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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
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Dieses Kapitel
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19.02.2021 6.323
 
48 Stunden später wirkte alles bereits wie eine langsam verblassende Erinnerung.

Ilias, der mit einem Mal in die volle Verantwortung geworfen war ganz Sarcas zu führen, stoppte den Krieg augenblicklich. Mit der Bekanntgabe von König Convers Tod erstarb auch die Kampfbereitschaft gegen Callisto. Dieser Junge besaß das Herz am rechten Fleck, wenn er auch mit seinen gerade einmal 18 Jahren damit viel zu viel Verantwortung zu tragen hatte. Um ihn daher nicht plötzlich allein und ungeleitet auf den Weg zu schicken, sicherte Calum dem Prinzen seine volle Unterstützung zu auch Sarcas wieder aufzubauen.

Nur 5 Stunden nach dem Sieg über die Basilisken hatte sich Dragomir als erste Amtshandlung daran gemacht so viele noch einsatzfähige Paladine wie möglich aufzufinden um die zerstörte Stadt wieder aufzubauen.
Er empfand Schuldgefühle sein Volk zu lange sich selbst überlassen zu haben.
Er verschrieb sich damit den Menschen und bot ihnen seine magische Hand als Wiedergutmachung. Mit Jared und David versorgte er eine jede Familie und baute Straßen, sowie Häuser mit fähigsten Männern wieder auf. Athmos hatte als Heiler noch immer alle Hände voll zu tun und nahm Glimm gerne als helfende Hand wahr.

10 Stunden nach den Vorfällen sammelte Teiz die Truppen und wertete zusammen mit Tine die gefallenen Opfer aus. Er organisierte ihre Bestattung und richtete einen Trauerzug für die Hinterbliebenen. Die Prinzessin sprach indessen zu den Menschen und ehrte unsere Tapferen als Kriegshelden.

13 Stunden später wurde durch Lia und Mathis, sowie ihren Paladinen das Schloss wieder hergerichtet. Mit ihrer Magie dauerte es kaum Minuten bis alles wieder erstrahlte als sei nie etwas geschehen. Selbst der Thronsaal war wie neu geboren und die gläserne Volliere setzte sich durch ihre Magie wieder zusammen. Nichts sollte mehr an den unerbittlichen Kampf erinnern der dort ausgetragen worden war.

Nach 17 Stunden flogen Alice, Katy und Amaryl über den Wald der Stille hinweg. Als Enchantix Feen war es ihnen möglich das Unheil das Conver dort durch seine Explosion angerichtet hatte wieder gut zu machen. Ihr Feen-Staub verbannte das Böse von diesem Ort und reinigte die Natur.

Als 20 Stunden vergangen waren patrouillierten die Estrellas durch das Schloss und die Stadt. Sie hatten sich einen ehrenvollen Platz an Callistos Hofe verdient, obwohl der König wohl andere Pläne mit ihnen hatte. Zillah und Pluma wurden noch als erste Amtshandlung für ihre herausragenden Taten zu erhobenen Kriegern der Königsfamilie ernannt. Als Sr. Und Lady erhielten sie Ehrentitel die sonst nur Adeligen des Planeten zuteilwurden.

24 Stunden nach dem Krieg war es dann soweit. Calum, mein Vater, wurde erneut zum König Callistos vereidigt. Mit der vollen Zustimmung des verbliebenen Rates durfte er sein Amt wieder aufnehmen und erhielt den Thron zurück. Keine Stunde später versank er in Papierkram. Er nahm es sich zur Aufgabe mit Hilfe von Dragomir alles versäumte aufzuholen. Sie schickten ein Wiederauferstehungsschreiben an sämtliche Königshäuser der magischen Dimension. Sie entwickelten Verträge, ließen Geschäftsbeziehungen wiederaufleben und diskutierten über Pläne Callisto zu neuer Blüte zu verhelfen. Tag und Nacht schlossen sie sich in ihrem Büro ein. Aßen nicht und tranken nicht, an Schlaf war nicht einmal zu denken. Es waren ganze 24 Stunden in denen keiner etwas von ihnen hörte, sah oder eine Ahnung hatte was sie sonst noch dort drinnen trieben. Nicht einmal ich.

Nach jener Nahtoterfahrung wurde ich in Watte gepackt. Finn wurde abgestellt mich nicht aus den Augen zu lassen nachdem er, Palladium und Cinder mich in die sicheren Wände des Schlosses hatten bringen lassen. Der junge Paladin wurde vor meiner Tür abgestellt mit der Anweisung niemand unbekanntes einzulassen, als befürchteten sie nach all der Vorkommnisse könnten sich noch weitere Verräter zeigen die ihre Gunst der Stunde zu nutzen versuchten. Selbst Daro kreiste noch Stunden um das Schloss, als versicherte er sich, dass mir nicht wieder etwas zustieß. Trotz all der Vorkehrungen ließ es sich Palladium nicht nehmen alle zwei Stunden nach mir zu sehen. Zwar ging es mir vollkommen gut, abgesehen der Prellungen und Kratzer die nicht wie von Zauberhand verschwanden, doch selbst die nahm sich der Elf vor. Ich erinnerte mich an meine einstige Behandlung durch seine Hand, obwohl die verbrannten Flügel sicherlich einen größeren Aufwand darstellten als ein paar unbedeutende Verletzungen. So ließ ich es mir jedoch auch nicht nehmen mich um seine Schulter zu kümmern. Der Schnitt durch Convers Schwert war nach wie vor tief, wenn auch nicht lebensbedrohlich. Eine lange andauernde Behandlung die ich mit meinen mehr unausgereiften Heilkräften gerne bei ihm vornahm, obwohl er sich dagegen wehrte. Dennoch hatte ich auf diese Weise endlich etwas womit ich mich zumindest zu einem kleinen Teil bedanken konnte. Von allen Beteiligten dieses Krieges hatte er sich letzten Endes am meisten bewiesen. Er war herausragend in seinem Fach wie ich es vorhergesagt hatte. Wie er all die Zeit an mich geglaubt hatte, glaubte ich auch an ihn und das ohne jeden Zweifel. Dieser Elf verdiente mehr als nur einen Ehrentitel und doch… schlug er ihn aus. Wie bereits vor 3 langen Jahren kümmerte er sich um mich und meinen geschundenen Körper. Wie er einst meine Flügel geheilt hatte, heilte er nun meine Wunden, wie auch meine Seele, obwohl er selbst mehr als genug Verletzungen am eigenen Körper besaß die es zu versorgen galt. Solange er bei mir war, fühlte ich mich komplett.

