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The Diamond Of The Day

von Cerys
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Arthur Pendragon Merlin
25.08.2017
23.01.2022
38
171.526
54
Alle Kapitel
175 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
15.01.2022 3.671
 
Hi.
Ich habe beschlossen das nächste Kapitel auch schon mal zum Wochenende online zu stellen. Ihr musstet ja schon oft genug länger auf Neues warten. :)
Ich hoffe es gefällt euch.
Wie immer, hinterlasst mir gerne ein Kommentar.

Liebe Grüße und schönes Wochenende euch.
Cerys

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36. Kapitel

Als Merlin der altvertraute Geruch von Kräutern in die Nase stieg, entließ er einen tiefen Seufzer und spürte dabei, wie die Anspannung der letzten Tage von ihm abfiel. Wie Gwen vorausgesagt hatte, waren Arthur und er mit der Fülle an Aufgaben so beschäftigt gewesen, dass sie kaum Zeit zum Schlafen oder Essen gefunden hatte. Zu viele Dinge bedurften ihrer Aufmerksamkeit oder galten von ihnen entschieden zu werden. Merlin legte einen inneren Schwur ab, Gwen nie wieder so zu verärgern. Arthur war in der ersten Zeit nach ihrer Rückkehr auch nicht wesentlich besser gelaunt gewesen, wie immer wenn er mit Gwen im Zwist lag. Dies kam glücklicherweise nur sehr selten vor, da sein Freund gelernt hatte baldmöglichst seine Frau um Verzeihung zu bitten.

Dieses Mal war Gwen unerschütterlicher in ihrer Wut gewesen und hatte Arthur drei Tage schmoren lassen, ehe sie wieder ihre gemeinsamen Gemächer bezog. Das war angesichts ihrer sonst so harmonischen Beziehung ein regelrechter Skandal am Hof gewesen, wenn auch die Adligen und Bediensteten es besser wussten als den Tratsch über die Zugbrücke hinaus zu tragen.
Nun wo Arthur und Gwen wieder glücklich vereint waren – und Arthur und er Gwen schworen mussten nie wieder so unüberlegt aufzubrechen, vor allem ohne ihr Wissen – galt es nun an Gaius und Merlin endlich den Trank fertig zu brauen, der für all den Unfriede verantwortlich war.
Gaius hatte glücklicherweise sofort gewusst, wie man den Trank zubereiten musste. Sein alter Lehrmeister hatte ebenfalls geglaubt, dass das Kraut von Uther vernichtet worden wäre und sprach dem königlichem Paar seine Zuversicht aus, dass es mithilfe von Merlins Magie sicherlich gelingen würde, nun den ersehnten Erben hervorzubringen. Merlin wäre es lieber gewesen, wenn Gaius nicht so frohen Mutes sie in ihrer Hoffnung bestärkt hätte. Er war sich nämlich bei weitem nicht so sicher wie Gaius, dass es ihnen gelingen würde.
»Ah, Merlin!«, erklang aus dem Inneren der bescheidenen Gemächer Gaius Stimme. Der alte Mann lugte über seine Sehhilfe hinweg zu ihm. Ein breites, erfreutes Lächeln erhellte die faltigen Gesichtszüge von ihm.
Merlin schloss hinter sich die Tür und beschleunigte seine Schritte, um Gaius in eine feste Umarmung zu ziehen. Er sah seinen Mentor viel zu selten, seit er seine neue Position am Hofe aufgenommen hatte. Zu wenige gemeinsame Mahlzeiten und Gelegenheiten, um in Ruhe miteinander zu sprechen.
Heute hatte Merlin sich diese Zeit freigeschaufelt. Er würde dafür morgen einen längeren Tag vor sich haben, doch das war es ihm wert.

