2. Akt, 1. Szene, Zeit zu gehen?

GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
Borussia Dortmund Die deutsche Nationalmannschaft
23.08.2017
29.08.2019
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Zum Glück sprach Schmelle ihm beim nächsten Training nicht auf sein merkwürdiges Gelaber an. Wahrscheinlich hatte er es unter „Julian hat seine 5 Minuten“ abgehakt und ignorierte es. Die nächsten Wochen vergingen im Prinzip wie immer, kein Schiri musste ihn retten, denn Julian hatte mit Training, Urlaubsplanung und Sarah bespaßen genug zu tun. Alles verlief normal und im Grunde dachte er nur einzweimal an Felix. Schmelle redete immer noch ununterbrochen von seinen Hunden, was Julian wahlweise mit Nicken oder Kopfschütteln quittierte und das Leben beim BVB war normal. Fast schon langweilig.
Marco fand es anscheinend ermüdend, denn gerade war er auf dem Weg mit Jule zum Kaffeetrinken. Die ganze Busfahrt von Gladbach aus nach Hause hatte er Jule gestern vollgelabert, wie müde er in letzter Zeit war, sodass sie sich jetzt tatsächlich zum Kaffeeklatsch verabredet hatten. Wie so zwei Omas.
In der Stadt angekommen, setzten die beiden Spieler sich in Marcos Lieblingscafe. Oder besser gesagt auf die Terrasse. Die Frischluft war das Starren und das ein oder andere Selfie definitiv wert.
Irgendwie genoß Jule auch gerade die Ruhe. Wenn man auf der Arbeit immer von mindestens 10 Bekloppten umgeben war, kam die oft zu kurz. Und zum Glück war er auch nicht mit einer Quasselstrippe wie Mo hier sondern eben mit Marco. Tja aber auch der ist in der Lage zu sprechen. Blöde frühkindliche Erziehung!

„Ist das nicht der Dreier dahinten“, hörte Julian Marco sagen als er gerade das zweite Tütchen Zucker in seinen Espresso kippte. Blitzschnell drehte er sich um um nachzusehen ob Felix wirklich da war. Warum ihn das so brennend Interessierte wusste er selbst nicht so genau aber Neugierde war wahrscheinlich sowieso seine größte Schwäche.
Und tatsächlich stand keine 20 Meter weiter Felix und unterhielt sich mit einer brünetten Frau, die Marco und ihm den Rücken zudrehte. Aber auch von hinten konnte man erahnen, dass sie eine gute Figur hatte und wahrscheinlich bildschön war. Julian wandte sich wieder ab. Zwar keine Hausfrau am Stadtrand, aber eine Freundin hatte sein neuer Bekannter wohl.
Naja hässlich war Felix ja auch nicht, also warum auch nicht. Etwas verwirrt über diesen Gedanken, schüttelte Jule leicht den Kopf. Er musste echt aufhören sich Sarahs Gerede über diese ganzen Bachelorette-Futzis anzuhören, wenn er jetzt selbst schon anfing so zu kommentieren.
„Geschmack hat der Typ ja“, meinte dann auch Marco und zog die Augenbrauen hoch während er seinen Kaffee umrührte. Ein stinknormaler Milchkaffee. Genauso hatte Marco ihn auch bestellt und die tausend Gegenfragen der Kellnerin nur müde belächelt. War ihm doch schnuppe ob Blonde Roast oder nicht, hauptsache es machte wach. Dafür trank man schließlich Kaffee.
„Und Mist, jetzt hat er uns gesehn. Er kommt rüber“, flüsterte Marco und lächelte über Jules Kopf hinweg freundlich. Das es etwas aufgesetzt war, kaschierte er meisterlich. Es lebe das Mediatraining.
„Hallo. Na, kurze Pause vom stressigen Fussballerleben?“, sagte Felix freundlich und blickte von Marco zu Julian. Sein Lächeln schien etwas breiter zu werden als er in Julians Gesicht guckte.
Was er antworten sollte wusste Jule aber irgendwie nicht. Smalltalk war einfach das Unangenehmste von Welt. Wieso hatten Marco und er auch so gestarrt wie zwei Klatschweiber. Selber Schuld, echt!
Marco war allerdings im Gegensatz zu Jule fähig in geraden Sätzen zu antworten. Das musste die Lebenserfahrung sein.
