Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
Alle Kapitel
206 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
23.02.2021 3.434
 
Palladium führte mich mit sich durch das Portal.
Das grelle Licht blendete mich so sehr, dass ich es erst wagte wieder die Augen zu öffnen, als ich das Gezwitscher der Vögel hörte.
Kaum merklich drückte ich seine Hand ein wenig fester um sie ja nicht zu verlieren.
Mit meinem Lidaufschlag sah ich eine Welt die mir gänzlich unbekannt war.
Als befänden wir uns inmitten eines magischen Waldes sah ich saftiges Grün wohin ich auch blickte. Ein Bach bahnte sich vor uns seinen Weg entlang über den nur eine kleine Brücke aus schön verziertem Holz herüber führte. Alles war mit Laternen geschmückt und wirkte so magisch, als deuteten sie einen klaren Weg durch die blanke Natur.
Es war nicht verwildert, ganz im Gegenteil. Alles wirkte gepflegt, doch nicht wie durch Menschenhand.
Das Blätterdach der Bäume ragte weit über unseren Köpfen empor und gab nur wenig des azurblauen Himmels frei.
Blütenblätter wurden mit dem Wind getragen der sanft durch mein Haar wehte.
Alles was ich sah war die pure Schönheit der Natur.
Palladium, der mein staunendes Gesicht verfolgte, lächelte sanft „Willkommen im Reich der Elfen“.
Kleine leuchtende Geschöpfe flogen umher. Glatt hätte ich sie als Glühwürmchen bezeichnet, doch es war helllichter Tag. Eines davon kam mir dicht vor die Nase geflogen, sodass ich kurz erschrak, es jedoch sogleich als ungefährlich einstufte.
Es musterte mich nur und ich erkannte ein kleines Geschöpf nach dem ich den Finger hob, doch ehe ich es auch nur ansatzweise erreichte flog es auch schon weiter.
„Das sind die Nymphen die diesen Ort bewachen“ erklärte Palladium „Sie scheinen dich zu mögen“.
Ich brachte kaum einen Ton heraus, so überwältigt war ich davon und fragte nur „Hier bist du aufgewachsen?“.
Er bestätigte es mir mit einem leichten Nicken „Komm, ich möchte dir etwas zeigen“.
Er führte mich weiter über die Brücke des Baches. Wir folgten den Laternen die sich leicht mit dem Wind wölbten.
Im Gegensatz dazu musste ihm Callisto wie ein trister, trauriger Planet vorkommen.
Das hier war das pure Paradies.
Schon bald begegneten wir ein paar Elfen, die Palladium höflich begrüßten.
Sie kamen uns auf dem Weg entgegen in Richtung des Baches und beäugten uns glatt verwundert. Ich konnte mir nur denken, dass es daran lag, dass ich keine von ihnen war.
Man musste mir gleich ansehen, dass ich eine Fremde ihres Reiches war.
All die Zeit die wir liefen ließ Palladium meine Hand nicht los, als wollte er auch vor seinen Gleichgesinnten zeigen, dass ich zu ihm gehörte.
Wir durchquerten ein Dorf. Alles wirkte so gepflegt und in vollem Einklang mit der Natur.
Jeder gepflasterte Weg und jede Hecke schien als gehörte sie genau dorthin, als sei sie mit dem dichten Wald ebenso akkurat gewachsen.
Es war ganz genau wie man sich ein Volk von Elfen vorstellte.
Die Häuser bestanden aus gewaltigen Blüten, wie mir schien. Knospen die gezogen wurden.
„Palladium? Was machen wir hier?“ fragte ich schließlich, als er mir weiter eine Erklärung schuldig blieb und das Dorf beinahe an uns vorbei gezogen war.
Schließlich blieb er stehen und sah mich an „Nun, ich dachte mir… da ich inzwischen deine gesamte Familie kennenlernen durfte, ist es an der Zeit dir auch meine vorzustellen… meine Mutter lebt hier“.
Überrascht von seinem Vorhaben sah ich nach vorne und realisierte, dass wir vor einem der Blütenhäuser zum Stehen gekommen waren.
Plötzlich umgriff er meine Hand fester und flüsterte kaum hörbar „Ich bin so lange nicht mehr hier gewesen…“.
Ich erwiderte die Geste, die ihn wohl überraschte und mich ansah.
Ihm Mut zu geben lächelte ich „Das wird schon. Sie ist deine Mutter“.
Er atmete tief aus und ein, ehe er meine Hand los ließ und stattdessen die Tür wie selbstverständlich öffnete um einzutreten „Mutter, bist du da?“.
Erschrocken fragte ich „Du hast uns nicht angekündigt?“.
„Doch, natürlich hat er das“ kam es plötzlich aus einem hinteren Teil des Hauses.
Mit dem ersten Blick stellte ich fest, dass es innen noch traumhafter aussah als von außen.
Alles war mit Pflanzen und Efeuranken geziert.
Die Möbel wirkten elegant und handgemacht. Die Elfen legten wirklich wert auf ihren Lebensstil.
Schließlich traten wir ein, worauf mir der gedeckte Kaffeetisch auffiel.
Die Frau rief erneut „Es wird aber auch Zeit, dass du mich besuchen kommst Palladium“.
„Ich weiß… ich weiß… ich versuche mich zu bessern, versprochen“ rief er sanftmütig nach hinten und ergänzte im selben Atemzug „Kann ich dir helfen Mutter?“.
Schließlich kam die Stimme näher und bog schließlich durch die offen stehende Tür in das Zimmer „Jetzt lass mich euch erst einmal begrüßen. Wo ist meine zukünftige Schwiegertochter?“.
Die Frau die in den Raum trat war unfassbar schön und empfing uns mit offenen Armen, doch als ich sie erblickte weitete ich die Augen vor Schreck.
