SMALLVILLE-EXPANDED: 07. Foresight

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16
Clark Kent Cloe Sullivan Lex Luthor OC (Own Character)
23.08.2017
27.08.2017
9
28627
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
PROLOG


     Christian von Falkenhayn erreichte am späten Nachmittag das Haus, in dem Chloe Sullivan, zusammen mit ihrem Vater, lebte. Die Fahrt hierher hatte er wie in Trance erlebt und jetzt, nachdem er den Motor seines schwarzen Pickups abgestellt hatte, wunderte er sich etwas darüber, heil hier angekommen zu sein. Denn während der gesamten Fahrt über waren seine Gedanken weit mehr bei Chloe gewesen, als dabei, sich auf den Straßenverkehr zu konzentrieren. Was einen triftigen Grund hatte.
     Gestern Abend, während ihrer Geburtstagsfete in der Scheune der Kent-Farm, hatte sich etwas zwischen ihnen beiden ereignet. Etwas, das dringend einer Aufklärung bedurfte.
     Mit einem unangenehmen Ziehen in der Magengegend verließ er sein Fahrzeug und schritt langsam durch den kleinen Vorgarten zur Haustür. Dort angekommen atmete der blonde Junge tief durch, bevor er entschlossen seinen Finger auf den Knopf der Türklingel legte. Der Achtzehnjährige hörte das Läuten und trat einen halben Schritt zurück.
     Jemand näherte sich, und im nächsten Moment wurde die Haustür geöffnet. Im Eingang stand Chloe und lächelte warm, als sie Christian erkannte. In die blauen Augen des Jungen sehend fragte sie, halb überrascht, halb erfreut: „Hi, Chris. Was führt dich denn her?“
     Christian machte ein leicht erstauntes Gesicht. Gerechnet hatte er mit einer ganz anderen Reaktion des Mädchens. Etwas unsicher fragte er: „Darf ich, für einen Moment hereinkommen, Chloe. Ich würde gerne etwas mit dir besprechen. Wegen der Fete, gestern.“
     „Ja, klar.“
     Chloe trat zur Seite um den Jungen einzulassen. Hinter ihm schloss sie die Tür und deutete dann auf die Treppe, im Hintergrund der gemütlich eingerichteten Diele. „Gehen wir doch nach Oben, in mein Zimmer.“
     Christian nickte und folgte dem blonden Mädchen in die obere Etage.
     Trotz des ernsten Hintergrundes seines Besuches konnte der Junge ein feines Schmunzeln nicht ganz unterdrücken, als er die mindestens zehn verschiedenen Oberteile, die Chloe auf dem Bett ausgebreitet hatte, entdeckte.
     Chloe, die seinem Blick folgte erklärte leidenschaftlich: „Auch wenn Jungs da etwas anderes glauben: Das Bett und der Fußboden im Zimmer eines Mädchens sind ein vollwertiger Kleiderschrank, klar?“
     Christian blickte wieder zu dem Mädchen, das heute wieder seinen gewohnten Schlabberhosen-Look trug. Gestern Abend war das noch ganz anders gewesen. Er fasste sich ein Herz und sagte dann entschlossen: „Chloe, wir müssen darüber reden, was gestern, auf deiner Geburtstagsfete, mit uns passiert ist.“
     Plötzlich etwas nervös wirkend nahm Chloe die Hände nach vorne und verschränkte die Finger ineinander. Erst vor wenigen Stunden war sie, zusammen mit Lana Lang und ihrer Cousine, Lois Lane, in der Kawatschen-Höhle aufgewacht. Ohne Erinnerung an das, was sich während ihrer Fete, oder unmittelbar danach, ereignet hatte. Mit unstetem Blick zu Christian sehend fragte sie gedehnt: „Was war denn los, Chris?“
     Unglaube spiegelte sich im Blick des Jungen, als er nach einem langen Moment fragte: „Willst du damit sagen, du kannst dich nicht daran erinnern? Ich meine, dass wir zwei in der Scheune...“
