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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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05.02.2021 4.333
 
„So stehen wir uns einmal mehr Gegenüber werte Ratsmitglieder“ sprach Espen vorsichtig seine Bereitschaft zum Kampf aus.
Mathis verengte die Augen „Unsere Entscheidung war das nicht Espen“.
Lia hingegen schüttelte bedauernd den Kopf „Wie konntest du nur… du verrätst alles wofür wir stehen. Wir sind der letzte Schutzwall des Königshauses und du wendest dich gegen uns. Ich kann das nicht glauben“.
Espen jedoch verdrehte nur die Augen „Diese Monarchie gehört überholt. Ihr werdet schon sehen was ihr von eurer Treue habt, wenn ihr mit ihnen untergeht“.
Lias Stimme wurde unruhig „Das wird nicht passieren, dafür werden wir sorgen“.
Der Lord zeigte keinerlei Einsicht, stattdessen ließ er seine Flügel erscheinen „Ihr seid einfach nur blind vor der Wahrheit. Jeder muss schließlich selbst sehen wo er bleibt“.
„Du begehst einen schrecklichen Fehler!“ knurrte Mathis und beschwor im selben Atemzug sein Breitschwert, welches er mit der Leichtigkeit einer Hand vor sich her schwang, ehe er es auf der Schulter ansetzte um sich bereit zu machen.
Lia, die mit ausgestrecktem Arm ihren Ketten den Befehl gab, tat den Anfang.
Ihre magischen Ketten waren schnell und agierten wie Schlangen unter ihrem Befehl ohne dass sie sich auch nur vom Fleck bewegen musste.
Espen, der natürlich mit den Fähigkeiten seiner ehemaligen Kameraden bestens vertraut war, erhob sich sofort in die Luft um nicht von den Gliedern zu Boden gestochen zu werden.
Mathis tat den Anschluss und kam ebenfalls zu Espen auf Augenhöhe, während er bereits mit dem Schwert ausholte.
Espen kannte das Gewicht dieser Waffe. Nur ein Treffer und er läge am Boden, so zog er vor Mathis den Rückzug vor und wich ihm nach hinten weg.
Der Lord war jedoch nicht abzuschütteln und verfolgte den Verräter zunehmend aggressiv.
Es war nicht leicht den sonst so ruhigen Offizier aus der Ruhe zu bringen, doch bei Espen und seiner Tat kannte er kein Pardon.
Espen flüchtete so lange nach hinten bis er an der Steinwand zum Schlossinneren ankam und kurzerhand, sowie bewusst, die Richtung wechselte.
Mathis Schlag ging somit durch puren Stein, welchen er nicht sofort bezwingen konnte und Espen die Chance gab an Abstand zu gewinnen.
Doch nicht für lange als ihm bereits wieder Lias Ketten entgegen geschossen kamen.
Diese Frau war mindestens ebenso hartnäckig wie der Lord, sodass Espen seinen Harzschild erschuf an welchem ihre Glieder abprallten und einen Moment zurück geworfen wurden.
Allerdings nützte das nichts, da bereits die nächsten drei Ketten auf ihn zu flogen.
Lia konnte aus ihrer Magie eindeutig zu viele daraus formen als dass er mit einem blauen Auge davon kommen könnte.
In dem Lord kam die Ratlosigkeit auf. Er wusste genau, dass es gegen gleich zwei seiner Kollegen des Rates kaum möglich war zu bestehen.
Hatte er doch auf die falsche Karte gesetzt? Nein! Er kannte Enzo und seine Fähigkeiten besser als jeder andere. Es waren Fähigkeiten die ausgeschlossenen bislang verborgen blieben. Dieser Mann war nicht zu bezwingen. Dafür legte er seine Hand ins Feuer, selbst wenn er hier und jetzt gegen Lia und Mathis verlieren würde… es spielte keine Rolle.
Gedacht, getan: So passte er eine Sekunde nicht zu beiden Seiten auf und entdeckte Mathis noch im letzten Moment, um sich um Haaresbreite zur Seite zu bewegen und nicht unter dem Breitschwert begraben zu werden, so übersah er Lias Ketten.
