Unworthy

OneshotRomanze / P12 Slash
27.08.2017
27.08.2017
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Unworthy


Schon den ganzen Abend lang wurde Shiro von einer inneren Unruhe geplagt.

   Nach der Sache mit Sendak, die zum Glück ein glimpfliches Ende genommen hatte, war Keith auf sein Zimmer verschwunden und hatte sich seitdem nicht mehr blicken lassen. Irgendetwas musste ihn irritiert haben – ganz abgesehen von der üblichen Nahtoderfahrung, die eigentlich jedes Aufeinandertreffen der Voltron-Crew mit Abgesandten des Galra-Imperiums begleitete.

   Doch als Shiro sich endlich dazu durchrang, nach seinem Freund zu sehen, fand er dessen Kabine leer und sein Bett unbenutzt vor. Er hatte absichtlich gewartet, um Keith nicht zu bedrängen, weil er wusste, dass dieser sich dann erst recht einigelte. Umso mehr erschrak er nun über die Tatsache, dass er die Situation falsch eingeschätzt und sich sein Freund dieses Mal vielleicht von vornherein von ihm abgekapselt hatte.

~

Pidge war gerade eifrig dabei, die gesammelten Informationen aus Sendaks Erinnerungen nach Hinweisen auf eventuelle Pläne der Galra zu durchforsten, während Allura und Coran interessiert danebenstanden und ungeduldig auf einen bahnbrechenden Fund warteten.

   »Habt ihr zufällig Keith gesehen? Ich dachte, er wäre in seinem Zimmer, aber da ist er nicht.«

   Shiro bemühte sich, seine Stimme so ruhig und unaufgeregt wie möglich klingen zu lassen, obwohl sein Herz etwas schneller schlug als normal und er die Ungewissheit über den Verbleib seines Freundes kaum ertragen konnte.

   Coran runzelte die Stirn, legte sich den Daumen der rechten Hand unter das Kinn und tippte nachdenklich mit dem Zeigefinger gegen seine Wange.

   »Hm. Ich habe ihn zuletzt hier auf der Brücke gesehen, kurz nachdem wir dem Wurmloch entkommen sind. Wenn ich recht überlege, machte er einen etwas kränklichen Eindruck ... was meint Ihr, Allura?«

   Die alteanische Prinzessin zuckte mit den Schultern und drehte entschuldigend die Handflächen nach oben.

   »Mir ist nichts dergleichen aufgefallen, tut mir leid.«

   Shiro durchflutete eine heiße Welle von Angst und er ballte unbewusst die Fäuste zusammen.

   »Pidge?«

   Ohne vom Bildschirm aufzusehen, schüttelte diese nur den Kopf.

   »Nope.«

   Ihm blieb wohl oder übel nichts anderes übrig, als weiterzusuchen.

~

Trotz der riesigen Dimensionen des Schlosses war es ein Leichtes, die anderen zwei Paladine ausfindig zu machen. Shiro musste nur dem Lärm folgen. Genau in dem Augenblick, in dem er die Küche betrat, flog ihm etwas Grünes entgegen, und er verdankte es nur seinen schnellen Reflexen, dass er rechtzeitig ausweichen konnte.

   »Ups«, machte Hunk, der etwas weiter weg stand und ihn verlegen angrinste. »Das war nicht für dich gedacht.«

   Plötzlich klapperte Geschirr neben Shiro und ein verschwitzter Lance kroch unter der Arbeitsplatte hervor.

   »Misch dich nicht in unsere Diskussion ein«, wetterte dieser drauf los, »wir sind alt genug, um das selbst zu regeln! Also wenn du uns jetzt bitte wieder allein lassen würdest ...« Er kreuzte die Arme vor der Brust und zog eine Schnute.

   »Ich mische mich nicht ein und nach einer Diskussion sieht mir das hier ehrlich gesagt auch nicht aus ...«, begann Shiro seine Verteidigungsrede, besann sich dann aber schnell eines Besseren. »Ich möchte nur wissen, ob jemand von euch weiß, wo Keith ist.«

   Hunk ging plötzlich hinter einem Tresen in Deckung und rief:

   »Keine Ahnung, sorry!«

   Da landete auch schon ein weiterer, unförmiger Klumpen der grünen Biomasse an eben jener Stelle, an der sich gerade noch der kräftig gebaute Paladin befunden hatte. Lance fluchte, weil sein Geschoss knapp am Ziel vorbei gegangen war.

   »Lance?« Shiro drehte sich um und blickte ins Leere. »Lance!«

   Dieser hatte sich bereits wieder unter der Arbeitsplatte verkrochen und steckte nun genervt den Kopf heraus.

