Soulconnection

GeschichteRomanze / P12
Anders Bethany Hawke
20.08.2017
21.08.2017
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Könntet Ihr Euch eine Welt vorstellen in der alles nur schwarz und weiß ist? Keine Farben, nur Grautöne. Bis zu dem Tag an dem man das erste Mal auf seinen Seelenverwandten trifft. Der Mensch, mit dem man bis zu seinem letzten Tag sein Leben teilt. Wenn dieser Moment erreicht ist, darf jeder Farbenblinder die Farben dieser Welt sehen. Solang bis man selbst oder der Seelenpartner verstirbt. Allerdings ist diese Klarheit nicht nur ein Geschenk. Nein, sie kontrolliert uns. Die Kirche kontrolliert uns damit. Das Ritual der Erblindung sorgt dafür, dass man nicht nur das Geschenk des Sehens der Farben verliert. Nein, sie entfernt auch jegliche Gefühle gegenüber des Seelenpartners, sodass auch seine Fähigkeit verloren geht. Ich lebte viele Jahre blind und ohne jegliche Farbe in dieser Welt. Verloren in einer Welt, die mich nicht wollte. Die mich und meine Art fürchtete. Magier. Obwohl das eigentliche Unrecht die Templer waren. Sie bespuckten und verspotteten uns. Hatten sich einen Spaß aus uns gemacht bis klar wurde, dass das Ritual der Erblindung nicht nur bei uns Magier funktionierte. Templer, Zwerge, selbst die Göttliche würden durch dieses Ritual zum Verstummen gezwungen. Allerdings war es weiterhin das Drohmittel gegen uns Magier.
Ich war richtungslos und hatte keine Ahnung wohin ich nach meiner Flucht vor den Grauen Wächtern sollte. Doch irgendetwas trieb mich nach Kirkwall. Ob es nun die Tatsache war, dass die meisten Fereldener das Kirkwall gegangen waren oder weil mich etwas anderes dort erwarten würde. Jedoch durfte ich ziemlich schnell erfahren, was mich hierher gezogen hatte.

Es waren bereits mehrere Wochen vergangen seitdem ich mich in der Dunkelstadt eingerichtete hatte. Es war ein trostloser und verlassener Ort doch zu meinem Vorteil verschlug es Templer nur sehr selten hier hinunter. Ich verließ mich auf meine Vermutung und versuchte alles Mögliche um den Flüchtlingen zu helfen. Einsam verbrachte ich mein Leben in der Dunkelstadt was mich jedoch nicht im geringsteten störte. Sollten die Templer aufdringlich werden würde ich einfach erneut fliehen. Mein ganzes vorheriges Leben bestand bereits aus Flucht. Warum nicht auch meine Zukunft?
Leider hatte ich mich dabei verdammt geirrt.
„Seid Ihr der Graue Wächter?“, fragte mich eine männliche Stimme.
Vorsichtig griff ich nach meinem Stab und versuchte den Geist in mir zu beruhigen. Sollte dieser Mann ein Templer sein würde er mich auf der Stelle erschlagen, wenn er bemerkte, dass ich besessen war.
„Dieser Ort ist ein Ort der Erlösung und des Friedens. Warum bedroht Ihr ihn?“, fragte ich bitter und drehte mich schwungvoll zu dem Mann um. Allerdings war dieser nicht alleine. Ein Zwerg, ein Elf und ein junges Mädchen waren ihm zu mir gefolgt.
Der Mann gab mir eine offensichtlich sarkastische Antwort allerdings war mein Blick vollständig auf das Mädchen fixiert. Auch sie schien mich überrascht zu mustern. Der Stab auf ihrem Rücken erläuterte mir, dass sie eine Magierin war. Die Angst und Sorgen, welche sich in ihren Gesichtszügen festgefahren hatte, erklärte mir ihre Flucht vor den Templer. Doch das Wichtigste in diesem Moment war wohl, dass ich das erste Mal in meinem Leben Farben sah. Ich bemerkte ihre wunderschönen brauen Augen, die zarten roten Lippen und das volle schwarze Haar.