Cinder, die sich ihrer Pflicht mehr denn je bewusst schien, machte es sich schließlich zur Aufgabe den Stein, die Feder des Paladins, behutsam zu verwahren. In einem gesonderten Raum wurde er unter größten Sicherheitsvorkehrungen unter einer Glaskuppel auf einem Podest ausgestellt. Die verbannten Basilisken sollten niemals wieder von jemandem herauf beschworen werden, so wurde er zu einem unserer wertvollsten Relikte. Ein Zeitzeugnis der vergangenen Kriege und wie weit beide Planeten nur für ihre Macht gegangen waren. Er wurde zu einer Erinnerung daran wie nah wir unserer eigenen Vernichtung standen und das kein Anspruch jemals über den Erhalt des Friedens gestellt werden durfte. Dieser Stein läutete eine neue Ära auf Callisto und Sarcas ein.

Nach 2 ganzen Tagen wirkte alles genauso, als sei dieser Krieg niemals passiert.
Abgesehen der letzten Wunden und dem langsam verblassenden Schmerz der Verluste erinnerte nichts mehr an die Zerstörungen und das Leid, zumindest nicht wie zuvor.
Ich saß vor meinem Spiegel und bürstete mir das Haar.
Der Tag der Abrechnung war gekommen!
Die Gefangenen würden in wenigen Stunden ihre gerechte Strafe erhalten… und ich war diejenige die diese vollstrecken sollte.
Espen, Nora und Enzo waren die verbliebenen Deserteure die nicht ungestraft davonkommen durften. Alle drei Verräter ihres Volkes die sich zur Gegenmacht geschlagen hatten.
Ilias der als neuer Kriegsherr von Sarcas ebenfalls keine Worte zu all dem finden konnte, ließ uns vollkommene Freiheit über sie.
Er vertraute auf meine Rechtsprechung als Kriegsherrin, die aufgrund dessen durch das Gesetz von mir vollzogen werden durfte. Sie hatten mich in meiner Führung beleidigt und damit hatte ich die Wahl von der endgültigen Gefangennahme, bis zur Exekution und ich dachte nicht einmal daran Gnade walten zu lassen.
Das Schwert mit welchem vollstreckt werden sollte befand sich bereits in meinem Salon, in einer kleinen Truhe die Finn mir herein gebracht hatte. Auf der Kommode wartete es nur darauf von mir ergriffen zu werden um die Riten zu vollziehen.
Ich erhob mich von dem Spiegel und legte das von Cinder zurecht gelegte Kleid auf meinem Bett an.
Ich nahm ein paar Schnürungen vor, während ich allmählich eine dezente Wallung in mir spüren konnte. Je näher der Augenblick kam, umso wütender wurde ich.
Sie hatten meine Familie angegriffen, ER hatte gedroht meiner Schwester etwas anzutun.
Doch im selben Moment, als ich diesen Gedanken erhaschte, verflüchtigte er sich sogleich wieder.
Conver war nicht mehr am Leben. Er hatte seine Strafe bereits erhalten und doch fühlte es sich unvollkommen an. Immer wieder flog mir sein letzter, gesprochener Satz zurück in Gedanken „Frag dich selbst… wärst du diesen Weg… jemals allein gegangen?“.
Nein… das wäre ich sicherlich nicht.
Allein hätte ich niemals ein solches Durchhaltevermögen beweisen können.
Die Sicherheit meiner Familie trieb mich an, auch jetzt noch.
Plötzlich klopfte es an der Tür, worauf Finn sie öffnete und vorsichtig eintrat.
Ohne etwas zu sagen ließ mich sein Blick bereits nichts Gutes erhoffen und fragte daher „Was ist los?“.
Der Junge hielt den Kopf leicht gesenkt und begann vorsichtig zu sprechen „Sr. Mathis war gerade hier. Als er die Gefangenen zum Außenbereich der Volliere bringen wollte, ist etwas passiert…“.