Die eine versetzte ihm einen Kratzer an der linken Wange, während sich die andere um seinen rechten Fuß wickelte und mit Schwung zu Boden schlug.
Schwer atmend rappelte sich Espen wieder auf, während Mathis neben Lia und vor ihm landete.
Beide betrachteten ihn mit Verachtung.
„Gib auf Espen und niemand muss weiter verletzt werden“ forderte Mathis, doch der Überläufer dachte überhaupt nicht daran „Ich denke nicht. Dafür ist es bereits zu spät meine Freunde“.
„Nichts ist zu spät“ widersprach Lia.
„Ihr werdet es sehen. Ihr werdet bald vor einer Macht erzittern die die eure weit übersteigen wird, ihr wisst es nur noch nicht“ zischte Espen, als er sich das Blut von der Wange wischte.
Beide Lords sahen sich einen Moment an, ehe sie mit einem Augenkontakt seine Worte als reinen Humbug abtaten.
Was sollte schließlich eine größere Macht sein als diesem Planeten inne wohnte?

*

Tine flog durch sämtliche Flure.
So schnell sie ihre Feenflügel tragen konnten schoss sie wie eine wildgewordene Biene um die Ecken der Gänge in Richtung der königlichen Zimmer.
Sie hatten Dragomir in seinem eigenen Zimmer festgesetzt in welchem er sich noch immer befinden musste.
Dass Palladium sie los schickte um ihn frei zu lassen war ein Zug den sie selbst bislang nicht einmal bedacht hatte. Die überschlagenen Ereignisse hatten sie ihren Großvater vollkommen vergessen lassen. Für sie alle war er bis vor wenigen Stunden ein noch ungelöstes Problem gewesen, dessen Unschuld sie plötzlich kalt erwischt hatte.
Nicht einmal Sarcas durften wissen wo er sich derzeit aufhielt und angesprochen hatte es niemand, so war die Prinzessin versichert, dass er noch immer dort war.
Nach Atem ringend kam sie schließlich am besagten Zimmer an und landete. Vollkommen überstürzt riss sie die Flügeltüren seines Raumes auf und stolperte hinein.
Wie allarmiert stand der erhoffte Mann vor ihr.
Von seinem Sessel aufgesprungen direkt vor der Barriere „Tine! Was um himmelswillen ist dort draußen los?!“ verlangte er wütend zu wissen.
Tine fackelte nicht lange, sondern wirkte ihre Magie. Sie kannte den verwendeten Zauber, somit war es ihr ein leichtes die Barriere mit dem passenden Gegenzauber, für welchen sie autorisiert war, aufzulösen „Das muss ich dir später erklären Großvater, aber jetzt brauchen wir dich“.
Überrascht über Tines sofortiges Handeln ihn frei zu lassen beobachtete Dragomir wie sich sein Gefängnis auflöste und fragte irritiert „Was soll das auf einmal? Habt ihr meine Unschuld also endlich akzeptiert?“.
„Hör zu! Sarcas ist hier!“ wechselte Tine sofort das Thema.
„Was?!“ entfuhr es dem Fürst dessen Wutfalte sofort an seiner Schläfe sichtbar wurde „Was hat diese Göre nun schon wieder angestellt?! Hat Varanda den Krieg also verloren?“.
Tine atmete tief durch, als sie ihren Großvater fixierte „Das alles war ein Hinterhalt. Wir hatten von Anfang an keine Chance. Was ich dir jetzt erzähle verändert alles Großvater und du wirst mir zuhören, verstanden?!“.
Ihre Stimme klang so hart und bestimmend, dass nicht einmal Dragomir es wagte dazwischen zu reden, während die ganze Geschichte nur so aus Tine heraussprudelte.
Es war eine Geschichte die selbst Dragomir sämtliche Fassung seines Gesichtes entgleisen ließ und eine Tatsache die sein Gesicht vor Wut rot anlaufen ließ, bevor er einen Entschluss fasste „Komm, Tine! Wir müssen unser Königreich retten!“.