     Christian unterbrach sich. Doch nun war die angeborene Neugier des Mädchens geweckt, und so legte Chloe ihren Kopf leicht zur Seite und fragte ahnungsvoll: „Was war mit uns Beiden, während der Fete? Heraus damit, Chris!“
     Christian sah Chloe eindringlich an. „Ich möchte vorausschicken, dass ich gestern Abend nicht ich selbst war. Es war, als habe Irgendjemand das Kommando über mich übernommen. Ich weiß nur noch, dass du mich, als wir in der Kent-Scheune miteinander tanzten, immer weiter zur Seite der Galerie gedrängt hast. Dann hast du mich an die Hand genommen, und bist mit mir hinter einem Haufen von Heuballen verschwunden. Nun ja, ich habe mich andererseits auch nicht dagegen gewehrt. Ich spare mir die weiteren Details und belasse es dabei zu sagen, dass wir miteinander geschlafen haben.“
     Chloe Sullivan, die mit wachsendem Unglauben zugehört hatte, kam einen halben Schritt näher zu Christian. Forschend in die Augen des Jungen blickend fragte sie heiser: „Sag das nochmal, Chris.“
     Sie sah, wie sich die Wangen des Jungen röteten und sein Blick verriet ihr, dass er sich keinen schlechten Scherz mit ihr erlaubte. „Nein, sag es besser nicht, Chris. Oh, mein Gott, jetzt weiß ich auch, warum ich keinen Slip anhatte, als ich vorhin nach Hause kam.“
     Die Röte auf den Wangen des Jungen wurde etwas intensiver. „Tut mir leid, deinen roten String-Tanga habe ich wohl gestern...“
     Christian machte eine vielsagende Handbewegung, die andeutete, wie er den Slip über die Heuballen geschnippt hatte, und Chloe kommentierte sie gereizt: „Danke für die Info.“
     Für einen Moment blieb es still zwischen ihnen, bevor Christian auf den eigentlichen Grund dieses Gesprächs kam. „Chloe, wegen dem, was passiert ist, bleibt eine wichtige Frage zu klären. Denn im Eifer des Gefechts habe zumindest ich nicht an Verhütung gedacht.“
     Der Blick des Mädchens wurde undeutbar. Noch etwas näher zu Christian heran tretend erklärte sie heiser: „Schön, dass wenigstens einer von uns Beiden nicht so gedankenlos unterwegs ist. Seit meinem Ersten Mal nehme ich die Pille. Was offensichtlich nicht verkehrt ist, wenn man in einem so verrückten Nest wohnt, wie Smallville eins ist.“
     Christian blickte Chloe inständig an. „Bitte, versteh das jetzt nicht falsch, doch ich bedauere aufrichtig, was passiert ist. Ich liebe Alicia, und ich verstehe einfach nicht, was da in der Scheune passiert ist.“
     „Da sind wir schon Zwei.“
     Chloe wirkte weniger wütend, als deprimiert. „Ich weiß, dass du auf Alicia abfährst. Auch ich weiß nicht, was da gestern passiert ist. Und ich kann mich nicht einmal daran erinnern. Ich war aber eindeutig nicht ich selbst.“
     Das war nicht übertrieben, denn der Geist einer Hexe, die vor vierhundert Jahren, in Frankreich, auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war, hatte ihren Körper übernommen. Doch das würde Christian nie und nimmer glauben, darum schwieg sich Chloe dazu aus. Christian fragend ansehend erkundigte sie sich leise: „Wie gehen wir damit um, Chris? Vielleicht wäre es nicht verkehrt, wenn das unter uns bleiben würde.“
     Christian nickte nachdenklich. „Ja, mit einer Ausnahme. Ich kann und will das nicht vor Alicia geheim halten. Ich habe ihr versprochen, dass ich stets aufrichtig zu ihr sein will, und das hier ist eine Spur zu krass, um es unter den Tisch fallen zu lassen.“
     „Wenn in den nächsten Tagen im LEDGER zu lesen ist, dass ich von einer aufgebrachten Klassenkameradin umgebracht wurde, war´s die falsche Entscheidung“, spottete Chloe mürrisch.