   »Ich weiß nicht, wo Keith ist, und es interessiert mich auch ni«

   Das Ende seines Satzes wurde von einem überraschten Aufstöhnen verschluckt. Hunk hatte voll ins Schwarze getroffen.

   Shiro rollte kapitulierend die Augen und verließ das Schlachtfeld, um seine Suche nach Keith fortzusetzen.

~

Er fand ihn schließlich an einem Ort, an dem er ihn am wenigsten vermutet hatte.

   Keith saß mitten auf der breiten Treppe im ehemaligen Ballsaal des umfunktionierten Schlosses und starrte gedankenverloren zu Boden.

   Shiro näherte sich ihm zögerlich.

   »Hey ...«

   Der Kopf des anderen ruckte erschrocken in die Höhe, ihre Blicke trafen sich für den Bruchteil einer Sekunde, dann stieg Keith eine dezente Röte in die Wangen und er wandte sich wieder von ihm ab.

   »Ich hab’ dich überall gesucht ...«

   Shiro konnte nur zu deutlich sehen, wie sein Freund mit sich rang. Aufstehen oder sitzen bleiben, einfach weggehen oder sich der Situation stellen ... er hatte diesen inneren Kampf schon so oft an ihm beobachtet, trotzdem schmerzte es ihn immer wieder aufs Neue. Stumm ließ er sich neben ihm auf den Stufen nieder und wartete auf eine Reaktion.

   »Ich bin nicht würdig, Paladin zu sein. Ihr werdet euch nach jemand anderem umsehen müssen.«

   Keith hatte ihn bei der Verkündung seiner einsamen Entscheidung nicht angeschaut und tat es auch jetzt nicht. Für ihn war das Verlassen des Teams Voltron bereits beschlossene Sache und er gab somit zu verstehen, dass er gut und gerne auf eine Moralpredigt seines besten Freundes verzichten konnte.

   Shiro schluckte hart. Er wusste, dass es sinnlos war, wie wild auf ihn einzureden, deshalb überlegte er fieberhaft, was er sagen konnte, um wenigstens das Gespräch in Gang zu halten.

   »Wieso?« Eine simple Frage, aber auch die einzig vernünftige, die ihm in diesem Moment in den Sinn kam.

   Keith fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Er schien abzuwägen, ob er dem anderen eine Antwort darauf schuldig war, und als er schließlich sprach, klang seine Stimme furchtbar schwach und verletzlich.

   »Als Allura heute das letzte geopfert hat, was von ihrem Vater noch übrig war, da ... da ist mir etwas klargeworden.«

   Er machte eine kurze Pause, um sich zu sammeln, bevor er fortfuhr.

   »Jeder hier ist dazu bereit, das aufzugeben, was ihm am meisten bedeutet. Für das große Ganze. Für den höheren Zweck. – Sogar Pidge hat den Kampf gegen Zarkons Imperium über ihre eigene Familie gestellt. – Aber ich ...«

   Shiro wollte ihm mit der Hand über den Rücken streicheln, ihn ermutigen weiterzureden, hatte aber plötzlich Hemmungen, weil er absolut nicht sicher war, in welche Richtung der bittere Monolog seines Freundes steuerte.

   Keith atmete tief durch, dann hob er den Blick und schaute dem anderen direkt in die Augen.

   »Ich kann das nicht. Wenn ich mir vorstelle, dein Leben stünde auf dem Spiel ... Shiro ... ich könnte dich niemals im Stich lassen. Ich würde immer mein Leben riskieren, um dich zu retten, egal, wie viel es kostet. Egal, ob deshalb das Universum in Flammen aufgeht, ob Voltron dadurch zerstört wird und Zarkon gewinnt. – Ich kann dich nicht verlieren, Shiro. – Niemals. Und daher kann ich auch kein Paladin sein.«

   Shiro starrte ihn fassungslos an. Er spürte, wie ihm Tränen in die Augen schossen, und als er kurz blinzelte, kullerte eine davon seine Wange hinab.

   »Keith ...« Seine Stimme war nichts als ein heiseres Flüstern. »Wann bist du bloß so verdammt erwachsen geworden ...«

   Seine Finger strichen eine Haarsträhne aus dem überraschten Gesicht des anderen und legten sich dann behutsam in dessen Nacken.

   »Wenn das die ultimative Bedingung ist, Teil von Voltron zu sein ... dann muss ich ebenfalls den Dienst quittieren.«

   Keiths Pupillen zogen sich unmerklich zusammen, als sich Shiro langsam zu ihm hinüberbeugte. Er konnte bereits seinen Atem auf den Lippen spüren.

   »Denn ich ... ich würde jederzeit das Gleiche für dich tun.«
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