*

Der Obergeneral fixierte den Elf, doch Palladium gab nicht nach.
Beide begegneten sich in klarem Wissen, dass sie nicht mehr auf gleichen Seiten kämpften. Enzos Taten waren dem Professor nun mehr als bekannt.
Der Paladin hielt sich in der Luft erhoben, tat lediglich ein paar Flügelschläge, ehe er den Arm erhob und vor der Brust entlang zog, als greife er nach etwas.
Mit dem Zauber den der Sarcas wirkte erschien das lange, schön verzierte Katana, als ziehe er es aus seiner Scheide.
Er bediente sich der Magie des Lichts, genau wie Palladium.
Dieser Kampf könnte tatsächlich interessant werden…
Lange hatte sich der Elf aufgrund seiner diplomatischen Position als Professor aus diesen Auseinandersetzungen heraus gehalten, doch das war nun nicht mehr möglich.
Hier wurden unschuldige und seine Schülerinnen angegriffen und es war seine Pflicht einzuschreiten, ob er sich damit als ein Verfechter Callistos schuldig machte oder nicht, aber diese Zerstörung wollte auch er nicht länger erdulden.
Das hier war nun etwas persönliches.
Diese Intrigen mussten ein Ende finden und wenn er selbst dafür sorgen musste!
Es war ein nicht wahrnehmbarer Impuls der Enzo dazu verleitete mit der gezogenen Waffe auf ihn Angriff zu nehmen.
Beide Arme hielt Palladium vor sich um die goldene Klinge zu beschwören die mit dem lauten Aufschlagen des Metalls beider Waffen und dem gleißenden Licht vor ihm erschien.
Angestrengt und mit Kraft hielt er die Klinge als Abwehr gegen das Katana an.
Enzo bediente sich dabei aller Kraft, doch Palladium konnte standhalten.
Zwar war er selbst nie ein großer Kampfkünstler im Umgang mit dem Schwert gewesen, doch er hatte es einst gelernt und beherrschte es aus gutem Grund.
Der General ließ nicht locker, biss sichtlich die Zähne aufeinander, um mehr Druck aufzubauen, dem der Elf auch weiter entgegen hielt.
Schließlich atmete Palladium tief aus und baute mehr Kraft auf. Er spannte sämtliche Muskeln sichtlich an und schaffte es dabei das Katana Zentimeter für Zentimeter von sich zu schieben.
„Was?“ knurrte Enzo vor Anstrengung „Wie kann das sein?“.
Das hatte er sich wohl leichter vorgestellt.
Palladium blickte ihm direkt entgegen. Er hatte ihn überlistet „Die Magie richtig angewendet, kann sie auch im Nahkampf sehr unterstützend sein“.
Enzo fiel der Groschen „Sie besitzen die Macht der Titanen?!“.
Mit voller Kraft stieß er den Paladin schließlich zurück, welcher sich mit den Flügeln abfing und auf beiden Füßen landete „Wie können Sie diesen Zauber auf sich selbst anwenden?!“.
Palladium ging erneut in Kampfbereitschaft „Ich bin nicht umsonst ein Professor Alfeas. Wir müssen in Situationen wie diesen wissen wie wir unsere Schüler beschützen!“.
Mit dieser Antwort schoss er los, hielt mit dem goldenen Schwert auf seinen Feind ein. Dieser Parierte mit dem Katana. Wieder und wieder war das klingende Metall zu hören und die Funken zu sehen die durch den Aufschlag sprühten.
Palladium ließ nicht nach, auch als sein Zauber nachließ machte das sein Geschick wieder wett.
Er war diesem General durchaus gewachsen, was auch Enzo allmählich bemerkte und seine volle Kraft begann auszunutzen.
Dieser Mann trug zurecht den Titel als Callistos Obergeneral. Er war stark, schnell und wendig. All das erreichte er aus purer Willenskraft und ohne erkennbare Magie, welche, wie Palladium wusste, er ebenso noch gegen ihn einsetzen könnte.
So wechselte der Schlagabtausch vom einen zum anderen.
