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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
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Dieses Kapitel
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22.01.2021 5.041
 
Palladium stürmte beinahe die Treppen in das Schlossinnere herab. Pluma war ihm dicht auf den Fersen. Die beiden Männer schoben Tine und Cinder dabei beinahe nur so vor sich her.
Die Mädchen waren so gefasst wie er selbst, nachdem Cinder ihnen unter Tränen ihre Beobachtung mitteilte.
Nun zählte jede Sekunde. Sarcas war auf dem Weg zu ihnen.
Sie hatten die Lords überlistet und auch Zillah hatte ihnen nicht mehr helfen können. Die drei standen nun in der Gefangenschaft von König Conver.
Alle! Bis auf eine… Varanda… die Einzige die abgestürzt und in den Wellen jenes Ozeans verschwunden war, den sie von ihrem Balkon aus immer bewundert hatte.
Palladium zwang sich um seiner Fassung als er daran dachte.
Etwas aus seinem Inneren versuchte herauszubrechen und wollte schreien, so hatte er dieses Vorhaben bereits von Anfang an als furchtbare Dummheit empfunden, doch zugleich hatte er die Kraft und Entschlossenheit von ihnen allen verspürt.
Die Krieger die nicht hatten aufgeben wollen, die sich schworen bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Selbst seine eigenen Schülerinnen hatten dem zugestimmt. Sie alle fühlten sich diesem Planeten auf irgendeine Art und Weise verbunden und das merkwürdigste daran war… er fühlte es auch. Diese Verbundenheit zu einem Ort den er zuvor niemals besucht hatte und zuvor nichts von ihm wusste. Ein Planet so trist und sprunghaft wie mysteriös in seiner Natur und Geschichte. Vollkommen faszinierende Phänomene mit noch faszinierenden Lebewesen die auf ihm lebten.
Die Stärke der Bewohner dieses Planeten war einmalig.
Auch er wollte endlich für all das kämpfen, dabei war sein Platz klar vorgeschrieben.  
Sie gelangten zurück in den Planungsraum, in welchem sie bislang alle gemeinsam noch eine jede Schlacht ausgefochten und besprochen hatten.
Die Anderen befanden sich noch immer dort, wenn ihre Gruppe auch erheblich geschrumpft war.
Mit den Feen, die angespannt warteten, sowie den beiden Spezialisten die ebenfalls aufsprangen, als sie ohne Vorwarnung wie aufgescheuchte Drachen durch die Tür brachen.
Palladium rief sofort in die Runde „Wir müssen hier weg und zwar schnell!“
„Was ist los?“ Amaryl war als erste entsprechend allarmiert, doch als Palladium ansetzen wollte um die Situation zu erklären, fiel ihm augenblicklich Cinder ins Wort „Nein! Wir werden hier bleiben und kämpfen! Das ist was Vara gewollt hätte. Sie hätte bis zum Tod gekämpft und so werden wir es auch tun!“.
Der Elf sah sofort wie sich Amaryls Augen erschrocken weiteten.
Natürlich hatte die Prinzessin ihre leicht bebende und vor Wut zerfressene Stimme nicht verbergen können.
Um das von Emotionen geleitete Mädchen ein wenig zu bremsen platzierte er sich ihr entgegen und eröffnete in harter Tonlage „Nein! Was Varanda wollte war, dass Ihr sicher seid!!! Du und Tine! Ihre Familie. Das ist was jetzt wichtig ist“.
„Das hat sie gesagt?“ Tine weitete die Augen.
Die ältere der Beiden schien hin und her gerissen. Sie kannte ihre Pflichten und hatte verinnerlicht wie in einem solchen Moment vorzugehen war, doch wurde auch sie von Trauer und Wut in ihrem Herzen geleitet.
„Wir dürfen uns jetzt nicht von unseren Gefühlen leiten lassen“ warnte Palladium zur Vorsicht „Die Generäle haben ihr Bestes getan. Dass einer von ihnen im Hintergrund ganz andere Fäden gezogen hat war nicht vorherzusehen. Lia und Mathis haben alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Dank dir Cinder haben wir Informationen darüber mit denen sie nicht rechnen und nun liegt es an uns was wir damit machen, aber ich habe eine ganz klare Vorstellung davon…“.
„Palladium, was ist passiert?“ bereits befürchtend umschlang Amaryl ihre Arme. Ihr war die Angst vor einer weiteren schlechten Nachricht klar anzusehen.
Auch der Professor musste einmal tief durchatmen, ehe er antwortete „Sie kommen um das Schloss einzunehmen. Die Lords haben versagt und Varanda ist… weg“.
