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Shan'Dur {05} Der Kameraden Gedenken

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16 / Gen
OC (Own Character)
23.08.2017
18.05.2019
4
4.546
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23.08.2017 1.208
 
Ein rauer Wind stich über die grasbedeckten Hügel im westlichen Umland Wulfravens, die noch hoch stehende Abendsonne färbte den Himmel rot. Auf dem Hügelkamm nahe eines kleinen Hains mit einem Weiher zeichnete sich die Silhouette eines einzelnen Reiters ab. Langsam ritt er auf seinem Apfelschimmel, einem prächtigen Schlachtroß, dahin, sein Haupt hielt gesenkt als wäre er sehr erschöpft und müde. Ein großer Wolfshund trottet neben Pferd, manchmal blickt er er treu zu seinem Herrn herauf. Der Reiter trug einen langen schwarzen Mantel auf dessen Schultern Wolfspelze appliziert waren, und hat die Kapuze seines Mantel über sein Haupt gezogen. An der linken Seite des Pferdes hing vorn ein schwarzer Rundschild mit silberfarbenen Schildbuckel um welchen zwei in Knotenmustern gemalte silberne Drachen fliegen, an der rechten Seite hinten ein Reiterbogen im Futteral nebst Pfeilköcher. Des Reiters Name war Ciarán von Dragonbeinn, einer der Ritter der Eachflaith die heuer in den Schlachten um Wulfraven bei den Deanlande-Hügeln nahe des Mondwaldes gekämpft haben. Als Leutnant ritt er mit der Schwadron Baerjans von Penkor, dem Gatten seiner jüngeren Schwester Lilias, gegen Feind. Die Schwadron wurde erst sehr spät eingesetzt und hatte im Gegensatz zu manch anderer Einheit sehr großes Glück gehabt, es gab zwar viele Verletzte, aber keiner der Reiter ist gefallen. Trotzdem war Ciarán nicht nach feiern zu Mute, deshalb hatte er die Stadt verlassen. Sein Ziel war der Weiher neben dem kleinen Hain des Obad-Hai welcher unweit der Stadt im Westen lag. Dort hatte eine besondere Einheit ihr Feldlager aufgeschlagen, ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Kriegern mit besonderen Fähigkeiten. Ciarán kannte einige Mitglieder aus dieser Einheit, er hatte Freunde dort, und auch die Schwester seines besten Freundes Ignatius von Wulfraven, die Kundschafterin und Fährtenleserin Cassia, war dieser Einheit zugeteilt.
Während Ciarán, halb in Gedanken versunken, weiterritt erspähte er auf dem Hügelkamm vor sich eine großgewachsene, menschliche Gestalt im Grase sitzen, eingehüllt in einen graugrünen Elbenmantel, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, und Pfeife rauchend, ein Langbogen lag auf ihrem Schoß. Ciarán schob seine Kapuze zurück und stieg langsam ab, was ihm ein wenig Mühe machte. Er trug am Kopf und seinem rechten Arm einen Verband, auch er hatte Wunden davongetragen. Sein Wolfshund kam heran und setzte sich neben ihn. Beruhigend tätschelte er die Seite seines Schlachtrosses und flüsterte „Mithelf, mein Guter. Hast mir heuer treu gedient.“ Dann beugte er sich zu dem Wolfshund herab, kraulte ihn hinter den Ohren und sagte: „Garion, mein Großer! Wirst vielleicht gleich einen alten Freund wiedertreffen. So wie ich." Hiernach richtete sich der Ritter auf und nahm sein Pferd an die Zügel. Während er sich der sitzenden Gestalt näherte sah er sich um, heute war schon zuviel passiert, auch jetzt könnten noch versprengte Feinde auftauchen und Ärger machen. Die Gestalt erhob nun sich langsam und drehte sich in Ciaráns Richtung. Es handelte sich um einen sehr groß gewachsener Mann von kräftiger Statur der unter seinem Mantel eine beschlagene Lederrüstung trug, an seinem Waffengürtel hingen ein großer Anderthalber und ein Langschwert, dazu trug er hohe Elbenstiefel, augenscheinlich ein Waldläufer. Den Langbogen hielt er nun in seiner linken Hand, in der Rechten die Elbenpfeife. Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und die Augen unter der Kapuze leuchten dabei mit einem feuerrotem, fast dämonischen Schimmer durch das auflodernde Pfeifenkraut.