»Tut gut dich zu sehen.«, erwiderte Merlin beschwingt, ehe er Gaius ein letztes Mal auf den Rücken klopfte und seine Schraubstockumarmung löste.
»Dich ebenfalls.« Gaius schmunzelte. In seinen Augen loderte tiefer Stolz. »Ich höre aus allen Ecken des Hofes nur Gutes über dich, Merlin.«
Merlin, berührt von der Lobpreisung seines Ziehvaters, machte eine rasche wegwerfende Handbewegung.
»Vielleicht von allen, außer Gwen.« Er ließ sich am gedeckten Tisch nieder.
Gaius nahm ihm gegenüber Platz. Merlin fiel auf, dass seine Schritte schwerfälliger geworden waren als früher. Das schlohweiße Haar des Hofarztes ging ihm inzwischen weit über die Schultern. Merlin machte sich eine gedankliche Notiz Gaius später das Haar zu schneiden.
»Auch die Königin ist angetan von dir. Rede keinen Blödsinn. Ihr seid beste Freunde.«
»Sie hat es Arthur und mir ziemlich übel genommen, dass wir einfach so davongeritten sind.«, gab Merlin zu bedenken.
»Zurecht.«, behauptete Gaius und hob seine rechte Augenbraue. Der altbekannte kritische Blick verleitete Merlin zu einem schelmischen Grinsen, wie immer wenn er wusste, dass er etwas getan hatte, dass Gaius Missbilligung zur Folge hatte. Der Hofarzt konnte seine Mimik nicht lange wahren, ehe auch er zu lachen begann.
Mit ausschweifenden Handbewegungen deutete er auf das Festmahl auf seinem Tisch.
»Und ich habe dir wohl für diese Speisen zu danken, die Bran uns gebracht hat. Aus der Palastküche.« Gaius legte den Kopf schief und schmunzelte.
»Ein Gruß von dem Königspaar.«, verbesserte Merlin ihn, währenddessen er sich und Gaius reichlich von dem Wein einschenkte. »Für unsere harte Arbeit.«
Er zwinkerte.
»Wenn das so ist.«
Gaius stieß mit ihm an.

Während ihres Essens kam Merlin endlich dazu Gaius all das zu berichten, was in der letzten Zeit vorgefallen war. Es führte dazu, dass er hauptsächlich sprach und Gaius nur vereinzelte Fragen stellte, wodurch der Hofarzt schneller seine Teller leergeputzt hatte als Merlin. Als dieser schließlich mit seinen Erzählungen endete, stürzte sich der Zauberer ausgehungert auf sein restliches Abendessen, während Gaius die Informationen zu verarbeiten schien. Der verkniffene Ausdruck seines Ziehvaters verriet ihm, dass der alte Mann tief in seinen grüblerischen Gedanken steckte. Es war besser, ihn solange in ruhe zu lassen. Merlin war bei den letzten Bissen angelangt, als Gaius wieder das Wort ergriff.
»Kann ich diese Tätowierungen sehen?«
Merlin nickte langsam und nahm als erstes das feine Lederarmband ab, das jetzt zu jedem Zeitpunkt seine Haut bedeckte. Ihr Anblick beriet Merlin weit weniger Unbehagen, als er erwartet hatte. Es war eins von zahlreichen weiteren Geheimnissen, die er um jeden Preis schützen musste. Deswegen verlor er schon lange keinen Schlaf mehr. Gaius betrachtete sein Handgelenk einen Moment, ehe er sachte lächelte.

»Mir war immer klar, dass es eines Tages dazu kommen würde. So wie die Druiden über dich sprachen. Deine Verbundenheit zu ihnen.« Gaius schüttelte den Kopf. »Früher oder später musstest du einer von ihnen werden.«
»Aber ich bin mehr als das.«, erinnerte ihn Merlin leise und begann sich aus seiner Oberbekleidung zu schälen, bis er mit freiem Oberkörper vor Gaius saß. Als der Hofarzt auf die freigelegte Haut auf seiner Brust starrte, bemerkte Merlin sofort wie die Haut um Gaius Augen weiß wurde.
»Triquetra.«, murmelte sein Ziehvater mit unverhohlenem Staunen. Wie im Trancé streckte er eine Hand aus, doch ehe seine Fingerspitzen Merlin berührten, sah er zögerlich in Merlins Gesicht auf.
»Darf ich?«, bat er um Erlaubnis.
Merlin schnaubte amüsiert auf.
»Natürlich.«
Es fühlte sich eigenartig an, wenn man die gefärbte Haut berührte. Merlin ignorierte den Schauder, der sein Rückgrat hinabrieseln wollte und sah stattdessen zu, wie Gaius Finger die Kontur des knotenartigen Symbols folgte. Als er damit fertig war, lehnte sich Gaius wieder auf seinem Stuhl zurück. Er sah einen Moment stumm dabei zu, wie sich Merlin wieder ordnungsgemäß in seine Kleider hüllte.
»Dir ist damit die Gunst der Göttin erteilt worden.«, eröffnete Gaius ihm schließlich mit rauer Stimme, die von seiner Ehrfurcht rührte.
Merlin sah nur kurz zu ihm auf, ehe er sich darum bemühte sein Hemd in die Hose zu stecken.
»Ich weiß. Iseldir hat es mir gesagt.« Merlin zuckte die Achseln. »Anbetracht dessen, dass mein Vater mir in der Kristallhöhle sagte, dass ich ein Sohn der alten Religion bin, macht es auf gewisse Weise Sinn.«
Gaius starrte ihn an.
»Sinn?«, echote er. »Inwiefern?«

