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Nachwirkungen

von Lelam
OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Sarah Rose
23.08.2017
23.08.2017
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23.08.2017 1.262
 
Diese Szene spielt direkt im Anschluss an das 18. Kapitel von „Die Wilden Hühner – Fuchsalarm“, nachdem Willis Vater auf den Schulhof kommt um nach Willi zu suchen und sich mit den Hühnern, Pygmäen und Frau Rose anlegt. Der kursive erste Absatz ist direkt aus dem Buch übernommen und soll zur Orientierung dienen, danach beginnt die Szene. Ich hoffe, es gefällt euch. :)
EDIT: Ich habe ein paar Fehler und stilistisch unschöne Formulierungen ausgebessert. Falls euch noch etwas auffallen sollte, oder ihr sonstige Kritik habt, dann lasst es mich bitte wissen. Danke! :)

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„Sie wissen bestimmt auch, wo mein Sohn steckt!“, brüllte Willis Vater, während ihn die Riesen sacht zum Tor drängelten. „Ich werde Ihnen die Schulbehörde auf den Hals hetzen, Sie Kindesentführerin.“
„Du meine Güte“, murmelte Frau Rose. „Der Mensch ist wirklich dreist.“ Nachdenklich drehte sie sich zu den Hühnern und Pygmäen um. „Wollt ihr mir nicht doch sagen, wo Willi ist?“, fragte sie. „So kann das noch nicht weitergehen. Irgendwann wird die Polizei nach ihm suchen. Seine Mutter ist völlig verzweifelt.“
„Wir können es nicht sagen“, sagte Sprotte und stand auf. „Wirklich nicht, Frau Rose. Wir haben's Willi versprochen.“
„Wir können ja seiner Mutter einen Brief schreiben“, meinte Frieda. „Dass es ihm gut geht und dass er bald wiederkommt.“
„Wir könnten auch versuchen, das Geld aufzutreiben“, sagte Fred. „Für die Scheibe. Damit sein Vater sich etwas abregt.“
Frau Rose starrte wortlos zum Tor, wo die Oberriesen Willis Vater gerade auf die Straße schoben. Mit einer wütenden Bewegung schüttelte er sie ab, sah sich noch mal um und ging dann hoch erhobenen Hauptes davon.
„Das Geld ist ein Problem, ja“, murmelte Frau Rose. „Darüber werde ich mir noch mal den Kopf zerbrechen. Aber es ist nicht das Einzige. Wie entschärfen wir diesen Wüterich?“ Sie guckte Fred an. „Willi geht es wirklich gut?“
„Ist ihm wahrscheinlich noch nie besser gegangen“, sagte er.
„Sagt ihm, er muss sich melden“, sagte Frau Rose. „Bald. Sonst findet ihn die Polizei. Euch ist doch wohl klar, dass das nicht allzu schwer sein wird, oder?“
Hühner und Pygmäen nickten. Frau Rose aber ging mit einem tiefen Seufzer zum Schulgebäude zurück.


Nach wenigen Schritten drehte sie sich noch einmal um. „Einer von euch sollte mich begleiten und Eis für Charlottes Wange besorgen. Das sollte die Schmerzen etwas lindern.“
Normalerweise würde Sprotte behaupten, sie bräuchte sowas nicht, doch diesmal blieb sie still. Willis Vater hatte wirklich hart zugeschlagen.
„Ich komm sofort!“, rief Frieda mit kurzem Blick auf Sprotte und eilte Frau Rose hinterher. „Haben sie auch noch ein Pflaster für Freds Hand?“, hörten die anderen sie noch fragen, bevor sie mit Frau Rose im Schulgebäude verschwand. Jetzt, da das Spektakel vorbei war, wandten sich die umstehenden Schüler endlich von ihnen ab und widmeten sich wieder ihren eigenen Beschäftigungen.
Melanie hakte sich bei Sprotte ein. „Komm, wir suchen uns erstmal einen Platz, an dem wir uns setzen können.“ Sie steuerten auf eine verlassene Bank zu und setzten sich. Die anderen folgten ihnen.
„So ein Mistkerl!“, entfuhr es Torte. Er trat einen Kieselstein zur Seite, der mit einem lauten Knall gegen eine Mülltonne schlug. Trude hüpfte nervös von einem Bein aufs andere und schaute immer wieder rüber zum Schultor als befürchtete sie, Willis Vater könnte jederzeit wieder auftauchen.
„Glaubt ihr wirklich, dass er weg ist?“
„Der traut sich garantiert nicht mehr hierhin. Nicht, nachdem die Rose ihm mit der Polizei gedroht hat.“ Fred grinste, auch wenn Sprotte fand, dass es eher einem Zähnefletschen glich.
„Vielleicht zeigt Frau Rose ihn wirklich an.“ Wilma schaute hoffnungsvoll in die Runde. Sprotte musste zugeben, Willis Vater hinter Gittern zu sehen war eine äußerst verlockende Vorstellung. Vielleicht würden sie ihn da sogar lebenslänglich drinbehalten. Oder die anderen Häftlinge würden sich um ihn kümmern. Das kannte sie aus den amerikanischen Filmen, die sie manchmal mit ihrer Mutter sah. Da wurden Gefangene, die etwas besonders Schlimmes getan hatten, einfach von ihren Zellennachbarn vermöbelt.
Fred seufzte. „Nee, die Rose ist ja nicht blöd. Das würde es für Willi zu Hause nur noch schlimmer machen.“ Torte und Steve tauschten finstere Blicke. Sie wussten, dass es auch so schon schlimm genug für ihn werden würde, egal ob mit oder ohne Anzeige.
Trude schniefte. „Das ist einfach so unfair.“ Melanie reichte ihr ein Taschentuch, welches sie dankbar entgegennahm und sich damit die Nase putzte. Unterdessen kramte Steve seine Karten aus seiner Hosentasche hervor und setzte sich vor der Bank auf den Boden. „Wenn wir Glück haben hat er auf dem Rückweg einen Unfall.“ Er mischte sie, legte sie auf dem Boden aus und betrachtete sie für eine Weile. Dann schnaubte er frustriert, und versuchte es erneut.