Sie lächelte liebevoll und wirkte nicht annähernd so überrascht wie ich sie zu sehen.
„Eldra?!“ augenblicklich erkannte ich die Elfen-Frau aus Espero wieder, die mich bewusstlos mit Daro mitten im Jungel aufgegriffen hatte. Die mich aufgepäppelt und bei sich wohnen ließ, über Wochen hinweg.
Die Frau die mir immer von ihrem Sohn erzählt hatte… jetzt ergab das alles einen Sinn!
„Eldra ist deine Mutter?!“ rief ich glatt lauter aus als ich wollte und starrte Palladium dabei an.
„Sekunde, ihr zwei kennt euch?“ fragte dieser ebenso überrumpelt der Situation.
Die einzige die das jedoch scheinbar kein bisschen überraschte war die Elfin, die zuerst ihren Sohn und dann mich in eine innige Umarmung schloss „Aber natürlich kennen wir uns. Es ist so schön dich zu sehen Varanda, sieh dich nur an. Was macht der Kopf?“.
Wie eine besorgte Mutter strich sie mir an der Stelle entlang an der ich einst die Wunder gehabt hatte, die sie versorgte und für die Blockierung meiner Kräfte verantwortlich gewesen war.
„So weit so gut“ antwortete ich als sie meine Hände ergriff „Aber das hab ich nur dir zu verdanken“.
„Sag, wie geht es deinem Bruder und dem Drachen. Es ist soo lange her. Aber nun setzt euch erst einmal. Ich werde den Kuchen holen“.
Sie war vollkommen euphorisch und freute sich so sehr, dass sie Palladium und mich erst einmal an den Tisch und auf die Stühle zog, ehe sie wieder für einige Sekunden im Hinterzimmer verschwand.
Sofort warf mir mein Freund fragende Blicke zu und gestikulierte mit kaum hörbaren Lauten, die ich nur ebenso lautlos erwidern konnte, bis seine Mutter zurück kam und den Kuchen vor uns abstellte.
Schließlich räusperte ich mich und fragte „Eldra, woher wusstest du, dass Palladium dich mir vorstellen will?“.
„Das wüsste ich auch gerne, ich hab ihren Namen nie erwähnt“ pflichtete mir der Elf bei.
Die Elfen-Frau begann zu lachen „Eine Mutter weiß über alles Bescheid, zumindest wenn sie die Nachrichten verfolgt“.
Natürlich! Die Nachrichten über Callisto! Ich griff mir an den Kopf, als ich mich auf dem Stuhl zurück fallen ließ. Indessen erklärte sie „Die Geschehnisse auf deinem Planeten waren für die ganze Welt mitzuverfolgen Varanda. Nachdem auch ich Espero verlassen habe und erfuhr, dass du den Thron anfechtest habe ich jede Nachricht mitverfolgt. Ihr habt euch wirklich gut geschlagen. Aber ich gebe zu, dass ich nicht damit gerechnet habe meinen Sohn auf Bildern in deinem Friedenszug durch die Stadt zu sehen. Und noch überraschter war ich als DIESER Artikel in sämtlichen Zeitungen zu sehen war…“.
Sie entfernte sich einen Augenblick vom Tisch um nach einem Blatt Papier zu greifen das sie wohl sorgsam aufbewahrt in einer Schublade lagerte.
Sie legte es auf den Tisch, worauf Palladium es in die Hand nahm und sich sofort leicht beschämt über das Gesicht strich.
Auch mir stieg bei dem Anblick dezent die Röte auf die Wangen.
Als allererstes wurde der Blick an ein großes Bild unter der Überschrift gefesselt. Ich saß klar zu erkennen und nicht gerade schüchtern auf Palladiums schoss und küsste ihn leidenschaftlich, während der Elf seine Hände an meiner Hüfte hielt und nicht danach wirkte mich von sich stoßen zu wollen. Es war derselbe Artikel den mir auch Dragomir wutentbrannt vorgelegt hatte, nachdem er die Nachrichten jenes Tages überprüft hatte.  
Erschrocken sprach ich aus „Ich wusste nicht, dass das bis zu anderen Reichen ging…“.
Eldra stand mit siegessicher verschränkten Armen und einem breiten Grinsen vor uns „Oh doch mein Kind und du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr ich mich gefreut habe. Zwar habe ich nicht geglaubt, dass mein Junge sich nach dem Vorfall mit Athris noch einmal so schnell binden würde, aber…“ kurz wechselte sie den Blick zu ihrem Sohn, dem das wohl noch um einiges unangenehmer war als mir „… ich muss sagen; Du hast dir die richtige ausgesucht Palladium. Varanda hat ein so großes Herz wie du es hast“.
Erleichtert über Eldras Worte begann er sanft zu Lächeln und ergriff auf einmal unter dem Tisch meine Hand, die ich auf meinem Oberschenkel abgelegt hatte „Das weiß ich… aber, ich glaube ihr seid mir noch eine Erklärung schuldig. Wie kann es sein, dass ausgerechnet ihr zwei euch so gut kennt“.
Die Elfen-Frau und ich konnten uns beide das Lachen nicht verkneifen, worauf ich erbost fragte „Wie kann es sein, dass du es jahrelang nicht schaffst diese herzliche Frau zu besuchen?! Sie ist wunderbar! Und die beste Mutter die man sich nur wünschen könnte…“.
Überwältigt von meinen Loben stand sie da als müsse sie beinahe darüber weinen.
Die Geschichte die wir Palladium erzählten war lang und dabei fiel mir auf, dass ich ihm nie etwas über unsere damalige Reise erzählt hatte. Ob das Schicksal war, dass ich ausgerechnet seiner Mutter in die Arme gefallen war? Vielleicht.

