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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
40
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Dieses Kapitel
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18.12.2020 4.464
 
Zillah blickte sich in den wild umher rennenden Soldaten um.
Einige in Richtung Westen, die vorderste Barriere aufrecht zu erhalten, andere in die entgegen gesetzte Richtung die Kommandozentrale zu verteidigen.
Finn hatte sie auf dem Weg verloren.
Sie hatte keine Zeit gehabt darauf zu achten, ob der Junge auch hinterher kam.
So schnell wie möglich hatte Zillah ankommen wollen und das zurecht.
Viele der Soldaten wirkten planlos, sprinteten einfach wild darauf los ohne ein eigentliches Ziel.
Hatte sie doch gewusst, dass eine vorderste Front ohne Offizier sofort in sich zusammen fallen würde.
Je weiter sie in die Zentrale vor trat und sich nach irgendjemandem umsah der hier zumindest halbwegs den Überblick behielt, entdeckte sie zwei Männer die ihr doch bekannt waren.
Sie stachen für sie beinahe heraus wie bunte Hunde.
Kein Wunder, die beiden waren keine Paladine und keine Krieger und das bemerkte man sofort an ihrem Auftreten, sowie… dem Mundwerk.
Den einen hörte sie unentwegt herummeckern, während er vollkommen überfordert versuchte anzuweisen. Der Andere versuchte anhand einer Liste zu überprüfen.
Bereits leicht gereizt trat sie auf die beiden zu „Was treibt ihr Pappnasen denn da?!“.
Der Kerl mit den langen, blonden Zöpfen sah mit wütendem Blick auf, als wolle er soeben eine Schimpftirade über die ihn zur Weißglut treibenden Worte loslassen, schluckte sie sich jedoch herunter, als er die Estrella entdeckte „Wonach sieht es denn aus?! Wir halten das Chaos hier irgendwie aufrecht!“.
„Teiz hat uns aufgetragen die Stellung zu halten bis er und Enzo zurück sind“ versuchte Jared sich indessen zu erklären, dem klar das Unbehagen über diese Situation anzusehen war.
Ohne ein weiteres Wort nahm Zillah ihm direkt die Liste aus der Hand sie zu überprüfen und zu überfliegen „Ihr braucht drei Einheiten mehr auf der Westseite und ihr könnt doch nicht nur eine Einheit an der vordersten Front zurück lassen, seid ihr wahnsinnig?!“.
Ehe einer der Beiden etwas darauf antworten konnte, passte sie den nächsten vorbei laufenden Soldaten ab „Du da! Die Einheiten 6, 8 und 9 die dort so sinnlos herumstehen, schnapp sie dir und geht zur Barriere, sofort!“.
„Jawohl!“ wagte dieser durch Zillahs bestimmte Stimme nicht zu widersprechen, die bereits zum nächsten rief „Hey! Lungert hier nicht so herum! Wir befinden uns im Krieg! Unterstützt die Westseite, die Pause ist vorbei! Und du da! Mach dich auf den Weg zu Lady Lia und informiere sie über den aktuellen Zustand! In 10 Minuten bist du zurück, verstanden?!“.
Keiner der Soldaten getraute sich auch nur eines Widerworts. Jeder befolgte mit strammer Haltung und einem lediglichen Nicken schnellstmöglich seinen erhaltenen Befehl.

David und Jared konnten nur staunen.
Die Frau war so alt wie sie, regelte aber in weniger als 5 Minuten alles drei Mal so schnell und gut. Darüber hinaus schlichtete sie das Chaos kurzerhand das hier entstanden war seit die Offiziere sich einfach aus dem Staub gemacht hatten.
David klappte glatt die Kinnlade herunter, als Zillah vollkommen entspannt zu den Spezialisten zurückkam und einen jeden Punkt der Liste abhakte.
Beinahe beleidigt verschränkte er die Arme. Wie war es möglich, dass eine Frau, die bis vor kurzem noch eine gefürchtete der Stadt gewesen war, mehr Respekt entgegen gebracht wurde, als zwei Spezialisten die vier Wochen geholfen hatten Callistos System wiederaufzubauen. Da lief doch was verkehrt.
Die Estrella nickte zufrieden und gab Jared die Liste zurück „In Ordnung, das wäre es mal fürs erste, aber könnte mir vielleicht mal einer erklären warum die vorderste Front ohne Offizier da steht?“
David und Jared blickten sich einen Moment gegenseitig fragend an, mussten jedoch beide den Kopf schütteln und unwissend die Arme nach oben nehmen „Keine Ahnung“.
„Wie ihr wisst es nicht?!“ knurrte Zillah.
„Sie sind einfach abgehauen. Teiz sagte nur etwas über einen Hinterhalt und hat ein paar Männer mitgenommen“ erklärte Jared was er wusste.
David, dem langsam eine Wutfalte auf der Stirn klaffte bemühte sich seiner Wut nicht freien Lauf zu lassen „Keine Sorge Jungs, hat er gesagt: Wir sind sofort wieder da und eine Kriegseinheit zu führen sei ja nicht so schwer, solange wir uns an die Liste halten. Klar! Wenn der wieder kommt stampfe ich ihn in Grund und Boden!“.