In der einen Sekunde drängte Palladium ihn zwei Schritte zurück, drehte Enzo den Spieß sogleich um und hielt schneller als zuvor mit dem Katana auf ihn ein.
Fünf Schritte in seine Richtung verhärtete der Elf seine Schläge mit dem goldenen Schwert und richtete den Oberkörper weiter nach vorne, um den General erneut zurück zu drängen.
Der Kampf wurde härter je länger er andauerte, bis Enzo plötzlich inne hielt und eine magische Welle los ließ die nur knapp Palladiums Wange verfehlte.
Genau das hatte er befürchtet, dass Enzo dieses Spiel zu lange andauern würde…
Der Paladin gewann einen Moment an Abstand und hielt mit weiteren magischen Stößen auf ihn zu. Palladium parierte diese auch weiterhin mit seinem Schwert und ließ den letzten gegen ein beschworenes Schild prallen, ehe er selbst einen solchen magischen Angriff zu Enzo schickte und im selben Moment im Schrei wieder auf den Paladin zu sprang.
Dieser zerschlug erst die Lichtmaterie und hielt dann dem Schwert von oben entgegen.
Doch dieses Mal war etwas anders. Enzo erhob die Schultern und schien sich dabei zu konzentrieren, als er plötzlich rief „Fallus!“.
Wie durch eine Schockwelle die Palladium nicht kommen sah, wurde er weg geschleudert und landete auf dem harten Marmorboden des Saals.
Das goldene Schwert hatte er aus der Hand verloren, fixierte es jedoch sofort mit den Augen um sich zur Seite weg zu rollen, als Enzo bereits mit dem Katana wie ein Blitz über ihm auftauchte um es in ihn zu schlagen.
Kaum hatte er sein Schwert ergriffen, stand er mit einem abstoßen der Hände wieder auf den Beinen und fand keuchend seine Angriffsposition wieder.
Diese Art von Kampf strängte ihn ungemein an. Es war definitiv kein Zuckerschlecken, so war er um einen Moment wieder zu Atem zu kommen dankbar.
Enzo, der sich ebenfalls wieder auf beide Beine erhob und seine Waffe mit einem Ruck aus dem Marmorboden zog, wandte sich ihm nur langsam wieder zu „Ich muss sagen, ich bin beeindruckt. Ich dachte Sie seien die Art Professor der seine Nase nur in Büchern vergräbt, da habe ich mich wohl getäuscht. Trotzdem spielen Sie nicht in meiner Liga Palladium“.
Der Elf erhob das Schwert wieder vor dem Körper „Das wollen wir erst noch sehen“.
Enzo spannte die Flügel und machte sich bereit los zu fliegen, während Palladium mit erhobener Hand bereit war den Angriff gekonnt mit einer Barriere abzufangen.
Soweit konnte es allerdings gar nicht kommen, als der Elf nur noch ein paar weiße, gewaltige Flügel vor sich wahrnehmen konnte.
Er spürte lediglich eine Magiedichte, worauf der Obergeneral sich plötzlich selbst abbremste und zurück am Boden landete „Dragomir“.
Der grimmig drein blickende Mann war vor Palladium gelandet und schützte ihn in diesem Moment „Ich übernehme das ab hier, Junge“.
Beinahe überrascht darüber, begriff der Elf erst im zweiten Moment, dass es hier überhaupt nicht um seine Sicherheit, sondern mehr um die Wut des ehemaligen Königs ging von seinem loyalsten Vertrauten betrogen worden zu sein.
Tine landete im selben Moment neben dem Professor „Geht es dir gut?“. Sie hatte den Fürst also erreicht und befreit.
Der Elf nickte lediglich und wandte den Blick nicht von den beiden Rivalen ab.
„Du wirst für deine Taten bezahlen Enzo, das verspreche ich dir“ die Stimme wie immer so tief und gefährlich wie man ihn kannte.
Kein Funken der Trauer oder des Bedauerns darunter ihn verloren zu haben. Es war wie immer ausschließlich die blanke Wut und die Missachtung die aus Dragomirs Stimme wie Gestik sprach.