In diesem Moment stand sie vor mir. Die Waffe, welche die Templer zügellos gegen mich richten würde. Die Frau, die ein Ritual der Erblindung bei mir nun möglich machte. Aber allem voran war sie meine Seelenpartnerin.
„Entschuldigt, mysteriöser Grauer Wächter, aber es wäre schön, wenn Ihr endlich antworten würdet“, sagte der Mann und fuchtelte mit seiner Hand vor mir herum. Ich riss meinem Blick von ihr und sah ihn verwirrt an.
„Was wollt Ihr von mir? Seid Ihr hier um mich zurück zu den Wächter zu bringen? Ich gehe nicht. Wegen ihnen musste ich mich von meiner Katze trennen. Armer Ser Naseweiß“, antwortete ich rasch und verschränkte die Arme.
„Ser..was? Verdammt nein! Ich plane eine Expedition in die Tiefen Wege und habe erfahren, dass Ihr die nötigen Karten dafür habt.“
„Womöglich habe ich die Karte. Allerdings werde ich dereinst glücklich sterben, wenn ich nie wieder an die verdammten Tiefen Wege denken muss“, antwortete ich und dachte rasch nach. Vermutlich könnte ich die Not dieses Mannes für meinen Vorteil missbrauchen. Ich benötigte Hilfe und die Gruppe schien mir perfekt dafür zu sein.
Erneut wanderte mein Blick zu der jungen Magierin. Wenn ich ihm helfen würde, würde ich vielleicht auch die Gelegenheit erhaschen, sie kennen zu lernen. Den Grund, warum sich meine Augen nun mit den ungewohnten Farben bekannt machen mussten.
„Nun gut. Was hält Ihr davon? Gefallen gegen Gefallen?“, fragte ich nun nach. Fragend musterte mich die Gruppe bis der junge Mann mit dem Kopf schüttelte.
„Nein, wenn nötig bekomme ich die Karten auch woanders her“, sagte er und drehte sich zu meiner Enttäuschung zum Gehen um bis die Magierin plötzlich sprach: „Bruder, vielleicht könntest du dir seinen Vorschlag wenigstens anhören. Wenn er uns hilft, wäre es doch keine Schande auch ihm zu helfen.“
Überrascht sah ich zwischen den beiden hin und zurück. Ihr Bruder musterte sie nachdenklich und wandte sich daraufhin wirklich wieder mir zu.
„Also schön, was wäre denn Euer Wunsch?“, sagte er sarkastisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ein Freund von mir ist ein Gefangener in der verdammten Galgenburg. Ich habe ihn um ein Treffen in der Kirche heute Nacht gebeten und könnte Unterstützung brauchen, falls Templer auftauchen. Wenn Ihr mir hierbei helft gehören meine Karten Euch. Ich würde Euch auch begleiten, wenn es Euer Wunsch wäre“, antwortete ich und wartete gespannt seine Reaktion ab. Das Mädchen musterte ihn ebenfalls hoffnungsvoll und ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre sanften Lippen als er schließlich zustimmte.
„Sehr schön. Dann treffen wir uns heute Nacht vor dir Kirche“, sprach ich nickend und beobachtete die Gruppe, wie sie daraufhin meine Krankenstation wieder verließen.
Eigentlich war es verrückt. Ich war neu in Kirkwall. Bereit ein neues Leben zu beginnen. Ein Leben in schwarz und weiß mit so wenig Gefühlen und Sehnsüchten wie möglich. Und nur wenige Wochen nach meiner Ankunft traf ich auf meine Seelenpartnerin. Ich seufzte erfreut als ich an sie zurückdachte. Es fühlte sich an als würde ich sie bereits mein ganzes Leben lang kennen. Und er überraschte mich wie gut sie der Gedanken anfühlte mit ihr in den Rest meines Lebens zu gehen. Ich, Anders, ein abtrünniger Grauer Wächter und besessen mit einem Geist der Gerechtigkeit findet seinen Seelenpartnerin in einer wunderschönen jungen Magierin. Wie lächerlich dieser Gedanken doch klang. Und doch war ich erfühlt von Hoffnung.