Die Estrella fasste sich an die Stirn und seufzte. Allerdings… eine super Idee den unerfahrensten Kerlen eine ganze Front zu überlassen.
Nun gut, jetzt musste sie das Beste aus dem entstandenen Chaos machen.
„Alles klar… dann haltet euch ab sofort an mich. Jared, notiere sämtliche Ein- und Ausgänge der Truppen und informiere dich über den Verbleib der übrigen Einheiten. David, du bist für die Überwachung der Front verantwortlich. Ich will, dass du mir sämtliche Veränderung mitteilst und sei sie noch so klein, verstanden?! Nur dann können wir das Beste aus der Situation machen!“.
Beide nickten.
Zillahs Vorgehen klang schlüssig und sie hatte die Männer im Griff. Etwas Besseres konnte ihnen in dieser Situation nicht passieren. Die Estrella wusste wie man mit Soldaten umzugehen hatte.
Mit Davids und Jareds Hilfe konnte sie es schaffen die Truppen neu zu formieren und wieder Struktur in die vorderste Front zu bringen. Ein Wunder, dass sie es in diesem Chaos noch geschafft hatten gegen Sarcas weiter Stand zu halten.
Zillahs Eingreifen machte sich in kürzester Zeit bemerkbar.
Die geschwächten Einheiten gewannen wieder an Stärke und konnten die Sarcas weiter zurück drängen. Sie verstärkten ihre Barriere und ließen weniger zu den anderen Offizieren durchkommen.
Die Estrella war zufrieden und doch beschlich sie ein ungutes Gefühl.
Was war mit Teiz und Enzo? Wieso waren sie einfach so verschwunden?
Was konnte so wichtig sein um ihre gesamte Front allein zu lassen?
Ging dabei wirklich alles mit rechten Dingen zu?

Ein eigenartiges Geräusch das die Luft erfüllte ließ Zillah den Blick zum Horizont richten.
Eine graue Wolkenfront richtete sich über ihnen auf.
Wie besprochen keine Sekunde zu früh.
Der Schneesturm kam.