So unterdrückte er ein weiteres Mal seine eigenen Empfindungen und bemühte sich die Scherben der letzten Hoffnung zusammen zu kehren, die mit Lia und Mathis am Boden in Tausend kleine Teile zersprungen war „Wir müssen uns jetzt entscheiden. Kapitulieren wir oder verlassen wir Callisto und sammeln uns an einem sicheren Ort neu“.
Der Schock, wie der Unglaube eines jeden einzelnen war klar anzusehen.
„Warte… du sagtest Vara sei weg, was heißt weg?“ sprang Katy hysterisch dazwischen.
„Sie ist im Meer verschwunden“ berichtete nun Cinder selbst die so niedergeschlagen um ihre Fassung rang.
Erneut brachen in Amaryl sämtliche Dämme, die ihr Gesicht in Händen vergrub.
Sofort standen ihr ihre Freundinnen zur Seite für die diese Erkenntnis nicht einfacher war, so klammerte sich Alice an ihre Worte „Aber… aber das muss doch nichts heißen! Erinnert euch, Vara ist schon einmal abgestürzt… sie rappelt sich wieder auf und kommt zurück wie damals! Sie muss es!“.
Jedoch begegnete sie nur den gesenkten Blicken der anderen und auch ihr Professor wich diesem bittenden Hoffnungsschimmer aus.
Palladium spürte genau, wenn er sich noch einmal an etwas klammern würde was verloren war… würde er das nicht mehr überleben.
„Was ist mit den Lords?“ fragte David.
Schließlich trat Pluma vor „Espen und Enzo haben sie verraten. Sie sind von einer ganzen Garde überrannt worden. Sie hatten von Anfang an keine Chance… sie haben auch Zillah. Und uns werden sie auch kriegen wenn wir uns nicht langsam zusammen reißen! Wir sind doch nicht so weit gekommen und haben so viel riskiert damit wir jetzt klein bei geben. Ich stimme Palladium jedenfalls zu. Ihr Feen und Spezialisten aus Magix verschwindet von hier und nehmt die Prinzessinnen mit. Das ist der einzige Grund aus dem sie hier sind und unser einziger Trumpf“.
Jared stimmte mit ein „Richtig, Conver will Cinder und Varanda wollte das verhindern. Sie wollte dass wir sie und Tine nach Alfea bringen, also tun wir das, auch für Teiz!“.
„Ihre Opfer waren nicht umsonst!“ untermalte selbst David diesen Anflug von neu gewonnenem Mut den Pluma entflammt hatte.
Dieser legte Palladium eine Hand auf die Schulter „Ich sammle die übrigen Krieger. Wir werden sie solange aufhalten wie wir können. Beten wir, dass es reicht um euch entkommen zu lassen“.
Palladium nickte „Ich danke dir“.
Der Estrella tat die ersten Schritte aus dem Raum zu verschwinden „Aber beeilt euch!“.
Cinder stand noch immer wie gedankenverloren in ihrer Mitte und rang mit ihrer Trauer. An glatt ein und demselben Tag ihren Bruder und ihre Schwester zu verlieren…
Das war viel mehr als einer einzigen Seele zuzumuten war.
Palladium wusste genau wie es sich anfühlte, wenn in wenigen Stunden ein gesamtes Leben auseinander fiel.
Genauso hatte er sich einst gefühlt nachdem er für Athris, seiner einstigen Verlobten, seine Arbeit in Alfea hatte aufgeben wollen und diese ihn kurz darauf einfach verließ.
Für kurze Zeit war er vor dem absoluten nichts gestanden. Seine Existenz und eine Zukunft die in Trümmern lag.
An diesem Tag hätte er niemals geglaubt, dass es ihm den Weg in ein vollkommen anderes Leben bereiten würde und ihm so mit Varanda ein Abenteuer eröffnen würde, welches er noch immer zu keiner Sekunde bereute. Ganz im Gegenteil… er war froh darüber ein Teil von all dem zu sein. Von allem was sie innerhalb weniger Wochen vollbracht hatten.
Sie hatten ein Volk geheilt, einen Planeten vereint und lange verborgene Geheimnisse aufgedeckt und nun galt es seine Mission zu Ende zu bringen: Für Sie!

„Kommt!“ forderte er die Mädchen auf, die ohne Widerworte mit ihm Schritt hielten.
Wie sie vor fünf Wochen diesen Planeten betreten hatten, war es nun Zeit diesen wieder zu verlassen.

*

„Das kann nicht sein… 10 Jahre?“ der Mann sah in die Leere als müsse er die Information erst einmal verarbeiten.
Teiz, der ihm gegenüber saß bemühte sich vorsichtig mit seiner Wortwahl umzugehen. Wie er selbst zuvor bereits festgestellt hatte, bekam man in dieser Dimension nicht das geringste Zeitgefühl mit… unvorstellbar wie sich der blonde Mann fühlen musste bei einer solchen Tatsache mit der er wohl nie gerechnet hatte „Für mich fühlt es sich an, als seien es Wochen… vielleicht Monate, doch niemals Jahre“.  