*

2 Jahre später:

Kopfschüttelnd lief die Professorin neben ihrem Kollegen her.
Durch die Gänge von den Klassenräumen bis hinaus ließ sie ihre Augen über das Blatt schweifen, welches ihr der Elf zur Überprüfung gegeben hatte.
Gerade war die Pause angebrochen, so tummelten sich die Schülerinnen im gesamten Schulgebäude in die unterschiedlichsten Richtungen.
Die Professorin war es gewohnt sich mit abgelenktem Blick ohne Kollision durch diese Flure zu schlängeln, zudem ihr Kollege sie mit leichtem Druck seines Körpers durch die Feen hindurch manövrierte.  
Die finalen Klassenarbeiten dieses Jahres einer ganzen Klassenstufe hatten sie in den nächsten Tagen in Kooperation zu bearbeiten.
Palladiums Klasse des zweiten Jahrgangs war in diesem Schuljahr besonders aufgeweckt und mit Betrachtung der doch recht kreativen Antworten des Tests würde es im Abschlussjahr kaum besser werden.
Die Professorin der diesjährigen Erstlingsfeen seufzte, als sie die Antworten dieser Schülerin von Palladium durchging und warf ihm dann einen leicht entnervten Blick zu „Was ist das denn? Magische Energie liegt als Partikel in den Feen-Flügeln?“.
Der Elf der neben ihr her trat lächelte sie nur überlegen von der Seite an „Der Ansatz stimmt ja“.
Vara fasste sich leicht gereizt an die Schläfe „Der Ansatz? Palladium… wie soll ich eine richtige Zweitkorrektur vornehmen wenn du ihnen alles durchgehen lässt? Sie sollten von ihrer Grundform ausgehen und nicht dem Enchantix“.
Der Professor konnte sich ein Auflachen nicht verkneifen „Sieh es doch nicht so ernst. Die Mädchen haben sich wirklich Mühe gegeben und sie hatten ein anstrengendes Schuljahr mit den zusätzlichen Prüfungen von Pharagonda“.
„Sich zu „bemühen“ wäre in meiner Ausbildung eine glatte 6 gewesen. Du bist zu lasch mit den Schülerinnen… ich meine: Fer Mitas, ein Schutzzauber gegen dunkle Magie? Du kannst ihr dafür nicht die volle Punktzahl geben! Wo ist die Erklärung? Außerdem ist das nur zum Teil richtig“.
Palladium legte grinsend den Finger auf die Stelle des Blattes und deutete auf die von ihm rot angestrichene Zahl um den halben Punkt Abzug noch einmal klar zu stellen „Sie hat nicht die volle Punktzahl bekommen“.
Kurzerhand blieb seine Kollegin stehen, packte mit leichtem Murren das Blatt fester und schlug damit auf seinen Arm ein „Was trotzdem 2,5 Punkte für eine Antwort sind die einen Punkt verdient hätte und das weißt du genau!“.
Palladium verfiel in Gelächter, als er versuchte die sanftmütige Attacke seiner Freundin abzuwehren und anmerkte „Sie hatten dieses Jahr viele erstmalige Veränderungen Varanda, da haben sie sich eine kleine Aufmunterung verdient“.
Als die Fee von ihm abließ und seufzend den nächsten Test mit den Augen durchging, spürte sie einen zarten Kuss an ihrer Schläfe „Ich glaube eher du korrigierst sie so streng, weil eine ganz bestimmte Fee in dieser Klasse ist die du auf keinen Fall bevorzugen möchtest“.
Seine Stimmlage dabei war so versichert und wohlwissend, dass Varanda mit dem Blick in sein durchschauendes Gesicht gerade eine angesäuerte Antwort loslassen wollte, als seine Augen jedoch an ihr vorbei glitten und sich plötzlich freudig lächelnd dritten zuwandte.