Merlin hielt kurz in seinen Bemühungen inne, alle Kleidungsstücke wieder überzustreifen.
»Ich... Ich glaube ich habe sie gespürt. Die Göttin.«, erklärte er, als Gaius ihn verwirrt ansah. Bei seiner Aussage weiteten sich die Augen seines Ziehvaters. »Das erste Mal spürte ich sie bei den Disir. Es war eine machtvolle Präsenz, die über die Höhle hinaus reichte. Als ich bei der Eberesche meine Gebete sprach, habe ich sie wieder gefühlt.«
»Wie hat es sich angefühlt?«, fragte Gaius flüsternd.
Merlin überdachte seine Antwort einen Moment.
»Nicht schlimm. Warm, einladend.«, sagte er schließlich. »Wie eine Umarmung. Ich denke nicht, dass ich etwas vor ihr zu befürchten habe.«
Als Gaius nichts sagte, klopfte Merlin sich auf die Brust.
»Erst recht nicht danach. Sie hat mich in die Stellung eines Hohepriesters erhoben. Mit dem Triquetra stehe ich genaugenommen sogar...« Er zögerte.
»Über Morgana.«, beendete Gaius den Satz für ihn.
»Ja.« Merlin nickte.
Gaius sah ihn mit einer seltenen Verehrung an, die Merlin unangenehm die Hitze in die Wangen steigen ließ.
»Du bist wirklich und wahrhaftig bemerkenswert, mein Junge.« Gaius schüttelte den Kopf über ihn.
Merlin zuckte die Achseln, unsicher über eine passende Erwiderung.
Es war eine Sache die Druiden so voller Ehrerbietung zu sehen. Etwas anderes Gaius mit einem ähnlichen Gemütsstand gegenüberzusitzen. Das war der Mann, der ihm mehr Schläge auf den Hinterkopf verpasst hatte als Arthur. Der ihn Blutegelgläser säubern ließ, weil er ihn verärgert hatte und öfter als Merlin sich erinnern mochte, dessen Wunden zusammengeflickt hatte, nachdem Merlin von einem Kampf heimgekehrt war.
»Ich bin immer noch der Gleiche.«, meinte Merlin achselzuckend.
»Das darfst du auch niemals ablegen.« Gaius tätschelte liebevoll seine Hand.
Sie tauschten einen warmen Blick voller Zuneigung, ehe sie sich schlussendlich an die letzten Schritte zur Zubereitung des Trankes machten. Arthur hatte glücklicherweise eine ganze Pflanze mitsamt Wurzeln gepackt, die Gaius nun eingepflanzt hatte. Als er das Glasgefäß anhob, verbreitete sich rasch der moschusartige Geruch von Fäulnis in dessen Gemächern aus. Mit einer raschen Handbewegung zupfte Gaius einige Blütenblätter ab, ehe er das Glas wieder über die Pflanze stülpte. Mit einer knappen Handbewegung stieß Merlin eines der Fenster auf und begrüßte die kühle Abendbrise, die den Geruch rasch vertrieb.