*

Teiz kam es vor, als würden sie bereits seit Stunden diesen Wald durchkämmen.
Die wenigen Männer die sie aus ihrer Einheit mitgenommen hatten, waren jeweils zu zweit in die anderen Teile des Unterholzes losgezogen.
Der Wald der Stille lag ruhig und geräuschlos wie immer danieder.
Kein Tier, kein Vogel war zwischen den Nadelbäumen zu sehen.
Je länger sie liefen, desto angespannter wurde der Spezialist der Enzo noch immer stur folgte.
Beide sprachen sie nun schon längere Zeit kein Wort mehr miteinander.
Der Offizier führte ihn lediglich immer weiter in den Wald hinein.
„Enzo, bist du dir bei deinen Informationen wirklich sicher?“ fragte Teiz „Wir haben bisher nicht ein Anzeichen dafür, dass sich überhaupt jemand hier aufhalten soll, von Nora ganz zu schweigen“.
„Keine Sorge, wir sind gleich da“ antwortete Enzo lediglich monoton, ohne sich auch nur umzudrehen.
„Das ist doch Wahnsinn“ knurrte der Schutzherr „Wir sollten auf dem Schlachtfeld unseren Leuten beistehen und nicht hier herumirren. Lass uns zurückgehen!“.
„Noch nicht“ kam es nur abermals von dem Offizier.
Allmählich wurde Teiz misstrauisch „Enzo, was soll das? Wir sind meilenweit von der Stadt entfernt, wieso sollte hier ein Hinterhalt stattfinden?“.
Plötzlich blieb der Offizier stehen, wandte sich jedoch nicht um „Wir sind da“.
„Da?“ fragte der Schutzherr gereizt. Langsam am Ende seiner Geduld „Hier ist rein gar nichts. Ich werde die Männer aufsammeln und zurück gehen!“.
Auf einmal erschienen Enzos Flügel auf dem Rücken „Das werdet ihr nicht tun“.
Ehe Teiz reagieren konnte, fuhr der Offizier herum und wirkte einen Zauber.
Kaum schnell genug zu begreifen was passierte fand sich der Spezialist in einer Barriere wieder.
Schnell musterte er das aus Magie geschaffene Gefängnis und versuchte hindurch zu gelangen, doch es war als würde er sich lediglich gegen stabiles Glas werfen „Was soll das?! Enzo!“.
Kein Schlag, kein Tritt befreite ihn aus dieser Barriere. Indessen trat der Offizier an ihn heran.
Enzo musterte den Jungen lediglich der ihm einen Blick des Unverständnisses entgegen warf. Der Offizier klang weiterhin so monoton und ruhig, dass er kaum glaubte diesen Mann zu kennen, als sei er ein vollkommen anderer „Es tut mir fast leid das tun zu müssen“.
„Das tun zu müssen? Was hast du vor… du sagtest…“ plötzlich schoss in Teiz die Erkenntnis hoch. Sein Blick entgleiste als er verstand „Du bist Convers Kontaktmann…“.
Der Offizier verzog keinerlei Mine „Wieso konntet ihr nicht einfach in Magix bleiben? Dann hätte ich mich um euch nicht kümmern müssen“.
Teiz wurde übel, als er in diese dunklen, so anderen Augen sah. Ihm beinahe verhasst und mit leichter Reue entgegen gerichtet.
Fast wünschte er sich all das nur einzubilden. Wollte es aus seinem Bewusstsein verdrängen, einfach von sich schieben, doch auf einmal wusste er, dass Dragomir unschuldig war „Du warst das…“ kam es nur wie ein Flüstern aus ihm „…du warst das alles… durch dich wusste Conver über die Beziehung von Varanda und Palladium. Du hast sie vergiftet… über Wochen hinweg… du hast den Tee gemacht… die ganze Zeit“.
„Du hast recht“ stimmte Enzo auch noch vollkommen nüchtern zu „Durch euer uneingeschränktes Vertrauen war es gerade zu einfach euch zu überwachen und Dragomir das Gift unter zu schieben. Der Fürst war als Schuldigen geradezu ideal. Die Zeit hatte eure Familie bereits so sehr entzweit, dass ihr ihn nur so als den Feind sehen wolltet. Nora war dazu die perfekte Verbündete. Seit sie damals mit meiner Hilfe zu den Sarcas übergelaufen ist hat sie sehr viel gelernt, nicht nur in der Alchemie“.

Teiz wollte seinen Ohren nicht trauen. Was hatte dieser Mann in den vergangenen Jahren getan?
Der Mann, der ihn praktisch mitaufgezogen hatte, diesen sogenannten, besten Freund seines Vaters, vertrauten des Königs… er war doch immer für ihn, Varanda, Cinder und Tine da gewesen… War das alles nur ein Spiel? Erlogen und Betrogen?