     Christian schluckte. „Vielleicht sollte ich jetzt besser gehen.“
     Chloe nickte zustimmend, trat dabei aber gleichzeitig dicht an ihn heran. „Ja, aber vorher will ich etwas wissen, Chris. Wenn es für dich Alicia nicht geben würde – was hättest du mir dann heute Nachmittag gesagt?“
     Der Junge wusste darauf keine Antwort. Für einen langen Moment sah er nur bittend in die Augen des Mädchen, wobei er in sich hinein horchte. Nach einer Weile legte er sacht seine linke Hand auf Chloes Wange und küsste sie, beinahe gehaucht, auf die andere. Als er seine Hand langsam wieder zurück zog und in die blau-grünen Augen der Schulkameradin sah, glitzerten Tränen darin. Fast flüsternd sagte Christian: „Es tut mir leid, Chloe. Dich zu verletzen war nie meine Absicht, denn ich habe dich wirklich sehr gerne.“
     „Autsch“, erwiderte das Mädchen ironisch und lächelte tapfer. Dann räusperte sich Chloe und meinte: „Komm, ich bring dich noch zur Tür.“
     Unten angekommen sah die Blondine fragend zu dem Jungen auf. „Warum stehen die Jungs, auf die ich stehe, nicht auf mich, Chris? Kannst du mir das vielleicht verraten?“
     Christian schüttelte sanft den Kopf. „Ich fürchte, nicht. Aber ich bin mir ganz sicher, dass dein strahlender Held bereits irgendwo auf dich wartet. Wie wäre es denn mit einem Typ, wie Robin Hood?“
     „Ein grüner Bogenschütze?“, entgegnete Chloe spöttisch. „Nein, danke.“
     Christian hob die Schultern. „War ja auch nur so ein Gedanke.“
     „Dann denk mal schleunigst in eine andere Richtung.“ Etwas näher zu Christian gehend fragte sie leise: „Bekomme ich noch einen auf die andere Wange?“
     Es dauerte einen Moment, bis Christian begriff, was sie meinte. Angedeutet lächelnd gab er zurück: „Das schulde ich dir wohl, zumal du dich ja nicht einmal erinnern kannst, was wir gestern in der Scheune erlebt haben.“
     Einen Moment später berührten seine Hände dich Schultern des Mädchens und er küsste sie sanft auf die rechte Wange.
     Als er sie wieder ansah, antwortete Chloe, halb gespielt, halb ernsthaft, verstimmt: „Ja, lass uns nie wieder darüber reden, okay?“
     Christians Rechte streichelte sacht Chloes Schulter, bevor er seine Hände zurückzog. „Bleiben wir Freunde?“
     Die Augenbrauen des Mädchens hoben sich. „Sind wir je Freunde gewesen?“
     Christian grinste schief und seufzte: „Schon klar, Chloe. Auf blöde Fragen gibt es auch blöde Antworten, stimmt´s?“
     „Aber so was von!“
     Das Mädchen öffnete die Haustür und Christian verstand den Wink. „Wir sehen uns dann morgen in der Schule.“
     „Viel Glück dabei, es Alicia zu erklären“, gab Chloe zurück und lächelte Christian aufmunternd zu.
     „Danke, Chloe.“
     Der Junge beobachtete, wie die Tür sich schloss und nachdenklich schritt er zu seinem Pickup. Dabei ahnte er, dass dieses Gespräch das einfachere von zwei Gesprächen gewesen war, die er sich vorgenommen hatte zu führen.

* * *

     Die halbe Nacht über hatte Christian wach gelegen, und erst am frühen Morgen war er in einen unruhigen Schlaf gefallen. Dementsprechend gerädert fühlte er sich, als um neun Uhr, an diesem Sonntagmorgen der Wecker summte.
     Nachdem er geduscht, seine Morgentoilette beendet, und sich danach angekleidet hatte, machte er sich in der Küche erst einmal einen starken Kaffee. Hunger hatte er nicht besonders, weshalb er sich nur eine Banane aus der Obstschale nahm. Nach dem bescheidenen Frühstück verschwand Christian nochmal im Bad und wartete schließlich ungeduldig im Wohnraum seines kleinen Hauses, bis es schließlich an der Tür klingelte.
     „Komm rein!“, rief Christian in Richtung der Tür. Es war Punkt zehn Uhr am Vormittag, und  für diese Zeit hatte er sich mit Alicia verabredet.
     Die Tür öffnete sich und es war tatsächlich Alicia Sterling, die eintrat. Sie wirkte ziemlich nervös, und mindestens ebenso übernächtigt, wie der Junge. Gezwungen lächelnd schälte sie sich aus ihrer Winterjacke und sagte: „Guten Morgen, Chris.“
     Christian erwiderte den Gruß mit einem Kopfnicken und deutete auf das gemütliche Ledersofa. „Setzen wir uns lieber, Alicia. Ich habe Kaffee gemacht, möchtest du welchen?“
     Beinahe dankbar, denn es schob den Moment, in dem sie alle Fakten auf den Tisch legen musste, noch etwas hinaus, erwiderte Alicia: „Ja, sehr gerne.“
     Sie legte ihre Jacke über die Lehne eines Sessels. Das Mädchen hätte vermutlich nicht schlecht gestaunt, hätte sie in diesem Moment bereits geahnt, dass Christian aus exakt demselben Grund erleichtert war. Er verschwand hinter den Holzbalken, die den Küchenbereich vom Wohnraum abtrennten, goss zwei Tassen mit Kaffee ein und kehrte mit ihnen zum Sofa zurück. Die Tassen auf dem Tisch abstellend setzte er sich zu Alicia auf das breite Sofa, allerdings an das entgegengesetzte Ende.
