Der Kuss des Kjer Weiterführung eines großen Fans

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Ahmeer Haffren Lijanas Mordan Rusan
27.08.2017
08.09.2020
10
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27.08.2017 1.241
 
Tage waren inzwischen vergangen, nachdem Königin Naisee Mordan vom Kreuz hatte holen lassen, Tage! In ihrem Inneren kam es ihr vor,  als wären es schon Wochen. Jeden Tag hatte er mit der Bewusstlosigkeit gekämpft, jeden Tag hatte sie sich um all seine Verletzungen gekümmert, immer als erstes sein Auge, in der Hoffnung, dass er bald wieder sehen konnte, hatte sich die Finger gegen die Lippen gepresst, aus Angst ihn zu verlieren, den Mann den sie liebte, den ersten Heerführer der Kjer, den Prinzen, den Blutwolf. Sie lagerten noch immer vor Anschara. Mordan war noch nicht bereit gewesen weiter zu reiten.  Selten war er zu sich gekommen, zwar immer länger,   aber ihm fehlte die Kraft sich auf einem Pferd zu halten. Gerade war sie dabei Eiswurzsud in einen Becher zu kippen, als jemand ihre Schulter ergriff. Erschrocken schnappte sie nach Luft, wurde aus ihren Gedanken gerissen, welche Tinktur seinem Auge helfen könnte, ihm helfen könnte sich wieder an das grelle Licht der Sonne zu gewöhnen, als Brachan sanft eine Hand auf ihre Schulter legte, ihr ein Brett mit etwas frischem Brot, Käse den süßen Jelil-Pflaumen,  die sie so sehr liebte und Wein auf den Schoß legte. "Ihr solltet etwas essen Heilerin! Mordan wird genesen, er sieht schon deutlich besser aus! Er ist zäher als ihr denkt, macht Euch keine Sorgen, er wird aufwachen... er hat das Herz eines Löwen!", sagte er fest davon überzeugt,  dass seine Worte der Wirklichkeit entsprachen. Sie war sich nicht sicher ob,  der Kjer Krieger wirklich daran glaubte was er sagte, aber sie nahm es hin. Mit einem leichten Seufzen nickte sie ergeben, schob sich einen Kanten des Brotes in den Mund, danach eine der kleinen Pflaumen und kaute darauf herum, spülte alles mit einem Schluck Wein herunter um den alten Krieger zufrieden zu stellen. Er hatte recht, sie musste essen! Sie musste Kraft haben für sie beide, sie musste stark sein!
"Danke Brachan... du hast recht, ich werde mich aber nochmal um sein Auge kümmern... Etwas Wundbalsam und ein Leinen sollte dem Auge helfen wieder zu genesen...", murmelte sie leise, mehr zu sich selbst,  als zu dem Krieger. Sie stellte das Brett beiseite und huschte dann eiligen Schrittes zu dem dunklen Krieger, raffte ihr Kleid zusammen bevor sie neben den Fellen in die Knie ging. Vorsichtig hob sie das alte Leinen von seinem Auge, sie hatte gebeten das Zelt so dunkel wie möglich zu halten und trotzdem kam ein leises gequältest stöhnen aus der Kehle ihres Geliebten. "scht...", hauchte sie ihm entgegen, tupfte mit einem kühlen, feuchten Leinen die Reste der Salbe ab, als Mordan seine Hand hob und ihr sanft an die Wange legte. "Elljen..", hörte sie die leisen gehauchten Worte aus seiner Kehle. "Scht.. schon gut ich bin hier..", murmelte sie leise, drückte sanft seine Hand zurück, schob ihre stattdessen unter seinen Nacken und flöste ihm etwas kühle Flüssigkeit zwischen die Lippen. Behutsam stellte sie  den Becher beiseite und streichelte ihm sanft durch das dunkle, grausam kurz geschorene Haar, Ahmeer... wenn sie ihm noch einmal alleine begegnen würde, würde er den Zorn einer Seelenhexe zu spüren bekommen!