„Wieso?“ konnte er nur mit einem schweren Schlucken heraus bringen.
„Das alles geht viel weiter zurück als du dir überhaupt vorstellen kannst, werter Schutzherr“ zischte Enzo so dunkel und gefährlich, dass selbst der sonst nicht einzuschüchternde Spezialist zurück schreckte.
Er hatte seine Gegenwehr aufgegeben, zu sehr schockierte ihn dieses wahre Bild des Offiziers.
„Du kannst dir überhaupt nicht vorstellen wie schwer es ein Paladin hat der lediglich Gerechtigkeit verlangt“ nahm Enzo vor ihm Haltung an „Das alles begann noch lange vor deiner Geburt, als ich noch unter den Sarcas bekannt war“.
Als könne er Teiz ungläubige Gedanken lesen, begann der Offizier zu grinsen „Ja Sr. Teiz, durch mich fließt das Blut eines Sarcas. Die Wesen beider Planeten gleichen sich bis aufs Haar, so ist es ein leichtes sich im gegengesetzten Königreich einzuschleusen. In meinem ersten Jahr als einfacher Soldat bestritten wir unter der Herrschaft von König Angus dem zweiten, eine Schlacht gegen Callisto mit der Forderung uns das allsehende Auge zurück zu geben. Was wir damals nicht wussten war, dass es zu jenem Zeitpunkt niemanden mit dieser Fähigkeit gab. Damals sendete der König Soldaten aus die auf Callisto zurückbleiben sollten um Nachforschungen anzustellen. Ich war einer dieser Soldaten. Ich wusste meine Herkunft zu verschleiern und trat somit einfach der königlichen Einheit deines Vaters, dem damaligen Obergeneral, bei. Als einziger unentdeckter meines Volkes diente ich so viele Jahre der königlichen Armee Callistos, bis zu jenem Tag: Während eines weiteren Krieges fand dein Vater heraus, dass ich meine Herkunft verschleiert hatte. Ein Sarcas erkannte mich auf dem Schlachtfeld wieder der dem Projekt nicht eingeweiht war, so hatte ich die Wahl: Entweder ich flüchtete… oder brachte ihn zum Schweigen“.

Teiz stockte der Atem… sein Kopf wollte ihm zerspringen. Enzo brauchte ihm überhaupt nicht zu sagen wofür er sich entschieden hatte… er wusste es… nur hatte er all die Jahre geglaubt sein Vater sei als Held auf dem Schlachtfeld gestorben… doch, vom eigenen Freund nieder gestreckt…
Der Blick glitt in die Leere und verschwamm Teiz immer mehr, während er nur die Worte erfasste…

„Jedenfalls ernannte mich, damals noch König Dragomir, zum neuen Obergeneral. Zu jener Zeit gab es auf Callisto den Bürgeraufstand, durch welchen er den Thron an seinen Sohn Calum abtreten musste. Dieser lernte deine Mutter kennen und verliebte sich, wie du weißt. Als ein Jahr nach der Hochzeit, Prinzessin Varanda zur Welt kam, wartete ich eine lange Zeit, doch keine Spur des allsehenden Auges das Callisto uns einst gestohlen hatte und doch wusste ich, dass in ihrem Blut das Gen liegt um die Gabe weiter zu vererben. Es wäre also ein leichtes gewesen die Prinzessin einfach zu entführen, wie ihr es vor knapp 100 Jahren mit Xavier getan habt, doch… ich wartete… nicht zuletzt, da Königin Luzia misstrauisch wurde. Sie beobachtete mich zunehmend und befragte mich belangloser Dinge, also…“.
„Du musstest sie los werden…“ beendete Teiz seine Gedanken nun ebenso monoton.
Seine Emotionen waren erstorben.
„Ganz recht… damals entdeckte ich erstmals die Zusammensetzung des Giftes aus Lorbeerblättern, Dunkelwurz und Nachtschattenriegel. Geruchs- und Geschmacklos. Dass sie zu jenem Moment schwanger war nahm ich in Kauf. Ein wenig Verlust ist immer dabei, wie man so schön sagt, schließlich brauchte ich nur die Erstgeborene“.
„Du hättest Cinder also mit ihr umgebracht…“ kam es von Teiz, der noch immer einfach da stand.
Enzo hingegen ließ nur ein leichtes, gehässiges Grinsen sehen. 10 Mal schlimmer als das von Dragomir „Nun, die junge Prinzessin lebt. Eure Mutter hatte immer schon ein verbissenes Durchhaltevermögen. Dass sämtliche Ärzte von einer Krankheit ausgingen spielte mir natürlich in die Karten. So vergingen die Jahre, doch auch bei Cinder, keine Spur des allsehenden Auges. Dass es von der Königsfamilie nur gut vor mir verborgen wurde hätte ich niemals erwartet. Dragomir vertraute mir wohl doch nicht so bedingungslos wie ich angenommen hatte. So verfolgte ich meinen Plan weiter. Als einer der obersten Berater von König Calum versuchte ich ihn dazu zu überreden um einer Wiedervereinigung und Friedensschließung mit Sarcas entgegen zu kommen, Prinzessin Varanda mit Prinz Conver zu verheiraten, doch das schlug er wehrend aus. Dragomir hingegen befürwortete eine Verlobung…“.
Teiz wusste worauf das hinaus laufen würde. Der Kloß in seinem Hals wurde immer größer. Der Teufel in ihrer Mitte war niemals Dragomir gewesen, sondern Enzo… der so gutmütige General, der alles im Griff gehabt hatte… alles und jeden.