     Sie nahmen beide einen Schluck von dem starken Kaffee und als Alicia auch danach keine Anstalten machte, das Gespräch zu eröffnen, atmete Christian tief durch und entschloss sich den Anfang zu machen.
     „Alicia, als ich gestern sagte, dass wir reden müssen, da meinte ich nicht, dass nur du mir etwas zu sagen hast. Auch ich werde dir etwas beichten müssen, denn diese verrückte Fete, vorgestern, hat mehr angerichtet, als du vielleicht ahnst. Ich bitte dich zuvor darum, egal was du nun erfährst, nicht zu gehen, bevor wir über Alles geredet haben. So ruhig und so sachlich es uns möglich ist.“
     Alicia, die heute jene Sachen trug, die sie bei ihrer ersten Verabredung angehabt hatte, sah Christian mit leicht hochgezogenen Augenbrauen an, sagte aber auch jetzt nichts.
     Darum begann der Junge schließlich, und erklärte: „Auf der Fete, in der Kent-Scheune, da ist etwas mit mir passiert. Das heißt, wohl nicht nur mit mir, sondern mit jeder Person, die dort war, würde ich sagen. Ich habe dich zusammen mit Deion dort gesehen, und ich weiß noch, dass ich zu dir wollte, um mit dir zu reden. Doch dann geschah etwas. Mit dem Auftauchen von Lana, Lois und Chloe. Ich weiß nicht, wie du es empfunden hast, doch ich kam mir hinterher so vor, als hätte ich bei der Party unter einem Bann gestanden.“
     Christian bemerkte die ungläubigen Blicke von Alicia. Schnell stellte er seine Tasse auf die Glasplatte des niedrigen Tisches, der zur Sitzecke gehörte. Er hob die Hände und sagte eindringlich zu dem Mädchen: „Ich weiß selbst, wie das klingt, doch es war so. Chloe und ich haben miteinander getanzt, und nach einer Weile, da...“
     Christian unterbrach sich und sah bittend in Alicias Augen, in denen er aufkeimende Erkenntnis zu sehen glaubte. Dabei fiel es ihm schwer ihren forschenden Blicken, mit denen sie ihn bedachte, standzuhalten. Er atmete tief durch, bevor er zugab: „Chloe hat mich verführt, und ich habe mich von ihr verführen lassen. Darum war ich gestern Nachmittag bei ihr, um mit ihr darüber zu reden, wie das passieren konnte. Sie wusste nicht einmal, dass das geschehen ist. Und ich bin mir ganz sicher, dass ihre Unwissenheit nicht vorgetäuscht war.“
     Abwartend sah der Junge zu Alicia, nicht sicher, was er erwartete. Von überkippenden, schrillen Schreien, über laut vorgetragene Vorwürfe aller Art, bis zu gesalzenen Ohrfeigen für ihn, war in seinen Gedanken alles dabei. Doch nichts davon passierte. Es herrschte nur eine beinahe unnatürliche Ruhe zwischen ihnen.
