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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
40
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Dieses Kapitel
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02.01.2021 5.780
 
Palladium rannte durch die Gänge.
Nach der aufschlussreichen Befragung Dragomirs hatten er und Tine nur noch 1 und 1 zusammen zählen müssen.
Der Feind war noch immer unter ihnen und mit Sicherheit näher als jemals zuvor.
Sie war es! Nora! Von Anfang bis Ende!
Sie war Athmos Schülerin gewesen, damit der Alchemie bestens vertraut. Sie wusste über alles Bescheid, kannte die Gepflogenheiten des Schlosses und deren Bewohner. Sie war Convers Kontaktperson. Sie musste es sein, doch warum… was war ihr Motiv?
Das einzige Puzzelteil das noch fehlte…
Palladium hielt keuchend an einer Gabelung.
Wieso war dieses Schloss nur so verdammt groß?!
Er kannte seinen Weg genau und doch glaubte er die Räume des Alchemisten niemals rechtzeitig zu erreichen.
Endlich gelangte er um die letzte Ecke und blieb erschrocken stehen.
Die Tür zu den Laboren war nicht geschlossen.
Der Elf selbst hatte in den letzten Wochen am eigenen Leib erfahren wie genau es Athmos mit seiner Privatsphäre und dem Ausschluss ungebetener Gäste nahm.
Niemals in diesem Leben würde er den Eingang seiner Labore geöffnet lassen!
Wie allarmiert versuchte Palladium bereits vorsichtig sich zu nähern, zu lauschen und etwas in dem dunklen Raum zu erkennen. Nichts…
Dort waren sie nicht… möglicherweise tiefer in den Laboren.
Gerade als er eintrat um sich schnell seine Vermutung zu bestätigen, dass er sich wohl einfach zu viele Sorgen machte und ihm diese passive Art an dem Krieg teilzunehmen mehr an die Nieren ging als er glaubte, schrie es aus dem Inneren.
Der Schrei von einem jungen Mädchen. Ein Schrei der ihm durch Mark und Bein ging.
Ein Schrei der ihm die Nackenhaare aufstellte. Ein Schrei, wie es ihm ein Déjà-vu aus Erinnerungen durch den Kopf rauschen ließ.
Ein Schrei wie er ihn schon einmal in Alfea gehört hatte, als Varanda ihrer Kraft beraubt dem Schattenwesen des Avalon vor die Füße gefallen war. Genau das war dieser Schrei.
Als würde sein Herz zwei Sekunden lang aussetzen, schaltete sich sein logischer Verstand aus.
Durch den ersten Raum gestürmt, bahnte er sich den bekannten Weg durch das Dunkel in die Richtung aus der er die Stimme vernommen hatte.
Mit aller Wucht und unter Einsatz seines gesamten Körpers stieß er mit einem Mal die letzte Tür auf.
Noch einmal würde er nicht versagen!
Ihm blieb keine Zeit die Gesamtsituation zu überblicken, so beschwor er sein goldenes Schwert und hielt im Sprint auf die Frau aus den Schatten zu, welche keine andere Wahl hatte als mit einem Messer, welches sie bei sich trug und bis eben noch der Prinzessin an die Kehle gehalten hatte, zu parieren.
Diese wich unter der Tirade an folgenden Angriffen zurück und ließ sich in die nächste Ecke treiben, ehe Palladium ein erstes Mal schnaufend inne hielt „Cinder?!“.
Das Mädchen, welches er damit aus der Gefahrenzone befreit hatte und bereits dem am Boden liegenden Priester aufhalf, beruhigte sofort panisch „Mir geht’s gut“.
Kaum hatte Palladium die Gewissheit, wendete er seinen wütenden Blick wieder Nora zu.
Die Klinge hielt er ihr dabei mit der Spitze nah am Körper.
Er hatte sie sofort wiedererkannt. Dragomir schien recht zu behalten. Das war ein abgekartetes Spiel mit einem Sündenbock.
„So, so, so, der sanftmütige Alchemist ohne Gesicht“ belächelte ihn die Frau argwöhnisch als würde sie ihre Lage als nicht annähernd so misslich betrachten, wie sie derzeit für umliegende Leute aussah „Ich habe mich schon gefragt wann du wohl dahinter kommen wirst. Der Hellste bist du ja wirklich nicht“.
Der Elf verengte die Augen in ihrer Gegenwart „Du spuckst ganz schön große Töne dafür das du allein da stehst. Nenn mir einen Grund weshalb ich dir nicht sofort die Kehle aufschneiden sollte!“.
„Buhu“ machte sie sich lediglich über ihn lustig und schlug mit dem Metall ihres Messers gegen das Schwert, sodass Palladium von der Haltung auf ihre Brust ablassen musste „Ich bitte dich. Du bist viel zu weich dafür, das wusste ich ab dem ersten Moment in dem ich dich gesehen habe. Du würdest keiner Fliege etwas zuleide tun. Nein, das schmutzige Geschäft überlässt du lieber den wahren Soldaten. Den Menschen die in diesem Moment auf dem Schlachtfeld stehen und wirklich versuchen uns aufzuhalten. Deinen Schülern, Sr. Teiz und nicht zu vergessen, Prinzessin Varanda, deiner Geliebten“.
