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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
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04.12.2020 4.436
 
Er sah wie die junge Prinzessin tief ein und ausatmete.
Tine hatte die Hand in Richtung der Klinke erhoben, doch zögerte sie.
Palladium kam nicht umhin zu erkennen wie schwer ihr dieser Schritt fiel und doch wollte sie ihn tun.
Sie war kaum fähig alleine zu gehen, zudem war das Gift in ihrem Körper noch nicht vollkommen abgebaut, doch sie wollte es sich nicht nehmen lassen alles aus erster Hand zu erfahren.
Sie war unfassbar stark. Jede der Prinzessinnen war das.
Er schluckte als er daran dachte, dass sich Varanda, seine Freundin, gerade ihren eigenen Dämonen stellen musste.
Palladium wusste genau, dass er ihr nicht helfen konnte, doch wünschte er sich in jeder Sekunde zu ihr.
Schließlich packte Tine den endgültigen Entschluss und drückte die Klinke herunter.
Vor ihnen lag das Zimmer des Fürsten, welcher sich von einem der Sessel der gegenüberliegenden Wand erhob.
Sein Gesicht zierte die Überraschung überhaupt Besuch zu erhalten.
Der Elf half Tine beim Eintreten. Lediglich ein paar Schritte.
Das Zimmer lag hinter einer Barriere verborgen um Dragomir festzusetzen.
Cinder hatte es so befohlen als sie ihn wegsperren ließ.
Bislang war noch nicht die Möglichkeit gegeben über sein Schicksal zu verhandeln, so wurde er von den Schlosssoldaten lediglich hinter dieser magischen Wand in seinen Räumen festgesetzt.
Dragomir war angespannt wie immer und bewegte sich keinen weiteren Schritt als wolle er, indem er sich von dem Sessel erhob, lediglich zeigen, dass er sich keinesfalls unterkriegen ließ.
Das Veilchen, welches ihm Teiz verpasst hatte war inzwischen über dem rechten Auge, sowie der Nase blau verfärbt.
Palladium kam nicht umhin den Spezialisten in Gedanken dafür zu bewundern und zu loben. Obwohl er keinesfalls ein Freund von körperlicher Gewalt war, war dieser Denkzettel doch angebracht gewesen. Eine solche Hinterhältigkeit den eigenen Enkelinnen das Leben schwer zu machen und für ihren sicheren Tod sorgen zu wollen… für Palladium war all das unverständlich. Er verspürte den Drang in seiner Gegenwart selbst die Hände zu Fäusten zu ballen, so war ihm das glücklicherweise nicht möglich, da er Tine noch immer stützte.
Er zwang sich, sich voll und ganz auf die Prinzessin zu konzentrieren, so unterdrückte er seine aufsteigenden Emotionen.
Nachdem Varanda nun außer Gefahr war, was die vermeintliche „Krankheit“ betraf, verspürte auch er diese zurückgehaltene Wut aufgestauten Zorns.
Tine wollte so nah wie möglich an die magische Barriere heran treten die sie voneinander trennte.
Ihre Augen ließen das innere Bild der Fragen, doch auch der Angst vor den Antworten, blicken.
Sie fixierte ihren Großvater mit ernstem Blick, so auch er.
Beide schwiegen, bis Tine den Mund öffnete etwas sagen zu wollen, doch Dragomir war kurzerhand schneller „Tine… Was immer ihr glaubt zu wissen, es ist falsch!“.
„Was?“ brach die Prinzessin sofort ihren Gedankengang ab.
Der Fürst holte seine Worte aus, sie in einem Tornado nieder zu schmettern „Tine, du kannst nicht wirklich glauben, dass ich dir den Tod wünsche?! Ich habe absolut nichts mit diesem Attentat zu tun und ich weiß auch nicht wie dieser…“ als müsse er sich eine Schimpftirade verdrücken, atmete er tief ein, seine aufsteigende, ihm anzusehende Wut zu unterdrücken „…Elf… darauf kommt“.
Palladium nahm diese unterdrückte Beleidigung hin „Die Beweise sprechen zunehmend gegen Sie“.
Der Fürst näherte sich der Barriere mit jedem weiteren Wort „Beweise? Alles was Sie vorzulegen haben ist das Fläschchen indem sich mein Schlafmittel befinden sollte“.
Palladium ließ sich nicht davon einschüchtern, egal wie nah er ihnen noch treten wollte „Sie meinen das Schlafmittel das sich als Gift herausgestellt hat? Ein Gift welches Nora selbst hergestellt hat und nach eigener Aussage für Prinzessin Varanda angefertigt haben soll? Sie arbeiten doch mit ihr zusammen“.
Die Entfernung ihrer Gesichter betrugen lediglich Zentimeter.
Dragomir zischte zunehmend ungehaltener „Ich habe keine Ahnung wovon Sie sprechen. Nora verschwand vor Jahren spurlos ohne ein Lebenszeichen! Und der Einzige der angeblich mit ihr Kontakt gehabt haben soll sind Sie selbst! Wahrscheinlich sind Sie für all das verantwortlich und suchen jemanden um es in die Schuhe zu schieben“.
Ehe Palladium etwas auf diese wirre und aussagelose Anschuldigung erwidern konnte, griff Tine ein „Sei still! Palladium ist derjenige der uns geholfen hat! Er hat ein Gegenmittel gefunden und nur dank ihm ist Varanda fähig diesen Krieg überhaupt zu führen. In diesem Augenblick stellt sie sich in deiner Position dem König von Sarcas und das in ihrem Zustand! Ich lebe und sie lebt! Aber das ist nicht dein Verdienst, also zolle gefälligst ein wenig Respekt, wenn du das überhaupt kannst. Ich hoffe, dass du zufrieden mit dem bist was du angerichtet hast“.
Auch sie begegnete ihrem Großvater mit purem Hass.
Dragomir schien die Prinzessin erst jetzt wirklich zu bemerken und zu verstehen, dass sie wie sie leibt und lebte vor ihm stand. Beinahe wie kerngesund… „Tine…“ sprach er ihren Namen aus als würde ihm die Luft weg bleiben „…verzeih… ich weiß, dass ich dich viel zu früh aufgegeben habe… du bist wirklich eine Kämpfernatur… und ich bereue zutiefst“.
„Ich wünschte ich könnte dir das glauben…“ flüsterte sie, als käme in jenem Moment die Trauer über dem Zorn in ihr hoch.
Einen weiteren Moment erfüllte Stille den Raum, bevor die Prinzessin tief ein und ausatmete um noch einmal von vorne zu beginnen „Eigentlich bin ich nur hier, weil ich eines von dir wissen muss… Ist es wahr? Hast du uns vergiftet? Hast du Luzia ermordet?“.
„Nein!“ kam es wie aus der Pistole geschossen „Ich kann es nur wieder und wieder wiederholen. Ich habe nichts getan! Niemals wäre ich dazu in der Lage dich zu vergiften Tine! Ich wollte, dass du den Thron besteigst und nichts anderes, dann hätte ich mich in meinen wohlverdienten Ruhestand zurückziehen können und dich alles regeln lassen. Und auch wenn Varanda und ich unsere Uneinigkeiten haben, ich sie gelegentlich rüge und auch manchmal das Bedürfnis habe sie zu erwürgen… niemals… nicht eine Sekunde könnte ich daran denken ihr etwas anzutun… ihr seid meine Enkelinnen… Familie… auch wenn ich das gelegentlich vergesse…“
Misstrauisch zog Palladium eine Augenbraue nach oben… er begann tatsächlich ihm zu glauben.
War es möglich, dass sie einen Fehler begangen hatten?
„Aber… wie kam dann das Fläschchen mit dem Gift zu Ihnen?“ wollte er auch dieses Phänomen klären und wartete wie sich Dragomir da heraus reden wollte.
„Ich habe keine Ahnung“ war keine sehr glaubwürdige Begründung „Ich kann mich nicht einmal daran erinnern es eingesteckt zu haben. Normalerweise steht mein Schlafmittel immer auf meinem Nachttisch… es war sogar dieselbe Flasche, das leugne ich nicht… aber ich kann es nicht erklären und was immer dieses kleine Wesen gesehen hat oder nicht… das kann unmöglich ich gewesen sein! An jenem Morgen… ich hatte vor ein paar Unterlagen die Zeit vergessen… darum kam ich zu spät zur Konferenz“.
Das alles klang auch weiterhin nach unglaubwürdigen Ausflüchten oder war es tatsächlich der Fall, dass die dümmsten Zufälle zusammen liefen?
Palladium bemerkte wie Tine die Augen weitete. Bedeutete das, dass sie ihm glaubte?
„Was ist mit dem Tee?“ stellte Palladium seine letzte Frage „Enzo sagte, dass Sie Varandas Lieblingstee gekocht hätten? Es war der vergiftete Tee“.
Dragomirs Blick glich dem Unglauben schlechthin „Wie bitte? Niemals würde ich selbst Tee kochen! Dafür gibt es bedienstete im Schloss! Er muss da etwas verwechselt haben“.
Palladium verlief sich in seinen Gedanken. Das passte doch alles nicht zusammen…
War es wirklich möglich, dass jemand Dragomir etwas anhängen wollte? Nora etwa?
Nicht undenkbar… aber mit welchem Motiv? Ging es bei alldem tatsächlich nur um die Thronesnachfolge? Oder steckte da noch etwas anderes dahinter?
Konnte es sein, dass jemand versuchte auf diese Weise ein Mitglied der Königsfamilie nach dem anderen auszuschalten?
Palladiums Vermutung, dass sie mit Absicht auf eine falsche Verte gelockt wurden, verhärtete sich. Und wenn Nora wirklich ganz allein hinter all dem steckte… war der Feind dann noch immer näher als sie glaubten?
Wer sagte ihnen, dass sie sich nicht immer noch im Schloss befand, nur weil sie keiner finden konnte?
Schließlich stellte er die alles entscheidende Frage „Dragomir… was hat es mit dem allsehenden Auge auf sich?“.
Das Gesicht des Fürsten entgleiste der Schockstarre „Wie kommen Sie darauf?“.
„Ist es möglich, dass ihr Cinder nur deswegen vom Krieg ausgeschlossen habt, weil die Königsfamilie etwas darüber weiß?“.
Dragomir war klar anzusehen, dass sie beide denselben Gedanken hegten.
Der Fürst musste sich mit einem Senken des Blickes eingestehen, dass der Elf ins Schwarze traf „Ich habe Varanda niemals die Schuld an der Kriegserklärung gegeben und das weiß sie. Das alles basiert auf etwas viel größerem und wie sich herausgestellt hat auch etwas das viel bedrohlicher ist. Wer und was auch immer es ist… es agiert aus unserer Mitte heraus und zwingt uns einen nach dem anderen in die Knie… so lange, bis es sein Ziel erreicht hat“.

*

Teiz verlor sämtliches Zeitgefühl.
So viele Informationen wie ihm von allen Seiten zugetragen wurden, waren kaum möglich, alle in wenigen Minuten zu verarbeiten. Enzo hatte sich einen Moment entfernt um wohl weitere Auskünfte der anderen Einheiten einzuholen.
Alles war ein pures Durcheinander und doch musste er Ruhe bewahren.
Von David und Jared hatte er nichts mehr gehört.
Die Spezialisten waren einfach in den Massen verschwunden aus denen er zuvor geflüchtet war.
Teiz fühlte sich bei diesem Gedanken elend.
Seine Freunde waren so mutig wie sie naiv und leichtsinnig waren.
Die Schuldgefühle nagten an ihm. Er hätte sie aufhalten sollen.
Keiner von beiden hatte auch nur ansatzweise die Ahnung wie es bei einem Krieg vonstattenging. Schon gar nicht an vorderster Front.
„Sr. Teiz!“ wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als er Enzo anfliegen sah.
Seine Paladinflügel verschwanden mit der Landung.
„Was gibt es?“ erfragte er Schutzherr sofort seinen Kopf weiterer Kriegsdetails auszusetzen die sein Hirn möglicherweise noch zum Platzen bringen würden. Doch das musste er in Kauf nehmen.
„Wir erwarten einen Hinterhalt!“ hielt Enzo auch nicht mit diesen hinterm Berg.
„Einen Hinterhalt? Was soll das bedeuten?“ sofort war Teiz allarmiert.
„König Conver scheint vollkommen andere Pläne zu verfolgen als wir bislang dachten. Es geht ihm nicht darum Prinzessin Varanda zu besiegen, er muss etwas größeres planen“.
„Und was?“ hakte der Schutzherr nach. Sobald es um Vara ging konnte er es selbst nicht leugnen wie er langsam aber sicher aus der Haut fuhr.
„Das weiß ich nicht, aber ein Späher hat ausgekundschaftet, dass im Wald der Stille ein Ritual abgehalten wird. Was auch immer sie damit bezwecken, wir müssen das unterbinden… zudem…“.
„Was?“ wurde Teiz bestimmter alles zu erfahren.
„Nora… soll unter ihnen sein“ gestand Enzo zuletzt.
Sofort entgleisten dem Spezialisten sämtliche Gesichtszüge.
Das Miststück, das das Gift für Vara und Tine hergestellt hatte?! Das konnte absolut nichts Gutes bedeuten.
„Wir müssen das sofort unterbinden!“ der Oberoffizier war ebenso entschlossen wie er selbst.
„In Ordnung, lass uns ein paar Männer mitnehmen und uns sofort auf den Weg machen“ stimmte Teiz unumwunden zu. Er würde die weitere Kriegsführung seinen Jungs überlassen müssen.
Nora war ein Problem das sie nicht auf die leichte Schulter nehmen durften.

*

Bereits von weitem sah Zillah das unmenschliche Treiben.
Nach ihrem langen Lauf verschnaufte sie, während sie von dem Hügel den sie erklommen hatte, hinab in das Kriegsgebiet blickte.
Kein Zweifel, es sah alles andere als gut aus.
Innerlich fluchte sie, nicht zumindest ein paar wenige ihrer Krieger mit sich genommen zu haben.
Die vorderste Front sah lediglich aus wie ein zerstreuter Ameisenhaufen. Ihre Streitkraft hatten sie wie erwartet zu einem großen Prozentsatz eingebüßt.
Die wenigen kampffähigen Soldaten und Paladine dieser Einheit wirkten kaum als könnten sie noch Herr über die Lage werden.
Diese Einheit durchbrochen waren die Sarcas bis zu den West- und Osteinheiten vorgedrungen wie sie sah.
Die Kämpfe waren in vollem Gange und selbst Lias Dracheneinheit hatte an Fahrt aufgenommen. Die letzte verbliebene Truppe ehe sich die feindlichen Mächte ihren Weg hindurch gekämpft haben würden.
Das zu verhindern verfolgten sie einen jeden Sarcas der es schaffte zu entwischen.
Sie beobachtete eine der wenigen Feen unter ihnen.
Wohl die Einzige die ohne Drachen unterwegs war, zudem hatte Zillah sie bei der Großbesprechung gesehen.
Eine verbündete der Kronprinzessin erinnerte sie sich, die zuletzt auch Prinzessin Cinder unterrichtet hatte. Der Name war ihr allerdings entfallen.
Die Fee verfolgte einen Soldaten der zunächst glaubte unbemerkt hindurch zu gelangen, doch nicht ihren aufmerksamen Augen entkam.
Mit einem gezielten Angriff eines Strahls brachte sie ihn auf den Grund und fixierte ihn zuletzt am Boden.
Mit einigen anderen schien sie das zuvor auch schon getan zu haben.
Ein sehr interessantes, sowie ungewöhnliches Vorgehen in einem Krieg, dabei schienen sie damit eine bestimmte Strategie zu verfolgen.
Über all dem, was sowieso auf Plateauebene geschah, trug sich indessen ein weiterer Kampf fort… oder mehr ein Versteckspiel.
Die Estrella schämte sich bei dem Anblick glatt…
Diese arrogante Prinzessin hatte wirklich allen Ernstes beschlossen es selbst mit dem König von Sarcas aufzunehmen. Ein durch und durch trauriges Bild wie sie den Drachen lediglich zur Flucht lenkte um ja nicht in Convers Angriffsfeuer zu geraten.
Dieses Weib hatte es in einem direkten Kräftemessen nicht einmal geschafft ihr Stand zu halten, nein, sie hatte aufgegeben als es brennslich wurde und dann wollte Varanda sich einem Gegner stellen der noch um ein dreifaches stärker sein durfte…
Zillah konnte nur den Kopf schütteln. Mumm hatte sie ja, das musste man ihr lassen, nur war sie mindestens auch genauso dumm.
Was um Himmelswillen ritt sie dazu? Nur der stolz? Große Reden schwingen und dann nur heiße Luft zustande kriegen konnte sie ja gut…
Ein paar weitere Minuten verfolgte die Estrella das Geschehen mit den Augen, als ihr drei weitere Krieger Sarcas auffielen.
An der Seite schlichen sie sich vorbei und entgingen damit wohl selbst der wachsamen Fee.
Doch nicht mit ihr!
Kampfbereit zog sich Zillah ihr zu einem Pferdeschwanz gebundenes Haar fest und sprintete los. Das hier war auch ihr Krieg und wenn sie damit selbst dem Königshaus zur Seite stehen musste, verdammt nochmal! Von keinem dieser Wichtigtuer würde sie sich jemals wieder abschrecken lassen!

*

Amaryl verschnaufte einen kurzen Moment, als sie zu Lia zurück auf Augenhöhe flog „Der ist am Boden“.
Die Offizierin nickte zufrieden „Du bist nicht schlecht“.
Noch immer hielt sich die Gräfin lediglich auf ihrem Drachen und wartete ab.
Ihre gesamte Einheit war inzwischen in dem Getümmel verwickelt.
Drachen hielten ihren Artgenossen Stand und vertrieben die feindlichen Paladine.
Der Kampf in der Luft spitzte sich zu und war zunehmend von Energieströmen und Zaubersprüchen geprägt.
Fehlgeleitete Geschosse flogen umher denen Amaryl gezwungen war auszuweichen oder mit einem Schild zu parieren.
Natürlich schlichen sich auch ein paar Blindfische unbemerkt durch das Geschehen die Amaryl und Finn jedoch bislang mit Erfolg abpassten.
„Das werden nicht weniger“ sprach die Fee irgendwann ihre Gedanken aus.
„Nein“ musste Lia zustimmen, die jedoch in etwas anderes mehr vertieft schien.
Sie verengte weiter die Augen, während sie beobachtete „Irgendetwas stimmt da nicht…“.
„Was meinst du?“ fragte Amaryl sich kein Detail entgehen zu lassen.
„Sie agieren viel zu schnell…“ dachte Lia wohl nur laut und ließ dabei ihre Pupillen in die unterschiedlichsten Richtungen schnellen „…das ist zu untypisch. Sie sind überhaupt nicht darauf aus unsere Soldaten zu töten… sie strecken sie nicht nieder… sie kämpfen sich nur hindurch… und das gezielt…“.
„Gezielt? Aber worauf? Zur Stadt? Haben sie es auf die Bewohner abgesehen?“ versuchte die Sternenstaubfee ihre Gedanken zusammen zu fassen.
Die Gräfin drehte den Kopf in die Richtung zurück, Amaryl tat es ihr gleich.
Die Stadt lag von dieser erhöhten Position aus sehr winzig im Hintergrund, was diese jedoch überragte war… das Schloss!
Sofort wurde es auch der Fee bewusst und Lia bestätigte „Nein. Sie haben es auf etwas größeres abgesehen. Sie wollen zum Schloss durchdringen“.
„Da sind noch drei!“ brüllte es plötzlich zu ihnen herüber.
Finn, der eine Runde gezogen hatte um seine Leute ebenfalls zu unterstützen hatte Soldaten entdeckt die ihnen soeben entwischen wollten.
„Ich kümmre mich drum!“ informierte Amaryl kurzerhand und schoss mit ihren Flügeln bereits auf die schnell verschwinden wollenden Paladine zu.
Diese hielten sich dicht am Boden und versuchten tatsächlich ein kompliziertes Manöver ihre Verfolger abzuschütteln.
Finn hatte sich Amaryl angeschlossen und rief „Ich passe sie ab!“, damit entfernte er sich von der Flugbahn und gewann an Höhe um sich einen passenden Luftstrom zu suchen.
Die Fee blieb indessen dran, wich einem Felsen nach dem anderen aus, wusste jedoch kaum welchen von den dreien sie verfolgen sollte.
Diese Paladine waren schlau, zwar hielten sie dieselbe Flugbahn bei, doch tauschten aufwendig ihre Positionen durch um sie zu verwirren.
Ihre Plasmakugeln verfehlten auf diese Weise, egal wie viele sie abschoss.
Lia hatte recht. Sie nahmen direkten Kurs auf die Stadt und damit auch das Schloss.
Amaryl legte noch einen Zahn zu, als seitlich bereits ihre Unterstützung herab stürzte und im direkten Angriff einen der Paladine attackierte, der den Jungen mit dem gezogenen Stab nicht kommen sah.
Der Sarcas schlug rücklinks gegen einen Felsen.
Das war Amaryls Chance! Erneut formte sie eine Plasmakugel und konzentrierte sich auf ihr Ziel. Schuss und Treffer!
Auch dieser Paladin fiel zu Boden.
Dasselbe wollte sie ein weiteres Mal versuchen.
Der letzte Verbliebene sah einen Moment zurück, sich ja nicht auch noch von Amaryl erwischen zu lassen, bloß übersah er damit sein eigentliches Hindernis.
Die Fee erschrak und bremste ihren Flug ab, als sie eine Person frontal auf sie und den Paladin zu rennen sah.
Erst als sie bereits das Schwert zückte, blickte der Sarcas zurück nach vorne und wurde nur noch zur Seite geschlagen.
Amaryl erkannte sie sofort wieder und landete „Zillah, was tust du hier?“.
Die, in der Regel so gezügelte Frau schwang auch in dieser Situation nur glatt gelangweilt und monoton das Schwert über die Schulter „Euch den Arsch retten“.
Auch Finn, der sich um die Festsetzung der Sarcas gekümmert hatte begrüßte seine Mitstreiterin, die er inzwischen des Öfteren durch sein Training kennen gelernt hatte mit einem Grinsen „Hey, du bist auch hier? Ich dachte du bist bei den Estrellas abgesetzt worden“.
„Das war zumindest der Plan der Hoheiten“ antwortete sie zumindest ihm etwas entspannter „Pluma bekommt das schon geregelt. Und wie es scheint ist es ganz gut, dass ich hier mal nach dem Rechten sehe“.
„Wir können jede helfende Hand gebrauchen“ lud Finn sie kurzerhand ein mitzumischen.
Der Junge wusste offenbar wie man mit dieser etwas unterkühlten Estrella umzugehen hatte, daher hielt Amaryl sich dezent im Hintergrund. Zumindest bis auch Zillah feststellte „Merkwürdig, dass sie nur versuchen durch die Barrieren zu brechen... sie wollen wohl wirklich die Stadt vernichten“.
„Nein, sie wollen etwas anderes…“ erwiderte die Sternenstaubfee.
„Achja? Und was?“ hörte auch Finn zu.
„Sie wollen zum Schloss“ setzte sie auch die beiden auf den neuesten Stand der Dinge.
Zillah jedoch zog eine braue irritiert nach oben „Zum Schloss? Dort ist doch niemand mehr“.
Finn begriff schneller „Niemand außer Athmos, Prinzessin Tine und Prinzessin Cinder, aber dann wollen sie nicht Varanda, sondern…“.
Amaryl bestätigte seine Vermutung „Richtig, Cinder besitzt das allsehende Auge. Sie ist der Grund für den Angriff“.
„Sie wollen, dass sich die Geschichte wiederholt. Sie wollen zum Schloss um Cinder zu entführen! Das müssen die Truppen wissen!“ Zillah war nicht mehr zu halten.
Sie stürmte los in die Richtung aus der Amaryl und Finn gekommen waren.
Die beiden folgten ihr zu Lady Lia zurück, welche ihren Drachen landete, als sie die Offizierin der Estrellas kommen sah.
„Ist das wahr?“ überfiel diese sie sofort „Sarcas wollen das allsehende Auge zurück?“.
„Davon gehe ich aus“ nickte Lia „Nach all den Jahren war es ihnen niemals genug. Die Schande ihre Gabe einst an uns verloren zu haben sitzt zu tief. Es passt zu ihrem Muster. Genau wie vor 100 Jahren… als Carlhang Xavier entführte…“.
„Dann müssen wir standhalten! Keiner von ihnen darf die Barrieren überwinden“ klang es von der Estrella glatt wie eine Anweisung.
„Ich habe die anderen Einheiten bereits alles wissen lassen, nur…“ gab Lia weiter, worauf Amaryl vor trat „Nur was?“.
Die Lady seufzte „Ich konnte weder Obergeneral Enzo, noch Sr. Teiz erreichen… die beiden sind wie vom Erdboden verschluckt“.
„Was? Wie kann das sein?“ Zillah fiel erstmals aus ihrer so einförmigen Art.
„Anscheinend haben sie sich von ihrer Einheit entfernt, allerdings kann keiner sagen weshalb und ohne die Offiziere sind ihre Truppen umso angreifbarer…“ gab Lia ihrer Bedenken Ausdruck.
Amaryl konnte nicht anders als ihre Sorge abermals zu unterdrücken.
Es stand eindeutig zu viel auf dem Spiel um sich jetzt blindlinks von den eigenen Emotionen leiten zu lassen.
„In Ordnung, dann müssen wir jetzt schnell handeln“ schloss Zillah sich mit der Gräfin kurz „Ich werde zur vordersten Front aufstoßen und ihre Position übernehmen. Finn, du kommst mit. Ich kann dich gut als Informant gebrauchen“.
„Ja!“ stimmte dieser sofort zu.
Auch Lia war einverstanden „Das scheint mir eine gute Strategie. Falls Enzo und Teiz auftauchen gib mir umgehend Bescheid“.
Mit diesen letzten Worten lief die Estrella los, Finn flog ihr dicht hinterher.
Amaryl blickte ihnen lediglich nach. Wenn das mal gut ging…
Am liebsten wäre sie mit ihnen geflogen, doch ihr Platz war an Lias Seite den sie nicht verlassen durfte.
Die Lady baute auf sie wie auf einen jeden anderen ihrer Einheit.
Sie sah Finn die wenigen Sekunden nach in denen er zu sehen war, ehe der Paladin tiefer flog und in der Menge verschwand.
„Es gibt noch jemanden die das unbedingt wissen sollte…“.
Überrascht sah Amaryl zu ihrer Offizierin, welche den Blick inzwischen gen Himmel gerichtet hatte.
Weit in der Ferne tobte noch immer der Kampf zwischen Varanda und Conver.
Beinahe so weit entfernt, dass es aussah als würden kleine Fliegen am Horizont in ihrer Balzzeit umeinander her tanzen.
Aus irgendwelchen Gründen war es ihr ein leichtes den Gedankensprüngen ihrerseits zu folgen als seien es ihre eigenen „Aber wie können wir ihr das sagen?“.
„Ganz einfach, jemand muss hin“ fixierte Lia sie wieder mit ernstem Blick „Diese Schlacht verläuft früher oder später in ein aussichtsloses Machtspiel das Callisto nur verlieren kann. Sie überrennen uns sobald sie durch sämtliche Barrieren hindurch brechen. Wir brauchen den Notfallplan!“.
Amaryl weitete die Augen. Den Notfallplan eines Schneesturms um ihre Feinde auszubremsen?!
Niemals würde Vara jetzt die Zeit dafür finden und allein würde Alice das niemals schaffen, darüber hinaus war es viel zu warm um auf ein klimatisches Wunder zu hoffen.
Es war als würde Lia an ihr Vorgehen festhalten, während sie noch laut darüber nachdachte „König Conver ist zu sehr mit der Prinzessin beschäftigt um etwas zu bemerken und die Truppen schnell genug neu zu formieren. Sie werden keine andere Wahl haben als sich zurück zu ziehen. So können wir zumindest etwas Zeit gewinnen, das einzige was uns gut in die Karten spielt! Ich werde Mathis Bescheid geben. Deine Freundin muss anfangen“.
„Das wird sie niemals allein schaffen!“ rief Amaryl die unausweichliche Tatsache aus „Selbst mit Vara zusammen ist es nur eine kleine Chance, dass es gelingt, aber nur Alice…“.
„Wir stellen ihr alle Wetterzauberer zur Verfügung die wir auf die Schnelle finden können, aber dann liegt es an ihr. Sie muss es schaffen, ob mit oder ohne die Prinzessin!“ aus Lias Mund kam es glatt wie ein Befehl.
Die Sternenstaubfee schluckte „Aber wer wird dann Vara über alles informieren? Angenommen es funktioniert, steckt sie dann nicht mitten in dem Sturm? Wir können doch nicht riskieren, dass sie dort nicht mehr raus kommt!“.
Die Offizierin schloss kurz überlegend die Augen „Richtig und darum musst du sie warnen! Hilf deiner Freundin!“.
„Was? Aber…“ wollte Amaryl geradewegs protestieren die Wünsche von Varanda akzeptieren zu wollen, dass sich keiner in ihren Kampf einmischte, doch Lia blieb hart „Hier geht es nicht mehr um einen einfachen Kampf oder eine Auseinandersetzung! Um den Stolz der Königsfamilien schon gar nicht! Wenn wir so weiter machen werden wir ihnen genau in die Falle laufen. Sie hoffen auf unsere Sturheit den Krieg mit allen Mitteln gewinnen zu wollen, also dürfen wir genau das nicht tun! Ich glaube sogar… Conver hätte sie bereits längst besiegen können, wenn er das gewollt hätte…“.
„Du meinst er hält sie nur hin?!“ fügte sich für die Fee 1 und 1 zusammen.
„Ich befürchte es fast“ verengte Lia die Augen.
„Aber… was ist dann mit dir? Wenn ich gehe fällt deine Rückendeckung weg. Wer fängt die Sarcas dann ab?“.
Lias belustigtes Grinsen zeigte ihr, dass es die Offizierin sichtlich amüsierte, dass Amaryl ihr diese Hilflosigkeit zutraute „Lass das mal meine Sorge sein“.
Ehe sich die Sternenstaubfee versah setzte Lia eine ungemein starke Energiewelle frei vor der sich Amaryl glatt mit den Armen vor dem Gesicht schützen musste.
Doch als sie wieder hin sah, staunte sie.
Die Frau mit dem braunen, langen Haar zierten plötzlich ein wunderschönes, dunkel violettes Kleid, sowie ein vergoldeter Kranz um die Stirn.
Doch am allermeisten stachen die atemberaubenden, großen, glänzenden Flügel auf ihrem Rücken hervor.
„Du bist eine Fee?!“ konnte Amaryl nicht mehr an sich halten.
Ein beinahe sorgenfreies Grinsen der Lady, als sich diese mit ihren Schwingen von dem Drachen erhob „Dachtest du etwa auf Callisto gäbe es keine?“
Erneut spürte die Sternenstaubfee einen Energiekern den Lia in sich bündelte, ehe sie ihre Magie freisetzte und aus ihrem Rücken leuchtende Fäden schossen.
Erst auf den zweiten Blick erkannte sie die einzelnen, glatt durchsichtig schimmernden Glieder der Ketten die weißes Licht umgaben.
„Du musst dir um diese Einheit absolut keine Sorgen machen. Ich bin die Fee der fesselnden Ketten!“ präsentierte sich Lia erstmals der Truppe als das was sie wirklich war.
Wie durch einen stillen Befehl beobachtete Amaryl wie die von Magie durchfluteten Ketten sich erweiterten und in Sekundenschnelle durch die Luft schossen um sich ihre Ziele zu suchen.
Es waren gleich mehrere Sarcas die sich ihren Weg durch die Dracheneinheit bahnten und kurzerhand von der Offizierin mit den Gliedern festgesetzt wurden.
Umwickelt und kampfunfähig von den magischen Ketten hielt sie nur weiterhin die Arme erhoben und steuerte alles wohl lediglich durch ihre Gedanken.
„Wahnsinn!“ konnte Amaryl dem nur den größten Respekt zollen, als sie feststellte, dass es für absolut keinen ein Durchkommen gab.
„Nun geh schon!“ forderte Lia daraufhin ein weiteres Mal auf „Ich komme klar und deine Freundin braucht dich jetzt!“.
Mit neu gefasstem Mut nickte Amaryl hastig „Danke!“.
Augenblicklich war sie nicht mehr zu halten und hielt in bestmöglicher Geschwindigkeit auf
Varanda und Conver zu.


Hallö,
heute etwas später als sonst, habe ich es aber trotzdem noch geschafft ein Kapitel hochzuladen. Tine hat darin ebenfalls wieder ihren kleinen Part bekommen, die langsam wieder auf die Beine kommt. Außerdem wollte ich auch Finn und Zillah nicht ganz außer Acht lassen. Alles in allem bin ich ganz zufrieden mit dem Kapitel und beim Schreiben hat mir selbst Dragomir ein wenig leid getan. Er appelliert immer noch an seiner Unschuld, dabei sind Palladium und Tine noch nicht genug davon überzeugt um ihn frei zu lassen. Die beiden werden irgendwie ganz unbewusst zu seinem kleinen gespann wie mir gerade auffällt... ja, der immer hilfsbereite Elf nunmal ^^ zumindest stelle ich mir Palladium so vor. Nun denn, dann leißt man sich beim nächsten Mal wieder.

LG Seilix
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