Zurück zu mir selbst

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Hitomi Kanzaki Van Fanel
23.08.2017
20.10.2017
10
27644
2
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Ein neuer Tag, eine neue FanFiction! Herzlich willkommen zu "Zurück zu mir selbst". Ich will nicht zu viel verraten, daher dieser kleine Prolog zu Anfang. Ich hoffe, euch gefällt die Idee, und natürlich auch die Umsetzung.
Für diejenigen, die es mit Geschichten ohne Action weniger am Hut haben, denen kann ich verraten, dass Action bereits in Arbeit ist. Sie wird folgen, wenn diese Geschichte hier abgeschlossen ist.
Viel Spaß! :)


~


War es ein Tag, eine Woche, ein Monat oder gar ein Jahr gewesen, seit man ihr die erste Spritze in den Arm gejagt hatte? Sie konnte es nicht sagen. Wie auch, denn was auch immer in dem Giftcocktail gewesen war, den sie bei ihrer Ankunft hier bekommen hatte, er hatte sie sofort in ein tiefes Delirium geworfen, aus dem es kein Erwachen gab. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zum letzten Mal die Sonne gesehen, die Stimme ihrer Mutter gehört oder den beißenden Geruch nach Desinfektionsmittel gerochen hatte. Ihre Finger waren taub und ihre Sinne ließen nur gedämpft irgendetwas zu ihr durch. Sie spürte aber, wenn ihr Körper bewegt wurde. Man wechselte sie immer wieder zwischen einem Bett und einem Stuhl hin und her, weshalb sie annahm, dass es Nacht war, wann immer sie liegen durfte. Irgendetwas hinderte sie außerdem daran, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, auch wenn ihre Muskeln sowieso vermutlich nicht mehr vorhanden waren. Ab und zu wurde sie auch durch die finsteren Gänge geschoben. Was genau dann passierte, wusste sie aber nicht. Vielleicht wollte sie das auch gar nicht. Das Schlimmste war außerdem, dass von Zeit zu Zeit ihr Geist und ihre Erinnerung ihr Streiche spielten. Eines Morgens – sie nahm an, es wäre ein Morgen, denn der Raum erschien hell – wusste sie nicht einmal mehr ihren eigenen Namen. Es konnten gut mehrere Tage gewesen sein, in denen sie versuchte, sich zu erinnern, zu ergründen, wer sie war. Ihr Name war Hitomi, sie war fünfzehn Jahre alt, und wurde von ihrem Vater in eine Nervenheilanstalt gesteckt. So viel bekam sie zusammen, doch jeder Gedankengang war anstrengend. Sie brauchte viel Ruhe, auch nach eigentlich simplen Überlegungen. Die Zimmerfarbe hatte sie als weiß identifizieren können, genau wie die Decke, an die sie nachts starrte. Allein das hatte sie sicherlich mehrere Wochen gekostet. Ein bunter Fleck hatte eines Tages ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Waren das Blumen? Standen die schon immer hier? In Erinnerungen zu kramen war kraftraubend. Sie träumte oft – wenn man es überhaupt träumen nennen konnte. Wann immer sie die Augen schloss, zeigten sich grässliche Fratzen, die sie terrorisierten und an ihren Gliedern zerrten, bis sie dachte, sie würde zerreißen. Oder sie lachten sie hämisch aus, schrien sie an, sie taten alles, außer ihr das Leben irgendwie zu erleichtern. Das wäre ja auch zu viel verlangt gewesen. Keine ihrer bisherigen Visionen war so schrecklich gewesen. Nicht einmal die, als der falsche Mönch sie auf Gaia unter Hypnose versetzt hatte und ihr Herz aufgehört hatte, zu schlagen, und Van hatte sie wiederbelebt. Van… Van… Wer war das noch gleich? Der Name geisterte ununterbrochen durch ihren Verstand, ohne einen festen Ort zu finden. Sie konnte ihn einfach nicht einordnen. Es war zum Haare raufen! Und immer, wenn sie glaubte, endlich zu wissen, wer dieser Van war, bekam sie eine neue Spritze und ihr Geist wurde wieder schwarz und vernebelt. Jedes Mal, wenn die Wirkung nachließ, versuchte sie panisch, sich zu beeilen, wenn sie eine ihrer Erinnerungen aufdecken wollte. Damit verbrachte sie ihre Zeit. Und eines Nachts, als sie schwitzend und schwer atmend aus einem ihrer Horrorvisionen erwachte, oder zumindest ihr Bewusstsein etwas zurückbekam, blickten sie braune, warme Augen an, die sie wieder zu beruhigen schienen. Eine sanfte Hand strich über ihre Wange, und schwarze Haarsträhnen fingen das Sonnenlicht, das durch das Fenster schien. Das war Van. Anders konnte es doch auch nicht sein. Er war der Grund, weshalb sie hier war. Weil sie ihn nicht vergessen wollte, nicht wahr haben wollte, dass er nicht existierte, wie ihre Eltern es von ihr verlangten. Ihr war klar, dass auch er gerade eine Einbildung sein musste. Klare Bilder hatte sie nur in Träumen oder Visionen, denn die Zeit um sie herum verging viel schneller, als sie das Geschehene verarbeiten konnte. Es konnte gut sein, dass Ärzte sie stundenlang untersuchten, und doch kam es ihr wie eine einzige Sekunde vor. Trotzdem schien jeder Tag 240 Stunden zu haben, und nicht vierundzwanzig. Sie war gezwungen, jeden Atemzug erleidend hinter sich zu bringen. Sie hatte aufgehört, zu zählen, wie oft sie schon dazu gebracht wurde, in diese Hölle ihres Unterbewusstseins abzudriften. Oder gab es noch Zahlen hinter 35? Waren sie in der Schule so weit gekommen?
War sie überhaupt in die Schule gegangen?
Wie hieß ihr Bruder noch gleich?
In welchem Land wohnten sie?
Welchen Tag hatten sie heute?

Und wer war dieser Van nochmal?
Review schreiben