„Ich kann verstehen wie sich das anhören muss, aber so wie ich hier vor Euch stehe… es ist sehr viel Zeit vergangen“ versuchte Teiz seine Worte vorsichtig zu wählen.
Erneut wurde er von seinem alten Bekannten gemustert.
„Stimmt… du bist ein wirklich stattlicher junger Mann geworden“ lobte Calum ihn ebenso vorsichtig „Ich erinnere mich noch an die Tage, als du durch die Gegend gesprungen bist und ich mit dir Soldat gespielt habe“.
Teiz konnte sich ein Schmunzeln nicht verdrücken „Das ist… sehr lange her“.
Der Vater von Vara und Cinder… der wahre König von ganz Callisto der nun seit mehr als 10 Jahren als verschwunden galt.
Er hatte Calum gefunden! Nun gut… viel mehr hatte Calum ihn gefunden.
„Was ist mit Varanda und Cinder… wie geht es meinen Töchtern?“ entsinnte er sich natürlich sofort.
Teiz konnte nur anfangen zu Lächeln, während er ihm berichtete „Varanda ist eine junge Frau geworden und eine würdige Prinzessin für das Volk. Sie hat an der Alfea Feen-Schule studiert und danach eine Zeit lang dort unterrichtet. Sie ist nun Callistos Schutzfee“.
In Calums Augen legte sich ein sehnsüchtiges Funkeln, welches der Spezialist glaubte nie zuvor gesehen zu haben „Es ist schön das zu hören… sie hat ihren eigenen Weg gewählt. Ich habe mir immer für sie gewünscht, dass sie ihr Leben lebt wie sie es für richtig hält… was ist mit Cinder?“.
„Sie ist fast Varas Abbild“ antwortete Teiz „Sie ist der gütigste Mensch den ich kenne. Sie interessiert sich für Alchemie und hat einen ganz schön harschen Befehlston drauf. Sie ist eine echte Fee“.
Plötzlich begann der König lauthals zu lachen „Das ist wirklich faszinierend. Weder ich, noch Luzia haben derartige Fähigkeiten. Wir sind eine Generation von Paladinen und doch ist es uns gelungen zwei Feen das Leben zu schenken. Sie müssen den guten Geist von Cynthia in sich tragen, ihrer Urgroßmutter“.
„Oder das Blut von Sarcas“ Teiz konnte nicht anders als einen Teil Unbehagen bei diesem Volksnamen in der Stimme mitschwingen zu lassen.
Sofort verfinsterte sich Calums Mine „Sarcas… Teiz, was geht gerade auf Callisto vor sich?“.
„Es tut mir leid Euch das mitteilen zu müssen…“ entschuldigte sich der Schutzherr bereits im Vorhinein, seinen König auf das vorzubereiten was nun kam „… als ich verbannt wurde befanden wir uns mitten im Krieg und Vara führt ihn an. Sie ist die Kriegsherrin… Die Prinzessin Callistos gegen König Conver von Sarcas“.
Er erzählte ihm die ganze Geschichte, von vorne bis hinten. Ab jenem Moment als er einfach verschwunden war, bis zu Teiz Entsendung nach Magix und damit der Trennung von Varanda, über ihre Zwangsverlobung, Varas letzten Ausweg ebenfalls nach Magix zu flüchten, der Enterbung und der neuen Königserhebung bis zum finalen Schachzug des Krieges. Egal wie lange es dauerte. Zeit schien in dieser Dimension sowieso keine Rolle zu spielen.
Calum saß lediglich schweigend da und starrte vor sich hin, mal ihm ins Gesicht. Dabei wirkte er glatt ausdruckslos, sowie schockiert. Die Gesichtszüge waren ihm bereits mit dem ersten Punkt entgleist. All das was sich in den vergangenen 10 Jahren abgespielt hatte war das schlimmste was sich Calum hätte vorstellen können, das konnte Teiz ihm mit jedem Wort ansehen.
„Hat ER dich hierher geschickt?“ fragte der König schließlich „Enzo?“.
Teiz konnte nur nicken. Dieser Verrat saß noch immer tief, sowie die Enttäuschung darüber einen solch wichtigen Freund auf so brutale Weise zu verlieren.
„Ich verstehe“ Calum erhob sich von seiner Position und ging ein paar Schritte „Mich ebenfalls. Damals, als ich herausfand dass sich Oritel und Marion in Obsidian befanden. Ich war mit Enzo auf dem Weg Hagen einen spontanen Besuch abzustatten, als er seine Chance ergriff“.