Sie verfielen rasch wieder in ihre Rollen, bei denen Merlin Gaius mit geübten Handgriffen assistierte.
»Gibst du mir das- Oh, danke.« Gaius nahm das kleine Fläschen entgegen und gab einige Tropfen in den Kessel am Feuer.
»Manchmal vergesse ich, dass du inzwischen genauso viel weißt wie ich.«, meinte Gaius, nach einem Moment der Stille.
»Das sollte ich wohl auch, nach all den Jahren. Meinst du nicht?«, entgegnete Merlin schmunzelnd und fing an die Blütenblätter mit Wasser und Honig zu zermürben.
»Ich dachte immer, dass du eines Tages meinen Platz einnehmen würdest.« Das Geständnis schien Gaius unfreiwillig über die Lippen zu kommen. Merlin, erschrocken von diesem unerwarteten Eingeständnis, hielt in seinen Bewegungen inne.
Als sich ihre Blicke trafen, winkte Gaius ab.
»Ich weiß, dass das nie dein Wunsch war. Ich hatte trotzdem gedacht...« Er brach ab.
Merlin gefiel nicht die Art, wie sich Gaius Gesicht von Falten verzog, als er es angespannt verkniff. Etwas beschäftigte den alten Mann.

»Was ist los?«, fragte Merlin und legte sein Werkzeug weg.
Gaius seufzte schwermütig.
»Ich bin alt, Merlin.«
»Und?« Merlin zuckte die Achseln. »Du bist alt, seit ich dich kenne.« Sein Witz fand dieses Mal keinen Anklang. Stattdessen sah Gaius noch finsterer, nein, entmutigter drein.
Sorgsam darauf bedacht nichts auf der Werkbank umzuwerfen, lehnte Merlin sich gegen das Holz des Tisches und verschränkte seine Arme vor der Brust.
»Gaius?«
»Ich, ich weiß nicht wie lange ich noch die Rolle des Hofarztes übernehmen kann.«, erwiderte Gaius leise, ohne ihn anzusehen.
Merlin blinzelte.
»Mir fallen meine Runden immer schwerer. Für die Kräuter schicke ich einige Bedienstete los, aber sie bringen mir oft die Falschen.«, gestand Gaius weiter. Er klang betreten und stützte sich träge am Tisch ab.
»Ich stelle dir einen Assistenten zur Verfügung. Er kann die schweren Sachen tragen. Wir finden auch jemanden, der sich besser mit den Kräutern auskennt und dir die Richtigen bringt.«, antwortete Merlin rasch. Insgeheim bestürzt, dass er diese Offenbarung nicht schon lange hatte kommen sehen. Er war einfach so bei Gaius ausgezogen, dabei hätte er wissen müssen, dass der Mann die Arbeiten nicht alleine schaffen würde. Das schlechte Gewissen nagte an ihn.
»Merlin-«, begann der Hofarzt, doch Merlin fiel ihm ins Wort.
»Ich bezahle ihn persönlich!«
Gaius seufzte erneut.
»Ich bin müde, mein Junge.«
Darauf wusste er nichts zu sagen. Statt einer Erwiderung studierte er das Gesicht von Gaius genauer und folgte jeder Falte in den gealterten Zügen seines Ziehvaters. Die Tränensäcke hingen schwerer als früher unter seinen Augen. Seine Hände, die sonst immer ruhig und besonnen waren, krampften um die Kante der Werkbank, damit Merlin nicht das Zittern in seinen Fingern bemerkte.
Merlin wurde das Herz schwer.

»Hast du mit Arthur gesprochen?«
»Ja und Gwen. Sie schreiben meine Stelle aus. Die geeignetesten Kandidaten werde ich probeweise unter meine Fittiche nehmen.« Er deutete hinüber zu einer der angrenzenden Türen. Arthur hatte ihm beim Einzug größere Gemächer zur Verfügung gestellt. Hier hatte Gaius nicht nur ein eigenes Schlafzimmer, sondern auch ein Patientenzimmer.
»Platz habe ich genug.«
»Gaius-«, fing Merlin an, brach jedoch dann selbst ab, da er selbst nicht wusste, was er eigentlich sagen wollte.
Der alte Mann lächelte ihn an.
»Es ist in Ordnung, Merlin.«, beruhigte er ihn und klopfte dabei sachte auf seine Schulter. »Ich könnte nicht stolzer auf dich sein, aber ich bin alt und es wird Zeit für mich etwas kürzer zu treten. Deswegen bin ich aber immer noch hier und jederzeit bereit dir die Leviten zu lesen, wenn du wieder etwas unsagbar dummes anstellst.« Abermals hob sich eine seine Augenbrauen.
Merlin lächelte gegen die Tränen in seinen Augen.
»Damit rechne ich fest.«