*

Ich fand mich mit Daro am erhöhten Platz über der Stadt ein.
Er landete als letzter eintreffender Drache ein wenig hinter dem Geschehen um mich absteigen zu lassen und vor zu treten.
Von hier führte der gepflasterte Pfad direkt zum Schloss und der angelegte Platz war der ideale Ort für derartige Versammlungen.
Die gesamte Stadt musste sich hier eingefunden haben um sich der Rückkehr ihres Königs zu versichern und das Urteil über die Schuldigen dieser Zerstörungen mitzuverfolgen. Ich konnte das Ende der Menschenmassen nicht einmal sehen, so drängten sie sich dicht an dicht vor dem Platz der Vollstreckung.
Auf der rechten Seite der Erhöhung befanden sich meine Freundinnen, sowie Jared, David und Palladium.
Auf der anderen die Estrellas, die Lords, Tine, sowie Cinder und Teiz ganz vorne.
Sie alle bewahrten ihre stolze Haltung, während ich eintraf und zu meinem Vater und Großvater vor trat.
Von Lia vollkommen mit ihren magischen Ketten im Griff, knieten die Kriegsgefangenen vor ihr in Demut. Jedoch waren es nur zwei… Enzo und Espen konnten wir ihre gerechte Strafe zuweisen, doch Nora… Finn hatte mir mitgeteilt, dass sie sich letzte Nacht selbst das Leben genommen hätte. Die Pulsadern der Handgelenke mit einer Glasscherbe aufgeschnitten die noch aus dem Thronsaal stammte…
Mathis hatte sie leblos in ihrer Zelle aufgefunden, mit Enzos Worten: „Sie hat den gnädigeren Weg gewählt“.
Ich wünschte, ich hätte es bedauern können, doch ich empfand keinerlei Mitleid mehr. Nicht heute und an diesem Tag, doch nun gab es erst einmal ein paar andere Bekanntmachungen.
Ich kam neben meinem Vater zum Stehen. Anders als noch vor zwei Tagen sah er gepflegt und zurecht gemacht aus. Er trug die Krone, die sein Haupt schmückte. Aus purem Gold mit eingearbeiteten azurfarbenen Steinen. Das Haar war zurück gekämmt und lag an seinem Nacken an. Der Bart war dahin und die wenigen Fältchen um seine Lider ließen seine violetten Augen nur umso charmanter Lächeln.
Er trug die Robe, die ich noch von vor seines Verschwindens an ihm kannte. Glatt ein Wunder, dass diese noch passte. Das Wetterzepter stolz und stark in der Hand.
Er nickte mir kaum merklich zu und drehte schließlich den Kopf zu Dragomir, dem er dieselbe Geste widmete.
Auch mein Großvater war elegant wie eh und je. Seine königliche Robe saß wie angegossen, auf der sich kein einziges Haar auch nur wagte nieder zu legen. Als bräuchte er nur einen strengen Blick damit jeglicher Schmutz von ihm fern blieb. Doch war seine Strenge nun anders als zuvor. Sie war nicht mehr annähernd so erdrückender und verachtender Natur. Selbst bei einem Tyrann wie ihm schien nicht sämtlicher Hopfen und Malz verloren, wie er eine Sekunde an Calum vorbei sah um auch mir ein kurzes, glatt freundliches Blinzeln zuzuwerfen.
Luzia hatte recht… für unsere Familie gab es Hoffnung.
Schließlich trat Calum vor, zu den Menschen zu sprechen „Das Volk Callistos, mein Volk! Ist endlich befreit! Der Krieg ist vorüber!“.
Gejubel unter den Bewohnern, ehe ihr König weiter sprach „Nach ganzen 10 Jahren kann ich endlich wieder hier und heute vor euch stehen. All die Zeit hing ich gefesselt und eingesperrt an einem Ort fest, von dem es mir nicht möglich war zu entkommen. Doch nun bin ich frei und konnte zu euch zurückkehren, aber was ich vorfand war kein Reich in Frieden und Wohlstand, sondern ein Planet in Leid und Zerstörung. Es schmerzt mich so furchtbar, dass ich das nicht verhindern konnte… doch, ihr seid gut geführt worden. Prinzessin Varanda, meine Tochter, hat sich als würdig erwiesen eines Tages meinen Platz einzunehmen“.
Erneutes Gejubel folgte. Sie feierten und lobten mich so sehr, dass es mich glatt überwältigte. Obwohl ich so oft gezweifelt hatte und reute war ich den richtigen Weg gegangen. Sie bestätigten mir das.
„…doch dieser Tag ist noch nicht gekommen“ rief Calum weiter „Viel ist geschehen und in vielem wurde versagt, doch ich gebe euch mein Wort, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde um Callisto neu auferstehen zu lassen. Wie der Phönix aus der Asche werden wir uns unseren Platz in der magischen Dimension zurück erkämpfen, nicht mit Waffen, sondern mit Argumenten und Geschick“.
Da war sie, die weckende Begeisterung um die ich meinen Vater immer beneidet hatte.
Er kannte zu jeder Zeit die richtigen Worte um die Menschen mit sich zu reißen. Ein Pazifist durch und durch, doch politisch immer korrekt.
„Wir stehen hier und heute in vereinter Front vor euch! Drei Generationen der Königsfamilie die alles für euch geben werden! Fürst Dragomir, der von nun an gegen die Armut Callistos ankämpfen wird. Prinzessin Varanda, die für euch und um ein jedes eurer Leben kämpft und meiner Wenigkeit: König Calum! Ich werde euch zuhören und die Probleme ausmerzen die sich in dieses Volk eingeschlichen haben“.
Wir präsentierten uns mit ihm. Das Gejubel stoppte nicht mehr, so beschloss mein Vater wohl einfach weiter zu sprechen „Zusammen mit der königlichen Familie, meiner Tochter: Prinzessin Cinder, meiner Nichte: Prinzessin Tine und meinem Sohn: Sr. Teiz!“
Ich weitete die Augen. Was sagte er da? Die pure Freude machte sich in mir breit, als ich sah wie er sich umwandte und damit die angesprochenen bat zu uns vorzutreten.
Er nahm Teiz tatsächlich vor der Öffentlichkeit als seinen Sohn an!
Der Angesprochene wirkte ebenso überrumpelt wie wir anderen. Eine Bekanntgabe mit der keine von uns gerechnet hatte, doch es freute uns mehr als jedes andere Geschenk auf der Welt.
Nachdem mein Bruder auch weiter vollkommen überfordert keine Anstalten machte sich zu bewegen, griffen Cinder und Tine einfach seine Arme und zogen ihn mit sich an meine Seite.
So plötzlich zum Sohn erhoben zu werden, damit hatte Teiz sicher nicht gerechnet.
So flüsterte er mir zu „Hast du davon gewusst?“, doch ich konnte ihm guten Gewissens antworten „Nein, aber es wurde Zeit“.
Mit einem Blick auf Dragomir sah ich zwar sofort, dass er nicht ganz so überwältigt wirkte wie der Rest von uns, doch er akzeptierte es. Wir waren auf einem guten Weg.
„Und das ist noch immer nicht alles“ fuhr Calum fort „So viele haben für uns gekämpft. Tapfere Krieger aus unserer Reihe und auch Fremde aus Magix“.
Der König drehte sich zu den angesprochenen um „Ich stehe zutiefst in Euer aller Schuld. Ihr habt meiner Tochter in ihren schwersten Stunden beigestanden. Ich kann euch nicht genug Dank aussprechen, doch seit versichert, dass ihr niemals in unseren Geschichtsbüchern vergessen werdet. Als Callistos Guardiens werden wir uns ewig an euch erinnern, egal wie weit Eure Wege euch von uns entfernen werden. Mit Callisto habt ihr immer eine Heimat zu der ihr zurückkehren könnt“.
Es erfüllte mich mit so viel Stolz und Dankbarkeit, dass mein Vater mir wie aus der Seele sprach, ehe er den Blickkontakt mir zuwendete „Nichtsdestotrotz haben wir uns auch versammelt um über zwei Schicksale zu entscheiden. Die Ratsmitglieder Sir. Espen und Obergeneral Enzo haben uns hintergangen und für den Feind ihre Kriegsherrin verraten. Prinzessin Varanda wird als eben diese das Recht sprechen und vollstrecken! Bringt die Gefangenen!“.
Die Menge tobte. Auch für sie war eine solche Tat unverzeihlich.
Wie aus Reflex griff ich an die Schwertscheide die ich mir umgeschnallt hatte.
Die Nervosität stieg langsam, doch ich wusste genau wie ich entscheiden würde.
Nur langsam umgriff ich das Heft des Schwertes um es heraus zu ziehen.
Indessen führte Mathis Enzo vor die Menge und brachte ihn dazu vor mir nieder zu knien.
Der Obergeneral war nur noch ein Schatten seiner selbst.
Er wagte es nicht einmal zu mir herauf zu sehen, sondern hielt den müden Blick nur zu Boden gerichtet.
Meine Hand verkrampfte sich glatt um den Griff, während ich langsam die Klinge auf ihn richtete und tief schluckte.
Schließlich begann ich zu rufen „König Conver starb im Kampf und auch gegen Nora kann kein Urteil mehr vollstreckt werden. Sir. Mathis selbst bat mich ihm Espen zu übergeben, um ihn in seiner Stadt für eine lange Zeit wegsperren zu lassen. Aufgrund dieser Bitte wird Espen seines Titels, seines Amtes und seiner Führungsposition der Kolonie enthoben. Ich habe mich dazu entschieden, da er nicht von Anbeginn ein Teil dieses Hinterhaltes war, sondern dazu bekehrt wurde und Sir. Mathis dafür bürgt, dass er niemals wieder einen Fuß in unsere Stadt setzen wird. Auch Enzo wird hiermit seines Titels, Amtes und der Führungsposition enthoben…“.
Kurzerhand stoppte ich, als ich zu überlegen begann. Hatte ich überhaupt das moralische Recht dieses Urteil zu sprechen? Zwar war auch ich eines seiner Opfer gewesen, doch es gab jemanden dem er noch um einiges mehr zugesetzt hatte.
Obwohl ich mich bereits dazu entschlossen hatte, senkte ich das Schwert und sah auf „Ich werde dieses Urteil nicht fällen! Dieser Mann hat so vielen Menschen Leid zugefügt, dass es mir überhaupt nicht zusteht allein zu entscheiden. Enzo mag die Königsfamilie auf brutalste Weise voneinander getrennt haben, doch dabei hat er auch so viele andere Opfer in Kauf genommen! Einer dieser weiteren Opfer war ein kleiner Junge. Er nahm ihm absolut alles. Seinen Vater und seine Mutter! Enzo erschlich sich sein Vertrauen um ihn eines Tages zu brechen. Er ließ ihn fortschicken und somit von seiner Heimat und Familie über Jahre getrennt. Er plante seine Schwester umzubringen und verbannte den Jungen in eine dunkle Dimension, gejagt von Basilisken. Und mit seinem Verrat, nahm er ihm auch noch eine Person der er vollkommen vertraute… Sr. Teiz… ich möchte, dass Ihr das Urteil fällt“.
Ich wandte mich um und bot ihm das Schwert dar.
Mein Bruder schluckte merklich, nickte jedoch entschlossen und trat vor.
Nur vorsichtig nahm er das Schwert am Heft und betrachtete es zunächst.
Ich sah ihm an, dass er mit einer solchen Ehre niemals gerechnet hatte, anstelle der Kriegsherrin ein Recht zu sprechen.
Er hatte jederzeit treu an meiner Seite diesen Krieg mit mir geführt. Ihm gebührte dieses Urteil ebenso wie mir und ich sah es in seinen Augen.
Die blanke Wut die gezügelt werden musste und das würde ihm nur auf diese Weise gelingen.
Schließlich näherte er sich Enzo mit dem Schwert, die Handhaltung bereits als wolle er ausholen. Selbst der ehemalige Obergeneral blickte ihn an, als sei er bereit durch Teiz Hand zu sterben.
Sein Körper erholte sich nicht mehr von dieser unmenschlichen Beschwörung der Basilisken. Er vegetierte lediglich vor sich hin.
Teiz nahm seinen festen Stand ein und ich war mir sicher, er würde ihn nicht am Leben lassen.
Mein Bruder holte aus, doch mehr als ein Zucken geschah nicht.
Er kämpfte mit sich selbst und biss die Zähne aufeinander. Dann ließ er mit einem Mal das Schwert fallen „Du sollst bis in alle Ewigkeit verrecken! Ich werde dich hier nicht aus dieser Scham befreien. Du sollst so leiden wie wir es jeden einzelnen Tag getan habe, ohne Mutter! Ohne Vater! Ohne einen König! Getrennt, krank und Zerstört! Du sollst wissen wie sich das anfühlt, jeden Tag deines verfluchten restlichen Lebens!!!“.