Die wachsende Wut in Palladium nahm überhand „Lass sie aus dem Spiel. Du schleichst in den Schatten des Schlosses umher und wartest nur auf deine Gelegenheit?! Wieso kamst du zu mir?! Was bezweckst du damit?“ knurrte Palladium bedrohlich „Denkst du wegen den paar Unterhaltungen würde ich dich laufen lassen?!“.
„Das war meine Mission“ entgegnete sie so ruhig als sei das als selbstverständlich zu verstehen „Ebenso wie es deine war die Prinzessinnen von hier weg zu bringen“.
„Du hast von Anfang bis Ende alles belauscht, nicht wahr?!“ wurde dem Elf in diesem Moment so einiges klar.
„Wir haben unsere Augen und Ohren überall“ grinste sie ihm weiter rotzfrech ins Gesicht „Absolut ALLES!“.
Der Professor weitete die Augen. Etwa wirklich ALLES?!
„Palladium! Hör nicht auf sie!“ brüllte plötzlich Cinder dazwischen „Sie versucht dich zu ködern, das ist ihre Taktik“.
„Taktik?“ belächelte die Rothaarige nur „Quatsch, ich versuche ihm nur etwas klar zu machen. Deine, ach so geliebte Varanda… was sollte sie noch mit dir wollen wenn dieser Krieg erst vorbei ist? Denkst du wirklich für euch könnte es ein Happy End geben?“.
„Hör auf!“ fauchte Cinder weiter, doch Nora fuhr fort „Ich bitte euch. In Wahrheit hat doch keiner von euch geglaubt, dass eine solche Beziehung wirklich halten könnte Prinzessin Cinder. Die Prinzessin… DIE Kronprinzessin von Callisto“ korrigierte sie sich sofort um dem Ganzen eine noch höhere Bedeutung zuzuweisen „Varanda, die dabei ist ihren Thron zurück zu erobern, die kaum Zeit für ein derartiges Spielchen haben wird sobald sie einmal Königin ist. Sie wird ihn schneller fallen lassen als eine heiße Kartoffel und ihr alle wisst das, dennoch empfand es keiner als nötig ihn darauf hinzuweisen.“
Schließlich trat sie einen Schritt näher an Palladium heran „Ich bitte dich. Eine Prinzessin und ein Professor. Das ist kein Märchen, sondern die harte Realität. Eure Beziehung hat niemals bestand. Ihr wart von Anfang an zum Scheitern verurteilt und ich bin mir sicher, tief in deinem Inneren hast du das immer gewusst. Ihr wird ihr Status und das Wohle des Volkes immer wichtiger sein als du. Für dich gibt es in ihrem Leben doch überhaupt keinen Platz. Du bist ein Spielzeug das ihr gerade gut tut, mehr nicht“.
Cinder, die sich schweren Herzens hörbar einige Worte herunter schluckte, versuchte erneut entgegen zu wirken „Das ist nicht…“.
„Es ist gut Cinder“ unterbrach Palladium sie jedoch der den Blick zu Boden gelenkt hatte „Ich weiß wie es ist. Ich weiß, dass keiner jemals geglaubt hat, dass das funktionieren kann… ich am allerwenigsten! Ich weiß was ich bin und ich weiß was sie ist! Es gibt niemanden der weiter voneinander entfernt sein könnte. Ich weiß als was ich hier bezeichnet werde. NUR ein Professor, ein Elf noch dazu. Ich bin kein Prinz das stimmt, auch kein Krieger. Ich weiß selbst nicht wie das alles so weit gehen konnte… wann wir auf diesen Weg abgebogen sind. In Alfea schienen wir uns so nah und hier… sind wir weiter entfernt denn je…“.
Stille lag im Raum. Cinder getraute sich nicht dem etwas entgegen zu setzen, genauso schwieg Athmos dazu, der sich kaum auf seinen eigenen Beinen halten konnte.
Nora, die mit triumphierendem Grinsen die Arme vor der Brust verschränkte, wirkte zufrieden bis Palladium entschlossener denn je aufsah.
Ein paar Tränen die er sich in jenem Moment selbst eingestand „Und dennoch… jede Sekunde… stand sie zu mir. Ich habe keinen Grund an ihr zu Zweifeln und falls doch… falls auch nur ein Funken Wahrheit in dem stecken sollte was du sagst… dann werde ich es hinnehmen! Dann akzeptiere ich es… denn ich bin dankbar… dankbar allein für die Zeit die wir hatten!“  
Er wirkte einen Lichtzauber, welcher Nora aufschreien ließ.
Vollkommen geblendet und von der Energie umgeben begann sie zu brüllen „Wie kannst du?! Hör auf meine Worte! Sollte sie nach diesem Krieg noch einmal zurückkommen, dann wirst du bereits Luft für sie sein! Du wirst der letzte sein um den sie sich scheren wird!“ brüllte Nora aufgebracht „Nein, sie wird dich noch nicht einmal bemerken, weil ihr absolut alles auf diesem Planeten wichtiger ist als du!!!!“
„Dann wird es so sein“ äußerte sich Palladium der Akzeptanz „Zumindest wirst du dann keine Gefahr mehr für sie sein“.
„Das hat ein Nachspiel“ fauchte die Rothaarige „So schnell werdet ihr mich nicht los“.
„Hiergeblieben!“ rief Palladium und hielt ein weiteres Mal auf Nora ein, doch diese war mit dem nächsten Schritt nach hinten bereits verschwunden.
Sie löste sich in den Schatten auf, sodass sein Schwert ins Leere schlug.
Sowohl überrascht, wie verblüfft sah er sich hastig um, nicht erneut das Ziel eines unvorhersehbaren Angriffs zu werden, doch es blieb ruhig.
Sie war weg.