„Naja im Moment gehts. Wir haben ja ab nächste Woche Länderspielpause. Und bei Ihnen? Zum Shoppen verdonnert worden?“, grinste Marco schief.
„Kein Shoppen, nur Eis essen war angesagt. Also das beklag’ ich mich mal nicht“, lachte Felix und schaute fragend zu Julian:
„Also geht’s nächste Woche schon nach Thailand? Ich hoffe meine Tipps hast du dann überhaupt noch rechtzeitig bekommen! Sorry ich war etwas im Stress, ansonsten hätte ich auch kurz angerufen.“, redete Felix entschuldigend drauf los. Dabei war Julian ihm ja nicht mal böse. Im Grunde war das auch nur so ein Hirngespinst von Sarah und ihm nach Thailand zu fliegen. Aber jetzt wo er einen Fachmann kannte, hatte er Felix kurzerhand per WhatsApp um Tipps gebeten.
Da war ja nix dabei.
Marco allerdings beäugte sie beide interessiert. Immerhin hatte Felix ihn gerade geduzt und das Paradebeispiel der professionellen Distanz waren Reisetipps nun auch nicht wirklich.
Naja was solls, erstmal sollte er Felix antworten:
„Kein Stress. Wenn überhaupt fliegen wir eh erst in der Sommerpause. Aber danke schonmal für die Links. Das mit den Elefanten behalte ich definitiv im Hinterkopf.“
Noch ein Grinsen drangehängt und jeder aufgeregte Schiri im Umkreis sollte beruhigt sein.
War Felix wohl auch, denn er nickte nur kurz und drehte sich in Richtung seiner Begleitung um. Die Frau schaute schon etwas genervt in ihre Richtung.
Das fiel wohl auch Felix auf, der auf die Uhr schaute und Anfing sich zu verabschieden:
„Okay, ich muss dann auch mal wieder. Schönen Nachmittag noch. Man sieht sich“
Musterschüler Marco hatte aber natürlich direkt die passende Antwort parat:
„Am Ende der Saison gegen Hamburg erst, oder?“ Warum in Gottesnamen merken Leute sich was?, fragte Julian sich während Felix nur zu lachen anfing:
„Es gibt also doch Leute bei euch die sich das merken. Ja genau, am 16. Spieltag.“ Soll er sich nur lustig machen, wahrscheinlich wusste das ausser Marco niemand. Der Streber.
Mit einem leisen „Ciao“ guckte Jule hinterher wie Felix nun wirklich zu seiner Freundin zurücklief.
Das war jetzt schon dezent awkward gewesen, obwohl er Felix mochte. Ein bisschen so wie früher wenn man Lehrer in den Ferien irgendwo getroffen hatte und keiner was sagen wollte aber man was sagen musste weil man sich eben kannte. Komisch, letztens beim Essen war eigentlich alles normal gewesen. Dann war also Marco Schuld!
Apropos, sein Kollege guckte Julian im Moment erwartungsvoll an:
„Und du holst dir Reisetipps vom Dreier genau warum?“, fragte Marco. „Oder soll ich eher sagen vom Felix? Seit wann duzen wir die Schiris denn bitte?“
Also jetzt so’n Drama zu machen war ja auch irgendwie unnötig! Wieso wird man denn immer direkt ausgefragt, wenn man mal drei Worte mit ‘nem Schiri wechselte? Die gehörten doch auch irgendwie zum Job dazu, genauso wie die Journalisten zum Beispiel. Und den Hellmann von Sky duzte Marco doch sogar selber!
„Der kennt sich halt aus mit Thailand, da kann man doch mal nachfragen. Ich hab den eben da letztens bei dem langweiligen Seminar mit Schmelle getroffen. Ich sag dir neben dem Aytekin und Schmelles Hundetalk war der echt angenehm zum Quatschen.“, versuchte Jule das Thema ad acta zu legen.
Gnädigerweise hakte Marco auch nicht weiter nach, sondern fragte ob sie zahlen sollen.
„Ja bitte. Ich muss auch gleich los bevor die Jungs bei mir vor der Tür stehen“, stimmte Julian zu.
„Ach ja stimmt du hast ja heute hohen Besuch aus München.“, grinste Marco.
Und jaa vielleicht hatte Julian Marco und gefühlt jedem der zuhörte vorgeschwärmt, dass seine Ex-Teamkollegen heute kamen. Aber ihm hatten die Jungs einfach gefehlt!
Der Abend konnte nur super werden.
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