Cause all of me loves all of you (Bettys Diagnose)

GeschichteRomanze, Familie / P12
22.08.2017
09.02.2018
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28.117
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Dieses Kapitel
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22.08.2017 3.473
 
Einen sonnigen guten Tag! :D

Ich wollte schon lange eine FanFiktion zu dieser Serie schreiben, aber irgendwie ist mir nie die zündende Idee gekommen - ich habe um die zehn "Leichen" von irgendwelchen Ideen auf meinem Computer. xD

WICHTIG: Das Ganze ist so geplant, dass die Kapitelnamen usw. wie eine Staffel aufgebaut sind. Aktuell sind für meine "Staffel 2" neun Folgen geplant, für die "Staffel 3" ebenfalls, "Staffel 4" mache ich dann einfach nach Lust und Laune und natürlich auch Interesse. Die Familienverhältnisse, Personen usw. werden nicht verändert, teilweise werde ich Vorfälle oder Patientenfälle aus der Serie herausgreifen und umschreiben, werde das aber immer sagen. Das Kapitel hier ist quasi die Vorgeschichte für die "Staffel 2", und auch hier habe ich einen Teil des Dialoges und der Handlung der Serie entnommen und mit Sternchen * eingeklammert. Das Ganze stammt aus Staffel 2, Folge 2 (Schonungslos), und im Original platzt Helena versehentlich in das Gespräch und es endet im Streit zwischen Betty und Behring ... was ich nicht zulassen konnte! :D

Sooo und jetzt wünsche ich erst einmal viel Spaß mit dem Kapitel. :D

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Was war der Grund dafür, dass er sich in Betty verliebt hatte? Es gab wenige Momente, in denen Marco Behring sich überhaupt eingestehen wollte, dass es so war. Doch dann, wenn er es tat, kreisten seine Gedanken meist nur um diese Frage. Seltsamerweise fand er nie einen ganzen, großen Grund, so gerne er das auch als plausible Erklärung hätte. Stattdessen kamen ihm meist nur viele kleine Dinge in den Sinn. Zum Beispiel die Art, wie sie einen Patienten anlächelte, wenn es ihm schlecht ging. Das Blitzen in ihren Augen, wenn es ihr um etwas Wichtiges ging oder sie mal wieder seine Diagnose in Frage stellte. Oder ihr Duft, Honig und Sommer, der ihn jedes Mal aufs Neue benebelte, ohne dass er es wollte. Und nicht zu vergessen – sie gab niemals auf. Egal ob ihr Verlobter sie verließ oder sie mit ihm persönlich Streit hatte, nie vernachlässigte sie ihre Freunde und Patienten. Und ob er nun wollte oder nicht, seit ihrem Kuss kreisten seine Gedanken, noch häufiger als davor schon, nur um Betty. Darum, wie richtig es sich angefühlt hatte, sie zu küssen. Ein Gefühl, als käme man nach einer Ewigkeit endlich nach Hause, und gleichzeitig diese Sehnsucht nach mehr.

Und egal, ob sie sich nun in seine Angelegenheiten einmischte oder ihn noch so sehr nerven konnte, er brauchte sie. Wie ein Schlag hatte ihn diese Erkenntnis ins Gesicht getroffen, zusammen mit der, dass er dabei war, sie zu verlieren.

Und so beschloss er, endlich mit ihr zu reden.