„Kurz gesagt: Als Calum beschloss aufzubrechen und nach Obsidian zu gehen um Oritel und Marion zu finden, war er nicht allein. Ich habe ihn begleitet, doch nicht für lange…“.

Teiz kniff reuend die Augen zusammen. Wieso hatte er es nicht früher gesehen?! „Du hast ihn umgebracht… den König“.

„Aber nein“ entgegnete Enzo überraschend „Niemals hätte ich den amtierenden König einfach umbringen können, zumal sich die goldenen Flügel nur an Varanda weitervererbt hätten. Dadurch hätte sie mir nur zu einem noch größeren Problem werden können. Ich vernichtete lediglich seinen Brief an euch und verbannte ihn in eine andere Dimension aus der er bis heute nie wieder zurückgekehrt ist“.

„DU SCHEUSAL!!!“ mit einem Mal übermannte Teiz sämtlicher Hass, Wut, Enttäuschung und alles womit er seinen Unmut ausdrücken konnte „WIE KONNTEST DU?! WIE KONNTEST DU UNS DAS ANTUN UND UNS JEDEN TAG DABEI INS GESICHT LÜGEN!!!! WAS BIST DU?!“
Mit gezogener Waffe schlug er gegen die Barriere ein, wieder und wieder mit Ziel auf den Offizier, doch kein Durchkommen der Barriere.
Alles wurde von seinem Zauber absorbiert und abgehalten. Er schaffte es nicht zu Enzo durchzudringen und noch schlimmer war, dass er ihm all das erzählte bedeutete, dass sich Enzo sicher war, dass Teiz nicht mehr zu den anderen zurückkehren würde…
„Ich bin was du heute vor dir siehst“ antwortete er wie selbstverständlich auf seine Frage „Ich bin der Obergeneral von Callisto und oberster Vertrauter des Königs, wer auch immer es sein wird. Das wird sich auch mit dem heutigen Tag nicht ändern. Alles was sich ändern wird ist, dass ich ein weiteres Problem beseitigen werde. Um dich aus dem Weg zu räumen ließ ich dich in Dragomirs Auftrag nach Magix schicken, doch das scheint nichts genützt zu haben, denn wer hätte ahnen können, dass Varanda zwei Jahre später, vor der von mir so lange ersehnten Vermählung nach Sarcas, einfach abhauen würde… ein cleveres Mädchen, doch nicht clever genug um von diesem Planeten für immer fern zu bleiben. Indem ihr zurückgekehrt seid, seid ihr in euer eigenes Verderben gelaufen. Und noch schlimmer, ihr habt auch eure Freunde in dieses Verderben gerissen“.

„Denkst du das?“ Teiz konnte bei diesen Worten nur ironisch die Mundwinkel verziehen.
Enzo dachte wirklich, dass sich die Feen und Spezialisten einfach so besiegen lassen würden.
Der Schutzherr konnte nun 1 und 1 zusammen zählen.
Hier ging es die ganze Zeit schon um nichts anderes als das allsehende Auge und dieses lag in Cinder, nicht in Varanda und nicht in Tine.
Heute wusste Enzo, dass er Cinder brauchte und nicht ihre große Schwester.
Varanda und Tine wären ebenfalls zu seinem Problem geworden, denn auch sie hätten ihm Cinder niemals freiwillig überlassen, darum hatte er sie ebenfalls vergiftet und loswerden wollen.
Enzo wollte sich einen nach dem anderen vornehmen um sie zu schwächen, sie in die Knie zu zwingen und er glaubte, mit ihm, mit dem Verschwinden des Schutzherren würde Varanda endgültig fallen, doch da irrte er sich gewaltig.

