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Die letzte Reise  des Hunds

KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
27.08.2017
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„Au weia!“, sprach der eisgrau und sehr lahm gewordene Hund in seinem fünfzehnten Jahre, da des Abends mählich ein Hauch wie aus der Grube ihn umschlich, bisweilen.

„Die Treu gehalten meinem Herrn, der mir seinerseits die Treu nimmer hielt, vielmehr die Herren beglückte, wie sie grad kamen, jeden beschwörend, der möge achtsam sein und zurückhaltend beim Eindringen, denn zugeritten sei er nicht und, ach, leider so vermaledeit eng gebaut. Auch stand der Herr auf Sahne und bettelte darum, dass sie verteilt würde in ihm. Irgendwann hat er sie auf meinen Brekkies mir verfüttert und gelacht dabei. Herzlos konnte er auch sein.“

„Wohin denn nun mit mir? Ich Armer, ich mit meinem an die Treue vertändelten Leben, dessen letztes Stündlein schleunig schlagen möchte?“

Da kam der Hund darauf und er wollte gehen weit in Gottes herrliche Welt hinaus, besehen sich die Fluren, Haine und Auen. Am liebsten um die kaiserliche und herrliche Stadt Wien herum, welche sich wie eine verschüttete und zerstampfte Mehlspeise auswellt auf die Ebene und östlich des Gebirges klebet, wo der Nibelungenstrom ins Reich der Tschuschen und Türken dem Morgen hinzuwärts brodelt.

„Ich will“, dachte dieser greise Hund, „ein resches Madel freien und Verantwortung jetzt doch noch tragen für einen kleinen Wurf von Welpen.“

Jedoch, als er in der Nähe des Westbahnhofs vom Waggon herunter gesprungen war, brach er sich einen Haxen, denn naturgemäß waren dieselben morsch geworden. Da lag er und verröchelte und die Raben machten ein freudiges Krakeel um ihn.

In eben diesem Moment kam der alte Franzl geschlichen, der Hund vom verewigten Hausbesorger Bernhardi.
„Ja mei, der Schorschi! Was haben's dir getan, du guter Kamerad!“, jaulte der Franzl und weinte bitterlich, vor Freude - wegen dem unverhofften Wiedersehen oder aus Kummer, wir wissen es nicht zu sagen.

Der Franzl hielt den alten Schorschi, der aber dieser Schorschi durchaus nicht war, sondern vielmehr Oliver, in seinen Armen und schleckte ihm übers Fotzl-Gesicht und versicherte: „Wart, das wird bald wieder. Ich bin jetzt da.“

So hab' ich also meine lange Reise angetreten und bin unter die Räder gekommen, um zu wechseln von der einen Schwuchtel zur anderen, sann der sich schon durchsonnter fühlende Oliver. Schön ist's schon. Dass einer einen liebt, obwohl man es selbst nicht mal ist. So lässt sich's am Leben sein, dachte der Oliver, ein dienstergrauter Hund, und den letzten Atemzug hauchte er aus.
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