*„Das ist aber nicht ihr Büro hier, oder?“, fragte Betty etwas verwirrt, als er sie in einen der Lagerräume schob. „Nee. Keine Störungen“, erwiderte er nur und fasste sie an den Schultern, sodass er direkt vor ihr stand. Zwar half das nicht unbedingt seinem klaren Denken, doch er musste zugeben, er genoss es, so nahe bei ihr zu stehen. Reiß dich zusammen, Marco!, ermahnte er sich dann allerdings selbst, als er merkte, dass er die Kontrolle zu verlieren drohte. Du darfst das hier nicht vermasseln! „Ihre Mailbox ist wirklich kaputt“, sagte er dann mit in einem ein wenig verlegenen Tonfall. Er hatte wirklich gedacht, es sei ihr schlichtweg egal gewesen, hatte wirklich gedacht, dieser unfassbare Kuss sei einfach so an ihr vorbei gegangen – nun konnte er nur beten, dass er ihre Reaktionen richtig gedeutet hatte und dem nicht so war. „Ja, ich weiß, ich hab-“, sie stockte kurz und sah ihn überrascht an, als begreife sie etwas. „Hatten Sie mich angerufen?“, fragte sie, und langsam breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Ja“, meinte er betreten. „Und mir eine Nachricht hinterlassen?“ „Ja“, wiederholte Behring, und merkte, wie das Lächeln auch langsam ihn erreichte. Das hatte er, und er hatte ziemlich wirres Zeug gestammelt. Und sie gefragt, ob sie sich mal mit ihm treffen würde. Dass sie nicht geantwortet hatte, war für ihn ein harter Schlag gewesen. Bis er begriffen hatte, wie dämlich das gelaufen war. Typisch für sie beide – nie konnte etwas unkompliziert sein. „Joa“, murmelte Betty und lachte verlegen. „Ist ja vielleicht gar nicht so schlecht, dass die Mailbox kaputt ist, dann können sie mir ja jetzt, hier, live sagen, was Sie mir sagen wollten.“ Oh Gott. Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht und machte einer leisen Panik Platz. „Jetzt?“, fragte er nach und schluckte schwer. Damit hatte er nicht wirklich gerechnet, irgendwie hatte er eher gehofft, dass sie die Initiative ergreifen würde.„Ja. Ist ja … der richtige Ort, oder?“, meinte dann Betty dann verlegen lächelnd, und unwillkürlich fragte Behring sich, ob sie ebenso oft an ihren Kuss gedachte hatte wie er. „Ja … richtig“, brachte er nur heraus. Okay, du schaffst das. Frag sie einfach ganz locker, kann ja wohl nicht so schwer sein. Er räusperte sich, dann begann er unsicher: „Ich … wollte Ihnen sagen …“ Er stockte kurz. Was, dass er sich Hals über Kopf in sie verliebt hatte? Nein. Am besten fragte er sie erst einmal nach einem Treffen. „Man, ich wollte dich fragen, ob du dir vorstellen* könntest, mal mit mir auszugehen!“ So, jetzt war es heraus. Er versuchte, seinen Herzschlag zu beruhigen, während er sie abwartend und auch etwas ängstlich musterte. Für eine Sekunde lang wirkte sie wie erstarrt, dann begann sie über das ganze Gesicht zu strahlen. „Ja … gerne. Klar“, antwortete sie und ein warmes Glücksgefühl durchströmte ihn. Okay, Marco, bloß nicht ausrasten vor Glück, mach jetzt schnell einen Termin und bleib ganz locker, befahl er sich selbst. „Morgen Abend gegen acht? Ich hole Sie ab?“ Betty nickte hastig und sie sahen sich einige Sekunden lang einfach nur an. Abschätzend, vorsichtig, glücklich. Zwei Menschen, die genau wussten, wie leicht man verletzt werden konnte. Und die es doch in Kauf nehmen wollten, weil sie einander zu sehr brauchten. „Gut … ähm … dann … bis morgen“, stammelte Behring. Die Atmosphäre zwischen ihnen war so geladen, dass er trotzdem noch nicht ging, sondern noch kurz auf Bettys Antwort wartete und ihr in die Augen sah. Sie atmete einmal tief durch, dann beugte sie sich einfach vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Bis morgen.“ Und mit diesen Worten verließ sie über das ganze Gesicht strahlend den Raum, und ließ einen Marco Behring zurück, dessen Herz raste und beinahe zerspringen zu drohte vor lauter Glück.

