Between Life and Death

GeschichteAllgemein / P12
Charlie Claire Jack Sawyer
19.08.2017
25.08.2017
2
3410
 
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Ich achtete nicht auf die Rufe, die dumpfen Geräusche der Schuhe die auf mich zugerannt kamen. Ich starrte bloß nach unten. Eine Minute noch. Dann würde die Bahn kommen. Ich hörte ein Geräusch und schon sah ich sie. Mein Freifahrtsschein.  "Clara, nein!" hörte ich meine Mutter schreien. Aber zu spät. Ich schloss die Augen, breitete meine Arme aus und sprang.
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Ich wachte auf. Mein Kopf tat weh und ich musste kurz blinzeln und realisierte, dass ich in einem Flugzeug saß. "Miss, geht es ihnen gut?" fragte mich ein Herr, der neben mir saß. Ich schaute verwirrt zu ihm. Er hatte einen Anzug an, kurze braune Haare, sah aber trotz der Aufmachung deprimiert aus. "Natürlich" sagte ich, ohne zu lächeln oder eine Höflichkeitsfloskel. Ich war komplett verwirrt, aber da fiel es mir wieder ein, warum ich in diesem Flieger saß. Ich sah auf den leeren Platz neben mir. "Wo ist er hin?" fragte ich. "Der Mann? Gehörte er zu ihnen?" Ich nickte leicht. Erzählen warum er hier war wollte ich nicht. "Als sie geschlafen haben, ist er aufgestanden. Ich vermute, dass er auf Klo ist" sagte der Mann, als ich Jeremy sah. So hieß er. Er schaute mich an und setzte sich. "Schrecklich, diese Toiletten. Da will man gerade rein und schon stürmt so ein kleiner Zwerg an einem vorbei" Er schüttelte den Kopf. "Wie geht es ihnen?" Ich seufzte. "Bis jetzt gut. Wenn sie mich nicht in diese Irrenanstalt stecken, noch besser" Er seufzte. "Clara, sie haben versucht sich umzubringen. Ich werde sie zu ihrer Familie begleiten und gleich danach müssen sie in die Thearpie" Ich verdrehte die Augen und lehnte mich zur Seite, als es ruckelte. Ich atmete scharf ein. Fliegen mochte ich noch nie. "Keine Sorge, dass ist immer so" Der Mann neben mir lächelte mich aufmunternd an, als es nochmal rüttelte. Diesmal aber stärker. Koffer und Menschen flogen umher, Ich schrie auf. Plötzlich knallte ein Koffer auf den Kopf von Jeremy. Blut quoll aus der Platzwunde. Ein ohrenbetäubenes Geräusch ertönte und ich hörte Schreie. "Der Rumpf ist abgebrochen!" Und da realisierte ich es. Wir stürtzten ab.

Mein Kopf dröhnte. Vor meinen Augen war nur schwarz. Ich hatte die Augen geöffnet, dass wusste ich. Aber ich sah nichts. War ich tot? Wäre toll. Dann müsste ich nicht in diese Irrenanstalt. Dennoch trampelte ich um mich und rief "Hey!", denn wenn ich wirklich tot wäre, läge ich doch nicht hier und sähe nichts. Ein Lachen ertönte und etwas wurde weggezogen. "Bevor man schreit, legt man vorerst die Decke weg" Ich blinzelte gegen das helle Licht an, dann stand ich schnell auf und klopfte den Sand ab. "uhm..." Ich wurde rot, denn es war mir ungeheuer peinlich. Ich musterte ihn. Er hatte blonde, lange Haare und Grübchen. Er wandte sich zum Gehen, da fragte ich laut: "Wie heißt du?" Er drehte sich mit einem Grinsen um und sagte "Sawyer", dann ging er. Ich starrte ihm benommen hinterher, dann rief ich "Clara! Mein Name ist Clara!"
Ich schaute mich um und sah blutende Menschen, Leichen und Koffer. Ich wurde panisch. Ich rannte zu einer schwangeren Frau, die dumpfe Laute von sich gab und die Hand auf den Bauch hielt. "Hey, Miss, kann ich ihnen helfen?" Ich hockte mich neben sie und versuchte das Brennen in an meinem Kopf zu ignorieren. "Ich..mein Bauch.." Sie keuchte. Ich fühlte mich hilflos, denn ich wusste nicht was ich tun sollte. "Ja, uhm, warte, ich suche etwas Wasser und eine Decke" Ich wollte die Sachen suchen, als ich einen kleinen, jungen Mann entdeckte. Irgendwie kam er mir bekannt vor, aber das tat jetzt nicht zur Sache. "Hey! Sie! Wir brauchen ihre Hilfe!" Der Mann schaute mich an, dann sah er zurück, als denke er, dass ich jemanden anderes meinte. "Jetzt kommen sie schon, schnell!" Er kam angejoggt. "Was ist los?" - "Sie müssen auf die Frau aufpassen. Ich hole Wasser und eine Decke!" Ich wartete seine Antwort nicht ab, sondern rannte einfach zum Überbleibsel vom Flugzeug. "Nein, nicht!" schrie plötzlich ein Mann. Ich ignorierte ihn und rannte weiter, als jemand sich auf mich stürtzte und mich wegzog. Da explodierte etwas. Ich schrie kurz auf, als etwas auf mir landete. Ich zitterte und sah auf meine Schulter. Ein Stück Hautfetzen lag dort. "Ich..mach..mach das weg.." brachte ich keuchend und zitternd hervor. Der Mann der mich gerettet hatte schnippte es mit angeekeltem Gesicht weg, allerdings schien es ihm nicht sonderlich viel auszumachen. Da erkannte ich ihn. Das war der Mann, der im Flugzeug neben mir saß. "Hey, dich kenne ich doch" sagte er atemlos. "Ja, aber ich muss erstmal ein paar Sachen finden. Eine hochschwangere Frau krümmt sich dahinten" sagte ich aufgebracht und noch immer verstört von dem Hautfetzen und der Explosion. "Wie bitte?" Er stand auf und half mir hoch. "Welcher Monat?" Ich sah ihn verwirrt an. "äh..keine Ahnung. Achter oder Neunter. Warum? Sind sie Hebamme?" fragte ich trocken, aber er rannte schon los. Ich lief ihm hechelnd hinterher, Sport war noch nie mein Ding. Als wir bei ihr angekommen waren, hockte er sich nieder und versuchte sie zu beruhigen. Nach ein paar Minuten war sie beruhigt und die Schmerzen schienen aufzuhören. Es war wohl so eine Art Panickattacke.