Teiz wünschte, dass ihn diese Tatsache überrascht hätte, doch nach allem was Enzo ihm bereits offenbart hatte war auch das keine Neuigkeit mehr.
Er ballte die Hände zu Fäusten „Wir müssen zurück und das alles endlich richtig stellen, bevor er den Prinzessinnen noch etwas antut!“.
Calum jedoch schloss nur reuend die Augen „Das geht nicht… ich versuche bereits seit 10 Jahren aus diesem verfluchten Ort zu entkommen, vergebens“.
Der Spezialist sprang auf „Ihr müsst etwas übersehen haben! Irgendwie müssen wir hier raus kommen“.
Erneut sah ihn der blonde Mann an „Deine Entschlossenheit gefällt mir… mit dir… vielleicht gibt es da wirklich eine Möglichkeit… Folge mir Teiz“.

*
Noch immer hielt sie sich die schmerzende Schulter, während die Prinzessin voran torkelte.
Sie glaubte, dass ihr der Atem bereits in der Lunge gefror und in ihren nassen Klamotten zerrte die Kälte noch schlimmer an ihrem Körper.
Der Atem kroch ihr aus Mund und Nase der sich als sanfte Wölkchen sogleich wieder über sie hinweg verflüchtigte.
Nur schwer hatte Varanda sich auf quälen können um die ihr immer länger erscheinenden Gänge dieser Höhle entlang zu kommen, doch liegen bleiben war keine Option.
In kürzester Zeit wäre sie in der Kälte erfroren, zudem musste sie auf schnellstem Weg einen Ausgang finden.
Nicht vorzustellen was Conver mit Lia, Mathis und Zillah anstellen würde.
Kurz musste sie sich an der Felswand anlehnen um zu pausieren und zu verschnaufen.
Ihre Kräfte neigten sich langsam dem Ende und jeder Schritt war ein Kraftakt.
Wie weit konnte es noch bis zum nächsten Ausgang sein?
Ihre kleine magische Lichtquelle, die ihr zumindest ein wenig den Weg leuchtete, wurde ebenfalls immer kleiner.
Was hätte sie in diesem Moment für Glimms leuchtendes Bäuchlein gegeben.
Mit neuer Entschlossenheit und dem kurzen Aufwand ihrer Kraft, stieß sie sich wieder von der Wand ab und taumelte weiter.
Ihr gelangen nur kleine, ungerade Schritte mit dem Wetterzepter, das sie als letzten Anker noch immer so verkrampft mit beiden Händen gepackt hielt, um zu verhindern nicht plötzlich zusammen zu brechen, doch lange würde Vara das nicht mehr durchhalten.
Der Gedanke an Alice, Katy und Amaryl ließ sie weiter gehen. Ihre Familie verließ sich darauf, dass sie in ihrem Vorhaben Erfolg hatte.
Tine und Cinder wünschten sich nichts sehnlicher als dass sie zurück kam und außerdem wusste sie nun was mit Teiz geschehen war. Sie musste ihn finden sobald all das vorüber war, egal um welchen Preis!
Und Palladium… der Mann dem sie ohne Bedenken ihr Herz geschenkt hatte.
Ihr ehemaliger Professor der immer so viel riskierte nur damit sie den richtigen Weg für sich fand.
Dieses Mal musste sie diesen Weg ohne ihn finden.
Gerade als sie aus ihren Gedanken aufsah um zu sehen wo sie inzwischen gelandet war, stoppte sie überrascht.
Vor ihr erstreckte sich der Tunnel aus dem sie kam in einen riesigen Raum.
Er lag vollkommen dunkel danieder, doch der Boden wandelte sich von dem grauen, unebenen Stein der Höhle in eine glatte Spiegelfläche.
Nur vorsichtig trat sie darauf zu, konnte aber durch die Dunkelheit keine Wände des Raumes ausmachen. Nur ein paar Säulen wie aus purem Eis traten in ihr Blickfeld.
Vorsichtig tat Varanda den ersten Schritt auf den Untergrund aus Spiegeln und tatsächlich...
Sie sah sich selbst darin wieder. Wie furchtbar sie aussah… durchnässt, kreide bleich und ihre Lippen verfärbten sich langsam in einen lila-blassblauen Ton. Sie war vollkommen unterkühlt, dennoch hielt sie das nicht davon ab weiter zu gehen.
Beeindruckt dieses Monumentes inmitten eines Berges trat sie durch zwei der Säulen hindurch.
Die Prinzessin wusste es sofort. Sie hatte die Kammer der Könige gefunden!
Schritt für Schritt bahnte sie sich ihren Weg bis zur Mitte des Raumes vor, als es um sie plötzlich zischte.