„Nein!“, quietschte Lizzy, als Betty ihr später am Abend davon berichtete. „Du hast tatsächlich ein Date mit Doktor Love!“ Betty nickte nur und bekam das Lächeln einfach nicht mehr aus ihrem Gesicht. „Gibst du denn jetzt endlich zu, dass du in ihn verliebt bist?“, fragte ihre beste Freundin dann mit einem verschmitzten Lächeln. Betty zuckte die Schultern und sah verlegen zu Boden. „Keine Ahnung. Jetzt muss ich erst einmal sehen, wie das Treffen mit ihm läuft.“ Lizzy grinste nur vielsagend. „Aha. Deshalb grinst du auch wie eine frischgebackene Lottogewinnerin!“ Betty schnaubte, bekam das Grinsen aber nach wie vor nicht aus dem Gesicht. „Ach, Quatsch.“ Lizzy zwinkerte ihrer Freundin nur zu, und fragte dann: „Weißt du eigentlich schon, wohin ihr morgen geht oder was du anziehen willst?“ Betty schüttelte den Kopf. „Weder, noch. Aber ich werde mich ganz sicher nicht besonders aufbrezeln oder so“, sagte sie entschieden, woraufhin Lizzy mit den Augen rollte. „War ja klar. Aber egal, Hauptsache, du und Behring habt das immerhin mal auf die Reihe bekommen!“ Betty nickte nur. „Er wirkte richtig nervös, so hab ich ihn noch nie gesehen“, meinte sie dann nachdenklich, woraufhin Lizzy schelmisch grinste. „Sag ich doch, ein Blinder merkt, wie ihr zwei total in einander verschossen seid.“ Betty warf ihr einen bösen Blick zu. „Haha, Lizzy. Jetzt warten wir erst mal morgen ab, und dann sehen wir weiter. Und jetzt sollten wir uns um das Abendessen kümmern.“ Betty stand auf, und Lizzy sagte: „Also, wegen Behring, ja, ich bin gespannt, und wegen dem Essen – wie wäre es mit Lieferdienst?“ Sie sah ihre beste Freundin treuherzig an, woraufhin diese kopfschüttelnd und lachend gleichzeitig antwortete: „Meinetwegen. Aber du bestellst!“ Lizzy lächelte triumphierend. „Geht klar!“

Der folgende Tag war gespickt von versteckten Gesten und Blicken, einem heimlichen Lächeln, und die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar. Und als Betty dann nach Schichtende bei sich daheim vor dem Spiegel stand, fühlte sie sich wie ein nervöser 14 Jahre alter Teenie, der sein erstes Date hatte. Nimm dich zusammen! Nimm dich zusammen! Es ist nur ein Treffen, das wirst du doch wohl hinbekommen! Lizzy kam zu ihr ins Zimmer geeilt. „Betty, ich weiß ja, du willst dich nicht aufbrezeln, aber … ich hab da was für dich.“ Betty sah zwar skeptisch drei, doch als Lizzy dann einen schlichten schwarzen Rock mit dazugehöriger blauer Bluse hervorzauberte, nickte sie langsam. Das war weder zu viel noch zu wenig, ihr Stil und schlicht, aber trotzdem schön. Nachdem sie es anprobiert hatte, stellte sie außerdem fest, dass es ihre Figur genau richtig betonte und das Blau der Bluse ihre Augen leuchten ließ „Danke, Lizzy“, meinte sie ehrlich und besah sich selbst zufrieden im Spiegel. „Das ist prima.“ Lizzy grinste nur selbstzufrieden und meinte dann: „Die Haare lässt du offen und zu mehr als Wimperntusche kann ich dich auch nicht überreden, oder?“ Betty nickte. „Ganz genau. So, wie es gerade ist, ist es perfekt.“ Lizzy sah auf die Uhr. „Das muss es auch, denn dein Dr. Love kommt dich in genau zwei Minuten abholen!“ Betty schluckte schwer, und Lizzy legte ihrer Freundin aufmunternd einen Arm um die Schultern. „Komm schon, Betty, ich bin sicher, es läuft gut.“ Betty atmete einmal tief durch und nickte. „Ich hoffe es“, sagte sie nur. In dem Moment klingelte es und Betty zwang sich zur Ruhe, als sie durch die Sprechanlage möglichst harmlos fragte, wer da sei. „Ähm … ich bin's“, kam es von einem hörbar nervösen Marco Behring und Betty entgegnete ebenso unkreativ wie er: „Oh, okay, ich komme.“ Lizzy umarmte sie noch einmal aufmunternd und drückte ihr Handtasche und Schlüssel in die Hand, dann schob sie sie mit einem „Viel Glück!“ aus der Haustüre.