Doch Ciarán, neben dem Garion sich wieder hingesetzt hatte, kannte diesen Mann mit den sonderbaren Augen und grüßte ihn: „Caibre, mein Freund, Heironeous zu Gruße! Hälst Du hier einsam Wache?“
„Mae govannen, Ciarán!“ antwortete dieser auf Elbisch „Nein, ich wollte noch einen Moment allein die Abendsonne genießen und meine Pfeife rauchen. Aber was treibt Dich hierher? Feiert Ihr Ritter nicht den großen Sieg in der Stadt?“
Die beiden Männer stand sich gegenüber und sahen sich einen Moment an, dann nickte Ciarán und sagte: „Ich musste aus der Stadt heraus und wollte noch mit Mithelf und Garion einen kleinen Abendausritt machen. Dann erfuhr ich das ihr hier am Hain lagert. Und so bin ich nun hier. Aber sag, wo ist eigentlich Dein Kater?“
„Grimbold?“ entgegnete der Waldläufer, „Der alte Kater liegt unten im Lager neben Mornfaron und schläft nachdem er sich den Bauch mit Wildschein vollgeschlagen hat.“ Er deutete mit dem Langbogen in Richtung des Hains. Dort, am Ufer des Weihers sah man viele Zelte und ein paar Lagerfeuer brennen, gut zwei Dutzend Gestalten waren in dem kleinen Feldlager auszumachen, „Wir sollten auch gehen, Feanor, Cassia und ein paar von den anderen werden sich freuen Dich zu sehen! Komm, mein Freund!“ sagte Caibre zu dem Ritter und ging den Hügel herunter Richtung des Feldlagers. Caibre folgte ihm stumm und führte sein Pferd am Zügel mit sich, der Wolfshund folgte seinem Herrn ein stückweit hinter ihm. Auf dem Weg zu dem Feldlager dachte Ciarán zurück an seine erste Begegnung mit dem ungewöhnlichen Waldläufer. In jungen Jahren waren sie sich das erste Mal am Rande des Waldes von Thorn, der an das Lehen der Dragonbeinns grenzte, begegnet. Ciarán hatte den Waldläufer wegen des rot leuchtenden Augen für einen Dämon gehalten und angegriffen. Sie kämpften lange gegeneinander und hätten beinahe einander getötet, wenn nicht weitere Grünelben hinzugekommen wären und den Kampf beendet hätten. Danach hatten sie Ciarán erklärt wer der angebliche Dämon war, und der junge Ritter hatte sich für sein ungestümes Vorgegen bei Cairbre entschuldigt. Im Laufe der Jahre hatten sich die Wege der beiden öfters gekreuzt, da sie versuchten aufzuklären was die mysteriöse dunkle Bruderschaft plante, und es war so etwas wie eine Freundschaft daraus entstanden. Auch nun kämpften sie im Krieg gegen sie auf der selben Seite.  
"Du bist verletzt, Eachflaith." bemerkte Cairbre ohne sich umzudrehen,  "Warum bist Du nicht bei den Heilern und läßt Deinen Wunden magisch behandeln?"
"Es ist nicht so schlimm wie es aussieht, und andere haben diese Heilung nötiger als ich." antwortete Ciarán und bemerkte erst jetzt , daß auch sein Freund humpelte. "Wir alle haben heuer etwas abbekommen, aber trotzdem wir sind die Glücklichen die überlebt haben."
"Das Glück hatten leider nicht alle von uns. Zuviel von uns ließen heute ihr Leben im Kampf." gab Cairbre mit einem düsteren Unterton zurück, "Aber komm, mein Freund, laß uns zu den Feuern gehen. Rhaidric wird bald mit der Zeremonie anfangen. Es freut mich das Du heuer hier  und nicht auf Feld geblieben bist!"
Dann drehte Caibre sich um und machte sich langsam auf zu den anderen am Ufer des Weihers. Ciarán faßte die Zügel seines Pferdes, dann blickte er kurz neben sich zu dem Wolfshund und sagte "Komm, Garion, gehen wir!" Stumm und ohne ein weiteres Wort zu wechseln gingen die beiden Krieger langsam den Hügel hinunter in Richtung des Feldlagers mit seinen brennenden Lagerfeuern. Wäre nicht Krieg gewesen hätte es ein beinahe schon idyllisches Bild sein können, die Zelte und die Feuer vor dem kleinen Hain zu sehen, während die untergehende Abendsonne sich rot in dem kleinem Weiher spiegelte. Aus der Ferne hörten sie Flöten- und Lautenspiel, und offenbar sangen einige der Kämpfer dort. Aber es waren keine fröhlichen Lieder, man trank, aber blieb leise und andächtig dabei. Man konnte es förmlich spüren das die Stimmung sehr gedrückt war, und die Kämpfe an diesem Tage den Männern und Frauen der Eachflaith viel Kraft gekostet hatte.
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