Erschrocken wandte sich Varanda im Kreis, das Zepter bereits allarmiert vor sich erhoben und sah wie sich Licht an den Wänden der Kammer entzündete.
Große, fast durchsichtige Schalen wie aus Kristall standen mit geraumem Abstand an den Wänden. Sie waren wunderschön verziert.
Jede einzelne entzündete sich mit einer kleinen magischen Energiequelle wie von Geisterhand.
Nun war der Raum hell erleuchtet und in ein kühles Licht getaucht.
Staunend sah sich die Prinzessin um. Die Decke war so hoch, dass sie sich bis außerhalb der Lichtquellen erstreckte. Dass so etwas in einem Berg existieren konnte… hätte ihr Vater ihr von so etwas erzählt hätte sie es sicher nicht geglaubt, dabei fühlte sie sich mit dem ersten Anblick wohl.
Als sei sie mit etwas verbunden dass sich in dieser Kammer befand.
Konnte es tatsächlich ihr Geburtsrecht sein diesen Ort hier und heute aufzusuchen?
Varanda trat weiter durch die Säulen und sah es schließlich.
Das wonach sie suchte. Der Schrein! Am anderen Ende des Raumes befand sich ein spiegelglatter Tisch mit perfekt geschliffenen Kanten. Das sich spiegelnde Kristall zeigte eine Magiequelle die darin eingearbeitet war.
Der Kern der sich in der Kammer befindlichen Energie und Magie.
Geradezu erleichtert das was sie suchte doch endlich zu finden, ließ sie sich davor auf die Knie fallen und faltete bereits die Hände um zu beten.
Nur nebenbei fiel Varanda die Spiegelwand an dieser Seite auf.
Sie spiegelte alles in der Kammer der Könige wieder, befand sich jedoch nur auf dieser Seite hinter dem Schrein.
Leider blieb ihr nicht die Möglichkeit dieses einmalige Phänomen länger zu bestaunen.
Sofort vertiefte sich Vara in ihr Gebet, da sie nicht wusste wie viel Zeit ihr blieb, ehe Conver das Schloss erreichte „Tyrian, hellster unter allen Sternen. Hör mich an. Ich brauche dich und deine Kraft um mein Volk zu retten. Ich bitte dich, zeige mir die Richtung und lass mich deiner Gaben zuteilwerden…“
Sie wartete einen Moment, doch nichts passierte, also vertiefte die Fee ihr Gebet „… Errette die magischen Wesen dieses Planeten die dich so verehren. Mache mir dein Geschenk, damit ich sie auch weiterhin in deinem Namen schützen kann. Hilf mir“.
Während Varas weiterer Worte in welchen sie die Augen fest geschlossen hielt, bemerkte sie nicht wie sich in dem Spiegelbild etwas tat und sich dem Schrein hinter ihr näherte.
Erst als die Prinzessin die Augen öffnete und aufblickte erkannte sie es.
Ein schemenhaftes Wesen in Menschengröße, wie in Nebel eingehüllt hielt es sich vor ihr.
Sah so ein Stern aus? Eine leuchtende Wabe?
Überrascht blickte Varanda hinter sich, doch dort war nichts.
Es erschien ihr lediglich im Spiegel.
Nachdem keine weitere Regung des Wesens kam, fragte sie „Tyrian?“.
„Tyrian wird nicht mit Euch sprechen Prinzessin, da er Euch nichts geben kann“ die Stimme die aus den Wänden erklang war weiblich.
Vara erhob sich „Was soll das heißen?“
„Ihr erbittet die goldenen Flügel Prinzessin Varanda, doch diese Gabe ist bislang noch eurem Vorgänger zuteil“ erklärte sie ihr.
„Mein Vorgänger?“ fragte sie verwirrt „Aber mein Vater…“.
„Er ist nicht bei Euch, doch er lebt“ erklärte das Schemen sofort „Und er wird zurückkehren. Unsere Familie wird bald wieder vereint sein. Der Tag nach dem ich mich bereits so lange sehne“ sprach sie weiter.
Varanda weitete die Augen „Was?“.
Nach und nach bemerkte sie wie das Wesen eine Form bekam. Das Licht wandelte sich in eine klare, menschliche Gestalt und ihr Gesicht nahm Züge an. Sie sahen beinahe aus… wie ihre eigenen. Das Haar war seidig und in dunklem Grün.
Vara konnte es kaum glauben wer in diesem Moment vor ihr stand.
Ungläubig trat sie zum Spiegel vor und blickte der Frau näher ins Gesicht.
Sie trug ihr schönstes Ballkleid in Aprikot, das Haar mit Bändern verziert und in der Blüte ihrer Jahre stand sie dort.
Ihre ozeanblauen Augen betrachteten die Prinzessin mit so viel Liebe, während sie ihre Hand erhob als wolle sie das Mädchen durch das Glas berühren.