Der General verengte lediglich den Blick. Er wusste, dass er hier einem harten Gegner gegenüber stand, sagte jedoch kein Wort dazu.
Stattdessen trat Palladium vor an Dragomirs Seite, welcher knurrte „Was willst du noch? Lass mich nur machen“.
„Wir stehen auf derselben Seite“ erläuterte Palladium ernst „Hier wird niemand allein kämpfen“.
Als akzeptiere Dragomir dies tatsächlich, murrte er lediglich vor sich hin „Aber sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt. Enzo ist nicht zu unterschätzen“.
„Dem bin ich mir bewusst, aber ich bin das auch nicht“ stellte Palladium klar.
Es war beinahe ein merkwürdiges Gefühl, dass sie tatsächlich für ein und dieselbe Sache kämpften und doch… war es gut.
Endlich hatten sie eine Sache gegen die sie gemeinsam vorgehen konnten.

*

Im letzten Moment duckte sich Zillah unter der schwarzen Schockwelle hinweg.
Inzwischen hatte sie eine Handvoll Soldaten ausgeschaltet, als sie hinterrücks von dieser Frau angegriffen worden war.
Diese Nora… war zäher als gedacht. Nach dem Schlag gegen die Wand hätte sie bereits Geschichte sein müssen, doch sie rappelte sich wieder auf und fixierte ihren ersten Feind: Die Anführerin der Estrellas.
Mit ihren hexenähnlichen Fähigkeiten umgab sie sich mit dieser schwarzen Materie in der sie auch verschwand um aus den Schatten wieder zu erscheinen, nur war das hier Zillahs Vorteil. Der Raum aus purem Licht schwächte ihre Gegnerin zunehmend, so verpuffte ihr letzter Schattenangriff ehe er sein Ziel erreichte.
Zillah schnaubte belustigt „Was ist los Hexenmädchen? Schwinden hier deine Kräfte? Ein Pech wenn man sich nur auf die reine Magie verlässt“.
Diese jedoch knurrte und bündelte abermals „Ein Pech wenn man die Magie nicht beherrscht!“.
Sie schoss die pure Dunkelheit auf die Kriegerin zu, die auch weiterhin nichts anderes tun konnte als auszuweichen. Auf diese Weise kam sie nicht nah genug an Nora heran um ihr mit dem Schwert etwas anhaben zu können… und Pfeil und Bogen fehlten ihr… verdammt!
Das hier war ein Wettlauf gegen die Zeit. Wer würde zuerst nachgeben?
Noras Magiereserven oder Zillahs Ausdauer?
So schnell die Estrella auch war, irgendwann kam der unausweichliche Moment.
Durch ihren vorigen Einsatz und die Ketten war sie bereits geschwächt und verlangsamte mit jeder Sekunde ein Stück mehr. Ihre Konzentration ließ nach, so sah sie einem Strahl glatt ins Auge, konnte sich nur knapp nach hinten weg ducken und dabei zusehen wie zwei ihrer langen Haarsträhnen die ihr aus dem Pferdeschwanz gerutscht waren in der dunklen Materie verschwanden.
Irgendwas musste sie doch tun können… Viel länger würde sie dieses Ausweichspiel nicht mehr durchhalten.
Dasselbe durchschaute auch Nora, die ein schnelles, durchschaubares Grinsen zeigte „Das wars dann wohl!“.
Bereit den Angriff mit den Armen abzufangen und sich zugleich einen festen Stand zu suchen, beobachtete Zillah für den Bruchteil einer Sekunde wie Nora erneut ihre Magie sammelte. Schweißperlen standen ihr bereits auf der Stirn die deuteten, dass der ehemaligen Alchemistin ebenfalls langsam die Kraft ausging.
Doch plötzlich schoss von der Hexe ungesehen ein kleines, helles Gebilde hinzu und erwischte Nora von der Seite „Sternenpfeil!“.
Zillah fackelte nicht lange, verlagerte ihr Gewicht auf dem rechten Fuß um sich abzustoßen und schoss der Hexe entgegen, welche von dem Angriff hinterrücks taumelte und abgelenkt war.