Einige Tage später klopfte es zur Mittagszeit an seiner Tür. Stirnrunzelnd blickte Merlin von seinen Papieren auf und starrte ihr entgegen. Er erwartete eigentlich keinen Besuch. Bran war bei der Schneiderin, um seine Wintergarderobe abzuholen.
Abermals klopfte es, dieses Mal mit einer Spur Ungeduld.
»Herein.«, rief Merlin.
Die Tür öffnete sich und zum Vorschein kam Arthur. Er war in seiner Rüstung gekleidet, verschwitzt und sah sogar etwas blass um die Nase aus.
»Hallo Arthur.«, grüßte er ihn.
Ein Grunzen blieb seine einzige Antwort. Mit einem Fußtritt schloss Arthur die Tür hinter sich und stürzte sich zu Merlins Tablett, von dem er sich einen großen Kelch mit Wasser einschenkte.
»Natürlich bedien dich ruhig.«, meinte Merlin augenverdrehend und tunkte seine Feder erneut in die Tinte, um den Absatz zu beenden.
»Was glaubst du, was ich hier tue?«, erwiderte Arthur. Schritte erklangen und mit einem lauten Scheppern ließ sich der König stöhnend in den Stuhl gegenüber von Merlins Schreibtisch fallen. Mit einigen wenigen Schlucken leerte er den Kelch und schenkte sich sogleich nach.
»Alles in Ordnung?«, erkundigte sich Merlin, nun eine Spur besorgt. »Ist dein Training schon vorbei?«
»Nein.«, antwortete Arthur und leerte den zweiten Kelch. »Ich habe es abgebrochen.«
»Du?«, fragte Merlin ungläubig. »Weshalb?«
»Ich...« Arthur zögerte. Schließlich füllte er sich lieber nach, als zu antworten.

Merlin legte die Feder nieder und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Nachdenklich musterte er seinen Freund, der entschieden seinem Blick auswich.
Er sah sogar etwas grün aus.
»Bist du krank?«
»Vielleicht.«, räumte Arthur ein. »Bei diesen Tränken würde es mich nicht wundern.«
Der König schüttelte sich in seinem Stuhl.
»Nicht zu deinem Geschmack?« Merlin verzog seine Lippen zu einem spöttischen Lächeln.
»Nicht im Geringsten.«, gab Arthur unumwunden zu. »Erinnerst du dich an das Gebreu das wir einnehmen mussten, damit wir den Geist meines Vaters durchs Schloss jagen konnten?« Arthur runzelte kurz die Stirn. »Ich kann nicht glauben, dass ich das laut gesagt habe.«
Merlin schmunzelte amüsiert.
»Jedenfalls«, redete Arthur weiter. »dieses Kraut, dank dem wir fast von Glatisanten gefressen wurden. Es ist schlimmer, viel schlimmer.«
Der Zauberer gab einen mitleidigen Laut von sich. Er hatte schon einige von Gaius Tränken konsumieren müssen – von seinen Kochkünsten ganz zu schweigen – und musste selbst freimütig anerkennen, dass eben jener Trank Merlin noch Tage später jeglichen Appetit hatte verloren lassen. Die Vorstellung etwas Schlimmeres zu kosten und das jeden Tag....

»Sieh es positiv.«, meinte Merlin und erntete zunächst einen skeptischen Blick, der sich bei seinen folgenden Worten rasch wandelte. »Du tust es, damit ihr endlich euer Kind bekommen könnt.«
Arthur grinste ihn ungeniert an.
»Da sagst du etwas.« Er wippte mit seinen Augenbrauen.
Merlin begann prustend zu lachen.
»Schön zu sehen, dass sie dir endlich vergeben hat und du nicht mehr vor dem Kamin schlafen musst.«, meinte er gutmütig.
»Ich habe nie vor dem Kamin geschlafen.«, protestierte Arthur, nicht ernsthaft erzürnt. »Und zur Zeit, das versichere ich dir, kann Gwen gar nicht-«
»Tadada!«, machte Merlin laut und wedelte unwirsch mit seiner Hand vor Arthur spitzbübisch grinsenden Gesicht. »Es gibt Dinge, die ich nicht wissen möchte. Danke.«