Vorsichtig erwiderte Varanda diese Geste, konnte es jedoch nicht verhindern, dass die heißen Tränen in ihr aufquollen, „Du bist es…“ kam es beinahe stimmlos aus ihr.
„Meine kleine Tochter“ entgegnete die Frau „Du bist so groß geworden“.
Obwohl sie zu Lebzeiten niemals das beste Verhältnis zueinander gehabt hatten und Varanda sich nur bedingt an sie erinnern konnte, spürte sie sofort diese Sehnsucht nach ihr. Das Haar und die Augen würde sie niemals vergessen und sie konnte nicht anders als sich in diesem Augenblick in ihre Arme zu wünschen „Du hast uns so früh verlassen…“.
„Aber dafür habe ich immer über euch gewacht“ entgegnete die Königin „Als der hellste Stern über dem Schloss“.
Ihre Tochter weitete die Augen „Das bist du? Cinder war immer davon überzeugt, dass es Tyrian sein muss“.
Ihre Mutter nickte „Das weiß ich, doch Tyrian steht über Sarcas wie er es immer schon tat. Er spricht nur mit ihr über eine lange Entfernung. Nach meinem Ableben rief er mich zu sich, bei den anderen Sternen am Himmel zu stehen“.
„Ist es das was nach dem Tod mit uns passiert? Wir werden zu Sternen?“.
„Nicht alle“ erklärte die Königin mit sanfter Stimme „Nur wenige werden dazu auserwählt ihren Platz am Sternenhimmel einzunehmen. Alle anderen erwartet ein anderes Leben, doch mehr weiß ich auch nicht darüber“.
Die Prinzessin kam nicht umhin als vor Stolz ihre Mutter anzulächeln. Sie war ein Stern am Himmel und wachte jede Nacht über Callisto.
„Ich habe dein Lebensbuch gefunden… seit dem kann ich dich und wie du warst endlich verstehen“ bekam die Prinzessin das Bedürfnis sich zu erklären, doch die Königin schüttelte lediglich den Kopf „Alles ist gut Varanda, ich wusste dass du eines Tages begreifen würdest, aber nun musst du mir sagen was du genau hier willst“.
Sofort wurde die Fee wieder in das hier und jetzt und in die Lage zurückgeholt in der sie sich eigentlich befand „Es sind meine magischen Kräfte. Ich kann mich nicht mehr verwandeln. Ich dachte es würde daran liegen, dass ich die goldenen Flügel erbitten müsste, aber wenn das nicht geht… was ist es dann?“.
Plötzlich trat Luzia beiseite und gab damit die Sicht auf das Spiegelbild ihrer Tochter frei „Sieh dich an und sag mir was du siehst“.
„Ich sehe… mich…“ überlegte sie vorsichtig, doch das schien ihrer Mutter nicht zu reichen „Und was noch?“.
„Eine… Fee?“.
„War das etwa eine Frage?“ tadelte die Königin bereits erbost.
„Nein! Ich bin eine Fee!“ bekräftigte die Prinzessin sofort, da sie diese ernste Miene ihrer Mutter noch zu gut kannte. Bei ihr gab es keine Fragen, nur Antworten.
Luzia nickte zufrieden „Soll ich dir sagen was ich sehe?“
Im Spiegel konnte Varanda beobachten wie Luzia hinter sie trat und ihr dabei im Spiegelbild die Hände auf die Schultern legte.
Kurz zuckte die Fee zusammen, als ihre Finger ihre Haut hätten berühren müssen, doch sie spürte nichts und schluckte lediglich.
„Ich sehe ein Mädchen das noch so viel mehr ist. Ich sehe eine Fee, das ist wahr, aber ich sehe auch eine Schwester, eine Prinzessin und eine Tochter. Ich sehe eine treue Freundin, eine Anführerin, eine Drachenreiterin und eine kluge Professorin. Ich sehe das Blut des Paladins in dir, das Blut Callistos und das von Sarcas“.
Je weiter sie sprach umso mehr spürte Varanda etwas in sich aufwallen. Die Kälte war vollkommen aus ihrem Körper gewichen, dafür füllte er sich mit Wärme, Liebe und Kraft. Etwas passierte mit ihr. Schließlich sah sie die magischen Partikel aus sich austreten. Langsam aber sicher wurde sie eingehüllt wie in einen warmen Mantel.
Der Schmerz ihrer Schulter verschwand als Luzia meinte „Ich sehe einen puren Diamanten reiner Energie in dir. Du sprudelst geradezu über vor Magie, Licht und Farben. Es wird Zeit, dass du sie erweckst. Du bist bereit diesen Kampf zu führen. Ich bin so stolz auf dich Varanda“.