Mit diesen letzten Worten machte Teiz plötzlich kehrt und verschwand in Richtung des Schlosses, worauf ich ihm nur leicht überrascht hinterher sehen konnte.
Schnell suchte ich Amaryls Blick, die sich sofort in Bewegung setzte und ihm nach lief.
Jetzt sollte er nicht alleine sein.
Sofort nahm ich wieder Haltung an, als ich Enzos Gesicht überprüfte. Nicht einmal er hatte mit einer derartigen Gefühlswallung gerechnet, das sah ich ihm an.
Viel mehr wirkte er, als würde ihm erst damit klar, was er wirklich angerichtet hatte.
Als sähe er zum ersten Mal über seinen eigenen Tellerrand hinaus.
Die Augen von Reue und Angst gezeichnet, richtete er sich nur langsam meinem Gesicht zu, doch auch hier fand er keinerlei Entlastung.
Einen Moment schloss ich die Augen und verkündete „Sr. Teiz hat entschieden. Enzo wird verbannt! Möge Tyrian seiner armen Seele gnädig sein. Sollte er es jemals Wagen nach Callisto oder Sarcas zurück zu kehren ereilt ihn der Tot“.
Einen Moment atmete ich durch und erhob das Schwert, welches Teiz hatte fallen lassen und steckte es in seine Scheide zurück.
Dabei fragte ich „Cinder, wie wäre es, wenn du Enzo die Zukunft vorhersagen würdest, damit er ein letztes Mal das allsehende Auge erblicken kann das er all die Jahre so begehrt hat“.
Meine Schwester nickte akzeptierend und tat wie ihr aufgetragen.
Sie ließ die magische Welle über den gesamten Planeten und noch darüber hinaus strömen und offenbarte damit unserem Volk ihre verborgene Kraft.
Ein Unterfangen das längst überfällig war, dann antwortete sie mir „Tut mir leid, aber Tyrian kann seine Zukunft nicht erkennen“.
Das war eine befriedigende Antwort für mich „Zu schade… weißt du auch was das bedeutet? Dass du an einen Ort weit außerhalb dieser Dimension verbannt wirst an dem nicht einmal die Sterne dich sehen können. Das dürfte weit genug für mich sein“.
Enzo sprach kein Wort mehr. Sein akzeptierendes Senken des Kopfes reichte mir.