Sofort drehte sich auch die Professorin um, als sie die zuckersüße Stimme rufen hörte „Vara! Palladium!“.
Sofort war ihre Meinungsverschiedenheit vergessen, als eine ganz bestimmte Schülerin des Elfen mit ihren Freundinnen winkend auf sie zugesprungen kam.
Die Mädchen begrüßten nur grinsend beim Vorbeilaufen „Hallo Professor Palladium, wie geht’s Professor Varanda?“.
„Hallo ihr lieben, wie laufen die Prüfungsvorbereitungen?“ fragte Vara interessiert, meinte das jedoch mehr als kleine Erinnerung der kommenden praktischen Prüfung.
„So weit so gut Professor“ entgegnete eine der Mädchen jedoch versichernd, worauf Varanda zufrieden nickte und Palladium hinzu fügte „Davon werde ich mich dann nächste Woche in der Simulationskammer überzeugen. Ich möchte so viele Einsen wie möglich verteilen dürfen“.
Er erhob warnend, doch lieb gemeint den Finger um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
„Versprochen Professor, wir enttäuschen Sie nicht“ damit verschwanden die drei Mädchen.
Nur die hellblonde Fee wartete noch einen Moment länger um ihrer Schwester kurzerhand ein Blattpapier stolz vor die Nase zu halten.
Die Ältere nahm den offensichtlichen Test aus Avalons Unterricht der technisch angewandten Magie-Philosophie entgegen, worauf das Mädchen heraussprudelte „Professor Avalon hat gesagt, dass ich seine beste Schülerin des Jahrgangs bin. Das wäre dann meine vierte 1 im Zeugnis und drei Noten stehen noch aus. Nächste Woche in der Simulationsprüfung kommt die nächste!“.
Palladium verschränkte herausfordernd die Arme vor der Brust „Dein Enthusiasmus gefällt mir Cinder, aber denk daran: In der Prüfung bist du meine Schülerin und nicht Varandas Schwester“.
„Aber natürlich Professor! Ich werde mich gut vorbereiten“ versicherte die 17-jährige selbstbewusst.
Vara kam nicht umhin als mit lächelnden Mundwinkeln den Kopf zu schütteln.
Ihr stolzes Gesicht konnte sie dabei eindeutig nicht verbergen „Wenn du so weiter machst übertriffst du meine Noten noch bei weitem“.
„Das ist mein Ziel!“ Cinder strahlte nur so vor Begeisterung „Gehen wir nach dem Unterricht noch nach Magix zu Camarels Café?“.
„Ähm… klar, wenn du das möchtest“ versicherte ihre Schwester mit einem Lächeln.
„Super! Bis später dann! Tschüss Palladium, bis morgen!“ rief Cinder freudestrahlend aus und sprang bereits an den Professoren vorbei um ihren Freundinnen hinterher zu kommen die an der nächsten Ecke ungeduldig auf sie warteten.
Das Paar sah der Schülerin hinterher, worauf Varanda seufzte „Sie wird erwachsen…“.
Palladium nickte „Ja… bald kannst du ein paar königliche Aufgaben an sie abdrücken“.
Die Professorin wandte ihm den Blick zu „Jetzt mal abwarten, seit sie mit Ilias zusammen ist verbringt sie mehr Zeit auf Sarcas als auf Callisto“.
Vara musste schmunzeln, als sie das Mädchen mit ihren Freundinnen davon springen sah.
Sie hatte hier Freunde gefunden und blühte auf wie eine Sonnenblume.
Sie war bei allen beliebt und zu jederzeit Hilfsbereit wo sie gebraucht wurde. Ob bei Professoren oder Schülerinnen tat sie immer ihr bestes.
Sie arbeitete stetig an sich selbst und ihren Fähigkeiten. Varanda hätte niemals geglaubt dass in ihrer kleinen Schwester eine so ehrgeizige, tüchtige Fee schlummerte.
Diese Schule brachte wirklich nur das Beste aus den Mädchen hervor.