Kurz nach Anbruch der Nacht hatte ich die Kirche in der Oberstadt erreicht. Die unzähligen neu entdeckten Farben faszinierten mich und umso mehr war ich beinahe geschockt von der Vielfalt der Umwelt.
Ich inspizierte gerade eine der Blumen, welche vor der Kirche wuchsen als ich Schritte hinter mir hörten. Beinahe automatisch griff ich nach meinem Stab und drehte mich um. Allerdings war es lediglich der junge Mann von heute Morgen und seine Gruppe. Auch seine Schwester befand sich unter seinen Begleitern und mein Herz machte beinahe einen Sprung als ihr sanfter Blick mich erneut ansah.
„Karl ist in der Kirche und wartet vermutlich auf mich. Überlasst mir das Reden. Ihr müsst lediglich Ausschau nach Templer halten“, wies ich den Mann an und gemeinsam betraten wir die Kirche. Wir durchsuchten die Kirche bis wir schließlich auf meinen Freund trafen. Er stand mit dem Rücken zu uns gewandt als ich ihn glücklich ansprach: „Karl, ich bin erleichtert Euch gefunden zu haben. Lasst mich Euch hier raus bringen. Dann könnt Ihr frei sein.“
„Als Magier könnt Ihr nicht frei sein ohne eine Gefahr zu sein“, antwortete er jedoch zu meiner Überraschung äußerst monoton.
„Karl? Warum redet Ihr wie ein Erblindeter?“, fragte ich verwirrt während der Magier sich langsam zu mir umdrehte. Auf seiner Stirn befand sich das Symbol der Kirche, wie es bei jedem anderen Erblindetet auch war. Es war kein Teil des Rituals mehr lediglich ein Exempel um zu symbolisieren was mit ihnen geschehen war.
„Nein, das kann nicht sein“, sagte ich überrascht und niedergeschlagen zu gleich. Ich war zu langsam gewesen und hatte meinen Freund offensichtlich zu lange der Gnade der Templer ausgesetzt gelassen.
„Auch Ihr werdet noch lernen, welche Gefahr wir darstellen, Anders. Die Templer werden es Euch zeigen“, sprach Karl ohne jegliche Emotion.
„Nein!“, rief ich erbost während Templer aus jeder Nische der Kirche hervorkamen und mich sowie die Gruppe meines Unterstützers in Bedrängnis brachte. Ich spürte den Geist in mir gegen mich kämpfen bis er schließlich die Überhand gewonnen hatte. Gerechtigkeit, ein Helfer der Heldin von Ferelden und mein Freund, kam langsam zu Vorschein und führte meine Hand im Kampf gegen die angreifenden Kämpfer. Er kontrollierte jede einzelne Bewegung während ich nichts weiter als ein stummer Beobachter seines Tuns war. Erst als der letzte Templer tot zu Boden fiel, erlangte ich die Kontrolle zurück und versuchte mich zu fangen.
„Beim Erbauer, was war das?“, fragte der Mann mich erschrocken.
„Das werde ich Euch später erklären. Zuerst möchte ich Karl von seinem Leid erlösen“, sprach ich und wandte mich wieder meinem ältesten Freund zu. Sein Blick war weiterhin kalt und sein Gesicht ohne Emotion.
„Es tut mir so unendlich leid“, flüsterte ich während ich ihm mein Messer durch die Brust rammte. Danach wandte ich mich der Gruppe wieder zu und studierte ihre Gesichter. Während der Zwerg und der junge Mann mir erschrockene Blicke zuwarfen, war der Blick des Elfes verbissen und in den Augen der Magierin lag Entsetzen mit einem Hauch Sorge. Ihr Blick schmerzte mich. Auch wenn ich sie nicht kannte, hatte ich doch nicht gewollt, dass sie so über meine Besessenheit erfährt. Ich hätte es ihr erklären wollen und ihr beweisen wollen, dass ich trotzdem nichts weiter als ein Magier auf der Suche nach Freiheit für seinesgleichen war.