*

Ich klopfte vorsichtig an der Tür, bekam jedoch keine Antwort, also trat ich vorsichtig ein.
Ich sah Amaryl mit verschränkten Armen am Durchgang zum Balkon stehen.
Sie beobachtete Teiz der angespannt an der Brüstung stand und nur vollkommen in seinen Gedanken versunken war. Der Wind hatte heute zugenommen, so wehten ihm einige Haarsträhnen umher.
Ich trat zu ihr und wartete einen Moment.
Natürlich hatte sie bereits gehört wie ich eingetreten war, so schüttelte sie nur besorgt den Kopf und flüsterte „So steht er bereits eine ganze Weile dort, aber er will nicht mit mir reden. Irgendwas beschäftigt ihn“.
„Lass ihm Zeit“ bat ich sie sanft „Ab jetzt kann es nur besser werden“.
Die Fee atmete tief aus und nickte mit einem leichten, doch unsicheren Lächeln, ob das wirklich stimmen konnte und machte kehrt.
Sie verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
Langsam trat ich zu meinem Bruder, worauf auch mir das Haar umher peitschte.
Der Wind ließ glatt mein Tuch davon wehen, das ich umgelegt trug, dennoch blieb ich bei ihm stehen „Du holst dir hier noch eine Lungenentzündung. Wir haben immer noch Winter“.
Er begann mir nur ironisch zu antworten und den Blick in Richtung Meer zu heben „Sagte die Prinzessin die sich zu mir in den Winter gesellt“.
Ich legte die Arme auf das Geländer um den Oberkörper darauf zu lehnen „Na, irgendjemand muss es ja tun wenn du mit Amaryl nicht reden willst“.
„Hat sie dir das gesagt, ja?“ fragte er und sah mich erstmals aus den Augenwinkeln an „Wieso hast du mir das überlassen?“.
„Weil es für mich das Richtige war“ entgegnete ich ihm die Wahrheit „Ich hätte ihn übrigens nicht am Leben gelassen. Ich hab nicht erwartet, dass du anders entscheidest“.
„Was bringt denn das Blutvergießen noch? Der Krieg ist vorbei und wir müssen nach vorne sehen. Ich will keine weiteren Tode…“.
„Was ist los mit dir?“ versuchte ich ihm weiter auf den Zahn zu fühlen „Solche Worte ausgerechnet aus deinem Mund?“.
Einen Augenblick antwortete er mir nicht, atmete nur tief ein.
Dann entschloss er sich wohl doch „Mir ist in letzter Zeit einiges klar geworden. Ich hab nicht erwartet jemals nochmal mit ihr sprechen zu können…“.
Ich wusste sofort, dass er Luzia meinte und musste kurzerhand selbst zu den Klippen hinab sehen. Ich verstand warum ihn das so aufwühlte.
„Sie hat dich geliebt Teiz und sie tut es immer noch“ versicherte ich ihm schnell.
Er seufzte „Ich weiß… aber es wirklich zu hören ist etwas anderes“.
Ich musste ironisch schmunzeln „Da sind wir schon zwei. Ist das nicht komisch? Ich habe ihre Augen, bin genauso Stur, habe jetzt auch noch ihre Flügel und ihr Leben in mir… ich komme mir gar nicht mehr wie ich selbst vor“.
„Da sind wir schon zwei“ wiederholte er meinen Satz mit einem leichten Auflachen „Aber ich denke nicht, dass das unbedingt was schlechtes ist… sie hat mich aus meinem Versprechen entlassen…“.
„Dann werde ich mir wohl einen neuen Schutzherren suchen müssen“ scherzte ich etwas, obwohl in jedem Spaß auch ein Stück Ernst steckte.
Doch darüber schüttelte Teiz den Kopf „Ach was, ich kann doch gar nichts anderes. Ich war immer da um dich zu beschützen und wer sollte es denn sonst tun?“.
Erst jetzt fiel mir auf, dass er einen Ring zwischen den Fingern rollte auf den er die ganze Zeit starrte. Ich erkannte ihn sofort als Mutters Ehering wieder den er seit dem Tag ihres Todes aufbewahrt hatte. Calum hatte ihn ihm als Erinnerung geschenkt.
Ich weitete die Augen, als ich es begriff und begann zu lächeln „Ich bin keine kleine unbeholfene Fee mehr. Ich kann auch ohne meinen großen Bruder zurechtkommen, auch wenn es schwer fällt. Außerdem glaube ich, dass man sich manchmal… einfach trauen muss. Sonst wirst du es nie wissen“.
Teiz hob den Kopf und begann auch mich anzulächeln „Gut zu wissen, dass ich deinen Segen habe“.