„Ich weiß, dass sie stark sind und auch wenn du lange geplant hast Cinder nach Sarcas zu entführen. Du hast die Rechnung ohne unsere Leute gemacht. Keiner von ihnen würde das zulassen, keiner! Wir haben von Anfang an gespürt dass etwas vor sich ging. Glaub mir, Varanda ist vorbereitet, egal was noch kommt. Wir sind hier bereits durch die Hölle gegangen… es gibt nichts was sie noch kleinkriegen könnte. Mit Palladium ist sie stärker als du es dir jemals vorstellen könntest. Ob ich da bin oder nicht spielt keine Rolle mehr solange sie ihn hat“.

Enzo verengte die Augen, ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen „Nun… da könntest du natürlich recht haben. Ich gebe zu, dass mir dieser Elf einige meiner Pläne verhagelt hat, aber nichts besteht ewig werter Schutzherr, oder dachtest du wirklich, dass Nora nicht ihre Pläne hat? Sie hat ihn studiert, seine Fähigkeiten ausgekundschaftet. Sie weiß über alles Bescheid was sie wissen muss. Während ich mich also gerade dir entledige, ist sie natürlich im Schloss und bringt meine eigentliche Mission hoffentlich zur Zufriedenheit des Königs von Sarcas zu Ende“.

Erneut konnte Teiz nur schlucken, als er sah wie Enzo langsam die Hand hob.
Der Obergeneral wirkte seinen Zauber, entriss ihm jedoch noch zuvor einen Gegenstand aus seiner Tasche.
Dieser Mistkerl dachte wirklich an alles.
Langsam aber sicher wurde Teiz schwarz vor Augen.
In Gedanken konnte er sich nur entschuldigen.
Er entschuldigte sich bei Vara, die er nun allein lassen musste.
Er entschuldigte sich bei Cinder, nie der Bruder gewesen zu sein, den sie sich verdient hätte und mit Ilias nach so langer Zeit gefunden hatte.
Er entschuldigte sich bei David und Jared, denen er das Führen dieses Kriegs überlassen musste, nur weil er nicht gut genug aufgepasst hatte.
Er entschuldigte sich bei König Calum dafür nicht früher hinter diese Intrige gekommen zu sein.
Er entschuldigte sich bei seiner Mutter sie nicht gerettet zu haben.
Er entschuldigte sich bei Palladium, ihm nun den Schutz der Prinzessinnen aufbürden zu müssen und ganz besonders…
Entschuldigte er sich bei Amaryl… eine Freundin wie er sie niemals verdient hatte. Eine Frau die immer hinter ihm stand und ihn niemals in Frage stellte, die sich über ihn aufregte und doch bei ihm blieb…

Sie mussten es nun alle… ohne ihn schaffen.