Sie verpasste ihr mit der bloßen Faust die volle Breitseite in der Bauchgegend und brachte die Rothaarige so zu Fall.
Erst als die Estrella wieder festen Stand besaß, wandte sie sich um „Von einer Prinzessin gerettet, ich glaubs ja nicht“ murrte sie glatt in ihrer Ehre verletzt, schenkte Cinder dabei allerdings ein kleines Lächeln.
Diese, noch immer den Arm des Angriffs erhoben lächelte sanftmütig und zeigte ihr den Daumen nach oben.
Alles wirkte gerade als könnten sie es tatsächlich schaffen das Ruder herum zu reißen und Sarcas wirklich in die Flucht schlagen, als Zillah plötzlich sah wie die junge Prinzessin ein dunkler Schatten übermannte.
Es war Ilias der Cinders Namen zu spät brüllte.

*

Wir bündelten unsere Magie.
Mit Amaryl, Alice und Katy an meiner Seite fühlte ich mich stärker denn je.
Sie waren mein Fels in der Brandung, meine Familie und meine besten Freundinnen.
Unsere Macht wuchs mit jeder Sekunde.
Conver versuchte aus der Gefahrenzone zu entkommen, vergebens.
Unsere Konvergenz erschuf eine kugelförmige Barriere aus Alice Eismagie die den Monarch an Ort und Stelle festsetzte, egal in welche Richtung er sich umwandte.
Nun gab es kein Entkommen mehr.
Ich bildete vor uns eine Basis der Energie die sich in das Abbild eines Pfeils wandelte.
Katy fügte ihre Wolfsaura hinzu die in Kombination mit Amaryls Sternenstaub Form annahm und Alice spiegelglattem Eis selbst meinem ehemaligen Verlobten der Blick entgleiten ließ.
Zusammen erschufen wir eine zischende Bestie aus der Magie des Eises, des Sternenstaubs und der Wetterenergie die nur darauf wartete mit der Schnelligkeit eines Pfeils auf Conver losgelassen zu werden.
Ich sah es in seinem Gesicht. Die Wut über den Kontrollverlust und… seine Hilflosigkeit.
Er musste es genau in diesem Moment spüren, sein Versagen.
Ich beobachtete seine Mimik genau, während wir uns auf ihn konzentrierten.
Der Anblick seines Untergangs dem er nicht entkommen konnte musste unerträglich sein.
Mein Blick verengte sich mit jeder Sekunde, während meine Freundinnen gleichzeitig den Befehl an unseren pfeilschnellen Energiewolf aus Sternenstaub und Eis zum Angriff setzten.
Der Blick des Königs schoss orientierungslos umher als suchte er seinen unmöglichen Ausweg. Zwecklos! Unsere Konvergenz war mächtiger als er.
Doch plötzlich schloss Conver die Augen und biss die Zähne aufeinander.
Er ließ seiner Magie freien Lauf die sich im Bruchteil einer halben Sekunde explosionsartig in Alice Eiskuppel entlud.
Ich war nicht fähig etwas dagegen zu tun, als er selbst unseren Angriff damit vernichtete.
Ich hörte das Splittern der Barriere, ehe die Druckwelle uns erwischte.
Meine Freundinnen und ich stürzten zu Boden.
Nur mir gelang es mich mit Hilfe meiner starken Flügel halbwegs abzufangen und auf beiden Beinen zu landen.
Was musste das für eine Macht sein, wenn selbst Enchantix-Feen dem nicht standhalten konnten?
Alice und Katy saßen schockiert und ungläubig am Boden.
Amaryl rappelte sich neben mir wieder auf „Ist er gerade wirklich explodiert?“.
Auch ich hatte keine Erklärung dafür „I-ich weiß es nicht“.
Wie um alles in der Welt hatte er seinen eigenen Körper als Bombe nutzen können?!
„Wo ist er jetzt?“ fragte Katy leicht panisch, die wie wir ihre Augen noch weiter auf die lodernde Feuerkugel vor uns gerichtet hatte.
Alice klang verängstigt „Ist er tot?“.