*

Die Nachricht über Callistos Wiederauferstehung verbreitete sich wie ein Laubfeuer.
Nie zuvor hatte ich so gerne im Schloss gearbeitet.
Es galt Einladungen zu verschicken, alles vorzubereiten und in wenigen Tagen eine riesige Feier auf die Beine zu stellen, doch zum Glück hatte ich Hilfe.
Die drei tüchtigsten Feen verpackten einen jeden meiner handgeschriebenen Briefe.
„Wieso schreibst du eigentlich jeden selbst?“ fragte Katy irgendwann genervt, als ich zum dritten Mal mein inzwischen schmerzendes Handgelenk ausschüttelte.
„Weil es persönlicher ist und das ist es mir wert, jetzt da alles wieder so ist wie es sein soll“ und überreichte ihr den nächsten zu kuvertieren.
Alice, die den letzten gerade weglegte, meinte „Eigentlich schade, wir haben uns so viel Mühe mit deiner Wahlkampagne gegeben und Königin bist du trotzdem nicht“.
Glimm schob mir kurzerhand das nächste Blatt zu um es zu unterschreiben, bevor sie ein weiteres Mal freudig durch die Luft schwebte.
„NOCH nicht“ korrigierte Amaryl sie kurzerhand „Außerdem, zu Callistos Guardiens erhoben zu werden ist doch auch was“, worauf meine Freundinnen anfingen zu lachen.
So ausgelassen und entspannt war es hier wirklich noch nie gewesen, schon gar nicht seit sie hier waren und endlich gab es ein Fest auf das sie und auch ich uns freuen konnten. Die Rechtfertigung über das Verlassen meines Planeten war Geschichte, mein Vater war zurück und ein Zeitalter des Friedens, des echten Friedens, zwischen Callisto und Sarcas kehrte ein.
Mit Ilias Krönung stand dem nichts mehr im Wege über die er uns jederzeit informiert hielt.
Natürlich würde auch er eine Einladung erhalten.
Schließlich setzte ich den letzten I-Punkt, legte die Feder weg und hob die Hände „Das wars“.
„Na Tyrian sei Dank“ lachte Katy, die sofort von Alice aufgezogen wurde „Seit wann betest du denn zu Tyrian?“.
Dieser war der Ausdruck nicht einmal aufgefallen und legte grinsend die Arme hinter den Kopf „Ich passe mich nur dem Volk an“.
Kurz darauf wurde die Tür geöffnet, womit zwei stolze Spezialisten eintraten von denen einer protestierte „Ich höre Gelächter, solltet ihr nicht arbeiten?“.
„Gerade fertig geworden“ präsentierte Amaryl stattdessen und überreichte David damit den letzten Umschlag.
Ich erhob mich von meinem Platz hinter dem Schreibtisch „Sie müssen nur noch ausgetragen werden, könnt ihr euch darum kümmern Jared? Die Boten müssten bereits informiert sein“.
„Aber sicher“ bestätigte der Spezialist und griff bereits nach der Briefkiste, nachdem er seiner Freundin noch einen zarten Kuss auf die Wange legte.
David las indessen den Empfänger des Briefes den Amaryl ihm in die Hand gedrückt hatte „Hey, der geht ja nach Magix. Du lädst die Rektoren der magischen Schulen auch ein?“.
„Natürlich“ entgegnete ich „Schließlich dürfen die alten Freunde meines Vaters nicht fehlen“.
„Er war auch ein Teil der Verbindung des Lichts, richtig?“ entsinnte sich Alice.
„Ja…“ überlegte ich, jedoch auch leicht besorgt „Ich weiß nicht wie er darauf reagieren wird sie wieder zu sehen“.
„Tja, wenn die Briefe nicht wegkommen werden wir es nie erfahren, also dann“ hievte David die zweite Kiste über die Schulter und zwinkerte Katy dabei zu, die ihn sanft anlächelte.
Es war als hätte dieser Krieg uns noch enger zusammen geschweißt als jemals zuvor.