*

Das Schloss füllte sich der zurückkehrenden.
So waren die Flure bis vor wenigen Stunden noch der gähnenden Leere geglichen, kehrte kurzerhand das Leben ein.
Die von Dreck und Schmutz übersäten Soldaten kamen schweißgebadet und teils von blutigen Wunden gezeichnet in die vor Kälte schützenden Hallen zurück.
Mit glatt durchgefrorenen Fingern und Zehen schleppten die noch kampffähigen Männer und Frauen ihre verwundeten Kameraden in die Flure.
In nur wenigen Minuten hatte sich der Schneesturm über den halben Planeten gezogen und ebenso schnell brachen die Truppen den Kampf gegen ihre verfeindeten Mächte ab.
Sie alle suchten Schutz in den geborgenen, starken, sowie sicheren Wänden des Schlosses.
Kurzerhand glichen die Räumlichkeiten, die einst lediglich der königlichen Transaktion gewidmet waren, einem Lazarett.
Die Bediensteten sprangen unter der strengen Anweisung des Hofpriesters nur so umher ihre verwundeten gleichgesinnten zu verarzten.
Palladium tat es ihnen gleich, der eine Blutung nach der anderen stoppte.
Mit Pausieren des Krieges begann nun seine Arbeit: Diese bestand lediglich darin weitere Leben zu retten.
Keiner blieb hier untätig wie der Elf feststellen musste, nicht einmal die Prinzessinnen selbst, die sich mit einer kurzen Kehrtwende seinerseits, sich weiteren Patienten zuzuwenden, plötzlich genau hinter ihm befanden.
Alle beide, Cinder und Tine mit entschlossenem Blick, worauf die Ältere verlangte „Sag uns was wir tun können“.
Zwar war sie noch immer so schwach auf den Beinen um einen Gehstock zu benötigen und doch konnte er ihre erbotene Hilfe nicht ausschlagen.
Sie brauchten jede helfende Hand die zu kriegen war um den verwundeten gerecht zu werden.
„Kommt!“ wies er daher alle beide an und führte sie zu einem weiteren Krieger mit schwerwiegender Bauchwunde.
Keine von beiden zuckte bei dem Anblick des übermäßigen Blutes auch nur ansatzweise zurück. Sie wirkten abgehärtet und fokussiert, wie sie nach Palladiums Anweisung die Blutung mit einem Druckverband stoppten und versorgten, um den Professor seine heilenden Zauber wirken zu lassen.
Nicht mal ansatzweise wollte er sich ausmalen was beide bereits erlebt haben mussten um in einer solchen Situation derartig ruhig und konzentriert zu bleiben. Beinahe als sei das ihr Alltag.
Er dachte an Teiz Worte, dass sie alle bereits den ein oder anderen Krieg überstanden hatten. Wenn diese ebenfalls solche Ausmaße angenommen hatten, wovon er in dem derzeitigen Moment auszugehen hatte, waren sie bereits viel zu früh mit derartigen Anblicken konfrontiert worden.
Selbst ihm drehte sich bei den vorherrschenden Geräuschen und Gerüchen der Magen um, doch sich zu übergeben war keine Zeit.
Während seiner Behandlung vernahm er schließlich von seiner rechten Seite, auf der Cinder sein Vorgehen genau beäugte „Hast du Vara oder Teiz bereits gesehen?“.
Der Elf musste den Kopf schütteln „Nein, noch nicht“.
Für mehr war er derzeit nicht im Stande. Zu gerne hätte er Cinder ihre Ängste genommen, doch das war ihm nicht möglich… nicht ohne sich nicht mehr voll auf seine Sache konzentrieren zu können.
Es war Tine die sich irgendwann erhob und versuchte sich einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen. Nur kurz glaubte Palladium sie etwas unverständliches flüstern zu hören, mehr zu sich selbst, als an jemanden gerichtet. Dann fixierte sie eine spezielle Richtung an und meinte schließlich „Dort vorne ist Lady Lia“.
Sofort sprang auch Cinder auf und sah in die Richtung, ehe sie ausrief „Und Katy und Alice!“.
Kurzerhand war sie zu ihnen verschwunden.
Palladium, der seinen Patienten im selben Moment abschloss, trat zu Tine, welche aussprach „Sie macht sich sorgen“.
„Das tun wir alle“ entgegnete der Professor, der sich damit ebenfalls seinen Weg zu den Feen herüber bahnte.
Kaum dass er eintraf hörte er bereits Lady Lia der jungen Prinzessin antworten „Wir wissen es nicht Cinder. Keiner von uns hat sie nach dem hereinbrechen des Schneesturmes noch einmal gesehen. Wir können nur hoffen, dass sie noch auf dem Weg zum Schloss sind…“.
„Wer? Varanda?“ unterbrach Palladium das Gespräch kurzerhand.
Auch seine Spannung und die Befürchtungen nahmen allmählich überhand, so wandte sich ihm die Offizierin der Drachengarde zu und öffnete den Mund auch ihm das unausweichliche mitzuteilen, als sie von einem gewaltigen Windstoß unterbrochen wurde.
Die Flügeltüren des Saals wurden wie von dem kalten Wintersturm aufgeschlagen, gefolgt zweier lange vermisster Personen mit ein paar wenigen, durch Magie hinterher schwebender, halbtoter Männer die sie auf dem Weg aufgelesen haben mussten.
Kurzerhand verstummte sämtliches Tun im Saal. Beinahe zu unwirklich schien dieser Augenblick.
Eine bildschöne Enchantix schwebte glatt ohne Schramme vor ihnen in den Saal. Mit ihrer Sternenmagie ließ sie die Männer langsam in den Raum zu Boden sinken.
Ihr voraus eine Frau die doch etwas mitgenommener aussah. Eine Prinzessin in ihrer Kriegerrüstung, das Wetterzepter noch immer fest im Griff.
Alle schienen sie mit größtem Staunen zu beäugen, ehe Cinder als erste die Stille brach „Vara! Amaryl!“.
Mit dem Vorstürmen der jungen Prinzessin lösten sich langsam auch die anderen wieder aus ihrer Starre, die wieder ihren Tätigkeiten des Heilens oder Versorgens nachgingen und sich auch der frisch gebrachten verwundeten annahmen.
Varanda hingegen schien sich erst ein Bild über die derzeitige Lage zu verschaffen. Dabei wirkte sie durch und durch schockiert, sowie bedrückt.
Natürlich, was hier geschehen war, war genau das wofür sie ihr Leben gesetzt hatte, es zu verhindern. All dieses Leid dem Volk Callistos zu ersparen, doch sämtliche Unterfangen und Versuche hatten nichts genützt.