Behring hatte sich eigentlich eine ganz lockere und entspannte Begrüßung überlegt – nur vergaß er diese leider in dem Augenblick, in dem er Betty sah. Nicht, dass sie etwas sehr Spektakuläres trug, das hätte auch gar nicht zu ihr gepasst. Doch der schwarze schlichte Rock zeigte ihre langen schlanken Beine, die Bluse war weit genug aufgeknöpft, um genug Ausschnitt zu zeigen und das Blau ihrer Augen leuchtete ihm beinahe unmenschlich entgegen. Verdammt. Dein ganzer Plan ist erledigt, dann sei jetzt wenigstens möglichst lässig! „Hallo … ähm … Betty“, war das Ergebnis davon und er schluckte schwer. Bettys Blick wanderte ebenfalls einmal an ihm herauf und herunter, obwohl er sich nicht sonderlich schick gemacht hatte, und sie lächelte ungewohnt scheu. „Hey. Wo haben Sie geparkt und wo gehen wir eigentlich hin?“, fragte sie dann, und Behring machte ihr kurzerhand eine Geste, ihm zu folgen und antwortete: „Naja, ich dachte, die Bar von vor ein paar Wochen wäre ganz gut.“ Betty grinste. „Aber diesmal an die Deckung denken, ja?“ Behring lachte verlegen, erwiderte aber nichts. Oh man, Marco, was ist nur mit dir los? Komm schon, du bist nicht das erste Mal mit einer Frau alleine! Als Betty und er in seinen kleinen schwarzen Golf stiegen, versuchte er vorsichtig, ein Gespräch zu beginnen. „Also, ich glaube mal, dass wir uns jetzt duzen sollten, oder?“ Betty nickte nur. „Joa. Wäre wohl von Vorteil.“ Sie lachte verlegen und in Behring stieg die Ahnung auf, dass sie genauso nervös und unsicher wie er war, was ihn irgendwie ein wenig beruhigte. „Du kennst ja meinen Namen, oder?“, fragte er dann halb im Scherz, woraufhin sie nur nickte. „Marco Behring … klingt wie aus einem billigen Arztroman geklaut“, verkündete sie dann mit einem herausforderndem Blick zu ihm herüber. Okay, offensichtlich war sie nicht nur ebenso nervös wie er, sondern mindestens genauso bemüht, sich das nicht anmerken zu lassen. Er ließ sich auf die Neckerei ein und entgegnete: „Naja, man kann sich seinen Namen nicht aussuchen, das weißt du ja am besten.“ Sie legte den Kopf schief und warf ihm einen gespielt finsteren Blick zu. „Um jetzt mal ein wenig Smalltalk zu betreiben: Wie alt bist du eigentlich?“, kam es dann von ihr. „Du überrascht mich immer wieder damit, wie dezent du die Dinge erfragst. Achtunddreißig“, antwortete er, verzichtete aber auf die Gegenfrage, da er aus einem Gespräch mit Lizzy bereits aufgeschnappt hatte, dass sie drei Jahre jünger war. „Gut … nächster Punkt: Wann hast du Geburtstag?“ Er runzelte die Stirn und fragte grinsend: „Wenn wir schon Smalltalk spielen, sollte dann nicht ich die nächste Frage stellen?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen, nur zu!“ „Ab wann wusstest du, dass du mal Ärztin werden wolltest, wenn das Geld reichen würde?“ Betty musste nicht lange überlegen. „Ich war dreizehn, und jemand aus meiner Klasse ist umgekippt. Wir waren im Schullandheim, unsere Lehrerin war gerade auf dem Klo, und alle waren völlig panisch.“ Sie schloss kurz die Augen, als würde sie sich die Szene wieder genau ins Gedächtnis rufen. „Wir alle mussten erst vor ein paar Wochen einen Erste-Hilfe-Kurs machen und ich habe damals schon gemerkt, dass es mich interessiert. Ich habe ihn dann wiederbelebt, mehr schlecht als recht, aber es hat gereicht. Und ab da wusste ich, ich will das mal beruflich machen.“ Behring nickte nachdenklich. „So, und jetzt ich: was machen deine Eltern beruflich? Bist du der typische Sohn aus der Arztfamilie?“ Er warf ihr einen finsteren Blick zu. „Haha, sehr witzig. Aber ja, es stimmt. Aber wir haben kein besonders gutes Verhältnis.“ Betty schluckte. Klasse Leistung, Betty, mal wieder hast du genau das falsche Thema erwischt! „Das .. ähm … tut mir leid.“ Behring nickte nur und sagte dann, ehe er richtig darüber nachgedacht hatte: „Mir auch, also das mit deinem Vater.“ Bettys Kopf fuhr zu ihm herum und sie sah ihn verblüfft an. „Woher weißt du das?“, fragte sie mit undefinierbarem Tonfall. Sofort bereute Behring, was er gesagt hatte und sagte kleinlaut: „Deine Mutter hat ein wenig viel geredet. Und da hat sie das auch erwähnt.“ Betty stöhnte auf und rieb sich die Schläfen. „Ist ja mal wieder typisch. Ja, danke, aber ich bin drüber weg. Man gewöhnt sich daran.“ Ihr Tonfall sagte zwar etwas anderes, doch Behring entschied, es dabei zu belassen und möglichst schnell das Thema zu wechseln. „Ich bin wieder dran … Lieblingsfarbe?“ Betty lachte. „Ernsthaft? Was Besseres fällt dir nicht ein?“ Behring zuckte nur mit den Schultern und Betty antwortete, immer noch grinsend: „Grün.“ Danach herrschte erst einmal Schweigen im Auto, und beide versuchten, sich möglichst auf diesen Abend einzustellen. Schließlich verkündete Behring: „Wir sind da, jetzt brauchen wir nur noch einen Parkplatz.“ Es gelang ihm, einen direkt vor der Bar zu erwischen, und mit einem tiefen Durchatmen stieg er aus. Betty tat es ihm gleich, dann gingen sie gemeinsam herein.