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Pein barst in seinem Kopf, wütend wie ein glühendes Eisen bohrte sich der Schmerz in seine süße Bewusstlosigkeit, holte ihn in das hier, in das jetzt zurück. Müde öffnete er das Auge, versuchte zu schlucken, da ihm die Zunge wie ein faules Blatt am Gaumen klebte, doch er schaffte es nicht. Unfokussiert flog sein Blick durch den Raum, sah Lijanas über sich gebeugt, der Grund seiner Pein. Er hatte ihr erlaubt sich um das Auge zu kümmern, er hätte wissen müssen das sie dies auch sofort machte,  sie keinen Tag abwarten würde, stur wie eh und je.
Er wollte ihren Namen sagen, doch seine Zunge verwehrte ihm den Dienst, einzig allein ein gehauchtes "Elljen" ließ sie zu, wesewgen er auch seine Hand anhob, ihr durch das weiche, wie Mitternachtsfeuer gesponnene Haar streicheln wollte, doch diese wurde nur brüsk wieder herunter gedrückt, sein Kopf angehoben und klare, kühle Flüssigkeit in seinen Mund geschüttet, Flüssigkeit die den ranzigen Geschmack von seiner Zunge spülte, die ihn wieder klarer denken ließ, über den Schmerz in seinem Kopf hinweg. "Lijanas..", röchelte er leise, fuhr mit der Hand über das Laken, auf der Suche nach ihrer Hand, die gerade dabei war, etwas von dem Wundbalsam auf einem frischen Leinen zu verteilen.  Er zog die Ellenbogen enger an seinen Körper, stemmte sich mit einem leichten Keuchen in die Höhe, setzte sich auf, ein Versuch, der ihm heute zum allerersten Mal gelang. Dieses Mal wurde es auch   nicht mit einem entrüsteten "he" ihrerseits quittiert.  Lediglich  "Seht ihr", kam aus dem hinteren Teil des Zeltes, in welchem Brachan stand, die Knöchel lässig gekreuzt, ein zufriedenens Lächeln auf den Lippen.
Sein Blick flog durch das Zelt, das Selbe in welchem er letztes mal zu sich gekommen war. Sie waren also noch nicht weiter gereist, waren noch immer zu nah an der Hauptstadt Astrachars, zu nah für seinen Geschmack. Sie mussten weiter, und das am besten so schnell wie es geht. "Brachan.. wo ist mein Wams? Meine Stiefel?", fragte er, nachdem er das Bett um sich herum abgesucht hatte, sah mit einer gehobenen Augenbraue zu seinem Krieger, der nur Verzeihung heischend Lächelte und zur Heilerin nickte. "Weg gesperrt... damit du nicht hin kommst und dich ausruhst wie du es auch noch solltest.", kam es leise neben ihm. Dann spürte er auch schon ein kühles Leinen auf seinem Auge, Dunkelheit, die ihm den Schmerz wieder nahm. Das ihm eine Disskusion bevor stand war ihm definitiv klar.
"Brachan.. lass uns alleine, hole mein Wams, mein Kettenhemd und die Stiefel. Sattle Ired für mich,  sag allen, dass sie sich bereit halten sollen. Wir werden heute noch nach Turas aufbrechen.

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Dunkel war das Holz vom Blut des ersten Heerführers der Kjer gefärbt. Die Seile baumelten sinnlos am Holz herunter, Wut machte sich in ihm breit, loderte tief in seiner Brust. Er hätte hier sterben müssen! Ahmeer konnte noch immer nicht verstehen wie sein Onkel zulassen konnte, dass diese verrückte Alte seine Braut und den Blutwolf mitnahm, seinen Leichnam verbrannte. Er hätte ihn in eine Grube geworfen, zu verendeten Schafen und Ziegen! Er hätte das bekommen was er verdient hatte. Wütend riss er die Zügel herum, ignorierte das erschrockene Wiehern des weißen Hengstes, trieb ihm die Sporen in die Seite und galoppierte über den Markplatz davon zum Haupttor der Stadt. Die Kjer lagerten noch immer vor ihren Toren, warum? Er wusste es nicht. Am liebsten würde er sie mit einer Horde seiner besten Soldaten in die Flucht schlagen, seine ehemalige Braut die Hexe gleich noch dazu. Sie hatte kein Recht zu Leben, nicht mehr, nicht nachdem er wusste was sie wirklich war, eine Seelenhexe. Wie hatte er das nicht bemerken können?
Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete er das Treiben vor seiner Stadt, wandte sich wieder dem Inneren zu. Morgen, wären sie Morgen noch immer hier, würde er bewaffnet, mit einem Kriegstrupp nach draußen reiten, den Kjer, wenngleich auch gegen den Willen seines Onkels einen Besuch abstatten. Er würde sie zwingen zu gehen, sie hatten hier nichts mehr verloren. "Schließt das Tor... und behaltet die Kjer im Auge! Ruft mich wenn sie aufbrechen!", rief er den Wachen zu, trieb seinen Hengst wieder in einen schnellen Trab und verschwand im inneren der Stadt. Der morgige Tag würde über ihr Schicksal entscheiden
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