Nach ein paar Minuten kam Frieda zurück, in der einen Hand ein großes Pflaster und in der anderen Hand ein beutelförmiges Geschirrspültuch, das sie dem Anschein nach mit Eiswürfeln gefüllt hatte. Das Pflaster übergab sie an Steve, der es vorsichtig über Freds Wunde klebte.
Frieda kniete sich vor Sprotte nieder und drückte ihr den Beutel vorsichtig an die geschwollene Wange. Sprotte musste ihre Zähne fest zusammenbeißen um nicht laut aufzuschreien. Verdammt, tat das weh! Unweigerlich schossen ihr Tränen in die Augen. Sie hatte sich zwar schon häufiger mit anderen geschlagen, doch waren die meisten in ihrem Alter gewesen. Von einem Erwachsenen geschlagen zu werden fühlte sich völlig anders an. Sie fragte sich, wie Willi das wohl tagtäglich aushielt. Kein Wunder, dass er mehr Zeit beim Baumhaus verbrachte als bei sich zu Hause.
„Alles in Ordnung? Tut es sehr weh?“, fragte Trude.
„Vielleicht sollten wir doch besser ins Krankenhaus fahren“, fügte Wilma besorgt hinzu.
„Geht schon“, presste Sprotte zwischen ihren Zähnen hervor. Sie wusste, dass ihre Freundinnen es nur gut meinten, doch sie wollte sich jetzt keine Blöße geben. Nicht, solange die Pygmäen dabei waren und sie mitleidig ansahen.
„Habt ihr drei nichts besseres zu tun, als mich wie die Blöden anzustarren?!“, fauchte sie die Jungs an.
Torte tat einen Schritt zurück und hob beschwichtigend die Arme. „Ganz ruhig, Oberhuhn. Wir wollten ja nur sichergehen, dass dieser Mistkerl dein Gehirn nicht zu Hühnerbrühe verarbeitet hat.“
„Was Torte sagen will,“ knurrte Fred, „ist, dass wir uns Sorgen machen. Willis Vater ist alles andere als zimperlich, selbst bei Frauen.“
„Die Pygmäen sorgen sich um mich? Sicher, dass er nicht dein Gehirn zu Rührteig verarbeitet hat?“
„Mensch, Sprotte, musst du so fies sein?!“, fuhr Melanie sie an. „Sie wollen nur nett sein, aber du musst dich ja gleich wieder wie eine tollwütige Bulldogge aufführen!“
Sprotte setzte schon zu einer Erwiderung an, doch Frieda kam ihr zuvor. „Jetzt fangt nicht an euch zu streiten! Man müsste meinen, wir hätten heute schon genug davon gehabt.“ Sie schaute zwischen den beiden hin und her. Friedas Blicke konnten jeden dazu bringen, sich wie das Letzte zu fühlen. Wie genau sie das anstellte, war allen ein Rätsel.
„Tut mir Leid.“, sagte Sprotte zerknirscht. Sie war selbst nicht sicher, ob sie sich bei Frieda oder den Jungs entschuldigte. Daran schien Fred sich aber nicht zu stören. Er wuschelte ihr durchs Haar und grinste sie schief an.
„Ist schon okay, Oberhuhn.“
Das rang Sprotte ein kleines Lächeln ab. „Wie geht’s deiner Hand?“ Vorhin hatte sie keine Zeit gehabt, sich die Wunde genauer anzuschauen, aber der Größe das Pflasters nach zu urteilen war es mehr als nur ein Kratzer.
„Die wird schon wieder.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Leider hat es ja meine linke Hand erwischt, sonst hätte ich eine gute Ausrede, warum ich meine Hausaufgaben nicht machen kann.“ Das brachte sie alle zum Lachen.
„Nur du würdest dich darüber freuen, die falsche Hand verletzt zu haben“, kicherte Frieda. Bevor irgendjemand etwas erwidern konnte, klingelte es zum Pausenende.
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