Gerade wollten beide ihren Weg fortsetzen, als sich Cinder plötzlich wieder umdrehte und rief „Achja, ich hab übrigens mit dad telefoniert. Er freut sich schon riesig wenn wir in den Ferien nachhause kommen und du sollst dich bei Zillah melden… irgendwas wegen dem anstehenden Frühlingsball?“.
Vara erschrak „…das hab ich wegen den Prüfungen vollkommen vergessen… Tine hat deswegen schon versucht mich anzurufen. Ich muss die Gästeliste noch absegnen“.
Kurzerhand das Handy gezückt, sah sie auch schon drei verpasste Anrufe der Generälin und wusste gleich was ihr drohte „Oh… sie wird sauer sein… naja, eine Standpauke hole ich mir sowieso ein, dann verschiebe ich die lieber auf heute Abend“.
Palladium konnte nur belustigt den Kopf schütteln, als seine Freundin das Handy einfach wieder in die Tasche rutschen ließ „Würde ich dich nicht besser kennen, könnte man es als schlechte Angewohnheit bezeichnen. Hast du dich inzwischen wenigstens bei Teiz gemeldet? Ich habe ihm schon vor zwei Tagen versprochen, dass du ihn anrufen wirst“.
Nachdem Cinder nun wirklich mit den anderen Feen durch die Gänge verschwunden war, setzten auch die Professoren ihren Weg zur allmonatlichen Lehrerkonferenz fort.
„Ich habs versucht“ versicherte Varanda „Aber ich konnte nur Amaryl erreichen. Wir haben fast zwei Stunden lang geredet. Mein lieber Bruder hat wohl mit seiner neuen Drachenausbildungsstätte auf Callisto alle Hände voll zu tun. Wenn er sie dabei mal nur nicht vernachlässigt, sonst werde ich ihm bei unserem nächsten Besuch gehörig den Kopf waschen“.
Dem Elf erweichte es den Blick, nachdem Vara so liebevoll von ihrer noch immer besten Freundin sprach und fragte „Wie geht es ihr? Ist noch alles in Ordnung?“.
Schließlich lächelte sie zu Boden „Der Bauch wächst und jetzt dauert es ja nicht mehr lange. Sie ist unglaublich aufgeregt, aber ich weiß dass Amaryl und Teiz wunderbare Eltern werden“.
„Ganz sicher“ stimmte Palladium unumwunden zu und ergriff vorsichtig die Hand der Fee.
Es war ein vollkommen normales Bild die beiden Professoren so zusammen zu sehen.
Eine jede Schülerin, sowie jeder Professor wussten um ihre Beziehung.
Es war niemals nötig gewesen ein Geheimnis darum zu machen, ganz im Gegenteil.
Sie waren zusammen ein herausragendes Team, sowohl in der Lehre, als auch Diplomatie und niemand getraute sich auch nur annähernd diese Seelenverwandtschaft auseinander zu reißen.
Perfekt aufeinander abgestimmt konnte man davon nur profitieren, das hatte auch Direktorin Pharagonda sofort erkannt und die beiden Jungprofessoren damit beauftragt eine vollkommen neue Unterrichtsstrategie zu vermitteln um in Zukunft auf vergangene Vorfälle wie mit Valtor, Darkar oder den Hexen besser vorbereitet zu sein.
Inzwischen war sie versichert, dass Varanda und Palladium die richtigen dafür waren.