Vor den Freundinnen kam Cinder zum Stehen, die zunächst nur über Amaryls Erscheinung staunen konnte „Wahnsinn!“.
Amaryl jedoch konnte sich nur ein zaghaftes Lächeln entringen, ehe sie sich zurück verwandelte. Auch an ihr gingen die neuesten Ereignisse nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorbei.
Varanda hingegen brachte nichts dergleichen zustande. Ihre Wiedersehensfreude wirkte erstorben. Stattdessen trat sie nichtssagend an ihrer Schwester vorbei durch die Menge, als halte sie Ausschau nach jemandem.
Sir Mathis war der Erste der sich ihr direkt näherte und ansprach „Prinzessin Varanda, seid Ihr verletzt?“.
Diese antwortete zunächst jedoch nicht, sondern beendete ihre Überblickrunde lediglich.

Palladium, der sich ebenfalls langsam, jedoch mit Abstand näherte, hörte sie schließlich nur ernst fragen „Wo ist Sr. Teiz?“.
Der Lord öffnete zunächst den Mund, als er jedoch Amaryls besorgtem Gesicht begegnete, die sich ihm ebenfalls näherte und mit nur wenig Abstand hinter der Prinzessin stehen blieb, zögerte er.
Um sie versammelten sich mehr und mehr bekannte Gesichter, doch Teiz war nicht unter ihnen.
Schließlich senkte Sir. Mathis den Blick, um den Frauen nicht in die Augen sehen zu müssen „Wir wissen es nicht. Seit Ende der Kämpfe hat keiner mehr etwas von Sr. Teiz gehört. Er und Obergeneral Enzo sind wie vom Erdboden verschluckt“.

Varanda weitete die Augen. Bereits seit längerem hatte sie ein ungutes Gefühl übermannt. Befürchtungen seit ihrem Gespräch mit König Conver. Seine Verhöhnung und die Prophezeiung aus seinem ironischen Gesicht… noch immer wurde Vara bei dem Gedanken daran glatt übel. Conver äußerte keine unbegründeten Mutmaßungen… sie hätte es wissen müssen.
Sie riskierte einen Blick zurück und sah wie Amaryl merklich schluckte als sei ihr Hals plötzlich staubtrocken. Ihre Freundin biss sich auf die leicht bebende Unterlippe. Auch sie befürchtete, wohl nicht unberechtigt.
Ohne groß darüber nachzudenken sprach die Prinzessin daher aus „Ich werde umkehren und ihn suchen“.
„Ihr wollt was tun?!“ Mathis klang schockiert.
„Was?“ entfuhr es selbst Amaryl.
„Wenn er und Enzo noch da draußen sind muss ich sie finden oder sie werden erfrieren“ setzte Vara kurzerhand in Kenntnis und wandte um, sich noch einmal in das Schneegestöber hinaus zu wagen.
„Stopp, Prinzessin!“ versuchte auch Athmos sie zurück zu halten „Keiner kann dieser Kälte trotzen! Auch ihr nicht!“ doch Varanda war auch in diesem Moment nicht aufzuhalten… zumindest bis ihr etwas entgegen kam.
Die Silhouette eines angestrengt hereintretenden Mannes.
Auch er war von Kälte und Schnee gezeichnet.
Sein schwarzes Haar war durchnässt und hing ihm ins Gesicht. Mit der tiefgefrorenen Hand hielt er etwas umklammert, als sei es sein Leben.

„Enzo!“ sofort stand Varanda ihm zur Seite den halb erfrorenen zu stützen.
Dieser ließ sich schweren Schrittes weiter hinein helfen und hauchte vor Anstrengung „Vergebt mir… ich konnte nicht… ich konnte ihn nicht retten…“.
„Wovon sprichst du?“ ehe die Prinzessin weitere Fragen stellen konnte, fiel aus der Hand des Obergenerals ein Stein zu Boden, ehe auch er zusammen sackte.
Varanda legte ihn nieder, worauf sofort zwei Sanitäter angelaufen kamen.
Ihr Blick hing jedoch lediglich an dem Gegenstand. Weiß bemalt und in einem besonderen Schliff. Sie erkannte den Stein sofort und nahm ihn zwischen die Finger. Ebenso erkannten ihn ein paar andere Anwesende.