Ich konnte ihr diese Frage nicht beantworten. Stattdessen musste ich mich selbst fragen:
Hatte meine Mutter etwa unrecht? War es doch Conver den ich mehr zu fürchten hatte als Enzo? Dieser Mann war doch kein normaler Mensch mehr… aber… was war er dann?
Plötzlich löste sich eine Masse, von Flammen überzogen, von dem brennenden Kern ab, welcher damit erlosch.
Es flog durch den Raum, bis sich auch dieses Feuer langsam auflöste und ich sein Gesicht sah.
Ich war wie festgefroren für diese Sekunden. Was auch immer das für eine Magie war, sie ging nicht spurlos an ihm vorbei.
Das rechte Auge, welches er uns einen Moment zuwandte war vollkommen verbrannt.
Seine Haut glühte noch an den in Mitleidenschaft gezogenen Stellen.
Diese Schmerzen… ich wollte sie mir nicht annähernd vorstellen.
Ich folgte seinen Bewegungen mit den Augen wie er sich im Flug weiter von uns wegbewegte.
Er schien zu flüchten, allerdings bemerkte ich zu spät wie zielstrebig er auf einen speziellen Punkt zu flog.
Sie sah ihn nicht einmal kommen und ich reagierte zu spät.
Er flüchtete nicht einfach, sondern flog auf seine letzte Chance zu.
Es war nur ein gezielter Schlag gegen Zillah die in einem reflexartigen Versuch Cinder zu schützen vor sie sprang, ihm jedoch schutzlos begegnete.
Er schlug sie meterweit und schleuderte die Frau dabei durch die sowieso zersplitterten Scheiben ins Leere.
Ich sah die Estrella fallen, doch diese Kriegerin war nicht klein zu kriegen. Mit ihren Fingernägeln krallte sie sich am letzten Vorsprung fest und hing damit am seidenen Faden.
Ich hingegen musste wehrlos dabei zusehen wie Cinder schrie als Conver sie ergriff, eine Klinge zückte und entgegen Ilias Versuch ihn daran zu hindern, am Abgrund mit ihr stehen blieb.
„Halt dich fern!“ fauchte Conver seinem Bruder lediglich zu, der es nicht wagte sich weiter auf beide zu zu bewegen.
Es fehlte nur ein Schritt den der Sarcas bereits andeutete und beide würden in die Tiefe stürzen.
David und Jared agierten indessen geistesgegenwärtig und rannten auf Zillah zu ihr zu helfen.
Ich hingegen schluckte tief, als ich die Arme beschwichtigend anhob „Conver, tu das nicht“.
Er keuchte angestrengt und hielt Cinder das Messer tief an die Kehle, sodass diese keinen Ton heraus bekam und nur verängstigt nach oben starren konnte.
Er begann mich zu fixieren.
„Na, wie fühlt sich das an Varanda?!“ brüllte der König mit einem Unterton der bereits als verrückt einzustufen war. Er lachte, als er verlauten ließ „Ich kenne dich zu gut. Deine tiefsten Schwachstellen. Du bist einfach zu gutmütig um diesen Krieg zu gewinnen. Dabei wäre es vollkommen egal wer hier an Cinders Stelle stehen würde, du würdest sie alle retten wollen, aber… bei ihr tut es dir ganz besonders weh! Da schmerzt es bei euch allen“.
Er funkelte mir so hasserfüllt und irre entgegen, dass ich nicht mehr wusste wie ich ihn einschätzen sollte. So hatte ich ihn nie zuvor gesehen.
Die rechte Gesichtshälfte war glatt komplett verbrannt, ebenso wie der linke Arm. Das Haar angesengt und die Kleidung beinahe vollkommen verkohlt. Sein Arm mit dem er die Klinge hielt zitterte zunehmend. Nur eine falsche Bewegung dabei und er würde sie unbeabsichtigt umbringen.
Alle anderen waren glatt gelähmt und bewegten sich keinen Zentimeter mehr.
Ich nahm die Arme der Kapitulation nach oben und tat zwei vorsichtige Schritte in seine Richtung „Okay Conver, du hast gewonnen. Tu ihr nichts“ bat ich glatt lautlos „Ich gebe auf“.
