit erhobenen Händen.

Sie warteten und langsam verstummten die Gespräche in den Zelten. Carol und Scarlett unterhielten sich flüsternd über den nächsten Tag. Als schließlich nur noch die nächtlichen Geräusche der Natur zu vernehmen waren, legten sich dann auch hin. Obwohl Scarlett müde war, schlief sie kaum. Immer wieder horchte sie auf, ob da nicht ein Geräusch war und sich die Kinder regten. Wenn eis von ihnen ausreißen würde, oder sonst eine dumme Idee haben sollte, würde man sie dafür zu Rechenschaft ziehen. Diese Rasselbande war schließlich ihrer Verantwortung unterstellt. ‚Ach was, sie wissen schon sehr genau, was sie tun. Niemand würde sich hier allein auf den Weg machen. Sie waren doch alle im Outback aufgewachsen.’ dachte sie noch und schlief über diesen Gedanken endlich richtig ein.



*



Völlig unausgeschlafen kroch Scarlett am nächsten Morgen aus dem Zelt. Carol stellte bereits das Frühstück zusammen.

„Kann ich dir helfen?“ gähnte Scarlett und reckte sich.

„Das Frühstück ist schon fast fertig, du könntest das Wecken übernehmen.“

Scarlett wollte gerade das erste Zelt öffnen, als Carol sie zurückrief.

„Warte, hiermit geht es einfacher und es kann auch keinen Ärger geben.“ Sie deutete auf den CD-Spieler.

„Ärger?“ Scarlett blickte sie verständnislos an.

„Du könntest jemanden in einer peinlichen Situation überraschen. Gerade bei den Jungen, müssen wir aufpassen, denn eigentlich bräuchten wir auch einen männlichen Betreuer.“

„Ah, jetzt hat’s Klick gemacht. Mein Gehirn ist noch nicht so wach.“ schmunzelte Scarlett. Dann nahm sie den CD-Spieler, wählte das Lied aus, das die Kids am Abend zuvor besonders oft gespielt hatten und drehte die Lautstärke hoch. Ein Knopfdruck und mit den ersten Takten kam auch empörtes Murren aus den Zelten. Nach und nach öffneten sich die Zelte und die Langschläfer kamen spätestens dann heraus, als Carol verkündete, das Frühstück sei fertig. Scarlett tat der Kaffee gut. Ihr blieb nicht viel Zeit für sich. Rechts und links saßen ein paar Mädchen, die sie ganz genau ausfragten.

„Was machen wir denn heute?“

„Carol und ich bieten unterschiedliche Projekte an.“

„Was denn?“

„Carol wird es gleich erklären.“

„Sag es uns doch schon einmal, bitte“

„Die paar Minuten werdet ihr noch warten können.“

„Du machst bestimmt wieder was mit Technik, oder?“

„Ihr werdet es gleich erfahren.“

„Sonst hättest du doch nicht so viel Zeug mitgebracht!“

„Überraschung!“

„Wie, was für eine Überraschung?“

„Wartet es doch einfach ab?“ Scarlett sah zu Carol hinüber. Sie saß ganz in Ruhe da und schmunzelte als sie Scarletts flehentlichen Blick bemerkte.

„Kannst du uns nicht ein Tipp geben?“ bettelte das Mädchen an ihrer rechten Seite weiter.

„Ich habe deinen Namen vergessen, wie heißt du?“

„Louise.“

„ Also, Louise, ihr wisst doch genau, dass Carol auch nichts sagt, warum glaubt ihr, bei mir wäre das anders?“

„Du bist neu.“

„Na, und?“

„Als Neue willst Du doch dazu gehören und keinen Ärger haben, oder? Wir sind auch ganz brav, wenn du es uns verrätst.“

„Sage ich es nicht, wollt ihr mir das Leben schwer machen, oder wie soll ich das verstehen?“ Die Mädchen grinsten breit. „Glaubt ihr wirklich, ich lasse mich erpressen? Wenn ich einmal nachgebe, kommt ihr immer wieder und wollt etwas anderes. Nein, nicht mit mir. Das wäre nämlich weitaus anstrengender als alles andere!“

Die Mädchen sahen ein, dass Scarlett nicht nachgeben würde und gaben es nun auf. Als wäre nichts gewesen fragten sie, wo Scarlett aufgewachsen sei. Scarlett wunderte sich zwar, aber erzählte ihnen freundlich von Coopers Crossing. Schließlich stand Carol auf und verkündete den Tagesplan. Entweder mit Carol Naturfarben herstellen oder mit Scarlett einen Morse-Telegraphen bauen. Wie zu erwarten, meldeten sich die Jungen alle für Scarletts Projekt und dazu kamen noch zwei der Mädchen. Carols Gruppe war somit etwas kleiner. Die Aussicht, sich den ganzen Tag mit Julian herumschlagen zu müssen, drückte Scarletts Stimmung zwar etwas, aber sie nahm sich vor, ihm keine Gelegenheit zu geben, sie auf die Palme zu bringen. Sie gab ihm immer eine Aufgabe, die ihn forderte, so dass er wirklich keine Zeit hatte, sich Dummheiten auszudenken. Plötzlich rief Carol sie schon zum Mittagessen zusammen. „Können wir nicht noch weitermachen, ich bin erst zum Abendessen eingeteilt.“ fragte Peter, einer der Ältesten.

Scarlett war überrascht. „Wir machen am Nachmittag weiter. Ihr habt euch die Pause wirklich verdient.“

„Aber wir wollen jetzt weiter machen!“ beschwerte sich nun auch Mary.

„Wir machen eine kürzere Mittagspause, okay?“ Damit waren alle einverstanden. Scarlett sammelte nun die ersten Erfahrungen im gemeinsamen Kochen. Das war dann auch genauso, wie Scarlett es sich vorgestellt hatte. Grob gehacktes Gemüse, vergessenes Waschen und natürlich gab es auch jemanden, der sich in die Fingen schnitt. „Irgendwie ist es besser, wenn man die Zubereitung nicht sieht!“ raunte Scarlett Carol beim Essen zu und diese grinste wissend zurück

Nach dem Essen warteten Scarletts Schützlinge schon ungeduldig auf sie.

„Wir haben mit den anderen gesprochen und wollen die Sendestation oben bei den Felsen aufbauen. Die anderen bemalen die Felsen dazu.“ erklärte Mary.

„Gute Idee! In der Nähe eurer Fahne stellen wir dann den Empfänger auf.“ Sie sahen zur Fahne, die in dem starken Wind hin und her gerissen wurde.



Julian und Peter waren für die Leitungsverlegung und die Masten zuständig.

„Wir brauchen hier mal Hilfe!“ rief Peter.

Scarlett lief zu ihnen. „Was ist los?“

„Wir können den Mast nicht aufstellen.“

„Ich helfe euch.“ Scarlett schnappte sich den ca. 2m langen Holzmast zum Erstaunen der Jungs und dirigierte Peter, das eine Ende in das gegrabene Loch zu bringen und Julian half beim Aufrichten.

„So, dann hebt noch das zweite Loch aus, und beim Aufstellen helfe ich wieder.“ meinte Scarlett und rieb sich die Hände an ihrer Jeans ab.

Julian grinste frech: „Nicht schlecht für `ne Frau!“

„Danke, ihr habt es bisher auch sehr gut gemacht.“ antwortete sie locker und ging zu den anderen zurück.

Kurz darauf kam Carol zu ihr und nahm sie beiseite. „Ich muss mit dir sprechen.“
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