Ohne ein weiteres Wort wandte ich mich von ihnen ab und trat niedergeschlagen den Weg zurück in mein Zuhause zurück. Die Gruppe blieb stehen während ihre Blicke jeden meiner Schritte verfolgten bis ich durch das Tor der Kirche hinaus geschritten war.

Natürlich war es dumm darauf zu hoffen, dass sie nicht zurückkommen würde und unangenehme Fragen stellten würde. Doch in mir keimte diese Hoffnung bis zu dem Moment an dem der Mann und seine Schwester erneut in meiner Krankenstation auftauchten. Dieses Mal waren sie jedoch nur zu zweit.
„Ich denke, Ihr habt einiges zu erklären“, begrüßte mich der Mann und verschränkte die Arme als er vor mir stand.
„Ich bin es Euch schuldig, Serah“, antwortete ich ohne zu zögern und atmete tief durch ehe ich zu erklären begann, „ich traf in Amaranthine einen Geist der Gerechtigkeit, welcher dort gefangen war. Wir wurden Freunde und schließlich fasste ich die Entscheidung, dass es vermutlich besser wäre, wenn ein Freund ihn als Wirt aufnehmen würde als wenn er wie ein Dämon eine Leiche übernimmt. Allerdings hatte ich wohl zu viel Zorn und sobald er ihn mir war veränderte er sich.“
„Habt Ihr es unter Kontrolle?“, fragte der Mann ernst und musterte mich auch auf diesem Wege.
„Es sind lediglich Dinge, welche ich früher schon gehasst habe aber nie etwas dagegen unternehmen konnte, die ihn zum Vorschein kommen lassen“, antwortete und wandte den Blick aus Scham zu Boden. Der Blick der Magierin durchbohrte mich und ihre Emotionslosigkeit darin ließ mir beinahe mein Herz einfrieren.
„Gut. Wir hatten eine Abmachung und ich würde es zu schätzen wissen, wenn Ihr uns in die Tiefen Wege begleitet. Ihr seid kein Fremder auf diesem Gebiet und könntet uns eine große Hilfe sein“, sagte der Mann und verwunderte mich mit seiner Aussage. Ich sah ihn an ehe ich langsam zu nicken begann.
Schließlich fing er an zu lächeln und setzte fort: „Ich denke, dass ich mich dann wohl auch vorstellen könnte. Mein Name ist Garret Hawke. Ich bin erfreut darüber, dass Ihr uns helft.“
Zum ersten Mal, seit ich sie gesehen hatte, erhob die Magierin das Wort und schien mich beinahe mit ihrer liebevollen Stimme zu verzaubern.
„Ich bin Bethany. Es tut gut einen weiteren Magier als Begleiter zu haben“, sprach sie während sie mir ein schnelles Lächeln zuwarf.
Oh, wie gerne ich sie auf unsere Seelenpartnerschaft anreden würde. Allerdings war meine Furcht vor Garret zu hoch, also ließ es ich in diesem Moment sein. Aber irgendwann würde ich ihr endlich meine Gefühle gestehen können. Gemeinsam würden wir unseren Kampf gegen die Templer führen um unsere gemeinsame Freiheit zu sichern. Ich war dem Schicksal in diesem Moment noch so unglaublich dankbar für seine Wahl mir eine Magierin zur Seite zu stellen, dass ich übersah, dass das Schicksal nicht fair spielen würde.
In den darauffolgenden Woche wurde ich ein stetiger Begleiter von Hawke. Gemeinsam mit Bethany und dem Elfen, welcher sich als Fenris vorgestellt hatte, bereisten wir die Stadt und das umliegende Land und versuchten ein wenig Ordnung in das Chaos in Kirkwall zu bringen.
Doch erst während eines Auftragen, bei welchem wir Abtrünnige aus einer Höhle an der Verwundeten Küsten retten wollte, kamen Bethany und ich das erste Mal in ein Gespräch.
„Dann seid Ihr also von einem guten Geist besessen?“, fragte sie schüchtern und warf mir einen kurzen Blick zu.
