Auf vergangenen Spuren

von -Rhea-
GeschichteKrimi, Romanze / P16
Dr. Anja Licht Franz Hubert
28.08.2017
23.09.2017
8
16210
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Hallöchen und schön, das ihr meine Geschichte lest.
Ich muss leider sagen, dass ich nicht aus Bayern bin (hab nur bayerische Freunde), deswegen hoffe ich, ich hab das mit dem Dialekt einigermaßen hinbekommen :)
Über Reviews freue ich mich immer totel (:
Viel Spaß beim Lesen,
Rhea:)

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„Geh Hansi, wos solln des wern?“, raunte Hubert und betrachtete seinen Partner augenrollend.

Dieser versuchte offensichtlich gerade, einen Stadtplan aus den verwelkten Blättern der Topfpflanze auf dem Fensterbrett zu legen.

„Was bistn du scho wieder so schlecht gelaunt? Des is joa unerträglich, wenn du-“
Doch weiter konnte Staller nicht ausholen.

„HUBERT! STALLER! Wo bleiben sie denn zum Teufel?!“

Die Stimme des Polizeirats schallte trommelfellzerfetzend durch die ansonsten verlassenen Räume des Präsidiums und übertönte das gereizte Gezanke der beiden Polizisten.
„Mei was pläärdn der schu wieder so?“, brummte Hubert und versuchte nun schon zum fünften Mal, den Bericht zu Ende zu schreiben, an dem er seit über einer Stunde saß. Er wäre schon fertig gewesen, hätte Staller nicht so angestrengt versucht, seine neuesten Profilererkenntnisse in seinen Bericht anstatt in seinen „Stadtplan“ einzubringen.
Schnaufend tippte er einen letzten Satz und druckte den Bericht aus, ohne ihn sich noch einmal durchzulesen.
Das Blatt lag noch nicht einmal im Ausgabeschacht des Druckers, da stand der Polizeirat schon in der Tür.

„Hubert! Staller!“

„Joa?“, antworteten beide im Chor.

„Sagen sie, was glauben sie eigentlich, für was sie hier bezahlt werden?“

„Mei ermitteln, schätz ich-“

„Umsetzen von moderner Polizeiarbeit Herr Girwitz, so a Stadtplan dauert fei schon sei Zeit und-“

„Geh Hansi, sei stat, der moant doch des net-“

„RUHE VERDAMMT!“, bellte Girwitz und die beiden sahen auf. Er trug einen glänzenden, dunkelgrauen (und mindestens zwei Nummern zu engen) Anzug und eine dunkelgrüne Krawatte.
„Staller! Sie sollten schon vor fünf Minuten bei mir im Büro antreten und Hubert! Wo ist der Bericht von diesem Vogelwilderer?“
„Dammwild“, verbesserte Hubert ihn knapp, „mei do im Drucker werder drinliagn?“
„ES IST MIR VERDAMMT NOCHMAL EGAL WAS FÜR VIECHER IN IHREM BERICHT STEHEN HUBERT! ICH ERWARTE EINE PÜNKTLICHE, TERMIN- UND ORTSGENAUE ABGABE, MERKEN SIE SICH DAS!“

Schon zurück auf dem Flur bellte er noch: „Und ich erwarte sie in zwanzig Minuten hier zur Abfahrt, pünktlich, im Anzug und ordentlich frisiert!“
„Ortsgenaue Abgabe Hansi, mei hör dir den Deppn an. Ortsgenau, sei Fach liagt en halbn Meter neberm Drucker. Ortsgenau, was a Schmarrn“, brummte Hubert und schaltete den Computer aus.

„I goah duschn, bis glei Hansi!“
Er griff nach einer schmutziggrauen Stofftasche neben seinem Schreibtisch und erhob sich von seinem Stuhl.
„Hubsi und wo is dei Anzug?“, fragte Staller verwundert und sah sich im Raum um.
Hubert hob die Tasche hoch, so dass sein Partner sie sehen konnte. Er zeigte darauf.
„Do.“
„Mei Hubsi, so a Kleidungsstück kannst do ned innare Stoffdaschn mit dir rumtrang, des knittert doch und iaberhaupt, die Flusen von dem Stoff auf em schwarzen Jacket-“