„Nein… nein… das kann nicht sein… das kann nicht…“ stotterte Amaryl. Ihr quollen die bitteren Tränen der Erkenntnis hervor. Teiz würde nicht zurückkehren. Sich dem Schmerz und der aufsteigenden Verzweiflung nicht vor all den unbekannten hinzugeben, machte sie kehrt und rannte durch die Menge in den Ost-Flügel davon. Katy ihr, mit einem kurzen Blickwechsel zu Alice, sofort auf den Fersen ihre Freundin in diesem Moment nicht allein zu lassen.

Varanda hingegen starrte noch immer ohne Äußerung oder Bewegung auf den glatt-geschliffenen Stein. Der Unglaube wallte in ihr auf. Nicht Teiz… das konnte nicht sein… jeden dieser Welt, doch nicht ihn…
„Woher hast du diesen Stein?“ fragte sie glatt in einem Flüstern an den Obergeneral.
Dieser langsam wieder fähig sich zumindest aufzusetzen, antwortete „Sr. Teiz und ich waren einem Hinterhalt im Wald der Stille auf der Spur. Wir wurden getrennt. Seine Soldaten fand ich alle tot auf und der Stein… war das Einzige was ich von ihm finden konnte…“.
Mit diesem Moment war es amtlich. Conver hatte es gewusst… er hatte das geplant und war sich sicher genug um zu wissen, dass es auf ging. Er hatte es ihr erzählt, weil er bereits gewusst hatte was mit Teiz passiert war. Er hatte ihn umbringen lassen… den Schutzherren und engsten Vertrauten der Kronprinzessin… weil er wusste, dass Vara ihn brauchte. Sie hatte sich selbst und speziell ihn angreifbar gemacht. Sie hatte für seinen sicheren Tod gesorgt…
Schuldgefühl, als das war es am besten zu beschreiben.
Doch da war etwas das dieses Gefühl noch überschattete… Wut!
Dieser Mann hatte ihr bereits so viel angetan und genommen… es reichte.
„Ich beende das…“ sprach sie kurzerhand aus und erhob sich wieder in ihre volle Statur „Ich werde ihn umbringen. Auf diesem Planeten und in diesem Sturm!“.

„Nichts dergleichen wirst du tun!“ bekam sie jedoch die unerwartet strenge Antwort.

Varanda drehte den Kopf und entdeckte eine Frau zwischen den Soldaten hindurch treten.
„Ich werde ihn rächen und wenn es das letzte ist was ich tuhe!“ rief Vara lauter, ihrer Emotion an Ausdruck zu verleihen.
„Das ist mir vollkommen egal“ entgegnete die Estrella unberührt „Es würde mich nicht scheren wenn du einfach dort raus gehen und erfrieren würdest. Genauso gut könntest du dich von diesem König einfach zerfetzen lassen. Mir wäre das vollkommen egal. Was mir allerdings nicht egal ist, ist dieser Krieg und diese Menschen und ich weiß, dass sie dir auch nicht egal sind. Genau deswegen wirst du dich hier und jetzt nicht in den sicheren Tod stürzen, verstanden?!“.
„Halt dich daraus Zillah, das ist Meilen von deiner Welt entfernt!“ fauchte Varanda erstmals, die sich auf ihre Provokation einließ.
Pluma versuchte seine Schwester zu stoppen, doch diese ließ sich nicht abhalten „Ach, ist es das? Ich glaube nicht. Ich denke, ich bin dir gerade näher als du glaubst und das ist dein Problem. Du lässt deine Feinde zu nah an dich heran. Sie manipulieren dich bereits. Sie haben dich genau da wo sie dich haben wollen und du lässt das auch noch zu!“.
„Ich warne dich!“ zischte Varanda abermals.
„Was dann? Du bist viel zu schwach um mir auch nur einen Kratzer zuzufügen“ plötzlich wurde auch Zillah lauter „Du hattest mich wirklich soweit dir zu glauben, dass du diesen Planeten wieder aufbauen willst. Dass es dir um das Volk und den Mensch für sich geht, aber das war alles nur Fassade, nicht wahr? Du bist wie all die anderen. Eine korrupte, selbstsüchtige Monarchin! Dir geht es wie allen anderen nur um dich selbst. Wie du dich hier gibst ist wirklich armselig. War es doch nur alles leeres Gerede. Reden schwingen können alle Monarchen gut, doch am Ende kommt nur heiße Luft wie man sieht. Doch weißt du was an dir schlimmer ist als bei all den anderen? Die Menschen glauben dir. Du manipulierst sie so gut, dass du wirklich Hoffnung wecken kannst. Und das schlimmste daran…“.

„DU HAST DOCH KEINE AHNUNG WAS ES HEISST EIN GANZES KÖNIGREICH AUF DEN SCHULTERN ZU TRAGEN!!!“

brüllte Varanda ihr schließlich entgegen, die ihr all ihre aggressive Aufmerksamkeit widmete:

„DU WEISST NICHT WAS ICH ALLES GEOPFERT HABE! DU WEISST NICHT WAS ES HEISST IN EIN SCHICKSAL HINEIN GEBOREN ZU SEIN!!!“.