„Gerechtigkeit, ja. Eine etwas zu gut gemeinte Absicht, wie ich nun immer mehr feststellen muss“, antwortete ich und dachte dabei genauestens über meine Worte nach. Ich wollte die Magierin nicht verschrecken. Im Gegenteil. Am liebsten würde ich sie umarmen und vor den Augen der anderen sanft küssen. Die Gefühle in mir, vorwiegend Verlangen und Sehnsucht, schienen mich in diesem Moment beinahe zerreißen zu wollen, während wir immer tiefer in die Höhle hinab stiegen.
„Ich denke nicht, dass Ihr einen Fehler gemacht habt. Ihr habt einem Freund geholfen, der Euch gebraucht habt“, sagte Bethany daraufhin und folgte ihrem Bruder einen kleinen Abhang hinunter.
„Ach nein? Die meisten hätten mich bereits als Abscheulichkeit bezeichnet“, witzelte ich jedoch überraschte mich ihre Reaktion positiv. Es fühlte sich an, als würde sie tatsächlich versuchen mich zu verstehen.
Das Mädchen lächelte mir kurz zu und öffnete den Mund, weil sie offensichtlich etwas sagen könnte. Ihr darauffolgender schockierter Blick ließ mich und das schnelle Abwenden ihres Blickes, ließen mich daraufhin schließen, dass sie beinahe voreilig geantwortet hätte. Doch was hatte sie mir sagen wollen, was sie vermutlich vor ihrem Bruder und Fenris nicht konnte. Innerlich tobte der Wunsch, sie nach ihrer verheimlichten Aussage zu fragen, doch ich wusste, dass sie mir nicht antworten würde. Stattdessen folgten wie Hawke weiterhin stumm innerhalb der Höhle bis wir die Abtrünnigen gefunden hatten und ihnen ihre ersehnte Freiheit schenken konnten. Garret schaffte es einen Templer namens Karras davon zu überzeugen, dass die Magier zur Küste geflohen waren und beschloss schließlich, dass unsere Arbeit für diesen Tag getan sei. Gemeinsam traten wir den Weg zurück in die Stadt an und unterhielten uns über belanglose Themen. Meine Gedanken hingen jedoch stets bei der jungen Magierin, dessen Anmut und Eleganz mich beinahe um den Verstand brachten.
Schließlich fasste ich mir etwas Mut und bat sie sich mit mir spätabends zu treffen. Sie war sofort einverstanden und ich hoffte, dass ich tatsächlich ein zartes Lächeln auf ihren Lippen tanzen gesehen zu haben.

Einige Stunden, zur der Zeit als die Sonne gerade ihren Weg den Himmel hinunter beinahe abgeschlossen hatte, sah ich Bethany in der Dunkelstadt wieder. Sie war in meine Krankenstation gekommen und wartete geduldig darauf, dass ich mit meinem derzeitigen Patienten fertig wurde.
„Es ist schön, dass Ihr hier seid“, begrüßte ich sie schließlich und trat auf sie während mein Herz wilde Sprünge machte. Die junge Magierin schenkte mir ein sanftes Lächeln.
„Allerdings wäre mir ein schönerer Ort als die Dunkelstadt lieber“, sagte ich daraufhin während ich mich etwas argwöhnisch umsah um meine Abscheu gegenüber der Trostlosigkeit dieses Ortes Ausdruck zu verleihen.
„Ich kenne einen Platz bei den Docks, an dem man um diese Zeit den Sonnenuntergang betrachten kann“, schlug sie etwas schüchtern vor.
„Dann lasst uns aufbrechen“, sagte ich zufrieden und wollte beinahe instinktiv nach ihrer Hand greifen. Schreckte jedoch zurück.
Während wir zu dem erwähnten Platz gingen sprachen wir zu meinem Bedauern kaum ein Wort. Was womöglich auch daran lag, dass die junge Dame den übrigen Gedanken in meinem Kopf beinahe keinen Platz ließ. Ich war beinahe wie besessen von ihr. Das war also das Gefühl, von dem alle so geschwärmt hatten, als sie ihren Seelenpartner gefunden hatten.