Eine Stunde lang schafften die beiden es, alle gefährlichen Themen zu umschiffen: und sie merkten zudem, dass sie sich gut unterhalten konnte, und das über alle möglichen Themen. Doch dann konnte Betty nicht anders – sie wusste, wenn aus ihnen je etwas werden sollte, musste sie ihm klar machen, dass sie nun einmal emotional war und sich Sorgen machte, ob er nun wollte oder nicht. Gerade, nachdem sie beide ihren Drink geleert hatten, fragte Betty ihn: „Wie wäre es mit ein bisschen frischer Luft?“ Sie wollte dieses Gespräch nicht in der stickigen Bar, mit mehreren Leuten direkt neben ihnen führen. Behring sah sie erstaunt an, nickte aber langsam. „Ja, meinetwegen. Er bezahlte, dann standen sie beide auf und verließen die Bar. Kalte Nachtluft empfing sie und Betty atmete einmal tief durch. Sie brauchte nun dringend einen klaren Kopf, so sehr ihr das auch schwer fiel, wenn sie mit diesem Mann alleine war. Gegenüber von der Bar lag ein kleiner Park, und kurzerhand schlug Betty den Weg dorthin ein. Schweigend setzten sie sich auf eine Bank, und Behring fragte vorsichtig: „Kann es sein, dass du irgendetwas zu sagen hast?“ Er klang unsicher, und Betty nickte hastig. „Ja. Es … es geht um deine Tochter.“ Augenblicklich verhärtete sich seine Miene und er spannte sich an, weshalb Betty schnell weiter redete: „Beziehungsweise darum, wie ich mit so etwas umgehe. Oder mit den Dingen allgemein. Und darum, dass ich mich in diesem Punkt nicht ändern kann … und es ehrlich gesagt auch nicht will.“ Behring wirkte immer noch angespannt. „Das heißt?“, hakte er dann mit hochgezogenen Augenbrauen nach. „Naja, das heißt, dass du entweder lernen musst, mit meinem Verhalten in diesem Punkt klar zu kommen, oder …“ Sie beendete den Satz nicht und machte eine hilflose Handbewegung. Behring schnaubte, und Betty ahnte, dass sie das Ganze falsch angegangen war. „Also versuchst du mir gerade zu sagen, dass ich gefälligst mit dir klar zu kommen habe, oder wir lassen das mit uns?“  Das mit uns. Obwohl gerade ein gänzlich falscher Zeitpunkt dafür war, jagten die Worte Betty einen angenehmen Schauer über den Rücken. Das mit uns. Das klang nach etwas … Richtigem. Doch der Rest des Satzes war es, der sie von ihrem Hochgefühl herunterkommen ließ und für eine leichte Verärgerung in ihr sorgte. „Ja, das meine ich. Oder hattest du erwartet, dass ich mich komplett verstelle?“ „Nein, aber es kann ja nicht so schwer sein, mich in manchen Themen einfach in Ruhe zu lassen!“, entgegnete er. „Und wie stellst du dir das vor?“, rief Betty aufgebracht. „Ich meine, falls das zwischen uns je was Ernstes werden sollte“, dieses Wort betonte sie mit Absicht, „dann ist es ja wohl nicht möglich, alle privaten Themen zu umschiffen!“ Behring warf die Hände in die Luft und verengte die Augen. „Dann wird das eben nie etwas Ernstes werden!“ Betty entgleisten die Gesichtszüge und er begriff erst jetzt so richtig, was er gesagt hatte. „Na, dann ist ja alles klar“, sagte Betty leise, und obwohl sie versuchte, möglichst unberührt zu klingen, hörte Behring die Verletztheit in ihrer Stimme. Betty stand auf und wandte sich zum Gehen, und für einen kurzen Moment überlegte Behring, sie einfach gehen zu lassen. Aber dann dachte er wieder an das Gefühl, das er gehabt hatte, als sie ihm zugehört hatte. Das Mitgefühl in den blauen Augen, so ehrlich, so sanft. Ja, er hasste es, wenn sie ihn so ansah oder behandelte, als sei er zerbrechlich und aus Glas. Doch nur aus dem Grund, dass er nicht schwach sein wollte. Denn wer schwach ist, der konnte verletzt werden, und dieses Gefühl kannte er nur zu gut. Aber wann hatte Betty es ausgenutzt, was sie ihm anvertraut hatte? Wann hatte sie ihn bewusst verletzt? Immer war er es gewesen, die sie von sich gestoßen, auf Sicherheitsabstand gehalten hatte.