*

„Ist das hier das Richtige?“ fragte Cinder prüfend und überreichte Athmos das entsprechende Fläschchen.
Dieser widmete der Kontrolle kaum einen Blick, als vertraue er der Prinzessin bei ihrer Sorgfalt voll und ganz. Sein Alter brachte Weisheit und Erfahrung, doch ebenso genug Menschenkenntnis um zu wissen, dass die 15-jährige noch immer zu wenig Selbstvertrauen besaß um felsenfest ihr Wissen untermalen zu können, so versicherte sie sich lieber noch zum hundertsten Mal.
Nach Athmos Ansicht vollkommen unnötig.
Da hatte selbst dieses umherschwirrende kleine Elfenkind mehr Selbstbewusstsein, welches immer wieder zu vergessen schien in welcher Lage sie sich derzeit befanden.
Er träufelte etwas des Gebräus in den Destillierkolben und streckte bereits den Arm nach der nächsten Zutat aus, doch diese kam nicht.
Mit irritiertem Blick auf die junge Prinzessin stellte er fest, dass diese abermals Löcher in die Luft starrte.
Den Blick hinauf gerichtet als würde sie horchen irgendetwas zu vernehmen was ihr Auskunft über den Stand des Krieges gab.
Der Schlosspriester konnte nur den Kopf schütteln. So hatte er sie doch vollkommen beabsichtigt in sein fast schalldichtes Untergewölbe mit sich geführt um sie zumindest ein wenig ablenken zu können, nur funktionierte es nicht.
Athmos ließ ein tiefes ausatmen hören als er schließlich selbst nach der Zutat griff um sie zu verarbeiten.
Durch das Geräusch aufgeschreckt rief sich Cinder in das Hier und Jetzt zurück und realisierte sofort den Grund dieses Ausdrucks seiner Emotion „Entschuldige, ich war…“.
„In Gedanken?“ fragte der Priester ohne sie anzusehen und rührte mit einem Stäbchen ein paar Mal in der Mischung herum.
Leicht bedrückt wendete die Prinzessin mit gefalteten Händen den Blick nach unten.
Ihre Traurigkeit und die Gewissensbisse waren nicht zu übersehen. Athmos erkannte sofort dass sie die Gründe kannte. Vielleicht nicht von Anbeginn, doch nun in jedem Fall.
Als wolle das Glühwürmchen versuchen sie zu trösten, heftete sie sich an Cinders Handgelenk und ließ das Leuchten erlöschen.
„Diese Kriege nehmen immer denselben Lauf“ sprach er schließlich um die Stille zu überdecken „Die Kämpfenden fürchten um das was bleiben wird und die Hinterbliebenen Sorgen sich bis sie Gewissheit haben. Und wenn es vorbei ist, versucht man die Trümmer wieder aufzubauen und die Wunden zu lecken. Es ist egal wie oft man das alles durchlebt. Die Angst bleibt immer, doch man gewöhnt sich daran das man machtlos ist und nur einen Weg finden kann wie die Zeit erträglicher wird während man wartet“.
„Sind wir deswegen hier unten?“ fragte Cinder mit bedrückter Stimme „weil wir nur warten können…“. Dabei beantwortete sie sich die Frage bereits selbst.
„Wir sind nicht unfehlbar“ äußerte sich Athmos weiter in seiner beruhigenden, tiefen Stimme „Wir werden niemals perfekt sein. Nicht solange es Gut und Böse gibt. Das Leben und den Tod. Leid und Freude. Schwarz und Weiß. Solange es Menschen gibt wird es auch all das geben, denn wir sind beides. Wir sind richtig und falsch zugleich“.
„Aber warum…“ kam es leise von der Prinzessin „Warum ist all das… warum sind wir so?“.
Athmos konnte ein Schmunzeln nicht verstecken „Ich habe lange auf eine Antwort für das „Warum“ gesucht und heute kann ich Euch sagen Prinzessin, es gibt keine. Die Welt ist wie sie geschaffen wurde und ebenso ist das ein jeder Einzelne von uns. Diejenigen die wir als Böse erachten sind für andere Menschen wiederum Helden. Denkt daran, eine Medaille hat immer zwei Seiten“.
Er vernahm ein tiefes Ausatmen der Prinzessin die sich damit wohl bemühte sich zu beruhigen und zu ihm trat „Na schön, dann warten wir und geben unser bestes bis sie zurückkommen… was machen wir da eigentlich?“.
„Habt Ihr denn überhaupt nicht aufgepasst?!“ erboste sich Athmos einen Moment bei Cinders unbedachter Bemerkung, welche sofort zusammen zuckte. Sie bemerkte sofort selbst, dass das wirklich nicht die feine königliche Art gewesen war.
Sie war eben doch noch ein unschuldiges Kind, dachte sich Athmos und erbarmte sich es ein weiteres Mal zu wiederholen „Wir brauen hier eine ganz spezielle Mixtur. Sie ist sehr aufwendig und braucht ihre Zeit. Sie soll sichtbar machen was für das menschliche Auge sonst unsichtbar ist“.