Dabei kam sie der Estrella immer näher, welche sie ohne Umschweife kommen ließ. Doch kaum befand sich die Prinzessin in ihrer direkten Reichweite, geschah etwas womit kein anwesender in diesem Augenblick gerechnet hätte. Ein schallendes Geräusch erfüllte die Luft, dann wurde es muksmäuschen still im Saal. Keiner getraute sich zu bewegen, geschweige denn etwas zu sagen.

Die Frau hatte mit der bloßen Handfläche ausgeholt. Die Prinzessin so überrumpelt dieser Tat, dass sie wie zur Salzsäule erstarrt kein Wort mehr heraus brachte. Der Kopf leicht nach rechts geneigt, nachdem ihre linke Wange sich allmählich rot verfärbte. Untermalt wurde diese Handgreiflichkeit von Zillahs lauten Worten „WACH ENDLICH AUF!“

Nach wenigen Sekunden sprach sie gezügelt weiter und wiederholte „Das schlimmste dabei ist… dass selbst ich dir all das glaube. Ich glaube dir all das, was du für dieses Reich erreichen willst, nur denke ich, dass du das inzwischen vergessen hast. Du hast den Blick für das wesentliche verloren. Ich erinnere dich, es waren deine Worte, dass egal wie viele Rückschläge und Schmerzen noch kommen, du all das von den Menschen abhalten wirst. Dass sie dir über dein eigenes Wohl gehen und du ihnen dienen willst. Ich will nicht glauben, dass all das nur leere Worte waren, also Varanda: Beweise mir, dass sie das nicht waren“ verlangte die Frau zuletzt.
Die Prinzessin, die sich noch immer ungläubig, sowie geschockt an die Wange fasste, wusste nicht mehr wie sie reagieren sollte.
Sie hob nur langsam und etwas unsicher den Blick und begegnete den harten und unbeugsamen Augen der Estrella.
Sie hielt ihrem Blick stand und das ein jedes Mal wenn sie sich angesehen hatten. Diese Frau war unberechenbar und nachtragend und doch erinnerte sie Vara in diesem Moment an das, was ihr hier und jetzt am wichtigsten hätte sein sollen…
Teiz war verloren… sie musste es sich eingestehen, doch all diese Menschen um sie herum waren es nicht.
Eine harte Erkenntnis die sich in ihrem Hals wie ein Kloß verschnürte den es galt hinunter zu schlucken.
Amaryl hatte das bereits akzeptiert… voll Trauer zwar und doch sah sie mit ihren bitteren Tränen der Realität ins Auge. Es war Zeit, dass sie dasselbe tat, auch wenn es noch mehr Schmerz bedeutete.
Auch durch Rache würde Teiz nicht mehr zurückkommen…
Es war vorbei… verloren.

*

Bereits seit einer halben Ewigkeit saß ich nun schon auf dem weichen Untergrund und starrte gegen die Wand.
Mein Kopf war leer, ebenso fühlte sich mein Körper an… ausgebrannt.
Als könnte mich nur der leichteste Windhauch umwerfen und gegen die weichen Kissen drücken.
Die Röte auf meiner Wange war verschwunden, doch ich spürte die Härte ihres Schlages noch immer, dabei war dieser nur halb so schlimm gewesen wie die Härte mit der sie meine Seele erwischt hatte. Zillah hatte die pure Wahrheit ausgesprochen.
Ich hatte mich selbst und alles wofür ich stand, verraten.
Wie hatte ich nur so unvorsichtig werden können… meine Feinde so nah kommen zu lassen. Wie konnte ich sie nur meine Gedanken kontrollieren lassen und nach ihrem Spiel tanzen. Ich schämte mich…
Das Zimmer in dem ich saß wirkte noch wie vor 10 Jahren.
Der gesamte Raum war unverändert, beinahe unberührt. Das Bett war wie immer mit einer Tagesdecke geschützt und der Servierwagen sah mit seinem sauberen Teeservice aus, als käme die dort wohnende Person in wenigen Stunden zurück.
Selbst ein Buch lag auf dem Nachttisch aufgeschlagen, als würde es nur darauf warten zu Ende gelesen zu werden. Ein Buch welches bereits seit Jahren dort lag, erinnerte ich mich und keiner erbarmte sich es endlich weg zu räumen. Alles in diesem Zimmer blieb wie er es einst hinterlassen hatte.
Vor mir, sein Bild. Das Bild des einstigen Königs. Stattlich stand er dort, in Rüstung und mächtigen Flügeln die noch über sein Haupt hinaus ragten.
Ich selbst wusste nicht genau von wann dieses Gemälde stammte, doch zeigte es meinen Vater genauso wie ich ihn in Erinnerung hatte.
Einen perfekten König dem ich niemals das Wasser reichen konnte.
Er hätte Callisto vor all dem retten können, es in eine glorreiche Zukunft führen und mit Erfolg dieses Königreich leiten können.
Er hätte niemals so unvorsichtig gehandelt und sich in eine Ecke drängen lassen.
Nicht wie ich… ich stand mit dem Rücken zur Wand und wusste nicht mehr ein noch aus.
Nur die Sterne wussten wie lange dieser Schneesturm uns noch seine Schonfrist gewähren würde…

Ich war am Ende… und… ich gestand es mir ein… Conver hatte gewonnen,… ich verloren…