Doch diesem Kerl entging nichts „An deiner Stelle würde ich stehen bleiben. Nur ein Schritt und das war es für beide von uns. Oder wäre es dir lieber wenn ich ganz in einer Explosion aufgehen würde? Eine nette Technik die mir die liebe Nora gezeigt hat. Ich beherrsche sie nicht perfekt wie man sieht, aber wenn das hier schon mein Ende sein muss, dann verabschiede ich mich mit einem lauten Knall und EUCH ALLE werde ich dann mit mir nehmen“.
Auf einmal war meine Lunge staubtrocken. Er würde sich vollkommen in die Luft jagen? Er würde Suizid begehen nur um sicher zu stellen, dass Callisto hier nicht siegen würde…
Ich musste diesen Verrückten irgendwie von meiner Familie weg kriegen, sofort!
Cinder entrangen nur ein paar quietschende Laute als bekäme sie keine Luft.
Ich prüfte meine Möglichkeiten. Eine Schweißperle rann mir über die Stirn, als mir nur eins kam.
Ich schluckte tief, als ich mit erhobenen Händen einen weiteren Schritt nach vorne tat „Wie schon gesagt, du hast gewonnen… nur lass sie am Leben“.
Es dauerte keine zwei weiteren Schritte, da hatte ich mich zurück verwandelt.
Wehrlos ohne meine Feen-Gestalt und magischen Kräfte eröffnete ich ihm meine vollkommene Kapitulation und Gefangennahme.
Was war ein Königreich ohne das Leben… gar nichts.
„Ich leiste keinen Widerstand mehr… ich habe alles versucht. Ich bin am Ende mit meinen Möglichkeiten. Ich ertrage keine weiteren Tode…“ konnte ich mir eine Träne nicht zurückhalten.
Conver grinste zufrieden „Wusste ich es doch, ohne deinen treuen Schutzherren bist du nichts! Zu schade nur, dass ich mich auf keinen Deal mehr mit dir einlasse. Wenn ich das allsehende Auge nicht haben kann, wird es keiner!“.
Es war ein Moment der wie Stunden an mir vorüber zog.
Conver holte mit der Klinge aus und zog herab.
Ich handelte aus Reflex. Meine Beine bewegten sich wie von selbst.
Es kreiste nur ein Gedanke in meinem Kopf: Meine Familie musste sicher sein!
Ich rannte auf sie zu. Ein Augenblick wie man ihn nicht planen konnte.
Es war Palladium der sich von der Seite zwischen Cinder und die Klinge schmiss.
Er riss meine Schwester mit sich zu Boden. Seine Schulter auf ihrer Halshöhe fing das Messer ab und fügte ihm eine Fleischwunde zu.
Conver, der nicht einmal bemerkte wie der Elf sich ihm genähert hatte, taumelte und kämpfte mit seinem Gleichgewicht an der Kante zur Tiefe.
Doch ich kam ungebremst.
Ein Gefühl als würde im Sprung mein ganzes Leben noch einmal an mir vorbei ziehen, erdrückte ich Conver mit vollem Gewicht und riss ihn mit mir aus dem Thronsaal.
Es war der einzige Weg.
Nur so konnte ich meine Familie vor ihm retten!


Noch 5 Kapitel! Wir kommen dem Ende immer näher.
Unsere liebe Vara hat leider nicht auf den Rat ihrer Mutter gehört, dass Enzo die größere Bedrohung ist. Ob ihr das noch zum Verhängnis wird? Wir werden sehen. Vielleicht wusste Luzia auch nicht, dass Conver entsprechend den Verstand verliert? Kann so etwas einem Stern wirklich verborgen bleiben oder lag es doch an etwas anderem? Ich hoffe ich bringe euch zum rätseln ^^

Übrigens habe ich den Beginn zu meinem neuen Projekt hochgeladen. Schaut doch dort gerne einmal vorbei, denn ohne das Ideenreichtum ein paar toller Leser kann ich es leider nicht umsetzen. Cause It's YOUR STORY ^^

LG Seilix
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