„Sowas geht?“ staunte Cinder die erstmals wirklich aufpasste und dem zuhörte was der Priester ihr erklärte.
Er nickte brummend „Mit viel Geduld und Sorgfalt. Ich habe lange geforscht um ein solches Mittel zu entwickeln. Es ist einzigartig und nur ich kenne die Zutaten. Vielleicht werde ich es Euch beibringen“.
„Das wäre ja unglaublich“ staunte Cinder glatt begeistert, während sie beobachtete wie die bislang weiße Flüssigkeit unter dem Einträufeln eines Tropfens der nächsten Zutat ein glatt giftig aussehendes Türkis annahm.
Der Priester voll und ganz auf sein Gemisch konzentriert, vernahm plötzlich ein Knarzen.
In seinen alten Gewölben nichts unübliches. Es kam vor, dass sich gelegentlich eine kleine Maus in seine Arbeitsstätte verirrte, doch dieses Geräusch kam ihm eigenartig vor.
Es klang wie die alten, teils rostigen Scharniere des ersten Raumes… als würde die Tür dort geöffnet werden.  
Ungewöhnlich in einem glatt verlassenen Schloss.
Wer konnte denn ausgerechnet jetzt etwas von ihnen wollen?
Cinder, der diese Geräusche ebenfalls aufgefallen waren, hatte sich der noch angelehnten Tür des hintersten Labores in dem sie sich befanden, zugewendet und lauschte.
Doch mehr kam nicht. Keine Schritte und keine Stimme.
Athmos sah einen Moment auf die Uhr. Es war zu früh.
Der Krieg konnte noch keines Falls vorüber sein…
Darauf ein weiteres Knarren. Erneut die Scharniere, doch dieses Mal näher als zuvor.
Die Tür zum nächsten Raum! Doch wieder… kein Geräusch auf dem Boden, keine hörbare Bewegung… etwas stimmte da nicht.
„Palladium? Bist du das?“ Cinder, der das ebenfalls eigenartig vorkam tat bereits einen Schritt nach vorne in Richtung Tür, doch Athmos ergriff augenblicklich ihren Arm und zischte leise „Nicht!“.
Sofort begriff die Prinzessin und hielt sich zurück.
Mit einem unbehaglichen Schlucken ließ sie sich von dem Schlosspriester zurück an den Labortisch in die Schatten führen, welcher sich beinahe schützend vor ihr platzierte.
Die Tür keine Sekunde aus den Augen lassend warteten sie auf ein weiteres Geräusch, doch Sekunden lang geschah nichts.
Das Herz schlug der jungen Prinzessin bis zum Hals.
Was auch immer gleich passieren würde… sie hätte keine Kontrolle darüber.
Beide warteten und schließlich… das Knarzen…
Cinder weitete die Augen, als sich mit diesem unheilvollen Erklingen die nur angelehnte Tür leicht öffnete, doch sie sah niemanden… absolut niemand…
Ihr Herz glaubte ihr stehen zu bleiben, als sie flüsterte „Geister?“.
Auch Athmos schien geradezu ratlos, welcher einen jeden Muskel seines Körpers anspannte. Das konnte doch nicht alles sein.
Erneut warteten sie, bis sich Cinder aus keinem erkenntlichen Grund sämtliche Haare ihres Körpers aufstellten.
Sie fühlte sich beobachtet.
Wie ein sechster Sinn der versuchte sie zu warnen, kam die Erkenntnis zu spät.
Die Arme packten sie, umgriffen Handgelenke und Mund sie am Schreien zu hindern, ehe sie sie aus Athmos haltendem Griff entrissen, welcher geistesgegenwärtig reagierte.
Als habe er diesen Moment bereits erwartet, ergriff er den Destillierkolben neben sich und schmiss diesen samt Inhalt in die Schatten.
„Wusste ich doch, dass du noch einmal zurückkommen würdest“ knurrte der alte Priester, als er die rothaarige Alchemistin schließlich in den Schatten erkennen konnte.
Seine Tinktur hatte funktioniert. Nun konnte sie sich nicht mehr unentdeckt durch das Schloss schleichen.
Cinder, die sich mit einem gezielten Ruck von ihrer Angreiferin befreite, suchte sofort Abstand.

„Was für das menschliche Auge nicht erkennbar, sichtbar macht… ich hätte es wissen müssen“ sprach die Frau kaum überrascht aus.

„Du hast lange genug unter unseren Schatten gelebt!“ rief der Priester seinem gegenüber entgegen „Ein Schüler ist nur so gut wie sein Lehrmeister. Das Spiel ist aus Nora!“
Diese schmunzelte glatt gehässig „Achja? Ich glaube das Spiel fängt gerade erst an, Meister Athmos“.




Hallöchen,

ich mache es recht kurz und knapp. Zu diesem Kapitel interessiert mich tatsächlich nur eine einzige Frage: Wer hat bereits Enzo als den Feind vermutet und für wen kommt das vollkommen überraschend? Lass es mich gerne durch ein Review wissen ^^

LG Seilix
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