Arthur fuhr sich lachend durch sein verschwitztes Haar und ruinierte auch den Rest seiner Frisur. Merlin bedachte das zerstrubbelte Haar und das von Hitzeflecken übersäte Gesicht seines Freundes mit einem warmen Zug in seinem Brustkorb. Es waren diese kleinen Momente, die ihm so unsagbar kostbar waren. Wenn Arthur gelöst und fröhlich vor ihm Scherze trieb und sich nicht um sein Aussehen kümmerte. Wenn er einfach er selbst war. Es war und würde Merlin immer ein Privileg sein, dass Arthur ihn als einen der wenigen auserwählt hatte, der diese verletzliche Seite von ihm sehen durfte.
»Bist du nur hier um mir deine erstaunliche Manneskraft unter die Nase zu reiben oder bezweckt dein Besuch auch etwas anderes?«
»Sowohl als auch.« Arthur zwinkerte vergnügt, wurde dann aber wieder etwas ernsthafter. »Ich möchte, dass du und Gaius euch die Schatzkammern anseht. Wir sprachen schon einmal darüber.«
»Ja, die magischen Artefakte, die dein Vater dort verschlossen gehalten hat.« Merlin nickte versichernd. »Ich werde mich mit Gaius darum kümmern.«
»Gut.« Arthur erhob sich schnaufend. »Dann werde ich mir mal ein Bad gönnen. So wie ich George kenne, hat er schon eins vorbereitet.«
Der König streckte sich, soweit das in der Rüstung möglich war und ließ dabei einige Wirbeln knacken. Merlin verzog bei dem Klang das Gesicht.
»Reizend.«, kommentierte er.

»Dabei fällt mir ein« Arthur legte fragend den Kopf schief. »Wie regelst du es mit Bran?«
Merlins Augenbrauen zuckten nach oben.
»Wie bitte?«
»Das Baden.«, spezifizierte Arthur, mit einem leisen Hüsteln seine Verlegenheit verbergend. »Deine Tätowierungen?«
»Ob du es glaubst oder nicht, ich kann alleine baden.«, erklärte Merlin ihn augenrollend und erhob sich von seinem Stuhl.
»Und er ist nicht misstrauisch?«, fragte Arthur ihm hinterher, als Merlin zu einem seiner Bücherregalen ging und einen der dicken Wälzer hervorzog.
»Nein.«, antwortete Merlin gedehnt. »Er kennt es nicht anders.«
»Hm.«, machte Arthur nur, ehe er die Achseln zuckte. Offenbar war das Thema damit für ihn beendet.
»Wenn Gaius und du etwas findet, lasst ihr es mich wissen?« Arthur stellte seinen Kelch wieder auf Merlins Schreibtisch ab.
»Das tun wir.« Merlin nickte. »Ich habe mir schon einige Gedanken gemacht. Wir wissen sicher, dass Sigans Grab unter unseren Füßen ist. Gaius und ich fanden einen Zauber, der es für immer verschließen sollte. Nur für alle Fälle.«
Er sah, wie Arthur schauderte.
»Tu das.«, bat der König. »Ich kann gut darauf verzichten, dass ein weiterer mordlustiger Zauberer meine Stadt verwüstet.«