Der Verzweiflung mit meinen Gedanken nahe, zog ich die Beine enger an mich und schlang die Arme darum. Den Kopf legte ich auf den Knien ab und betete mit erstickter Stimme „Vater… Hilf mir… ich weiß nicht mehr was ich tun soll“.
Den weißen Stein, den ich noch immer in der rechten Hand hielt drückte ich so sehr, dass es wehtat.
Ich hörte wie sich hinter mir die Tür öffnete und jemand eintrat, doch ich reagierte nicht darauf, zu groß war der Schmerz.
Mit langsamen Schritten trat die Person durch den Raum auf mich zu, bis er mich vorsichtig ansprach „Hier bist du… wir sind alle auf der Suche nach dir“.
Nur schwer konnte ich mir zumindest ein bisschen der Stimme entringen „Wozu?“.
„Wozu?“ ich spürte die Vibration neben mir, als er sich zu mir an den Bettrand setzte „Also hör mal…“ allerdings schienen auch ihm die Worte zu fehlen, die wohl hätten tadelnd klingen sollen.
„Ich habe auf ganzer Linie versagt Palladium…“ sprach ich es erstmals wirklich aus und sah wieder nach vorne auf das Bild.
„Noch ist Callisto nicht gefallen“ widersprach er.
Ein ironisches Schmunzeln war alles was ich zustande brachte „Noch nicht, aber es ist nur eine Frage der Zeit… du hattest vollkommen recht. Ich war zu schwach… ich hatte von Anfang an keine Chance“.
„So etwas will ich nie wieder von dir hören“ erhob er kurzerhand die Stimme, schien allerdings selbst nicht ganz davon überzeugt. Vor mir konnte er das nicht verbergen.
Kurz herrschte Stille, bis ich erzählte „Mein Vater war in allem was er tat geradezu perfekt. Er war diplomatisch, aufmerksam, zuvorkommend und ein Zuhörer und trotzdem war er stark und bedeutend. Keiner wollte sich mit ihm anlegen. Ich habe ihn immer für alles bewundert wie er war. Dragomir hat recht, ich wollte immer so werden wie er, jemand der den Dingen trotzt ohne an sich zu zweifeln, aber so war ich nie“. „Und du musstest nie so sein“ ich spürte seinen Finger, wie er mir ein paar Haarsträhnen hinter das Ohr strich „Niemand wird so geboren, auch kein König und keine Prinzessin. Du bist auch nur ein Mensch, abgesehen davon dass du der stärkste Mensch bist den ich kenne. Dich bringt nichts um, das hast du mir bewiesen“.
Ich sah auf den geschliffenen Stein „Ja… Es gab einmal eine Zeit in der ich wirklich dachte, dass wir unbesiegbar wären… ich dachte… nichts könnte uns umbringen… schon gar nicht ihn… so kann man sich irren“.
„Dass Teiz nicht mehr da ist, ist ein harter Verlust für uns alle… aber genau deswegen dürfen wir jetzt erst recht nicht aufgeben. Das sind wir ihm schuldig“.
Seine Worte riefen meine unweigerlichen Tränen hervor. Palladium hatte ja recht, doch es war so verdammt schwer… und ich wusste nicht einmal wo ich anfangen sollte.
Ich spürte den Druck seines Armes der mich inzwischen umgab und mich an seinen Körper zog.
Ich weinte bitterlich. In jenem Moment brach alles aus mir heraus was ich so lange zurückgehalten hatte. So viel was ich selbst kaum ertragen konnte.
Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern wann ich das letzte Mal einer solchen Verzweiflung zu Füßen lag und Palladium… er hielt das aus. Alles.
Er hielt mich auch noch Stunden später bis meine Augen brannten und rot aufgequollen waren. Nach und nach überkam mich die Müdigkeit über die Trauer, so lag ich schließlich nur auf seiner Brust und schniefte noch ein wenig.
Das Zeitgefühl hatte ich gänzlich verloren, doch der Schneesturm fegte weiter über den Planeten. So lange, bis ich einschlief.