Es erinnerte mich daran, wie oft ich mit der Heldin von Ferelden in Vigils Wacht über ihre Bindung zu dem König von Ferelden sprach. Sie hatten sich beide bei den Grauen Wächtern kennen gelernt und regierten als Paar nun gemeinsam über das Land.
Schließlich fanden wir uns an einem Platz wieder, welchen ich zuvor nicht gekannt hatte. Es war eine kleine Seitengasse beim Hafen. Sie bot Schutz vor ungewollten Blicken und grenzte direkt am Meer. Die Sonne verschwand vor uns langsam hinter dem Horizont während wir uns auf den langsam auskühlenden Steinboden setzen und unsere Füße über dem Meer baumel ließen. Der Himmel hatte bereits eine orangerote Farbe angenommen und ließ Bethanys Augen beinahe erstrahlen. Sie war so wunderschön und willensstark. Und dennoch so sanft. Sie wollte nichts weiter als Frieden in einer Welt, welche von Krieg und Auslöschung beherrscht wurde.
„Also, Serah, dürfte ich nun den Grund unseres Treffens erfahren?“, fragte sie sanft während sie den Sonnenuntergang fasziniert betrachtete. Es war dieser Blick, welcher mir bestätigte, dass auch sie das Sehen der Farben erst vor wenigen Tagen oder Wochen gelernt hatte.
„Vorerst müsst Ihr meine Unbeholfenheit entschuldigen. Es ist…ich hatte einfach niemals damit gerechnet“, fang ich etwas zögerlich an zu sprechen.
„Gerechnet? Womit?“, fragte Bethany erstaunt. Sie hatte ihren Blick nun mir zugewandt.
Ich dachte fieberhaft nach ehe ich sanft nach ihren Händen griff und sie mit den meinen vorsichtig umschloss. Ihre Haut war sanft und weich was in mir die Angst hervorruf, dass sie zerbrechen könnte, wenn ich sie zu fest packen würde.
„An dem Tag, an dem ich Euch das erste Mal in Begleitung Eures Bruders gesehen habe, habe ich gelernt Farben zu sehen, Bethany. Ich hatte es nie für möglich gehalten, dass ich gerade hier Euch finden würde, aber ich fand Euch. Ich fand meine Seelenpartnerin. Die letzten Wochen haben mich dabei beinahe um den Verstand gebracht. Ich wollte Euch nahe sein aber meine Ängste, dass Ihr nicht so empfinden würdet, haben mich seit jeher zurück gehalten. So, bitte erzählt mir, wann habt Ihr angefangen die Farben zu sehen“, sagte ich sanft und mit möglichst ruhiger Stimme. Allerdings versagte diese beinahe mehrmals, da ich außerordentlich nervös war.
Langsam breitete sich ein Lächeln in ihrem Gesicht aus während sie schüchtern und etwas zögernd zu sprechen begann: „Ihr wart der erste Mensch, den ich in Farben sehen konnte, Anders. Und ich bin dem Erbauer unglaublich dankbar dafür.“
Mein Körper sackte beinahe zusammen, als die Nervosität mich losließ und sich stattdessen Erleichterung in mir breit machte.
„Dann…würdet Ihr uns eine Chance geben?“, fragte ich flüsternd woraufhin die junge Magierin zu nicken begann.
Ein Lächeln überkam mich als ich mich schließlich zu ihr herabbeugte und das tat, was ich mir all die Zeit erhofft hatte. Sanft legte ich meine Lippen auf ihre und küsste sie liebevoll. Sie erwiderte den Kuss zart und legte nach wenigen Sekunden ihre Arme um meinen Nacken. Eine Wonne von Glück übermannte mich während ich sie umarmte.
„Ich liebe Euch, Bethany Hawke“, entkam es mir als ich den Kuss löste. Ich spürte wie die Röte in meine Wangen trat und sich die Angst in mir breit machte, dass ich es womöglich zu früh gesagt hatte.
Doch die Magierin lächelte stattdessen und flüsterte sanft: „Ich Euch auch, Anders. Auf ewig.“
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