Merlin gab einen zustimmenden Laut von sich, während er in dem Buch in seinen Händen blätterte, bis er endlich die gesuchte Passage fand. Zufrieden nickend stellte er es zurück ins Bücherregal und drehte sich um, nur um feststellen zu müssen, dass Arthur ein kleines Blatt Pergament in Händen hielt.
Merlin blieb das Herz stehen, als er das gebrochene Wachssiegel erkannte, das halb abgelöst vom Pergament hing. Mit mehreren langen Schritten war er zurück bei Arthur und entriss ihm das Papier.
Arthur starrte ihn mit aufgerissenen Augen an. Ausnahmsweise einmal sprachlos.
»Das ist privat.«, beschwerte Merlin sich, dabei das Pergament sorgsam faltend und in seine Tasche steckend.
Der König schien unfähig etwas von sich zu geben. Er hielt noch immer die Hand erhoben, aus der Merlin ihm eben das Schriftstück entrissen hatte. Die Hand ballte sich und der lange Zeigefinger seines besten Freundes richtete sich regelrecht anklagend auf ihn.
»Das ist ein Brief.«, murmelte Arthur ungläubig. »Aus Nemeth. Von Mithian.«
»Ich weiß. Er ist ja auch an mich gerichtet.«, meinte Merlin. Er nahm wieder hinter seinem Schreibtisch Platz und ergriff die Feder, damit er endlich diesen verdammten Bericht beenden konnte.
Merlin brachte den nächsten Satz zu Papier, als er begriff, dass sich Arthur noch immer nicht bewegt hatte.
»Hast du vor dort ewig stehen zu bleiben?«, erkundigte sich der Zauberer mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Wieso bekommst du einen Brief von Mithian?«, verlangte Arthur wissen, ohne auf seine vorherigen Worte einzugehen. »Und offenbar ist es nicht der Erste!«
»Du hättest ihn nicht lesen sollen. Es ist persönlich.«, wehrte Merlin ab, unwillig weitere Fragen zu beantworten.

»Ich, also...«, stotterte der König, eindeutig verdutzt.
»Wenn du mir nun eine Rede darüber halten willst, dass es sich nicht gehört der Königin von Nemeth zu schreiben, spar es dir.«, wiegelte Merlin sogleich ab. »Ich verspreche dir, dass ich sie nicht beleidige, Camelot nicht in einen neuen Krieg führe und wir uns nur über unverfängliche Themen unterhalten. Du weißt schon. Bücher, Blumen-« Er brach ab, verschämt zu viel gesagt zu haben.
Arthur erwachte langsam aus seiner Starre.
»Das ist-Das ist-«
Merlin bereitete sich mit zusammengekniffenen Augen auf die Standpauke vor.
»Wunderbar!«, schloss der König unerwartet.
»Bitte was?« Merlin starrte überrascht zu Arthur auf. »Du bist nicht sauer?«
»Sauer? Warum?« Arthur tänzelte regelrecht um Merlins überfüllten Schreibtisch und riss ihn in eine überschwängliche Umarmung, bei der Merlin jede Luft wegblieb. Das Metall seines Brustpanzers drückte unangenehm in Merlins Rippenbogen.
So abrupt, wie Arthur Merlin an sich gezogen hatte, ließ er ihn auch wieder los.

»Ich bin froh, dass ihr einander schreibt. Das ist toll. Hast du ihr schon geantwortet? Nein, dann lass ich dich besser in Ruhe. Du solltest nicht zu lange mit einer Antwort warten. Das mögen Frauen nicht. Ach was sag ich, du weißt schon, was du tust. Immerhin schreibst du dir mit der Königin von Nemeth!« Arthur klatschte in die Hände. »Falls es dir heute nicht passt in die Katakomben zu gehen, mach es ruhig morgen. Du hast ja so schon viel auf dem Tisch.«
Arthur eilte zurück in Richtung Tür, dabei offenbar nicht Merlins überforderten Gesichtsausdruck bemerkend.
Nachdem er sie aufzog, verharrte er kurz auf der Schwelle.
»Wenn du Mithian schreibst, bestell ihr liebe Grüße von Gwen und mir. Wir würden uns freuen, sie wieder in Camelot begrüßen zu können. Bestens, danke.«
Die Tür fiel hinter Arthur ins Schloss.
Merlin stand wie angewurzelt hinter seinem Schreibtisch und blinzelte die Stelle an, an der Arthur eben noch mit einem letzten begeisterten Grinsen ihn angestrahlt hatte. Was war gerade geschehen? Merlin hatte das Gefühl, dass sie ein Gespräch geführt hatten, bei dem nur Arthur den aktiven Part übernommen hatte.
»Liebe Grüße?« Merlin rieb sich verwirrt den Nacken. »Vielleicht ist der Trank nicht gut für den Kopf.«
Sein Blick fiel hinab auf seinen fast fertigen Bericht.
Er zischte zwischen zusammengebissenen Zähnen, als er die Tintenflecken auf dem Pergament erkannte. Der Tintentiegel musste bei der stürmischen Umarmung umgefallen sein und hatte seine harte Arbeit der letzten Stunde ruiniert.
»Arthur!«, brüllte er ihm hinterher.
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