Kaum hatte sie das ausgesprochen nahm das Licht um die Prinzessin überhand.
All diese Worte… die echten Worte ihrer Mutter… diese Anerkennung nach all der Zeit.
Es entfachte diesen Schub magischer Energie der sie umgab und Vara spürte, dass etwas
in ihr geschah.
Als sie kurz darauf wieder um sich blicken konnte bemerkte sie, dass ihre Füße nicht mehr den Boden berührten.
Staunend wandte die Fee sich im Kreis „Ich habe Flügel!“.
Doch etwas war anders… es waren nicht mehr ihre Flügel. Das hier war nicht ihr Enchantix, ganz im Gegenteil.
Mit jedem Flügelschlag konnte sie die Federn ihrer übermächtigen Schwingen sehen.
Eine jede schimmerte durchsichtig und leuchtete in den Farben des Regenbogens wie ein Prisma.
Der seidig weiche, eng anliegende Stoff schmiegte sich geradezu um ihren Körper.
Der an ihrer Oberweite mit hellblau beginnende, über violett bis ins rosa übergehende Stoff war wie eine zweite Haut und endete erst an ihren Fußknöcheln. Er funkelte in einem wie ihr schien aufwändigen Muster über dem Material.
Sie spürte das angenehm kühle Metall des goldenen gradlinigen Rankenmusters das ihre Füße umspielte und sich bis zu ihren Waden hinauf erstreckte.
Ansonsten lagen die Zehen, sowie die nackten Füße vollkommen frei.
Dasselbe goldene Metall spürte und sah sie um ihre Handgelenke das sich bis zu ihren Schultern erstreckte.
Ein paar wenige azurfarbene Bänder rundeten das Feen-Kostüm ab die ebenfalls ihr Haar zierten und gebändigt hielten.
Erst zuletzt entdeckte sie das weiß glänzende Tuch um ihre Taille, auf welchem die Silhouette eines Blitzes zu sehen war, ihr Wappen!
So unwirklich wie ihr all das in diesem Moment vorkam drehte sich Varanda noch einmal um sich selbst, wobei sie die Stärke ihrer neuen Schwingen feststellte.
Sie sahen nicht nur mächtig aus, sie waren es auch… die gefederten Flügel wie jene eines Paladins, doch nie zuvor hatte sie ein solches Farbenspiel gesehen.
Ungläubig schüttelte sie den Kopf und fragte verwirrt „Was bin ich?“.
„Eine Fee“ antwortete ihr ihre Mutter die sich noch immer nicht aus ihrem gespiegelten Dasein gelöst hatte „Das hat sich nie geändert, doch du stammst von Paladinen ab mein Kind: Von mir. Du bist meine Tochter, die Prinzessin… Ich sehe… eine starke, selbstbewusste junge Frau die eines Tages die geborene Königin sein wird, doch nicht heute“.
Vara konnte nicht anders als noch immer über das zu staunen was in ihr verborgen lag. Sie hatte die ganze Zeit gehofft ihr Enchantix zurück zu erlangen, doch das war… so viel größer.
Schließlich wendete sie sich erneut ihrer Mutter zu „Du sagtest vorhin, dass er zurück kommt… was meintest du damit?“.
Die Frau vor ihr begann zu lächeln „Sie sind auf dem Weg Varanda und sie brauchen nicht mehr lange“.
Wie Zillahs Backpfeife die die Prinzessin wachrüttelte um das zu sehen was genau vor ihrer Nase lag, verstand sie mit einem Mal ein jedes von Luzias Worten. Sie flüsterte kaum verständlich „Teiz hat ihn gefunden… Enzo hat sie beide verbannt“.
Wohl zufrieden mit der Erkenntnis ihrer Tochter ließ Luzia ihre Hand durch die Luft gleiten, worauf sich der Spiegel in welchem sie sich befand in seiner Mitte teilte.
Sie gab damit einen Weg frei den Varanda nur noch beschreiten musste.
Vorsichtig trat sie vor, suchte dabei noch immer hilfesuchend den Blick ihrer Mutter die sie jedoch nickend ermutigte weiter zu gehen. Noch würde sie ihr nicht von der Seite weichen.
Der Tunnel war wie ein einziger Spiegel der sein erblickendes Bild von allen Seiten zeigte.
Alle Flächen waren unberührt als habe dieser Gang nie ein Staubkörnchen gesehen.
Luzia hielt mit der Fee Schritt, während diese sich noch vorsichtig voran tastete und beruhigte „Hab keine Angst. Du bist bereit. Erinnere dich nur daran wer der wahre Feind ist“.
Vara wandte den Blick gen Boden „Der wahre Feind…“ sie wusste genau wen ihre Mutter meinte.