Tine und Cinder richteten indessen das gesamte Schloss her. Mit Karren wurde unendlich viel Blumenschmuck eingefahren und die besten Dekorateure einbestellt.
Ich bestaunte den Thronsaal der nun nach Jahren endlich wieder eine Verwendung fand.
Ich trat ein und hörte sogleich einen jeden meiner Schritte auf dem glänzend-weißen Marmor wiederhallen. Die Volliere ließ das strahlende Sonnenlicht dieses wunderschönen Morgens herein. Es war alles bereit für den großen Abend.
„Wen sieht man da? Die heldenhafte Prinzessin zurück auf den Beinen“.
Überrascht darüber angesprochen zu werden drehte ich mich um und sah eine Frau in Callistos edler Rüstung auf mich zu treten.
Sofort nahm ich Haltung vor ihr an und antwortete „Keine Sorge, ich werde dir ganz sicher nicht mehr zur Last fallen“.
„Sorge um dich würde ich mir niemals erlauben“ nahm sie die förmliche Ader sogleich wieder ab „Du hast bewiesen was du bist... selbst mir“.
Ihr Blick war nicht mehr annähernd so feindselig wie einst. Sie akzeptierte und respektierte mich nun.
„Nun denn, wollen wir uns über das geschäftliche Unterhalten, Obergenerälin Zillah?“ erwies auch ich ihr diesen Respekt, worauf die Mundwinkel der Estrella in einem schiefen Lächeln nach oben schnellten „Nichts lieber als das Prinzessin Varanda“.
Wir gingen ein Stück gemeinsam um uns über die Sicherheitsvorkehrungen des kommenden Festes zu unterhalten, die ab sofort sie beaufsichtigen würde.
Nach Enzos Amtsenthebung war es unabdingbar auf dem schnellsten Weg einen neuen Obergeneral zu ernennen und Zillah besaß mehr Qualifikation dazu, als jeder andere. Sie hatte in diesem Krieg großes geleistet, Chaos geschlichtet, Treue bewiesen und sich als Führungsperson bekannt und was noch viel wichtiger war, sie hatte mir den größten Dienst geleistet: Sie hielt mich auf dem Boden der Tatsachen. Das war die wichtigste Fähigkeit die ein Obergeneral besitzen musste. Seinem König die Augen zu öffnen, wenn dieser den falschen Weg einschlug.
Mit meiner Bürgschaft wurde ihr dieses Amt zuteil, welches sie nicht ausschlug.
Ich erinnerte mich daran, was sie an unserer ersten Begegnung zu mir gesagt hatte.
Sie wollte als erste Frau eine Soldatin des Schlosses werden. Nun war sie als erste Frau die engste Vertraute des Königs und seiner Familie.
Und Pluma, er wurde der neue Anführer der Estrellas und genau wie Zillah als neues Ratsmitglied eingesetzt.
Er übernahm Espens Kolonie um wieder aufzubauen, was sein Vorgänger zunichte gemacht hatte.
Diese Geschwister waren besonders und ich wollte sie niemals in unseren Reihen missen.

*

7 Tage später war es schließlich soweit.
Ich legte ein Ballkleid in purem weiß an, das als A-Linie fließend zu Boden fiel.
Darüber lag ein funkelnder Satin in violett und hellem blau und es zog eine Schleppe aus demselben Stoff hinter sich her.
Am Saum zierte es Spitze die an speziellen Stellen höher hinauf reichte.
Das Kleid besaß Flügelärmel und lag am Bauch eng an.
Dazu ebenso weiße Handschuhe bis zu den Ellenbogen und ein paar Stilletos.
Mein blondes Haar war aufwendig nach oben gesteckt und von eleganter Flechtkunst geziert.
Als ich mich im Spiegel betrachtete fehlte nur noch eines… das Diadem.
Das Artefakt gegen welches ich mich zu lange gewehrt hatte.
Vorsichtig ergriff ich es aus seiner Schatulle vor mir und erhob es langsam in Richtung des Kopfes.
Im Spiegel ließ ich mich dabei nicht aus den Augen.
Kurzzeitig beschlich mich das Gefühl, als wäre noch jemand im Raum, doch ich war allein.
Es war nur ein kurzer Augenaufschlag mit dem ich glaubte Luzias Präsenz zu sehen die hinter mir im Spiegel stand und mir das Diadem aufsetzte.
Möglicherweise hatte ich mir so sehr gewünscht, dass meiner Mutter einmal diese Ehre zuteilwürde das Zeichen einer Königin mit mir zu teilen, dass ich sie mir bereits einbildete. Oder… es lag daran, dass ich nun einen Teil von ihr in mir trug… ihr Leben… ich wusste es nicht.
Ich wusste nur, dass es meine eigenen Hände waren die mir das Diadem aufsetzten und nicht die ihren… dabei wünschte ich es mir so sehr wie nie zuvor.
Das Diadem der Kronprinzessin. Nach mehr als 10 Jahren würde ich wieder meinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron einnehmen. Neben meinem Vater, dem König.
Diesen Gedanken hielt ich mir fest im Kopf, während Finn mich durch die Gänge des Schlosses begleitete.
Er schwieg, ebenso wie ich. Solange bis wir den Thronsaal erreichten.
Es war weniger eine Anspannung zwischen uns, als mehr die für diesen Moment unaussprechbaren Gedanken die wir beide in den Köpfen mit uns trugen.
Viel war in den letzten Wochen geschehen und das nun zu verarbeiten war wohl die größte aller Herausforderungen.
Ich blickte den letzten Weg bis zum Saal hinauf um noch einmal tief durchzuatmen.
Der tiefrote Teppich ebnete mir den Weg, als ich den Fuß hob, den ersten Schritt zu tun.
Um nicht auf den Stoff des Rocks zu treten hob ich ihn vorne an, um die Treppenstufen hinauf zu erklimmen.
Nun galt es alles was nicht mit dem heutigen Tag zusammen hing über Bord zu werfen.

Eine Prinzessin war stolz und stark, eine Prinzessin präsentierte sich mit Anmut.

Mit jeder Stufe die ich tat rief ich mir einen jeden dieser Sätze in Erinnerung zurück die mir in meinen jüngsten Jahren so häufig und einprägsam vorgebetet worden waren.

Eine Prinzessin hält ihr Wort, eine Prinzessin steht zu ihrem Volk und eine Prinzessin stellt nichts über ihre Pflichten.

