2. Akt, 1. Szene, Zeit zu gehen?

GeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
23.08.2017
19.04.2019
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„Also ich finde das mit dem zufällig treffen wird langsam gruselig oder?“, hörte Julian eine tiefe Stimme hinter sich, während er immer noch verzweifelt versuchte die Barkeeperin zu sich zu winken. Die ignorierte ihn doch mit purer Absicht!
Genervt drehte er sich um und war überrascht Felix zu sehen. Schon wieder.
„Allerdings. Und hier hätte ich mit dir jetzt ehrlich gesagt null gerechnet“, erwiderte Julian doch etwas verwundert. Der Laden hier war überteuert, immer viel zu voll und die Musik war auch nur wenn man Glück hatte erträglich. Aber Korbi und Marius hatten umbedingt mal hingewollt, warum auch immer.
„Weil ich zu alt zum feiern bin oder was?“, guckte Felix etwas irritiert. Oder merkte Julian nur schon wieder nicht, dass er ihn verarschte?
„Ach Quatsch, Mann. Weil das hier übelst der Null-Acht-Fünfzehn-Laden ist. Ich dachte wenn man auch schick in Berlin wohnt hat man höhere Ansprüche.“, erklärte Julian die Lage und sah im Augenwinkel wie die Barkeeperin schon wieder an ihm vorbei lief. Richtig nervig die Alte!
„Ich bin auch tatsächlich nur wegen meinem Mitbewohner hier, der tanzt sich hier von einer Blondine zur nächsten. Aber wir sollten zumindest mal drauf trinken, dass wir uns ständig begegnen.“, und Felix hob minimal seinen Arm und die Frau auf der anderen Seite der Bar kam sofort angelaufen. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Das konnte doch nicht ihr ernst sein.
Keine halbe Minute später standen vor ihnen 2 Shots und Felix bezahlte.
Naja wie man hörte verdienten Schiris ja auch nicht schlecht also nickte Felix einfach nur dankend und hob den Shot zum Anstoßen hoch.
„Dann auf unsere Zufallsbegegnungen“, sagte Felix und Plastik klickte aneinander.
Und auf ex. Sein Rachen brannte und es tat gut. Er grinste Felix breit an und wollte noch etwas erwidern, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte.
„Mensch Juuu, wo versteckst du dich denn? Da vorne gehts richtig ab und Marius ist voll am raven. Richtig peinlich, Alter, das musst du sehen“, lallte Korbi ihm unverkennbar ins Ohr. Scheinbar brauchte er Julian auch als Stütze um nicht los zu torkeln. Da hatte wohl jemand etwas mehr getrunken, als Julian eigentlich gedacht hatte. Aber Korbi war noch nie so der Trinkfesteste gewesen, wenn sie mal ehrlich waren.
Erst jetzt erblickte sein Kumpel Felix und kniff die Augen zusammen. Wahrscheinlich versuchte Korbinian einzuordnen, wieso Felix ihm bekannt vorkam. Felix hingegen, nickte nur freundlich und schaute sich unauffällig um. Wahrscheinlich waren Treffen mit besoffenen Fussballern auch so ziemlich das Letzte worauf man als Schiri Bock hatte. Julian jetzt mal ausgeschlossen.
„Hömma, du bist doch ein Schi - ein Schie - ein Schiedsrichter!“, rief Korbinian nach einigen Anlaufschwierigkeiten aus. Zum Glück hörte das in dem Lärm mitten im Club eh keiner. Auf noch mehr Aufmerksamkeit konnte Jule und ganz sicher auch Felix gut verzichten.
„Komm, lass gut sein jetzt. Zeig mir mal lieber wo Marius sich blamiert“, versuchte Julian die Situation zu entschärfen und schaute Felix entschuldigend an.
Korbinian begann schon ihn an der Hand wegzuziehen, als Julian sich nochmal zu Felix umdrehte:
„Sorry, Mann. Aber wir sehen uns ja sicher nochmal irgendwo. Scheint sich ja wie man merkt nicht vermeiden zu lassen. Also bis dann und schönen Abend noch“
Felix winkte einmal kurz, bevor Julian ihn in der Menschenmasse aus den Augen verlor.
Dafür sah er Marius wie er in einem Kreis voller Leute wilde Zuckungen zu haben schien. So tanzten die coolen Kids von heute also jetzt. Da war Julian raus echt aber sein Kumpel war anscheinend voll in seinem Element. Der Abend konnte also noch lang werden.