Nach ein paar Stunden brach die Dunkelheit herein und noch immer war keine Hilfe gekommen. Ich war ein wenig froh darüber. Denn dann müsste ich nicht in die Klinik. Und Jeremy war bisher auch nicht gefunden worden.
Wir hatten uns in kleine Gruppen zusammengefunden und ein Lagerfeuer gemacht. Ich saß bei der schwangeren Frau, die Claire hieß und bei dem Mann der ihr geholfen hat, Charlie. Der andere Mann hieß Jack und war ein Arzt, allerdings sah ich ihn ständig herumlaufen. Auch den anderen Typen, der mir die Decke weggezogen hatte, sah ich nicht. "Meint ihr, es kommt Hilfe?" fragte Claire, die sich in eine schwarze Decke eingekuschelt hatte. Ich starrte ins Feuer. "Sicher. Die suchen uns bestimmt schon" Charlie bemalte sich gerade die Finger. Irgendwann wurde ich schläfrig und schlief ein.
Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich eine Decke über meine Körper und eine Jacke lag unter meinem Kopf, wohl als provisorisches Kopfkissen. Ich blinzelte und sah mich um. Wer hat mir die Sachen dahingelegt? Die Sonne war gerade erst aufgegangen, die meisten schliefen noch. Auch Charlie und Claire. Allerdings sah ich Sawyer und Jack reden. Worüber die wohl redeten? Ich setzte mich auf und sah mich weiter um. Da entdeckte ich eine dunkelhäutige Frau, etwas weiter entfernt. Sie sah traurig aus, allerdings hatte ich gerade null Bock auf Traurigkeit.
Am Mittag begann ich Hunger zu bekommen. Der ganze Stress und die Aufregung hatten meinem Appetit gestern total verdrängt, aber jetzt merkte ich es. Ein chinesischer oder japanischer Mann kam auf mich zu, irgendwas in der Hand.  Er hielt es mir aufdringlich hin und sagte irgendwas auf japanisch. Oder war es doch koreanisch? "Essen" sagte er und hielt sich die Hand vor den Mund. Ich sah ihn skeptisch an, aber der Hunger übermannte mich und ich nahm etwas von den Meeresfrüchten. "Mhm" log ich. Es schmeckte scheußlich, aber ich ließ es mir nicht anmerken. Der Mann grinste fröhlich in ging weiter. Ich lehnte mich zurück und der Sand kitzelte an meinen Füßen. Ich dachte an meinen versuchten Selbstmord. Scheiße, dass er nicht funktioniert hat, denn dann wäre all das nicht passiert. Ich wäre endlich frei. Ich seufzte und spielte ein wenig mit meinen Fingern im Sand. "Hey Clara, möchtest du etwas trinken?" hörte ich Jacks Stimme. Ich sah auf und wischte die Träne weg, die gerade aus meinem AUge kam. "uhm, sicher" sagte ich und lächelte matt. Er ließ sich neben mir nieder, während ich das erfrischende Wasser trank. "Ich habe gehört, warum du im Flieger warst" fing er an. Ich setzte die Flasche ab und machte sie zu. "Ernsthaft, Jack. Ich möchte darüber nicht reden" Jack seufzte. "Klar" Ich schaute zu ihm, während er zu den rauschenden Wellen starrte. Die Wellen schwappten ans Ufer, sie hinterließen weißen Schaum. "Warum bist du eigentlich hier? War es eine Geschäftsreise? Ich meine, wegen dem Anzug..." Jack unterbrach mich. "Nein, es war nicht geschäftlich. Ich...musste meinen Vater aus Sydney abholen" erklärte er und starrte auf seine Hände. Ich verzog das Gesicht. "oh, hast du..hast du ihn schon gefunden?" Ein Lachen entfuhr Jack. "Nein, dass habe ich nicht" - "Machst du dir denn keine Sorgen?" Er sah mich an. "Mein Vater ist tot. Hat sich zu Tode gesoffen" sagte er in einem kalten Ton. Ich hielt erschrocken die Luft an. "oh..es tut mir Leid" Jack seufzte und sah wieder auf das Meer. "Du kannst ja nichts dafür. Du wusstest es ja nicht" Ich sah auf die blauen Wellen und versank wieder in meinen Gedanken.