In diesem einen Moment gaben sie mir Halt und Zuversicht, dabei war es so verdammt schwer.

Eine Prinzessin hält ihrem Planten die Treue, eine Prinzessin ist gütig und eine Prinzessin behält den Überblick.

Die letzte Stufe die ich erklomm, erfasste auch den letzten Satz in meinen Gedanken.
Ein Satz… der noch mehrfach in meinem Kopf wiederhallte und alles andere daraus verbannte.

Eine Prinzessin zweifelt niemals an ihren Gedanken

Und ich zweifelte nicht! Nie wieder würde ich an mir selbst zweifeln.

An der obersten Stufe wartete Calum bereits auf mich, der mir zufrieden zunickte, als ich neben ihm zum Stehen kam.
Er war in Begleitung eines Soldaten, der nun mit Finn vor trat um die Türen zu öffnen.
Indessen sprach er „Bist du bereit dich sämtlichen Adelsleuten zu präsentieren?“.
„Das letzte Mal als ich das tun musste, war es kein freudiger Anlass für mich?“ erwähnte ich ausdruckslos, worauf mein Vater mir den Kopf zuwandte „Und nun?“.
Ich tat es ihm gleich und hielt ein Lächeln für ihn bereit „Der Sturm ist vorüber“.
Auch er schenkte mir ein solches Lächeln „Hoffentlich hast du nicht vergessen im Regen zu tanzen“.
Es war dasselbe zuversichtliche Lächeln das wir an den Tag legten, ehe sich der Durchgang zum Thronsaal für uns öffnete.
Calum hielt meine Hand erhoben, während er mich hinein führte.
Mit dem Augenwinkel sah ich wie er sofort den Kopf erhoben hielt, so bemühte ich mich es ihm gleich zu tun.
Die Menschenmasse spaltete sich in ihrer Mitte.
Ich sah die uns zugewandten Gesichter, die edlen Gewänder und vernahm den Beifall der uns entgegen gebracht wurde.
Von den meisten in deren Züge ich sah, wusste ich sofort beim Namen wer sie waren.
Schritt um Schritt trat ich mit Calum unseren Weg in Richtung des Thrones durch die Menge.
Kaum hatten meine Gedanken wirklich erfasst, dass es sich hier um eine königliche Veranstaltung handelte, so versteifte sich mein Blick wie automatisiert, ebenso wie die Haltung.
Ich sah niemanden mehr an und konzentrierte mich nur auf das Ziel ohne dabei zu stolpern.
Es hätte ein Fluch sein können, doch es war nur die pure Gewohnheit.
Eine Verhaltensweise verinnerlicht die mir mehr als nur in Fleisch und Blut übergegangen war. Es grenzte an Manipulation, doch meinem Vater musste es genauso gehen.
Der Fixpunkt lag am Ende des Weges, am Ende des bordeauxroten Teppichs und am Ende des Saales.
Es waren wenige Minuten bis wir am Thron ankamen. Die zwei Stufen hinauf zur Anhöhe gelangen mühelos, sodass sich unsere Hände trennten und wir uns den Adligen zudrehten.
Calum, mein Vater, der König Callistos befand sich inmitten hunderter die von seinem Ableben überzeugt waren, doch bewies er ihnen allen das Gegenteil.
Ich hielt mich an seiner Seite und wusste mit diesem Mal… bis in den Tod würde ich ihn unterstützen und da sein wann er mich brauchte, wie auch in diesem Moment.
Genau wie meine Mutter es getan hatte… nur auf eine andere Weise.
Wir alle würden das… Cinder, Dragomir, Teiz und Tine.
Sie befanden sich neben der Anhöhe in Reih und Glied und warteten mit erhobener, majestätischer Haltung.
Wir waren vereint! Wir lebten! Und das war unser eigener Verdienst!
Ein Bild von dem ich noch vor wenigen Wochen geglaubt hatte es könnte nur in meinen Träumen existieren.
Mein Vater nahm auf dem Thron des Königs seinen Platz ein.
Dicht an der Seite des Thrones der Königin und des Thronerben, meinem Platz.
Natürlich hätte ich ebenso gut die Funktion der Königin einnehmen können, doch das stand mir nicht zu.
Eine Königin war meine Mutter, wie ich es derzeit noch immer nicht sein konnte.
Sie wachte über uns und durch ihren leeren Thron sollten alle daran erinnert werden.
Zwar nicht sichtbar, doch sie war unter uns.
Genau das war ein Bild wie ich es nicht zu hoffen gewagt hatte, es so zu erleben.
Sie verneigten sich nicht vor mir, sie verneigten sich vor Calum, dem König Callistos.




Das erste Kapitel vom Ende. Callisto und vor allem Vara haben an neuer Stärke gewonnen. Die Königsfamilie ist vereint und Callistos Guardiens sind mit ihnen. Nun bleibt im nächsten und damit auch allerletzten Kapitel nur noch das Fest zu feiern und sich für Vara über die letzte Frage in ihrem Kopf klar zu werden: Wie geht es ab jetzt weiter? Was sind ihre Pläne für die Zukunft? Wird sie auf Callisto bleiben und weiterhin den Thron repräsentieren, wie sie es in der Vergangenheit eigentlich niemals wollte. Und wenn ja? Was wird dann aus ihr und Palladium? Ein Professor und eine Prinzessin? Oder hat Alfea nach all den Jahren doch einen größeren Stellenwert in ihrem Herzen erobert? Was wird aus Teiz und Amaryl und verlieren sich unsere treuen Freunde nun endgültig? Die letzten offenen Fragen die alle am kommenden Dienstag zu guter Letzt beantwortet werden.

Lasst mich sehr gerne wissen, ob ihr euch so ein mögliches Ende dieser Story vorgestellt habt ^^

LG Seilix
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