Einige Zeit später, lass es 3 Stunden gewesen sein, saß Julian zwischen Marius und Korbinian draussen vorm Klub und wartete auf ihr Taxi. Julian rauchte seine erste Zigarette seit er in Dortmund war und Marius aß neben ihm einen Döner. Darauf hätte Jule jetzt auch Bock aber ein Laster sollte pro Abend reichen und die Zigarette hatte das Gewissensbattle wohl gewonnen. Korbi hatte ihn schon immer mit Zigaretten versorgt, das änderte sich wohl nie.
Dieser war mittlerweile schon viel nüchterner und drückte mit dem Schuhe seine Kippe aus als er Julian ansprach: „Was war das eigentlich eben für eine Aktion mit dem Schiri an der Bar? Shots trinken für den Frieden oder was?“
Das interessierte dann wohl auch Marius, der mit halbvollem Mund und einer ziemlichen Tzaziki-Fahne dazwischen quatschte: „Hä Schiri? Was für’n Schiri?“
„Jaa, Jule hat eben an der Bar mit diesem einen Schiri gesoffen. Ach der ist auch ziemlich bekannt, wie heisst der denn noch…“, sagte Korbi, der nicht mal mehr lallte. Das war ein auf und ab mit ihm wenn er Alkohol trank.
Julian blieb ja auch nix anderes übrig als die Situation auf zu klären:
„Felix Dreier“
Daraufhin fiel Marius doch fast der Döner aus der Hand. Sein alkoholisiertes Hirn fand die ganze Situation wohl höchst skandalös: „Und mit dem trinkst du oder wie? Das ist doch voll der Wichser. Im Zweifel immer für die Mannschaft, die besser zahlt. Der ist korrupt, das weiss doch jeder“
Und natürlich kannte Julian die Gerüchte auch. Aber zu ihm war Felix auf und neuerdings auch neben dem Platz immer korrekt gewesen. Und darauf kam es doch an.
Korbinian war da wohl etwas anderer Meinung: „Ist echt so. Gibt doch nix schlimmeres, als welche die sich kaufen lassen. Charakterlos ist sowas. Aber das sind die ja alle irgendwie. Lumpenpack alle miteinander, ich sag es euch“
Und klar war auf Schiris schimpfen Nationalsport unter Fussballern aller Klassen, aber Julian fühlte sich mies. In seinem Kopf gehörte Felix irgendwie nicht mehr in diese Kategorie „Scheiss Schiedsrichter“. Wann das passiert war, wusste er nicht. Wahrscheinlich irgendwo zwischen Oper und Asiaimbiss.

So schnell wie die Jungs gekommen waren, waren sie am nächsten Tag auch wieder weg. Nach ausgiebigen Katerfrühstück ging es wieder in Richtung München.
Julian hatte so gerade Zeit für einen kurzen Nap, bevor Sarah später vorbeikommen würde.
Er freute sich wirklich sie endlich wieder zusehen. In letzter Zeit war das zwischen Uni und Training echt selten gewesen.

Dass Sarah mit ihrem Schlüssel reingekommen und Kaffee gekocht hatte, verschlief Julian komplett. Was jedem Einbrecher im Umkreis Hoffnung machen sollte.
Wach wurde er erst wieder als Sarah ihm die dampfende Tasse Kaffee unter die Nase hielt. Und sein anschließendes Naserümpfen lautstark auslachte. Lächelnd öffnete Julian die Augen und schaute seine Freundin an, die mit zwei Tassen Kaffee neben dem Sofa stand:
„Na du Schlafmütze. Etwa zu viel gefeiert gestern?“, setzte Sarah sich neben ihm aufs Sofa sobald er ihr etwas Platz gemacht hatte.
Wirklich antworten musste er nicht, denn Sarah gab ihm einen Kuss zur Begrüßung und fing dann direkt an von ihm Tag zu erzählen. Das war Julian auch ganz Recht, so konnte er erstmal versuchen wach zu werden.

Aber er schaffte es nicht wirklich Sarah mit mehr als einem Ohr zu zu hören. Irgendwas mit Uni und neuen Perspektiven, glaubte Julian zu hören. An den hoffentlich richtigen Stellen streute Julian ein Nicken oder „Aha“ ein und trank immer wieder an seinem Kaffee. Der wirkte am besten pronto oder sein Kopf knallte hier bald auf die Couchtischplatte.
Sarah bemerkte sein geistige Abwesenheit anscheinend nicht, denn sie redete unbeirrt weiter:
„naja und dann hab ich zu Felix gesagt…“
Moment Felix? Woher kannte Sarah den denn jetzt?
Dass es auch diverse andere Felix’s (oder doch lieber Felixe?) auf diesem Planeten gab, kam Julian gerade nicht in den Sinn. Das musste der Restalkohol sein.
„Felix?“, fragte er deshalb dazwischen. Sarah schaute nur etwas verwirrt zu ihm hoch. War ja auch nicht wirklich ein sinnvoller Gesprächsbeitrag, den Julian da fabriziert hatte.
„Jaaa, der große Blonde aus meinem Montagsseminar. Ihr habt euch auf meinem Geburtstag letztes Jahr kurz gesehen“, versuchte sie zu erklären.
Ah, Julian erinnerte sich vage. Den hatte er ziemlich unsympathisch gefunden. Schalke Fan wenn ihn nicht alles täuscht.

Sarah fand die wenigsten Menschen unsympathisch. Das war eine der Eigenschaften, die Julian so an ihr mochte. Sarah war einfach so viel positiver als er selbst.
Jetzt erzählte sie aber erstmal weiter und Julian gab sein Bestes sich zu konzentrieren:
„Naja, jedenfalls hab ich zu Felix gesagt, dass ich auch echt gern ins Ausland gehen würde. So eine Chance wie jetzt im Studium bekommt man ja danach nie wieder. Also du als Sportler vielleicht schon aber ich Normalo hab so die Chance ein ganzes Semester in Kanada zu leben. Wie geil das wär!“
Ihre Augen strahlten richtig und Julian brauchte eine Sekunde um das zu verarbeiten:
„Du willst weg?“
Sofort wurden Sarahs Augen groß und sie antwortete aufgeregt während sie Julians Arm streichelte:
„Nein, also das ist alles noch gar nicht final. Aber es wäre eben eine Riesenchance und ich meine du könntest ja zu Besuch kommen…“
Julian hörte ihr nicht weiter zu, denn seine Gedanken spielten verrückt. Sarah in Kanada und er hier in Dortmund, konnte das funktionieren? Eine Fernbeziehung? Wollte er das?
Keine Ahnung, aber das Ziehen in seiner Magengrube war wahrscheinlich Antwort genug.
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