So zog die Zeit ins Land.

Mit jedem Besuch der Kronprinzessin auf ihrem Heimatplaneten, wurden sie und Palladium herzlichst von der ganzen Familie empfangen. Cinder natürlich immer mit dabei ließ ihr Leben inzwischen auf halbem Weg auf Sarcas abspielen.

Tine und Dragomir nahmen den Großteil der königlichen Pflichten wahr. Ihre Familie unterstützte sich nun gegenseitig und arbeitete nicht mehr gegeneinander.

Finn, der erfolgreich in Teiz Fußstapfen getreten war, diente direkt unter Zillah und wurde zu ihrem engsten Vertrauten, sowie zu Tines rechter Hand.

Der hohe Rat entwickelte sich fort und setzte fortwährend auf die Bevölkerung selbst und nicht mehr ausschließlich auf die Sichten der Adligen.

Alice zog mit Jared auf ihren Heimatplaneten Dolona und arbeitete dort als rechtmäßige Schutzfee für die Sicherheit. Jared nahm sich dort die Möglichkeit in einem Unternehmen zur Softwaresicherheit zu arbeiten.

Katy und David blieben in Magix. Gemeinsam zogen sie dort in eine kleine Wohnung und eröffneten einen Pet-Shop für Tierbedarf. Der Spezialist gab zudem nebenher Workshops in Sachen Selbstverteidigung und bot seine Kurse auch in den umliegenden Schulen an.

Teiz fand seine Berufung darin mit Daro auf Callisto treuere und sanftmütigere Schlossdrachen auszubilden. Nach seinem Vorbild bauten sie um Daro eine vollkommen neue Herde mit ihm als Alphadrachen auf. Der Spezialist wurde zum Forscher die Tiere und ihre Welt zu verstehen.

Amaryl, die mit Teiz weiterhin im Schloss lebte, brachte überraschend Zwillinge zur Welt. Ein Junge und ein Mädchen. Unter Athmos Aufsicht wurden die beiden der Stolz der gesamten Familie und von ihren Tanten nur so vergöttert.

*

Das ist die Geschichte unserer Familie.

Aber was ist mit mir?
Meine älteste Tochter überredete mich meine Memoiren zu verfassen.
Sie sagte mir, dass es wichtig für sie sei ein niedergeschriebenes Werk meinerseits in den Händen halten zu können und erzählte mir von Luzias Schicksalsbuch das ihr in die Hände gefallen war. Ein Buch das sie bis heute sehr bewegte.

Heute habe ich die von ihr geforderte Biographie vollendet, jedoch nicht die meine, wie sie es all die Zeit über angenommen hatte. Ich bat Palladium, Amaryl, Teiz und ihre Freunde zur Mithilfe um alles zusammen tragen zu können. Wir schrieben ihre Memoiren gemeinsam.

Varanda, meine Tochter, hatte mehr erreicht als ich es in meinem ganzen Leben verzeichnen konnte. Ihre Geschichte war so viel wertvoller für die Welt, als meine es jemals sein konnte.
Heute, an dem Tag meiner Abdankung, werde ich ihr das fertige Buch überreichen. Der neuen, rechtmäßigen Königin von Callisto.

Es ist ein Geschenk um sie daran zu erinnern, was sie in ihrem jungen Leben geleistet und wie viele Menschen sie damit inspiriert hat.

Die Fee mit dem stärksten magischen Kern den ich kenne. Sie fand ihren Weg. Sie kämpfte für ihre Überzeugungen und hielt an ihrem Glauben fest.

Und ihr Name ist: Varanda von Callisto.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast