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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
40
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Dieses Kapitel
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11.12.2020 5.927
 
Finn hatte unfassbar viel Mühe mit Zillah mitzuhalten.
Sie war schnell und wendiger am Boden als er.
Sie hastete geradewegs durch die verfeindeten hindurch, ehe diese überhaupt realisierten was geschah.
Die Estrella scheute sich vor keiner Konfrontation und machte selbst vor Angreifenden nicht halt. Ganz im Gegenteil, sie sprang die Paladine beinahe um und schlug sie mit einem gekonnten Handgriff des Schwertes zu Boden.
Es war als sehe sie lediglich die in jenem Moment angreifende Person und ignorierte das Große ganze in dem sie sich befand, dabei hielt sie sich mit keinem länger auf als sie musste. Wie mit einem Tunnelblick war sie nicht aus der Ruhe zu bringen. Finn bewunderte das.
Als Rückendeckung versuchte er sie nicht aus den Augen zu verlieren, doch mit zunehmender Dichte der Menschenmassen musste er weiter an Höhe gewinnen.
Es dauerte keinen Augenaufschlag da hatte er die Frau verloren.
„Verdammt!“ fluchte er und flog weiter in Richtung der vordersten Front, als er aus dem Augenwinkel einen Blitz bemerkte.
Knapp vorbei rettete er sich, indem er den Flug abbremste und sah nach oben.
Ein fehlgeleiteter Angriff der Prinzessin der ihn beinahe erwischt hätte.
Auf diesem Schlachtfeld musste er wirklich vorsichtig sein.
Selbst seine eigenen Mitstreiter könnten ihn hier versehentlich verletzen.
Gerade wollte Finn seinen Weg fortsetzen, als es von der Seite brüllte „Jetzt hab ich dich kleiner!“.
Erschrocken konnte Finn gerade noch den Arm schützend heben und so sein Schild aktivieren, welches jedem Paladin Callistos zuteilwurde, hatte er sich einmal mit dem Kriegerherzen verbunden. Der feindliche Paladin schlug dagegen.
Mit bloßen Fäusten hämmerte er auf den Jungen ein.
Seine Rüstung, sowie das Wappen zeigten sofort seine Abstammung aus Sarcas.
Der Junge schluckte, als er die Härte der Schläge feststellte.
Dieser Kerl war zu stark um in einem direkten Kräftemessen gegen ihn zu bestehen, daher versuchte Finn zurück zu weichen, den Feind irgendwie auf Abstand zu bringen, doch das ließ dieser kaum zu.
Wie konnte es sein, dass er trotz des intensivierten Trainings von Sr. Teiz noch immer so schwach war?
Der Paladin vor ihm baute sich auf und Finn wusste sofort, dass er nicht mehr entkommen konnte.
Es war eine so geballte Kraft die auf ihn nieder schlug, dass sein Schild in einem berstenden Geräusch vor seinen Augen zerbrach.
Niemals zuvor hatte er so etwas gesehen. Das Schild des Kriegerherzens war nicht zu brechen! Es war standhaft, wehrte alles ab und… und… nun war er schutzlos…
Finn spürte die Panik in sich aufwallen.
Hatte sein Lehrmeister doch recht behalten? War er noch nicht bereit für einen Krieg?
Wollte er ihn deshalb so weit vom Hauptgeschehen zurück halten wie möglich?
Der Junge sah das hämische Lachen des Kollos vor ihm.
Ein gestandener Mann der sich nur so die Lippen danach lechzte ihm seinen letzten Schlag zu verpassen.
Er sah in dem feurigen Ausdruck des Mannes, dass ihn die Mordlust durchströmte und Finn gerade seinen letzten Momenten entgegen trat.
Seine Kehle wurde staubtrocken und in den Sekunden in denen er den Angriff kommen sah spielten so viele Erinnerungen in seinem Kopf wieder, dass er sich erstmals wünschte dieses Schlachtfeld niemals betreten zu haben.
Wieso hatte er nicht ein Mal auf seine Eltern hören können und war in der Stadt geblieben.
Ein sicheres, gutes Leben auf dem Markt… immer schon hatten sie ihren Unterhalt mit dem Verkauf von Tee und Kräutern verdient.
Wieso nur hatte ihm das niemals gereicht? Wieso hatte er immer so verbissen versucht ein Krieger und Paladin zu werden?
Erstmals wünschte er sich in dieses Leben zurück.
Er hob schützend die Arme vor das Gesicht dem Paladin nicht vollkommen schutzlos ausgeliefert zu sein, obwohl er selbst wusste, dass es nichts bringen würde.

„FINN!“

Wie einen Schlag erwischte es ihn unerwartet von der Seite.
Nicht annähernd so stark wie sein Feind ihn hätte in Grund und Boden stampfen müssen.
Stattdessen schleuderte es ihn zur Seite, mehr sanft als gewaltsam.
Erst als es Finn gelang sie zu fixieren, während er fiel, erkannte er sie.
Als seien seine Schwingen vollkommen erstarrt fiel er schneller und weiter zu Boden.
Es war eine Fee die seinen Namen brüllte.
Dieselbe Fee die ihn bereits einmal aus den Fängen von Soldaten gerettet hatte.
Ebenso jene die ihn in diesem Moment zur Seite stieß um seinen Platz einzunehmen.
Die Fee der Tiere aus Magix! Katy!
Kaum hatte er ihren Namen in Gedanken ergriffen, fing er sich wieder.
Seine Flügel zogen an, als er den gewaltigen Knall hörte und es über seinem Kopf staubte.
Sofort gewann er wieder an Höhe „Katy! Nein!“.
Die Fee konnte sich doch nicht für ihn opfern?! War sie wahnsinnig?!
Sie und der Sarcas waren plötzlich in einer Wolke verschwunden aus der auf einmal gleißendes Licht herausbrach.
Erschrocken musste Finn die Augen verschließen.
Was passierte da? Was für einen Zauber wandte sie an? War das geplant gewesen?
Sich seiner Ruhe erzwingend ließ er das Licht über sich nicht aus den Augen und wartete ab.
Wenn er nun blindlinks dort hinein flog könnte es für sie beide das Aus bedeuten.
Seine Spannung wuchs mit jedem Augenblick.
Erst als bereits einige Momente verstrichen waren, tat sich etwas.
Aus der Lichtwolke erklang ein Aufbrüllen des Kollos von Paladins, bevor dieser im hohen Bogen und mit Schwung aus dem Bereich hinaus und durch einen Strahl gebündelter Magie zu Boden geschossen wurde.
Der Junge wollte seinen Augen nicht trauen. Wie hatte sie das gemacht?
Wie konnte sie plötzlich eine solche Kraft erreichen?
Das Leuchten verschwand allmählich.
Als Finn sie erblickte, konnte er nur die Augen weiten „Katy! Was passiert mit dir?“.
„Scheint als wird es zur Gewohnheit, dass ich dich retten muss“ grinste die so veränderte Tierfee nur auf ihn herab.

*

Alice wich einer Lanze nach der anderen aus und gewann an Höhe den angreifenden Soldaten zu entkommen.
Mit einem weiteren Eiszauber fixierte sie die Füße ihrer Feinde am Boden, ehe sie in Sicherheit wieder landete und sich mit dem Handgelenk über die Stirn strich.
Sie brauchte eine Pause, zumindest eine Kleine, doch die wurde ihr nicht gelassen.
„Steh auf Alice!“ wurde sie kurzerhand angeherrscht.
Der Paladin über ihrem Kopf befand sich ebenfalls bereits seit einer halben Ewigkeit in der Luft und zeigte noch immer keine Müdigkeitserscheinungen.
Sir Mathis war zurecht der Offizier dieser Einheit.
Mit seinem magischen Schwert drängte er auch weiterhin die feindlichen Truppen inmitten seiner Krieger zurück und navigierte zugleich einen jeden seiner Soldaten.
Seine Organisation war einwandfrei, sodass die Eisfee nicht glaubte, dass diesen Mann irgendetwas in die Knie zwingen könnte.
Mit dem Befehl erhob sie sich ebenfalls wieder in die Luft sich mit ihm den Feinden entgegen zu stellen.
„Du darfst dir deine Müdigkeit nicht anmerken lassen“ warnte er scharf ohne, dass er die Augen vom Geschehen abwendete „Sobald sie deine Schwäche feststellen ist es aus“.
„Aber das werden immer mehr“ sprach Alice ihr Unbehagen aus.
Mathis schwieg. Er selbst musste diese ausweglose Situation ebenfalls sehen und schien erstmals keinen passenden Rat zu finden.
Zu gerne hätte Alice seine Gedanken in diesem Moment nachverfolgt.
„Ich fürchte wir müssen noch stärkere Geschütze auffahren…“ sprach er es schließlich mehr als eine leise Überlegung zu sich selbst aus.
„Was?!“ entfuhr es der Fee erschrocken. Sie gab doch bereits alles was sie konnte.
Wie um alles in der Welt sollte sie noch mehr Magie und Angriffskraft aufbauen als bisher?!
„Ich muss zugeben…“ gestand Mathis weiter „…dass auch ich über die Hälfte meiner Kraft bereits eingebüßt habe, aber wir dürfen jetzt nicht nachgeben. Wir müssen…“.
„Lord Mathis!“ rief es hinter ihnen aus der Menge.
Er und Alice wandten sich um und entdeckten Paladine die nicht ihren Reihen angehörten.
Eine ganze Truppe, formiert aus Schlosssoldaten und Kriegern von Lia und Espen.
Einer von ihnen erhob die Stimme „Wir sind bereit zur Formation!“.
„Zur Formation?“ fragte Alice irritiert, doch Mathis schien genau zu wissen wofür, welcher nickte „Sehr gut, platziert euch um das Schlachtfeld und setzt die gebrauchte Magie frei. Ich werde Alice zu ihrer Position bringen“.
„Was?“ leicht eingeschüchtert konnte die Eisfee noch nicht ganz folgen.
„Jawohl!“ kam es von sämtlichen Paladinen im Einklang und entfernten sich in Windeseile in die unterschiedlichsten Himmelsrichtungen.
Der Offizier wandte sich indessen mit ernstem Blick der Fee zu „Lady Lia hat mich vor geraumer Zeit kontaktiert. Es ist soweit… wir müssen uns zurückziehen“.
Mit geweiteten Augen verstand Alice erstmals. Der Notfallplan!
Alice lief es eiskalt den Rücken herunter „Aber Varanda ist noch nicht zurück… Ich kann unmöglich allein…“.
Ohne sie zu Ende sprechen zu lassen, legte ihr Mathis bestimmt die Hände auf die Schultern „Die Prinzessin wird auch nicht kommen. Sie befindet sich noch immer im Kampf gegen König Conver und es sieht nicht so aus als würde sie diesen noch gewinnen können. Wir müssen hier und jetzt etwas tun, auch für sie oder die Prinzessin wird diesen Krieg nicht überleben. Die Paladine die sich um das Schlachtfeld begeben sind alle auf Wettermagie ausgelegt, sie brauchen nur ein Wesen das perfekt mit Eis- und Schneemagie umgehen kann. Du musst ihre Magie bündeln und einen Schneesturm heraufbeschwören. Es liegt alles allein an dir“.
Das war nicht gerade die Art Aufmunterung mit der die Fee sich beruhigen ließ. Ganz im Gegenteil. Die leichte Panik wallte in Alice auf.
Sie kniff die Augen zusammen, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.
Erneut hörte sie Mathis beruhigende Stimme „Du kannst es schaffen. Ich werde dir nicht von der Seite weichen. Ich bin deine Rückendeckung. Dir wird nichts passieren“.
Ihr Herz schlug wie wild als gäbe es nichts auf dieser Welt wodurch sie sich beruhigen lassen könnte…
Ausgerechnet sie… der Feigling höchstpersönlich.
Bislang war sie doch immer geflüchtet wenn sie allein da stand.
Hatte sich niemals ohne ihre Freundinnen in eine direkte Konfrontation begeben.
Amaryl und Katy waren doch so viel mutiger… sie scheuten sich nie vor dem direkten Kampf. Immerzu hatten sie ihr Anweisungen gegeben und sich der Gefahr selbst angenommen. Ihre Freundinnen waren selbstbewusst… nicht wie sie… die, die sich einst im Krieg von Alfea gegen die Armee der Finsternis, vor der Konfrontation mit den Trix gedrückt hatte.
Diese Bilder verfolgten sie noch immer als sei es gestern noch passiert.
Wie Vara ihr befohlen hatte zu verschwinden, als sie die Armee ausgespäht hatten… sie hatte sie allein gegen Stormy antreten lassen…
Wenn sie mit ihr dort geblieben wäre… vielleicht hätte sie ihrer Freundin so viele Schmerzen ersparen können.
Sie war doch dafür verantwortlich, dass Vara gegen Stormy verloren hatte und in den Dunkelwald gestürzt war. Der Anblick ihrer verkohlten Flügel…
So etwas zu sehen wollte sie nie wieder erleben, schon gar nicht durch ihre Schuld.
Es war nicht viel… nur ein kleiner Funken an den sie sich klammerte.
Es waren zu viele Menschen die auf sie zählten um jetzt zu kneifen.
Alice öffnete die Augen und nickte „Was soll ich tun?“.
Sie sah wie Mathis Mundwinkel sich leicht anhob und nickte „Komm!“.

Er führte sie über sämtliches Kampfgeschehen hinweg.
Je mehr sie an Höhe gewannen, umso schlimmer wurden die Windströmungen gegen die Alice trotzen musste.
Wie überglücklich sie in diesem Moment war in Alfea auch im Flugunterricht bei Pharagonda richtig ausgebildet worden zu sein.
Die Böen rissen an ihren Flügeln, doch sie konnte dem auch in dieser Höhe standhalten.
Während die Fee sich umwandte, konnte sie mit Blick hinab genau die Grenzen der umliegenden Kämpfe ausmachen.
Aus dieser Perspektive wirkte es nicht mehr annähernd so chaotisch wie noch in Bodennähe, sondern erkannte erstmals das System hinter den Einheiten.
Sie erkannte die klaren Grenzen des Schlachtfeldes in welchem Mathis, Espen und Lia die Feinde praktisch mit ihren Truppen gefangen hielten.
Sie mussten wirklich Kriegserprobt sein um in einem, vom Boden aus wirkenden durcheinander, doch so den Überblick zu behalten.
Alice bewunderte diese Organisation, vor allem beim Anblick der vordersten Front die noch immer mit aller Kraft den Massen stand hielt die mit ihrer ganzen Macht dagegen drückten.
Wie eine Ameisenkolonie die versuchte die Barriere vor ihnen nieder zu trampeln und dazu immer mehr Verstärkung anforderte.
Schließlich verstand sie wieso die Offiziere zu diesem Mittel griffen um sich zurück zu ziehen. Es waren einfach zu viele und sobald ihre vorderste Barriere brach wäre es aus. Für absolut alle!
Schließlich erkannte Alice die mit Abstand gehaltenen Kernpunkte von Magie die sich am Schlachtfeldrand sammelten. Die Wetter-Paladine bereiteten sich vor.
„Da kommen sie schon!“ warnte Mathis plötzlich, der wie versprochen sich Alice Deckung annehmen wollte.
Die Fee folgte seinem Blick und entdeckte ebenfalls wie sich ihnen Paladine aus der Menge näherten.
Die Feinde hatten sie entdeckt und wollten, was auch immer sie planten, natürlich verhindern.
Sie flogen zu ihnen hinauf, wenn auch langsamer als Alice ihre Geschwindigkeit inzwischen einschätzen konnte.
Auch ihnen mussten diese Windböen zu schaffen machen.
„Was machen wir jetzt?“ fragte sie leicht in Panik an den Lord, welcher bereits seine Magie bündelte „Du wirst nichts anderes tun als dich auf den Schneesturm zu konzentrieren und ich kümmere mich solange um unsere „Gäste““.
Alice sah dabei zu wie Mathis eine Waffe beschwor, etwa doppelt so groß als sein gewöhnliches Schwert. Ein magischer Zweihänder, welchen er erhoben hielt.
Abermals musste die Fee feststellen wie sehr sie diesen erfahrenen Krieger bewunderte.
Seine Stärke, sowie die Reserven und der Umgang der Magie waren erstaunlich.
Sie kam nicht umhin sich zu fragen, ob er selbst stärker war als Direktorin Pharagonda.
Schließlich bündelte er weitere Magie in seiner Waffe und wartete „Na los, kommt nur!“.
Die Paladine hatten ihre Schwerter gezückt und schossen hinauf.
Obwohl sie bei weitem in der Überzahl waren hatte Mathis durch seine erhöhte Position einen klaren Vorteil.
Kaum dass drei von ihnen in seiner Reichweite waren, griff er an.
Seine Durchschlagskraft übertraf die eines jeden einzelnen bei weitem.
Durch die magiegetränkte Klinge des Zweihänders hatte kein Parieren Wirkung.
Er schlug die Sarcas dorthin zurück wo sie herkamen.
Nach einem anderen streckte er die Hand aus und ergriff ihn mit einer gewaltigen, projizierten Hand, welche ebenfalls seiner Magie entstammte.
Nachdem Mathis jedoch bemerkte, dass Alice ihm weiterhin voll Staunen zusah, rief er „Worauf wartest du?! Fang an!“.
Sofort riss sich die Fee aus ihrer Bewunderung.
Er hatte recht. Die gebündelten Lichtpunkte an den Grenzen waren einsatzbereit und warteten nur auf sie.
Sie atmete tief ein und aus und schluckte sich sämtliche Zweifel hinunter.
Sie musste es zumindest versuchen, ob mit oder ohne Vara. Hier stand zu viel auf dem Spiel um es einfach nicht zu tun.
Alice schloss die Augen um ihre Magie spüren zu können.
Sich von Lord Mathis ihrer Rückendeckung versichert, versuchte sie alles andere um sich auszublenden.
Es zählte nur ihre Magie und die der anderen Wettermagier.
Sie musste den Verbindungspunkt darstellen… eine einfache Fee wie sie… keine Schutzfee… keine Enchantix. Sie allein, wie sie war, musste das hinbekommen.
Sie spürte die einzelnen Energiepunkte und sog sie auf, bündelte alles in ihrer Schneemagie.
Als sie die Augen öffnete, sah Alice die zu ihr strömende Magie von allen Seiten.
Damit zog sie natürlich auch weitere Aufmerksamkeit auf sich.
Die Meisten versuchten nun den Offizier zu umgehen, um sich direkt der Fee anzunehmen, doch Mathis hielt dagegen, hielt mit seiner aus Energie geschaffenen Hand einen jeden auf, der an ihm vorbei kommen wollte.
Er schlug mit dem Zweihänder um sich, doch nun sah selbst Alice, dass es an seinen Kräften zerrte.
Der Lord atmete hektischer als zuvor, bewegte sich zunehmend langsamer und ließ die Feinde immer näher kommen, ehe er etwas gegen sie unternahm.
Auch er war an die Grenze seines Könnens angekommen.
Der Zauber war noch nicht vollendet. Alice konnte ihm nicht helfen. Sie musste sich voll und ganz auf den Schneesturm konzentrieren.
Wieder erzwang sie sich der Ruhe. Es stand zu viel auf dem Spiel um jetzt abzubrechen.
An diesem Gedanken hielt sie fest, als das geschah, was sie die ganze Zeit während des Krieges in ihrem Hinterkopf befürchtete.
Mathis versuchte sie zu warnen. Er konnte den Angriff nicht aufhalten der auf sie zuhielt.
„Alice!“ hörte sie ihren Namen brüllen und sah dem Speer direkt ins Auge.
Eine Waffe vor der sie keiner retten würde. Ein Speer, der sie direkt durchbohren würde.
Mit der präzisen Zielgenauigkeit auf ihre Brust.
Ihre Gedanken rasten umher, als würde es Stunden andauern, nur waren es kaum Sekunden.
Dabei hielt sie an einem Spross, der sich in ihr ausbreitete ganz besonders fest:
Sie musste diesen Zauber vollenden! Die Leben zu vieler Leute standen auf dem Spiel.
Sie würde nicht weglaufen! Nie wieder! Das hier war die Chance ihre Feigheit wieder gut zu machen. Einmal im Leben würde sie so mutig sein wie ihre Freundinnen, egal was es kostet.
Und wenn sie für diese Sache sterben würde, sie bliebe an Ort und Stelle stehen!

Es war ein Spiel mit der Zeit.
Der Zauber war beinahe komplett, doch auch der Speer kam näher.
Alice schluckte, als sie alles was sie besaß um den Sturm zu komplettieren aus ihrer eigenen Kraft nahm. Sie schrie auf vor Anstrengung, doch verebbte ihre Stimme als sie den stechenden Schmerz spürte.
Mit dem Moment, als sie glaubte sämtlichen Halt aus der Luft zu verlieren und ihre Atmung versagte, schickte sie den vollendeten Zauber in die Luft.
Es knallte und das graue Ungetüm, welches die Luft in Sekundenschnelle herunterkühlen ließ, vergrößerte sich bedrohlich um sie.
Selbst das Gebrüll ihres Namens verstummte allmählich um die Fee.
Sie konnte nichts mehr spüren. Keinen Schmerz, doch auch keines ihrer Gliedmaßen.
Weder Hände, noch Beine wollten ihr mehr gehorchen.
Sie starrte lediglich hinauf in den Himmel der nach und nach von dem Grau überdeckt wurde.
Sie hatte es geschafft! Mit ihrem Einsatz würden etliche Soldaten, Krieger und Paladine gerettet sein und auch… ihre Freundinnen und Jared… das war ein so kleines Opfer doch wert, oder?
Beinahe spürte sie eine Träne, die sich aus ihrem rechten Auge flüchtete, als sie die Kälte spürte die sie weiter umgab.
Der Temperaturabfall hüllte sie ein wie ein wohliger Mantel.
Eis und Schnee… das war ihre Natur… ihre Magie… und ihr Leben.
Ehe sich Alice versah sah sie zwischen dem Grau wie es um sie aufleuchtete.
Überrascht blickte sie sich um. Sollte sie nicht langsam in die Stille der Unendlichkeit herüber gleiten? Wieso spürte sie dann immer noch diese Kälte?
Die Fee blickte an sich herab, konnte allerdings keine Wunde mehr feststellen.
Sie tastete sich ab, doch nichts. Kein Blut… kein Schmerz, nur das Leuchten welches sie immer weiter umgab und das Grau langsam verdrängte.
Was bedeutete das?
War sie doch nicht tot?
Aber… was passierte dann mit ihr?
Sie spürte ihre Magie deutlicher als jemals zuvor, nur weshalb?
Ihre Flügel veränderten sich, ebenso ihr Äußeres.
Konnte es sein das… nein, unmöglich!

*

Ich versuchte irgendwie meine hektische Atmung zu verlangsamen.
Dieser Kampf dauerte bereits viel zu lange an. Die Anspannung steckte mir in den Gliedern, wie auch die Müdigkeit langsam in den Knochen.
Ich musste mich bereits zu sehr meiner Konzentration erzwingen.
Nach Stunden war ich inzwischen viel zu erschöpft und ich wusste, dass es Daro genauso ging.
Ewigkeiten in der Luft, ohne eine einzige Pause und das mit Vollgas.
Er drehte und wendete, achtete zudem noch darauf mich nicht versehentlich abzuwerfen.
Ich hatte den besten Drachen der Welt und doch schien es alles nichts zu nützen.
Conver war mit seinem Drachen schneller, stärker, geschickter.
Nur durch aufwendige Ausweichmanöver konnte ich ihn auf Abstand halten.
Das Wetter-Zepter hielt ich fest im Griff. Meine Hand hatte sich inzwischen darum verkrampft aus Angst ihn plötzlich in einem Wendemanöver zu verlieren.
Jeder meiner Muskeln war angespannt während ich drei weitere Blitze in Convers Richtung los ließ.
Mittlerweile wich er nicht mal mehr aus, sondern parierte mit einer Schildtechnik seiner Magie.
Während ich schwächer wurde, schien er stärker zu werden.
Wie war das überhaupt möglich?! Er konnte doch unmöglich alles absorbieren was ich ihm entgegen schmetterte.
Irgendwann musste es doch auch an seinen Kräften zerren, doch nichts dergleichen.
„Kann das denn wahr sein?“ zischte ich schließlich ungehalten.
Mir gingen die Ideen aus. Vor ihm zu flüchten war zu Beginn eine ganz gute Taktik gewesen, doch inzwischen wurde es mühsam.
Das musste langsam enden, ich spürte, dass mein Körper durch das vorherrschende Gift noch immer ausgebremst war.
Andererseits hatte ich geglaubt viel weniger auszuhalten.
Er jagte mich weiter durch die Luft. Immer wieder hörte ich ihn mir zu, gegen den Wind, anbrüllen „Es nützt nichts Varanda! Du kannst diesen Kampf nicht gewinnen!“.
Als wenn ich das nicht gewusst hätte, Besserwisser.
Allerdings machte mich etwas stutzig: Ich hatte geglaubt, dass er das Ganze viel schneller zu Ende bringen würde.
Wenn er gewollt hätte, hätte er mich längst einholen können, worauf wartete er also?
Beabsichtigt hatte ich mich immer weiter von dem Kriegsgelände entfernt, nachdem ich festgestellt hatte, dass es zu viele fehlgeleitete Angriffe gab die auf das Schlachtfeld und damit unschuldige nieder schlugen.
Noch immer hoffte ich, dass niemand ernsthaft davon verletzt worden war.
Ich hatte nicht einmal ansatzweise eine Vorstellung davon wie weit fortgeschritten der Krieg inzwischen sein konnte oder wie es um Callistos Truppen stand.
Ich konnte nur beten, dass es ausreichte Sarcas aufzuhalten.
Im Zweifel würden Zillah und Pluma mit den Estrellas das Volk, Tine und Cinder schützen.
Niemals würden sie sich von den Truppen überrennen lassen, dahingehend vertraute ich den Estrellas.
Schließlich hörte ich erneut Convers Stimme hinter mir „Komm schon Varanda, wie lange willst du das noch durchziehen?“.
Jetzt reichte es?! Wut wallte in mir auf, worauf ich Daros Zügel zog.
Der Drache ging in die Vollen zu stoppen, obwohl er sich leicht dagegen sträubte.
Das unruhige umherschlagen des Kopfes deutete mir, dass er mir riet weiter zu fliegen.
Sein Willensantrieb in allen Ehren, doch auch mein Drache besaß seine Grenzen, obwohl er diese für mich ignorierte.
Ich wandte mich um und hielt ein letztes Mal mit dem Wetter-Zepter auf Conver zu.
Ein Strahl aus Blitzen und Wind schlug ihm entgegen.
Beinahe wie eine Wetterfront der er mit einem Magiekern aus bloßer Hand parierte.
Wir hielten weiter aufeinander ein. Ich konzentrierte all meine Magie in diesem Angriff und glaubte glatt ihm tatsächlich standhalten zu können, doch kaum, dass ich sah wie Conver kurzzeitig mit seiner Anstrengung kämpfte, ließ er einen weiteren Schub seiner Magie darin konzentrieren.
Die aufeinander prallenden Fronten verhärteten sich in einem glatten Unwetter, doch ich sah wie mein Energiestrahl zurück wich.
Er überwältigte mich einfach mit dieser unaufhaltsamen Magie.
Ich hatte keine Wahl als abzubrechen, worauf sein Strahl nur knapp an meinem Kopf vorbei schoss.
Conver brach ebenfalls ab und hielt inne „Ist das Versteckspiel jetzt vorbei?“.
„Ich bitte dich, du hättest es doch längst beenden können, wenn du gewollt hättest“ verhöhnte ich ihn.
Der König verschränkte mit einem Grinsen die Arme vor der Brust, während er stramm und aufgerichtet vor mir auf seinem Drachen stand „Da glaubt mich jemand durchschaut zu haben. Wie du mir, so ich dir, liebe Varanda“.
„Du hältst mich also nur hin“ bekam ich meine lange gehegte Vermutung bestätigt.
„Ich musste nur verhindern, dass du dich weiter in den Plan einmischst“ offenbarte er mir so selbstverständlich, als hätte ich das längst wissen müssen „Wären du und deine Leute doch nur in Magix geblieben, dann wären wir uns nie wieder in die Quere gekommen“.
Ich wurde hellhörig „Was meinst du damit?“.
„Ich bitte dich“ lachte er mich geradezu aus „Du wolltest mir nicht geben was ich wollte und das war in Ordnung, glaub mir. Ich trage dir nichts nach, doch wenn nicht du, dann muss es eben deine kleine Schwester ausbaden, aber das wusstest du sicher, sonst hättest du sie nicht so gut versteckt, nicht wahr?“.
Er glaubte mich zu durchschauen. Dabei beäugte er mich mit diesem hämischen Blick der mir so viel sagen sollte wie, dass sämtlicher Widerstand ihm gegenüber sinnlos war „Du und Cinder, ihr seid nun mal die Einzigen durch die das Blut Sarcas fließt um die Gabe des allsehenden Auges weiterzugeben. Darum konntest es auch nur du sein… um die Schande wieder gut zu machen die ihr uns einst angetan habt… zumindest dachte ich das lange Zeit. Glaub mir, es war sehr interessant zu erfahren, als mein Informant mir berichtete, dass die Gabe des allsehenden Auges in Cinder steckt und nicht in dir. In der Jüngsten von euch und nicht in der Ältesten. Das verändert meine Prioritäten natürlich“.
„Von welchem Informanten sprichst du?“ knurrte ich „Von Dragomir, oder doch von Nora die ihr hier eingeschleust habt? Hast du ihr den Befehl mit dem Gift gegeben? Um uns aus dem Weg zu räumen?“.
Erneut erschallte sein Lachen „Ach, liebste Varanda, wie unwissend du noch immer bist. Mit all dem was in Deinem Schloss in den letzten Wochen vor sich ging habe ich tatsächlich absolut nichts zu tun. Ich habe IHM einfach vertraut, dass er seine Sache gut machen würde. Zwar etwas drastisch, doch mit Erfolg wie man sieht“.
Ich schluckte. Ihm… also doch Dragomir…
Unser eigener Großvater hatte mich und Tine vergiftet… schlimmer noch… er hatte uns verraten.
Unsere Blicke trafen sich.
Convers dunkle Augen wirkten so erfüllt und friedlich, während er den Arm nach mir ausstreckte „Nun denn… bist du bereit dafür als die Prinzessin in die Geschichtsbücher einzugehen, die Callisto ein für alle Mal an Sarcas verloren hat?“.
Ein ironisches Schmunzeln rutschte mir über die Lippen.
Er hatte mich genau da wo er mich haben wollte.
„Mein Volk ist stark… auch ohne mich gibt es so viele Krieger, Offiziere und Paladine die euch bis zum letzten trotzen werden, ob ich da bin oder nicht… es wird keinen Unterschied machen. Auch jetzt kämpfen sie ohne König und werden es auch weiterhin tun wenn es sein muss“ versicherte ich ihm.
Diesem König würde ich sicherlich nie wieder zu seiner Genugtuung beitragen.
Ich sah wie er seine Magie in Handflächen sammelte „Wenn du dich da mal nicht irrst, Kronprinzessin Varanda von Callisto“.
Sollte er es doch versuchen!
 
„Stopp!“ schoss es plötzlich in unsere Mitte.
Überrascht von dem Eingreifen brach der Sarcas tatsächlich seinen Angriff ab „Wer bist du?!“.
Ich erkannte die Fee, die zwischen uns ging natürlich sofort „Amaryl, was tust du?!“.
Ohne den Blick von Conver abzuwenden plapperte sie darauf los „Das ist eine Falle Vara! Ganz Callisto läuft geradewegs in ihre Falle!“.
„Was?“ fragte ich erschrocken. Was wusste sie darüber und vor allem, woher?
„Sie dringen weiter zum Schloss vor. Sie wissen wo sich Cinder aufhält. Sie besiegen unsere Truppen nicht, sondern wollen nur durch die Barrieren hindurch. Es sind so viele, dass wir nicht mehr lange standhalten können. Wir müssen uns neu formieren und dafür brauchen die Krieger ihre Prinzessin, ihre Kriegsherrin!“.
Ich weitete die Augen als sie mir die schlimmsten Erwartungen berichtete die ich hätte haben können „Ich bin im Auftrag von Lady Lia hier. Ich übernehme diesen Kampf“.
„Was?!“ rief ich erschrocken aus „Amaryl, verschwinde! Das ist nicht deine Angelegenheit!“ versuchte ich sie umgehend wieder zum Gehen zu bewegen „Lasst die Truppen sich zurückziehen, rettet einen jeden einzelnen von ihnen, aber das hier kann nur jetzt enden wenn ich nicht mehr davonlaufe“.
Plötzlich wandte sie den Kopf nach hinten und fixierte mich mit den wütenden Augen „Hier geht es nicht um dich! Sondern um all die Menschen die da draußen für ihre Familien und ihre Freiheit kämpfen! Was ist dir wichtiger? Dass deine Leute überleben oder dass ihr den Krieg gewinnt?!“.
Sie riss mich wach. Amaryl hatte vollkommen recht.
Schließlich nahm sie Kampfhaltung an „Sämtliche Paladine da unten sind hier weil sie an dich und deine Führung glauben, vergiss das nicht! Sie brauchen dich und darum wirst du jetzt gehen! Führe sie an wie es deine Aufgabe ist und lass dich nicht weiter in diese Falle locken!“.
„Ach nein, die liebe, kleine Freundin opfert sich für das angebliche Wohl aller. Wie ironisch, was Varanda? Sie opfert sich für dein Leben“ nahm ich Convers Worte nur am Rande wahr.
Es zerriss sich etwas in mir als ich verstand.
Sie wollte meinen Platz einnehmen.
„Lass uns das gemeinsam beenden“ äußerte ich mich ihres Planes, doch darauf ging die Sternenstaubfee nur bedingt ein „Sie brauchen dich Vara… jetzt!“
Ich begriff schnell, dass sie mich zum Gehen überreden wollte, doch…  
Wie konnte Amaryl auch nur annähernd an etwas derartiges denken.
„Hau schon ab Vara! Dein Volk braucht dich mehr als mich!“ brüllte sie plötzlich energischer.
„Amaryl… ich kann dich nicht einfach…“
„NA LOS!“ brüllte diese jedoch auf einmal „GEH SCHON!“.
Beinahe erschrocken von ihrer herrischen Ader, konnte ich nur den Kopf schütteln und bemerkte kaum wie selbst Daro langsam zum Rückzug ansetzte.
Er befolgte ihren Befehl. Ob er ihre Gedanken und Worte nachvollziehen konnte?
„Stopp Daro, wir können sie nicht allein lassen!“ rief ich dem Drachen beinahe panisch zu, als ich realisierte wie er uns entfernte.
Doch meine Worte hatten keine Wirkung mehr auf ihn, stattdessen rief Amaryl zuletzt hinterher „Bring sie in Sicherheit Daro!“.
Ein Satz der ihn nur noch sicherer anherrschte an Abstand zu gewinnen.
Er hörte nicht mehr auf mich, setzte seinen eigenen Kopf durch… er war Amaryls Meinung…
Ich spürte die Tränen in mir aufwallen, als sie sich mutig wie sie war Conver zuwandte „Ich stehe jetzt vor dir!“.
Doch der König begann nur lauthals zu lachen „Du kleine Fee denkst doch nicht ernsthaft, dass du mir etwas entgegen setzen könntest, oder? Varanda hatte gegen mich ja schon keine Chance, aber du unterbietest alles um ein weiteres. Mit dir mache ich kurzen Prozess, ehe ich sie mir doch hole“.
„Dann versuch es doch!“ brüllte Amaryl ihm nur gehässig entgegen und zog ihren Arm über den Kopf, während sie bereits einen Zauber wirkte.
Conver blieb nicht untätig „Wie albern“ und ließ erneut einen Strahl seiner Magie auf die Fee los „Du wirst dir noch wünschen diese kleine Feen-Schule niemals verlassen zu haben!“.
Ich konnte nur verzweifelt dabei zusehen wie Amaryl ihren Sternenschild herauf beschwor gegen welchen der Strahl ungebremst prallte.
Es knallte so gewaltig, dass es den Schild in sämtliche Kleinteile zerschlagen musste.
Alles wurde in eine weiße Staubwolke gehüllt.
„AMARYL!!!“ schrie ich lediglich ihren Namen.
Wieso? Wieso tat sie so etwas?
Ich fiel auf Daros Rücken auf die Knie der selbst wie erstarrt angehalten hatte.
Ich durfte sie nicht durch meine Schuld verlieren…
Als ich jedoch durch meinen Tränenschleier hindurch aufblickte sah ich etwas anderes als erwartet. Die Wolke löste sich geradezu in magischem Licht auf.
Eine wohlige Erinnerung durchzog mich, als ich die energetischen Ströme spürte.
Die Gänsehaut durchzog meinen ganzen Körper. Vom Kopf bis in die letzte Zehenspitze.
Dieses Licht war… einmalig… und mir bekannt…
Ich weitete die Augen, als sich das Leuchten langsam aber sicher in die Fee zurück zog und sich in ihre gewaltigen Schwingen legte.
Sie hatte sich geopfert… natürlich!
„Was passiert da?!“ hörte ich selbst Conver rufen. Das schien er so nicht geplant zu haben.
Augenblicklich schoss Daro auch ohne Aufforderung brüllend zurück zum Geschehen.
Abermals bündelte ich die Magie im Zepter und schoss einen Blitz den der König so nicht kommen sah.
Zu spät erkannte er den Angriff und wurde von ihm erfasst.
Sofort verbannte ich ihn so zurück auf Abstand.
Die vollkommen überrumpelte Fee sah wie erstarrt an sich herab und überprüfte einen jeden Zentimeter ihrer selbst „Was? Wie?“.
Auf Augenhöhe musterte sie mich erstmals sprachlos.
Der hellgelbe Body ihres Feenkostüms war mit einem vorne geöffneten, grün-glänzenden Rock komplettiert und mit wenigen blauen Bändern und Steinen verziert.
Das schulterlange Haar war eingelockt und die vordersten Strähnen waren ihr hinten zusammen gebunden. Ein kleines Diadem auf ihrem Haupt und die funkelnden Handschuhe in einem hellen Gelb.
Die Feenflügel größer und schöner als jemals zuvor waren grün umrandet und ebenfalls gelb und blau verziert.
Sie war unfassbar schön.
Noch immer ihrem fragenden Blick ausgesetzt, beantwortete ich alles mit einem Lächeln „Du bist eine Enchantix Amaryl“.
Nachdem sie die Bestätigung aus meinem Mund zu hören schien, weiteten sich ihre Augen der Begeisterung, ehe sie mir um den Hals fiel „Ich glaube das nicht… wie kann das sein…“.
„Weil du so selbstlos warst“ antwortete ich ihr „Du hast nicht darüber nachgedacht was mit dir passiert, sondern wolltest mich retten… Ich glaube… weil wir inzwischen so etwas wie Familie sind hat das keinen Unterschied gemacht, ob wir von demselben Planeten stammen, oder nicht“ versuchte ich eine plausible Erklärung dafür zu finden.
„Wenn das so ist…“ löste sie sich erneut von mir und wollte sich erneut Conver annehmen, der nachdem er den direkten Blitz abbekommen hatte, noch immer nicht wieder auf den Beinen stand „…dann kann ich es jetzt vielleicht wirklich mit ihm aufnehmen“.
„Amaryl, du…“ wollte ich meine Bedenken gerade äußern, als mir auf einmal der rapide Temperaturabfall auffiel.
War das zuvor auch schon so gewesen?
Eine Kälte hatte um uns eingesetzt die davor nicht spürbar gewesen war.
Ich sah mich fragend um „Spürst du das auch?“.
Amaryl, die zum Himmel blickte rief „Das ist Alice! Sie hat es geschafft! Sie beschwört den Schneesturm!“.
Die grauen Wolken die sich in Windeseile in unsere Richtung ausbreiteten ließen tatsächlich auf ein magisches Phänomen schließen.
Ich staunte „Sie hat es allein geschafft?“. Stolz durchzog mich, als ich die ersten Schneeflocken sah, die auf uns herabregneten.
„Wir müssen hier weg und zwar schnell“ rief sich Amaryl kurzerhand ins Gedächtnis. Ihre kurze Euphorie war der Sorge gewichen.
Ich konnte ihre Gedankengänge nachvollziehen „Ja, oder wir werden in dem Schneesturm eingeschlossen, komm!“.
Doch gerade, als ich Daro den Befehl gab los zu fliegen rief es „Dafür wirst du büßen!“.
Conver hatte sich von dem anhaltenden Zauber befreit, nahm jedoch ebenfalls das Unwetter über unseren Köpfen wahr „Das kann doch nicht wahr sein“.
„Ziehe niemals in den Krieg ohne etwas in der Hinterhand zu haben“ entgegnete ich ihm lediglich. Hier und jetzt würde er uns nicht mehr angreifen.
Der König Sarcas wusste so gut wie ich, dass wir uns in dem Schneesturm verlieren würden, blieben wir weiter in den sich umso mehr ausbreitenden Wolken.
Orientierungsverlust und Erfrierungen würden die Folge sein. Dieses Risiko ging selbst er nicht ein.
Stattdessen trat auch er auf seinem Drachen den Rückzug an und prophezeite zuletzt „Ich bekomme dich noch Varanda, das schwöre ich dir und bis es soweit ist… wollen wir sehen was du ohne deinen so treuen Schutzherren noch bist. Ohne Teiz wirst auch du langsam zu Grunde gehen“.
Ich weitete allarmiert die Augen. Was sollte das heißen?!
Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Er sprach über Teiz?! Weshalb?
„Was?“ fragte auch Amaryl erschrocken, doch da war Conver bereits in den Wolken verschwunden.
Die Stille breitete sich um uns aus, während ich versuchte diese Worte besser zu erfassen.
Teiz war doch bei seiner Einheit… dort konnte ihm nichts passieren… niemals… er war der Offizier… und Enzo war bei ihm… ihm musste es gut gehen.
Amaryl schienen ähnliche Gedanken zu plagen.
Schließlich sah ich wie sich die grauen Wolken um uns enger zogen und die Wintertemperatur weiter zunahm.
Schnell riss ich sie aus ihren Gedanken „Komm! Wir müssen hier weg“.
Ich kam nicht umhin meine leicht befürchtende Tonlage zu unterdrücken.
Sie nickte nur.
Ich musste die Truppen sich sammeln lassen und in Sicherheit bringen. Auch vor ihnen machte dieser Sturm nicht halt, doch waren wir in der Stadt und hinter den Schlossmauern davor sicher.
Nicht einmal die Paladine Sarcas würden sich durch diesen callistianischen Winter durch Eis und Schnee hindurch wagen. Keiner würde das! Fürs erste waren wir alle sicher!

Und doch kam ich nicht umhin mich weiter zu fragen was Conver gemeint hatte?
Er war kein Mensch der so etwas einfach aus dem nichts in den Raum warf…




Hallo,
ich frage einfach mal gerade heraus. Wer hat bei dem Titel zuerst gedacht, dass Vara ihr Enchantix zurückbekommt? ^^ Nein, in diesem Kapitel standen eindeutig Katy, Alice und natürlich Amaryl im Vordergrund die jede auf ihre ganz eigene Weise ihr Opfer gebracht haben. Ich weiß, in meiner Geschichte haben sie sich ihr Enchantix etwas anders verdient als im Original der Serie vorgesehen, aber ich hoffe, dass du das nicht so eng siehst. Man ließt sich im nächsten Kapitel ^^

LG Seilix
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