Auf schreckte ich erst am nächsten Morgen in meinem eigenen Bett.
Mit einem raschen Blick zum Fenster stellte ich erleichtert fest, dass der Sturm noch immer nicht abgeklungen war.
Ich war allein. Palladium musste mich in mein Zimmer getragen haben.
Ich seufzte tief und rieb mir die Augen. Die Überreste meiner salzigen Tränen verklebten mir die Wimpern.
Ich ließ mir einen Moment Zeit, bis ich mich auf quälte und feststellte, dass mir jeder Muskel im Körper wehtat. Ich hatte Schmerzen an Stellen an denen ich nie zuvor Schmerzen gehabt hatte. Furchtbar.
Dennoch schleppte ich mich ins Bad, nur um zu sehen wie furchtbar ich aussah.
Meine Augen zierten tiefe Ringe und waren immer noch rot unterlaufen. Zudem klebten mir Dreck und Schweiß am Körper.
Ich hatte es noch nicht einmal für nötig empfunden nach meiner Kriegesrückkehr einmal zu duschen… ein fataler Fehler den ich sofort nachholte.
Palladium musste mich wirklich lieben, wenn er sich diese, meine Gestalt freiwillig antat. Ein Häufchen Elend wie mich aufzubauen, während ich wie eine Bestie riechen und aussehen musste war sicher nicht ganz einfach…
Ich musste erstmals leicht über diesen Gedanken schmunzeln, während ich das heiße Wasser der Dusche aufdrehte.
Doch dieser kleine Lichtblick verschwand sogleich wieder, als mir beim Ablegen der Klamotten der weiß-geschliffene Stein zu Boden fiel den ich noch immer bei mir getragen haben musste.
Ich hob ihn auf und nahm ihn abermals in Augenschein, worauf mein Blick wieder vertrübte.
Ich musste mich zwingen tief einzuatmen um die aufsteigenden Tränen wieder zu unterdrücken. Ich nahm den Gegenstand in beide Hände und drückte ihn an mein Herz „Ich schwöre es dir Teiz. Ich gebe nicht auf. Ich befreie unser Volk… und dann finde ich heraus was mit dir passiert ist“.
Ich platzierte die Feder auf der Ablage und nahm sie erst wieder an mich, nachdem ich geduscht war, frische Klamotten angelegt und mich im Spiegel überprüft hatte.
Ich war noch immer die Prinzessin von Callisto und als solche hatte ich den Menschen in Würde und gepflegt unter zu treten.
Gesagt, getan. Kaum war ich aus dem Bad heraus getreten klopfte es auch schon an meiner Tür „Vara?“.
„Komm herein“ forderte ich sie auf und beobachtete wie Alice vorsichtig die Tür öffnete um zunächst die Lage zu checken.
„Gibt es etwas neues?“ fragte ich sie direkt, worauf mich die Fee erst einmal von oben bis unten musterte.
Sie war nicht allein. Jared und David waren bei ihr, worauf das Großmaul direkt bemerkte „Hey, du siehst ja gar nicht mehr so übel aus“.
„David!“ zischte Jared sofort empört, doch ich konterte direkt und gefasst „Gleichfalls, also was ist?“
Noch vor ihnen trat ich aus meinen Räumlichkeiten mit ihnen den Weg in den großen Saal zu nehmen.
Alle drei wohl dezent überrumpelt von meiner glatt entspannten Reaktion, mussten sich erst einen Moment fangen, ehe Alice mir als erste nachlief „Warte, Vara!“.
„Worauf? Dass Sarcas uns doch noch überrascht? Sicher nicht!“ nachdem sie mich eingeholt hatte, hielt sie mit mir Schritt, ebenso die Jungs, von denen Jared fast besorgt fragte „Ist wirklich alles in Ordnung?“.
„Alles nicht“ gestand ich „Aber ich kann weiter machen“.
Alice schenkte mir ein aufbauendes Lächeln „Wusste ich doch, dass du dich nicht unter kriegen lässt“.
Ich bemühte mich ebenfalls einer ähnlichen Geste „Dann wusstest du mehr als ich. Hilf mir auf die Sprünge, was ist der Stand der Dinge?“.
Kurzerhand wurde ihr Lächeln noch hoffnungsvoller „Athmos lässt uns nach dir schicken. Der Rat hat einen letzten Plan entwickelt“.
„Einen Plan?“ nun blieb ich doch überrascht stehen. Seit wann geschahen solche Dinge ohne meine Kenntnis.
„Ja, unter Anleitung von Tine“ informierte Jared mich „Gerade jetzt dürfen wir nicht untätig sein. Der Schneesturm ist zwar stark, aber er wird nicht ewig halten. Darum müssen wir etwas unternehmen…“.
„…bzw. Du!“ fügte David hinzu „Der Rat plant wohl so etwas wie eine Exkursion“.
„Eine Exkursion?“ ich verstand nicht recht.
„Das alles war eine ziemlich spontane Idee“ erklärte Alice weiter „Anscheinend wird der Rat dich zu Tyrians-Schrein begleiten, damit du als Kronprinzessin seinen Segen und den vorzeitigen Thron erbitten kannst“.
Ich weitete die Augen und blieb schlagartig stehen „Die Krönungszeremonie?!“
Alle drei nickten mir bestimmt zu.
„Wenn wir das richtig verstanden haben, dann wirst du durch die Krönung die vollen magischen Kräfte der goldenen Flügel erhalten“ beendete die Fee.
Ich schluckte tief. Die vorzeitige Krönung… mit dem Rat als Wegbegleiter… ich wollte mir gar nicht vorstellen wer auf diese Idee gekommen war… Tine? Oder doch Athmos?
Aber sie hatten recht… wir mussten handeln und zwar JETZT!
Ich nickte entschlossen „Dann los!“ und führte sie zum Saal an.
Hinter mir fügte Alice indessen zuletzt hinzu „Der Vorschlag kam von Enzo“

Enzo… der Obergeneral und engster Vertrauter.




Hallo ihr lieben,
ich wünsche allen noch ein wundervolles neues Jahr 2021 (auf dass es um einiges besser wird als 2020) und hoffe dass ihr ein kleines, aber besinnliches Weihnachten mit den liebsten hattet. Letzte Woche musste das Kapitel leider ausfallen da ich über die Feiertage nicht zuhause war, aber dafür geht es nun wie geplant weiter (obwohl es heute auch zwei Stunden Verspätung hat... verfluchte Best-Of Filme im Free-TV... einer nach dem anderen hat mich heute gecatcht...). Auf jedenfall geht es in diesem Kapitel um eine kleine Kriegspause nach dem heraufbeschworenen Schneesturm. Die Beteiligten können sich sammeln und das eigentliche Verlustausmaß wird festgestellt. Natürlich trifft das auch die Familie schwer... doch Zillah kann Vara auf den Boden der Tatsachen zurück holen und ihr die Augen öffnen. Am nächsten Morgen kann sie nun mit etwas neu gesammelter Kraft wieder weiter machen.

LG Seilix
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