„Ich weiß dass Conver und du eure Differenzen hattet und du dich ihm entgegen stellst, weil er als Kriegsherr deinen Gegenpol darstellt. Er hat Macht die ihn seinen Verstand verlieren lässt, doch denk daran weshalb er das ist. Wer ihm erst den Weg in diesen Krieg eröffnet hat. Denk daran wer unsere Familie bereits seit Jahrzehnten gegeneinander ausspielt“.
Die Fee atmete tief aus „Enzo…“.
„Und nun komm!“ rief Luzia kurzerhand aus und ließ selbst ihre perlweißen Engelsflügel erscheinen „Es wird Zeit, dass du hier raus kommst!“.
Ohne zu warten schoss die Königin los.
„Warte!“ rief Varanda erschrocken und tat es ihr gleich.
Es brauchte lediglich zwei kräftige Schläge ihrer neugewonnenen Flügel und sie hatte ihre Mutter mit Leichtigkeit aufgeholt „Sie sind unglaublich stark“.
„Sehr gut“ lachte diese nur „Ich wusste, dass du dich schnell an sie gewöhnst“.

Mehr wie ein Impuls war die Prinzessin einfach losgeschossen als sei diese Form schon immer die ihre gewesen. So vertraut und einfach, wie es das Enchantix nie gewesen war.
Luzia im Spiegel an ihrer Seite, flogen sie einfach nebeneinander her bis zum Ausgang.
Ein so unwirklicher Augenblick, so vertraut und nah als sei die Königin wieder zum Leben erwacht.
Als sei sie niemals weg gewesen, doch das Ende davon kam viel zu schnell.
Die Frauen stoppten und landeten vor einer dichten Felsenwand. Der Weg war darunter begraben.
„Sie haben den Durchgang versperrt“ stellte Luzia besorgt fest, doch ihre Tochter sah sie selbstsicher an „Das ist nichts was mich aufhalten könnte“.
Zufrieden wurde sie von ihrer Mutter gemustert „Das ist meine Tochter“.
„Keine Sorge, ich werde Callisto befreien“ versicherte Vara zuletzt, nachdem sie ein letztes Mal ihre Hand gegen das Glas legte.
Die Königin tat es ihr gleich. Fingerspitze auf Fingerspitze und doch war die Berührung nicht wahrzunehmen.
Als Varanda sich löste breitete sich in ihr, trotz des Abschiedsschmerzes ihre Mutter ein weiteres Mal zu verlassen, eine anhaltende Wärme aus.
Ein letzter Blick zurück, als sie sich vor ihrem Ziel platzierte und zuletzt aussprach „Ich wünschte Teiz könnte hier sein. Ihm hätte es viel bedeutet noch einmal mit dir zu sprechen“.
Erneut schmunzelte Luzia „Keine Sorge, ich wache auch über ihn“.
Mit diesen letzten Worten bündelte Varanda ihre neu entfachten Kräfte und ließ den gesamten Berg durch eine gewaltige Explosion erzittern.
Sie schoss sich den Weg mit Leichtigkeit frei und erhob sich in die kühle Luft des Winters über Callisto.
Jetzt war der Moment gekommen ihre Überzeugung durchzusetzen!
Bereits den Anflug nehmend sich den Weg in die Stadt zurück zu suchen, hielt sie sich jedoch zurück, als ihr ein Drache auffiel der sich den Weg durch die abgesackten Wolken bahnte.
Als sei dieses Bild nicht schon merkwürdig genug, aufgrund der Tatsache, dass Drachen Rudeltiere waren, entdeckte sie einen Reiter auf dessen Rücken.
Vollkommen alleine legte er ein Tempo vor, als ginge es um Leben und Tod.
Je weiter er flog, desto weiter löste er sich aus den Wolken und umso klarer erkannte Varanda die Rüstung von Sarcas.
Sie weitete die Augen, als sie den Reiter erkannte.

Es war Ilias! Convers jüngerer Bruder!



Hallo ihr lieben,

ein neuer Freitag und damit auch ein neues Kapitel. Varanda hat endlich ihre Kräfte zurück und ich weiß, dass es längst Zeit dafür war. Die Szene mit Luzia war mir dabei irgendwie ein Anliegen und ich hoffe, dass es mir so emotional gelungen ist wie es beabsichtigt war. Indessen nimmt nun Palladium das Ruder in die Hand und will alle zurück nach Magix bringen, obwohl Cinder damit nicht so ganz einverstanden ist und was mit Teiz und Calum noch passiert... wir werden sehen ^^ Ich bedanke mich wie immer bei allen Lesern und bin wie immer gerne bereit für feetback.

P.S. Noch 8 Kapitel bis zum Ende!

LG Seilix
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