     Endlich sagte Alicia leise: „Ich glaube dir, Chris. Mir selbst ist es nämlich ganz genau so ergangen, an dem Abend. Ich bin mit Deion zu ihm gefahren, und wir haben dort miteinander geschlafen. Doch jetzt kommt es mir so vor, als wäre ich das gar nicht gewesen, sondern als hätte ich einer völlig Fremden dabei zugesehen. Wie in einem schlechten Film. Darum war ich auch gestern hier, um mit dir darüber zu reden, Chris. Ich...“
     Das afro-amerikanische Mädchen schluckte und brachte kein weiteres Wort heraus. Stattdessen sah sie Christian nur aus unnatürlich großen Augen an, die sich rasch mit Tränen füllten. Mit beinahe erstickter Stimme fragte sie verzweifelt: „Was machen wir jetzt, Chris?“
     Das Herz des Jungen krampfte sich zusammen, als er sah, wie zwei Tränen über Alicias Wangen rannen. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen, doch er fühlte sich wie paralysiert. Nach seiner Tasse greifend, wobei er sie fast vom Tisch stieß, schüttelte er den Kopf und sagte rau: „Ich weiß es nicht, Alicia. Momentan dreht sich alles in meinem Kopf, und ich finde keinen Ausweg aus dieser verzwickten Situation. Ich weiß nur, dass ich nicht das für Chloe empfinde, was ich für dich empfunden habe, als wir zusammen waren.“
     Abwartend sah er in Alicias Augen, auf eine Antwort wartend, die aber nicht kam. Trotzdem dauerte es eine geraume Weile, bis er begriff. Ahnungsvoll fragte er: „Aber du empfindest mehr für Deion, als ich dachte, habe ich recht?“
     Die unnatürliche Ruhe, mit der Christian diese Frage vorbrachte kam Alicia fürchterlicher vor, als hätte er sie einfach angeschrien. Sich die Tränen mit dem Ärmel ihres blauen Pullovers abwischend nickte sie stumm. „Als ich mich nicht an dich erinnern konnte, Chris, da habe ich mich mit ihm so verbunden gefühlt, wie mit dir. Doch seit gestern Morgen weiß ich rein gar nicht mehr, was ich momentan fühle.“
     Christian blickte Alicia an und sagte traurig: „Ich liebe dich, Alicia. Aber diese Entscheidung kann nicht ich treffen, und auch nicht Deion. Sondern ganz allein du.“
     Alicia konnte nichts erwidern. Ihre Finger umkrampften die Tasse mit Kaffee, bis das Zittern ihrer Hände etwas nachließ. Gepresst erwiderte sie: „Du hast Recht, Chris, doch das kann ich nicht sofort. Ich brauche einfach nur etwas Zeit.“
     Christian blickte sie stumm an.
     Erneut den Tränen nah, sagte Alicia fast lautlos: „Ich wollte, du würdest dich aufregen und sauer auf mich sein. Oder mich anschreien, dann wäre es leichter zu ertragen.“
     Mit einem verzweifelten Grinsen gab Chris zurück: „Denkst du denn, mir würde es im Moment nicht ganz genauso ergehen?“
     Alicia trank ihre Tasse aus und stellte sie auf den Tisch. Für einen Moment lang stumm auf die Glasplatte sehend erhob sie sich abrupt und meinte: „Es wird besser sein, wenn ich dich jetzt allen lasse.
     Den Jungen wieder ansehend fügte Alicia, nun entschlossen wirkend hinzu: „Ich möchte nicht, dass es wieder so wird, wie in den letzten Wochen, Chris. Ich will nicht, dass wir uns aus dem Weg gehen, bitte versprich mir das, egal, wie auch immer diese gesamte Angelegenheit ausgehen wird.“
     Der beinahe flehende Blick des Mädchens ging Christian durch und durch. Er rang sich ein Lächeln ab. „Dann werden wir das auch nicht. Wir gehen einfach miteinander um, wie Freunde, denn zumindest das sind wir immer noch. Oder nicht?“
     Befreit lächelnd erwiderte Alicia: „Ja, und das wird sich auch niemals ändern. Nicht von meiner Seite, Chris.“
     „Dann ist zumindest das geklärt.“
     „Ja“, gab Alicia leise zurück und griff nach ihrer Jacke.
     Ganz automatisch half Christian ihr dabei, hinein zu schlüpfen und als sich das Mädchen wieder zu ihm umdrehte sahen sie sich an, und beide spürten in diesem Moment einen Hauch ihrer früheren Verbundenheit zueinander.
     Der Junge brachte Alicia noch zur Tür. Als sie auf der Veranda standen, sagte Christian bittend: „Pass auf dich auf, Alicia, und halte mich bitte auf dem Laufenden.“
     Alicia wusste, was Christian mit seinem letzten Satz meinte und sie versicherte ihm: „Das werde ich, Chris. Wir sehen uns.“
     Als sie ging, blickte Christian ihr nach und ein schmerzliches Gefühl breitete sich dabei in ihm aus. Er liebte Alicia unvermindert stark, dessen war er sich sicher, und er wünschte sich in diesem Moment, in die Zukunft blicken zu können, um zu sehen, wie all das am Ende ausgehen würde...
Review schreiben