Doch Hubert stiefelte aus dem Raum in Richtung des Mitarbeiterbadezimmers, wo sich dankenswerterweise eine Dusche befand. Die beste Laune hatte er bei Weitem nicht. Er hasste solche Veranstaltungen. Empfänge mit anschließendem Herumgetanze waren ja schon schlimm genug, aber eine Preisverleihung? Wirklich?
Vor einer Woche war ihr Chef mit einem offiziell wirkenden Bogen Papier  im Konferenzraum erschienen, mit gewichtiger Miene und geschwellter Brust.
„Wir werden ausgezeichnet!“ hatte er geblökt und ihnen das Papier vor die Nase gehalten.
Hubert hatte mit einem Augenrollen das Papier genommen und mit Staller und Sonja, die über seine Schulter lugten, viel geschwollenes Blabla gelesen.
Es war eine Einladung zu einer Veranstaltung im alten Museum, bei der die herausragendsten Vertreter der „rasenden Helfer“ („was fia Deppn denken sich fei so an Titel aus Hansi?), nämlich Polizei, Feuerwehr und medizinischem Notdienst ausgezeichnet wurden. Auch die beste Publikation im jeweiligen  Fachbereich des Gewinners wurde anerkannt.
Als „besonderen Flair“,wurde den Behörden ein farblicher Dresscode zugeteilt.
Die Feuerwehr trug rot, der medizinische Notdienst blau und die Polizei grün.
„Was a Schmarrn“, hatte Hubert gezetert und sich daraufhin einen Vortrag über „motivierte Außenarbeit“ und „stärkenden Teamgeist“ anhören müssen.

Jetzt stand er  unter der winzigen Dusche und genoss die letzten Minuten, in denen er noch in Ruhe grantig sein durfte. Er rasierte sich (Stichwort „gepflegtes Auftreten“) und zog sich schnell an, um die Dusche für seinen Kollegen nicht allzu lange zu blockieren.
Doch diese Hektik war umsonst gewesen.
Als er in das gemeinsame Büro zurückkam, so ordentlich angezogen wie seit einer Ewigkeit nicht mehr, sah er Staller im Anzug an seinem Schreibtisch sitzen und wieder vertrocknete Blätter hin und her schieben.
„Hansi? Wo warstn du jetzt duaschn?“
„Geh des brau i heit nimmer“, antwortete Staller und zupfte ein grünes Blatt von der kargen Pflanze.
„Aber was is mit dene Spinnweben heit Mittag in dem Keller bei dere alte Hex, wia hiaß glei? Salter?“
„Hubsi, des is fei männlicher als oas Aftershave zam, des zieht Frauen wie magisch an!“
„Doa bin i ma sicher….“, murmelte Hubert und griff nach seinem Jacket.

Zehn Minuten später saß er, missmutig an seiner Krawatte herum zupfend, auf dem Beifahrersitz des Streifenwagens. Hansi fuhr wie üblich.
„Hubsi, schaust echt gut aus!“, bemerkte Sonja grinsend, die mit Riedl, der in seinem Anzug sichtlich schwitzte (es war Januar), auf der Rückbank saß.
„Merci“, antwortete Hubert und Staller sprang sofort ein: „Du freilich auch Sonja, die Farbn steht dir“
„Selbstverständlich“, bestätigte Hubert mit einem nach oben zeigenden Daumen für Sonja und einem Augenrollen für seinen übereifrigen Partner.

Auf dem Parkplatz des Museums fing Girwitz sie ab, wie auch Riedl schnaufte er heftig und Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.
„Da ist ja mein Team!“, sagte er laut und betrachtete sie prüfend, „Ordentlich und geschniegelt natürlich. Staller! Was ist das in ihren Haaren?“
Hubert wischte mit der Eintrittskarte in seiner Hand über Hansis Kopf und fegte eine Spinnwebe davon weg.
„Haargel“, antwortete er ernst und zog die Augenbrauen hoch, „für an besonders... aa, männlichen Auftritt, Herr Girwitz.“
Er warf Staller einen ich-habs-ja-gsagt-Blick zu und verkniff sich das Lachen, denn Girwitz hatte zum finalen Vortrag angesetzt.
„Also“, sagte er und holte tief Luft, „ich möchte einen sorgenfreien, unbeschwerten Abend genießen. Angemessenes Verhalten ist die Devise und das Motto, verstehen sie?“
Alle nickten außer Staller, dem Hubert den Ellbogen in den Bauch rammte, um ihn von einer sinnlosen Diskussion oder auch Nachfragen abzuhalten.
Er vermutete nämlich vor allem seinen Partner und vielleicht auch Riedl als Adressat des Vortrags,  denn weder Sonja in ihrem hübschen, limonengrünen Kleid, noch er  selbst hatten ein solches Talent wie die beiden, sich ungewollt daneben zu benehmen.
„Wo ist die  Anja eigentlich?“, fragte Sonja gut gelaunt während sie auf die offenen Glasschwingtüren zuliefen, wo schon eine Menge Leute standen.
„Geh Sonja“, antwortete Hubert und sah sie an, „a Pathologin is koa medizinischer Notdienst, die kemmt ned.“
„Bist da sicher? Vielleicht ja doch?“, ertönte Anjas Stimme hinter ihnen.
Allgemeine, ausschweifende Begrüßungen, vor allem von Girwitz („ist ja schön sie mal ohne Leiche zu sehen, nicht wahr, hehe?) folgten.
Hubert schloss die Augen und atmete hörbar aus.
Ja.
Das würde ein sehr entspannter Abend werden.
Ganz sicher.
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