Und eigentlich taten ihm genau diese Momente am meisten weh.

Schnell griff er nach ihrem Handgelenk, und sie drehte sie überrascht um und sah ihn, verärgert und abwartend zugleich, an. „Warte, Betty. Ich … es … ich hab das nicht so gemeint. Setz dich wieder hin.“ Sie zögerte einen Moment, und er fügte mit leiser Stimme hinzu: „Bitte.“ Das war es, was Betty letzten Endes einen Ruck gab, und so ließ sie sich wieder neben ihn auf die Parkbank fallen. Für einige Sekunden schwiegen sie sich nur an, dann sagte er leise: „Ich … du hast doch selbst gesagt, in diesem Punkt kannst du dich einfach nicht verändern.“ Betty nickte und wollte etwas erwidern, aber er ließ sie nicht zu Wort kommen. „Und … du willst es auch nicht. Das ist der Unterschied, also, ich meine …  man, Betty, wenn ich könnte, dann würde ich mich verändern, aber …“ Er vergrub den Kopf in den Händen und seufzte frustriert auf. Und dann sah er zu ihr auf, unsicher, ängstlich, ernst zugleich. „Ich will dieses Treffen hier wiederholen. Und vielleicht … auch mehr als das. Können wir uns einfach drauf einigen, dass wir beide es versuchen? Denn … es ist mir wirklich wichtig.“ Betty sah ihn einige Sekunden lang einfach nur an, dann fragte sie in die kalte Nachtluft hinein: „Was ist dir wichtig?“ Sie sah ihn herausfordernd an, wollte, dass er es in Worte fasste. Behring presste die Lippen aufeinander, suchte nach Worten, die ihn nicht bloßstellten und doch die richtigen waren. Und dann entschied er, einfach keine Worte zu benutzen. Mit einer fließenden Geste überbrückte er den Abstand zwischen ihnen, bis ihre Lippen nur noch Millimeter voneinander entfernt waren, und dann flüsterte er: „Das.“

Und dann küsste er sie, leicht und vorsichtig wie ein Schmetterlingsflügel und sehnsüchtig und hungrig zugleich. Und Betty erwiderte den Kuss, rutschte näher an ihn heran, während ihre Lippen sich unerbittlich und sanft zugleich auf seinen bewegten.

Sich ändern?

Versuchen konnten sie beide es ja …

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Tadaaa! Zu hundert Prozent zufrieden bin ich hiermit nicht, manche Stellen finde ich gut gemacht, andere wieder schrecklich - sagt mir gerne eure Meinung dazu. :D
Das nächste Kapitel wird nächste Woche am Freitagabend kommen. Generell werden sie immer in ein- bis zweiwöchentlichen Abständen hochgeladen, immer freitags, aber ich werde das nach jedem Kapitel noch einmal gesondert erwähnen.

Okay, bis nächste Woche Freitag dann! :D

TintenFeuer
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